Kulturlexikon
James Aird d. J.
James Aird d. J., auch James Aird Junior, (* 1750 in Glasgow; begraben am 15. September 1795 ebenda) war ein schottischer Verleger, Musikalienhändler und Kupferstichdrucker. Sein Name ist besonders mit der sechsbändigen Sammlung A Selection of Scotch, English, Irish and Foreign Airs. Adapted to the Fife, Violin, or German-Flute verbunden, einem der wichtigsten Glasgower Druckzeugnisse für Tanz-, Militär-, Lied- und Hausmusik des späten 18. Jahrhunderts.
Kurzdaten
| Name | James Aird d. J. |
|---|---|
| Weitere Namensformen | James Aird Junior, James Aird junr., Jas. Aird, J. Aird. |
| Geboren | 1750 in Glasgow; einzelne moderne Werklisten nennen abweichend eine Taufe am 17. April 1748 im Glasgower Umfeld. |
| Gestorben | Begraben am 15. September 1795 in Glasgow. |
| Beruf | Verleger, Musikalienhändler, Kupferstichdrucker, Verkäufer und Verleiher von Musikinstrumenten sowie Herausgeber von Melodien- und Tanzsammlungen. |
| Wirkungsort | Glasgow, besonders im Umfeld von Candleriggs Street, King Street, New Wynd und dem städtischen Musik- und Buchhandelsmilieu. |
| Tätigkeitszeit | Etwa von den späten 1770er Jahren bis zu seinem Tod 1795; Nachdrucke und Fortsetzungen seiner Platten und Sammlungen erschienen auch nach 1795. |
| Hauptpublikation | A Selection of Scotch, English, Irish and Foreign Airs. Adapted to the Fife, Violin, or German-Flute, ein sechsbändiges Sammelwerk mit Melodien für Fife, Violine oder German Flute. |
| Weitere Drucke | A Favourite Collection of Scots Tunes & Highland Airs, posthum aus Aird-Platten gedruckte Aird’s Reels sowie einzelne Lieddrucke und halbseitige Gesangsdrucke. |
| Instrumentale Zielgruppe | Spieler von Fife, Violine, German Flute, Laienensembles, Militär- und Volunteer Bands, häusliche Musizierkreise und Tanzmusiker. |
| Kulturgeschichtliche Bedeutung | Aird steht für den spätaufklärerischen Musikmarkt Schottlands, in dem gedruckte Melodiensammlungen nationale, regionale, militärische, gesellige und transatlantische Repertoires miteinander verbanden. |
Ausführlicher Kulturüberblick
James Aird d. J. gehört zu denjenigen Musikverlegern, deren Bedeutung weniger in eigener kompositorischer Originalität als in der Sammlung, Ordnung, Vervielfältigung und Zirkulation von Musik liegt. Sein Name steht für eine Phase, in der musikalische Kultur nicht mehr nur durch höfische Patronage, kirchliche Praxis oder mündliche Weitergabe bestimmt war, sondern zunehmend durch gedruckte, handliche und preislich erreichbare Musikhefte. In Glasgow wurde diese Entwicklung besonders wichtig, weil die Stadt im späten 18. Jahrhundert zugleich Handelszentrum, Druckort, städtischer Vergnügungsraum und Knotenpunkt einer aufstrebenden bürgerlichen Musikkultur war.
Airds Hauptleistung liegt in der Herstellung und Verbreitung von Melodiensammlungen für praktische Spieler. A Selection of Scotch, English, Irish and Foreign Airs war nicht als gelehrte Musikedition im modernen Sinn konzipiert, sondern als Gebrauchsdruck. Die Stücke sind für Fife, Violine oder German Flute eingerichtet und konnten dadurch von unterschiedlichen Spielerkreisen verwendet werden. Die Sammlung war zugleich offen für nationale und übernationale Repertoires: schottische Airs, englische Country-Dance-Melodien, irische Tunes, Märsche, Jigs, Reels, Strathspeys, militärische Stücke, populäre Lieder, Theatermelodien und ausländische Weisen stehen nebeneinander.
Kulturgeschichtlich ist gerade diese Mischung entscheidend. Aird betrieb keine romantische Volksliedsammlung im späteren Sinn, die eine reine nationale Ursprünglichkeit rekonstruieren wollte. Seine Drucke zeigen vielmehr, wie Musik im 18. Jahrhundert tatsächlich zirkulierte: durch Tanzpraxis, Militärmusik, Theater, Instrumentalunterricht, Häuslichkeit, Markt, Nachdruck, Bearbeitung und modische Aneignung. „Schottisch“, „englisch“, „irisch“ und „foreign“ sind in Airds Sammlung keine strikt getrennten Nationalräume, sondern Bezeichnungen für Repertoireströme, die in Glasgow zusammenliefen.
