Giuseppe Antonio Vincenzo Aldrovandini (Aldovrandini, Andervandino, Androvandino, Gioseffo, Giuseppe Maria)
Überblick
Giuseppe Antonio Vincenzo Aldrovandini war ein italienischer Komponist des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts. Er wurde am 8. Juni 1671 in Bologna geboren und starb am 8. Februar 1707 ebenda. Einzelne ältere oder anders ansetzende Nachweise nennen als Todesdatum den 9. Februar 1707 oder geben für die Geburt 1672 beziehungsweise 1673 an. Der vorliegende Eintrag folgt der im Auftrag gegebenen Datierung und vermerkt die abweichenden Angaben quellenkritisch.
Aldrovandini gehört zur Bologneser Schule der Barockzeit. Er war Schüler Giacomo Antonio Pertis, wurde 1695 Mitglied der Accademia Filarmonica in Bologna und stieg 1702 zu deren principe auf. Außerdem wurde er 1702 zum maestro di cappella onorario des Herzogs von Mantua ernannt und erscheint 1706 als maestro der Accademia di Santo Spirito in Ferrara. Diese Ämter zeigen, dass er nicht nur ein Theaterkomponist war, sondern innerhalb der norditalienischen Musiklandschaft institutionell anerkannt wurde.
Sein Werk umfasst Opern, Oratorien, Kantaten, geistliche Konzerte, Motetten, Concerti a due, Triosonaten und einzelne Tastenstücke beziehungsweise cembalo- und orgelnahe Kompositionen. Besonders wichtig sind die frühen Bologneser Bühnenwerke Gl’inganni amorosi scoperti in villa, Dafni und Amor torna in s’al so’, weil sie für die regionale Entwicklung der komischen Oper in Bologna bedeutsam sind. Aldrovandini steht hier vor der späteren Standardisierung der opera buffa, aber bereits in einem Milieu, in dem Dialekt, lokale Komik, szenische Beweglichkeit und musikalische Wirksamkeit eine selbständige Bühnenform ausbilden.
Seine Opern verbreiteten sich rasch über Bologna hinaus. Aufführungen und Nachweise führen nach Venedig, Neapel, Genua, Turin, Florenz, Piacenza, Modena, Livorno, Mailand, Rimini, Rovigo und Cento. Besonders Cesare in Alessandria und Semiramide in Ascalona sind quellenkundlich wichtig, weil zu ihnen im Unterschied zu vielen anderen Bühnenwerken Partituren beziehungsweise größere musikalische Überlieferungen greifbar sind. Die übrigen Opern sind vielfach vor allem durch gedruckte Libretti bezeugt.
Aldrovandinis kurze Lebenszeit und seine unregelmäßige Lebensführung haben zu einer stark biographisch gefärbten Rezeption geführt. Berichtet wird, er sei infolge seiner Trunksucht in den Naviglio-Kanal bei Bologna gestürzt und ertrunken. Diese Anekdote darf den Blick auf sein Werk jedoch nicht verengen. In den wenigen produktiven Jahren zwischen 1691 und 1707 schuf er ein erstaunlich breites Œuvre, das Oper, Oratorium, Kantate, Motette, geistliches Konzert, Instrumentalkonzert und Sonate miteinander verbindet.
Kurzdaten
| Name | Giuseppe Antonio Vincenzo Aldrovandini. |
|---|---|
| Weitere Namensformen | Giuseppe Aldrovandini, Gioseffo Aldrovandini, Giuseppe Maria Aldrovandini, Antonio Vincenzo Aldrovandini, Aldovrandini, Aldrovandin, Aldrovandon, Andervandino, Androvandino und Altrobrandino. |
| Geburt | 8. Juni 1671 in Bologna; einzelne ältere Quellen nennen abweichend 1672 oder 1673. |
| Tod | 8. Februar 1707 in Bologna; einzelne Nachweise nennen abweichend den 9. Februar 1707. Als Todesumstand wird ein Ertrinken im Naviglio-Kanal bei Bologna überliefert. |
| Beruf | Komponist, Kapellmeister, Opernkomponist, Oratorienkomponist, Kantatenkomponist, Motettenkomponist, Instrumentalkomponist und Gesangslehrer. |
| Lehrer | Giacomo Antonio Perti, der zentrale Bologneser Kirchen- und Theaterkomponist seiner Generation. |
| Institutionen | Accademia Filarmonica in Bologna, Hof beziehungsweise Kapelle des Herzogs von Mantua und Accademia di Santo Spirito in Ferrara. |
| Accademia Filarmonica | 1695 Aufnahme in die Bologneser Accademia Filarmonica; 1702 Wahl beziehungsweise Amtsstellung als principe der Akademie. |
| Mantua | 1702 Ernennung zum maestro di cappella onorario des Herzogs von Mantua. |
| Ferrara | 1706 als maestro der Accademia di Santo Spirito in Ferrara nachweisbar. |
| Hauptgattungen | Oper, scherzo giocoso, favola boschereccia, Oratorium, geistliches Konzert, Motette, Kantate, Concerto a due, Triosonate und Tastenstück. |
| Wichtige Werke | Gl’inganni amorosi scoperti in villa, Dafni, Cesare in Alessandria, Semiramide in Ascalona, Mitridate in Sebastia, L’Incoronazione di Dario, Armonia sacra concertata, Cantate a voce sola, Concerti sacri, Concerti a 2 violini e violoncello o tiorba und X sonate a tre. |
| Musikgeschichtliche Bedeutung | Aldrovandini ist eine wichtige Bologneser Barockfigur zwischen Perti-Schule, früher regionaler komischer Oper, norditalienischer Opernzirkulation, Oratorium, Kantate und instrumentaler Sonaten- beziehungsweise Konzertkultur. |
Ausführlicher Kulturüberblick
Giuseppe Antonio Vincenzo Aldrovandini gehört in die musikalische Blüte Bolognas um 1700. Bologna war in dieser Zeit kein bloßer Nebenort der italienischen Musikgeschichte, sondern ein außerordentlich bedeutendes Zentrum von Kirchenmusik, Instrumentalmusik, Oper, Akademiekultur und Musikdruck. Die Stadt verband die Tradition von San Petronio, die Disziplin der Accademia Filarmonica, den Einfluss Giacomo Antonio Pertis und eine lebendige Theaterlandschaft. In diesem Umfeld wurde Aldrovandini ausgebildet und anerkannt.
Die Bologneser Schule war durch eine besondere Verbindung von kontrapunktischer Strenge, klanglicher Experimentierfreude, solistischer Vokalität und instrumentaler Profilierung geprägt. Sie wirkte auf die Entwicklung der Sonate, des Concerto, der Kirchenmusik und der Oper gleichermaßen. Perti, Torelli, Vitali, Bononcini, später Padre Martini und viele andere stehen für ein Milieu, in dem praktische Musik, Gelehrsamkeit und institutionelle Organisation eng verbunden waren. Aldrovandini ist in dieser Linie ein kürzer lebender, aber markanter Vertreter.
