Johann Friedrich Agricola (Pseudonym: Flavio Anicio Olibrio)

Komponist · Musiker · Dirigent · Organist · Sänger · Publizist · Musikschriftsteller · Bach-Schüler · Berliner Hofkomponist · Erste Berliner Liederschule · Dobitschen 1720 – Berlin 1774

Johann Friedrich Agricola, geboren am 4. Januar 1720 in Dobitschen bei Altenburg und gestorben am 2. Dezember 1774 in Berlin, war ein deutscher Komponist, Musiker, Dirigent, Organist, Sänger, Publizist und Musikschriftsteller. Er gehört zu den kulturgeschichtlich besonders aufschlussreichen Figuren des mittleren 18. Jahrhunderts, weil seine Laufbahn mehrere zentrale Musikräume verbindet: die Leipziger Bach-Schule, das Dresdner Hasse-Milieu, die Berliner Hofoper Friedrichs II., die Erste Berliner Liederschule, die Musikpublizistik der Aufklärung und die Quellenüberlieferung Johann Sebastian Bachs. Als Komponist schrieb er Opern, Serenaten, Kantaten, Lieder, geistliche Werke und Tastenmusik; als Schriftsteller wurde er vor allem durch seine 1757 erschienene deutsche Bearbeitung von Pier Francesco Tosis Opinioni de’ cantori antichi e moderni unter dem Titel Anleitung zur Singkunst bekannt.

Überblick

Johann Friedrich Agricola ist eine doppelt profilierte Figur: Einerseits war er praktischer Musiker, Komponist, Sänger, Organist und Dirigent; andererseits gehörte er zu den wichtigen Musikschriftstellern der Berliner Aufklärung. Er war kein isolierter Spezialist, sondern stand an mehreren Kreuzungspunkten: Er studierte in Leipzig bei Johann Sebastian Bach, wechselte nach Berlin, wurde dort durch Johann Joachim Quantz beraten, trat in den Kreis um Friedrich II. ein, schrieb italienische Opern für die Hofbühne und beteiligte sich zugleich an musikästhetischen Debatten.

Sein Ruhm als Komponist blieb im Vergleich zu Hasse, Graun, Telemann, Carl Philipp Emanuel Bach oder später Mozart begrenzt. Dennoch ist sein Werk kulturgeschichtlich bedeutend, weil es den Berliner Geschmack um die Mitte des 18. Jahrhunderts exemplarisch zeigt. Agricola komponierte Opern nach italienischem Muster, geistliche Kantaten, Lieder und Canzonetten, einzelne Tastenwerke und Arien. In seinen Bühnenwerken verbindet sich die Hasse-Graun-Tradition der Opera seria mit dem besonderen Hofgeschmack Friedrichs II., der italienische Gesangskultur, klare Arienform und höfische Repräsentation bevorzugte.

Dauerhafter als viele seiner Kompositionen wirkte Agricolas schriftstellerische Tätigkeit. Die Anleitung zur Singkunst von 1757 ist keine bloße Übersetzung Tosis, sondern eine kommentierende, erklärende und aktualisierende Bearbeitung. Sie wurde zu einer der wichtigsten deutschsprachigen Quellen zur Gesangsästhetik, Gesangstechnik, Verzierungspraxis und Aufführungskultur des 18. Jahrhunderts. Hinzu kommen Streitschriften unter dem Pseudonym Flavio Anicio Olibrio, die Beteiligung am Bach-Nekrolog von 1754, die Pisendel-Biographie und die Bearbeitung beziehungsweise Kommentierung von Adlungs Musica mechanica organoedi.

Kurzdaten

Name Johann Friedrich Agricola
Weitere Namensform Johann Friedrich Agrikola
Pseudonym Flavio Anicio Olibrio, kurz auch Olibrio
Geburtsdatum 4. Januar 1720
Geburtsort Dobitschen bei Altenburg
Sterbedatum 2. Dezember 1774
Sterbeort Berlin
Vater Johann Christoph Agricola, fürstlich-altenburgischer Kammeragent und Gerichtsdirektor in Dobitschen
Mutter Maria Magdalena Agricola, geborene Mancke beziehungsweise Mauke, aus Giebichenstein
Ehe Seit 19. Juli 1751 mit Benedetta Emilia Molteni, Opernsängerin
Kind Sophia Augusta Amalia Agricola, geboren 1755
Ausbildung Privatunterricht, Klavier- und Orgelspiel bei Paul Martini; ab 1738 Studium in Leipzig; dort Schüler Johann Sebastian Bachs im Orgelspiel und in der Komposition
Berliner Lehrer und Berater Johann Joachim Quantz; außerdem prägend: Johann Adolf Hasse, Carl Heinrich Graun, Georg Philipp Telemann und Georg Friedrich Händel als kompositorische Studienmodelle
Ämter Seit 1751 Kammermusiker und Hofkomponist Friedrichs II.; seit 1759 Dirigent der königlichen Kapelle, jedoch ohne offiziellen Hofkapellmeistertitel
Hauptgattungen Oper, festa teatrale, Intermezzo, Serenata, Kantate, Kirchenmusik, Lied, Canzonetta, Cembalosonate, Arie, Musikschrift, Übersetzung, Kommentar, Biographie, Polemik
Wichtigste Schrift Anleitung zur Singkunst, Berlin 1757, deutsche Bearbeitung und Kommentierung von Pier Francesco Tosis Opinioni de’ cantori antichi e moderni
Kulturgeschichtliche Bedeutung Agricola verbindet Leipziger Bach-Tradition, Berliner Hofoper, Dresdner Hasse-Rezeption, aufgeklärte Musikpublizistik, Gesangstheorie und Quellenüberlieferung des 18. Jahrhunderts.

Quellenlage, Namensformen und Pseudonym

Die Quellenlage zu Johann Friedrich Agricola ist deutlich besser als bei vielen kleineren Komponisten des 18. Jahrhunderts, aber sie ist dennoch kompliziert. Die biographischen Grunddaten sind stabil: Geburt am 4. Januar 1720 in Dobitschen, Tod am 2. Dezember 1774 in Berlin, Leipziger Studium ab 1738, Bach-Schülerschaft, Berliner Tätigkeit, Ehe mit Benedetta Emilia Molteni und Stellung als Hofkomponist beziehungsweise Dirigent der königlichen Kapelle. Diese Daten werden durch die Sächsische Biografie, die Deutsche Biographie, Bach Digital und ältere Lexika bestätigt.

Komplizierter ist die Werküberlieferung. Agricola schrieb ein erhebliches Œuvre, doch vieles ist handschriftlich überliefert, nur als Libretto, Drucknachweis oder Quellenkatalog greifbar oder in Sammeldrucken verstreut. Die heutige Forschung verdankt besonders der Arbeit von A. L. Frampton eine neue Grundlage, weil dort die bekannten musikalischen Quellen kritisch gesichtet und in einem Agricola-Werke-Verzeichnis zusammengeführt wurden.

Das Pseudonym Flavio Anicio Olibrio gehört vor allem zu Agricolas polemischer Publizistik der späten 1740er Jahre. Unter diesem Namen beteiligte er sich an Debatten über Musikgeschmack, italienische und französische Stilfragen, Kritik und Musikästhetik. Der Pseudonymgebrauch ist kulturgeschichtlich aufschlussreich, weil er zeigt, dass Musikdebatten im Berlin der Aufklärung nicht nur sachlich, sondern auch literarisch, ironisch und polemisch geführt wurden.

Biographie

Johann Friedrich Agricola wurde am 4. Januar 1720 in Dobitschen bei Altenburg geboren. Sein Vater Johann Christoph Agricola war fürstlich-altenburgischer Kammeragent und Gerichtsdirektor, seine Mutter Maria Magdalena stammte aus der Familie Mancke beziehungsweise Mauke in Giebichenstein. Die Familie gehörte damit zu einem gebildeten, administrativ geprägten Milieu, aus dem ein Studienweg und eine musikalische Laufbahn gleichermaßen möglich waren.

