Albertus Magnus
Überblick
Albertus Magnus, deutsch Albert der Große, war einer der umfassendsten Gelehrten des europäischen Mittelalters. Er war Dominikaner, Theologe, Philosoph, Naturforscher, Lehrer, Ordensmann, Bischof von Regensburg, kirchlicher Vermittler und Autor eines außerordentlich breiten Werkes. Die mittelalterlichen Ehrentitel Doctor universalis und Doctor expertus bezeichnen die beiden Seiten seines Profils: die universale Breite des Wissens und die auffallende Aufmerksamkeit für Erfahrung, Naturbeobachtung und konkrete Sachkunde.
Geboren wurde Albertus um 1200 in Lauingen an der Donau; einzelne ältere Forschungsansätze setzen die Geburt auch näher an 1193 oder um 1206 an. Gesichert ist sein Tod am 15. November 1280 in Köln. Er trat in den Dominikanerorden ein, lehrte an verschiedenen Ordensschulen, wurde in Paris Magister der Theologie, gründete beziehungsweise prägte das Kölner Studium generale der Dominikaner und war Lehrer des Thomas von Aquin. Von 1260 bis 1262 war er Bischof von Regensburg, legte dieses Amt jedoch wieder nieder und kehrte in die dominikanische Lehr-, Predigt- und Vermittlungstätigkeit zurück.
Seine Bedeutung liegt besonders darin, dass er das aristotelische Wissen in der lateinischen Christenheit des 13. Jahrhunderts umfassend erschloss. Albertus kommentierte und paraphrasierte nahezu das gesamte damals zugängliche Corpus aristotelischer Naturphilosophie, Logik, Psychologie, Ethik, Metaphysik und Wissenschaftslehre. Er nahm arabische, jüdische und griechisch-lateinische Vermittlungen ernst, ordnete sie aber in eine christliche Theologie ein. Dadurch wurde er zu einer Schlüsselfigur der Scholastik und zu einem entscheidenden Vorläufer der thomanischen Synthese.
Albertus war jedoch nicht nur Theologe und Aristoteles-Kommentator. Er schrieb über Tiere, Pflanzen, Mineralien, Seele, Sinne, Kosmos, Meteorologie, Generation, Ethik, Politik, Sakramente, Trinität, Schöpfung, Engel, Liturgie, Maria, Dionysius Areopagita, die Evangelien und vieles mehr. Für die Kulturgeschichte ist er eine exemplarische Figur der mittelalterlichen Wissensordnung: In seinem Werk stehen Theologie, Naturkunde, Philosophie, Exegese, Predigt, Ordenspraxis, Universität und Frömmigkeit nicht getrennt nebeneinander, sondern bilden ein vielgliedriges, hierarchisch geordnetes Wissensgebäude.
Kurzdaten
| Name | Albertus Magnus. |
|---|---|
| Deutscher Name | Albert der Große. |
| Weitere Namensformen | Albertus Theutonicus, Albertus de Colonia, Albertus de Lauging, Albert von Lauingen, Albert von Köln, Albert von Bollstädt. |
| Ehrentitel | Doctor universalis und Doctor expertus. |
| Geburt | Um 1200 in Lauingen an der Donau; in der Forschung werden auch abweichende Ansätze wie 1193 oder 1206/1207 diskutiert. |
| Tod | 15. November 1280 in Köln. |
| Beruf | Dominikaner, Theologe, Philosoph, Naturforscher, Theologieprofessor, Ordenslehrer, Prediger, kirchlicher Vermittler und Bischof von Regensburg. |
| Orden | Dominikaner beziehungsweise Ordo Praedicatorum. |
| Studien- und Wirkungsorte | Lauingen, Padua, Hildesheim, Freiburg im Breisgau, Regensburg, Straßburg, Paris, Köln, Würzburg, Lyon und weitere Orte der dominikanischen und kirchlichen Tätigkeit. |
| Universitäre Bedeutung | Magister der Theologie in Paris, Lehrer am Kölner Studium generale und maßgebliche Figur der scholastischen Aristoteles-Rezeption. |
| Berühmtester Schüler | Thomas von Aquin. |
| Bischofsamt | Bischof von Regensburg von 1260 bis 1262. |
| Heiligsprechung | Heiliggesprochen 1931; Kirchenlehrer und Patron der Naturwissenschaftler. |
| Zentrale Werkbereiche | Theologie, Bibelkommentar, Aristoteles-Kommentar, Logik, Metaphysik, Ethik, Politik, Naturphilosophie, Zoologie, Botanik, Mineralogie, Psychologie, Sakramentenlehre, Mariologie und Predigt. |
| Kulturelle Bedeutung | Schlüsselfigur der mittelalterlichen Scholastik, der christlichen Aristoteles-Rezeption, der dominikanischen Wissenschaftskultur und der vormodernen Naturkunde. |
Ausführlicher Kulturüberblick
Albertus Magnus steht in einer Phase, in der sich die europäische Wissenskultur grundlegend veränderte. Im 12. und 13. Jahrhundert wurden zahlreiche aristotelische Schriften und deren arabische und jüdische Kommentare ins Lateinische übersetzt. Diese Texte brachten eine ausgearbeitete Naturphilosophie, Psychologie, Metaphysik, Ethik und Wissenschaftslehre in die lateinische Christenheit. Für die Universitäten war dies eine intellektuelle Herausforderung: Das neue Wissen war mächtig, methodisch streng und sachlich reich, stand aber nicht immer ohne Spannung zur christlichen Theologie.
Albertus war einer der ersten großen Denker, die diese Herausforderung nicht durch Abwehr, sondern durch umfassende Aneignung beantworteten. Er wollte die Schriften des Aristoteles und seiner Kommentatoren für lateinische Leser verständlich machen. Seine Methode war nicht bloße Übersetzung, sondern paraphrasierende Erklärung. Er ordnete, erläuterte, ergänzte, korrigierte und fügte eigene Beobachtungen hinzu. Dadurch schuf er eine Art Wissensbrücke zwischen antiker Philosophie, arabisch-jüdischer Vermittlung, lateinischer Universität und christlicher Theologie.
Sein Werk zeigt eine mittelalterliche Enzyklopädie im aktiven Sinn. Albertus sammelt nicht nur Wissen, sondern fragt nach den Ursachen, Ordnungen und Zwecken der Dinge. Tiere, Pflanzen, Steine, Sterne, Wetter, Seele, Sinne, Moral, Politik, Engel, Sakramente und Gott gehören für ihn nicht zu unverbundenen Wissensfeldern. Sie sind Teile einer geschaffenen Ordnung. Naturforschung ist deshalb nicht Gegnerin der Theologie, sondern kann zur Erkenntnis der geschaffenen Welt und ihrer inneren Ordnung beitragen.
