Gioacchino Albertini

Italienischer Komponist, Kapellmeister und Theatermusiker; geboren am 30. November 1748 in Pesaro, gestorben am 27. März 1812 in Warschau; auch als Joachim Albertini geführt.

Überblick

Gioacchino Albertini, in deutsch- und polnischsprachigen Kontexten auch Joachim Albertini genannt, war ein italienischer Komponist aus Pesaro, dessen Lebenslauf in besonderer Weise zwischen italienischer Opernkultur, polnischer Hofmusik, privatem Aristokratentheater und römischer Gesangspraxis vermittelt. Er gehört zu den vielen heute nur noch punktuell bekannten Opern- und Kapellmeistern des späten 18. Jahrhunderts, deren Bedeutung nicht allein an der modernen Repertoirepräsenz zu messen ist. Für die Kulturgeschichte ist Albertini vor allem deshalb interessant, weil er die italienische Operntradition in den polnischen Raum übertrug und mit Don Juan albo Ukarany libertyn eine bedeutende Warschauer Don-Juan-Oper vor Mozarts Don Giovanni schuf.

Geboren wurde Albertini am 30. November 1748 in Pesaro. Frühere lexikalische Angaben nennen manchmal 1749 als Geburtsjahr, doch die genauere Angabe 30. November 1748 hat sich in neueren Nachschlagewerken und Datenbanken weitgehend durchgesetzt. Er ging als junger Musiker nach Polen, wo er 1777 in Warschau bereits in einem Konzertprogramm nachweisbar war. Zunächst wirkte er als Leiter des privaten Theaters des Fürsten Karol Radziwiłł in Warschau und Nieśwież. Um 1782 wurde er auch Dirigent beziehungsweise Kapellmeister am Hof des polnischen Königs Stanisław August Poniatowski.

Seine wichtigste Oper ist Il Don Giovanni beziehungsweise Don Juan albo Ukarany libertyn, die am 23. Februar 1783 in Warschau in polnischer Übersetzung beziehungsweise Bearbeitung Wojciech Bogusławskis aufgeführt wurde. Das Werk gehört zu den frühen Don-Juan-Opern des 18. Jahrhunderts und steht zwischen italienischer Buffa-Tradition, polnischem Theateraufbau und europäischer Stoffzirkulation. Nach einer weiteren römischen Phase, in der Albertini Gesang unterrichtete und im Dienst Stanisław Poniatowskis stand, kehrte er 1804 nach Warschau zurück. Er starb dort am 27. März 1812; einzelne ältere Quellen nennen abweichende Todesdaten, die quellenkritisch als überholt oder unsicher zu behandeln sind.

Kurzdaten

Name Gioacchino Albertini.
Weitere Namensformen Joachim Albertini, Gioachino Albertini, Giovanni Albertini und in bibliographischer Ordnung Albertini, Gioacchino beziehungsweise Albertini, Joachim.
Geburt 30. November 1748 in Pesaro; ältere Kurzangaben nennen teilweise 1749.
Tod 27. März 1812 in Warschau; ältere italienische Lexikonangaben nennen abweichend den 18. April 1811, was mit der heute meist verwendeten Datierung abzugleichen ist.
Beruf Komponist, Kapellmeister, Dirigent, Theatermusiker, Gesangslehrer und Verfasser von Opern, Intermezzi, Kantaten, geistlicher Musik und Instrumentalwerken.
Herkunft Pesaro in den Marken, Italien.
Wirkungsorte Pesaro, Rom, Warschau, Nieśwież, Hamburg und weitere Orte der europäischen Opern- und Hofkultur.
Patronage Fürst Karol Radziwiłł, König Stanisław August Poniatowski und Prinz Stanisław Poniatowski.
Zentrale Gattungen Opera seria, Intermezzo, polnische Komödie, Theatermusik, Kantate, Messe, Offertorium, Sinfonie und Kammermusik.
Bekanntestes Werk Don Juan albo Ukarany libertyn, Warschau, 23. Februar 1783, polnische Don-Juan-Oper beziehungsweise polnische Bearbeitung eines italienischen Don-Giovanni-Stoffes.
Musikgeschichtliche Bedeutung Vermittler italienischer Opernkultur nach Polen, wichtiger Theaterkomponist im Umfeld der frühen polnischen Nationalbühne und Autor einer vor Mozart entstandenen Don-Juan-Oper.