Die erste musikalische Ausbildung erhielt Agricola durch Privatlehrer, insbesondere im Klavier- und Orgelspiel bei dem Schulmeister Paul Martini. Am 28. Mai 1738 immatrikulierte er sich an der Universität Leipzig und belegte Philosophie, Jura, Geschichte und Rhetorik. Entscheidend wurde jedoch die musikalische Ausbildung bei Johann Sebastian Bach. Agricola studierte bei Bach Orgelspiel und Komposition und konnte seine Kenntnisse bei der Aufführung der Kirchenmusik und im Collegium musicum praktisch anwenden.

Die Leipziger Zeit brachte Agricola in unmittelbare Nähe zur Bach-Tradition. Diese Prägung blieb lebenslang wichtig: Er wurde später als Kopist von Bach-Werken, als Mitautor des Bach-Nekrologs und als Quelle für Bach-nahe Aufführungs- und Instrumentenfragen bedeutsam. Zugleich öffnete sich Agricola in Leipzig und Dresden für andere Stilräume. Auf einer Reise nach Dresden hörte er Passionsoratorien und weitere Werke Johann Adolf Hasses, der für ihn zu einem wichtigen Vorbild der italienischen Opernästhetik wurde.

Im Herbst 1741 wechselte Agricola auf Empfehlung Carl Philipp Emanuel Bachs nach Berlin. Zunächst fand er keine feste Hofanstellung und musste seinen Lebensunterhalt mit Musikunterricht verdienen. Bald trat er jedoch in Kontakt mit Johann Joachim Quantz, der ihn in kompositorischen Fragen beriet. In Berlin studierte Agricola die Opern Hasses und Grauns sowie Werke Telemanns und Händels. Er bewegte sich damit in einem musikalischen Feld, in dem Bachsche Satzkunst, italienische Oper, Berliner Hofgeschmack und aufgeklärte Publizistik zusammenkamen.

1750 gelang ihm mit dem italienischen Lustspiel Il filosofo convinto in amore der Durchbruch am Hof Friedrichs II. Im folgenden Jahr wurde er als Kammermusiker und Hofkomponist eingestellt. Am 19. Juli 1751 heiratete er die Sängerin Benedetta Emilia Molteni. Nach dem Tod Carl Heinrich Grauns wurde Agricola 1759 zum Dirigenten der königlichen Kapelle berufen, durfte aber den Titel eines Hofkapellmeisters nicht führen. Seine Berliner Laufbahn blieb damit einerseits prestigereich, andererseits durch die besondere Hofordnung und den Geschmack Friedrichs II. begrenzt.

Agricolas späte Opern hatten wechselnden Erfolg. Achille in Sciro von 1765, zur Vermählung des Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen mit Elisabeth von Braunschweig-Wolfenbüttel komponiert, brachte ihm erheblichen Ruhm. Amor e Psiche von 1767 fand beim Publikum Zustimmung, missfiel aber Friedrich II. Oreste e Pilade von 1772 musste zur Fassung I Greci in Tauride umgearbeitet werden. Agricola starb am 2. Dezember 1774 in Berlin.

Leipzig, Bach-Schule und Collegium musicum

Die Leipziger Jahre sind für Agricola nicht nur als Studienzeit wichtig, sondern als musikalische Grundprägung. Leipzig war um 1740 ein Ort, an dem Universität, Thomaskirche, Nikolaikirche, Collegium musicum, Verlag, bürgerliche Musikkultur und gelehrte Rhetorik zusammenwirkten. Agricola studierte zwar formell Philosophie, Jura, Geschichte und Rhetorik, bewegte sich aber musikalisch im engsten Umkreis Johann Sebastian Bachs.

Die Bach-Schülerschaft bedeutete mehr als Orgelunterricht. Agricola lernte Komposition, kontrapunktisches Denken, liturgische Praxis, Aufführungsorganisation und die technische Seite des Notenschreibens. Seine spätere Kopistentätigkeit in Bach-Quellen zeigt, dass er in der Werkstatt- und Überlieferungskultur Bachs praktisch geschult war. Er war nicht nur Hörer, sondern ein Musiker, der Aufführungsmaterial herstellte, sang, spielte und in komplexe kirchenmusikalische Abläufe eingebunden war.

Das Collegium musicum vermittelte ihm außerdem eine andere Seite: öffentliche oder halböffentliche Instrumental- und Vokalmusik jenseits des streng kirchlichen Rahmens. Diese Erfahrung wurde später für Berlin wichtig, wo Hofoper, Kammermusik, Lied und Publizistik stärker hervortraten als die Leipziger Kirchenmusik.

Berlin, Quantz, Hofoper und Friedrich II.

Der Berliner Wechsel von 1741 führte Agricola in eine der wichtigsten Musikmetropolen des friderizianischen Zeitalters. Friedrich II. prägte den Hofgeschmack stark. Italienische Oper, Gesangskunst, klare Arienform, höfische Repräsentation und ein kontrolliertes, oft konservatives Schönheitsideal bestimmten die Bühne. Agricola musste sich in diesem System behaupten.

Johann Joachim Quantz wurde für ihn zum Berater. Diese Verbindung ist wichtig, weil Quantz nicht nur Flötenlehrer Friedrichs II., sondern auch ein einflussreicher Musiktheoretiker und Geschmacksrichter war. Agricola lernte in Berlin, italienische und deutsche Traditionen mit den Erwartungen eines höfischen Opernsystems zu verbinden. Er studierte Hasse, Graun, Telemann und Händel, nicht als bloßer Nachahmer, sondern als Komponist, der den Berliner Geschmack treffen musste.

Seine Opern und Serenaten zeigen die Ambivalenz dieser Stellung. Er konnte beachtliche Erfolge erzielen, blieb aber stets vom Urteil Friedrichs II. abhängig. Diese Abhängigkeit erklärt, weshalb manche Werke trotz Publikumserfolg problematisch wurden, wenn der König sie nicht billigte. Agricola steht damit exemplarisch für den Hofkomponisten als Künstler innerhalb eines streng geregelten Macht- und Geschmackssystems.

Benedetta Emilia Molteni und das Sänger-Milieu

Die Ehe mit Benedetta Emilia Molteni ist nicht nur biographisch, sondern kulturgeschichtlich bedeutsam. Molteni war eine Opernsängerin und gehörte damit zu jenem Sänger-Milieu, das die Berliner Hofoper prägte. Agricola war selbst als Sänger und Bassist greifbar; seine theoretische Arbeit zur Gesangskunst ist auch aus dieser Nähe zur praktischen Stimme zu verstehen.

Die Ehe war am Hof nicht unproblematisch, weil Friedrich II. Verbindungen zwischen Hofbediensteten reglementierte. Dass Agricola und Molteni dennoch heirateten, zeigt einerseits persönliche Selbstbehauptung, andererseits die prekäre Lage von Musikern im höfischen Dienst. Künstlerischer Rang bedeutete nicht volle soziale Autonomie.

Für die Anleitung zur Singkunst ist diese Sängerumgebung besonders wichtig. Agricola schrieb nicht aus der Distanz eines abstrakten Theoretikers. Er kannte Opernsänger, Kastraten- und Primadonnenkultur, Arienpraxis, Verzierungslehre, Rezitativ, Atemführung und die konkreten Anforderungen des Bühnenbetriebs. Seine Tosi-Bearbeitung verbindet daher Theorie und Praxis.

Dirigent der königlichen Kapelle

Nach Carl Heinrich Grauns Tod wurde Agricola 1759 zum Dirigenten der königlichen Kapelle berufen. Diese Stellung war faktisch hochrangig, auch wenn Agricola den Titel eines Hofkapellmeisters nicht führen durfte. Sie verlangte die Leitung von Aufführungen, die Pflege des Opernrepertoires, die Arbeit mit Sängern und Instrumentalisten sowie die Anpassung an höfische Anforderungen.