Seine frühe Karriere begann im Oratorium. Bereits 1691 komponierte er in Bologna La Guerra in cielo und S. Sigismondo. Damit trat er zunächst in einer Gattung hervor, die im oberitalienischen katholischen Raum eine wichtige Rolle spielte. Das Oratorium war geistlich, aber nicht liturgisch im engeren Sinn. Es verband dramatische Anlage, moralische Belehrung, affektvolle Arie und erzählende Struktur. Diese Erfahrung der geistlichen Dramatik dürfte auch Aldrovandinis Theatermusik geprägt haben.
1696 begann seine eigentliche Bühnenlaufbahn mit Gl’inganni amorosi scoperti in villa und Dafni. Diese beiden Werke zeigen zwei Seiten des Bologneser Theaters: das komisch-dramatische, lokal verwurzelte scherzo giocoso und die pastorale favola boschereccia. Die frühen Bologneser komischen Werke Aldrovandinis sind für die Geschichte der italienischen komischen Oper wichtig, weil sie regionale Dialekt- und Alltagselemente auf der Bühne musikalisch gestalten, bevor die späteren neapolitanischen Modelle übermächtig wurden.
Aldrovandinis Opern verbreiteten sich bald über Bologna hinaus. Neapel, Venedig, Genua, Turin und Florenz waren keine zufälligen Stationen, sondern zentrale Knoten des italienischen Opernverkehrs. Ein Komponist musste sich dort in wechselnden Theatersystemen, Sängerbesetzungen, lokalen Erwartungen und Libretto-Traditionen behaupten. Aldrovandini wurde offenbar geschätzt; zeitgenössische Zeugnisse loben den Erfolg einzelner Aufführungen, besonders im Zusammenhang mit Cesare in Alessandria.
Ein besonderes Merkmal seines Theaterstils ist das Interesse an der instrumentalen Seite der Oper. In Cesare in Alessandria werden beispielsweise instrumentale Wirkungen erwähnt, die über reine Generalbassbegleitung hinausgehen. Treccani verweist auf die auffällige Angabe von „contrabassi senza cembalo“. Solche Details zeigen, dass Aldrovandini die Oper nicht nur als Abfolge vokaler Nummern verstand, sondern auch als Klangtheater mit eigenständiger instrumentaler Wirkung.
Seine gedruckten Werke zeigen die Breite der Bologneser Musikproduktion. Armonia sacra concertata, Cantate a voce sola, Concerti sacri, Concerti a due und X sonate a tre decken geistliche, weltlich-vokale und instrumentale Bereiche ab. Diese Drucke erschienen bei Silvani in Bologna und zeigen, dass Aldrovandini nicht nur für konkrete Aufführungsanlässe schrieb, sondern in den überregionalen Musikmarkt eintrat.
Die Triosonaten op. 5 von 1706 gehören zu seinen wichtigsten heute wieder hörbaren Instrumentalwerken. Sie stehen im Umfeld der italienischen Kirchensonate, zeigen aber auch theatralische Beweglichkeit, klare Satzfolgen, melodische Prägnanz und eine Nähe zum Corelli-Modell. Eine Amsterdamer Nachdrucktradition durch Pierre Mortier belegt, dass diese Musik über Bologna hinaus verbreitet wurde.
Der frühe Tod 1707 begrenzte Aldrovandinis Entwicklung. Dass mehrere Bühnenwerke noch nach seinem Tod gespielt wurden, besonders Gl’inganni amorosi scoperti in villa, belegt jedoch eine länger anhaltende Bühnenwirksamkeit. Seine Bedeutung liegt daher nicht allein im Umfang des erhaltenen Werks, sondern in der Verbindung von regionaler komischer Oper, italienischem Opernverkehr, geistlichem Barockdrama und Bologneser Instrumentalkultur.
Namensformen, Datierung und Quellenlage
Die Namensformen Aldrovandinis sind ungewöhnlich zahlreich. Neben Giuseppe Antonio Vincenzo Aldrovandini begegnen Giuseppe Aldrovandini, Gioseffo Aldrovandini, Giuseppe Maria Aldrovandini, Antonio Vincenzo Aldrovandini und verschiedene orthographische Varianten wie Aldovrandini, Aldrovandin, Aldrovandon, Andervandino, Androvandino und Altrobrandino. Diese Formen erklären sich aus italienischer Namenspraxis, Druckvarianten, Abschriften, Katalogfehlern und späterer Lexikographie.
Auch die Lebensdaten sind nicht völlig einheitlich überliefert. Der vorliegende Eintrag setzt nach der im Auftrag gegebenen Form den 8. Juni 1671 als Geburtsdatum und den 8. Februar 1707 als Todesdatum an. Treccani nennt älter beziehungsweise abweichend 1672 oder 1673 als Geburtsansatz und berichtet den Tod am 8. Februar 1707; andere Nachweise geben den 9. Februar 1707 an. Solche Abweichungen sind bei frühneuzeitlichen Musikern nicht ungewöhnlich, besonders wenn Tauf-, Todes-, Begräbnis- und spätere Lexikondaten miteinander vermischt werden.
Die Werküberlieferung ist ungleich. Von vielen Opern sind nur gedruckte Libretti bekannt. Partituren sind vor allem für Cesare in Alessandria und Semiramide in Ascalona greifbar. Die Oratorien sind ebenfalls überwiegend durch Libretti belegt. Die Druckwerke op. 1 bis op. 5 sind dagegen besser fassbar, ebenso einzelne Handschriften in Bologna, Mailand, Dresden, Berlin, Wien, Brüssel, Paris, London und Cambridge. Deshalb muss das Werkverzeichnis zwischen gedruckter Musik, Librettoüberlieferung, Partiturüberlieferung, Handschrift und unsicherer Zuschreibung unterscheiden.
Bologna, Perti und die Accademia Filarmonica
Aldrovandinis musikalisches Profil ist ohne Giacomo Antonio Perti nicht zu verstehen. Perti war einer der mächtigsten Bologneser Komponisten und Lehrer seiner Zeit, lange Jahre Kapellmeister an San Petronio und Lehrer mehrerer bedeutender Musiker. Bei ihm lernte Aldrovandini die kontrapunktische, vokale und kirchenmusikalische Grundlage, die seine späteren Arbeiten auch dann trägt, wenn sie komisch, theatralisch oder instrumental erscheinen.
Die Accademia Filarmonica war im Bologna des späten 17. Jahrhunderts eine zentrale Institution. Sie bündelte musikalische Professionalität, kompositorische Prüfung, soziale Anerkennung und städtisches Prestige. Aldrovandinis Aufnahme 1695 und seine spätere Stellung als principe zeigen, dass er innerhalb der Stadt nicht nur als Talent, sondern als anerkannter Musiker galt.