Ausführlicher Kulturüberblick

Gioacchino Albertini gehört in eine Epoche, in der die italienische Oper in ganz Europa als musikalische Leitkultur wirkte. Italienische Komponisten, Sänger, Librettisten, Kapellmeister und Instrumentalisten reisten an Höfe, Theater und private Aristokratenbühnen von London bis Sankt Petersburg, von Dresden bis Warschau. Diese Mobilität war kein Randphänomen, sondern ein Grundmechanismus der Opernkultur des 18. Jahrhunderts. Albertini ist ein gutes Beispiel für diesen Prozess: Er stammt aus Pesaro, debütierte früh in Rom, wirkte in Polen, kehrte nach Rom zurück und verband in seinen Werken italienische, deutsche und polnische Bühnenzusammenhänge.

Der polnische Kontext ist für Albertinis Profil entscheidend. Warschau war im späten 18. Jahrhundert ein Ort politischer Reform, höfischer Repräsentation und Theatergründung. Unter Stanisław August Poniatowski entwickelte sich die Bühne zu einem wichtigen Medium kultureller Modernisierung. Wojciech Bogusławski, der als Vater des polnischen Nationaltheaters gilt, spielte dabei eine Schlüsselrolle. Albertinis Don Juan albo Ukarany libertyn steht in diesem Milieu. Die Oper ist nicht bloß ein importiertes italienisches Stück, sondern wird durch die polnische Bearbeitung und Aufführung in Warschau Teil einer lokalen Theatergeschichte.

Auch die Verbindung zu den Radziwiłł ist kulturgeschichtlich wichtig. Der Fürst Karol Radziwiłł unterhielt ein privates Theater in Warschau und Nieśwież. Aristokratische Privattheater waren im 18. Jahrhundert Orte sozialer Repräsentation, dynastischer Selbstdarstellung und kultureller Konkurrenz. Ein Kapellmeister wie Albertini musste dort flexibel sein: Er hatte italienische Opernformen zu beherrschen, Sänger und Instrumentalisten zu führen, lokale Erwartungen zu bedienen und zugleich Musik zu liefern, die zwischen höfischer Eleganz, theatralischer Wirkung und verfügbaren Kräften funktionierte.

Albertinis römische Phase zeigt eine andere Seite seiner Tätigkeit. Rom war ein traditionsreicher Opern- und Kirchenmusikort, aber mit eigenen institutionellen Bedingungen. Das Teatro delle Dame beziehungsweise Teatro Alibert spielte für Albertinis ernste Opern eine Rolle. Virginia wurde dort 1786 aufgeführt, La vergine vestale 1803. Beide Werke zeigen, dass Albertini nicht nur im polnischen Theatermilieu wirkte, sondern auch im italienischen dramma per musica beziehungsweise dramma serio präsent blieb. Zugleich unterrichtete er in Rom Gesang und stand im Dienst des Prinzen Stanisław Poniatowski, der ihm nach älteren Angaben auch zu einer Pension verhalf.

Sein Werk ist heute nur fragmentarisch präsent. Einige Opern sind durch Libretti, Aufführungsdaten oder Handschriften belegt; einzelne Arien, Duette, eine Messe, eine Sinfonie und ein Septett sind in Bibliotheken nachgewiesen. Die Überlieferung entspricht damit einem typischen Problem des 18. Jahrhunderts: Der damalige Erfolg einer Oper bedeutet nicht, dass die Partitur geschlossen, gedruckt und dauerhaft im Repertoire erhalten blieb. Albertinis heutiges Bild muss aus Librettodrucken, Partiturabschriften, bibliographischen Nachweisen, Theaterdatenbanken und lexikalischen Mitteilungen zusammengesetzt werden.