Der Begriff Dirigent ist hier historisch vorsichtig zu verstehen. Es ging nicht um das moderne Dirigentenbild des 19. Jahrhunderts, sondern um musikalische Leitung, Einstudierung, Koordination und Verantwortung innerhalb einer Hofkapelle. Agricola stand zwischen Komposition, Aufführung, Sängerführung, Cembalo- beziehungsweise Continuopraxis und musikalischem Urteil.

Seine Funktion in der königlichen Kapelle macht verständlich, warum er sowohl als Komponist als auch als Praktiker der Gesangskunst ernst zu nehmen ist. Er kannte die Bühne von innen. Gerade deshalb hat seine Musikschriftstellerei einen besonderen Quellenwert.

Publizist, Polemiker und Musiktheoretiker

Agricola war einer der profilierten Musikpublizisten des Berliner 18. Jahrhunderts. Unter dem Pseudonym Flavio Anicio Olibrio veröffentlichte er polemische Texte, die sich gegen bestimmte Positionen Friedrich Wilhelm Marpurgs und gegen eine frankophile Ausrichtung des Musikideals richteten. Solche Schriften sind nicht bloß Nebensachen. Sie zeigen, dass Musik im 18. Jahrhundert Gegenstand öffentlicher Debatte wurde.

Die Berliner Musikpublizistik war Teil der Aufklärungskultur. Fragen des Geschmacks, der Nation, der Oper, der Verzierung, der Kompositionsregel und der Kritik wurden in Zeitschriften, Briefen, Rezensionen und Streitschriften verhandelt. Agricola beteiligte sich an diesen Debatten mit einer Stimme, die italienische Gesangskunst, Bachsche Satztradition und Berliner Erfahrung verband.

Seine wichtigste theoretische Leistung bleibt die Anleitung zur Singkunst. Sie ist eine deutsche Bearbeitung von Tosis italienischem Traktat, aber sie enthält umfangreiche Kommentare, Erklärungen und Aktualisierungen. Agricola machte damit ein zentrales italienisches Sängerwissen für den deutschen Sprachraum verfügbar und verband es mit eigenen Beobachtungen zur Aufführungspraxis.

Agricola als Bach-Zeuge, Bach-Kopist und Mitautor des Nekrologs

Agricolas Bedeutung für die Bach-Forschung ist beträchtlich. Er war Schüler Johann Sebastian Bachs, kopierte Bach-Werke und war gemeinsam mit Carl Philipp Emanuel Bach am Nekrolog auf Johann Sebastian Bach beteiligt, der 1754 erschien. Dadurch gehört Agricola zu den wichtigen unmittelbaren Nachzeugen der Bach-Tradition.

Bach Digital weist Agricola als Schreiber in mehreren Bach-Quellen aus. Solche Kopistenzeugnisse sind für die Forschung wichtig, weil sie Datierung, Werküberlieferung, Aufführungspraxis und Werkstattzusammenhänge sichtbar machen. Agricola steht daher nicht nur als Komponist in der Musikgeschichte, sondern auch als Träger und Vermittler von Quellen.

Seine späteren Kommentare, etwa in Zusammenhang mit Adlung, sind für Fragen zu Orgelbau, Instrumenten und Bach-Umfeld bedeutsam. Agricola ist damit eine Brückenfigur: Er führt von der Bach-Werkstatt der 1730er und 1740er Jahre in die Berliner Aufklärung und in die musikschriftstellerische Reflexion der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.

Ausführlicher Kulturüberblick

Johann Friedrich Agricola gehört in eine Umbruchszeit, in der sich die musikalische Kultur des deutschsprachigen Raums zwischen barocker Gelehrsamkeit, galantem Stil, höfischer Oper, bürgerlicher Liedkultur und aufklärerischer Publizistik neu ordnete. Seine Biographie macht diesen Übergang sichtbar. Von Dobitschen führte ihn der Weg über Leipzig und Bach nach Berlin und Friedrich II.; von Orgelspiel und Kontrapunkt zur italienischen Oper; von praktischer Musikausübung zur Musiktheorie und öffentlichen Kritik.

Leipzig steht für die alte, aber keineswegs veraltete Welt der gelehrten Kirchenmusik. Bei Bach lernte Agricola kontrapunktisches Denken, liturgische Disziplin und musikalisches Handwerk. Diese Grundlage unterschied ihn von vielen reinen Opernpraktikern. Er konnte italienische Arien- und Gesangskunst aufnehmen, ohne die deutsche Satztradition völlig zu verlassen. Diese doppelte Schulung erklärt die Spannung in seinem Profil: Er war galant und höfisch, aber zugleich von einer älteren kompositorischen Strenge geprägt.

Berlin steht für eine andere Kulturform. Friedrich II. wollte eine repräsentative italienische Hofoper, eine kontrollierte Kapelle, geschulte Sänger und einen Geschmack, der sich an Graun, Hasse und der italienischen Opera seria orientierte. Agricola wurde in dieses System aufgenommen, blieb aber darin abhängig. Seine Opern konnten nur dann bestehen, wenn sie die Erwartungen des Königs, der Sänger und des Hofpublikums erfüllten. Der Komponist war hier nicht frei im modernen Sinn, sondern Teil einer höfischen Geschmacksordnung.

Gleichzeitig entwickelte sich in Berlin eine lebendige Musikpublizistik. Zeitschriften, Kritiken, Briefe, Übersetzungen und Streittexte schufen einen öffentlichen Raum, in dem Musik nicht nur gehört, sondern beurteilt, erklärt und normiert wurde. Agricola beteiligte sich an dieser Öffentlichkeit. Seine Polemiken unter dem Pseudonym Olibrio zeigen, dass Stilfragen als kulturelle Identitätsfragen verstanden wurden: italienisch oder französisch, natürlich oder gekünstelt, regelhaft oder geschmacklos, gesanglich oder mechanisch.

Die Anleitung zur Singkunst steht im Zentrum dieser Kultur. Sie machte eine italienische Sängertradition für den deutschen Sprachraum nutzbar. Tosis Text stammt aus der Welt des Belcanto, der Verzierung, der Kastraten- und Opernsängerbildung. Agricola übersetzte nicht nur, sondern kommentierte. Dadurch entstand ein Werk, das für Sänger, Lehrer, Theoretiker und heutige historische Aufführungspraxis bedeutsam wurde. Es vermittelt technische, ästhetische und moralische Vorstellungen vom guten Singen.

Agricolas Liedschaffen gehört in die Erste Berliner Liederschule. Diese Schule bevorzugte einfache, sangbare, strophische und oft anakreontische Dichtung. Das Lied wurde zu einem Medium bürgerlicher Geselligkeit und empfindsamer Selbstäußerung. Agricola erreichte hier nicht die höchste Originalität, aber er ist ein typischer Zeuge der Bewegung: Musik sollte verständlich, natürlich, gesellig und textnah sein.

Als Bach-Zeuge besitzt Agricola einen weiteren Rang. Durch den Nekrolog, seine Kopistenarbeit und seine spätere Musikschriftstellerei verbindet er das Bach-Erbe mit der Berliner Aufklärung. Er zeigt, dass Bach nach 1750 nicht einfach verschwand, sondern durch Schüler, Kopien, Erinnerungen und theoretische Bemerkungen weiterwirkte. Agricola ist deshalb für die Kulturgeschichte nicht nur als Komponist, sondern auch als Gedächtnisfigur wichtig.

Seine Gesamtbedeutung liegt weniger in einer singulären kompositorischen Revolution als in seiner Vermittlungsfunktion. Er steht zwischen Bach und Berlin, Dresden und Potsdam, Hasse und Quantz, Graun und Marpurg, italienischem Gesang und deutscher Kritik, Hofoper und Lied, Quelle und Kommentar. Gerade diese Zwischenstellung macht ihn zu einer wichtigen Kulturlexikon-Figur.

Stilistische Einordnung

Agricolas Kompositionsstil zeigt deutlich die Einflüsse Johann Adolf Hasses und Carl Heinrich Grauns. Seine Opern folgen dem höfisch-italienischen Modell der Opera seria: Rezitativ, Da-capo-Arie, affektgegliederte Rollenführung, klare musikalische Periodik und stimmliche Brillanz sind zentrale Merkmale. Seine Musik sucht weniger radikale Neuerung als geschmackvolle, regelgerechte, sängerfreundliche und höfisch angemessene Wirkung.