Gerade dieser Punkt ist kulturgeschichtlich entscheidend. Albertus begründete keine moderne Naturwissenschaft im heutigen Sinn, aber er gab der Erforschung der Natur im christlichen Denken eine hohe Legitimität. Er betrachtete die Natur nicht als bloße Allegorie, sondern als eigenständigen Erkenntnisgegenstand. Seine Aufmerksamkeit für Tiere, Pflanzen und Mineralien zeigt eine Neugier, die über bloße Autoritätenkompilation hinausgeht. Er zitiert, prüft, vergleicht und berichtet mitunter aus eigener Erfahrung.
Albertus steht zugleich fest in der Scholastik. Scholastik bedeutet hier nicht trockene Spitzfindigkeit, sondern eine institutionelle und methodische Ordnung des Wissens: Fragen werden gestellt, Autoritäten verglichen, Einwände formuliert, Unterscheidungen getroffen und Lösungen begründet. Diese Methode prägte Universität, Theologie, Predigt und Ordensausbildung. Albertus war dabei weniger ein Systematiker im strengsten Sinn als ein universal arbeitender Erschließer. Thomas von Aquin wird später systematischer und architektonischer formulieren; Albertus öffnet den Raum, in dem eine solche Synthese möglich wird.
Für das Kulturlexikon ist Albertus nicht nur als Philosoph oder Heiliger interessant. Er gehört auch zur Geschichte der europäischen Wissenschaftsorganisation, der Universität, der Naturbeschreibung, der Wissensübersetzung, der Predigtkultur und der christlichen Bildung. Seine Person verbindet Lauingen, Padua, Paris, Köln, Regensburg, Rom und Lyon. Seine Schriften verbinden Aristoteles, Augustinus, Dionysius Areopagita, Avicenna, Averroes, Boethius, Pseudo-Dionysius, die Bibel und die lateinische Scholastik. Dadurch ist er eine zentrale Figur der europäischen Geistesgeschichte.
Name, Titel und Quellenproblem
Albertus Magnus ist kein bürgerlicher Vor- und Familienname im modernen Sinn. Die Form Albertus Magnus bedeutet „Albert der Große“ und bezeichnet den Gelehrten in der lateinischen Tradition. Weitere Namen wie Albertus Theutonicus, Albertus de Colonia und Albertus de Lauging verweisen auf Herkunft, Wirkungsort oder ethnisch-geographische Kennzeichnung. Albertus de Colonia verbindet ihn mit Köln, Albertus de Lauging mit Lauingen, Albertus Theutonicus mit seiner deutschen Herkunft.
Die Bezeichnungen Doctor universalis und Doctor expertus sind Ehrentitel. Doctor universalis hebt die Universalität seines Wissens hervor, Doctor expertus seine Erfahrung und Sachnähe. Beide Titel beschreiben nicht nur späteren Ruhm, sondern treffen einen Kern seines Werkes. Albertus wollte das gesamte verfügbare Wissen systematisch erschließen und zugleich der Wirklichkeit der Natur gerecht werden.
Die Geburtsdatierung ist quellenkritisch unsicher. Häufig wird „um 1200“ angegeben; ältere und neuere Ansätze reichen von etwa 1193 bis 1206/1207. Der Geburtsort Lauingen an der Donau ist in der Tradition fest verankert. Für eine Kulturlexikonseite ist daher die Formulierung „um 1200 in Lauingen“ angemessen, mit Hinweis auf die abweichenden Forschungsansätze. Der Tod am 15. November 1280 in Köln ist dagegen gesichert.
Leben und Ordenslaufbahn
Albertus wurde um 1200 in Lauingen an der Donau geboren. Über Herkunft und Jugend ist nur wenig sicher bekannt. Die ältere Tradition verbindet ihn mit dem Geschlecht von Bollstädt beziehungsweise mit einem staufisch geprägten Dienstadelmilieu. Entscheidend für seine spätere Laufbahn wurde der Weg nach Italien. In Padua begegnete er dem Dominikanerorden, der erst kurz zuvor gegründet worden war und sich rasch zu einem der wichtigsten Träger universitärer Theologie und Predigt entwickelte.
Albertus trat in den Dominikanerorden ein. Der Orden der Prediger verband Armut, Studium, Predigt, Seelsorge und intellektuelle Ausbildung. Für Albertus bot er die ideale institutionelle Form: Hier konnte gelehrtes Wissen nicht nur privat betrieben, sondern in Predigt, Unterricht und kirchliche Lehre überführt werden. In verschiedenen deutschen Ordenshäusern wirkte Albertus als Lehrer, darunter Hildesheim, Freiburg im Breisgau, Regensburg und Straßburg.
Sein Aufstieg führte ihn nach Paris, das im 13. Jahrhundert das wichtigste Zentrum theologischer Universitätsbildung war. Dort erwarb er den Rang eines Magisters der Theologie. Paris war zugleich der Ort, an dem die Auseinandersetzung mit Aristoteles, seinen arabischen Kommentatoren und den kirchlichen Grenzen philosophischer Lehre besonders intensiv geführt wurde. Albertus nahm in dieser Auseinandersetzung eine vermittelnde und produktive Rolle ein.
Nach der Pariser Zeit wurde Köln zu seinem wichtigsten Wirkungsort. Hier prägte er das dominikanische Studium generale. Köln war nicht nur eine große Stadt und ein kirchliches Zentrum, sondern wurde durch Albertus zu einem bedeutenden Ort scholastischer Bildung. Sein Grab und seine Verehrung blieben später ebenfalls mit Köln verbunden.
Paris, Köln und Thomas von Aquin
Albertus’ Pariser Lehrzeit war für die Geschichte der Scholastik grundlegend. An der Universität Paris begegneten sich Theologie, Logik, Aristoteles-Rezeption und institutionelle Lehrform in besonders verdichteter Weise. Albertus gehört zu denjenigen Magistern, die Aristoteles nicht als bloße Gefahr behandelten, sondern als philosophischen Autor von höchster Bedeutung. Dabei ging es nicht um unkritische Übernahme. Vielmehr musste unterschieden werden, welche Aussagen philosophisch gelten, welche theologisch zu korrigieren sind und wie sich Vernunft und Offenbarung zueinander verhalten.