Kulturhistorisch ist Albertini besonders als Grenzgänger zu verstehen. Er ist italienischer Komponist, polnischer Hofmusiker, römischer Gesangslehrer, Theaterpraktiker und Teil einer europäischen Don-Juan-Geschichte. Seine Musik steht zwischen Opera buffa, Intermezzo, Opera seria, polnischer Komödie und geistlicher Gebrauchsmusik. Gerade diese Vielschichtigkeit macht ihn für ein Kulturlexikon relevant.

Leben und Stationen

Gioacchino Albertini wurde am 30. November 1748 in Pesaro geboren. Über seine frühe Ausbildung ist nur wenig Sicheres bekannt. Es ist naheliegend, dass er in der italienischen Gesangs-, Theater- und Kapellmeisterpraxis geschult wurde; konkrete Lehrer sind in den zuverlässigsten Kurzquellen jedoch nicht eindeutig greifbar. Schon 1772 trat er mit dem Intermezzo La cacciatrice brillante in Rom hervor. Dieses frühe Werk zeigt, dass Albertini bereits vor seiner polnischen Hauptphase im italienischen Theaterbetrieb präsent war.

Spätestens 1777 befand sich Albertini in Warschau, wo er in einem Konzertprogramm genannt wird. Danach wurde er Leiter des privaten Theaters des Fürsten Karol Radziwiłł, und zwar im Zusammenhang mit Warschau und Nieśwież. Diese Stellung war für einen jungen italienischen Musiker attraktiv, weil sie ihm institutionelle Verantwortung, Zugang zu adeliger Patronage und die Möglichkeit gab, ein Repertoire für ein anspruchsvolles, aber nicht rein öffentliches Theatermilieu aufzubauen.

Um 1782 wurde Albertini auch Dirigent am Hof des Königs Stanisław August Poniatowski. Damit stand er an einem der kulturell wichtigsten Orte Polens. Stanisław August förderte Kunst, Theater, Wissenschaft und höfische Repräsentation. In dieser Umgebung entstand Albertinis wichtigstes Werk, Don Juan albo Ukarany libertyn. Die Aufführung von 1783 ist deshalb sowohl ein musikgeschichtliches als auch ein theatergeschichtliches Ereignis.

1786 kehrte Albertini nach Rom zurück. Dort unterrichtete er Gesang und wirkte zugleich im Dienst des Prinzen Stanisław Poniatowski, eines Neffen des polnischen Königs. In diesem Zusammenhang stehen Virginia, Scipione Africano und La vergine vestale. 1795 erhielt Albertini nach älteren Angaben eine Pension. 1804 kehrte er erneut nach Warschau zurück. Die letzten Jahre sind weniger klar dokumentiert, doch das Intermezzo Kapelmajster polski von 1808 zeigt, dass Albertini weiterhin mit der polnischen Bühne verbunden war. Er starb am 27. März 1812 in Warschau.

Polen, Radziwiłł und der Hof Stanisław Augusts

Albertinis polnische Tätigkeit fällt in eine Zeit intensiver kultureller Umbrüche. Das polnisch-litauische Gemeinwesen befand sich politisch unter wachsendem Druck, doch gerade in Warschau wurden Theater, Musik und höfische Repräsentation zu wichtigen Ausdrucksformen einer aufgeklärten Kulturpolitik. Stanisław August Poniatowski wollte Polen kulturell an die europäischen Zentren anschließen. Italienische Musiker spielten dabei eine wichtige Rolle, weil die Oper als besonders prestigeträchtiges Medium galt.

Das private Theater der Radziwiłł war ein anderer, aber verwandter Schauplatz. Nieśwież war ein bedeutendes aristokratisches Zentrum. Dort verbanden sich höfische Selbstdarstellung, französische und italienische Theatermode, Musikpflege und politische Repräsentation. Albertini musste in einem solchen Umfeld nicht nur komponieren, sondern auch musikalisch organisieren. Er war Kapellmeister im praktischen Sinn: Er hatte Sänger zu führen, Aufführungen vorzubereiten, wahrscheinlich Notenmaterial zu beschaffen, Musik anzupassen und den ästhetischen Geschmack eines adeligen Publikums zu bedienen.

