Kulturlexikon

Andrea Adolfati

* 1711 in Venedig · † 1760 in Genua · italienischer Komponist, Kapellmeister und Opernkomponist

Andrea Adolfati war ein italienischer Komponist des 18. Jahrhunderts, der aus der venezianischen Opern- und Kirchenmusiktradition hervorging und als Schüler Baldassare Galuppis in jener Stilwelt stand, die zwischen spätbarocker Opera seria, galanter Melodik, höfischem Festtheater und kirchlicher Kapellmeisterpraxis vermittelt. Er wirkte an Santa Maria della Salute in Venedig, am Hof von Modena und an der Santissima Annunziata del Vastato in Genua. Sein Werk umfasst Opern, dramatische Gelegenheitsstücke, Kantaten, Psalmen, Motetten und Instrumentalmusik. Kulturgeschichtlich ist Andrea Adolfati besonders als Vertreter eines mobilen italienischen Opernwesens wichtig, in dem Komponisten zwischen kirchlichem Amt, höfischem Dienst, Theaterauftrag, Librettotradition und regionalen Aufführungszentren wechselten.

Überblick

Andrea Adolfati gehört nicht zu den kanonisch bekanntesten italienischen Opernkomponisten des 18. Jahrhunderts, ist aber für die Erforschung der mittleren italienischen Opernlandschaft zwischen Venedig, Modena, Genua und Wien bedeutsam. Sein Name erscheint in Opernchronologien, Libretto-Datenbanken, RISM-Nachweisen, kirchenmusikalischen Sammlungen und älteren biographischen Lexika. Er steht für jene breite Schicht produktiver Kapellmeister und Opernautoren, ohne die das Musiktheater des 18. Jahrhunderts nicht zu verstehen ist.

Die wichtigste ältere biographische Quelle im modernen Zugriff ist der Artikel im Dizionario Biografico degli Italiani von Treccani. Dort wird Andrea Adolfati als 1711 in Venedig geborener Schüler Baldassare Galuppis beschrieben, der zunächst Kapellmeister an Santa Maria della Salute war, 1745 nach Modena ging und 1748 die Leitung der Kapelle an der Annunziata in Genua übernahm. Zugleich nennt diese Quelle zahlreiche Opern, geistliche Werke und Instrumentalstücke, die den breiten Umfang seines Schaffens sichtbar machen.

Die moderne Quellenlage ist allerdings nicht völlig einheitlich. Einige neuere Opern- und Katalogquellen nennen als Lebensdaten 1721 oder 1722 bis 28. Oktober 1760 und verorten den Tod in Padua. Die hier gewählte Hauptansetzung folgt den vom Nutzer vorgegebenen Daten: * 1711 in Venedig, † 1760 in Genua. Im Quellenabschnitt wird die abweichende Datierung ausdrücklich vermerkt, damit die Seite bibliographisch sauber bleibt und zugleich die gewünschte Kulturlexikon-Ansetzung beibehält.

Kurzdaten

Hauptname Andrea Adolfati.
Registerform Adolfati, Andrea.
Namensvariante Adolphati.
Geburt 1711 in Venedig.
Tod 1760 in Genua nach der hier gewählten Ansetzung; einzelne moderne Katalog- und Opernquellen nennen abweichend den 28. Oktober 1760 in Padua.
Beruf Komponist, Kapellmeister und Opernkomponist.
Lehrer Baldassare Galuppi.
Wichtige Wirkungsorte Venedig, Modena, Genua und im Zusammenhang einzelner Aufführungen auch Wien, Rom, Verona, Pavia und andere italienische Theaterorte.
Kirchliche Ämter Kapellmeister an Santa Maria della Salute in Venedig; später Leiter der Kapelle der Santissima Annunziata del Vastato in Genua.
Höfischer Dienst Ab 1745 beziehungsweise im Umfeld der Jahre 1745/1746 am Hof von Modena tätig.
Hauptgattung Opera seria und verwandte Formen des italienischen Musiktheaters.
Weitere Gattungen Divertimento da camera, Kantate, Psalm, Motette, geistliche Musik, Sonate und instrumentale Ouvertüren beziehungsweise Sinfonien.
Wichtige Librettisten Pietro Metastasio, Pietro Pariati, Apostolo Zeno, Francesco Silvani und weitere Opern- beziehungsweise Theaterdichter.
Wichtige Bühnenwerke Artaserse, Didone abbandonata, Arianna, Adriano in Siria, Vologeso, La clemenza di Tito und Sesostri re d’Egitto.
Kulturgeschichtliche Bedeutung Andrea Adolfati steht für die mobile, auf Libretto-Wiederverwendung, Theateraufträge, höfische Festanlässe und kirchliche Kapellmeisterämter gegründete Opernkultur Italiens um die Mitte des 18. Jahrhunderts.
Dateiname adolfati-andrea.shtml.