Diese akademische Einbindung kontrastiert mit der überlieferten Anekdote seines ausschweifenden Lebens. Gerade dieser Gegensatz prägt seine Biographie: Er war einerseits ein disziplinierter Schüler und institutionell anerkannter Komponist, andererseits eine unstete, reisende, finanziell prekäre Theaterfigur. Diese Spannung ist für viele Musiker des barocken Opernbetriebs charakteristisch, bei Aldrovandini aber besonders deutlich dokumentiert.
Oper, Bologna und die frühe komische Bühne
Aldrovandinis Opernschaffen beginnt 1696 mit Gl’inganni amorosi scoperti in villa und Dafni. Beide Werke wurden in Bologna aufgeführt, aber sie vertreten unterschiedliche theatralische Räume. Gl’inganni amorosi scoperti in villa ist ein scherzo giocoso, also ein komisches, in der Villa beziehungsweise im ländlich-sozialen Milieu situiertes Bühnenwerk. Dafni gehört als favola boschereccia stärker in den pastoralen Bereich.
Für die Geschichte der opera buffa sind die frühen Bologneser Werke besonders wichtig. Sie zeigen eine regionale Entwicklung, die nicht einfach als Vorstufe der neapolitanischen opera buffa missverstanden werden darf. Bologna hatte eigene Theater, eigene Dialekttraditionen, eigene Librettisten und eine eigenständige komische Sensibilität. Amor torna in s’al so’ von 1698 ist als Werk in bolognesischem Dialekt dafür besonders bezeichnend.
Die komische Bühne brachte neue Anforderungen an Musik und Text. Arien mussten nicht nur Affekte ausdrücken, sondern auch Situationen, Täuschungen, lokale Redeweisen und soziale Typen gestalten. Die Musik musste beweglicher und szenisch unmittelbarer sein als im heroischen dramma per musica. Aldrovandini leistete in dieser Verbindung von Bologneser Komik und musikalischer Form einen wichtigen Beitrag.
Opernwege zwischen Bologna, Venedig, Neapel, Genua, Turin und Florenz
Nach den ersten Bologneser Erfolgen gelangten Aldrovandinis Opern in verschiedene italienische Zentren. La Fortezza al cimento wurde in Venedig und Florenz gespielt, Cesare in Alessandria in Neapel, Semiramide in Ascalona in Genua, Mitridate in Sebastia in Genua, Turin, Florenz und Neapel, L’Incoronazione di Dario in Venedig und Neapel. Diese Wege zeigen, wie mobil Opernstoffe, Sänger, Libretti und musikalische Nummern um 1700 waren.
Neapel war für Aldrovandini besonders wichtig, weil dort mehrere seiner Werke aufgeführt wurden und weil zu Cesare in Alessandria ein besonders aufschlussreicher Quellenbestand erhalten ist. In diesem Werk treten auch komische Intermezzo- beziehungsweise Zwischenspielkontexte hervor, etwa Mirena e Lesbino und Mirena e Floro. Damit berührt Aldrovandini die frühe Geschichte der italienischen Opernintermezzi.
Genua, Turin und Florenz erweiterten den Wirkungsraum. Opern wurden häufig für lokale Bedingungen angepasst. Libretti konnten wiederverwendet, Arien ersetzt, Rollen umgeschrieben und Instrumentationen verändert werden. Aldrovandinis Bühnenwerke sind daher nicht nur als feste Werke, sondern als Bestandteile eines dynamischen Opernsystems zu verstehen.
Oratorium, geistliche Musik und Kantate
Aldrovandinis Oratorien beginnen bereits 1691 mit La Guerra in cielo und S. Sigismondo. Später folgten Giesù nato, L’Italia humiliata, La Grazia giubilante und Il doppio martire. Von diesen Werken sind vor allem die Libretti bekannt. Dennoch zeigen sie, dass Aldrovandini früh in der geistlichen Dramatik tätig war und nicht erst durch die Oper zu dramatischer Musik fand.
Die gedruckten geistlichen Werke op. 1 und op. 3 gehören zu einer anderen, liturgisch beziehungsweise devotional geprägten Sphäre. Armonia sacra concertata in motetti a 2 e 3 voci und Concerti sacri a voce sola con violini stehen für eine bolognesische und oberitalienische Tradition des geistlichen Solokonzerts und der konzertierenden Motette. Hier verbindet sich Vokalvirtuosität mit Instrumentalbeteiligung und Generalbassfundament.
Die Kantaten op. 2 zeigen Aldrovandini als Komponisten der kammermusikalisch-vokalen Affektkunst. Die Solokantate war um 1700 eine hochkultivierte Gattung, in der Liebesklage, moralische Reflexion, pastorale Situation und rhetorische Affektführung in kleiner Form verdichtet wurden. Sie stand zwischen Theater, Salon und höfischer Kammer.
Instrumentalmusik, Sonate und Concerto
Aldrovandinis Instrumentalmusik ist vor allem durch op. 4 und op. 5 greifbar. Die Concerti a 2 violini e violoncello o tiorba op. 4 erschienen 1703 in Bologna. Die X sonate a tre, 2 violini e violoncello col basso per l’organo op. 5 erschienen 1706 und wurden später in Amsterdam nachgedruckt. Damit stehen sie in der internationalen Druckzirkulation der italienischen Instrumentalmusik.
Die Triosonaten op. 5 zeigen die Nähe zur Corelli-Tradition, zugleich aber eine eigene theatralische Beweglichkeit. Die Form ist oft einfach, aber wirkungsvoll. Langsame Sätze setzen auf Melodik und klare Affekte, schnelle Sätze auf kontrapunktische Bewegung, rhythmische Energie und teilweise überraschende Effekte. Gerade die Verbindung von Kirchensonatenmodell und opernhaftem Sinn für Wirkung macht sie charakteristisch.
Daneben sind einzelne Tastenstücke und cembalo- beziehungsweise orgelnahe Werke überliefert. Besonders ein Adagio e Pastorale beziehungsweise eine Pastorale wurde im 20. Jahrhundert ediert oder bearbeitet. Solche Stücke zeigen einen weiteren Bereich der Bologneser Musikpraxis: die Verbindung von Orgel, Cembalo, pastoraler Klangrhetorik und kirchlich-kalendarischer Verwendung.
Stil, Satzweise und musikalische Sprache
Aldrovandinis Stil verbindet bolognesische Kontrapunkttradition, vokale Theaterwirksamkeit, instrumentale Profilierung und gelegentlich lokale Komik. Er ist kein radikaler Neuerer, aber ein sehr typischer und zugleich eigenständiger Vertreter der italienischen Musik um 1700. Sein Werk zeigt, wie eng Oper, Oratorium, Kantate, Motette, Concerto und Sonate in derselben kompositorischen Praxis verbunden sein konnten.