Die polnische Übersetzung und Bearbeitung seiner Don-Juan-Oper durch Wojciech Bogusławski ist besonders bedeutsam. Bogusławski steht für die Herausbildung einer polnischen Theaterkultur, in der fremde Stoffe nicht nur übernommen, sondern sprachlich und szenisch lokalisiert wurden. Albertinis Musik wurde dadurch Teil einer polnischen Bühnenidentität, obwohl sie aus italienischer Operntradition hervorging.

Rom, Teatro delle Dame und Stanisław Poniatowski

Die römische Phase Albertinis zeigt, dass sein Erfolg nicht ausschließlich polnisch war. 1786 wurde Virginia im Teatro delle Dame in Rom aufgeführt. Der Librettodruck nennt Luigi Romanelli als Textgrundlage und widmet das Werk Prinz Stanisław Poniatowski. Das weist auf Albertinis doppelte Einbindung hin: Er bewegte sich im römischen Opernbetrieb, blieb aber mit polnischer Patronage verbunden.

Auch La vergine vestale, 1803 im Teatro delle Dame aufgeführt, steht in diesem Kontext. Der Librettodruck nennt Michelangelo Prunetti als Librettisten und bezeichnet Albertini als im aktuellen Dienst des Prinzen Stanisław Poniatowski stehend. Damit wird deutlich, dass die römische Opernproduktion um 1800 weiterhin eng mit adeliger und internationaler Patronage verbunden war.

Albertini unterrichtete in Rom außerdem Gesang. Dieser Hinweis ist für seine musikalische Physiognomie wichtig. Seine Opern dürften nicht nur aus kompositorischer Routine, sondern aus genauer Kenntnis der Stimme, der Arie, des Rezitativs und der Sängerpraxis hervorgegangen sein. In der italienischen Oper des späten 18. Jahrhunderts war der Komponist fast immer auch Praktiker des Theaters und der Stimme.

Don-Juan-Stoff und Warschauer Theatergeschichte

Don Juan albo Ukarany libertyn ist Albertinis kulturgeschichtlich wichtigstes Werk. Die Oper wurde am 23. Februar 1783 in Warschau aufgeführt und steht damit zeitlich vor Gazzanigas Don Giovanni Tenorio von 1787 und Mozarts Don Giovanni von 1787. Der Don-Juan-Stoff war im 18. Jahrhundert bereits in vielen Varianten verbreitet. Er verband Komödie, moralische Bestrafung, erotische Grenzüberschreitung, soziale Maskerade und den schaurigen Auftritt des steinernen Gastes.

Die Autorschaft des italienischen Librettos ist nicht völlig eindeutig. Treccani behandelt sie als unbekannt; andere Repertorien verbinden die Fassung mit Giovanni Bertati oder mit der allgemeinen Don-Giovanni-Tradition. Für die Warschauer Aufführung ist jedoch die polnische Bearbeitung durch Wojciech Bogusławski entscheidend. Der Titel Don Juan albo Ukarany libertyn macht die moralische Pointe deutlich: Der libertine Held wird bestraft. Diese Akzentuierung entspricht der europäischen Stofftradition und zugleich dem aufklärerischen Interesse an moralischer Theaterwirkung.

Die erhaltene beziehungsweise bekannte Partiturüberlieferung legt nahe, dass Albertinis Oper mit den üblichen Mitteln der Zeit arbeitet: Sinfonia, Rezitativ mit Cembalo, Arien, Duette, Chöre und ein Instrumentalapparat aus Streichern, Holzbläsern, Hörnern, Trompeten, Fagotten und Pauken. Das Werk ist nicht nur als Vorläufer späterer berühmter Don-Juan-Opern zu betrachten, sondern als eigenständiger Baustein der europäischen Don-Juan-Rezeption und der polnischen Operngeschichte.

Stil, Gattung und musikalisches Profil

Albertinis Stil ist aus den erhaltenen Hinweisen und Werktypen als spätbarock-klassizistische beziehungsweise klassisch geprägte Theatermusik des späten 18. Jahrhunderts zu beschreiben. Er schrieb Intermezzi, ernste Opern, deutsche und polnische Bühnenwerke sowie geistliche und instrumentale Stücke. Seine Musik dürfte stark von italienischer Arienkultur, Theaterpraxis und vokaler Durchhörbarkeit geprägt gewesen sein.

