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Kulturlexikon · Arabische Musikgeschichte · Hedschas

Sulaimān ibn Ayyūb ibn Muḥammad Abū Ayyūb al-Madīnī

arabisch سليمان بن أيوب بن محمد المدني · bekannt als Abū Ayyūb al-Madīnī · aus Medina · 9. Jahrhundert, nähere Lebensdaten unsicher · arabischer Gelehrter, Literaturhistoriker und Musikschriftsteller

Sulaimān ibn Ayyūb ibn Muḥammad Abū Ayyūb al-Madīnī gehört zu den schwer fassbaren, aber für die Geschichte der arabischen Musikliteratur wichtigen Gelehrten des frühen islamischen Mittelalters. Er ist vor allem durch Titel verlorener Bücher bekannt, die im Umfeld von Ibn al-Nadīms Kitāb al-Fihrist und späterer musikgeschichtlicher Überlieferung genannt werden. Seine Schriften behandelten Sänger, Sängerinnen, Gesangstraditionen, Melodie, Rhythmus und die musikalisch-literarische Kultur von Mekka, Medina und dem Hedschas im 8. und 9. Jahrhundert.

Überblick

Sulaimān ibn Ayyūb ibn Muḥammad Abū Ayyūb al-Madīnī war ein arabischer Gelehrter, der in der Überlieferung als kundig in ġināʾ, also Gesang beziehungsweise musikalisch-poetischer Vortragskunst, und in den Nachrichten über Sänger und Sängerinnen erscheint. Seine Nisba al-Madīnī verweist auf Medina. Der Beiname beziehungsweise die Kunya Abū Ayyūb ist in den Nachweisen so prominent, dass der Autor häufig unter der Kurzform Abū Ayyūb al-Madīnī geführt wird.

Seine Lebensdaten sind nicht sicher festgelegt. Die vom Nutzer vorgegebene Einordnung in das 9. Jahrhundert ist sachlich plausibel, weil der Autor in der Traditionslinie der frühen arabischen Musik- und Sängerüberlieferung steht und seine Bücher Personen des 8. und frühen 9. Jahrhunderts behandeln. Zugleich setzen einzelne moderne Listen oder Sekundärhinweise ihn bis um 400/1010 an. Für eine vorsichtige Kulturlexikon-Darstellung ist daher die Formulierung 9. Jahrhundert, genaue Lebensdaten unbekannt am sichersten; bei Bedarf kann ergänzend vermerkt werden, dass die Forschungslage chronologisch nicht völlig einheitlich ist.

Abū Ayyūb al-Madīnī ist nicht durch erhaltene vollständige Werke bekannt, sondern vor allem durch Titel. Diese Titel zeigen jedoch ein erstaunlich klares Profil. Er schrieb über einzelne Sängerinnen und Sänger wie ʿAzza al-Maylāʾ, Ibn Misjaḥ, Ibn ʿĀʾiša, Ḥunayn al-Ḥīrī, Ibn Surayj und al-Ġarīḍ, über die Sängerinnen des Hedschas und Mekkas, über die Rangordnung der Sänger, über Melodie und Rhythmus sowie über gesellige Gefährten beziehungsweise höfisch-literarische Unterhaltungskultur.

Sein Werk ist deshalb für die Kulturgeschichte bedeutsam, weil es eine frühe Stufe arabischer Musikgeschichtsschreibung sichtbar macht. Noch bevor spätere Großkompilationen wie Abū l-Faraǧ al-Iṣfahānīs Kitāb al-Aġānī die musikalisch-literarische Überlieferung monumental sammelten, existierten bereits spezialisierte Bücher über Sänger, Sängerinnen, Lieder, musikalische Genealogien und regionale Schulen. Abū Ayyūb al-Madīnī steht genau in diesem Milieu der Sammlung, Ordnung und biographischen Erinnerung.

Kurzdaten

Grunddaten zu Sulaimān ibn Ayyūb ibn Muḥammad Abū Ayyūb al-Madīnī
Vollständiger Name Sulaimān ibn Ayyūb ibn Muḥammad Abū Ayyūb al-Madīnī
Arabische Namensform سليمان بن أيوب بن محمد المدني
Kunya Abū Ayyūb
Nisba al-Madīnī, also „der Medinenser“ beziehungsweise „aus Medina“
Herkunft Medina im Hedschas
Lebenszeit 9. Jahrhundert; nähere Daten unbekannt; in Teilen der Sekundärliteratur chronologisch bis an den Anfang des 11. Jahrhunderts gerückt
Beruf / Funktion Gelehrter, Literaturhistoriker, Musikschriftsteller, Sammler von Nachrichten über Sänger und Sängerinnen
Hauptthemen Arabischer Gesang, Musikerbiographik, Sängerinnen des Hedschas und Mekkas, Melodie, Rhythmus, städtische Musikkultur, frühe Musikgeschichte
Zentrale Quellen Ibn al-Nadīms Kitāb al-Fihrist, spätere musikgeschichtliche Literatur, Hinweise in der Forschung zu Abū l-Faraǧ al-Iṣfahānīs Kitāb al-Aġānī
Erhaltungszustand Die bekannten Werke sind überwiegend verloren; erhalten sind vor allem Titel, indirekte Angaben und gelegentliche Spuren in späteren Kompilationen.
Kulturgeschichtliche Bedeutung Früher Zeuge einer spezialisierten arabischen Musikschriftlichkeit, die Sängerbiographik, Liedüberlieferung, Frauenmusik, städtische Erinnerungskultur und Theorie von Melodie und Rhythmus verbindet.

Namensformen, Kunya und Nisba

Die Person wird in der modernen Forschung und in älteren Transkriptionssystemen unterschiedlich angesetzt. Die Form Abū Ayyūb al-Madīnī ist eine knappe, quellennahe Bezeichnung. Die ausführlichere Form Sulaimān ibn Ayyūb ibn Muḥammad al-Madīnī nennt die genealogische Namenskette. Für diese Seite wird im sichtbaren Text die vollständige Form Sulaimān ibn Ayyūb ibn Muḥammad Abū Ayyūb al-Madīnī verwendet, damit Person, Kunya und Herkunftsbezeichnung zugleich erkennbar bleiben.