Thomas von Aquin wurde Albertus’ berühmtester Schüler. Die Beziehung zwischen beiden ist für die mittelalterliche Philosophiegeschichte zentral. Albertus öffnete Thomas den Weg zu einer umfassenden Aristoteles-Lektüre, während Thomas später eine systematischere Synthese von christlicher Theologie und aristotelischer Philosophie ausarbeitete. Albertus ist daher nicht einfach Vorläufer, sondern eigenständiger Lehrer einer breiteren, experimentierfreudigeren und enzyklopädischeren Scholastik.
In Köln wurde dieses Wissen institutionell verankert. Das Kölner Studium generale der Dominikaner verband Ordensausbildung und hohe wissenschaftliche Arbeit. Albertus lehrte, schrieb, predigte und vermittelte in Streitfragen. Sein Kölner Wirken zeigt, wie eng mittelalterliche Wissenschaft mit konkreten Orten, Orden und städtischen Netzwerken verbunden war.
Bischof von Regensburg und kirchliche Vermittlung
1260 wurde Albertus Bischof von Regensburg. Dieses Amt war für einen Gelehrten und Ordensmann von hoher Bedeutung, aber auch mit erheblichen praktischen Belastungen verbunden. Regensburg war ein altes kirchliches und städtisches Zentrum. Ein Bischof musste nicht nur lehren, sondern verwalten, richten, vermitteln, reformieren und politisch handeln.
Albertus blieb nur bis 1262 Bischof. Seine kurze Amtszeit zeigt die Spannung zwischen scholastischer Gelehrsamkeit und kirchlicher Verwaltung. Er legte das Amt nieder und kehrte in die dominikanische Tätigkeit zurück. Dennoch blieb er auch danach kirchlich wirksam: als Prediger, Vermittler, Gutachter und Teilnehmer kirchlicher Ereignisse. Er setzte sich in Konflikten ein und blieb eine Autorität, die über bloße Universitätslehre hinaus wirkte.
Seine Teilnahme am Zweiten Konzil von Lyon 1274 und seine Rolle in kirchlichen und politischen Vermittlungen zeigen, dass Albertus nicht als weltabgewandter Gelehrter zu verstehen ist. Er gehörte zu den gelehrten Ordensmännern, die im 13. Jahrhundert zunehmend für kirchliche Ordnung, Diplomatie und intellektuelle Klärung gebraucht wurden.
Aristoteles-Rezeption und scholastische Methode
Albertus’ Aristoteles-Rezeption ist eines der größten intellektuellen Projekte des Mittelalters. Er wollte die aristotelischen Schriften, soweit sie seiner Zeit zugänglich waren, der lateinischen Christenheit verständlich machen. Dabei griff er nicht nur auf Aristoteles selbst zurück, sondern auch auf arabische und jüdische Vermittler wie Avicenna, Averroes und Maimonides sowie auf spätantike und christliche Autoritäten.
Seine Kommentare sind häufig Paraphrasen. Das bedeutet: Albertus folgt dem Aufbau eines aristotelischen Werkes, erklärt den Inhalt in eigener Sprache, ergänzt Zusammenhänge, klärt Begriffe, führt alternative Ansichten an und fügt eigene Überlegungen hinzu. Diese Form ist besonders geeignet, um neue Wissenschaft in ein bestehendes Bildungsgefüge einzuführen. Albertus schreibt nicht für moderne Spezialisten, sondern für ein lateinisches Gelehrtenpublikum, das die neuen Texte methodisch einordnen muss.
Seine Leistung liegt vor allem in der Ordnung der Wissenschaften. Logik, Naturphilosophie, Mathematik, Metaphysik, Ethik und Theologie haben unterschiedliche Gegenstände und Methoden. Albertus versucht, diese Unterschiede ernst zu nehmen, ohne das Ganze zu zerreißen. Naturphilosophie darf nach natürlichen Ursachen fragen; Theologie betrachtet die Dinge im Licht der Offenbarung und des letzten Zieles. Gerade diese methodische Differenzierung wurde für die Scholastik entscheidend.
Naturkunde, Erfahrung und Enzyklopädie
Albertus’ naturkundliche Schriften gehören zu den eindrucksvollsten Leistungen des 13. Jahrhunderts. Besonders De animalibus, De vegetabilibus et plantis und De mineralibus zeigen eine breite Kenntnis antiker und mittelalterlicher Quellen. Zugleich enthalten sie Beobachtungen, Korrekturen und Ergänzungen, die nicht bloß aus Bücherwissen stammen. Albertus unterscheidet zwischen überlieferten Behauptungen, plausibler Erklärung und eigener Erfahrung.
In De animalibus behandelt er die Tierwelt in einem enormen Umfang. Er übernimmt aristotelisches Material, erweitert es aber mit lateinischen, arabischen und eigenen Kenntnissen. Tiere interessieren ihn nicht nur symbolisch, sondern als lebendige Wesen mit Körperbau, Fortpflanzung, Bewegung, Lebensweise und Umweltbezug. Dies ist kein moderner zoologischer Zugriff, aber ein bedeutsamer Schritt hin zu einer genaueren Naturbeschreibung.
De vegetabilibus et plantis behandelt Pflanzen, Wachstum, Ernährung, Kräfte, Arten und Nutzung. De mineralibus beschäftigt sich mit Steinen, Metallen, Mineralien, Entstehung und Eigenschaften. Besonders die Mineralogie gilt in der Forschung als ein Bereich, in dem Albertus systematisch Neuland betrat, weil Aristoteles selbst kein entsprechend geschlossenes Werk hinterlassen hatte.
Albertus’ Naturkunde ist theologisch eingebettet, aber nicht theologisch vereinnahmt. Die Natur besitzt eigene Ursachen und Ordnungen. Wer diese untersucht, verkennt nicht den Schöpfer, sondern erkennt die Ordnung der Schöpfung. Diese Grundhaltung erklärt, warum Albertus später als Patron der Naturwissenschaftler verehrt werden konnte, auch wenn seine Wissenschaft historisch vor der modernen experimentellen Naturwissenschaft steht.
Theologie, Mystik und Frömmigkeit
Albertus war Dominikaner und Theologe. Sein Werk ist daher nicht auf Naturkunde und Aristoteles-Kommentar zu reduzieren. Er schrieb Bibelkommentare, Sentenzenkommentare, theologische Summen, Sakramententraktate, Marienlob, Dionysius-Kommentare und Predigten. Diese Schriften zeigen eine Theologie, die biblisch, patristisch, scholastisch und mystisch zugleich geprägt ist.
