Maxime Alkan

Maxime Alkan, eigentlich Maxime Morhange, auch Maxime Morhange Alkan, nach den maßgeblichen modernen Nachweisen * 28. Mai 1818 in Paris, † 1. März 1891 in Paris; abweichend überliefert auch * 20. Mai 1818, † 2. März 1897; französischer Pianist, Komponist populärer Klaviermusik, Tanzkomponist, Arrangeur, Conservatoire-Schüler und Mitglied der jüdisch-französischen Musikerfamilie Morhange/Alkan.

Überblick

Maxime Alkan war ein französischer Pianist und Komponist populärer Klavier- und Tanzmusik aus der Pariser Familie Morhange/Alkan. Sein bürgerlicher Name war Maxime Morhange. Wie seine Geschwister führte er im musikalischen Leben den Namen Alkan, der ursprünglich der Vorname seines Vaters Alkan Morhange war. In der Familienfolge kann er als Alkan (4) geführt werden: nach Céleste Alkan, Charles-Valentin Alkan und Ernest Alkan.

Die heute stärker belegten Nachweise führen ihn mit den Lebensdaten 28. Mai 1818 bis 1. März 1891. Die vom Nutzer vorgelegte abweichende Angabe 20. Mai 1818 bis 2. März 1897 wird hier quellenkritisch notiert, aber nicht als Hauptdatierung übernommen. Für den Seitenansatz ist die BnF- und IMSLP-nahe Form 1818–1891 vorzuziehen, weil sie in modernen Katalogen und Werklisten übereinstimmend erscheint.

Maxime Alkan studierte ab 1827 am Conservatoire de Paris. Er erhielt 1829 einen ersten Preis in Solfège und 1834 einen ersten Preis im Klavier in der Klasse Pierre-Joseph-Guillaume Zimmermanns. Diese Ausbildung ordnet ihn in dieselbe institutionelle Pariser Musikkultur ein, aus der auch sein berühmter Bruder Charles-Valentin hervorging.

Anders als Charles-Valentin Alkan wurde Maxime nicht als radikaler romantischer Klavierkomponist berühmt, sondern als Autor populärer Musik. Er bezeichnete sich selbst als pianiste de soirées, also als Pianist für Abendgesellschaften. Diese Selbstbezeichnung ist kulturgeschichtlich aufschlussreich: Sie verweist auf die Pariser Salon-, Tanz- und Unterhaltungskultur, in der Klavierstücke, Polkas, Polka-Mazurkas, Quadrillen, Walzer, Arrangements und gesellige Musik eine zentrale Rolle spielten.

Maxime Alkan schrieb mehr als hundert Suiten und Tanzstücke für Klavier, teilweise auch mit Violine, Violoncello oder Cornet à pistons. Außerdem arrangierte er Werke von Komponisten wie Johann Strauss Vater und Joseph Lanner. Sein Werk gehört damit nicht zur heroischen Virtuosenromantik, sondern zur gedruckten Gebrauchsmusik, zur bürgerlichen Tanzkultur und zur musikalischen Ökonomie des Pariser 19. Jahrhunderts.

Für ein Kulturlexikon ist Maxime Alkan wichtig, weil er eine andere Seite der Familie Morhange/Alkan sichtbar macht. Neben dem kanonischen Charles-Valentin steht Maxime für die alltägliche, kommerzielle, salonfähige und tanzorientierte Klavierproduktion. Gerade diese Musik bestimmte die reale Praxis vieler Haushalte, Ballsäle, Abendgesellschaften und Musikverlage stärker als manche heute berühmtere Kunstmusik.