Die Nisba al-Madīnī ist nicht bloß ein äußerer Herkunftshinweis. Sie ist für die Einordnung wesentlich, weil Abū Ayyūb al-Madīnī über die musikalischen Traditionen des Hedschas schrieb, also über eine Region, in der Medina und Mekka als frühe Zentren islamischer, arabischer, poetischer und musikalischer Erinnerung eine besondere Rolle spielten. Der Name selbst trägt daher bereits einen kulturellen Ort in sich.

Namens- und Schreibformen
Form Erläuterung Verwendung im Eintrag
سليمان بن أيوب بن محمد المدني Arabische Grundform des Namens. In der Meta-Zeile und als alternative Namensform angegeben.
Abū Ayyūb al-Madīnī Kunya und Nisba; die gebräuchliche Kurzform in vielen Nachweisen. Als wichtigste Kurzform verwendet.
Sulaimān ibn Ayyūb ibn Muḥammad al-Madīnī Genealogische Langform ohne Kunya. Für quellennahe wissenschaftliche Benennung wichtig.
Abu Ayyub al-Madini Vereinfachte lateinische Umschrift ohne diakritische Zeichen. Für Dateisuche, Katalogsuche und internationale Online-Recherche hilfreich.
Sulaiman ibn Ayyub ibn Muhammad al-Madini Vereinfachte Langform in englischsprachigen oder älteren Digitalisaten. Als Suchform in Onlinequellen und Bibliographien relevant.

Quellenlage und Datierungsprobleme

Die Quellenlage zu Sulaimān ibn Ayyūb ibn Muḥammad Abū Ayyūb al-Madīnī ist fragmentarisch. Anders als bei großen Kompilatoren wie Abū l-Faraǧ al-Iṣfahānī liegt kein umfangreich erhaltenes Hauptwerk vor. Die Person ist vor allem durch Titelangaben und knappe Charakterisierungen bekannt. Besonders wichtig ist Ibn al-Nadīms Kitāb al-Fihrist, ein bibliographisch-literaturgeschichtliches Werk des 10. Jahrhunderts, das zahlreiche Autoren, Wissensgebiete und Buchtitel verzeichnet.

In dieser Überlieferung wird Abū Ayyūb al-Madīnī als gelehrter Kenner des Gesangs und der Geschichten über Sänger bezeichnet. Die Titel der ihm zugeschriebenen Bücher lassen erkennen, dass er nicht nur theoretisch über Musik nachdachte, sondern vor allem musikalisch-literarische Erinnerungen sammelte: Nachrichten über einzelne Sängerinnen und Sänger, regionale Gruppen von Sängerinnen, Rangordnungen von Musikern, Melodie und Rhythmus sowie gesellige Kultur.

Die Datierung ist unsicher. Die Angabe „9. Jahrhundert“ ist für eine vorsichtige Grundansetzung geeignet, zumal die behandelten Personen und Themen stark in der Musikgeschichte des 8. und 9. Jahrhunderts verwurzelt sind. Einige moderne Hinweise nennen jedoch den Tod um 400/1010 oder setzen die Person in der Nähe des 10. Jahrhunderts an. Solange keine eindeutig gesicherte biographische Chronologie vorliegt, sollte der Eintrag keine festen Lebensdaten behaupten, sondern die Unsicherheit transparent ausweisen.

Quellenlage im Überblick
Quellentyp Aussagewert Problem
Bibliographische Angaben bei Ibn al-Nadīm Sehr wichtig für Namen, Werkprofile und Titel. Die Werke selbst sind nicht vollständig erhalten; die Liste ist eine indirekte Überlieferung.
Spätere musikgeschichtliche Forschung Ordnet Abū Ayyūb al-Madīnī in die Geschichte arabischer Musikliteratur ein. Datierung, Transkription und Werkabgrenzung können schwanken.
Hinweise in Studien zu Kitāb al-Aġānī Zeigen, dass ältere Lied- und Sängerbücher als Quellenhintergrund für spätere Kompilationen wichtig waren. Nicht immer ist sicher, ob ein genannter Titel als eigenes Buch, Teil einer Sammlung oder Überlieferungseinheit zu verstehen ist.
Moderne Onlinekataloge und Digitalisate Erleichtern Recherche nach Namensformen, Titeln und Sekundärliteratur. Viele Treffer betreffen Namensverwechslungen, besonders mit Abū Ayyūb al-Anṣārī oder modernen Personen gleichen Namens.

Medina, Mekka und der Hedschas als musikalisch-literarischer Raum

Medina und Mekka waren im frühen Islam nicht nur religiöse Zentren, sondern auch Orte intensiver arabischer Sprach-, Dichtungs- und Musikkultur. Der Hedschas war ein Raum, in dem poetische Überlieferung, städtische Geselligkeit, Wallfahrt, Handel, Frömmigkeit, aristokratische Erinnerung und musikalische Praxis aufeinandertreffen konnten. Gerade die Musikgeschichte dieser Region war eng mit Sängerinnen, Sängern, Überlieferern, Haushalten vornehmer Familien und städtischen Festkulturen verbunden.

Abū Ayyūb al-Madīnīs Interesse an den Sängerinnen des Hedschas und Mekkas zeigt, dass Musikgeschichte hier regional gedacht wurde. Es ging nicht nur um abstrakte Theorie, sondern um soziale Orte und konkrete Personen. Wer sang? In welchen Familien, Höfen, Haushalten und Festzusammenhängen trat Musik auf? Welche Lieder wurden überliefert? Welche Sängerinnen und Sänger galten als vorbildlich? Wie wurden musikalische Autorität, Schönheit, Technik, Gedächtnis und Herkunft miteinander verbunden?