Der Einfluss des Pseudo-Dionysius Areopagita ist besonders wichtig. Albertus kommentierte die dionysischen Schriften und nahm deren hierarchische, lichtmetaphysische und negative Theologie in sein Denken auf. Dadurch verbindet sich bei ihm aristotelische Wissenschaft mit neuplatonisch-dionysischer Gotteslehre. Gott ist Ursprung aller Ordnung, aber zugleich über alle begriffliche Erfassung hinaus.
Auch die Mariologie spielt eine bedeutende Rolle. Albertus schrieb marianische Texte und wurde in der späteren Frömmigkeitsgeschichte als marianisch geprägter Gelehrter wahrgenommen. Für die mittelalterliche Kultur ist dies charakteristisch: höchste scholastische Spekulation, naturkundliche Enzyklopädie und volkstümlich-liturgische Frömmigkeit sind keine Gegensätze, sondern gehören zum Gesamtprofil eines dominikanischen Gelehrten.
Musik, Zahl, Kosmos und Affekt
Albertus Magnus ist kein Musiktheoretiker im engeren Sinn wie Boethius, Guido von Arezzo oder später Johannes Tinctoris. Dennoch berührt sein Werk wichtige Themen der mittelalterlichen Musikauffassung. Musik gehört im mittelalterlichen Bildungssystem zum Quadrivium und damit zur mathematischen Ordnung des Wissens. Sie betrifft Zahl, Verhältnis, Maß, Bewegung, Sinneswahrnehmung und seelische Wirkung. Diese Themen erscheinen bei Albertus vor allem im Zusammenhang von Aristoteles-Kommentaren, Seelenlehre, Wahrnehmungstheorie, Poetik und Wissenschaftsordnung.
Besonders aufschlussreich ist seine Einordnung von Klang und Wahrnehmung. In der aristotelischen Seelenlehre wird Hören als Sinnesvermögen verstanden, das mit Bewegung, Medium und körperlicher Wahrnehmung zusammenhängt. Musik ist dadurch nicht nur abstrakte Zahl, sondern auch sinnlich-affektive Wirkung. Albertus kennt die ältere Vorstellung der kosmischen Ordnung durch Proportion, bleibt aber stärker an die aristotelische Erklärung von Natur, Bewegung und Wahrnehmung gebunden.
Für ein Kulturlexikon ist Albertus deshalb im Bereich Musik vor allem mittelbar wichtig: als Autor, der Musik in eine umfassende Ordnung von Wissenschaft, Seele, Zahl, Ethik und Affekt stellt. Er steht an der Schwelle zwischen boethianischer Quadriviumstradition und einer stärker aristotelisch-naturphilosophischen Betrachtung von Klang, Sinn und Bewegung.
Wirkung, Heiligsprechung und Nachleben
Albertus’ Wirkung setzte schon im Mittelalter ein. Er wurde als Lehrer des Thomas von Aquin, als dominikanische Autorität, als Aristoteles-Erklärer und als Naturkundiger gelesen. Seine Schriften zirkulierten in Handschriften, wurden in der spätmittelalterlichen Scholastik benutzt und später in großen Druckausgaben gesammelt. Sein Name wurde zugleich von legendarischen und pseudoalbertinischen Texten umgeben, besonders im Bereich von Alchemie, Naturgeheimnissen und volkstümlicher Magie. Diese Pseudepigraphie ist von seinen gesicherten Werken klar zu unterscheiden.
1931 wurde Albertus heiliggesprochen und zum Kirchenlehrer erhoben. 1941 wurde er zum Patron der Naturwissenschaftler erklärt. Diese moderne kirchliche Würdigung knüpft an sein Profil als Naturforscher und Theologe an. Sie darf historisch nicht so verstanden werden, als habe Albertus moderne Wissenschaft begründet; sie erkennt vielmehr an, dass er im Rahmen seiner Zeit die Erforschung der Natur als legitimen und würdigen Teil christlicher Erkenntnis verteidigte.
Die moderne Forschung betrachtet Albertus wieder stärker als eigenständigen Denker. Lange stand er im Schatten seines Schülers Thomas von Aquin. Heute wird deutlicher gesehen, dass Albertus eine breitere, experimentellere und stärker naturkundliche Gestalt der Scholastik verkörpert. Er ist nicht nur der Lehrer des Thomas, sondern ein Universalgelehrter eigenen Ranges.
Werkverzeichnis
Das Werkverzeichnis Albertus Magnus’ ist außerordentlich umfangreich. Die kritische Editio Coloniensis ist als moderne Gesamtausgabe auf einundvierzig Bände angelegt und umfasst mehr als siebzig Werke beziehungsweise Werkkomplexe. Ältere Ausgaben wie die Borgnet-/Vives-Ausgabe des 19. Jahrhunderts enthalten viele Texte, sind aber nicht in jedem Fall kritisch zuverlässig und führen auch Schriften, deren Zuschreibung genauer zu prüfen ist. Die folgende Übersicht ist deshalb als umfassendes, aber quellenkritisch gegliedertes Kulturlexikon-Werkverzeichnis zu verstehen: Sie nennt die wichtigsten gesicherten Werke und Werkgruppen, führt problematische Bereiche vorsichtig und verzichtet auf die unkritische Einverleibung pseudoalbertinischer Literatur.
Theologische Hauptwerke und Sentenzenliteratur
- Commentarii in quattuor libros Sententiarum Petri Lombardi, umfangreicher Kommentar zu den vier Sentenzenbüchern des Petrus Lombardus.
- Summa theologiae sive de mirabili scientia Dei, theologische Summe in mehreren Teilen; Überlieferung und Editionsstand sind quellenkritisch zu behandeln.
- Summa de creaturis, Werkkomplex zur Schöpfungslehre und zur Ordnung der geschaffenen Dinge.
- De IV coaequaevis, Schrift über die vier mitgeschaffenen beziehungsweise zugleich geschaffenen Wirklichkeiten.
- De homine, anthropologisch-theologische Schrift über den Menschen, die Seele, die Vermögen und die Stellung des Menschen in der Schöpfung.
- De bono, frühe moraltheologische und metaphysische Schrift über das Gute.
- De natura boni, Schrift über Wesen, Arten und Ordnung des Guten.
- De sacramentis, Traktat beziehungsweise Werkbereich zur Sakramentenlehre.
- De incarnatione, Schrift beziehungsweise Quaestionenkomplex zur Menschwerdung Christi.
- De resurrectione, Schrift beziehungsweise quaestionesbezogener Werkbereich zur Auferstehung.
- De eucharistia, Traktat zur Eucharistie.
- De corpore Domini, eucharistietheologische Schrift zum Leib Christi.
- De mysterio missae, Schrift über die Messe und ihren theologischen Sinn.
- De sacrificio missae, liturgisch-theologischer Traktat über das Messopfer.