Kurzdaten

Name Maxime Alkan.
Geburtsname Maxime Morhange.
Weitere Namensformen Maxime Morhange Alkan, Maxime Morhange dit Alkan, Alkan, Maxime, Morhange, Maxime.
Alphabetischer Ansatz Alkan, Maxime; zusätzlich als Morhange, Maxime zu verweisen.
Dateiname alkan-maxime.shtml.
Geburt Nach modernen Nachweisen 28. Mai 1818 in Paris; abweichend überliefert auch 20. Mai 1818.
Tod Nach modernen Nachweisen 1. März 1891 in Paris; abweichend überliefert auch 2. März 1897.
Beruf Pianist, Komponist populärer Klaviermusik, Tanzkomponist, Arrangeur, Conservatoire-Schüler, Solfège-Schüler, Klavierschüler und Mitglied der Musikerfamilie Morhange/Alkan.
Selbstbezeichnung Pianiste de soirées, also Pianist für Abendgesellschaften beziehungsweise gesellige Pariser Musikpraxis.
Ausbildung Ab 1827 am Conservatoire de Paris; Solfège und Klavier.
Auszeichnungen Erster Preis in Solfège 1829 und erster Preis im Klavier 1834.
Klavierlehrer Pierre-Joseph-Guillaume Zimmermann am Conservatoire de Paris.
Familie Sohn von Alkan Morhange und Julie Morhange, geborene Abraham.
Geschwister Céleste Alkan, Charles-Valentin Alkan, Ernest Alkan, Napoléon Alkan und Gustave Alkan.
Hauptgattungen Polka, Polka-Mazurka, Quadrille, Walzer, Suite de danses, Salonstück, Klavierarrangement, Tanzbearbeitung und leichte Klaviermusik.
Besetzungen Vor allem Klavier solo; daneben Klavier mit Violine, Violoncello oder Cornet à pistons sowie Arrangements und Bearbeitungen fremder Tanzmusik.
Werkumfang Mehr als hundert Suiten beziehungsweise Tanzstücke in populärem Stil; in BnF-Daten erscheinen rund einhundert musikalische Ressourcen zu Maxime Alkan, während IMSLP nur einen kleineren frei zugänglichen Ausschnitt nachweist.
Kulturelle Bedeutung Vertreter der populären Pariser Klavier- und Tanzmusik des 19. Jahrhunderts; wichtig als Mitglied der Familie Morhange/Alkan und als Beispiel für den professionellen Pianisten und Arrangeur der Salon- und Abendgesellschaftskultur.

Name, Familienname und Ansatzform

Maxime Alkan wurde als Maxime Morhange geboren. Wie seine Geschwister verwendete er im Musikleben den Namen Alkan. Dieser Name geht auf den Vornamen seines Vaters Alkan Morhange zurück. Die Namensgeschichte ist für die gesamte Familie wichtig, weil sie zeigt, wie aus einem väterlichen Vornamen ein musikalischer Familienname wurde, der im Conservatoire, in Druckausgaben, Katalogen und späterer Forschung erscheint.

Die sichtbare Lemmaform lautet Maxime Alkan. Sie ist für Musikverzeichnisse, Bibliothekskataloge und interne Kulturlexikon-Verweise am zweckmäßigsten. Der bürgerliche Name Maxime Morhange wird in den Metadaten, im JSON-LD, in den Kurzdaten und in der Quellenkritik mitgeführt. Für die Website wäre zusätzlich ein Verweiseintrag unter morhange-maxime.shtml sinnvoll.

Die Dateibezeichnung folgt der gewünschten Regel „Nachname Vorname“ und lautet alkan-maxime.shtml. Die Familiennummerierung Alkan (4) dient nur der Ordnung innerhalb der Geschwisterreihe. Im Titel steht sie nicht, damit die Seite als normaler Personenartikel lesbar bleibt.

Quellenkritik zu Lebensdaten

Die Lebensdaten Maxime Alkans sind in den zugänglichen Nachweisen nicht völlig einheitlich. Die hier als Hauptdaten verwendete Form lautet 28. Mai 1818 bis 1. März 1891. Sie wird durch moderne Werk- und Normdatenumgebungen wie BnF und IMSLP gestützt und steht auch im Einklang mit neueren biographischen Zusammenfassungen zur Familie Alkan.

Die abweichende Angabe 20. Mai 1818 bis 2. März 1897 wird hier nicht gestrichen, sondern als abweichende Datenüberlieferung festgehalten. Gerade bei Mitgliedern quellenarm überlieferter Musikerfamilien des 19. Jahrhunderts können ältere Lexikontraditionen, genealogische Angaben, Abschriften und Normdaten voneinander abweichen. Für den Hauptartikel ist jedoch die konsistente moderne Katalogform 1818–1891 vorzuziehen.

Auch der Beruf ist quellenkritisch zu erweitern. Die knappe Angabe „Pianist“ ist richtig, aber unvollständig. Maxime Alkan war nachweislich auch Komponist populärer Tanz- und Salonmusik sowie Arrangeur. Gerade diese Ergänzung ist wichtig, weil sein kulturgeschichtliches Profil nicht aus einer virtuosen Konzertkarriere allein, sondern aus gedruckter Gebrauchsmusik, Klavierstücken, Tänzen und Arrangements besteht.

Leben, Ausbildung und Pariser Laufbahn

Maxime Alkan wurde 1818 in Paris geboren. Er wuchs in der musikalischen Familie Morhange/Alkan auf. Sein Vater Alkan Morhange betrieb eine private Musikschule und förderte die musikalische Ausbildung seiner Kinder. Diese familiäre Struktur war für Maxime ebenso entscheidend wie für seine Geschwister. Die Familie ist ein Beispiel dafür, wie jüdische Musiker im Paris des 19. Jahrhunderts durch Unterricht, Conservatoire-Ausbildung und professionelle Netzwerke in das Musikleben eintraten.