Der Musikalienhändler Aird war damit ein Vermittler zwischen mündlicher und schriftlicher Kultur. Viele Melodien hatten ältere oder parallele Überlieferungen; der Druck machte sie jedoch verfügbar, stabilisierte bestimmte Fassungen und ermöglichte ihre Weiterverwendung in anderen Kontexten. Eine Melodie, die in einem Aird-Heft erschien, konnte später von Tänzern, Militärmusikern, Fiddlern, Flötisten, Sammlern, Bearbeitern und Forschern wieder aufgegriffen werden. Aird wurde dadurch zu einem unscheinbaren, aber wichtigen Akteur der musikalischen Erinnerung.
Seine Bedeutung zeigt sich auch daran, dass seine Platten und Drucke nach seinem Tod weiterverwendet wurden. McFadyen, McGoun und andere Glasgower oder britische Händler druckten, ergänzten oder verbreiteten Aird-Material weiter. Damit wurde sein Verlag nicht abrupt durch seinen Tod beendet, sondern ging in eine Nachdruck- und Fortsetzungsgeschichte ein. Aird ist deshalb nicht nur als Person, sondern auch als Name eines Repertoires, einer Druckserie und einer musikalischen Infrastruktur zu verstehen.
Leben und berufliche Stellung
Die biographischen Daten zu James Aird d. J. sind knapper als sein publizistischer Nachlass. Er wurde nach der gängigen lexikalischen Überlieferung 1750 in Glasgow geboren und am 15. September 1795 ebenda begraben. Er bezeichnete sich selbst als James Aird Junior, doch ist die genaue genealogische Einordnung in der Fachliteratur nicht völlig geschlossen. Entscheidend für die Musikgeschichte ist weniger die familiäre Linie als seine Tätigkeit im Glasgower Musik- und Instrumentenhandel.
Aird erscheint ab den späten 1770er Jahren als Musikverleger, Musikalienhändler und Kupferstichdrucker in Glasgow. Seine Geschäftspraxis verband mehrere Tätigkeiten, die im 18. Jahrhundert eng zusammengehörten. Er verkaufte Musikdrucke, bot einzelne Songs und größere Sammlungen an, handelte mit Instrumenten, ließ Kupferplatten stechen, vertrieb Drucke aus eigener Produktion und konnte Instrumente auch monats- oder quartalsweise verleihen. Diese Verbindung von Druck, Handel, Verleih und Instrumentenverkauf war typisch für einen lokalen Musikmarkt, der auf praktische Nachfrage reagieren musste.
Die in älteren Quellen genannten Geschäftsadressen zeigen Airds Einbindung in die städtische Handelswelt. Candleriggs Street, King Street und New Wynd markieren keine bloßen Adressen, sondern ein Milieu von Buchdruck, Musikalienhandel, Kleinhändlern, Theaterpublikum, Tanzmeistern und städtischen Amateuren. Ein Musikgeschäft war dort nicht nur Verkaufsort, sondern Informationsknoten: Neue Lieder, Tänze, Militärmärsche, Instrumente und Lehrmaterialien konnten hier erworben, ausgeliehen und weiterempfohlen werden.
Aird starb 1795. Nach seinem Tod wurden seine Platten offenbar von anderen Glasgower Musikverlegern übernommen und weiterverwendet. Diese Nachgeschichte erschwert in manchen Fällen die bibliographische Trennung zwischen Airds eigener Verlagstätigkeit, späteren McFadyen-Drucken, McGoun-Nachdrucken und Goulding-Ausgaben. Sie ist aber zugleich ein wichtiger Hinweis auf den materiellen Wert der Kupferplatten und auf die Dauerwirkung seines Repertoires.
Glasgow als Musikdruck- und Handelsort
Glasgow war im späten 18. Jahrhundert ein dynamischer urbaner Raum. Handel, Universität, Druckwesen, städtische Vereine, bürgerliche Geselligkeit und wirtschaftliches Wachstum erzeugten ein Publikum für Musikdrucke. Anders als Edinburgh, das stärker mit repräsentativer Hauptstadt-, Verlags- und Aufklärungskultur verbunden war, besaß Glasgow eine besonders ausgeprägte Verbindung von Handelsbürgerlichkeit, praktischer Musikausübung und städtischem Instrumentalbedarf.