Die Nisba al-Madīnī lässt deshalb mehr erkennen als einen Herkunftsort. Sie verweist auf eine besondere Perspektive: Die Musikgeschichte wird nicht allein aus der Sicht Bagdads oder der ʿabbāsidischen Hofkultur erzählt, sondern auch aus der älteren hedschasischen Tradition, die für die Genealogie des arabischen Gesangs von grundlegender Bedeutung war.

Kulturüberblick: Arabische Musikliteratur zwischen Überlieferung, Adab und Biographik

Die arabische Musikliteratur des 8. bis 10. Jahrhunderts entwickelte sich nicht in einer modernen Trennung von Musiktheorie, Literaturgeschichte, Biographie und Unterhaltung. Sie gehört zum weiteren Feld des adab, also einer gelehrten, gebildeten, literarisch und sozial vermittelten Wissenskultur. Musik erscheint darin als Kunst des Klangs, aber auch als Gedächtnis von Personen, Gedichten, Anekdoten, sozialen Rollen und städtischen Milieus.

In diesem Zusammenhang sind Sängerbiographien besonders wichtig. Ein Sänger oder eine Sängerin wurde nicht nur durch musikalische Technik erinnert, sondern durch Herkunft, Lehrer, Schüler, Patronage, Liebesgeschichten, Gedächtnisleistung, Witz, soziale Stellung und die überlieferten Lieder. Musikgeschichte wurde daher häufig als Erzählgeschichte geschrieben. Der Klang selbst ist in vielen Fällen verloren, doch die Berichte über Lieder, Modi, Dichter, Situationen und Aufführende bewahren kulturelle Strukturen.

Abū Ayyūb al-Madīnī steht in dieser Kultur der musikbezogenen Nachrichtensammlung. Seine Titel zeigen, dass er einzelne Musikerpersönlichkeiten ebenso behandelte wie Gruppen von Sängerinnen, regionale Traditionen und theoretische Grundbegriffe. Damit gehört er in die Vorgeschichte und das Quellenumfeld großer späterer Kompilationen wie des Kitāb al-Aġānī. Die arabische Musikgeschichtsschreibung bestand aus vielen älteren Teilbüchern, Spezialmonographien und Sammlungen, die später aufgenommen, gekürzt, zitiert, umgearbeitet oder verloren wurden.

Die Bedeutung solcher Autoren liegt deshalb nicht nur in erhaltenen Texten. Auch verlorene Werke können kulturgeschichtlich sehr wichtig sein, wenn ihre Titel erkennen lassen, welche Themen ein Wissensfeld strukturieren. Bei Abū Ayyūb al-Madīnī zeigt die Titelliste ein ganzes Programm: Musik wird als Personengeschichte, Frauenkultur, regionale Tradition, soziale Erinnerung und Theorie von Melodie und Rhythmus begriffen.

Themen seiner Schriften

Die erhaltenen Titel lassen vier große Themenfelder erkennen. Erstens interessierte sich Abū Ayyūb al-Madīnī für einzelne Musikerbiographien. Bücher über ʿAzza al-Maylāʾ, Ibn Misjaḥ, Ibn ʿĀʾiša, Ḥunayn al-Ḥīrī, Ibn Surayj und al-Ġarīḍ zeigen ein stark personenbezogenes Modell von Musikgeschichte. Zweitens behandelte er Gruppen und soziale Milieus, besonders die Sängerinnen des Hedschas und Mekkas. Drittens verfasste er offenbar eine systematisierende Schrift über die Rangordnung der Sänger. Viertens wird ihm ein Buch über Melodie und Rhythmus zugeschrieben, das stärker in Richtung Musiktheorie weist.

Diese Mischung ist charakteristisch für vormoderne arabische Musikliteratur. Theorie und Anekdote stehen nicht streng getrennt nebeneinander. Ein Bericht über einen Sänger kann zugleich musikalische Technik, poetische Erinnerung, soziale Rangordnung und höfische Kultur enthalten. Ein Buch über Sängerinnen kann ebenso Geschlechtergeschichte, Musikausbildung, Sklaverei, Patronage und ästhetische Wertung berühren.

Thematische Felder der überlieferten Schriften
Themenfeld Belegte Titel Kulturelle Bedeutung
Einzelbiographien von Sängerinnen und Sängern Kitāb aḫbār ʿAzza al-Maylāʾ, Kitāb Ibn Misjaḥ, Kitāb aḫbār Ibn ʿĀʾiša, Kitāb Ibn Surayj, Kitāb al-Ġarīḍ Musikgeschichte wird als Erinnerung an exemplarische Personen geschrieben.
Regionale Sängerinnenkultur Kitāb qiyān al-Ḥiǧāz, Kitāb qiyān Makka Zeigt die Bedeutung weiblicher musikalischer Professionalität im Hedschas.
Systematische Sängerordnung Kitāb ṭabaqāt al-muġanniyyīn Ordnet Musiker nach Generationen, Rang, Qualität oder Traditionslinien.
Musiktheorie Kitāb al-naġam wa-l-īqāʿ Verweist auf Begriffe von Melodie, Tonordnung und Rhythmus.
Geselligkeit und Adab-Kultur Kitāb al-munādimīn Verbindet Musik mit höfischer, städtischer und literarischer Unterhaltung.
Liedsammlung und Repertoire Aġānī Ibn Ǧāmiʿ Bewahrt oder verzeichnet Lieder eines bestimmten Sängers beziehungsweise Komponisten, teils mit modaler Information.

Sängerinnen, Qiyān und städtische Musikkultur

Besonders auffällig ist Abū Ayyūb al-Madīnīs Interesse an qiyān, also professionellen Sängerinnen, die häufig als Sklavinnen, Freigelassene, Hofkünstlerinnen, gebildete Unterhalterinnen und musikalisch-literarische Spezialistinnen in Erscheinung treten. Die Titel Kitāb qiyān al-Ḥiǧāz und Kitāb qiyān Makka zeigen, dass er weibliche Musikkultur regional sammelte und sichtbar machte.