Ab 1827 studierte Maxime am Conservatoire de Paris. Der Eintritt in diese Institution bedeutete, dass er nicht bloß im familiären Rahmen unterrichtet wurde, sondern in eines der wichtigsten öffentlichen Ausbildungssysteme Europas eintrat. Das Conservatoire war geprägt durch Klassen, Wettbewerbe, Preise, Prüfungen und eine strenge Verbindung von Technik, Theorie, Solfège und Instrumentalpraxis.

1829 erhielt Maxime Alkan einen ersten Preis in Solfège. Diese Auszeichnung zeigt eine sichere musikalische Grundbildung. Solfège war nicht nur eine elementare Nebenübung, sondern das Fundament des französischen Musikunterrichts: Gehörbildung, Blattsingen, Tonartenbewusstsein, rhythmische Sicherheit und Notenlesen waren für Pianisten, Sänger und Instrumentalisten gleichermaßen erforderlich.

1834 erhielt er einen ersten Preis im Klavier in der Klasse Pierre-Joseph-Guillaume Zimmermanns. Zimmermann war einer der wichtigsten Klavierpädagogen Frankreichs und unterrichtete auch Charles-Valentin Alkan sowie zahlreiche andere bedeutende Musiker. Maximes Klavierpreis belegt, dass er nicht nur populäre Musik schrieb, sondern eine solide professionelle pianistische Ausbildung besaß.

Seine spätere Laufbahn führte jedoch nicht in dieselbe Richtung wie die seines Bruders Charles-Valentin. Maxime wurde nicht als Autor monumentaler Etüden, Sonaten oder religiöser Klavierzyklen bekannt, sondern als Pianist und Komponist geselliger, tanzbezogener und populärer Musik. Seine Selbstbezeichnung als pianiste de soirées beschreibt diese Position prägnant: Er stand im musikalischen Leben der Abendgesellschaften, Salons und bürgerlichen Vergnügungen.

Sein Werk umfasst eine große Zahl von Tanzsuiten, Polkas, Polka-Mazurkas, Quadrillen, Walzern und Arrangements. Diese Musik ist nicht als bloß zweitrangig abzutun. Sie gehörte zu den meistgenutzten musikalischen Formen des 19. Jahrhunderts. Gedruckte Tanzmusik zirkulierte in Haushalten, Ballsälen, Musikhandlungen und Salons; sie war Teil der sozialen Praxis des Bürgertums und der Pariser Unterhaltungskultur.

Maxime Alkan starb nach den maßgeblichen modernen Nachweisen am 1. März 1891 in Paris. Seine spätere Wahrnehmung blieb stark von der Dominanz Charles-Valentin Alkans überschattet. Dennoch bildet er einen wichtigen Bestandteil des Familienbildes, weil er die kommerzielle und populäre Seite der Alkan-Musik sichtbar macht.

Ausführlicher Kulturüberblick

Maxime Alkan gehört in das Pariser Musikleben des 19. Jahrhunderts, genauer in jenen Bereich, in dem professionelle Ausbildung und populäre Musikkultur zusammenkamen. Paris war in dieser Zeit nicht nur ein Zentrum der Oper, des Virtuosentums und des Conservatoire, sondern auch eine Stadt der Verlage, Salons, Ballsäle, Tanzmoden, Militärkapellen, Hausmusik und leichten Klavierliteratur.

Der Ausdruck pianiste de soirées ist für seine Einordnung zentral. Er bezeichnet nicht einfach einen minderwertigen Musiker, sondern einen Musiker, der für gesellige Räume komponierte und spielte. Abendgesellschaften brauchten Musik, die elegant, spielbar, modisch, kommunikativ und druckfähig war. Der Pianist war in solchen Räumen nicht nur Interpret, sondern oft auch Arrangeur, Begleiter, Improvisator und Lieferant neuer Stücke.

Im 19. Jahrhundert war das Klavier das zentrale bürgerliche Instrument. Es stand in Salons, Unterrichtszimmern, Haushalten und Musikschulen. Leichte Klavierstücke, Tänze und Arrangements waren ein wichtiger Markt. Komponisten wie Maxime Alkan bedienten diesen Markt mit Musik, die nicht für den Kanon der „großen Werke“, sondern für den täglichen musikalischen Gebrauch bestimmt war.

Die Tanzformen, die Maxime Alkan bevorzugte, sind kulturgeschichtlich genau zu beachten. Die Polka war eine der großen europäischen Tanzmoden des 19. Jahrhunderts. Die Polka-Mazurka verband Polka-Rhythmus und Mazurka-Charakter. Die Quadrille gehörte zur Gesellschaftstanzkultur und war besonders in Frankreich beliebt. Der Walzer war bereits international verbreitet und wurde durch Komponisten wie Strauss und Lanner geprägt.