- De laudibus beatae Mariae Virginis, marianische Schrift über Lob und Würde der Gottesmutter.
- Mariale, umfangreicher marianischer Werkkomplex; Zuschreibung und Textgestalt sind in einzelnen Teilen quellenkritisch zu prüfen.
- Quaestiones de bono, quaestionenförmiger Textbereich zum Guten, teilweise mit De homine-Überlieferungen verbunden.
- Quaestiones super de animalibus und weitere Quaestionen, soweit sie in der Albertus-Überlieferung gesichert beziehungsweise kritisch behandelt sind.
Bibelkommentare und Exegese
- Super Matthaeum, Kommentar zum Matthäusevangelium.
- Super Lucam, Kommentar zum Lukasevangelium.
- Super Marcum, Kommentar zum Markusevangelium, in der Überlieferung Albertus zugeschrieben beziehungsweise kritisch zu prüfen.
- Super Ioannem, Kommentar zum Johannesevangelium, in Teilen der Überlieferung genannt; genaue Zuschreibung und Fassung sind zu prüfen.
- Enarrationes in Psalmos beziehungsweise Psalmenkommentare, in der älteren Albertus-Überlieferung geführt; Zuschreibung und Umfang sind quellenkritisch zu behandeln.
- Postillae und exegetische Kurztexte, soweit in Handschriften und Editionen Albertus zugeordnet.
- Sermones beziehungsweise Predigten zu Festen, Heiligen und liturgischen Zeiten; der Predigtbestand ist überlieferungsgeschichtlich komplex und nicht ohne kritische Prüfung vollständig zuzurechnen.
Dionysius-Kommentare und mystisch-neuplatonische Theologie
- Super Dionysium De divinis nominibus, Kommentar zu den Göttlichen Namen des Pseudo-Dionysius.
- Super Dionysium De caelesti hierarchia, Kommentar zur himmlischen Hierarchie.
- Super Dionysium De ecclesiastica hierarchia, Kommentar zur kirchlichen Hierarchie.
- Super Dionysium De mystica theologia, Kommentar zur mystischen Theologie.
- Super Dionysium Epistulas, Kommentar beziehungsweise Auslegung zu den dionysischen Briefen.
Logik und Aristoteles’ Organon
- Super Porphyrium De quinque universalibus beziehungsweise Kommentar zur Isagoge des Porphyrios.
- Super Praedicamenta, Kommentar zu Aristoteles’ Kategorien.
- Super Peri hermeneias, Kommentar zu De interpretatione.
- Super Analytica priora, Kommentar zu den Ersten Analytiken.
- Super Analytica posteriora, Kommentar zu den Zweiten Analytiken und zur Wissenschaftslehre.
- Super Topica, Kommentar zur aristotelischen Topik.
- Super Elenchos, Kommentar zu den Sophistischen Widerlegungen.
- Liber divisionum beziehungsweise logische Schriften zur Einteilung und Begriffsordnung, soweit kritisch Albertus zugeordnet.
- De praedicabilibus, logischer Werkbereich zu den Prädikabilien, in der Überlieferung mit Porphyrios-Kommentierung verbunden.
Naturphilosophie und Aristoteles-Kommentare
- Physica beziehungsweise Super Physicam, Kommentar und Paraphrase zur aristotelischen Physik.
- De caelo et mundo, Kommentar beziehungsweise Paraphrase zu Aristoteles’ Schrift über Himmel und Welt.
- De generatione et corruptione, Kommentar zu Entstehen und Vergehen.
- Meteora beziehungsweise Super Meteora, Kommentar zu den meteorologischen Schriften des Aristoteles.
- De mineralibus, selbständiger mineralogischer Werkkomplex über Steine, Metalle, Mineralien und ihre Eigenschaften.
- De natura loci, Schrift über Ort, Raum und natürliche Bestimmung.
- De causis proprietatum elementorum, Schrift über Ursachen der Eigenschaften der Elemente.
- De passionibus aeris, meteorologisch-naturkundlicher Werkbereich über Luftphänomene, soweit in der Überlieferung erfasst.
- De motibus animalium, Kommentar beziehungsweise Werkbereich zu Bewegung und Lebewesen, im Zusammenhang der aristotelischen Naturkunde zu prüfen.
- De iuventute et senectute, Kommentar zu Jugend, Alter, Leben und Tod im aristotelischen Kleintraktatkontext.
- De longitudine et brevitate vitae, Kommentar beziehungsweise Paraphrase zur Länge und Kürze des Lebens.
- De respiratione, Schrift beziehungsweise Kommentar zur Atmung.
- De morte et vita, Werkbereich zu Leben und Tod; Überlieferung und Titel variieren.
Seelenlehre, Sinneslehre und Psychologie
- De anima, Kommentar zur aristotelischen Seelenlehre.
- De sensu et sensato, Kommentar zu Sinn und Sinneswahrnehmung.
- De memoria et reminiscentia, Kommentar zu Gedächtnis und Wiedererinnerung.
- De somno et vigilia, Kommentar zu Schlaf und Wachen.
- De somniis, Kommentar zu Träumen.
- De divinatione per somnum, Kommentar zur Weissagung im Schlaf.
- De intellectu et intelligibili, Schrift über Intellekt und Erkennbares.
- De unitate intellectus beziehungsweise einschlägige Schriften zur Intellektlehre, soweit kritisch Albertus zugeordnet.
- Quaestiones de anima, quaestionenförmige Texte zur Seele, soweit in der gesicherten Überlieferung geführt.
Zoologie, Botanik und Naturbeschreibung
- De animalibus libri XXVI, umfangreiches Werk über Tiere, bestehend aus aristotelischer Grundlage, Kommentierung, Erweiterung und eigenen Beobachtungen.
- De vegetabilibus et plantis, Werk über Pflanzen, Wachstum, Arten, Kräfte und Eigenschaften der Vegetation.
- De natura et origine animae, Schrift über Natur und Ursprung der Seele, in Verbindung mit biologischer und anthropologischer Fragestellung.
- De principiis motus processivi, Schrift über Prinzipien der fortschreitenden Bewegung, besonders im Kontext von Lebewesen und Bewegungslehre.
- De nutrimento et nutribili, Werkbereich zu Ernährung, Wachstum und Lebensprozessen, soweit in der naturphilosophischen Überlieferung erfasst.
Metaphysik, Ursachenlehre und Wissenschaftsordnung
- Metaphysica beziehungsweise Super Metaphysicam, Kommentar und Paraphrase zu Aristoteles’ Metaphysik.