Die qiyān waren im frühen islamischen und ʿabbāsidischen Kulturraum nicht bloß Unterhaltungsfiguren. Sie konnten hochgebildet sein, Gedichte memorieren, Lieder komponieren oder überliefern, Instrumente spielen, improvisieren, literarisch antworten und soziale Situationen prägen. In ihnen kreuzen sich Kunst, Bildung, Ökonomie, Geschlecht, Status und Patronage. Ein Werk über die Sängerinnen des Hedschas oder Mekkas ist daher nicht nur Musikgeschichte, sondern auch Sozial- und Kulturgeschichte.

Dass Abū Ayyūb al-Madīnī solche Bücher verfasste, macht ihn für die heutige Forschung besonders interessant. Viele weibliche Stimmen und musikalische Arbeitsformen sind nur indirekt über männliche Sammler, Biographen und Adab-Autoren überliefert. Seine Titel zeigen, dass diese Tradition früh als eigenes Wissensgebiet wahrgenommen wurde.

Sängerbiographik und Musikererinnerung

Die vielen Einzelbücher über Sängerinnen und Sänger zeigen, dass Abū Ayyūb al-Madīnī Musikgeschichte stark biographisch dachte. Namen wie Ibn Misjaḥ, Ibn Surayj, Ibn ʿĀʾiša, al-Ġarīḍ und ʿAzza al-Maylāʾ gehören zu den frühen Gestalten der arabischen Gesangstradition. Sie wurden nicht nur wegen einzelner Lieder erinnert, sondern als Träger von Stilen, Schulen, Genealogien und künstlerischer Autorität.

Biographik hat in der arabischen Gelehrtenkultur eine besondere Stellung. Sie dient der Überprüfung von Überlieferung, der Ordnung von Wissensketten, der Bewertung von Personen und der Bewahrung exemplarischer Lebensformen. Im musikalischen Feld übernimmt sie ähnliche Funktionen. Wer ein Lied sang, von wem er oder sie lernte, in welcher Umgebung ein Lied entstand und wie es weitergegeben wurde, war für die Bewertung des Repertoires entscheidend.

Abū Ayyūb al-Madīnīs Titel machen diese Musikererinnerung sichtbar. Sie stehen für eine Kultur, in der Musik nicht anonym zirkulierte, sondern an Namen, Situationen und Geschichten gebunden war. Selbst wenn die Texte verloren sind, zeigen die Buchtitel, dass Sängerbiographik ein eigenständiges und differenziertes Feld war.

Melodie und Rhythmus: al-naġam wa-l-īqāʿ

Das Kitāb al-naġam wa-l-īqāʿ, also das Buch über Melodie beziehungsweise Ton und Rhythmus, hebt sich von den vorwiegend biographischen Titeln ab. Es weist stärker auf musiktheoretische Interessen. Naġam kann Ton, Melodie oder melodische Gestaltung meinen; īqāʿ bezeichnet rhythmische Ordnung, Takt- oder Schlagmuster, metrische Bewegung und musikalische Zeitorganisation.

Im frühen islamischen Musikdenken war die Grenze zwischen praktischer Gesangstradition und theoretischer Begrifflichkeit durchlässig. Ein Gelehrter, der Sängerbiographien sammelte, konnte zugleich über Melodie und Rhythmus schreiben, weil die Bewertung von Gesang nicht ohne Kenntnisse von Vortrag, Modus, Rhythmus, Textmaß und Aufführungspraxis möglich war.

Gerade dieser Titel zeigt, dass Abū Ayyūb al-Madīnī nicht nur Anekdoten sammelte. Er gehörte offenbar zu einer Wissenskultur, die Musik als geordnete Kunst verstand. Seine theoretische Schrift ist nicht erhalten, aber sie verweist auf ein frühes Interesse an den Bausteinen musikalischer Gestaltung, bevor die großen philosophisch-mathematischen Musiktheorien von al-Kindī, al-Fārābī und Ibn Sīnā die lateinisch und arabisch rezipierte Theoriegeschichte prägten.

Überlieferung bei Ibn al-Nadīm, al-Iṣfahānī und späteren Autoren

Die wichtigste bibliographische Spur führt zu Ibn al-Nadīms Kitāb al-Fihrist. Dieses Werk ist kein Musikbuch im engen Sinn, sondern eine umfassende Bestandsaufnahme von Büchern, Autoren und Wissensbereichen der islamischen Gelehrtenkultur des 10. Jahrhunderts. Gerade deshalb ist es für verlorene Werke so wichtig. Wenn der Fihrist einen Titel nennt, bewahrt er oft die einzige direkte Spur eines Buches, das später nicht mehr erhalten blieb.

In der Forschung zu Abū l-Faraǧ al-Iṣfahānīs Kitāb al-Aġānī erscheinen ältere Lied- und Sängerbücher als Quellenschicht. Abū Ayyūb al-Madīnī wird in solchen Zusammenhängen genannt, weil seine Werke Material über Sänger, Sängerinnen und Liedtradition enthielten. Das Kitāb al-Aġānī ist selbst eine riesige Kompilation, die ältere Bücher, mündliche Berichte, Gedichte, genealogische Angaben, musikalische Informationen und Anekdoten verarbeitet. Autoren wie Abū Ayyūb al-Madīnī gehören zu dem älteren Wissenshorizont, aus dem solche Großwerke schöpfen konnten.

Spätere arabische und neuzeitliche musikgeschichtliche Darstellungen, besonders Henry George Farmers A History of Arabian Music to the XIIIth Century, haben Abū Ayyūb al-Madīnī als frühen Musikschriftsteller wieder sichtbar gemacht. Farmer fasst die Titelliste zusammen und ordnet ihn in eine Reihe von Autoren ein, die nicht nur Musiktheorie, sondern auch Sängerbiographik und Repertoiregeschichte betrieben.

Werkverzeichnis

Das folgende Werkverzeichnis erfasst die bekannten, überwiegend nur indirekt überlieferten Titel, die Sulaimān ibn Ayyūb ibn Muḥammad Abū Ayyūb al-Madīnī zugeschrieben werden. Da die Werke nicht vollständig erhalten sind, handelt es sich um ein Verzeichnis überlieferter Buchtitel, nicht um ein Verzeichnis erhaltener Drucke oder Handschriften. Die deutschen Titel sind sinngemäße Übersetzungen.