Aus der Bach-Schule stammen eine solide Satztechnik, sichere Harmonik und ein Bewusstsein für kontrapunktische Ordnung. Doch Agricola war kein Bach-Epigone. In Berlin bewegte er sich in einem galanten, opernhaften und gesanglich orientierten Milieu. Die Bachsche Grundlage wurde also nicht in gelehrte Fugenkomplexität weitergeführt, sondern in eine höfisch-galante Sprache übersetzt.

Als Liedkomponist gehört Agricola zur Ersten Berliner Liederschule. Hier stehen Einfachheit, Textverständlichkeit, strophische Form und gesellige Sangbarkeit im Vordergrund. Die Dichtung ist häufig anakreontisch, moralisch, galant oder empfindsam. Agricola ist in diesem Bereich weniger originell als repräsentativ: Gerade seine Durchschnittlichkeit zeigt den Stilgeschmack der Berliner Liedkultur.

Agricola und die Berliner Oper

Agricolas Bühnenwerke gehören in die friderizianische Opernkultur. Die Berliner Hofoper war stark italienisch orientiert. Libretti von Metastasio, heroische und mythologische Stoffe, höfische Festanlässe und die Vorrangstellung des Gesangs bestimmten das Repertoire. Agricola schrieb in diesem System für konkrete Hofanlässe, Sänger und politische Repräsentationssituationen.

Il filosofo convinto in amore brachte ihm 1750 den entscheidenden Erfolg, der zur Hofanstellung führte. Cleofide, Il tempio d’amore, Achille in Sciro, Amor e Psiche und Oreste e Pilade beziehungsweise I Greci in Tauride zeigen seine weitere Bühnenproduktion. Die Werke stehen zwischen Opera seria, Intermezzo, festa teatrale und höfischer Festmusik.

Die Opernrezeption war vom Urteil Friedrichs II. abhängig. Achille in Sciro wurde erfolgreich; Amor e Psiche missfiel dem König trotz Publikumszuspruch; Oreste e Pilade musste überarbeitet werden. Diese Vorgänge zeigen, wie eng Komposition, Politik, persönlicher Geschmack des Herrschers und höfische Repräsentation miteinander verbunden waren.

Agricola und die Erste Berliner Liederschule

Die Erste Berliner Liederschule bevorzugte ein einfaches, natürliches, gesangliches Liedideal. Im Gegensatz zur kunstvollen Opernarie sollte das Lied leichter zugänglich sein. Es war für häusliche Musik, gebildete Geselligkeit, moralische Reflexion, Anakreontik und empfindsame Kommunikation bestimmt.

Agricola trug zu diesem Repertoire durch Lieder, Canzonetten und Beiträge zu Sammeldrucken bei. Besonders wichtig sind die Berlinischen Oden und Lieder, Musikalisches Allerley und verwandte Sammlungen. Die Lieder zeigen eine Kultur, in der Musik und Dichtung eng verbunden sind, aber nicht im Sinne großer dramatischer Entfaltung, sondern als kurze, singbare, gesellschaftlich verfügbare Form.

Für den Bereich Kultur ist Agricolas Liedschaffen deshalb wichtig, weil es die Verlagerung musikalischer Praxis aus dem Hof und der Kirche in bürgerliche Räume zeigt. Das Lied wurde zu einer Form, in der gebildete Laien, Dichter, Komponisten und Verleger zusammenwirkten.

Anleitung zur Singkunst

Die Anleitung zur Singkunst von 1757 ist Agricolas wichtigstes musiktheoretisches Werk. Sie beruht auf Pier Francesco Tosis italienischem Traktat Opinioni de’ cantori antichi e moderni, ist aber weit mehr als eine einfache Übersetzung. Agricola fügte umfangreiche Kommentare, Erläuterungen, Korrekturen, Beispiele und zeitgenössische Beobachtungen hinzu.

Das Werk behandelt Gesangsausbildung, Stimme, Vortrag, Verzierungen, Rezitativ, Geschmack, Fehler des Singens, Ausbildung junger Sänger und das Verhältnis von Natur und Kunst. Es ist deshalb eine Hauptquelle zur Gesangspraxis des 18. Jahrhunderts. Wer historische Aufführungspraxis, Operngesang, Belcanto, Verzierungskunst oder deutsche Gesangspädagogik um 1750 verstehen will, kommt an Agricola kaum vorbei.

Der Erfolg des Werkes liegt in seiner Vermittlungsleistung. Italienische Gesangstradition wurde in deutscher Sprache verfügbar, aber nicht mechanisch übertragen. Agricola aktualisierte Tosi aus der Perspektive eines Berliner Hofmusikers, der Sänger, Opernbetrieb, Theorie und praktische Aufführung kannte.

Komplettes Werkverzeichnis

Das folgende Werkverzeichnis ist als quellenkritische Arbeitsfassung angelegt. Es versammelt die in den einschlägigen Onlinequellen, Lexika, Quellenkatalogen, IMSLP-Nachweisen, RISM-Belegen und der neueren Forschung greifbaren Werkgruppen und Einzeltitel. Da Agricolas Überlieferung teils handschriftlich, teils gedruckt, teils nur durch Libretto, Sammeldruck oder Katalogeintrag greifbar ist, werden gesicherte, zugeschriebene, nur bibliographisch nachweisbare und sammlungsgebundene Werke entsprechend vorsichtig formuliert.

Werkgruppen

Bühnenwerke Italienische Opern, Intermezzi, Serenaten und Festwerke, darunter Il filosofo convinto in amore, La ricamatrice divenuta dama, Cleofide, Il tempio d’amore, Achille in Sciro, Amor e Psiche, Oreste e Pilade und I Greci in Tauride.
Geistliche Werke Kantaten, Oratorien, Magnificat, geistliche Arien und Kirchenmusik, darunter Die Hirten bey der Krippe zu Bethlehem, Kündlich groß ist das gottselige Geheimnis, Uns ist ein Kind geboren, Gelobet sei Gott und der Vater, Nie zagt ein Christ, Singet fröhlich Gotte, der unsre Stärke ist und ein Magnificat in D-Dur.
Lieder und weltliche Vokalwerke Lieder, Oden, Canzonetten und einzelne Arien, darunter Beiträge zu Berlinische Oden und Lieder, Musikalisches Allerley, 6 Canzonette, L’accorto nocchiero, Torna aprile e l’aure scherzano, A la mignonne de fortune, Trinklied, An die Scherze, Das aufgehobene Gebot und Die furchtsame Olympia.
Instrumentalwerke Vor allem Tasten- und einzelne Kammermusik, darunter eine Cembalosonate F-Dur, Orgelchoräle beziehungsweise Choralvorspiele und eine Flötensonate A-Dur im weiteren Katalogzusammenhang.
Schriften Polemische Schriften unter dem Pseudonym Flavio Anicio Olibrio, Beiträge zu Marpurgs Historisch-Kritischen Beyträgen, der Bach-Nekrolog von 1754 gemeinsam mit Carl Philipp Emanuel Bach, die Anleitung zur Singkunst von 1757, die Pisendel-Biographie von 1767 und die kommentierende Mitwirkung an Adlungs Musica mechanica organoedi.
Kopisten- und Editionsarbeit Bach-Abschriften, Quellen zu Orgelbearbeitungen und Bach-Überlieferung, teilweise auch editorische Zusammenhänge wie die Choralharmonisationen. Dieser Bereich ist für die Bach-Forschung ebenso wichtig wie Agricolas eigene Kompositionen.