In den Opern fällt das Interesse am instrumentalen Klang auf. Aldrovandini begnügte sich nicht immer mit bloßer Generalbassstütze. Er nutzte Instrumente zur Profilierung der Szene und des Affekts. In Cesare in Alessandria wird besonders die eigenständige Wirkung der Kontrabässe erwähnt. Solche Details zeigen einen Komponisten, der die Bühne als Klangraum dachte.
In den frühen komischen Opern ist der Stil wahrscheinlich stärker von Lokalkolorit, rhythmischer Beweglichkeit und dramatischer Zuspitzung geprägt. Der bolognesische Dialekt in Amor torna in s’al so’ weist auf eine Musik, die Sprache nicht abstrakt vertont, sondern soziale Farbe und szenischen Witz erzeugt. Damit gehört Aldrovandini zu den Komponisten, die der komischen Oper vor ihrer späteren Standardisierung regionale Eigenständigkeit verliehen.
Die geistlichen Werke und Oratorien zeigen die andere Seite: klare Affektrhetorik, konzertierende Stimmen, Instrumentalbeteiligung und ein stärker moralisch-devotionaler Ton. Die Instrumentalwerke wiederum zeigen die Nähe zum Sonaten- und Concertostil Bolognas, in dem Kontrapunkt, melodische Linie und klangliche Balance eine wichtige Rolle spielen.
Werkverzeichnis
Das folgende Werkverzeichnis fasst die in Treccani, IMSLP, Verlags- und Katalognachweisen sowie der älteren Lexikographie greifbaren Werke zusammen. Bei Aldrovandini ist besonders zwischen Bühnenwerken mit erhaltenem Libretto, Bühnenwerken mit erhaltener Partitur, gedruckten Opus-Werken, Handschriften, späteren Bearbeitungen und unsicheren beziehungsweise nur sekundär genannten Titeln zu unterscheiden.
Theaterwerke und Opern
- Gl’inganni amorosi scoperti in villa, scherzo giocoso, Libretto von L. M. Landi, Bologna 1696; Wiederaufnahmen Bologna 1725, Bologna 1728, Bologna 1746 und Modena 1727. Das Werk ist für die frühe Bologneser komische Oper besonders wichtig.
- Dafni, favola boschereccia, Libretto teilweise von Eustachio Manfredi, Bologna 1696.
- Ottaviano, dramma per musica, Libretto von Nicolò Beregani, Turin 1697.
- Amor torna in s’al so’ over sie l’Nozz di a Checha e d’Bdett, Werk in bolognesischem Dialekt, Libretto von A. M. Monti, Bologna 1698; später als Amor torna in s’al so’ over l’Nozz di a Flippa e d’Bdett, Bologna 1733, wiederaufgeführt. In älterer Literatur durch Lesefehler auch als Amor torna in 5 al 50 beziehungsweise Amor torna in cinque al cinquanta entstellt.
- La Fortezza al cimento, dramma per musica, Libretto von Francesco Silvani, Venedig 1699 und Florenz 1703.
- L’Orfano, von Fétis als in Neapel 1699 aufgeführt genannt; Libretto und Partitur sind quellenkritisch nicht in derselben Weise gesichert wie bei anderen Opern.
- Cesare in Alessandria, dramma per musica, Libretto von F. M. Paglia, Neapel 1700; wichtig wegen erhaltener Partitur und wegen des hervorgehobenen instrumentalen Klangprofils.
- Le due Auguste, dramma per musica, Libretto von P. P. Seta, Bologna 1700.
- Semiramide in Ascalona, dramma per musica, Libretto von Apostolo Zeno, Genua 1701; quellenkundlich wichtig, da eine Partitur beziehungsweise größere musikalische Überlieferung bekannt ist.
- Mitridate in Sebastia, dramma per musica, Libretto von G. Maggi, Genua 1701, Turin 1702, Florenz 1704 und Neapel 1706.
- Turno Arcino, dramma per musica, Libretto von Silvio Stampiglia, Genua 1702.
- L’Incoronazione di Dario, dramma per musica, Libretto von Adriano del Po beziehungsweise Andrea del Po in einzelnen Katalogformen, Venedig 1703 und Neapel 1705.
- Il Trace in catena, dramma per musica, Libretto ohne sicheren Verfassernamen, Venedig 1704.
- Pirro, dramma per musica, Libretto von Apostolo Zeno, Venedig 1704 und Mailand 1706.
- L’Odio e l’amore, dramma per musica, Libretto von M. Nonie, Neapel 1704 und Livorno 1708; nach Aldrovandinis Tod weiter aufgeführt.
- Il più fedele tra vassalli, dramma per musica, Libretto von G. Convò und Silvio Stampiglia, Neapel 1705.
- Muzio Scevola, 1705; von Schmidl genannt, jedoch ohne präzisierende Angaben zu Aufführung, Libretto und Quellenbestand.
- Li tre rivali al soglio, dramma per musica, Libretto von Silvio Stampiglia, Bologna 1711, Rimini 1715 und Rovigo 1718; postum aufgeführt.
- Amor non vuol rispetti, dramma per musica, Libretto ohne sicheren Verfassernamen, Cento 1719; postum aufgeführt.
- Zelida, von Padre Martini als von Aldrovandini vertont genannt; quellenkritisch als unsicher beziehungsweise ergänzend zu prüfen.
- Perseo, von Padre Martini als von Aldrovandini vertont genannt; quellenkritisch als unsicher beziehungsweise ergänzend zu prüfen.
Oratorien
- La Guerra in cielo, Oratorium, Libretto von T. Stanzani, Bologna 1691.
- S. Sigismondo, Oratorium, Libretto von G. B. M. Monti, Bologna 1691; erneuter Aufführungskontext Bologna 1704.
- Giesù nato, Oratorium, Libretto von D. G. B. Taroni, Bologna 1698.
- L’Italia humiliata, Oratorium, Libretto von Vaiani de’ Borghi, Bologna 1702.
- La Grazia giubilante, Oratorium, Libretto ohne gesicherten Verfassernamen, Bologna 1704.
- Il doppio martire, Oratorium, Libretto von M. Vangini, Bologna 1706.
Gedruckte Opus-Werke
- Armonia sacra concertata in motetti a 2 e 3 voci, con violini e senza, op. 1, Bologna, Silvani, 1701; geistliche Motetten beziehungsweise geistliche Konzertmusik für zwei und drei Stimmen, mit und ohne Violinen.
- Cantate a voce sola, op. 2, Bologna, Silvani, 1701; Solokantaten als kammermusikalisch-vokale Werkgruppe.