Überlieferte Buchtitel

Werkverzeichnis nach überlieferten Titeln
Arabischer Titel Deutsche Umschreibung Thema Erhaltungszustand / Bedeutung
Kitāb aḫbār ʿAzza al-Maylāʾ Buch der Nachrichten über ʿAzza al-Maylāʾ Biographische und musikalische Nachrichten über eine frühe Sängerin. Als Titel überliefert; wichtig für weibliche Musikerbiographik im Hedschas.
Kitāb Ibn Misjaḥ Buch über Ibn Misjaḥ Nachrichten über einen frühen Sänger und Musiker der arabischen Tradition. Als Titel überliefert; zeigt das Interesse an musikalischen Gründungsfiguren.
Kitāb qiyān al-Ḥiǧāz Buch der Sängerinnen des Hedschas Regionale Sammlung über professionelle Sängerinnen im Hedschas. Als Titel überliefert; kulturgeschichtlich sehr wichtig für Frauen, Musik und regionale Erinnerung.
Kitāb qiyān Makka Buch der Sängerinnen von Mekka Sängerinnenkultur in Mekka. Als Titel überliefert; zeigt die Bedeutung Mekkas als städtisch-musikalischer Erinnerungsraum.
Kitāb ṭabaqāt al-muġanniyyīn Buch der Rangstufen oder Generationen der Sänger Ordnung von Sängern nach Generation, Rang, Schule oder Wertung. Als Titel überliefert; später in Listen arabischer Musikschriften häufig genannt.
Kitāb al-naġam wa-l-īqāʿ Buch über Melodie und Rhythmus Musiktheoretische Grundbegriffe: Ton, Melodie, rhythmische Ordnung. Als Titel überliefert; besonders wichtig, weil er Abū Ayyūb al-Madīnī nicht nur als Biographen, sondern auch als Theoretiker sichtbar macht.
Kitāb al-munādimīn Buch der Zech- oder Tischgefährten beziehungsweise geselligen Gefährten Geselligkeit, Adab-Kultur, Unterhaltungsmilieu. Als Titel überliefert; verbindet Musikgeschichte mit höfisch-städtischer Sozialkultur.
Kitāb aḫbār Ibn ʿĀʾiša Buch der Nachrichten über Ibn ʿĀʾiša Biographische und musikalische Überlieferung zu Ibn ʿĀʾiša. Als Titel überliefert; Bestandteil der Sängerbiographik.
Kitāb aḫbār Ḥunayn al-Ḥīrī Buch der Nachrichten über Ḥunayn al-Ḥīrī Biographische Nachrichten zu Ḥunayn al-Ḥīrī. Als Titel überliefert; weist auf überregionale musikalisch-literarische Erinnerung.
Kitāb Ibn Surayj Buch über Ibn Surayj Nachrichten über einen bedeutenden Sänger der frühen arabischen Musikgeschichte. Als Titel überliefert; wichtig für die Erinnerung an frühe professionelle Sänger.
Kitāb al-Ġarīḍ Buch über al-Ġarīḍ Biographische und musikalische Nachrichten über al-Ġarīḍ. Als Titel überliefert; Teil der personenbezogenen Sängerhistoriographie.
Aġānī Ibn Ǧāmiʿ Lieder Ibn Ǧāmiʿs Liedsammlung beziehungsweise Repertoire zu Ibn Ǧāmiʿ; in moderner Forschung mit Angaben zu Liedtexten und teilweise modaler Information verbunden. In der Forschung zu arabischen Liedsammlungen genannt; genaue Abgrenzung von anderen Titeln und Überlieferungseinheiten bleibt quellenkritisch zu prüfen.

Werkgruppen nach Funktion

Systematische Ordnung der zugeschriebenen Werke
Werkgruppe Zugehörige Titel Funktion im Wissensfeld
Einzelne Sängerinnen und Sänger Kitāb aḫbār ʿAzza al-Maylāʾ, Kitāb Ibn Misjaḥ, Kitāb aḫbār Ibn ʿĀʾiša, Kitāb aḫbār Ḥunayn al-Ḥīrī, Kitāb Ibn Surayj, Kitāb al-Ġarīḍ Bewahrung von Biographien, Liedern, Anekdoten und musikalischem Rang einzelner Personen.
Regionale Sängerinnenkultur Kitāb qiyān al-Ḥiǧāz, Kitāb qiyān Makka Dokumentation weiblicher professioneller Musikpraxis in den heiligen Städten und im Hedschas.
Systematische Musikgeschichtsschreibung Kitāb ṭabaqāt al-muġanniyyīn Ordnung der Sänger nach Rang, Generation oder Schule.
Musiktheorie Kitāb al-naġam wa-l-īqāʿ Begriffliche Arbeit an Melodie, Ton und rhythmischer Struktur.
Geselligkeits- und Adab-Literatur Kitāb al-munādimīn Einbettung von Musik in städtisch-höfische Unterhaltung und literarische Bildung.
Liedsammlung Aġānī Ibn Ǧāmiʿ Repertoirebezogene Sammlung von Liedern eines bestimmten Sängers beziehungsweise Komponisten.

Nicht erhaltene beziehungsweise nur indirekt greifbare Werke

Erhaltungszustand der Werke
Status Beschreibung Folge für die Darstellung
Vollständig erhaltene Werke Derzeit ist kein vollständiges Werk Abū Ayyūb al-Madīnīs allgemein zugänglich nachgewiesen. Der Eintrag darf keine geschlossene Inhaltsanalyse einzelner Bücher behaupten.
Überlieferte Titel Mehrere Titel sind durch bibliographische und spätere musikgeschichtliche Nachweise bekannt. Das Werkverzeichnis muss als Titelliste verlorener oder indirekt greifbarer Schriften verstanden werden.
Indirekte Spuren Einzelne Materialien können in späteren Sammlungen, besonders im Umfeld des Kitāb al-Aġānī, weitergewirkt haben. Die Wirkung ist plausibel, aber für jedes Detail quellenkritisch zu prüfen.
Moderne Rekonstruktion Neuere Forschung rekonstruiert das Wissensfeld aus bibliographischen Angaben, Zitaten und Titelverzeichnissen. Abū Ayyūb al-Madīnī ist vor allem als Knotenpunkt einer verlorenen Musikliteratur wichtig.