Airds Drucke richteten sich an Spielerinnen und Spieler, die verwendbare Melodien suchten. Die Besetzungsangabe Fife, Violin, or German-Flute zeigt dieses pragmatische Denken. Ein einzelner Melodiedruck konnte von Militärpfeifern, Geigern, Flötisten und häuslichen Amateuren genutzt werden. Der Druck war also bewusst nicht auf einen exklusiven Instrumentaltyp festgelegt, sondern auf Austauschbarkeit und Gebrauchsfähigkeit angelegt.
Die Zielgruppe lässt sich auch aus dem Repertoire erschließen. Reels, Strathspeys, Country Dances, Märsche, Jigs, Airs und bekannte Lieder gehören zu Musikformen, die in Gesellschaft, Tanz, Regiment, Hausmusik und informeller Unterhaltung gebraucht wurden. Aird lieferte dafür ein Repertoire, das nicht streng nach Kunst- und Volksmusik trennte. Gerade darin liegt seine kulturhistorische Aussagekraft: Die Musik der Zeit bewegte sich zwischen Druck, Ohr, Tanzboden, Straße, Theater und Wohnzimmer.
Aird’s Selection of Scotch, English, Irish and Foreign Airs
A Selection of Scotch, English, Irish and Foreign Airs. Adapted to the Fife, Violin, or German-Flute ist Airds bekannteste Publikation. Das Werk erschien in mehreren Bänden und Ausgaben; die Datierung der Einzelbände ist wegen undatierter Titelblätter, späterer Nachdrucke und Verlegerwechsel nicht immer einfach. Der erste Band wird meist um 1782 angesetzt, in Teilen der älteren Forschung auch früher, während spätere Bände und Nachdrucke bis in die Zeit nach Airds Tod reichen.
Die Sammlung war als handliches Melodienrepertoire gedacht. Sie enthält überwiegend einstimmige Melodien ohne Bass, in späteren Teilen auch Duette. Die Stücke sind nicht als ausgearbeitete Kunstkompositionen im Konzertsinne notiert, sondern als Melodiegerüst für praktische Aufführung. Ein Spieler konnte daraus tanzen lassen, marschieren, häuslich musizieren, ein Lied begleiten oder eine Melodie in eigener Weise verzieren.
Besonders bemerkenswert ist die Breite des Materials. Neben schottischen und irischen Airs erscheinen englische Country-Dance-Melodien, Militärmärsche, Theater- und Liedweisen, kontinentale Melodien sowie transatlantische Stücke. In der Forschung ist wiederholt darauf hingewiesen worden, dass der erste Band eine frühe gedruckte Fassung von Yanky Doodle enthält. Diese Tatsache macht Aird auch für die Geschichte amerikanischer und britisch-atlantischer Melodieüberlieferung interessant.
Die Bände waren nicht nur musikalische Sammlungen, sondern auch kulturelle Ordnungsinstrumente. Durch die Druckform wurden Melodien nummeriert, benannt, nebeneinandergestellt und einer instrumentalen Praxis zugeführt. Was vorher lokal, mündlich, handschriftlich oder situativ kursieren konnte, wurde in eine käufliche Sammlung überführt. Dadurch erhielt Airds Name eine dauerhafte Bedeutung für Sammler, Fiddler, Flötisten, Militärmusikforscher, Tanzhistoriker und Editionsphilologen.
Druckpraxis, Platten, Nachdrucke und Nachfolge
Airds Verlagsarbeit beruhte auf Kupferstich und Plattenproduktion. Diese Technik machte Musikdrucke möglich, die klar, handlich und wiederverwendbar waren. Zugleich besaßen die Platten einen materiellen Wert. Nach Airds Tod konnten sie verkauft, erneut abgezogen, ergänzt oder mit neuen Titelblättern versehen werden. Deshalb erscheinen Aird-Drucke in unterschiedlichen bibliographischen Zuständen: mit Airds eigenem Namen, mit McFadyen, mit McGoun, mit späteren Glasgower oder Londoner Nachdrucken und mit teilweise veränderten Titelblättern.
Diese Nachdruckgeschichte ist kein bloßes bibliographisches Detail. Sie zeigt, wie Musik im 18. und frühen 19. Jahrhundert wirtschaftlich zirkulierte. Ein einmal gestochenes Repertoire blieb nutzbar, solange Nachfrage bestand. Musikverleger arbeiteten nicht nur mit neuen Kompositionen, sondern mit Plattenbeständen, Repertoireübernahmen und Wiederverwertung. Airds Sammlung blieb deshalb über den Tod ihres ursprünglichen Herausgebers hinaus im Umlauf.