Namen, Schreibweisen und Dateiansetzung

Die Hauptform des Eintrags lautet Andrea Adolfati. In Katalogen und älteren Nachweisen erscheint auch die Schreibvariante Adolphati. Da es sich um einen italienischen Personennamen handelt, bleibt im Fließtext die natürliche Form Andrea Adolfati maßgeblich. Die Registerform lautet Adolfati, Andrea.

Der Dateiname folgt der Personenregel Nachname–Vorname und lautet adolfati-andrea.shtml. Diese Form ist eindeutig, kurz und für interne Kulturlexikon-Verlinkungen geeignet. Ein zusätzlicher Variantenverweis auf adolphati-andrea.shtml wäre nur dann sinnvoll, wenn ältere Katalogformen konsequent abgefangen werden sollen.

Andrea Adolfati Hauptform für Überschrift, Fließtext und sichtbaren Linktext.
Adolfati, Andrea Bibliographische Registerform für alphabetische Ordnung.
Adolphati Historische beziehungsweise katalogische Variantenform.
adolfati-andrea.shtml Dateiname nach der Personenregel Nachname–Vorname.

Quellenlage und Einordnung

Die Quellenlage zu Andrea Adolfati ist für einen italienischen Opernkomponisten der mittleren Generation des 18. Jahrhunderts typisch: Die wichtigsten Informationen verteilen sich auf biographische Lexika, Libretto- und Aufführungsdatenbanken, RISM-Quellennachweise, Digitalisate einzelner Handschriften, bibliographische Nachweise älterer Drucke und moderne Spezialliteratur zur venezianischen, genuesischen und metastasianischen Opernkultur.

Der Artikel im Dizionario Biografico degli Italiani bietet die dichteste biographische Darstellung. Er nennt Andrea Adolfati als 1711 in Venedig geborenen Schüler Baldassare Galuppis, Kapellmeister an Santa Maria della Salute, später am Hof von Modena und ab 1748 an der Annunziata in Genua. Zugleich verzeichnet er Bühnenwerke, geistliche Musik und Instrumentalstücke. Corago, die Opern- und Libretto-Datenbank der Universität Bologna, liefert besonders wertvolle Angaben zu einzelnen Opern, Aufführungsorten, Erstaufführungen und Librettisten. IMSLP verzeichnet öffentlich zugängliche Werke und Digitalisate, darunter Adriano in Siria, La pace fra la virtù e la bellezza, Già la notte s’avvicina, In exitu Israël und Nisi Dominus. RISM ergänzt diese Überlieferung durch konkrete Handschriftennachweise.

Zu beachten ist die abweichende Lebensdatierung. Während die hier vom Nutzer vorgegebene Ansetzung * 1711 in Venedig, † 1760 in Genua verwendet wird und Treccani den Tod 1760 im genuesischen Zusammenhang darstellt, geben andere moderne Katalogquellen Adolfati teilweise mit 1721 oder 1722 bis 28. Oktober 1760 an und nennen Padua als Sterbeort. Diese Differenz ist für die Seite nicht zu verschweigen, sie sollte aber nicht dazu führen, die gewünschte Hauptansetzung zu verändern.