Zeittafel

Zeittafel zu Sulaimān ibn Ayyūb ibn Muḥammad Abū Ayyūb al-Madīnī und seinem Umfeld
Zeit / Jahr Ereignis / Kontext Bedeutung
8. Jahrhundert Blüte früher Sängerinnen und Sänger des Hedschas, darunter Figuren wie ʿAzza al-Maylāʾ, Ibn Misjaḥ, Ibn Surayj und al-Ġarīḍ. Diese Personen bilden den Stoff vieler späterer Sängerbiographien und Liedsammlungen.
8./9. Jahrhundert Starke Entwicklung höfischer und städtischer Gesangskultur im islamischen Raum. Gesang wird zu einem Gegenstand von Adab, Biographik, Theorie und sozialer Erinnerung.
9. Jahrhundert Wirkungszeit Abū Ayyūb al-Madīnīs nach vorsichtiger Grundansetzung. Er steht an der Schnittstelle von hedschasischer Musiktradition und gelehrter Sammlungskultur.
9./10. Jahrhundert Entstehung oder Zirkulation spezialisierter Bücher über Sänger, Sängerinnen, Lieder, Melodie und Rhythmus. Die arabische Musikliteratur differenziert sich in Personenbücher, Liedsammlungen und Theorie aus.
10. Jahrhundert Ibn al-Nadīm verzeichnet in seinem Fihrist zahlreiche Autoren und Buchtitel, darunter die Werke Abū Ayyūb al-Madīnīs. Der Fihrist wird zur wichtigsten Quelle für die verlorenen Titel.
10. Jahrhundert Abū l-Faraǧ al-Iṣfahānī kompiliert das Kitāb al-Aġānī. Das Großwerk zeigt, wie ältere Sänger- und Liedüberlieferung in umfassende Kompilationen eingeht.
um 400/1010, unsicher Einige moderne Nachweise setzen Abū Ayyūb al-Madīnī bis in diese Zeit. Diese Angabe zeigt die chronologische Unsicherheit; sie sollte nicht ohne Vorbehalt als gesichertes Todesdatum gelten.
1929 Henry George Farmer veröffentlicht A History of Arabian Music to the XIIIth Century. Abū Ayyūb al-Madīnī wird in der modernen westlichen Musikgeschichtsschreibung als früher Musikschriftsteller sichtbar.
20./21. Jahrhundert Forschung zu Kitāb al-Aġānī, arabischer Musiktheorie, Adab-Literatur und Musikerbiographik wertet ältere Titellisten neu aus. Abū Ayyūb al-Madīnī wird als Teil eines verlorenen, aber rekonstruierbaren Netzwerks arabischer Musikschriftlichkeit verstanden.

Sekundärliteratur

Die Sekundärliteratur zu Sulaimān ibn Ayyūb ibn Muḥammad Abū Ayyūb al-Madīnī ist verstreut. Er wird selten in monographischer Breite behandelt, erscheint aber in Studien zur arabischen Musikgeschichte, zu Ibn al-Nadīms Fihrist, zu Abū l-Faraǧ al-Iṣfahānīs Kitāb al-Aġānī, zur Geschichte der Sängerinnen und Sänger sowie zur vormodernen arabischen Adab-Kultur. Für eine Vertiefung sind daher sowohl musikhistorische als auch arabistische und literaturwissenschaftliche Arbeiten heranzuziehen.

Ausgewählte Sekundärliteratur und Forschungskontexte
Autor / Institution Titel / Gegenstand Nutzen für den Eintrag
Henry George Farmer A History of Arabian Music to the XIIIth Century Zentrale moderne Darstellung der frühen arabischen Musikgeschichte; nennt Abū Ayyūb al-Madīnī, charakterisiert ihn als Kenner des Gesangs und führt die wichtigsten Buchtitel auf.
Ibn al-Nadīm Kitāb al-Fihrist Primäre bibliographische Grundlage für die Titelliste und die Einordnung Abū Ayyūb al-Madīnīs in die Gelehrten- und Musikliteratur.
Bayard Dodge Englische Übersetzung des Fihrist of al-Nadīm Hilfreich für die internationale Forschung und für die englische Nachprüfung der bibliographischen Angaben.
Abū l-Faraǧ al-Iṣfahānī Kitāb al-Aġānī Großes Quellenwerk zur arabischen Lied-, Dichter- und Sängerüberlieferung; wichtig für das weitere Umfeld der von Abū Ayyūb behandelten Personen.
George Sawa Studien zu Musik, Theorie und sozio-kulturellen Anekdoten im Kitāb al-Aġānī Wichtig für Liedsammlungen, modale Angaben, Musikeranekdoten und die Typologie früher arabischer Musikquellen.
Owen Wright Forschungen zur arabischen Musiktheorie und Musikpraxis Grundlegend für Begriffe wie Melodie, Rhythmus, Modus und Theoriegeschichte im islamischen Kulturraum.
Amnon Shiloah Studien zur Musik in der Welt des Islam Kontextualisiert Musik, Gelehrsamkeit, Theorie, Praxis, Quellen und soziale Räume.
Dwight F. Reynolds Arbeiten zur Aufführungskultur, arabischen Literatur und mündlich-musikalischer Überlieferung Hilfreich für das Zusammenspiel von Literatur, Vortrag, Gesang und sozialer Praxis.
Forschung zu den qiyān Studien zu Sängerinnen, Sklavinnen, Höfen, Bildung und Geschlecht im frühen islamischen Kulturraum Erhellt die Bedeutung von Kitāb qiyān al-Ḥiǧāz und Kitāb qiyān Makka.
Forschung zu Adab und Biographik Studien zu Anekdote, Personenwissen, Rangordnung, literarischer Unterhaltung und Gelehrtenkultur Erklärt, warum Musikgeschichte im frühen arabischen Kontext häufig als Biographik und Anekdotensammlung erscheint.
Forschung zu Medina und Mekka im frühen Islam Arbeiten zur hedschasischen Kultur-, Sozial- und Literaturgeschichte Stellt den regionalen Hintergrund bereit, aus dem Abū Ayyūb al-Madīnīs Interesse an Mekka, Medina und dem Hedschas verständlich wird.