Bühnenwerke

Il filosofo convinto in amore Italienisches Lustspiel beziehungsweise Intermezzo in drei Akten; Potsdam, Herbst 1750. Der Erfolg dieses Werks trug entscheidend dazu bei, dass Agricola 1751 als Kammermusiker und Hofkomponist Friedrichs II. angestellt wurde.
La ricamatrice divenuta dama Intermezzo; Potsdam, 1. November 1751. Das Werk gehört in den leichteren italienischen Bühnenbereich und steht im frühen Berliner Hofkontext Agricolas.
Il re pastore Oper nach einem Libretto von Pietro Metastasio beziehungsweise einer Bearbeitung des Stoffes; Berlin, 1752, in Teilen verschollen beziehungsweise quellenkritisch nur eingeschränkt greifbar. Der Stoff behandelt die Erhebung eines Hirten zum König und war im 18. Jahrhundert mehrfach vertont.
Cleofide Opera seria beziehungsweise drama per musica in drei Akten nach Pietro Metastasio; Berlin, Karneval 1754, Hofoper. Der Librettodruck erschien 1754 in Berlin bei Haude und Spener; musikalische Quellen sind in handschriftlicher Überlieferung greifbar.
Il tempio d’amore Festa teatrale beziehungsweise Serenata, um 1755; für sieben Stimmen, gemischten Chor und Orchester überliefert. Das Werk gehört zur höfischen Fest- und Repräsentationsmusik.
La citadella ingannata Oper beziehungsweise Bühnenwerk, in älteren Werklisten genannt. Die Quellenlage ist gegenüber den besser belegten Hauptopern vorsichtig zu behandeln.
L’Ippocondriaco Komisches Bühnenwerk beziehungsweise Opernzusammenhang, in Werklisten Agricolas genannt; die genaue Quellen- und Aufführungslage ist quellenkritisch zu prüfen.
Achille in Sciro Opera seria auf ein Metastasio-Libretto; Berlin, 1765. Das Werk entstand zur Vermählung des Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen mit Elisabeth von Braunschweig-Wolfenbüttel und brachte Agricola großen Ruhm.
Amor e Psiche Oper beziehungsweise festa teatrale; Berlin, 1767, zur Hochzeit der Prinzessin Wilhelmine von Preußen. Das Werk wurde vom Publikum gut aufgenommen, missfiel jedoch Friedrich II.
Oreste e Pilade Opera seria, Berlin 1772. Die Oper missfiel Friedrich II. und wurde anschließend überarbeitet.
I Greci in Tauride Überarbeitete Fassung von Oreste e Pilade, Potsdam beziehungsweise Berlin 1772. Die Umarbeitung zeigt den Druck höfischer Geschmacksentscheidung auf die Werkgestalt.
L’accorto nocchiero Italienische Arie beziehungsweise Vokalstück, bei IMSLP als eigene Werkseite geführt. Das Stück gehört zum Arien- und Gesangsrepertoire Agricolas.
Torna aprile e l’aure scherzano Italienische Arie beziehungsweise weltliches Vokalstück, in modernen Werklisten Agricolas genannt.

Geistliche Werke, Kantaten und Oratorien

Die Hirten bey der Krippe zu Bethlehem Geistliche Kantate beziehungsweise Weihnachtskantate; bei IMSLP als eigene Werkseite greifbar. Das Werk gehört zu Agricolas bedeutender geistlicher Vokalmusik.
Kündlich groß ist das gottselige Geheimnis Kantate für Solostimmen, Chor und Orchester; in modernen Werklisten und Aufführungskontexten Agricolas genannt.
Uns ist ein Kind geboren Weihnachtliche Kantate für Solostimmen, Chor und Orchester; gehört in den Bereich der Berliner geistlichen Musik Agricolas.
Gelobet sei Gott und der Vater Kantate für Solostimmen, Chor, Hörner, Oboen, Streicher und Basso continuo; RISM weist eine handschriftliche Quelle nach.
Nie zagt ein Christ Kantate zum Sonntag Oculi für Alt, Tenor, Bass, Chor, Streicher, Oboen, Hörner, Posaune und Basso continuo; RISM weist eine handschriftliche Quelle nach.
Singet fröhlich Gotte, der unsre Stärke ist Pfingstkantate mit großer Besetzung, darunter Clarini, Pauken, Flöten, Oboen, Fagotte, Streicher, vier Singstimmen und Orgel.
Der König jauchzt Geistliche Kantate beziehungsweise geistliches Vokalwerk, in Werklisten Agricolas genannt.
Die Auferstehung des Erlösers Osterkantate; in der neueren Forschung als bislang ungedrucktes Werk Agricolas ediert beziehungsweise im Quellenkatalog behandelt.
Wallet ihr Seelen voll Schwermut Trauerkantate; in der neueren Forschung als bislang ungedrucktes Werk Agricolas ediert beziehungsweise quellenkritisch aufgearbeitet.
Magnificat in D-Dur Geistliches Vokalwerk, in Werklisten Agricolas genannt; zeigt die Nähe zu liturgischer Festmusik.
Ach, was soll ich Sünder machen Geistliches beziehungsweise choralgebundenes Werk; bei IMSLP als eigene Werkseite geführt und auch im Bereich der Tasten- beziehungsweise Choralbearbeitung greifbar.
Jauchzet, ihr Erlösten dem Herren Geistliches beziehungsweise choral- oder kantatenartiges Werk, in modernen Werklisten genannt.
Choralbearbeitungen und Orgelchoräle In Werklisten werden Choralbearbeitungen wie Jesu, meine Freude, Ein feste Burg ist unser Gott, Auf meinen lieben Gott, Erbarm dich mein, o Herre Gott, Es ist das Heil uns kommen her, O Ewigkeit, du Donnerwort, Wer nur den lieben Gott lässt walten, O Traurigkeit, o Herzeleid, Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen, Freu dich sehr, o meine Seele und Ich hab mein Sach Gott heimgestellt mit Agricola verbunden; die Quellenlage ist jeweils einzeln zu prüfen.

Lieder, Canzonetten und weltliche Vokalwerke

6 Canzonette Sammlung von sechs Canzonetten; bei IMSLP als gesammelte Werkgruppe geführt und wichtig für Agricolas weltliches Vokalschaffen.
A la mignonne de fortune Französischsprachiges Lied beziehungsweise weltliches Vokalstück, in Werklisten Agricolas genannt.
Trinklied Lied für Singstimme und Cembalo, in RISM im Zusammenhang der 49 Songs beziehungsweise Berliner Liedüberlieferung nachgewiesen.
An die Scherze Lied für Singstimme und Cembalo, in RISM innerhalb eines Sammelkontexts der Berliner Liedkultur genannt.
Das aufgehobene Gebot Lied beziehungsweise Duett für zwei Singstimmen und Cembalo, in RISM innerhalb eines Berliner Liedsammelkontexts genannt.
Die furchtsame Olympia Lied für Singstimme und Cembalo, in RISM innerhalb eines Sammelkontexts der Berliner Liedkultur genannt.
Berlinische Oden und Lieder Sammeldruck beziehungsweise Liedsammlung im Umfeld Friedrich Wilhelm Marpurgs, in der Agricola mit Beiträgen erscheint. Der Kontext ist für die Erste Berliner Liederschule zentral.
Musikalisches Allerley Berlin 1761; Sammel- beziehungsweise Vokalmusikzusammenhang mit Agricola-Bezug, in der Sächsischen Biografie als Vokalmusik genannt.
Musikalisches Mancherley Berlin 1762; Sammelkontext, in dem unter anderem Agricolas Cembalosonate F-Dur erscheint.
Geistliche Oden Sammelkontext mit Agricola-Bezug; wichtig für die Verbindung von Lied, Andacht, moralischer Reflexion und Berliner Musikkultur.
34 Geistliche moralische und weltliche Oden Sammelkontext mit Agricola-Bezug; zeigt die Durchmischung von geistlicher, moralischer und weltlicher Liedkultur.