  • Biographischer Kern: Andrea Adolfati wird als venezianischer Komponist, Galuppi-Schüler und Kapellmeister in Venedig, Modena und Genua greifbar.
  • Operngeschichtlicher Kern: Sein Werk gehört zur italienischen Opera-seria-Kultur der 1740er und 1750er Jahre.
  • Librettistischer Kern: Mehrere Werke beruhen auf Texten von Metastasio, Pariati oder Zeno und zeigen die Wiederverwendung bekannter Opernlibretti.
  • Quellenproblem: Viele Opern sind nur über Libretti, Aufführungsdaten oder Einzelarien überliefert; vollständige Partituren sind nicht durchgehend erhalten.
  • Datierungsproblem: Lebensdaten und Sterbeort werden in modernen Nachweisen nicht völlig einheitlich angegeben.
  • Forschungszugang: Treccani, Corago, RISM, IMSLP, WorldCat, BnF, Biblioteca Estense, Wienbibliothek beziehungsweise österreichische Kataloge und moderne Opernchronologien müssen gemeinsam ausgewertet werden.

Leben, Ausbildung und Kapellmeisterstellen

Andrea Adolfati wurde 1711 in Venedig geboren. Seine Ausbildung steht nach älteren biographischen Angaben in Verbindung mit Baldassare Galuppi, einem der wichtigsten venezianischen Komponisten des 18. Jahrhunderts. Dieser Lehrerbezug ist für Adolfatis Stil und Karriere entscheidend. Galuppi verkörperte die Verbindung aus venezianischer Theaterpraxis, Kirchenmusik, kompositorischer Eleganz und europäischer Mobilität. Andrea Adolfati übernahm aus diesem Milieu eine Schreibweise, die solide, theaterwirksam, vokal orientiert und stark an den Konventionen der italienischen Opernpraxis ausgerichtet war.

Nach Abschluss seiner musikalischen Ausbildung wurde Andrea Adolfati Kapellmeister an Santa Maria della Salute in Venedig. Dieses Amt verband ihn mit einer der bedeutenden venezianischen Kirchen und zeigt, dass seine berufliche Grundlage zunächst im kirchlichen Musikbetrieb lag. Wie bei vielen Komponisten seiner Zeit hinderte ein kirchliches Amt ihn jedoch nicht daran, intensiv für die Bühne zu schreiben. Opernaufträge, Theaterreisen und Aufführungen in mehreren Städten gehörten zu seinem Berufsprofil.

1745 wechselte Andrea Adolfati in den Dienst des Hofes von Modena. Dort entstand im Umfeld höfischer Festkultur das Divertimento beziehungsweise die dramatische Gelegenheitsmusik La pace fra la virtù e la bellezza, die am 1. Januar 1746 in Modena aufgeführt wurde. Dieses Werk zeigt Adolfati nicht nur als Opernkomponisten, sondern als Hofkomponisten, der allegorische, festliche und dynastisch repräsentative Aufgaben musikalisch erfüllen konnte.

1748 ging Andrea Adolfati nach Genua, wo er die Leitung der Kapelle an der Santissima Annunziata del Vastato übernahm. Genua wurde für seine spätere Produktion besonders wichtig. In den Jahren um 1750 bis 1755 entstanden oder erschienen dort mehrere seiner bedeutenden Opern, darunter Arianna, Adriano in Siria, Vologeso und Sesostri re d’Egitto. Die Verbindung von kirchlichem Kapellmeisteramt und reger Operntätigkeit blieb charakteristisch.

Einige moderne Quellen nennen für 1760 eine Berufung nach Padua als Nachfolger Giacomo Rampinis. Da der Nutzer für diesen Eintrag ausdrücklich Genua als Sterbeort vorgibt, wird diese abweichende Überlieferung nicht als Hauptansetzung übernommen, aber als Forschungs- und Quellenhinweis berücksichtigt. Sicher bleibt, dass Andrea Adolfati 1760 starb und dass seine letzten Jahre in enger Verbindung mit Genua und der oberitalienischen Theater- und Kirchenmusiklandschaft standen.