Onlinequellen und Recherchewege

Die folgenden Onlinequellen eignen sich für die weitere Recherche. Da die Person leicht mit anderen Trägern der Kunya Abū Ayyūb verwechselt werden kann, empfiehlt sich die Suche stets mit mehreren Formen: Abū Ayyūb al-Madīnī, Abu Ayyub al-Madini, Sulaiman ibn Ayyub ibn Muhammad al-Madini, arabisch أبو أيوب المدني und سليمان بن أيوب بن محمد المدني.

Onlinequellen zu Abū Ayyūb al-Madīnī und seinem Forschungsfeld
Quelle Adresse Nutzen
Internet Archive: Henry George Farmer, A History of Arabian Music https://archive.org/stream/in.ernet.dli.2015.215579/2015.215579.A-History_djvu.txt Volltextzugang zu Farmers Darstellung; enthält den wichtigsten modernen Überblickseintrag mit Namensform, Charakterisierung und Werkverzeichnis.
Digitalisierte PDF-Fassung von Farmers A History of Arabian Music https://ia801504.us.archive.org/5/items/in.ernet.dli.2015.215579/2015.215579.A-History_text.pdf Alternative PDF-Fassung für Seitenprüfung und Zitierarbeit.
Brill: Musical and Socio-Cultural Anecdotes from Kitāb al-Aghānī al-Kabīr https://brill.com/display/title/54291 Verlagsseite zu moderner Forschung über das Kitāb al-Aġānī, Musikeranekdoten und sozio-kulturelle Kontexte.
Dokumen-Pub-Spiegel der Brill-Studie https://dokumen.pub/islamic-history-and-civilization-musical-and-socio-cultural-anecdotes-from-kitb-al-aghn-al-kabr-900438362x-9789004383623.html Durchsuchbarer Text mit Hinweisen auf Abū Ayyūb al-Madīnī, Liedsammlungen und ältere Quellen des Kitāb al-Aġānī.
OpenEdition: Musiker und Sänger in den Badāʾiʿ al-zuhūr https://journals.openedition.org/anisl/1826?lang=en Forschungsartikel mit Überblick über musikbezogene arabische Werke, darunter Ṭabaqāt al-muġannīn von Abū Ayyūb al-Madīnī.
OpenEdition, arabische Ansicht desselben Artikels https://journals.openedition.org/anisl/1826?lang=ar Alternative Sprachfassung beziehungsweise Ansicht für die Recherche nach arabischen Namens- und Werktiteln.
Dokumen-Pub: The Fihrist of al-Nadim https://dokumen.pub/the-fihrist-of-al-nadim-a-tenth-century-survey-of-muslim-culture-vol-2-9780231029254.html Durchsuchbarer Zugang zur englischen Fihrist-Übersetzung; nützlich für Namens- und Titelabgleich.
WorldCat https://search.worldcat.org/ Internationaler Bibliothekskatalog für Ausgaben des Fihrist, des Kitāb al-Aġānī, Farmer, Shiloah, Sawa und weitere Sekundärliteratur.
Open Library https://openlibrary.org/ Rechercheweg zu älteren Ausgaben, Übersetzungen und Digitalisaten arabistischer Musikliteratur.
Internet Archive https://archive.org/ Rechercheweg zu Digitalisaten älterer arabistischer, musikhistorischer und lexikographischer Werke.
Qatar Digital Library https://www.qdl.qa/ Rechercheweg zu arabischen Handschriften, historischen Kontexten, Karten und kulturgeschichtlichen Materialien.
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Kulturgeschichtliche Einordnung

Sulaimān ibn Ayyūb ibn Muḥammad Abū Ayyūb al-Madīnī ist kulturgeschichtlich gerade deshalb bedeutsam, weil seine Werke verloren sind. Er zeigt, dass die erhaltenen Monumente arabischer Musikliteratur nur die Spitze einer größeren Schriftkultur bilden. Hinter Großwerken wie dem Kitāb al-Aġānī standen viele kleinere Spezialbücher: Sängerbiographien, Liedsammlungen, regionale Kataloge, Rangordnungen und theoretische Traktate. Abū Ayyūb al-Madīnī gehört zu dieser verlorenen, aber aus Titeln rekonstruierbaren Schicht.

Seine Titelliste macht sichtbar, dass Musikgeschichte im frühen arabischen Kulturraum personengebunden war. Sängerinnen und Sänger wurden als Träger von Stil, Gedächtnis, sozialem Prestige und Überlieferung verstanden. Die Musik war nicht nur Klang, sondern auch Geschichte: Wer ein Lied sang, in welcher Linie es überliefert wurde, welche Anekdote es begleitete, welche soziale Situation es prägte und wie es in einer Stadt wie Mekka oder Medina erinnert wurde, gehörte zum musikalischen Wissen.

Besonders wichtig ist sein Interesse an Sängerinnen. Die Bücher über die qiyān des Hedschas und Mekkas weisen darauf hin, dass weibliche Musikkultur im frühen Islam ein eigener Gegenstand von Gelehrsamkeit war. Aus heutiger Sicht sind solche Titel wertvoll, weil sie zeigen, dass musikalische Professionalität, Bildung und soziale Stellung von Frauen bereits früh als erinnerungswürdig galten, auch wenn die Texte selbst nur indirekt überliefert sind.