- Concerti sacri a voce sola con violini, op. 3, Bologna, Silvani, 1703; geistliche Solokonzerte mit Violinen.
- Concerti a 2 violini e violoncello o tiorba, op. 4, Bologna, Silvani, 1703; instrumentale Concerti beziehungsweise Triosonaten- und Konzertstücke für zwei Violinen und Violoncello oder Theorbe.
- X sonate a tre, 2 violini e violoncello col basso per l’organo, op. 5, Bologna, Silvani, 1706; zehn Triosonaten, später in Amsterdam bei Pierre Mortier nachgedruckt.
Weitere gedruckte und in Sammlungen erschienene Werke
- Beiträge zu Motetti sagri a voce sola, Bologna, C. M. Fagnani, 1695.
- Beiträge zu Sonate a tre di vari autori, Bologna, Buffagnotti, um 1700.
- Arien beziehungsweise Vokalstücke im Musikalisch-italienischen Arien-Kranz, herausgegeben von Johann Ludwig Steiner, Zürich 1724.
- Son ferito d’un labro di ciglio beziehungsweise Son ferito d’un labro di giglio, als einzelnes Vokalstück beziehungsweise Arie in moderner Katalog- und IMSLP-Überlieferung greifbar.
- Einzelne Arien aus Opern, die in Sammelhandschriften und Arienanthologien überliefert sind.
Geistliche Werke und Motetten außerhalb der Opusgruppen
- Magnificat in C major, in IMSLP und Dresdner beziehungsweise überlieferungsgeschichtlichen Kontexten nachgewiesen; wichtiges Beispiel der geistlichen lateinischen Musik Aldrovandinis.
- Weitere geistliche Kompositionen für Stimmen und Instrumente in Handschriften der Biblioteca G. B. Martini in Bologna, im Archivio di San Petronio, in der Accademia Filarmonica und in weiteren europäischen Bibliotheken.
- Motetten und geistliche Konzerte, die nur durch Handschriften oder Sammeldrucke greifbar sind.
- Weihnachtlich-pastorale beziehungsweise devotional geprägte Stücke, etwa in moderner Tonträger- oder Katalogüberlieferung genannte Werke wie O bambino mio divino.
Instrumentalmusik
- Concerti a 2 violini e violoncello o tiorba, op. 4, Bologna 1703; eigenständige gedruckte Sammlung und Hauptquelle der instrumentalen Concerti Aldrovandinis.
- X sonate a tre, op. 5, Bologna 1706; zehn Triosonaten für zwei Violinen, Violoncello und Basso continuo beziehungsweise Orgelbass.
- Sonata in C major, in IMSLP und modernen Notenportalen als Einzelwerk greifbar; genaue ursprüngliche Quelle und Besetzung ergänzend zu prüfen.
- Zwei Sonaten für Violine und Continuo, in modernen Verlags- und Notenkatalogen als Editionen greifbar.
- Sinfonia aus Cesare in Alessandria, in modernen Bearbeitungen beziehungsweise Editionen für Streichorchester nachgewiesen.
- Sinfonia con tromba beziehungsweise Trompetensinfonie in D-Dur, in modernen Aufnahmen und Katalogkontexten greifbar; genaue Quellenlage gesondert zu prüfen.
- Pastorale für Orgel, in einer Handschrift der Biblioteca G. B. Martini überliefert und im 20. Jahrhundert in Ireneo Fusers Anthologie Classici Italiani dell’Organo aufgenommen.
- Adagio e Pastorale, aus cembalo- beziehungsweise orgelnaher Handschriftenüberlieferung; 1935 bei Bongiovanni in Bearbeitung von G. Piccioli erschienen, auch in Fassungen für Klavier, Orchester und als Adagio-Bearbeitung für Violine.
Kantaten
- Cantate a voce sola, op. 2, Bologna, Silvani, 1701; gedruckte Hauptsammlung der Solokantaten Aldrovandinis.
- Eine Solokantate mit Violinen, aufgenommen in die Sammlung Antichi Maestri Bolognesi, varie musiche, Bologna 1914, herausgegeben von Francesco Vatielli.
- Kantaten in Handschriften in Bologna, Berlin, Wien, Brüssel, Paris, London, Cambridge und weiteren Bibliotheken.
- Kantaten beziehungsweise Arien in der Berliner Sammelhandschrift 46 Cantatas, D-B Mus.ms.30188 und verwandten Sammelüberlieferungen, soweit dort Aldrovandini zugeschrieben.
Intermezzi, komische Zwischenspiele und Bühnenzusätze
- Mirena e Lesbino, komisches Intermezzo beziehungsweise Zwischenspiel im Zusammenhang der Partitur von Cesare in Alessandria.
- Mirena e Floro, weiteres größeres komisches Zwischenspiel beziehungsweise intermezzoartiger Bestandteil im Zusammenhang von Cesare in Alessandria.
- Weitere szenische Zusätze, Arienersetzungen und lokale Anpassungen in Aufführungszusammenhängen der Opern, soweit aus Libretto- und Partiturquellen erschließbar.
Handschriftliche Überlieferung
- Geistliche und weltliche Werke für Stimmen und Instrumente in Bologna, besonders Biblioteca G. B. Martini, Archivio di San Petronio und Accademia Filarmonica.
- Handschriften in Mailand, Conservatorio di musica.
- Handschriften in Dresden, Katholische Hofkirche beziehungsweise Sächsische Landesbibliothek, unter anderem mit Magnificat-Bezug.
- Handschriften in Berlin, darunter ältere Bestände aus dem Joachimsthalschen Gymnasium und der Staatsbibliothek zu Berlin.
- Handschriften in Wien, Gesellschaft der Musikfreunde.
- Handschriften in Brüssel, Conservatoire und Bibliothèque Royale.
- Handschriften in Paris, Bibliothèque Nationale beziehungsweise Bibliothèque nationale de France.
- Handschriften in London, British Museum beziehungsweise British Library.
- Handschriften in Cambridge, Fitzwilliam Museum und Magdalene College.
Unsichere, verlorene oder nur sekundär genannte Werke
- L’Orfano, von Fétis genannt, aber ohne gesicherte Libretto- und Partiturlage wie bei den besser belegten Opern.
- Muzio Scevola, von Schmidl für 1705 genannt, jedoch ohne präzisierende Quellenangaben.
- Zelida, von Padre Martini als Aldrovandini-Vertonung erwähnt, aber quellenkritisch ergänzend zu prüfen.
- Perseo, von Padre Martini als Aldrovandini-Vertonung erwähnt, aber quellenkritisch ergänzend zu prüfen.
- Einzelne Arien und Kantaten mit unsicherer Namensform oder späterer Katalogzuschreibung.
- Instrumentalstücke, die in modernen Noteneditionen als Aldrovandini erscheinen, deren historische Quelle aber jeweils einzeln zu prüfen ist.