In den Intermezzi und polnischen Bühnenwerken steht die komische und volkssprachliche Funktion im Vordergrund. La cacciatrice brillante, Il Maestro di cappella beziehungsweise Kapelmajster polski und Przyjazd pana gehören in einen Bereich, in dem musikalische Komik, gesellschaftliche Typisierung und theatrale Verständlichkeit wichtig sind. Bei den ernsten Opern Virginia, Scipione Africano und La vergine vestale dominieren dagegen antike oder heroische Stoffe, aristokratische Pathosformen und die Tradition der Opera seria beziehungsweise des dramma serio.

Die geistlichen und instrumentalen Werke zeigen, dass Albertini nicht nur Bühnenkomponist war. Eine Missa solemnis, ein Offertorium, eine Kantate zum Jahrestag der Königswahl, eine Sinfonie und ein Septett verweisen auf liturgische, höfische und kammermusikalische Funktionen. Gerade in Polen musste ein Kapellmeister verschiedene Aufgaben erfüllen: Theater, Hofzeremoniell, Festmusik, Kirchenmusik und Instrumentalmusik standen in enger Beziehung.

Werkverzeichnis

Das folgende Werkverzeichnis fasst die in lexikalischen, bibliographischen und theatergeschichtlichen Quellen greifbaren Werke Gioacchino Albertinis zusammen. Da viele Werke nur durch Libretti, einzelne Handschriften oder spätere Katalogangaben bekannt sind, werden unsichere Daten und abweichende Traditionen ausdrücklich benannt. Ein vollständig kritisches Werkverzeichnis müsste die Partituren, Librettodrucke und Aufführungsakten in Rom, Warschau, Bologna, Florenz, Berlin, Mailand und weiteren Bibliotheken gesondert vergleichen.

Bühnenwerke, Opern und Intermezzi

  • La cacciatrice brillante, Intermezzo in musica a quattro voci, Libretto von G. Mancinelli, Rom, Teatro di Tordinona, Februar 1772.
  • Przyjazd pana, polnische Komödie beziehungsweise Bühnenwerk, Warschau, 1781.
  • Il Don Giovanni beziehungsweise Don Juan albo Ukarany libertyn, Oper in drei Akten, Warschau, 23. Februar 1783; polnische Bearbeitung beziehungsweise Übersetzung von Wojciech Bogusławski; die italienische Librettoautorschaft ist in den Quellen nicht einheitlich gesichert.
  • Il Maestro di cappella, Intermezzo, in älteren italienischen Quellen mit A. Palomba und einer polnischen Bearbeitung von L. A. Dmuszewski verbunden; quellenkritisch mit Kapelmajster polski und abweichenden Aufführungsdaten zu vergleichen.
  • Kapelmajster polski, polnisches Intermezzo, Libretto von L. A. Dmuszewski, Warschau, 28. Oktober 1808; Corago führt dieses Datum als erste Aufführung.
  • Circe und Ulysses beziehungsweise Circe und Ulisses, deutsche Oper, Hamburg, Stadttheater, Frühjahr 1785 beziehungsweise nach anderen Angaben 30. Januar 1786; die genaue Datierung ist quellenkritisch zu prüfen.
  • Virginia, dramma per musica beziehungsweise Opera seria, Libretto von Luigi Romanelli, Rom, Teatro delle Dame, 7. Januar 1786; Librettodruck bei Gioacchino Puccinelli.
  • Scipione Africano, Opera seria, Libretto nach Nicolò Minato, Rom, 1789.
  • La vergine vestale, dramma serio, Libretto von Michelangelo Prunetti, Rom, Teatro delle Dame, 2. Januar 1803; Librettodruck bei Michele Puccinelli, dem Prinzen Stanisław Poniatowski gewidmet.