- De causis et processu universitatis, Schrift zum Liber de causis und zur neuplatonisch geprägten Ursachenordnung.
- De natura et origine animae, auch metaphysisch und anthropologisch bedeutsam.
- De fato, Schrift beziehungsweise quaestionenförmige Behandlung von Schicksal, Vorsehung und Notwendigkeit, soweit kritisch gesichert.
- De XV problematibus, Schrift zu den fünfzehn von Étienne Tempier verurteilten beziehungsweise diskutierten philosophischen Problemen; Überlieferung und Kontext sind quellenkritisch zu behandeln.
- De unitate intellectus contra Averroistas, in der Albertus-Tradition geführte Auseinandersetzung mit der Lehre vom einen Intellekt; genaue Werkgestalt ist nach kritischer Edition zu prüfen.
Ethik, Politik und praktische Philosophie
- Ethica beziehungsweise Kommentar zur Nikomachischen Ethik.
- Super Ethica, Kommentarwerk zur aristotelischen Ethik.
- Politica beziehungsweise Kommentar zur aristotelischen Politik, besonders bedeutsam als frühe lateinische Rezeption der politischen Philosophie des Aristoteles.
- Oeconomica beziehungsweise Kommentar zu den pseudoaristotelischen ökonomischen Schriften, soweit in der Albertus-Überlieferung geführt.
- De bono, zugleich theologisch, metaphysisch und moralphilosophisch wichtig.
- De natura boni, moralisch-metaphysischer Grundtext über das Gute.
- Quaestiones morales, moralphilosophische und theologische Quaestionen, soweit gesichert.
Mathematik, Astronomie, Musik und Wissenschaften des Quadriviums
- Mathematische Exkurse innerhalb der Aristoteles-Kommentare, besonders zu Zahl, Verhältnis, Proportion und Wissenschaftsordnung.
- Astronomische und kosmologische Abschnitte in De caelo et mundo, Meteora und verwandten naturphilosophischen Werken.
- Musikbezogene Reflexionen in Kommentaren zur aristotelischen Wahrnehmungslehre, Poetik und Wissenschaftsordnung; ein eigenständiges, eindeutig zentrales Musiktraktat Albertus’ ist nicht als Hauptwerk anzusetzen.
- Passagen zu Klang, Hören und Bewegung in der Seelen- und Sinneslehre, besonders im Umfeld von De anima und De sensu et sensato.
- Proportion und Harmonie als übergreifende Begriffe in Naturphilosophie, Kosmologie, Ethik und theologischer Ordnung.
Predigt, Liturgie und Frömmigkeit
- Sermones de tempore, Predigten zum Kirchenjahr, soweit in der Albertus-Überlieferung kritisch erfasst.
- Sermones de sanctis, Heiligenpredigten, soweit gesichert.
- Sermones ad religiosos, Predigten beziehungsweise Ansprachen an Ordensleute, soweit in der Überlieferung zugeordnet.
- De mysterio missae, liturgisch-theologische Schrift zur Messe.
- De eucharistia, eucharistische Theologie und Frömmigkeit.
- De laudibus beatae Mariae Virginis, Marienlob und mariologische Frömmigkeit.
- Mariale, marianischer Werkkomplex mit quellenkritisch zu prüfender Textgestalt.
Problematische, pseudoalbertinische und volkstümliche Überlieferung
- Secreta Alberti beziehungsweise De secretis mulierum, häufig unter Albertus’ Namen verbreitet, aber in der modernen Forschung nicht als gesichertes Werk Albertus Magnus’ zu behandeln.
- De mirabilibus mundi, pseudoalbertinische oder unsichere Überlieferung im Bereich der Naturgeheimnisse.
- Alchemische Traktate unter Albertus’ Namen, in älteren Drucken und Handschriften verbreitet, aber überwiegend nicht als gesicherte Werke anzusetzen.
- Magische, astrologische und naturgeheimnisbezogene Schriften, die den Ruhm Albertus’ als Naturkundigen nutzten, jedoch gesondert von seinem authentischen Œuvre zu unterscheiden sind.
- Volksbuchartige Albertus-Magnus-Tradition, kulturgeschichtlich bedeutsam, aber nicht als authentische Werküberlieferung verwendbar.
Editionen und große Sammlungen
- Opera omnia, ältere Ausgabe nach der Lugdunensischen Tradition, Lyon 1651 und spätere Drucktraditionen.
- Opera omnia, herausgegeben von Auguste und Émile Borgnet, Paris, Vives, 1890–1899, achtunddreißig Bände; nützlich, aber durch die moderne kritische Edition zu überprüfen.
- Editio Coloniensis: Alberti Magni Opera omnia, kritische Ausgabe des Albertus-Magnus-Instituts, Münster, Aschendorff, seit 1951; maßgebliche moderne Editionsgrundlage.
- Alberti Magni e-corpus, digitales Forschungsangebot zur Unterstützung der Albertus-Forschung und zum Zugang zu Textzeugen beziehungsweise Editionen.
Überlieferung, Editionen und Forschung
Albertus’ Werke wurden in zahlreichen Handschriften überliefert. Ihre Fülle erklärt sich aus seiner Bedeutung für Dominikanerorden, Universität, Theologie, Naturphilosophie und Predigt. Zugleich führte sein Ruhm dazu, dass ihm später viele Texte zugeschrieben wurden, die nicht von ihm stammen. Die Unterscheidung zwischen authentischem Werk, unsicherer Zuschreibung und pseudoalbertinischer Literatur ist daher für jede wissenschaftliche Arbeit unverzichtbar.
Die ältere Borgnet-/Vives-Ausgabe des 19. Jahrhunderts machte das Werk in großem Umfang zugänglich, ist aber philologisch nicht mehr die letzte Autorität. Die moderne Editio Coloniensis, getragen vom Albertus-Magnus-Institut, erarbeitet die kritische Gesamtausgabe. Sie prüft Handschriften, Varianten, Werkgestalt, Zuschreibung und Textgeschichte. Für ein Kulturlexikon kann die ältere Ausgabe als Zugang genannt werden; für genaue Zitate und wissenschaftliche Detailarbeit ist die kritische Edition vorzuziehen.
Die Forschung zu Albertus hat sich stark differenziert. Neben theologischen und philosophischen Studien stehen Arbeiten zur Naturkunde, Zoologie, Botanik, Mineralogie, Wissenschaftsordnung, arabisch-lateinischen Quellen, Dionysius-Rezeption, Universität Paris, Kölner Dominikanertradition und Wirkungsgeschichte. Besonders wichtig ist die neuere Tendenz, Albertus nicht nur als Lehrer des Thomas von Aquin zu sehen, sondern als eigenständigen Universalgelehrten mit spezifischem Interesse an Natur, Erfahrung und Wissenschaftsordnung.