Instrumentalwerke und Tastenmusik

Cembalosonate F-Dur In Musikalisches Mancherley, Berlin 1762, überliefert; bei IMSLP als Harpsichord Sonata in F major geführt. Das Stück gehört zu den greifbaren Tastenwerken Agricolas.
Flötensonate A-Dur In Werklisten als Kammermusik genannt; die genaue Quellenlage ist gegenüber der besser greifbaren Cembalosonate quellenkritisch zu prüfen.
Choralvorspiele und Orgelstücke Mehrere choralgebundene Werke werden in Katalogen und Werklisten mit Agricola verbunden. Wegen Nähe zu Bach-Schule, Orgelspiel und Kopistenarbeit sind sie stilgeschichtlich besonders interessant, müssen aber einzeln quellenkritisch geprüft werden.
Bearbeitungen und Einrichtungen Bach Digital weist Agricola unter anderem als Schreiber von Orgeleinrichtungen und Bach-Quellen aus. Diese Arbeit gehört weniger zum eigenen Kompositionswerk als zur Überlieferungs- und Bearbeitungspraxis.

Schriften, Übersetzungen, Editionen und Publizistik

Schreiben eines reisenden Liebhabers der Musik von der Tyber, an den critischen Musikus an der Spree Berlin 1749; polemische Schrift unter dem Pseudonym Flavio Anicio Olibrio. Sie richtet sich gegen bestimmte Positionen der Berliner Musikkritik und ist für die Stil- und Geschmacksdebatten der Zeit wichtig.
Schreiben an Herrn *** in welchem Flavio Anicio Olibrio sein Schreiben an den critischen Musikus an der Spree vertheidiget und auf dessen Wiederlegung antwortet Berlin 1749; Verteidigungsschrift im gleichen Streitkontext. Sie zeigt Agricola als polemischen Publizisten der Berliner Aufklärung.
Nekrolog auf Johann Sebastian Bach 1754; gemeinsam mit Carl Philipp Emanuel Bach verfasst beziehungsweise mitverantwortet und in Mizlers musikalischer Bibliothek veröffentlicht. Der Nekrolog ist eine der wichtigsten frühen Quellen zu Bachs Leben und Werk.
Nachricht von einer Uebersetzung der Anmerkungen des Herrn Peter Franz Tosi über den Figuralgesang In Friedrich Wilhelm Marpurgs Historisch-Kritischen Beyträgen zur Aufnahme der Musik, Band 1, Berlin 1755, S. 326–331. Vorankündigung beziehungsweise programmatische Mitteilung zur späteren Tosi-Bearbeitung.
Anleitung zur Singkunst Berlin 1757; deutsche Übersetzung, Bearbeitung und ausführliche Kommentierung von Pier Francesco Tosis Opinioni de’ cantori antichi e moderni. Agricolas Hauptwerk als Musikschriftsteller.
Rezensionen und Beiträge zu Marpurgs Historisch-Kritischen Beyträgen Agricolas Umfeld und eigene Beiträge stehen in enger Verbindung zu Marpurgs Publizistik, auch wenn Agricola und Marpurg ästhetisch häufig gegeneinander standen.
Biographie Johann Georg Pisendels 1767 erschien eine von Agricola verfasste umfangreiche Biographie Johann Georg Pisendels. Sie ist für die Dresdner Musikgeschichte und für Agricolas Beziehung zur Hasse-Pisendel-Welt wichtig.
Jakob Adlung: Musica mechanica organoedi 1768 postum herausgegeben beziehungsweise kommentierend mit Agricolas Anmerkungen verbunden. Die Ausgabe ist für Orgelbau, Instrumentenkunde und Bach-nahe Aufführungspraxis bedeutsam.
Schriften gegen Glucks Opernreform Agricola nahm in seinen späteren ästhetischen Positionen auch gegen Tendenzen der Gluck’schen Opernreform Stellung. Dadurch erscheint er als Vertreter eines älteren, italienisch und friderizianisch geprägten Opernideals.

Kopistenarbeit und Bach-Quellen

Bach-Kopist Bach Digital weist Agricola als Schreiber in zahlreichen Bach-Quellen aus. Diese Kopistenarbeit ist für die Chronologie, Werkstattpraxis und Quellenkritik der Bach-Überlieferung bedeutsam.
Orgeleinrichtungen und Bach-Bearbeitungen Bei Bach Digital sind Quellen dokumentiert, in denen Agricola nachweislich als Schreiber oder ehemaliger Besitzer erscheint, darunter Orgel- beziehungsweise Tastenbearbeitungen aus dem Bach-Umfeld.
Musikalisches Opfer, BWV 1079 Bach Digital dokumentiert eine Quelle mit Agricola als Schreiber beziehungsweise Besitzer im Zusammenhang von BWV 1079. Der Nachweis unterstreicht seine Rolle in der Bach-Überlieferung nach 1747.
Abschriften aus der Leipziger Zeit Einzelne Bach-Digital-Quellen nennen Agricolas Hand zwischen 1738 und 1741. Diese Datierung passt zu seiner Leipziger Studienzeit bei Bach.
Choralharmonisationen IMSLP führt Agricola im editorischen Kontext der Bach’schen Choralharmonisationen. Für die genaue Verantwortlichkeit ist jeweils zwischen Kopie, Edition, späterem Druck und Werküberlieferung zu unterscheiden.

Überlieferung, Kataloge und Forschungslage

Agricolas Überlieferung ist stärker als lange angenommen, aber sie liegt verstreut. Opern sind häufig durch Libretti, handschriftliche Partituren, Stimmenabschriften und Aufführungskontexte greifbar. Geistliche Werke liegen in verschiedenen Bibliotheksbeständen, teilweise als Handschriften. Lieder erscheinen in Sammeldrucken der Berliner Liedkultur. Schriften sind gedruckt und vielfach digitalisiert. Die Kopistenarbeit ist in Bach Digital und verwandten Quellenkatalogen besonders sichtbar.

Die neuere Forschung hat Agricola aus dem Schatten bloßer Bach-Schülerschaft und bloßer Tosi-Übersetzung herausgelöst. A. L. Framptons Studie zeigt, dass Agricola ein eigenes musikalisches Quellenprofil besitzt. Seine Handschrift, seine Quellen, seine geistlichen Werke, seine Kopien und seine kompositorische Tätigkeit müssen zusammen betrachtet werden.

Für die Praxis der Kulturlexikon-Arbeit ist entscheidend, Agricola weder zu überschätzen noch zu unterschätzen. Er war kein stilbildender Hauptmeister vom Rang Bachs, Hasses oder Grauns, aber er war ein wichtiger Vermittler. Sein Wert liegt in der Verbindung vieler kultureller Felder: Komposition, Dirigat, Gesang, Kritik, Hofdienst, Bach-Gedächtnis, Oper und Lied.

Rezeption und Forschungsgeschichte

Agricolas Rezeption war lange asymmetrisch. Als Komponist wurde er oft als durchschnittlicher Vertreter der Berliner Schule beurteilt. Als Musikschriftsteller und Bach-Zeuge dagegen blieb er dauerhaft wichtig. Besonders die Anleitung zur Singkunst sicherte ihm einen Platz in der Geschichte der Gesangspädagogik und der historischen Aufführungspraxis.

Ältere Lexika wie die Allgemeine Deutsche Biographie, Grove und Eitner fassten seine Biographie und Werke knapp zusammen. Die Sächsische Biografie gibt eine gut lesbare moderne Übersicht. Die neuere Forschung, insbesondere Frampton, verschiebt den Schwerpunkt auf Quellen, Handschriften, Materialität, Netzwerke und das Agricola-Werke-Verzeichnis. Dadurch wird Agricola heute stärker als Teil eines komplexen Berliner und Bach-nachfolgenden Quellenraums verstanden.

Seine Opern werden selten aufgeführt, einzelne Arien, Kantaten und Schriften sind jedoch zunehmend durch Digitalisate, Editionen, IMSLP, RISM und Bibliothekskataloge greifbar. Für die Forschung zu Berliner Oper, Bach-Rezeption, Gesangsästhetik und Liedkultur bleibt Agricola eine Schlüsselgestalt zweiten Ranges: nicht kanonischer Hauptmeister, aber unverzichtbarer Vermittler.