Besonders wichtig ist die Rolle von J. McFadyen und A. McGoun beziehungsweise MacGoun. Beide stehen in der Nachgeschichte von Airds Platten und Sammlungen. McFadyen setzte Teile der Selection fort oder druckte sie neu; McGoun erscheint bei A Favourite Collection of Scots Tunes & Highland Airs und bei den posthum greifbaren Aird’s Reels. Die spätere Zuschreibung solcher Drucke verlangt daher bibliographische Vorsicht: Nicht jeder Druck mit Aird-Bezug ist zu Lebzeiten Airds erschienen, aber viele beruhen auf seinem Verlags- und Plattenbestand.
Repertoireprofil: Airs, Reels, Märsche und transatlantische Melodien
Airds Repertoire ist ein Spiegel der spätachtzehnten Jahrhundertkultur. Der Begriff Air verweist auf singbare Melodien und Liedweisen; Reel und Strathspey verweisen auf schottische Tanzpraxis; March und Quick Step auf Militär- und Volunteer-Kultur; Jig und Country Dance auf gesellige Bewegung; irische und englische Stücke zeigen die überregionale Zirkulation der britischen Inseln; „foreign airs“ verweisen auf modische und kontinentale Erweiterungen.
Besonders die Fife-Ausrichtung ist kulturgeschichtlich aufschlussreich. Die Fife war mit militärischer Signal- und Marschpraxis verbunden, konnte aber auch im populären und häuslichen Kontext erscheinen. Dass dieselbe Sammlung für Fife, Violine oder German Flute gedacht war, zeigt eine Musikpraxis, in der Melodien wichtiger waren als spezifische Instrumentalfarben. Die Melodie war das transportable Element; das Instrument passte sich dem verfügbaren Spieler und Anlass an.
Die Sammlung besitzt außerdem Bedeutung für die Traditionsbildung von Melodien. Viele Tunes sind in späteren Sammlungen, Fiddle-Traditionen, Irish-Music-Verzeichnissen, Militärmusikquellen oder nordamerikanischen Kontexten wiederzufinden. Aird ist deshalb ein Quellenname. Wer die Geschichte einer Melodie verfolgt, stößt bei bestimmten Stücken auf Aird als frühen Druckzeugen, als Vergleichsfassung oder als Bindeglied zwischen älterer Überlieferung und späterer Popularisierung.
Druck- und Werkverzeichnis
James Aird d. J. war vor allem Verleger, Herausgeber und Musikalienhändler. Ein „Werkverzeichnis“ ist deshalb nicht als Komponistenkatalog, sondern als Verzeichnis seiner nachweisbaren Drucke, Sammlungen, Verlagsreihen, Nachdruckkomplexe und Aird zugeschriebenen oder aus Aird-Platten hervorgegangenen Publikationen zu verstehen. Die Einzeltitel einzelner Tunes werden nicht vollständig ausgeschrieben, weil schon die sechsbändige Selection über tausend Melodien enthält; vollständig erfasst werden hier die nachweisbaren Druckkomplexe und ihre bibliographisch relevanten Bestandteile.
Hauptsammlung: A Selection of Scotch, English, Irish and Foreign Airs
| Gesamttitel | A Selection of Scotch, English, Irish and Foreign Airs. Adapted to the Fife, Violin, or German-Flute; Hauptsammlung Airds und wichtigstes Druckzeugnis seines Verlags. |
|---|---|
| Gesamtumfang | Sechs Bände; IMSLP gibt für die Bände 1 bis 5 je 200 Stücke und für Band 6 180 Stücke an, insgesamt also 1180 Stücke; der Scottish Music Index zählt in seinen Detailnachweisen 197, 190, 196, 194, 199 und 178 Tunes. |
| Besetzung | Für Fife, Violine oder German Flute eingerichtet; überwiegend einstimmige Melodien, im sechsten Band auch Duette beziehungsweise zweistimmige Stücke. |
| Band 1 | A Selection of Scotch, English, Irish and Foreign Airs, Glasgow, James Aird, undatiert, meist um 1782 angesetzt; enthält unter anderem frühe Druckfassungen schottischer, englischer, irischer, militärischer und transatlantischer Melodien. |
| Band 2 | A Selection of Scotch, English, Irish and Foreign Airs, Glasgow, James Aird, undatiert, um 1782 beziehungsweise im weiteren Überlieferungskomplex auch in späteren Nachdrucken; dem Volunteer- und Defensive-Bands-Kontext gewidmet. |
| Band 3 | Aird’s Selection of Scotch, English, Irish and Foreign Airs, in späteren Nachweisen mit J. McFadyen und Datierungen um 1788 beziehungsweise 1795 verbunden; Teil der Nachdruck- und Fortsetzungsgeschichte des Aird-Repertoires. |