Überlieferung, Drucke, Handschriften und Editionslage
Die Überlieferung Aldrovandinis ist für die Opern ungleichmäßig. Die meisten Bühnenwerke sind durch gedruckte Libretti nachweisbar, während vollständige Partituren nur in wenigen Fällen erhalten oder sicher bekannt sind. Besonders Cesare in Alessandria und Semiramide in Ascalona besitzen eine stärkere musikalische Quellenbasis. Viele andere Opern müssen dagegen zunächst als libretto- und aufführungsgeschichtlich belegte Werke behandelt werden.
Die gedruckten Opuswerke bilden eine stabilere Grundlage. Die Drucke bei Silvani in Bologna zeigen, dass Aldrovandini in den professionellen Musikdruck eintrat und nicht nur für einzelne Theateraufführungen arbeitete. Die Amsterdamer Nachdrucke der Triosonaten op. 5 belegen zudem, dass seine Instrumentalmusik auch außerhalb Italiens Interesse fand.
Die Handschriftenstreuung ist auffällig breit. Bologna bleibt als Zentrum entscheidend, aber wichtige Bestände liegen auch in Dresden, Berlin, Wien, Brüssel, Paris, London und Cambridge. Diese Streuung entspricht dem europäischen Umlauf italienischer Vokalmusik, Arien, Kantaten, Motetten und Instrumentalstücke im 18. Jahrhundert.
Die moderne Editionslage ist fragmentarisch. Einzelne Tastenstücke wurden im 20. Jahrhundert bearbeitet oder in Anthologien aufgenommen. Instrumentalwerke wie op. 5 werden heute wieder eingespielt. IMSLP, BnF, RISM-nahe Kataloge, Notenportale und moderne Verlagsseiten erleichtern den Zugang, ersetzen aber kein vollständiges kritisches Werkverzeichnis.
Rezeption und kulturgeschichtliche Bedeutung
Aldrovandini wurde nach seinem Tod nicht sofort vergessen. Mehrere Opern wurden postum gespielt, besonders Gl’inganni amorosi scoperti in villa, das bis 1746 nachweisbar blieb. Auch L’Odio e l’amore, Li tre rivali al soglio und Amor non vuol rispetti wurden nach seinem Tod aufgeführt. Dies zeigt, dass seine Bühnenmusik über den unmittelbaren Entstehungszeitraum hinaus tragfähig war.
Die spätere Musikgeschichtsschreibung nahm ihn vor allem als Bologneser Komponisten, Schüler Pertis und Vertreter der frühen komischen Oper wahr. Diese Perspektive ist berechtigt, aber nicht vollständig. Aldrovandini war zugleich Oratorienkomponist, Kantatenkomponist, geistlicher Konzertkomponist und Instrumentalkomponist. Seine Bedeutung liegt gerade in dieser Gattungsbreite.
In der heutigen Rezeption ist Aldrovandini noch immer eher ein Spezialfall als ein Repertoirekomponist. Aufführungen und Einspielungen seiner Triosonaten op. 5, einzelner Sinfonien, geistlicher Stücke und Opernausschnitte haben jedoch gezeigt, dass seine Musik mehr ist als ein bloßer Lexikonname. Sie eröffnet einen Zugang zur Bologneser Klangwelt um 1700, zu einer regionalen Frühgeschichte der komischen Oper und zu einer Instrumentalmusik zwischen Corelli-Modell und theatralischem Affekt.
Kulturgeschichtlich ist Aldrovandini daher als Vermittlungsfigur zu verstehen. Er steht zwischen Schule und Bühne, Akademie und Opernmarkt, Bologna und Neapel, Oratorium und Intermezzo, geistlicher Motette und Triosonate. Seine kurze, von Erfolgen und persönlicher Prekarität gezeichnete Laufbahn macht die Bedingungen barocker Musikerexistenz besonders sichtbar.
Sekundärliteratur
- Luigi Ferdinando Tagliavini: Aldrovandini, Giuseppe Antonio Vincenzo. In: Dizionario Biografico degli Italiani, Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom. Grundlegender italienischer Lexikonartikel mit Biographie, Werkverzeichnis und Quellenangaben.
- James L. Jackman: Aldrovandini, Giuseppe Antonio Vincenzo. In: Grove Music Online. Moderner internationaler Fachartikel zu Leben, Werk und musikhistorischer Einordnung.
- Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Personenteil: Artikel Aldrovandini, Giuseppe Antonio Vincenzo. Deutschsprachiger Fachlexikonzugang zur Person und Werküberlieferung.
- Nicolas Slonimsky, Laura Kuhn und Dennis McIntire: Aldrovandini, Giuseppe (Antonio Vincenzo). In: Baker’s Biographical Dictionary of Musicians. Kompakter englischsprachiger Lexikoneintrag.
- François-Joseph Fétis: Biographie universelle des musiciens, Band 1, Paris 1868, S. 62–63. Ältere lexikalische Quelle, quellenkritisch zu verwenden.
- Robert Eitner: Biographisch-bibliographisches Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten, Band 1, Leipzig, S. 102–103. Wichtige ältere Quellenbibliographie.
- Oscar Schmidl: Dizionario universale dei musicisti, Band 1. Älterer italienischer Lexikonkontext mit einzelnen Werkhinweisen.
- Corrado Ricci: I teatri di Bologna nei secoli XVII e XVIII, Bologna 1888. Wichtige ältere Studie zum Bologneser Theaterumfeld.
- L. Busi: Il padre G. B. Martini, Bologna 1891. Relevant für die Martini-Überlieferung und ältere Bologneser Musikgeschichtsschreibung.
- F. S. Quadrio: Della storia e della ragione d’ogni poesia, Band III/2, Mailand 1744. Älterer literatur- und theatergeschichtlicher Bezugskontext.
- H. Lavoix: Histoire de l’instrumentation, Paris 1878. Älterer instrumentationsgeschichtlicher Kontext, besonders für Fragen der Operninstrumentation.
- Francesco Vatielli: Antichi Maestri Bolognesi, varie musiche, Bologna 1914. Editionskontext einer Solokantate Aldrovandinis.
- Ireneo Fuser: Classici Italiani dell’Organo, Padua 1955. Anthologiekontext der Aldrovandini-Pastorale für Orgel.
- Moderne Forschung zur Bologneser Schule, zur Accademia Filarmonica, zu Giacomo Antonio Perti, zur frühen Opera buffa, zu Silvani-Drucken und zur italienischen Triosonate um 1700.
Ausgewählte Onlinequellen
- Treccani: Giuseppe Antonio Vincenzo Aldrovandini Ausführlicher Artikel des Dizionario Biografico degli Italiani von Luigi Ferdinando Tagliavini mit Biographie, Opernliste, Oratorien, Druckwerken, Handschriften und Bibliographie.