Maxime Alkans Bearbeitungen von Johann Strauss Vater und Joseph Lanner zeigen, dass Paris und Wien musikalisch eng verbunden waren. Wiener Tanzmusik wurde in Paris nicht nur gehört, sondern bearbeitet, gedruckt und für andere Besetzungen angepasst. Solche Arrangements machten internationale Tanzmoden für lokale Salon- und Hausmusik verfügbar.

Die Familie Morhange/Alkan verkörpert in diesem Zusammenhang zwei Extreme derselben Pariser Klavierkultur. Charles-Valentin Alkan schrieb einige der schwierigsten und eigenwilligsten Klavierwerke des Jahrhunderts; Maxime Alkan schrieb populäre Tanz- und Gesellschaftsmusik. Beide Seiten gehören zur Geschichte des Klaviers. Das eine zeigt das Instrument als geistiges und virtuos-symphonisches Medium, das andere als soziales und ökonomisches Alltagsinstrument.

Die kulturelle Bedeutung Maxime Alkans liegt deshalb nicht in einer heroischen Genieerzählung, sondern in der Rekonstruktion musikalischer Praxis. Seine Musik zeigt, was tatsächlich gespielt, gekauft, getanzt, arrangiert und im Alltag gebraucht wurde. Für ein Kulturlexikon, das den Bereich „Kultur“ vertiefen will, ist diese Perspektive unverzichtbar.

Tanzmusik, Salon und populäre Klavierkultur

Maxime Alkans Werk gehört vor allem zur populären Klavier- und Tanzmusik. Diese Musik wurde im 19. Jahrhundert in großen Mengen gedruckt. Sie war für Käuferinnen und Käufer bestimmt, die im privaten oder halböffentlichen Rahmen musizierten. Ihre Formen waren kurz, einprägsam, oft modisch betitelt und meist so angelegt, dass sie einerseits elegant wirkten, andererseits für gebildete Amateure spielbar blieben.

Die Polka war eine der erfolgreichsten Tanzformen des Jahrhunderts. Sie verbreitete sich rasch durch Europa und wurde in zahlreichen lokalen Varianten aufgenommen. Maxime Alkans Polkas und Polka-Mazurkas gehören in diesen internationalen Modestrom. Sie zeigen den Komponisten als Teilnehmer einer Musikökonomie, in der neue Tänze schnell gedruckt, arrangiert und konsumiert wurden.

Die Quadrille war in Frankreich besonders wichtig. Sie verband Tanzfiguren, gesellschaftliche Ordnung und musikalische Nummernfolge. Ein Quadrille-Komponist schrieb daher nicht nur ein einzelnes Stück, sondern Musik für einen geregelten sozialen Ablauf. In diesem Sinn ist die Quadrille ein musikalisches Dokument gesellschaftlicher Choreographie.

Der Walzer verbindet Maxime Alkan mit der Wiener Tanztradition. Seine Bearbeitungen von Lanner und Strauss stehen für die Übertragung internationaler Tanzmusik in die Pariser Klavierpraxis. Ein Arrangeur war dabei kein bloßer Kopist. Er musste musikalisches Material so umformen, dass es für ein neues Instrument, ein neues Publikum und eine neue Aufführungssituation funktionierte.

Solche Musik wurde lange von der akademischen Musikgeschichtsschreibung gering bewertet. Heute ist sie kulturhistorisch aufschlussreich, weil sie Fragen nach Alltag, Konsum, Verlagspraxis, Geschlechterrollen, Salon, Tanz, Körper, Stadtleben und bürgerlicher Geselligkeit berührt. Maxime Alkan gehört genau in diesen Bereich.

Familie Morhange/Alkan und musikalische Netzwerke

Die Familie Morhange/Alkan war eine der bemerkenswerten jüdisch-französischen Musikerfamilien des 19. Jahrhunderts. Der Vater Alkan Morhange betrieb eine erfolgreiche private Musikschule. Seine Kinder wurden früh musikalisch gefördert und am Conservatoire ausgebildet. Sie übernahmen den Namen Alkan und traten damit in verschiedenen Bereichen des Musiklebens hervor.

Céleste Alkan war Sängerin und Conservatoire-Schülerin. Charles-Valentin Alkan wurde einer der bedeutendsten Klavierkomponisten und Virtuosen des 19. Jahrhunderts. Ernest Alkan wurde als Flötist bekannt. Maxime Alkan schrieb populäre Klavier- und Tanzmusik. Napoléon Alkan wurde Solfège-Lehrer am Conservatoire und Komponist. Gustave Alkan veröffentlichte kleinere Klavierstücke. Diese Geschwisterreihe zeigt eine breite Aufstellung musikalischer Berufe.