  1. 1711: Geburt in Venedig nach der hier gewählten Ansetzung.
  2. frühe Jahre: Musikalische Ausbildung in Venedig, nach älterer Überlieferung bei Baldassare Galuppi.
  3. vor 1745: Kapellmeister an Santa Maria della Salute in Venedig.
  4. 1741/1742: Artaserse wird in Verona beziehungsweise Rom/Genua-Kontexten genannt; die Werkgeschichte ist quellenkritisch nach Libretto- und Aufführungsnachweisen zu differenzieren.
  5. 1745: Wechsel in den Dienst des Hofes von Modena.
  6. 1746: Aufführung von La pace fra la virtù e la bellezza in Modena; Beteiligung an Lo starnuto d’Ercole im venezianischen Teatro San Gerolamo.
  7. 1747: Didone abbandonata wird in Venedig aufgeführt.
  8. 1748: Berufung an die Santissima Annunziata del Vastato in Genua.
  9. 1750: Arianna in Genua, Teatro del Falcone.
  10. 1751: Genua wird mit mehreren Werken verbunden, darunter Adriano in Siria, La gloria e il piacere, Il giuoco dei matti und Ifigenia.
  11. 1752: Vologeso in Genua und Ipermestra in Modena.
  12. 1753: La clemenza di Tito in Wien; Metastasio nahm die Aufführung wahr und stand später brieflich mit Adolfati in Verbindung.
  13. 1755: Sesostri re d’Egitto in Genua.
  14. 1760: Tod nach der hier gewählten Ansetzung in Genua; abweichend nennen einige moderne Quellen Padua.

Venedig, Galuppi und das Musiktheatermilieu

Venedig war für Andrea Adolfati Herkunftsort, Ausbildungsraum und erster wichtiger Wirkungszusammenhang. Die Stadt verfügte im frühen und mittleren 18. Jahrhundert über eine einzigartige Dichte an Opernhäusern, Kirchen, Konservatorien, adeligen Privatbühnen, Druckern, Librettisten und reisenden Sängerinnen und Sängern. In diesem Milieu konnte ein Komponist zugleich kirchlich, theatral und gesellschaftlich tätig sein.

Der Lehrerbezug zu Baldassare Galuppi ordnet Andrea Adolfati in eine venezianische Klangwelt ein, die von vokaler Beweglichkeit, klarer Periodik, theatraler Verständlichkeit und stilistischer Anpassungsfähigkeit geprägt war. Galuppi war sowohl in der Opera buffa als auch in der ernsten Oper und der Kirchenmusik erfolgreich. Andrea Adolfati wurde zwar vor allem als Autor ernster Opern wahrgenommen, doch die Verbindung von Kirchenamt und Theaterarbeit entspricht deutlich der venezianischen Berufsrealität.

Auch das Teatro San Gerolamo im Palazzo Labia gehört in diesen Zusammenhang. Dort wurde 1746 Lo starnuto d’Ercole als Pasticcio beziehungsweise scherzhafte Kinder- und Marionettenoper aufgeführt, wobei Andrea Adolfati als weiterer Komponist neben Johann Adolf Hasse genannt wird. Diese Episode zeigt eine andere Seite der venezianischen Theaterkultur: Neben der großen öffentlichen Oper existierten kleine, experimentelle, private und halbprivate Aufführungsformen, die mit Satire, Marionettenspiel und musikalischer Parodie arbeiteten.

Modena, höfische Festmusik und La pace fra la virtù e la bellezza

Der Wechsel nach Modena führte Andrea Adolfati in ein höfisches Umfeld, in dem Musik als Repräsentation, Festkunst und dynastische Allegorie eingesetzt wurde. Das wichtigste Werk dieses Zusammenhangs ist La pace fra la virtù e la bellezza, ein Divertimento beziehungsweise eine dramatische Gelegenheitsmusik, die am 1. Januar 1746 am Hof von Modena aufgeführt wurde. IMSLP verzeichnet das Werk als Divertimento di Camera mit fünf Solostimmen, gemischtem Chor und Instrumenten sowie mit einem Text von Pietro Metastasio beziehungsweise einer Bearbeitung im höfischen Kontext.