| Band 4 | A Selection of Scotch, English, Irish and Foreign Airs, in Nachweisen mit J. McFadyen und Datierungen um 1794 beziehungsweise später verbunden; enthält weiteres Tanz-, Marsch- und Liedmaterial. |
| Band 5 | Selection of Scotch, English, Irish and Foreign Airs, in Nachweisen meist posthum beziehungsweise im McFadyen-Komplex greifbar, um 1797 bis 1801; Teil der erweiterten Aird-Serie. |
| Band 6 | Aird’s 6th and Last Volume of Scotch English, Irish and Foreign Airs adapted for the Fife, Violin, or German-Flute, Glasgow, A. MacGown beziehungsweise MacGoun junior, undatiert, posthum; enthält neben Einzellinien auch Duette. |
| Widmung | Die Bände 2 bis 5 werden in modernen Nachweisen mit der Widmung an die Volunteer and Defensive Bands of Great Britain and Ireland verbunden. |
| Bibliographische Besonderheit | Die Sammlung liegt in mehreren Ausgaben, Nachdrucken und unvollständigen Exemplaren vor; Titelblätter fehlen teilweise, spätere Drucke verwenden Aird-Platten oder Aird-Repertoire unter neuen Verlegernamen. |
Weitere nachweisbare Aird-Drucke und Aird-Komplexe
| A Favourite Collection of Scots Tunes & Highland Airs | A Favourite Collection of Scots Tunes & Highland Airs &c For the Violin or German Flute With a Bass for the Violoncello or Harpsichord By W. McGibbon J. Oswald & others. Book 1st; auf dem Titelblatt bei A. McGoun in Glasgow gedruckt, aber mit laufendem Titel J. Aird’s Scots Tunes und erkennbarer Aird-Plattennachgeschichte. |
|---|---|
| Aird’s Reels | Aird’s Reels, posthumer Druck aus dem McGoun-Komplex, um 1804; in der Anlage und im Layout mit A Favourite Collection verwandt, mit einfachem Bass und charaktervollem Reel-Repertoire. |
| The Surprise | The Surprise, beginnend mit „Tither morn when I forlorn“, ein schottischer Song für Stimme und Harpsichord oder Gitarre; in modernen Werklisten als Aird-Druck um 1780 nachgewiesen. |
| Old Leo | Old Leo, a favourite song in memory of the glorious year 1759, für Stimme und Harpsichord oder Gitarre; als Einzel- oder Halbblattdruck des Aird-Verlags um 1780 genannt. |
| Britannia’s Call | Britannia’s Call, a favourite new song, nach der Melodie „Come then all ye social powers“, für Stimme und Harpsichord mit beziffertem Bass, Chor und zusätzlicher Flötenfassung; Aird-Druck um 1780. |
| The British Grenadiers | The British Grenadiers, beginnend mit „Some talk of Alexander“, für Stimme, dreistimmigen Chor und Harpsichord mit beziffertem Bass sowie Gitarrenfassung; Aird-Druck um 1780. |
| Aileen Aroon | Aileen Aroon, a favourite Irish song, für Stimme und Harpsichord; als Aird-Einzelblattdruck um 1780 genannt und zugleich Teil der weiteren britisch-irischen Liedüberlieferung. |
| The Broom on Cowdenknows | The Broom on Cowdenknows, beginnend mit „When summer comes“, für Stimme und Harpsichord oder Gitarre; mit Sadler’s-Wells-Bezug und Aird-Junior-Impressum um 1785 genannt. |
| Johnny and Jenny | Johnny and Jenny, a favourite Scots song, für Stimme und Harpsichord sowie Fassungen für Flöte und Gitarre; in modernen Werklisten als Aird-Druck um 1785 genannt. |
| Bess the Gawkie | Bess the Gawkie, beginnend mit „Blyth young Bess to Jean did say“, ein schottischer Song für Stimme und Harpsichord oder Gitarre; als Aird-Druck um 1790 nachgewiesen. |
| Halbblatt-Songs und Einzelairs | Ältere bibliographische Nachweise nennen weitere halbe Notenblätter und Einzelairs, darunter Titel wie „Jamie O’ the Glen“, „The Sow’s tail to Geordie“ und „What a beau my grannie was“; diese Stücke dokumentieren Airds Tätigkeit als praktischer Lied- und Musikalienverleger. |
| Instrumenten- und Musikalienangebot | Neben Drucken bot Aird Musikinstrumente und musikalische Verbrauchsgüter an; ältere Quellen nennen unter anderem Violinen, German Flutes, Common Flutes, Fifes, Spinette, Oboen, Pianofortes, French Horns, Klarinetten, Songs, Papier und Schreibmaterialien. |
Ausgewählte Repertoiretypen innerhalb der Selection