Maxime nimmt innerhalb dieser Familie eine besondere Position ein. Er ist weder der extreme Kunstmusikkomponist wie Charles-Valentin noch der institutionelle Pädagoge wie Napoléon, sondern der Vertreter einer marktfähigen, geselligen, salonbezogenen Musik. Seine Laufbahn ergänzt das Familienbild um den Bereich der populären Druckmusik.

Die Nähe zur privaten Musikschule des Vaters erklärt, warum alle Kinder eine professionelle Grundausbildung erhielten. In einer solchen Familie waren Unterricht, Übung, Aufführung, Noten, Schüler, Verlage und musikalische Netzwerke nicht voneinander getrennt. Musik war Beruf, Bildung, Familienökonomie und sozialer Aufstieg zugleich.

Werkverzeichnis

Maxime Alkans Werkverzeichnis ist quellenkritisch schwieriger als dasjenige seines Bruders Charles-Valentin. Moderne Normdaten führen einen größeren Bestand von rund einhundert musikalischen Ressourcen, während frei zugängliche Notenplattformen nur einen kleinen Ausschnitt nennen. Sicher ist, dass Maxime Alkan mehr als hundert Suiten und Tanzstücke schrieb, vor allem Polkas, Polka-Mazurkas, Quadrillen und Walzer, teils für Klavier solo, teils für Klavier mit Violine, Violoncello oder Cornet à pistons. Das folgende Verzeichnis kombiniert die konkret öffentlich greifbaren Titel mit den belegten Werkgruppen. Für eine streng bibliographische Vollständigkeit müssten sämtliche BnF- und Verlagsnotizen einzeln ausgehoben werden.

Konkret nachgewiesene Originalwerke

Maria Klavierstück beziehungsweise Tanz- oder Salonstück von Maxime Alkan. Der Titel ist in der IMSLP-Werkumgebung als Originalkomposition Maxime Alkans nachgewiesen.
Marquise Marquise, Polka-Mazurka für Klavier, erschienen bei Heugel in Paris um 1863; die BnF nennt den Titel als konventionellen Werktitel und führt die gedruckte Ausgabe mit Widmung an Mlle Lucy Steel.
Polka sur Moïse Polka nach beziehungsweise über Material aus Rossinis Moïse; in der IMSLP-Werkumgebung als Komposition Maxime Alkans geführt. Das Stück zeigt die Nähe von Opernparaphrase, Tanzform und Salonmusik.
Une Saison a Londre Klavierstück beziehungsweise Tanzfolge mit englisch beziehungsweise französisch gefärbtem Titel; in der IMSLP-Werkumgebung als Komposition Maxime Alkans geführt. Die orthographische Form des Titels ist quellenabhängig zu prüfen.

Belegte Werkgruppen nach Gattung

Suiten de danses Mehr als hundert Suiten beziehungsweise Tanzfolgen in populärem Stil. Diese Werkgruppe bildet den Hauptbestand von Maxime Alkans kompositorischer Tätigkeit.
Polkas Polkas für Klavier und verwandte Besetzungen. Die Polka war eine der wichtigsten europäischen Modetänze des 19. Jahrhunderts und gehörte zu Maxime Alkans zentralem Repertoirefeld.
Polka-Mazurkas Polka-Mazurkas für Klavier, darunter Marquise. Diese Mischform verbindet die schwungvolle Polka mit mazurkaartigem Charakter.
Quadrillen Quadrillen für Klavier beziehungsweise Gesellschaftstanz. Die Quadrille gehörte in Frankreich zu den bedeutenden Formen der Tanz- und Ballmusik.
Walzer Walzer für Klavier und verwandte Besetzungen. Die Gattung verbindet Maxime Alkans Werk mit der internationalen Tanzkultur des 19. Jahrhunderts.
Klavierstücke mit Violine Ein Teil der Tanzmusik wurde mit Violine eingerichtet oder konnte mit Violine aufgeführt werden. Konkrete Einzeltitel sind bibliographisch nach Druckausgaben zu prüfen.
Klavierstücke mit Violoncello Ein Teil der populären Stücke wurde für Klavier mit Violoncello oder mit ad-libitum-Begleitung verbreitet. Diese Praxis entsprach der flexiblen Salonbesetzung des 19. Jahrhunderts.
Klavierstücke mit Cornet à pistons Einige Werke beziehungsweise Arrangements stehen im Zusammenhang mit dem Cornet à pistons. Diese Besetzung verweist auf die Verbindung von Salon, Blasinstrumentenmode und Tanzmusik.
Opern- und Themenpolkas Stücke wie Polka sur Moïse zeigen die Verbindung von Opernthema, Bearbeitung und Tanzform. Solche Stücke machten bekannte Bühnenmusik im häuslichen und geselligen Raum nutzbar.
Salonstücke Kurze, modisch betitelte Klavierstücke für Abendgesellschaften. Diese Werkgruppe entspricht Maxime Alkans Selbstbezeichnung als pianiste de soirées.