Sekundärliteratur
- Mechthild Dreyer und Kurt Flasch, Hrsg.: Albertus Magnus und die Anfänge der Aristoteles-Rezeption im lateinischen Mittelalter. Studien zur mittelalterlichen Philosophie und Theologie.
- James A. Weisheipl, Hrsg.: Albertus Magnus and the Sciences. Commemorative Essays. Toronto, Pontifical Institute of Mediaeval Studies, 1980.
- Irven M. Resnick, Hrsg.: A Companion to Albert the Great: Theology, Philosophy, and the Sciences. Leiden und Boston, Brill, 2013.
- Ludger Honnefelder, Hannes Möhle und andere Herausgeber: Studien zu Albertus Magnus, Scholastik und Wissenschaftsordnung.
- Hugo Stehkämper: Studien zu Albertus Magnus, Köln und dominikanischer Überlieferung.
- H. C. Scheeben: Albertus Magnus. Biographische und werkgeschichtliche Studien.
- Fernand Van Steenberghen: Studien zur Philosophie des 13. Jahrhunderts und zur Albertus-Forschung.
- Bernardo C. Bazán: Arbeiten zur Seelenlehre, Aristoteles-Rezeption und Scholastik des 13. Jahrhunderts.
- Dag Nikolaus Hasse: Studien zu arabischen Quellen, Avicenna, Averroes und Albertus’ Seelenlehre.
- Katrin Fischer und andere Forscherinnen und Forscher zur Naturkunde und Wissenschaftsgeschichte bei Albertus Magnus.
- Kenneth F. Kitchell und Irven M. Resnick: Arbeiten und Übersetzungen zu De animalibus und Albertus’ Tierkunde.
- Pearl Kibre: Studien zur lateinischen Aristoteles-Rezeption und zur mittelalterlichen Naturphilosophie.
- Alain de Libera: Studien zur mittelalterlichen Philosophie, zur Intellektlehre und zur Albertus-Tradition.
- Steven P. Marrone: Arbeiten zu Theologie, Wissenschaft und Erkenntnis im 13. Jahrhundert.
- Pasquale Porro und andere Forscher zur Metaphysik Albertus Magnus’.
- Markus Führer: Studien zu Albertus Magnus, Naturphilosophie und Metaphysik.
- Benoît Tremblay: neuere Arbeiten zu Albertus Magnus, Ethik und politischer Philosophie.
- Albertus-Magnus-Institut, Hrsg.: Alberti Magni Opera omnia. Editio Coloniensis. Münster, Aschendorff, seit 1951.
- August und Émile Borgnet, Hrsg.: Beati Alberti Magni Opera omnia. Paris, Vives, 1890–1899.
- Johannes A. Aertsen: Studien zur mittelalterlichen Transzendentalienlehre, zu Gutheit, Wahrheit und scholastischer Metaphysik.
- Ruedi Imbach und Dominik Perler: Überblickswerke zur Philosophie des Mittelalters, mit einschlägigen Abschnitten zu Albertus Magnus.
- Ulrich G. Leinsle: Einführung in die scholastische Theologie. Paderborn, 1995 und spätere Ausgaben.
- Etienne Gilson: History of Christian Philosophy in the Middle Ages. New York, 1955; klassischer Überblick, quellenkritisch zu ergänzen.
- Josef Pieper: Arbeiten zu Scholastik, Thomas von Aquin und mittelalterlicher Weisheitslehre, als geistesgeschichtlicher Kontext brauchbar.
- Gilles Meersseman: Studien zur dominikanischen Spiritualität und Albertus-Tradition.
- Thomas Ricklin: Arbeiten zu Albertus Magnus, Wissenschaftsordnung und Kultur des 13. Jahrhunderts.
Ausgewählte Onlinequellen
- Deutsche Biographie: Albertus Magnus Normdaten- und biographischer Fachartikel mit Lebensdaten, Herkunft, Dominikanerorden, Paris, Köln, Regensburg, Tod und Heiligsprechung.
- LVR Rheinische Geschichte: Albertus Magnus Gut lesbarer Fachartikel zu Leben, Lauingen, Padua, Dominikanerorden, Paris, Köln, Regensburg, Thomas von Aquin und Wirkung im Rheinland.
- Stanford Encyclopedia of Philosophy: Albert the Great Aktueller philosophischer Fachartikel zu Albertus Magnus, Aristoteles-Rezeption, Metaphysik, Ethik, Politik, Psychologie und Wissenschaftsordnung.
- Encyclopaedia Britannica: Saint Albertus Magnus Englischsprachiger Überblick zu Albertus als Dominikanerbischof, Philosoph, Lehrer des Thomas von Aquin, Vertreter des Aristotelismus und Patron der Naturwissenschaften.
- Catholic Encyclopedia: St. Albertus Magnus Älterer, kirchlich geprägter, aber detailreicher Artikel zu Biographie, Ehrentiteln, Werkbreite, Theologie, Naturkunde und Verehrung.
- Albertus-Magnus-Institut Zentrale Forschungsinstitution zur kritischen Edition der Werke Albertus Magnus’ und zur Erforschung seines Denkens.
- Albertus-Magnus-Institut: Leben Biographische Übersicht des Instituts zu Herkunft, Dominikanereintritt, Lehre, Regensburg, Köln und Tod.
- Aschendorff: Alberti Magni Opera Omnia, digitale Ausgabe Verlags- und Editionszugang zur digitalen Fassung der kritischen Albertus-Ausgabe auf Grundlage der Editio Coloniensis.
- Alberti Magni e-corpus Digitales Forschungsprojekt, das den Zugang zu Texten, Bildern und Hilfsmitteln der Albertus-Forschung unterstützt.
- Alberti Magni e-corpus: Downloading Download- und Editionshinweise zu einzelnen Werken Albertus Magnus’ und zur digitalen Forschungsnutzung.
- Trier Center for Digital Humanities: Alberti Magni Opera Omnia Projektseite zur Digitalisierung und Aufbereitung der kritischen Gesamtausgabe der Werke Albertus Magnus’.
- Lucepedia: Albertus Magnus, Editio Coloniensis Übersicht zur modernen kritischen Ausgabe Alberti Magni Opera omnia und ihrem Editionsstand.
- Lucepedia: Albertus Magnus, ältere Opera omnia Hinweis auf die ältere Borgnet-/Vives-Ausgabe von 1890–1899 und ihre Stellung gegenüber der modernen kritischen Edition.