| Scotch Airs | Schottische Lied- und Instrumentalmelodien, die zwischen Volkslied, Tanz, Fiddle-Repertoire und häuslichem Spiel zirkulieren. |
|---|---|
| Irish Airs | Irische Melodien, die Airds Sammlung in ein größeres Repertoire der britischen Inseln einbinden. |
| English Airs | Englische Lieder, Country-Dance-Melodien und populäre Weisen, die in der Sammlung neben schottischem und irischem Material stehen. |
| Foreign Airs | Ausländische oder als fremd bezeichnete Melodien, die den international offenen Charakter des Repertoires zeigen. |
| Reels | Schottische Tanzmelodien mit besonderer Bedeutung für Fiddle- und Tanzpraxis. |
| Strathspeys | Schottische Tanzform mit charakteristischen rhythmischen Gesten, in Airds Umfeld besonders wichtig für die nationale Tanzmusik. |
| Jigs | Lebhafte Tanzstücke, häufig in britisch-irischer Praxis verbreitet und für verschiedene Melodieinstrumente geeignet. |
| Marches | Militär- und Volunteer-Band-Repertoire, passend zur Widmung einzelner Bände an Volunteer and Defensive Bands. |
| Quick Steps | Schnelle Marsch- oder militärnahe Stücke, die Airds Sammlung für Fife- und Regiment-Praxis besonders anschlussfähig machen. |
| Country Dances | Gesellige Tanzmelodien, die den städtischen und häuslichen Gebrauch der Sammlung unterstreichen. |
| Transatlantische Melodien | Stücke wie Yanky Doodle und weitere amerikanisch oder kolonial konnotierte Weisen zeigen, dass Airds Glasgow in einen atlantischen Repertoireaustausch eingebunden war. |
Rezeption und kulturgeschichtliche Bedeutung
Airds Nachwirkung beruht vor allem auf seiner Funktion als Quellenname. Für die Forschung zur schottischen, irischen und englischen Tanzmusik, zur Fiddle-Tradition, zur Militärmusik, zur frühen amerikanischen Melodieüberlieferung und zur Geschichte des Musikdrucks ist Aird weniger eine Person als ein bibliographisches Kürzel geworden. Wer nach frühen Druckzeugen für einzelne Tunes sucht, findet in Airds Selection eine der großen Sammelstellen des späten 18. Jahrhunderts.
Die Sammlung wurde in späteren Jahrhunderten von Sammlern wie John Glen, von Volksmusikforschern, von Fiddle-Spielern, von Irish-Music-Verzeichnissen und von historischen Aufführungspraktikern ausgewertet. Ihre Bedeutung liegt nicht darin, dass Aird alle Stücke erfunden hätte. Im Gegenteil: Der Wert der Sammlung liegt gerade darin, dass sie übernommene, kursierende und praktische Melodien in einer bestimmten historischen Druckgestalt festhält.
Besondere Aufmerksamkeit fand Aird wegen Yanky Doodle. Die Forschung hat wiederholt darauf verwiesen, dass Airds erster Band zu den frühesten bekannten Druckzeugen dieser Melodie gehört. Auch wenn die Herkunft des Stücks komplex ist und nicht auf Aird reduziert werden darf, zeigt dieser Fall, wie stark britische, schottische, amerikanische und militärische Melodiewege im 18. Jahrhundert miteinander verflochten waren.
Für die Kulturgeschichte Schottlands ist Aird außerdem deshalb wichtig, weil seine Drucke vor der nationalromantischen Kanonisierung liegen. Sie dokumentieren ein lebendiges Repertoire, bevor es durch spätere Sammlungen, Bearbeitungen und Identitätspolitiken stärker geordnet wurde. Aird zeigt eine Musiklandschaft, in der Nationales, Lokales, Militärisches, Geselliges und Kommerzielles noch unmittelbar nebeneinanderstehen.
Sekundärliteratur
- Frank Kidson: British Music Publishers, Printers and Engravers. London, Provincial, Scottish, and Irish. London 1900.
- John Glen: Early Scottish Melodies. Edinburgh 1900.
- John Glen: The Glen Collection of Scottish Dance Music. Edinburgh, späte 19. Jahrhundertausgabe.
- David Johnson: Scottish Fiddle Music in the 18th Century. A Music Collection and Historical Study. Edinburgh.
- David Johnson: Music and Society in Lowland Scotland in the Eighteenth Century. London.
- Mary Anne Alburger: Scottish Fiddlers and Their Music. Edinburgh.
- Charles Gore: The Scottish Fiddle Music Index. Verzeichnis- und Datenbankarbeit zur schottischen Fiddle- und Drucküberlieferung.