Sekundärliteratur

A. L. Frampton: Johann Friedrich Agricola (1720–1774): a critical study and catalogue of the musical sources Oxford, DPhil thesis, 2021. Grundlegende moderne Studie zu Biographie, Quellen, Handschrift, geistlicher Musik, Kopistenarbeit und Agricola-Werke-Verzeichnis.
Christin Seidenberg: „Johann Friedrich Agricola“ Artikel in der Sächsischen Biografie, 2006. Gute moderne Überblicksdarstellung zu Ausbildung, Bach-Schülerschaft, Berlin, Opern, Schriften und Literatur.
Neue Deutsche Biographie: „Agricola, Johann Friedrich“ Biographischer Standardartikel zu Lebensdaten, Familie, Ausbildung, Beruf und Werkprofil.
Allgemeine Deutsche Biographie: „Agricola, Johann Friedrich“ Älterer biographischer Artikel, wichtig für die frühe lexikalische Rezeption Agricolas.
Die Musik in Geschichte und Gegenwart: „Agricola, Johann Friedrich“ Deutschsprachige Standardreferenz zu Leben, Werk, Berliner Hofoper, Lied, Schriftstellerei und Quellenlage.
Grove Music Online: „Agricola, Johann Friedrich“ Internationale Standardreferenz zu Agricola als Komponist, Bach-Schüler, Berliner Hofmusiker und Musikschriftsteller.
H. Wucherpfennig: Johann Friedrich Agricola Dissertation, Berlin 1922. Ältere Spezialstudie, in der Forschung weiterhin als historischer Ausgangspunkt relevant.
B. Berkholz: Johann Friedrich Agricola, Königlich Preußischer Hofcompositeur Dobitschen 1995. Monographische Darstellung mit Schwerpunkt auf Agricola als preußischem Hofkomponisten.
Friedrich Wilhelm Marpurg: Historisch-Kritische Beyträge zur Aufnahme der Musik Zentrale zeitgenössische Publikationsumgebung für Agricola, seine Ankündigungen, Debatten und den Berliner musikkritischen Kontext.
Carl Philipp Emanuel Bach und Johann Friedrich Agricola: Nekrolog auf Johann Sebastian Bach Schlüsselquelle zur frühen Bach-Rezeption, zu Bachs Werkbild und zur Erinnerungskultur der Bach-Schüler.
Pier Francesco Tosi und Johann Friedrich Agricola: Anleitung zur Singkunst Zentrale Quelle zur Gesangspraxis des 18. Jahrhunderts, besonders in der deutschen Bearbeitung und Kommentierung Agricolas.
Jakob Adlung: Musica mechanica organoedi Mit Agricolas Anmerkungen wichtige Quelle zu Orgelbau, Instrumentenkunde und Bach-nahen Aussagen über Tasteninstrumente.
Forschungen zur Berliner Hofoper Friedrichs II. Notwendig für Agricolas Einordnung zwischen Graun, Hasse, Quantz, Metastasio, Molteni und der friderizianischen Opernästhetik.
Forschungen zur Ersten Berliner Liederschule Wichtig für Agricolas Lieder, Canzonetten und Beiträge zu Berliner Oden- und Liedsammlungen.
Bach Digital und Neue Bach-Ausgabe Grundlegend für Agricolas Rolle als Bach-Kopist, Quellenzeuge und Mitträger der Bach-Überlieferung.

Onlinequellen

Sächsische Biografie Ausführlicher moderner Überblick zu Johann Friedrich Agricola mit Bildungsweg, Bach-Schülerschaft, Berliner Karriere, Opern, Schriften und Literatur. URL: https://saebi.isgv.de/biografie/Johann_Friedrich_Agricola_%281720-1774%29
Deutsche Biographie Normierte biographische Referenz mit Lebensdaten, Familie, Pseudonym Olibrio, Ehe, Beruf und NDB/ADB-Bezug. URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118917382.html
Bach Digital, Person Johann Friedrich Agricola Personenseite zu Agricola als Bach-Kopist und Komponist mit zahlreichen Quellen- und Literaturbezügen. URL: https://www.bach-digital.de/receive/BachDigitalPerson_agent_00000331
Oxford University Research Archive, Frampton 2021 Repositoriumseintrag zur Dissertation Johann Friedrich Agricola (1720–1774): a critical study and catalogue of the musical sources mit Abstract und PDF-Zugängen. URL: https://ora.ox.ac.uk/objects/uuid:8a5fc96c-c15a-4e4e-ad32-ce032b100d5c
IMSLP, Kategorie Johann Friedrich Agricola Werk- und Quellenseite mit frei zugänglichen Werkseiten, Sammlungen, Editor-, Übersetzer- und Kopistenbezügen. URL: https://imslp.org/wiki/Category:Agricola,_Johann_Friedrich
IMSLP, Cleofide Werkseite zur Opera seria Cleofide mit Libretto- und Quellenhinweisen. URL: https://imslp.org/wiki/Cleofide_(Agricola,_Johann_Friedrich)
IMSLP, Il tempio d’amore Werkseite zur Serenata beziehungsweise festa teatrale Il tempio d’amore. URL: https://imslp.org/wiki/Il_tempio_d%27amore_(Agricola,_Johann_Friedrich)
IMSLP, Die Hirten bey der Krippe zu Bethlehem Werkseite zur geistlichen Weihnachtskantate. URL: https://imslp.org/wiki/Die_Hirten_bey_der_Krippe_zu_Bethlehem_(Agricola,_Johann_Friedrich)
IMSLP, 6 Canzonette Sammlungsseite zu Agricolas Canzonetten. URL: https://imslp.org/wiki/6_Canzonette_(Agricola,_Johann_Friedrich)
IMSLP, Harpsichord Sonata in F major Werkseite zur Cembalosonate F-Dur. URL: https://imslp.org/wiki/Harpsichord_Sonata_in_F_major_(Agricola,_Johann_Friedrich)
IMSLP, Tosi/Agricola Werkseite zu Tosis Opinioni de’ cantori antichi e moderni mit Agricola als Übersetzer der deutschen Anleitung zur Singkunst. URL: https://imslp.org/wiki/Opinioni_de%27_cantori_antichi_e_moderni_(Tosi,_Pier_Francesco)
MDZ, Anleitung zur Singkunst Digitalisat beziehungsweise Katalogseite zur Ausgabe Berlin 1757. URL: https://www.digitale-sammlungen.de/en/details/bsb10527786
Bärenreiter, Anleitung zur Singkunst Verlagsseite zum Reprint mit Kontext zur Bedeutung der Tosi/Agricola-Schrift. URL: https://www.baerenreiter.com/product/BVK01563
Breitkopf & Härtel, Anleitung zur Singkunst Verlagsseite zum Faksimile der Berliner Ausgabe von 1757. URL: https://www.breitkopf.com/work/6726/anleitung-zur-singkunst
RISM Online, Gelobet sei Gott und der Vater Quellennachweis zu einer handschriftlichen Kopie der Kantate. URL: https://rism.online/sources/806042560
RISM Online, Nie zagt ein Christe Quellennachweis zu einer handschriftlichen Kopie der Kantate. URL: https://rism.online/sources/100921
RISM Catalog, 49 Songs Sammelquellen-Nachweis mit Liedbeiträgen Agricolas wie Trinklied, An die Scherze, Das aufgehobene Gebot und Die furchtsame Olympia. URL: https://opac.rism.info/id/rismid/301001778
Bach Digital, BWV-Quelle mit Agricola als Schreiber Beispiel einer Bach-Digital-Quellenbeschreibung mit Agricola als Schreiber aus der Leipziger beziehungsweise Bach-nahen Überlieferung. URL: https://www.bach-digital.de/receive/BachDigitalSource_source_00001348
Bach Digital, Musikalisches Opfer-Quelle Quellenbeschreibung zu BWV 1079 mit Agricola als Schreiber beziehungsweise Provenienzfigur. URL: https://www.bach-digital.de/receive/BachDigitalSource_source_00001729
Deutsche Digitale Bibliothek Personenseite mit GND, Berufsangaben und Objektbezügen. URL: https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/person/gnd/118917382
Archivportal-D Personenseite mit Berufsangaben wie Komponist, Musiker, Organist, Hofkapellmeister, Arrangeur, Dirigent, Publizist und Sänger. URL: https://www.archivportal-d.de/person/gnd/118917382
Deutsche Nationalbibliothek, GND Normdatenseite zu Johann Friedrich Agricola. URL: https://d-nb.info/gnd/118917382
VIAF Internationaler Normdatenverbund zur Prüfung von Namensformen und Identifikatoren. URL: https://viaf.org/
Library of Congress Authorities Normdatenrecherche zu Agricola und seinen Schriften. URL: https://id.loc.gov/
WorldCat Internationaler Bibliothekskatalog für Opernlibretti, Schriften, Sekundärliteratur, Editionen und Digitalisate. URL: https://www.worldcat.org/
K10plus Verbundkatalog zur Recherche nach Drucken, Librettos, Sammelwerken und Sekundärliteratur zu Agricola. URL: https://kxp.k10plus.de/
VD18 Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 18. Jahrhunderts, wichtig für Agricolas Schriften und Druckumfeld. URL: https://kxp.k10plus.de/DB=1.65/
Staatsbibliothek zu Berlin Zentrale Institution für Quellen zur Berliner Hofoper, Bach-Überlieferung und Agricolas Musik. URL: https://staatsbibliothek-berlin.de/
RISM Online Internationales Quellenrepertorium für musikalische Handschriften und Drucke, wichtig für Agricolas Kantaten, Opern und Liedquellen. URL: https://rism.online/
RISM Catalog Katalogoberfläche für die gezielte Suche nach Agricola-Quellen und Berliner Handschriften. URL: https://opac.rism.info/
Internet Archive, Anleitung zur Singkunst Digitalisat beziehungsweise moderner Reprint-Nachweis zu Agricolas Hauptschrift. URL: https://archive.org/details/anleitungzursing0000agri
Internet Archive, Catalogue of Opera Librettos Printed Before 1800 Digitalisat mit Nachweisen zu Agricola-Libretti wie Achille in Sciro, Cleofide und I Greci in Tauride. URL: https://archive.org/stream/catalogueofopera02libr/catalogueofopera02libr_djvu.txt
Gallica Digitalisate älterer Musiklexika, Libretti, Schriften und Quellen zur Musik des 18. Jahrhunderts. URL: https://gallica.bnf.fr/
Bayerische Staatsbibliothek, Digitale Sammlungen Digitalisate historischer Drucke, Musiktraktate, Lexika und Quellen. URL: https://www.digitale-sammlungen.de/
Kalliope-Verbund Recherche nach Autographen, Nachlässen, Briefen und archivalischen Nachweisen. URL: https://kalliope-verbund.info/
MGG Online Deutschsprachige musikwissenschaftliche Standardreferenz zu Agricola und seinem Umfeld. URL: https://www.mgg-online.com/
Oxford Music Online Internationales Nachschlagewerk für Agricola, Berliner Oper, Bach-Schüler und Musiktheorie. URL: https://www.oxfordmusiconline.com/
JSTOR Forschungsdatenbank für Studien zur Berliner Schule, Bach-Rezeption, Oper und Musiktheorie des 18. Jahrhunderts. URL: https://www.jstor.org/
Oxford Academic Forschungszugang zu Studien über Musikästhetik, Quellenforschung, Oper und Gesangspraxis im 18. Jahrhundert. URL: https://academic.oup.com/