Abū Ayyūb al-Madīnī verbindet außerdem praktische und theoretische Musikperspektiven. Neben biographischen Titeln steht ein Buch über Melodie und Rhythmus. Diese Kombination zeigt, dass vormoderne Musikschriftlichkeit nicht in moderne Fachgrenzen passt. Theorie, Anekdote, Biographie, Literatur, Sozialgeschichte und Aufführungspraxis waren eng miteinander verbunden.

Für ein Kulturlexikon ist Sulaimān ibn Ayyūb ibn Muḥammad Abū Ayyūb al-Madīnī daher eine Schlüsselfigur der indirekten Kulturgeschichte. Er erinnert daran, dass Wissensfelder nicht nur aus erhaltenen Hauptwerken bestehen, sondern auch aus verschwundenen Büchern, bibliographischen Spuren, Titelverzeichnissen und den Fragen, die eine Kultur für sammelwürdig hielt.

Weiterführende Einträge

  • Abbasidische Kultur erschließt den weiteren politischen und kulturellen Rahmen der frühen arabischen Musikliteratur.
  • Abū l-Faraǧ al-Iṣfahānī führt zum Kompilator des Kitāb al-Aġānī, der die ältere Sänger- und Liedüberlieferung monumental sammelte.
  • Adab erklärt die literarisch-gelehrte Bildungskultur, in der Musik, Anekdote, Poesie und Biographik zusammengehören.
  • Aġānī behandelt Liedsammlungen und die Überlieferung von Gesang, Text, Modus und Musikerbiographie.
  • al-Fārābī erschließt die philosophisch-theoretische Musiktradition des 10. Jahrhunderts.
  • al-Ḥiǧāz stellt die Region von Mekka und Medina als religiösen, poetischen und musikalischen Erinnerungsraum dar.
  • al-Ġarīḍ führt zu einer der frühen Sängerfiguren, über die Abū Ayyūb al-Madīnī ein eigenes Buch verfasste.
  • Abū l-Faraǧ al-Iṣfahānī vertieft die spätere Großkompilation arabischer Lied- und Musikerüberlieferung.
  • Arabische Literatur bietet den allgemeinen Kontext von Poesie, Adab, Anekdote und Gelehrtenkultur.
  • Arabische Musik ordnet Abū Ayyūb al-Madīnī in die Geschichte von Gesang, Theorie, Instrumenten und Aufführungspraxis ein.
  • Arabische Musiktheorie führt zu Begriffen wie Melodie, Rhythmus, Modus und mathematisch-philosophischer Klangordnung.
  • Abū Ayyūb al-Madīnī alternative Querverweisform für die Person unter ihrer Kunya.
  • ʿAzza al-Maylāʾ erschließt eine frühe Sängerin, der Abū Ayyūb al-Madīnī ein eigenes Nachrichtenbuch widmete.
  • Biographik erklärt die Bedeutung von Personenwissen, Rangordnung und Lebensnachrichten in der vormodernen Gelehrtenkultur.
  • Fihrist führt zu Ibn al-Nadīms bibliographischem Schlüsselwerk für verlorene arabische Bücher.
  • Gesang stellt die stimmliche Kunstform dar, um die sich Abū Ayyūb al-Madīnīs Schriften gruppieren.
  • Ġināʾ erklärt den arabischen Begriff für Gesang beziehungsweise musikalisch-poetischen Vortrag.
  • Hedschas vertieft den regionalen Raum von Mekka und Medina als Ursprung wichtiger Gesangstraditionen.
  • Ibn al-Nadīm erschließt den Autor des Kitāb al-Fihrist, durch den viele verlorene Werke bekannt sind.
  • Ibn Misjaḥ führt zu einer frühen Sängerfigur, über die Abū Ayyūb al-Madīnī ein eigenes Buch schrieb.
  • Ibn Surayj erschließt einen bedeutenden frühen Sänger der arabischen Musiküberlieferung.
  • Īqāʿ erklärt rhythmische Ordnung und Schlagmuster in der arabischen Musiktheorie.
  • Islamische Kulturgeschichte stellt den größeren historischen Rahmen von Gelehrsamkeit, Stadt, Hof und Kunst dar.
  • Kitāb al-Aġānī führt zu einem zentralen Werk der arabischen Lied-, Sänger- und Literaturgeschichte.
  • Kitāb al-Fihrist ordnet die bibliographische Quelle ein, durch die Abū Ayyūb al-Madīnīs Werke bekannt sind.
  • Liedsammlung erklärt die Sammlung von Liedtexten, Melodien, Modi und Sängertraditionen.
  • Medina erschließt den Herkunftsort Abū Ayyūb al-Madīnīs und einen zentralen hedschasischen Erinnerungsraum.
  • Mekka führt zu einem der Orte, deren Sängerinnenkultur Abū Ayyūb al-Madīnī behandelte.
  • Melodie vertieft den Begriff naġam und seine Bedeutung für arabische Musiktheorie.
  • Musikbiographie erklärt die Darstellung von Musikerleben als Form der Musikgeschichtsschreibung.
  • Musikgeschichtsschreibung ordnet Abū Ayyūb al-Madīnī in die Geschichte der Sammlung, Ordnung und Deutung musikalischer Vergangenheit ein.
  • Musiktheorie führt zu systematischen Begriffen von Ton, Melodie, Rhythmus und Ordnung.
  • Naġam erklärt Ton, Melodie und melodische Gestaltung in arabischen Musikbegriffen.
  • Qiyān erschließt professionelle Sängerinnen und ihre Rolle in Musik, Literatur, Bildung und Gesellschaft.
  • Rhythmus verbindet Abū Ayyūb al-Madīnīs Kitāb al-naġam wa-l-īqāʿ mit allgemeinen Fragen musikalischer Zeitordnung.
  • Sängerbiographik vertieft die arabische Praxis, Musikgeschichte als Geschichte von Sängerinnen und Sängern zu schreiben.
  • Stadtmusik stellt die Verbindung von Musik, Geselligkeit, Markt, Hof und urbaner Erinnerung dar.
  • Überlieferung erklärt, wie verlorene Werke durch Titel, Zitate, Kompilationen und Bibliographien weiterwirken.
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