- Francis Collinson: The Traditional and National Music of Scotland. London.
- Alburger, Mary Anne: Studien zur schottischen Musikpraxis, zum Fiddle-Repertoire und zur Drucküberlieferung des 18. Jahrhunderts.
- Matthew Gelbart: The Invention of Folk Music and Art Music. Emerging Categories from Ossian to Wagner. Cambridge.
- William Donaldson: The Highland Pipe and Scottish Society 1750–1950. East Linton.
- Patrick Weston Joyce: Old Irish Folk Music and Songs. London 1909.
- Edward Bunting: A General Collection of the Ancient Irish Music. London 1796.
- Samuel P. Bayard: Studien zur anglo-amerikanischen, schottischen und irischen Melodieüberlieferung.
- Frank Kidson: „Some Guesses about Yankee Doodle“. In: The Musical Quarterly, 1917.
- Kate Van Winkle Keller: Studien zur amerikanischen Tanz- und Fife-Musik des 18. Jahrhunderts.
- Raoul F. Camus: Military Music of the American Revolution. Chapel Hill.
- David Hunter: Studien zum britischen Musikdruck, Musikalienhandel und Notenmarkt des 18. Jahrhunderts.
- RISM: gedruckte und handschriftliche Quellenverzeichnisse zu Aird, seinen Nachdrucken und verwandten Sammlungen.
- National Library of Scotland: Glen Collection und digitale Quellen zur schottischen Musiküberlieferung.
Onlinequellen
- https://www.hms.scot/prints/author/15/ Historical Music of Scotland, Autorenseite zu James Aird mit Kurzbiographie und nachgewiesenen Druckquellen.
- https://www.hms.scot/prints/source/23/ Historical Music of Scotland zur Selection of Scotch, English, Irish and Foreign Airs mit Titel, Verlag, Datierung, Notizen und Bibliotheksnachweisen.
- https://www.hms.scot/prints/source/24/ Historical Music of Scotland zu A Favourite Collection of Scots Tunes & Highland Airs und zur Aird-Plattennachgeschichte bei McGoun.
- https://www.hms.scot/prints/source/25/ Historical Music of Scotland zu Aird’s Reels, einem posthumen Druck aus dem McGoun-Komplex.
- https://www.scottishmusicindex.org/sources.asp?id=1&intent=details Scottish Music Index zu James Aird und den sechs Bänden der Selection mit Tune-Zählungen.
- https://imslp.org/wiki/A_Selection_of_Scotch%2C_English%2C_Irish_and_Foreign_Airs_(Aird%2C_James) IMSLP-Seite zur sechsbändigen Selection mit Digitalisaten, Bandangaben, Umfang, Verlegerinformationen und Besetzungsangaben.
- https://rism.online/sources/991012434 RISM-Nachweis zu A Selection of Scotch, English, Irish and Foreign Airs.
- https://archive.org/details/selectionofscotc02rugg Internet-Archive-Digitalisat aus der National Library of Scotland zu einem Band der Selection.
- https://archive.org/stream/cu31924021638402/cu31924021638402_djvu.txt Volltext von Frank Kidsons British Music Publishers, Printers and Engravers mit Abschnitt zu James Aird, McFadyen und McGoun.
- https://www.mgg-online.com/articles/mgg00180/1.0/mgg00180 MGG-Online-Artikel zu James Aird d. J.; je nach Zugang nur eingeschränkt sichtbar.
- https://composers-classical-music.com/a/AirdJames.htm Werklistenartige Übersicht zu Aird mit einzelnen Lieddrucken und Publikationshinweisen; als Hilfsquelle mit Vorsicht zu verwenden.
- https://marble.nd.edu/item/4e5a68ad-acf0-4421-b452-bb5f696f5dee Hesburgh Libraries, University of Notre Dame, Nachweis zu einer gebundenen Sammlung von Scotch, English, Irish & foreign airs.
- https://catalogue.nli.ie/Record/vtls000370742 National Library of Ireland, Katalogeintrag zu Airds Selection.
- https://www.cdss.org/elibrary/Easmes/Indexes/IndxgIC.htm Early American Secular Music and Its European Sources mit bibliographischen Hinweisen zu den Aird-Bänden als Quellen amerikanischer und britischer Tanzmusik.
- https://tunearch.org/wiki/Annotation%3AYankee_Doodle_Dandy Traditional Tune Archive zu Yankee Doodle mit Hinweis auf Airds Selection als frühen Druckzeugen.
- https://www.jstor.org/stable/738006 Frank Kidsons Aufsatz „Some Guesses about Yankee Doodle“ in The Musical Quarterly; Zugriff je nach Institution eingeschränkt.