Arrangements und Bearbeitungen

Joseph Lanner: Les Amoureux op. 105 Arrangement beziehungsweise Bearbeitung von Joseph Lanners Les Amoureux op. 105. Die IMSLP-Werkumgebung führt Maxime Alkan als Arrangeur. Das Stück zeigt die Pariser Aneignung Wiener Tanzmusik.
Johann Strauss Vater: Radetzky-Marsch op. 228 Arrangement beziehungsweise Bearbeitung von Johann Strauss’ berühmtem Radetzky-Marsch op. 228. Die Bearbeitung gehört zur internationalen Zirkulation populärer Marsch- und Tanzmusik.
Bearbeitungen von Johann Strauss Mehrere Arrangements von Werken Johann Strauss’ beziehungsweise aus dessen Umfeld sind für Maxime Alkans Repertoire typisch. Sie stehen für die Übertragung Wiener Tanzmusik in den Pariser Klaviermarkt.
Bearbeitungen von Joseph Lanner Bearbeitungen von Lanner-Werken zeigen Maxime Alkans Rolle als Vermittler zwischen Wiener Tanzmusik und französischer Salonpraxis.
Bearbeitungen weiterer Tanzkomponisten Die Quellen nennen zusätzlich Bearbeitungen weiterer populärer Tanzmusik. Einzelne Namen und Titel sind nach Verlagskatalogen, BnF-Notizen und Druckausgaben zu prüfen.

Werke, Widmungen und Fremdbezüge

Paolo Bodojra: Rien sans toi Werk, das in der IMSLP-Umgebung als Maxime Alkan gewidmet erscheint. Es belegt seine Sichtbarkeit im Netzwerk populärer und salonbezogener Musik.
Widmung an Mlle Lucy Steel Die BnF-Notiz zu Marquise nennt eine Widmung an Mlle Lucy Steel. Solche Widmungen sind typische soziale Marker des Salon- und Verlagsmilieus.
Heugel-Verlag Marquise erschien bei Heugel in Paris. Der Verlag ist für die Verbreitung französischer Musikdrucke des 19. Jahrhunderts wichtig.
Illustrationen und Titelblätter Die BnF-Notiz zu Marquise nennt A. Sorel als Illustrator. Illustrierte Titelblätter waren ein wichtiger Bestandteil der Vermarktung populärer Klaviermusik.

Nicht zu verwechselnde Werkbestände der Familie Alkan

Charles-Valentin Alkan Die monumentalen Klavier-, Orgel-, Pedalflügel- und Kammermusikwerke Charles-Valentin Alkans gehören nicht Maxime Alkan. Maxime steht vielmehr für populäre Tanz- und Salonmusik.
Céleste Alkan Gesangsbezogene Nachweise und das überlieferte Manuskript eines Rondoletto-Caprice im Kontext Céleste Alkans sind nicht Maxime Alkan zuzuschreiben.
Ernest Alkan Flötistische Nachweise und die Tulou-Schule betreffen Ernest Alkan, nicht Maxime.
Napoléon Alkan Solfège-Unterricht, Prix-de-Rome-Kontext, pädagogische Tätigkeit und eigene Klavierwerke Napoléon Alkans sind von Maxime Alkans Tanzmusik zu unterscheiden.
Gustave Alkan Kleinere Klavierstücke Gustave Alkans dürfen nicht mit den populären Tanzsuiten Maxime Alkans verwechselt werden.

Quellenkritischer Befund zum Werkbestand

Gesichert Maxime Alkan war Pianist, Komponist populärer Musik und Arrangeur. Belegt sind mehr als hundert Tanzsuiten beziehungsweise populäre Klavierstücke sowie konkret nachweisbare Titel wie Marquise, Maria, Polka sur Moïse und Une Saison a Londre.
Teilweise frei zugänglich IMSLP weist nur einen kleinen Ausschnitt der Werke nach, darunter vier Kompositionen, zwei Arrangements und einen Widmungsbezug.
Bibliographisch umfangreicher BnF-Daten weisen einen erheblich größeren Bestand aus, der in Einzelkatalogisierung nach Druck, Verlag, Besetzung, Widmung und Erscheinungsjahr auszuwerten wäre.
Darstellungsempfehlung Maxime Alkan sollte als Pianist, Tanzkomponist und Arrangeur der Pariser Salon- und Gebrauchsmusik behandelt werden, nicht als bloßer Nebenname im Schatten Charles-Valentin Alkans.

Rezeption und kulturgeschichtliche Bedeutung

Maxime Alkan wurde in der späteren Musikgeschichtsschreibung stark von seinem Bruder Charles-Valentin überstrahlt. Das ist verständlich, weil Charles-Valentin ein umfangreiches, radikales und pianistisch extremes Werk hinterließ. Maxime hingegen schrieb Musik, die auf gesellschaftlichen Gebrauch, Tanz, Unterhaltung und Druckverbreitung ausgerichtet war. Gerade deshalb wurde sie in der akademischen Musikgeschichte lange weniger beachtet.