- Encyclopedia.com: Aldrovandini, Giuseppe (Antonio Vincenzo) Kompakter Baker-Artikel mit Datierung, Perti-Bezug, Accademia Filarmonica, Opernzahl und Hinweis auf Oper, Oratorium, Instrumentalmusik und geistliche Werke.
- IMSLP: Giuseppe Antonio Vincenzo Aldrovandini Noten- und Werkportal mit Personenseite, Namensvarianten, Werkseiten zu Cesare in Alessandria, L’Incoronazione di Dario, Magnificat, Mitridate, La Semiramide, Sonata in C major und den 10 Trio Sonatas.
- IMSLP: Cesare in Alessandria Werkseite zu Aldrovandinis Neapler Oper von 1700 mit Quellen- und Gattungsangaben.
- IMSLP: L’Incoronazione di Dario Werkseite zur Oper mit Angaben zu Librettisten, Sprache, Besetzungskontext und Quellen.
- IMSLP: 10 Trio Sonatas op. 5 Werkseite zur Triosonatensammlung mit Angaben zu Besetzung, Erstveröffentlichung und Quellen.
- IMSLP: Magnificat in C major Werkseite zum geistlichen lateinischen Werk Aldrovandinis.
- Da Vinci Classics: Trio Sonatas op. V, Bologna 1706 Aufnahmeseite mit moderner Einspielung der zehn Triosonaten op. 5, biographischem Überblick und Angaben zur Druck- und Rezeptionsgeschichte.
- Bibliothèque nationale de France: Notice de personne Aldrovandini, Giuseppe Französischer Normdatensatz mit Quellenhinweisen, Namensform und Werkbezügen.
- Musicalion: Giuseppe Aldrovandini Notenportal mit Kurzbiographie, Lebensdaten, Perti-Bezug, Accademia Filarmonica, Mantua und Ferrara.
- RILM Music Encyclopedias: Aldrovandini, Giuseppe Antonio Vincenzo Lexikalischer Kurzzugang mit älteren biographischen und bibliographischen Angaben.
- Staatsbibliothek zu Berlin digital: Aldrovandini Recherchezugang zu digitalisierten Handschriften und Sammelquellen mit Aldrovandini-Bezug.
- Hofkirche Catalogo 1765: Aldrovandini, Magnificat Quellennachweis zum Dresdner Magnificat-Bestand mit Aldrovandini-Nennung.
- All-SheetMusic: Giuseppe Antonio Vincenzo Aldrovandini Notenkatalog mit modernen Editionen wie Sinfonia dall’opera Cesare in Alessandria und Sonaten.
- Sheet Music Plus: Giuseppe Aldrovandini Handels- und Notenportal mit modernen Editionen, darunter Sonaten und Sinfonia-Ausgaben.
- WorldCat Internationaler Bibliothekskatalog zur Suche nach Aldrovandini-Drucken, Libretti, Tonträgern, Editionen und Forschungsliteratur.
- OPAC SBN: Servizio Bibliotecario Nazionale Italienischer Verbundkatalog für Libretti, Musikdrucke, Handschriftennachweise und moderne Editionen zu Aldrovandini.
- ICCU: Istituto Centrale per il Catalogo Unico Institutioneller Zugang zur italienischen Katalog- und Normdateninfrastruktur.
- Accademia Filarmonica di Bologna Institutioneller Kontext von Aldrovandinis Aufnahme 1695 und seiner Stellung als principe der Akademie.
- Museo internazionale e biblioteca della musica di Bologna Wichtiger Bologneser Rechercheort für Aldrovandini-Quellen, ältere Musikhandschriften, Perti-Kontexte und die Bologneser Schule.
- Bologna Cultura: Museo internazionale e biblioteca della musica Institutionelle Informationsseite zur Bologneser Musikbibliothek und ihren historischen Beständen.
- Biblioteca Nazionale Braidense Rechercheort für italienische Libretti, Operndrucke und barocke Musikquellen.
- Biblioteca Nazionale di Napoli Wichtiger Rechercheort für neapolitanische Opernquellen, darunter das Umfeld von Cesare in Alessandria.
- Bibliothèque nationale de France Zentraler französischer Quellenort für Aldrovandini-Handschriften, Libretti und Normdaten.
- RISM: Répertoire International des Sources Musicales Internationales Quellenverzeichnis für Musikdrucke, Handschriften, Personen und Werküberlieferung.
- RISM Online Rechercheportal zur Prüfung von Aldrovandini-Quellen, Handschriftenstandorten und Werkansätzen.
- MGG Online Fachlexikalisches Standardportal zur Suche nach dem Artikel Aldrovandini, Giuseppe Antonio Vincenzo und verwandten Bologneser Musikartikeln.
- Oxford Music Online Zugangsumfeld zum Grove-Artikel von James L. Jackman über Aldrovandini.
- Deutsche Nationalbibliothek: GND Giuseppe Antonio Vincenzo Aldrovandini Deutschsprachiger Normdatensatz zur bibliothekarischen Identifikation Aldrovandinis.
- VIAF: Giuseppe Antonio Vincenzo Aldrovandini Internationaler Normdatencluster mit Verknüpfungen zu Bibliotheks- und Katalogsystemen.
Weiterführende Einträge
- Giuseppe Antonio Vincenzo Aldrovandini Bologneser Barockkomponist, Opern-, Oratorien-, Kantaten-, Motetten- und Instrumentalkomponist.
- Bologna Geburts-, Wirkungs- und Sterbeort Aldrovandinis sowie Zentrum der Bologneser Schule.
- Bologneser Schule Musikalischer Stil- und Institutionenkontext von Perti, Torelli, Bononcini und Aldrovandini.
- Accademia Filarmonica di Bologna Akademie, der Aldrovandini seit 1695 angehörte und deren principe er 1702 wurde.
- Giacomo Antonio Perti Lehrer Aldrovandinis und zentrale Bologneser Autorität der Kirchen- und Theatermusik.
- San Petronio in Bologna Wichtiger kirchenmusikalischer Bezugspunkt der Bologneser Schule und Pertis Wirkungsort.
- Museo internazionale e biblioteca della musica di Bologna Wichtiger Quellenort für Aldrovandini, Perti und die Bologneser Musikgeschichte.
- Opera buffa Spätere Gattungsbezeichnung, deren regionale Vorformen in Aldrovandinis frühen Bologneser Komödien sichtbar werden.
- Scherzo giocoso Komische Bühnenform, zu der Gl’inganni amorosi scoperti in villa gehört.
- Favola boschereccia Pastorale Bühnenform, in der Aldrovandinis Dafni steht.
- Bolognesischer Dialekt in der Oper Sprach- und Theaterkontext von Amor torna in s’al so’.