Einzelne Vokalstücke, Szenen und Arien

  • Bell’idol mio, Rezitativ und Rondò; handschriftlich überliefert beziehungsweise in älteren Quellen nachgewiesen.
  • La mia sposa, Cavatina für Sopran, zwei Violinen, Viola, Bass, Flöten und Hörner; in Berliner Überlieferung genannt.
  • Quante volte alla finestra, Duettino, 1801; in älterer Königsberger Überlieferung genannt.
  • Alle Dame, Szene und Rondò für Sopran; in Mailänder Konservatoriumsüberlieferung genannt.
  • Idol mio, quest’alma amante, Stück für Orchester beziehungsweise vokal-instrumentaler Zusammenhang; in Mailänder Überlieferung genannt.
  • Scena e duetto aus der Oper Virginia, in Berliner Überlieferung genannt.
  • Weitere Arien und Szenen aus den Bühnenwerken, die nur in Librettodrucken oder in verstreuten handschriftlichen Auszügen greifbar sind.

Geistliche Musik

  • Missa solemnis, vierstimmige Messe mit Orchester, möglicherweise mit der 1782 in Warschau aufgeführten Messe identisch; eine handschriftliche Messe mit Albertini-Signatur wird in der Stiftsbibliothek Einsiedeln genannt.
  • Offertorium, geistliches Werk, in Baker beziehungsweise Grove-Tradition summarisch genannt.
  • Weitere Messen und geistliche Werke, in Nachschlagewerken summarisch erwähnt, jedoch nicht als geschlossene Werkgruppe vollständig erschlossen.

Kantaten und höfische Gelegenheitsmusik

  • Kantata na rocznicę elekcji Króla, Kantate zum Jahrestag der Wahl des Königs, 7. September 1790; im polnischen Hof- und Festkontext zu verorten.
  • Weitere höfische Feststücke sind möglich, aber nach gegenwärtig sichtbarer Quellenlage nicht zuverlässig als selbständige Werke mit Titel nachweisbar.

Instrumentalmusik

  • Sinfonia del Don Giovanni, Ouvertüre beziehungsweise Sinfonia zur Oper Il Don Giovanni / Don Juan albo Ukarany libertyn; in Berliner Überlieferung genannt.
  • Symphony in D beziehungsweise Sinfonia in D, um 1791 oder nach anderen summarischen Angaben um 1797; die Datierung ist nach Quelle zu prüfen.
  • Septett, datiert auf den 25. April 1806 beziehungsweise in Nachschlagewerken als Kammermusikwerk genannt.
  • Weitere Instrumentalstücke, die möglicherweise aus Opernsinfonien, Theatermusik oder höfischem Gebrauch hervorgegangen sind, sind nur fragmentarisch greifbar.

Verlorene, fragmentarische oder nur bibliographisch belegte Bereiche

  • Mehrere Bühnenwerke Albertinis sind vor allem durch Libretti und Aufführungsdaten bekannt; vollständige Partituren sind nicht in jedem Fall nachgewiesen.
  • Die Don-Juan-Oper ist in einer Florentiner Partiturabschrift überliefert, doch die Quellenlage verlangt einen Vergleich von Partitur, Libretto, polnischer Bearbeitung und späteren Aufführungstraditionen.
  • Einige Arien und Duette sind nur als Einzelnummern in Bibliotheken nachweisbar und sollten nicht ohne Quellenprüfung einem bestimmten vollständigen Bühnenwerk zugeordnet werden.
  • Die Datierung von Kapelmajster polski ist in der Literatur uneinheitlich; Corago gibt 28. Oktober 1808, während ältere Quellen andere Daten oder traditionsgeschichtliche Verbindungen nennen.

Überlieferung, Drucke und Handschriften

Albertinis Werküberlieferung ist typisch für einen Theaterkomponisten des späten 18. Jahrhunderts. Die Opern sind häufig durch Librettodrucke, Aufführungsdaten und einzelne Partitur- oder Stimmenhandschriften greifbar, aber nicht immer durch moderne kritische Editionen. Besonders die römischen Werke Virginia und La vergine vestale sind durch Librettodrucke gut bibliographisch fassbar. Virginia wurde 1786 in Rom bei Gioacchino Puccinelli gedruckt, La vergine vestale 1803 bei Michele Puccinelli.