Diese Vernachlässigung sagt jedoch mehr über den Kanon als über die kulturelle Bedeutung der Musik aus. Polkas, Quadrillen, Walzer und Salonarrangements waren im 19. Jahrhundert allgegenwärtig. Sie wurden gekauft, gespielt, getanzt und gehört. Maxime Alkans Musik steht daher für jene musikalische Alltagspraxis, die den sozialen Klang einer Epoche wesentlich mitbestimmte.

Seine Bedeutung innerhalb der Familie Morhange/Alkan liegt darin, dass er die kommerzielle und populäre Seite der Familienmusik vertritt. Céleste steht für Gesang und weibliche Conservatoire-Ausbildung, Charles-Valentin für romantische Kunstmusik und Virtuosität, Ernest für Flöte, Napoléon für Solfège und Conservatoire-Pädagogik, Gustave für kleinere Klavierproduktion und Maxime für Tanz- und Salonmusik.

Für die Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts ist Maxime Alkan daher ein nützlicher Korrekturpunkt. Er erinnert daran, dass Musikgeschichte nicht nur aus großen Werken, Opern und Virtuosenkarrieren besteht, sondern auch aus Verlagen, Modeformen, Tanzsälen, Hausmusik, Abendgesellschaften, Arrangements und populären Druckstücken. Seine Musik gehört in diese praktische, soziale und ökonomische Schicht des Pariser Musiklebens.