- Internet Archive: Opera omnia ex editione Lugdunensi religiose castigata Digitalisat eines Bandes der älteren Opera-omnia-Tradition; nützlich für historische Editions- und Rezeptionsfragen.
- Internet Archive: Alberti Magni Opera omnia Digitalisat eines modernen Editio-Coloniensis-Bandes, soweit zugänglich; als bibliographischer und editionsgeschichtlicher Nachweis nutzbar.
- Internet Archive: De animalibus libri XXVI Digitalisat der Ausgabe von De animalibus nach der Kölner Urschrift, zentral für Albertus’ Tierkunde.
- Biodiversity Heritage Library: Albertus Magnus Nachweise zu naturkundlichen Werken wie De animalibus und De vegetabilibus in biodiversitäts- und wissenschaftshistorischen Sammlungen.
- Linda Hall Library: Albertus Magnus Wissenschaftshistorischer Artikel zu Albertus als Naturkundigem, insbesondere zu De animalibus und seiner Beobachtungspraxis.
- Bodleian Medieval Manuscripts: Commentary on Aristotle’s De anima Handschriftenkatalogeintrag zu Albertus’ Kommentar zu Aristoteles’ De anima, nützlich für Seelenlehre und Überlieferung.
- Wikidata: Albertus Magnus Strukturierter Normdatenknoten mit Lebensdaten, Identifikatoren, Namensformen und Datenbankverknüpfungen.
- Wikipedia: Albertus Magnus Umfangreicher Überblicksartikel mit Lebenslauf, Werkgruppen, Wirkung und Literatur; als Einstieg nutzbar, mit Fachquellen abzugleichen.
- Wikipedia englisch: Albertus Magnus Englischsprachiger Überblick mit internationaler Namens- und Wirkungstradition; als Einstieg brauchbar, aber fachlich zu prüfen.
Weiterführende Einträge
- Scholastik Mittelalterliche Methode und Wissenschaftskultur, in der Albertus Magnus eine zentrale Rolle spielte.
- Dominikaner Predigerorden, dessen Bildungs- und Predigtauftrag Albertus’ Laufbahn bestimmte.
- Aristotelismus Philosophische Tradition, die Albertus im 13. Jahrhundert umfassend für die lateinische Christenheit erschloss.
- Aristoteles Antiker Philosoph, dessen Schriften für Albertus’ Wissenschaftsprojekt grundlegend wurden.
- Thomas von Aquin Berühmtester Schüler Albertus Magnus’ und systematischer Hauptvertreter der scholastischen Synthese.
- Universität Paris Zentrum scholastischer Theologie, an dem Albertus als Magister wirkte.
- Köln im Mittelalter Wichtigster später Wirkungs- und Sterbeort Albertus Magnus’.
- Lauingen Geburtsort Albertus Magnus’ an der Donau.
- Regensburg Bischofssitz Albertus Magnus’ von 1260 bis 1262.
- Naturphilosophie Wissensform, in der Albertus Tiere, Pflanzen, Mineralien, Kosmos und Ursachenordnung behandelte.
- De animalibus Albertus’ umfangreiches Werk über Tiere und ein Hauptzeugnis mittelalterlicher Zoologie.
- De vegetabilibus et plantis Albertus’ botanisches Werk über Pflanzen, Wachstum, Arten und Kräfte.
- De mineralibus Werk über Steine, Metalle und Mineralien, wichtig für die mittelalterliche Mineralogie.
- Metaphysik Philosophische Grundwissenschaft, die Albertus aristotelisch und neuplatonisch deutete.
- De anima Aristotelische Seelenlehre und Albertus’ Kommentartradition zu Seele, Sinn und Intellekt.
- Intellektlehre Zentrales Thema der Scholastik, bei Albertus im Austausch mit Aristoteles, Avicenna und Averroes.
- Avicenna Arabisch-persischer Philosoph, dessen Seelenlehre und Metaphysik Albertus beeinflussten.
- Averroes Aristoteles-Kommentator, dessen lateinische Rezeption für Albertus’ Philosophie bedeutsam war.
- Maimonides Jüdischer Philosoph und Theologe, dessen Denken im scholastischen Umfeld Albertus’ eine Rolle spielte.
- Pseudo-Dionysius Areopagita Mystisch-neuplatonischer Autor, den Albertus kommentierte und theologisch rezipierte.
- Liber de causis Neuplatonischer Text, den Albertus in seine Ursachen- und Metaphysiklehre einbezog.
- Petrus Lombardus Autor der Sentenzen, die Albertus ausführlich kommentierte.
- Sentenzenkommentar Zentrale scholastische Lehr- und Prüfungsform, in der Albertus seine Theologie entfaltete.
- Bischof von Regensburg Kirchliches Amt, das Albertus kurzzeitig innehatte.
- Doctor universalis Ehrentitel Albertus Magnus’ für die außergewöhnliche Breite seines Wissens.
- Doctor expertus Ehrentitel Albertus Magnus’, der seine Erfahrungsnähe und Sachkunde hervorhebt.
- Kirchenlehrer Kirchlicher Ehrentitel, den Albertus nach seiner Heiligsprechung im 20. Jahrhundert erhielt.
- Heiligsprechung Kirchlicher Anerkennungsprozess, durch den Albertus 1931 offiziell kanonisiert wurde.
- Patron der Naturwissenschaftler Moderne kirchliche Würdigung Albertus Magnus’ als Naturforscher und Theologe.
- Mittelalterliche Universität Institutioneller Rahmen scholastischer Lehre, in dem Albertus in Paris und Köln wirkte.
- Quadrivium Mathematischer Teil der freien Künste, zu dem Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie gehörten.
- Musica mundana Kosmisch-proportionale Musikauffassung, die im mittelalterlichen Denken den Hintergrund musikbezogener Reflexionen bildet.
- Boethius Vermittler antiker Musik-, Logik- und Philosophiebegriffe, wichtig für die mittelalterliche Wissenschaftsordnung.
- Mittelalterliche Naturkunde Wissensbereich, in dem Albertus eine besonders einflussreiche Stellung einnimmt.
- Albertus-Magnus-Institut Forschungsinstitution zur kritischen Edition und Erforschung der Werke Albertus Magnus’.
- Editio Coloniensis Moderne kritische Gesamtausgabe der Werke Albertus Magnus’.
- Pseudoalbertina Unter Albertus’ Namen verbreitete, aber nicht authentische oder unsichere Schriften.
- De secretis mulierum Pseudoalbertinischer Text, der kulturgeschichtlich wirksam, aber nicht als authentisches Werk Albertus Magnus’ zu behandeln ist.