Die Don-Juan-Oper ist überlieferungsgeschichtlich besonders wichtig. Eine handschriftliche Partiturabschrift wird in der Bibliothek des Conservatorio Luigi Cherubini in Florenz genannt. Treccani beschreibt das Werk als Albertinis bekanntestes Bühnenwerk und verweist auf eine freie, ausgedehnte Sinfonia, Rezitative mit Cembalo, Arien, Duettini und Chöre. Gerade diese Angaben sind für die heutige Rekonstruktion wertvoll, weil sie zeigen, dass die Oper nicht nur über ihren Stoff, sondern auch über ihre musikalische Anlage in die europäische Opernpraxis der 1780er Jahre gehört.

Einzelne Arien, Cavatinen, Duette und geistliche Stücke sind in verschiedenen Bibliotheken überliefert, darunter Berlin, Mailand, Einsiedeln, Bologna und weitere Katalogkontexte. Diese verstreute Überlieferung erschwert ein geschlossenes Bild des Komponisten. Sie zeigt aber zugleich seine praktische Tätigkeit: Albertini schrieb für konkrete Theater, Sänger, Höfe und liturgische Anlässe. Seine Musik war Gebrauchsmusik im hohen Sinn des 18. Jahrhunderts, also für Aufführung, Patronage und Publikum bestimmt.

Die moderne Wiederbeachtung Albertinis hängt stark mit dem Don-Juan-Stoff zusammen. Da seine Warschauer Oper vor Mozart entstand, ist sie für die Don-Giovanni-Forschung, die polnische Theatergeschichte und die Geschichte des europäischen Musiktheaters interessant. Zugleich sollte sie nicht nur als Vorstufe zu Mozart gelesen werden. Sie ist ein eigenständiges Zeugnis der polnisch-italienischen Theaterkultur um 1780.