- https://soundyngs.wp.st-andrews.ac.uk/2022/flute-music-in-the-atholl-collection-military-echoes/ St-Andrews-Beitrag zur Fife- und Flötenmusik in Sammlungen wie Aird, besonders mit Blick auf Militär- und Volunteer-Repertoire.
- https://rism.info/ Répertoire International des Sources Musicales, zentrale Rechercheplattform für Musikdrucke und Handschriften.
- https://digital.nls.uk/ Digital Collections der National Library of Scotland, wichtig für schottische Musikdrucke und die Glen Collection.
- https://www.itma.ie/ Irish Traditional Music Archive, hilfreich für die Weiterverfolgung irischer Tunes, die auch in Airds Sammlung erscheinen.
Weiterführende Einträge
- Schottische Musik Übergreifender Kontext für Airds Airs, Reels, Strathspeys und Glasgower Druckkultur.
- Irische Musik Repertoirebereich, der in Airds Sammlung neben schottischen, englischen und ausländischen Melodien prominent vertreten ist.
- Englische Tanzmusik Kontext für Country Dances, Jigs und populäre Melodien innerhalb der Aird-Bände.
- Air Begriff für singbare Melodie oder Liedweise, zentral für Airds Sammlungstitel und Repertoireordnung.
- Reel Schottisch-irische Tanzform, die in Airds Repertoire und in späteren Fiddle-Traditionen eine zentrale Rolle spielt.
- Strathspey Charakteristische schottische Tanzform mit markanter Rhythmik, wichtig für die nationale Tanzmusik des 18. Jahrhunderts.
- Jig Lebhafte Tanzform der britisch-irischen Musik, häufig in praktischen Melodiensammlungen vertreten.
- Country Dance Gesellige Tanzform, deren Melodien im 18. Jahrhundert intensiv gedruckt und verbreitet wurden.
- Marsch Militärische und zeremonielle Melodieform, wichtig für Fife-, Volunteer- und Defensive-Band-Repertoire.
- Fife Kleine Querflöte der Militär- und Marschpraxis, ausdrücklich als Zielinstrument von Airds Hauptsammlung genannt.
- Violine Zentrales Melodieinstrument für Tanz-, Haus- und Fiddle-Musik in Airds Repertoire.
- German Flute Historische Bezeichnung für die Querflöte, neben Fife und Violine eines der Zielinstrumente der Aird-Sammlung.
- Fiddle Praxisbegriff für volkstümliches und tanzbezogenes Geigenspiel, für das Aird wichtige frühe Druckzeugen liefert.
- Musikverlag Institutioneller Rahmen von Airds Tätigkeit als Produzent, Verkäufer und Verbreiter gedruckter Musik.
- Musikalienhandel Handelsform, in der Notendruck, Instrumentenverkauf, Verleih und städtische Musiknachfrage zusammenkamen.
- Kupferstich Drucktechnik, die für die Herstellung und spätere Wiederverwendung von Airds Musikplatten entscheidend war.
- Glasgow Schottischer Handels- und Druckort, der Airds Tätigkeit als Musikverleger und Musikalienhändler ermöglichte.
- John Glen Sammler und Forscher, dessen Arbeit für die spätere Einordnung schottischer Musikdrucke wie Aird bedeutsam ist.
- Frank Kidson Musikhistoriker und Sammler, wichtig für die ältere Erforschung britischer Musikverleger und von Yankee Doodle.
- Yankee Doodle Transatlantische Melodie, deren frühe Drucküberlieferung mit Airds erster Selection verbunden ist.
- Militärmusik Repertoire- und Funktionsbereich von Märschen, Quick Steps, Fife-Musik und Volunteer-Band-Drucken.
- Hausmusik Bürgerliche und häusliche Musizierpraxis, für die Airds handliche Melodiensammlungen besonders geeignet waren.
- Volksliedüberlieferung Feld zwischen mündlicher Tradition, Druck, Sammlung und späterer nationaler Kanonbildung.
- Robert Burns Schottischer Dichter, dessen Lied- und Melodienkontexte mit der Druckkultur des späten 18. Jahrhunderts verbunden sind.
- James Johnson Schottischer Musikstecher und Verleger, wichtig für die Druckkultur um Burns, Aird und das Scots Musical Museum.
- Joseph McFadyen Glasgower Musikverleger, der in der Nachdruck- und Fortsetzungsgeschichte von Airds Platten und Sammlungen erscheint.
- Archibald McGoun Glasgower Musikverleger und Nachdrucker, wichtig für A Favourite Collection und Aird’s Reels.