- Gl’inganni amorosi scoperti in villa Aldrovandinis wichtiges frühes komisches Bühnenwerk von 1696.
- Dafni Pastorale favola boschereccia Aldrovandinis aus dem Jahr 1696.
- Cesare in Alessandria Neapler Oper Aldrovandinis von 1700 mit wichtiger Partiturüberlieferung und instrumentaler Klangprofilierung.
- Semiramide in Ascalona Oper Aldrovandinis von 1701 nach Apostolo Zeno mit bedeutender Quellenlage.
- Mitridate in Sebastia Oper Aldrovandinis mit Aufführungen in Genua, Turin, Florenz und Neapel.
- L’Incoronazione di Dario Venezianisch-neapolitanische Oper Aldrovandinis von 1703 beziehungsweise 1705.
- Apostolo Zeno Librettist von Semiramide in Ascalona und Pirro im Aldrovandini-Kontext.
- Francesco Silvani Librettist von La Fortezza al cimento und wichtige Figur der venezianischen Opernlibrettistik.
- Silvio Stampiglia Librettist von Turno Arcino und Li tre rivali al soglio.
- Eustachio Manfredi Bologneser Gelehrter und teilweise Librettist von Aldrovandinis Dafni.
- Antonio Maria Monti Librettist von Aldrovandinis bolognesischem Dialektwerk Amor torna in s’al so’.
- Teatro Formagliari Bologna Bologneser Aufführungsort früher Aldrovandini-Bühnenwerke.
- Teatro Malvezzi Bologna Bologneser Theater im Umfeld von Aldrovandinis frühen Opern.
- Neapel als Opernstadt um 1700 Aufführungsraum von Cesare in Alessandria und mehreren Aldrovandini-Werken.
- Venedig als Opernstadt um 1700 Aufführungsraum von La Fortezza al cimento, L’Incoronazione di Dario, Il Trace in catena und Pirro.
- Genua als Opernstadt um 1700 Aufführungsraum von Semiramide in Ascalona, Mitridate in Sebastia und Turno Arcino.
- Turin als Opernstadt um 1700 Aufführungsort von Ottaviano und Mitridate in Sebastia.
- Florenz als Opernstadt um 1700 Aufführungsraum von La Fortezza al cimento und Mitridate in Sebastia.
- Mantua in der Musikgeschichte Höfischer Bezugspunkt von Aldrovandinis Ernennung zum maestro di cappella onorario.
- Ferrara in der Musikgeschichte Ort der Accademia di Santo Spirito, deren maestro Aldrovandini 1706 war.
- Accademia di Santo Spirito Ferrara Institutioneller Kontext von Aldrovandinis später Tätigkeit.
- Italienisches Oratorium Gattungsrahmen von Aldrovandinis La Guerra in cielo, S. Sigismondo und weiteren Oratorien.
- La Guerra in cielo Frühes Oratorium Aldrovandinis aus dem Jahr 1691.
- S. Sigismondo Oratorium Aldrovandinis aus dem Bologneser Kontext.
- Giesù nato Weihnachtliches Oratorium Aldrovandinis von 1698.
- Italienische Kantate Gattung von Aldrovandinis Cantate a voce sola op. 2.
- Motetto sacro Geistliche Vokalgattung in Aldrovandinis op. 1 und in Bologneser Sammeldrucken.
- Concerto sacro Geistliche Konzertgattung von Aldrovandinis op. 3.
- Triosonate Instrumentale Hauptgattung von Aldrovandinis op. 5.
- Sonata a tre Italienischer Sonatentyp für zwei Oberstimmen und Basso continuo, zentral für Aldrovandinis op. 5.
- Concerto a due Instrumentale Werkgruppe von Aldrovandinis op. 4.
- Arcangelo Corelli Vergleichsfigur für Aldrovandinis Triosonaten und die italienische Sonatentradition.
- Silvani, Musikdruck in Bologna Druckkontext von Aldrovandinis op. 1 bis op. 5.
- Pierre Mortier Amsterdamer Verleger der Nachdrucke von Aldrovandinis Triosonaten op. 5.
- Bologneser Musikdruck Mediengeschichtlicher Rahmen von Aldrovandinis gedruckten geistlichen und instrumentalen Werken.
- Italienischer Musikdruck um 1700 Übergreifender Druck- und Verbreitungskontext von Aldrovandinis Opuswerken.
- Opernintermezzo Szenischer Kontext von Mirena e Lesbino und Mirena e Floro in Cesare in Alessandria.
- Generalbass Grundlage barocker Satz- und Aufführungspraxis, von der Aldrovandini in einzelnen Operneffekten bewusst abweichen konnte.
- Kontrabass in der Barockoper Instrumentationsaspekt von Cesare in Alessandria und der frühen Opernklangfarbe.
- Instrumentation in der Barockoper Klanggeschichtlicher Rahmen von Aldrovandinis Interesse an selbständiger Instrumentalwirkung.
- Giuseppe Torelli Bologneser Instrumentalkomponist und Vergleichsfigur für die Concerto- und Sonatenkultur.
- Giovanni Bononcini Bolognesischer beziehungsweise italienischer Zeitgenosse im Opern- und Vokalmusikumfeld.
- Padre Martini Späterer Bologneser Musikgelehrter und wichtiger Überlieferungszeuge zu Aldrovandini.
- Francesco Antonio Pistocchi Bologneser Sänger, Komponist und Gesangslehrer, der Aldrovandinis Opernwirkung lobend bezeugte.
- Gesangsunterricht im Barock Praxisfeld, in dem Aldrovandini zeitgenössisch geschätzt wurde.
- Opernlibretto Hauptquelle vieler Aldrovandini-Bühnenwerke, deren Partituren nicht vollständig erhalten sind.
- Libretto-Überlieferung Quellenkundlicher Schlüssel für Aldrovandinis Opern- und Oratorienwerk.
- RISM Internationales Quellenverzeichnis für Musikdrucke, Handschriften und Personenansätze.
- IMSLP Digitales Notenportal mit Aldrovandini-Werkseiten.
- Bibliothèque nationale de France Quellenort für Aldrovandini-Handschriften, Libretti und Normdaten.
- OPAC SBN Italienischer Verbundkatalog zur Recherche von Aldrovandini-Drucken und Libretti.
- Treccani Italienisches Fach- und Allgemeinlexikon mit grundlegenden Angaben zu Aldrovandini.
- Grove Music Online Internationales Musiklexikon mit Artikel zu Aldrovandini.
- Die Musik in Geschichte und Gegenwart Deutschsprachiges Standardlexikon für Aldrovandinis musikhistorische Einordnung.
- VIAF Internationaler Normdatencluster zur eindeutigen Identifikation Aldrovandinis.
- Gemeinsame Normdatei Deutschsprachiger Normdatenkontext zu Aldrovandini.