Sekundärliteratur

  • Alfredo Bonaccorsi: ALBERTINI, Gioacchino. In: Dizionario Biografico degli Italiani, Band 1. Rom, Istituto dell’Enciclopedia Italiana, 1960.
  • Barbara Chmara-Żaczkiewicz: Albertini, Gioacchino. In: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, zweite Auflage. London, Macmillan, 2001.
  • Nicolas Slonimsky, Laura Kuhn und Dennis McIntire: Albertini, Joachim (actually, Gioacchino). In: Baker’s Biographical Dictionary of Musicians.
  • Ernst Ludwig Gerber: Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler. Leipzig, 1812 und 1814; ältere lexikalische Grundlage mit Albertini-Hinweisen.
  • François-Joseph Fétis: Biographie universelle des musiciens et bibliographie générale de la musique. Paris, zweite Ausgabe, 1873 ff.
  • Robert Eitner: Biographisch-Bibliographisches Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten. Leipzig, 1900–1904.
  • Carlo Schmidl: Dizionario universale dei musicisti. Mailand, 1926–1929; Supplemente mit älteren und teils korrekturbedürftigen Angaben.
  • Ugo Manferrari: Dizionario universale delle opere melodrammatiche. Florenz, 1954; mit Aufführungs- und Werkhinweisen zu Albertinis Opern.
  • Zbigniew Raszewski: Studien zur polnischen Theatergeschichte und zur Don-Juan-Rezeption im Warschauer Theater des 18. Jahrhunderts.
  • Wojciech Bogusławski: autobiographische und theatergeschichtliche Schriften, besonders relevant für die polnische Bearbeitung und Aufführungspraxis von Don Juan albo Ukarany libertyn.
  • Mieczysław Klimowicz und weitere polnische Theaterhistoriker zur Aufklärungskultur und zum Nationaltheater in Warschau.
  • Anna Laura Bellina und Claudio Sartori: bibliographische Arbeiten zu italienischen Opernlibretti, relevant für die römischen Librettodrucke Albertinis.
  • Corago-Projekt der Universität Bologna: Datenbankeinträge zu Opern, Libretti und Aufführungen Albertinis.
  • RISM und nationale Bibliothekskataloge: Nachweise zu Handschriften, Librettodrucken und Einzelnummern Albertinis.
  • Forschungen zur Don-Juan-Oper vor Mozart, insbesondere zu Bertati, Gazzaniga, Bogusławski und den italienisch-polnischen Fassungen des Stoffes.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Italienische Oper des 18. Jahrhunderts Gattungs- und Stilrahmen für Albertinis Bühnenwerke zwischen Opera seria, Intermezzo und polnischer Bearbeitung.
  • Polnische Oper National- und Theatergeschichtlicher Kontext von Albertinis Warschauer Werken.
  • Warschau in der Musikgeschichte Zentraler Wirkungsort Albertinis und Schauplatz seiner Don-Juan-Oper.
  • Nieśwież Aristokratischer Theater- und Residenzort der Radziwiłł, an dem Albertini als Kapellmeister wirkte.
  • Karol Radziwiłł Polnisch-litauischer Magnat und wichtiger Patron privater Theaterkultur im Umfeld Albertinis.
  • Stanisław August Poniatowski Polnischer König und Kulturförderer, an dessen Hof Albertini um 1782 als Dirigent wirkte.
  • Stanisław Poniatowski Prinz und Mäzen, in dessen Dienst Albertini in Rom stand und dem römische Librettodrucke gewidmet wurden.
  • Wojciech Bogusławski Zentrale Gestalt des polnischen Nationaltheaters und Bearbeiter von Albertinis Don Juan albo Ukarany libertyn.
  • Don-Juan-Stoff Europäischer Theater- und Opernstoff, den Albertini 1783 in Warschau musikalisch behandelte.
  • Don Giovanni Opern- und Stoffgeschichte von Tirso de Molina über italienische Fassungen bis Gazzaniga, Albertini und Mozart.
  • Giovanni Bertati Librettist im Umfeld der Don-Giovanni-Tradition, dessen Name in Teilen der Albertini-Überlieferung diskutiert wird.
  • Giuseppe Gazzaniga Komponist von Don Giovanni Tenorio, wichtig für den Vergleich der Don-Juan-Opern vor und um Mozart.
  • Wolfgang Amadeus Mozart Komponist von Don Giovanni, dessen spätere Don-Juan-Oper den Stoffkanon dominierte.
  • Opera seria Ernste italienische Operngattung, in der Albertini mit Virginia, Scipione Africano und La vergine vestale wirkte.
  • Intermezzo Kurze komische Bühnenform, in der Albertini mit La cacciatrice brillante und Kapelmajster polski vertreten ist.
  • Opera buffa Komische italienische Operntradition, die für Albertinis Intermezzi und Don-Juan-Behandlung wichtig ist.
  • Teatro delle Dame Römisches Opernhaus, in dem Albertinis Virginia und La vergine vestale aufgeführt wurden.
  • Teatro di Tordinona Römischer Theaterort von Albertinis frühem Intermezzo La cacciatrice brillante.
  • Pesaro in der Musikgeschichte Geburtsstadt Albertinis und später auch Rossinis; wichtiger Ort der italienischen Musikgeschichte.
  • Rom in der Operngeschichte Theater- und Gesangskontext von Albertinis römischen Opern und seiner Tätigkeit als Gesangslehrer.
  • Hamburg in der Operngeschichte Aufführungsort von Albertinis Circe und Ulysses im deutschsprachigen Opernraum.
  • Luigi Romanelli Librettist von Albertinis Virginia und Vertreter der italienischen Opernlibrettistik.
  • Michelangelo Prunetti Librettist von Albertinis La vergine vestale.
  • Ludwik Adam Dmuszewski Polnischer Librettist und Theatermann, verbunden mit Kapelmajster polski.
  • Antonio Palomba Italienischer Librettist, in älteren Quellen mit dem Maestro di cappella-Kontext Albertinis verbunden.
  • Kapellmeister Musikalisches Leitungsamt zwischen Hof, Kirche, Theater, Probe und Repertoireorganisation.
  • Gesangsunterricht Praktischer Bereich von Albertinis römischer Tätigkeit und Grundlage seiner vokalen Theatermusik.
  • Libretto Textbuch der Oper, für Albertinis Werküberlieferung besonders wichtig, weil mehrere Werke vor allem durch Libretti greifbar sind.
  • RISM Internationales Quellenrepertorium für musikalische Handschriften und Drucke, wichtig für Albertinis verstreute Überlieferung.
  • Corago Forschungsdatenbank zu italienischen Opernlibretti und Aufführungen, mit mehreren wichtigen Albertini-Nachweisen.