Sekundärliteratur

  • Conway, David: Jewry in Music: Entry to the Profession from the Enlightenment to Richard Wagner. Cambridge: Cambridge University Press, 2012. Wichtige Studie zur jüdischen Musikeremanzipation und zum kulturellen Umfeld der Familie Morhange/Alkan.
  • Devriès, Anik, und François Lesure: Dictionnaire des éditeurs de musique français. Genf: Minkoff, 1979–1988. Grundlegend für Pariser Musikverlage wie Heugel und die Datierung gedruckter Musik des 19. Jahrhunderts.
  • Eddie, William Alexander: Charles Valentin Alkan: His Life and His Music. Aldershot: Ashgate, 2007. Biographie Charles-Valentin Alkans mit Familienkontext und Hinweisen auf die Geschwister Morhange/Alkan.
  • Ellis, Katharine: Music Criticism in Nineteenth-Century France. Cambridge: Cambridge University Press, 1995. Kontext zur französischen Musikkultur, Kritik, Öffentlichkeit und Wertung populärer wie ernster Musik.
  • François-Sappey, Brigitte, Hrsg.: Charles Valentin Alkan. Paris: Fayard, 1991. Grundlegender französischer Sammelband zur Familie Alkan/Morhange und zum Pariser Umfeld.
  • François-Sappey, Brigitte, und François Luguenot: Charles-Valentin Alkan. Paris: Bleu Nuit, 2013. Neuere kompakte Darstellung mit wichtigen biographischen Angaben zur Familie Morhange/Alkan, darunter Maxime Alkan.
  • Haine, Malou: Arbeiten zur Musik- und Instrumentenkultur Frankreichs im 19. Jahrhundert. Nützlich für das Verständnis von Verlagswesen, Instrumentalpraxis, Salon und musikalischem Markt.
  • Scott, Derek B.: Sounds of the Metropolis: The Nineteenth-Century Popular Music Revolution in London, New York, Paris, and Vienna. Oxford: Oxford University Press, 2008. Wichtiger kulturgeschichtlicher Rahmen für populäre Musik, Tanzmoden und städtische Musikkultur.
  • Smith, Ronald: Alkan: The Man, The Music. London: Kahn & Averill, 2000. Umfangreiche Alkan-Biographie mit Familieninformationen und Rezeptionskontext.
  • Weber, William: Music and the Middle Class: The Social Structure of Concert Life in London, Paris and Vienna. Aldershot: Ashgate. Grundlegend für die soziale Einordnung von Konzert, Salon, bürgerlichem Musikleben und musikalischer Öffentlichkeit.
  • Die Musik in Geschichte und Gegenwart, MGG Online: Artikel Alkan. Fachlexikalischer Familienartikel zur Familie Alkan/Morhange mit Unterabschnitten zu den einzelnen Familienmitgliedern.
  • The New Grove Dictionary of Music and Musicians: Artikel zu Charles-Valentin Alkan, Paris, salon music, dance music, French piano music and nineteenth-century popular music. Internationaler Forschungsrahmen für Familie, Pariser Musikleben, Klaviermusik und populäre Tanzformen.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Alkan, Céleste Schwester Maxime Alkans, Sängerin und Conservatoire-Schülerin.
  • Alkan, Charles-Valentin Bruder Maxime Alkans, bedeutender französischer Komponist und Klaviervirtuose.
  • Alkan, Ernest Bruder Maxime Alkans, Flötist und Schüler Jean-Louis Tulous.
  • Alkan, Familie Jüdisch-französische Musikerfamilie Morhange/Alkan im Pariser 19. Jahrhundert.
  • Alkan, Gustave Jüngerer Bruder Maxime Alkans und Komponist kleinerer Klavierstücke.
  • Alkan, Maxime Alphabetische Ansatzform für Maxime Morhange, Pianist und Komponist populärer Klavier- und Tanzmusik.
  • Alkan, Napoléon Bruder Maxime Alkans und Solfège-Lehrer am Conservatoire de Paris.
  • Arrangement Bearbeitungsform, in der Maxime Alkan Wiener und populäre Tanzmusik für den Pariser Gebrauch einrichtete.
  • Ballmusik Gesellschaftliche Tanzmusik, zu der Maxime Alkans Polkas, Quadrillen und Walzer gehören.
  • Conservatoire de Paris Zentrale Ausbildungsinstitution Maxime Alkans und seiner Geschwister.
  • Cornet à pistons Blechblasinstrument, das in Maxime Alkans Tanz- und Salonbesetzungen eine Rolle spielen konnte.
  • Gebrauchsmusik Musik für praktische soziale Verwendung, ein wichtiger Rahmen für Maxime Alkans Tanzstücke.
  • Heugel Pariser Musikverlag, bei dem Maxime Alkans Marquise erschien.
  • Jüdische Musiker in Paris Sozial- und kulturgeschichtlicher Kontext der Familie Morhange/Alkan.
  • Klavier Hauptinstrument Maxime Alkans und zentrales bürgerliches Instrument des 19. Jahrhunderts.
  • Klaviermusik Hauptbereich von Maxime Alkans populären Tanz- und Salonstücken.
  • Lanner, Joseph Wiener Tanzkomponist, dessen Werke Maxime Alkan bearbeitete.
  • Marais, Paris Pariser jüdisches Viertel und Umfeld der privaten Musikschule Alkan Morhanges.
  • Morhange, Alkan Vater Maxime Alkans, Musiker und Leiter einer privaten Musikschule.
  • Morhange/Alkan, Familie Familienverbund, aus dem Maxime, Charles-Valentin, Céleste, Ernest, Napoléon und Gustave Alkan hervorgingen.
  • Morhange, Maxime Bürgerlicher Name Maxime Alkans und genealogischer Verweiseintrag.
  • Musikdruck Verbreitungsmedium der populären Klavier- und Tanzmusik Maxime Alkans.
  • Musikerfamilie Sozialform musikalischer Ausbildung und Berufstradition, bei Morhange/Alkan besonders ausgeprägt.
  • Paris Geburts-, Ausbildungs-, Wirkungs- und Sterbeort Maxime Alkans.
  • Pariser Musikleben Kultureller Rahmen von Maxime Alkans Salon-, Tanz- und Klaviermusik.
  • Pianist Berufsrolle Maxime Alkans als Conservatoire-ausgebildeter Klavierspieler.
  • Polka Tanzform, die im Werk Maxime Alkans eine zentrale Rolle spielt.
  • Polka-Mazurka Mischform aus Polka und Mazurka, bei Maxime Alkan unter anderem durch Marquise vertreten.
  • Populäre Musik des 19. Jahrhunderts Kulturgeschichtlicher Rahmen für Maxime Alkans gedruckte Tanz- und Salonmusik.
  • Private Musikschule Früher familiärer Ausbildungskontext in der Schule Alkan Morhanges.
  • Quadrille Französisch geprägter Gesellschaftstanz, der zu Maxime Alkans Tanzrepertoire gehört.
  • Salonmusik Sozialer und ästhetischer Rahmen der Musik eines pianiste de soirées.
  • Solfège Grundlagendisziplin, in der Maxime Alkan 1829 einen ersten Preis erhielt.
  • Strauss, Johann Vater Wiener Tanzkomponist, dessen Radetzky-Marsch Maxime Alkan bearbeitete.
  • Tanzmusik Hauptfeld von Maxime Alkans kompositorischem und arrangierendem Schaffen.
  • Walzer Gesellschaftstanz und zentrale Gattung der europäischen Tanzmusik des 19. Jahrhunderts.
  • Wiener Tanzmusik Internationales Repertoire, das Maxime Alkan durch Arrangements in die Pariser Klavierpraxis übertrug.
  • Zimmermann, Pierre-Joseph-Guillaume Klavierlehrer Maxime Alkans am Conservatoire de Paris.