Weiterführende Einträge

  • Jakob Adlung führt zu Agricolas kommentierender Mitwirkung an der Musica mechanica organoedi.
  • Anleitung zur Singkunst vertieft Agricolas wichtigste Schrift zur Gesangspraxis und Belcanto-Tradition.
  • Da-capo-Arie erklärt die zentrale Arienform der Opera seria, in der Agricola komponierte.
  • Carl Philipp Emanuel Bach stellt Agricolas Vermittler nach Berlin und Mitautor des Bach-Nekrologs vor.
  • Johann Sebastian Bach erschließt Agricolas wichtigsten Lehrer und den Hintergrund seiner Quellenbedeutung.
  • Bach-Nekrolog führt zu Agricolas zentralem Beitrag zur frühen Bach-Rezeption.
  • Bach-Kopist erklärt Agricolas Rolle in der Abschriften- und Quellenüberlieferung Bachs.
  • Berliner Hofoper ordnet Agricolas Opern in die friderizianische Bühnenkultur ein.
  • Erste Berliner Liederschule erschließt Agricolas Lieder, Oden und Canzonetten in ihrem kulturellen Umfeld.
  • Berlinische Oden und Lieder führt zu einem wichtigen Sammelkontext der Berliner Liedkultur.
  • Belcanto erklärt die italienische Gesangstradition, die Agricola durch Tosi vermittelte.
  • Cembalosonate ordnet Agricolas F-Dur-Sonate in die Tastenmusik des galanten Stils ein.
  • Cleofide vertieft Agricolas Berliner Opera seria von 1754 nach Metastasio.
  • Collegium musicum erklärt den Leipziger Praxisraum, in dem Agricola als Bach-Schüler musizierte.
  • Dobitschen führt zu Agricolas Geburtsort bei Altenburg.
  • Friedrich II. von Preußen stellt den Herrscher vor, dessen Hofgeschmack Agricolas Berliner Laufbahn bestimmte.
  • Carl Heinrich Graun ordnet Agricolas Opern in die Berliner Graun-Tradition ein.
  • Gesangsschule erklärt den pädagogischen Hintergrund von Agricolas Anleitung zur Singkunst.
  • Johann Adolf Hasse führt zum wichtigsten Opernvorbild Agricolas und zur Dresdner Italienrezeption.
  • Hofkomponist erklärt Agricolas Stellung im Dienst Friedrichs II.
  • Hofkapelle beschreibt die Institution, deren musikalische Leitung Agricola seit 1759 übernahm.
  • Il filosofo convinto in amore erschließt Agricolas Erfolgswerk von 1750, das seine Berliner Anstellung vorbereitete.
  • Italienische Oper bietet den übergeordneten Gattungsrahmen von Agricolas Bühnenwerken.
  • Kammermusiker erklärt Agricolas Hofstellung seit 1751.
  • Kirchenkantate führt zu Agricolas geistlichen Werken wie Nie zagt ein Christ.
  • Leipzig zur Bachzeit ordnet Agricolas Studienjahre und Bach-Schülerschaft in den städtischen Musikraum ein.
  • Lied erschließt Agricolas Beitrag zur Berliner Liedkultur.
  • Friedrich Wilhelm Marpurg stellt Agricolas publizistischen Gegner und zugleich wichtigen Kontext der Berliner Musikdebatte vor.
  • Pietro Metastasio führt zum Librettisten vieler Stoffe, die Agricola in der Berliner Opernkultur verwendete.
  • Benedetta Emilia Molteni erschließt Agricolas Ehefrau und das Sängerinnen-Milieu der Berliner Hofoper.
  • Musikalisches Allerley führt zu einem wichtigen Berliner Sammelkontext von Agricolas Vokalmusik.
  • Musikpublizistik erklärt Agricolas Rolle als Streitautor, Übersetzer, Kommentator und Kritiker.
  • Flavio Anicio Olibrio stellt Agricolas Pseudonym und seine polemischen Schriften vor.
  • Opera seria ordnet Cleofide, Achille in Sciro und Oreste e Pilade gattungsgeschichtlich ein.
  • Johann Georg Pisendel führt zu Agricolas biographischer Schrift und zur Dresdner Musiktradition.
  • Johann Joachim Quantz erschließt Agricolas Berliner Berater und den friderizianischen Musikgeschmack.
  • Rezitativ erklärt eine Grundform der Opera seria und der Gesangspraxis, die Agricola theoretisch reflektierte.
  • Pier Francesco Tosi führt zum italienischen Gesangstheoretiker, dessen Werk Agricola 1757 bearbeitete.
  • Verzierung vertieft einen Kernbereich der Anleitung zur Singkunst.
  • Vokalmusik bietet den übergeordneten Rahmen für Agricolas Opern, Kantaten, Lieder und Gesangstheorie.