Solche Gelegenheitswerke stehen zwischen Oper, Serenata, allegorischer Festmusik und höfischer Huldigung. Sie sind weniger auf dramatische Konfliktentwicklung ausgerichtet als auf symbolische Personen, Tugendbegriffe, dynastische Anspielungen und festliche Klangwirkung. Andrea Adolfati zeigt sich hier als Komponist, der nicht nur Theaterrepertoire für zahlende Opernhäuser, sondern auch höfische Repräsentationsmusik liefern konnte.

Die Modeneser Phase ist auch deshalb wichtig, weil sie Adolfatis Werküberlieferung verbessert. Treccani nennt ein Manuskript von La pace fra la virtù e la bellezza in der Biblioteca Estense in Modena. Diese Verbindung zwischen Aufführungsort, höfischer Sammlung und Werkmanuskript zeigt exemplarisch, wie Opern- und Festmusik des 18. Jahrhunderts häufig über lokale Archive und Bibliotheken überliefert ist.

Genua, Teatro del Falcone und spätere Opernproduktion

Genua wurde für Andrea Adolfati zum wichtigsten späteren Wirkungsort. 1748 übernahm er die Leitung der Kapelle der Santissima Annunziata del Vastato. Diese kirchliche Position verband sich mit einer intensiven Tätigkeit für das genuesische Musiktheater. Besonders das Teatro del Falcone erscheint in der Werküberlieferung mehrfach. Es war ein wichtiger Ort der aristokratisch geprägten genuesischen Opernkultur.

Corago verzeichnet Arianna als Oper mit Musik von Andrea Adolfati und Libretto von Pietro Pariati, erstaufgeführt im Winter 1750 in Genua am Teatro del Falcone. Treccani nennt außerdem, dass die Arie Se la sorte mi condanna aus Arianna besondere Begeisterung ausgelöst habe. Die Oper ist auch wegen der ihr zugeschriebenen Verwendung eines 5/4-Taktes bemerkenswert, der in älteren Darstellungen als ungewöhnliche rhythmische Erscheinung in der Kunstmusik des 18. Jahrhunderts hervorgehoben wird.

Weitere genuesische Opern und Bühnenwerke sind Adriano in Siria, La gloria e il piacere, Vologeso, Sesostri re d’Egitto und andere Werke der frühen 1750er Jahre. Diese Titel zeigen Andrea Adolfati in einer produktiven Phase, in der er bekannte Libretti der Opera seria vertonte und sich in den üblichen Theaterkalendern von Karneval, Herbstsaison und besonderen Festzeiten bewegte.

Metastasio, Librettokultur und Opera seria

Andrea Adolfatis Werk steht stark in der Librettokultur des 18. Jahrhunderts. Mehrere seiner Opern und dramatischen Werke beruhen auf Texten Pietro Metastasios oder auf Stoffen, die im metastasianischen Opernsystem zentral waren. Artaserse, Didone abbandonata, Ipermestra und La clemenza di Tito gehören in diese Tradition. Auch Apostolo Zeno und Pietro Pariati sind wichtige Textautoren in seinem Werkumfeld.

Die wiederholte Vertonung derselben Libretti durch unterschiedliche Komponisten war im 18. Jahrhundert Normalfall. Eine Opernvertonung war daher nicht in erster Linie ein einmaliges Werk im modernen Sinn, sondern eine neue musikalische Ausarbeitung eines bekannten dramatischen Textes für eine bestimmte Bühne, Sängerbesetzung, Saison und Auftragssituation. Andrea Adolfati ist ein typischer Vertreter dieser Kultur der Neuvertonung.

Besonders interessant ist La clemenza di Tito. Die Oper wurde 1753 in Wien aufgeführt, und Metastasio selbst soll die Aufführung wahrgenommen haben. Spätere Berichte vermerken, dass Metastasio von der Musik nicht besonders begeistert gewesen sei, Adolfati aber dennoch höflich schrieb. Diese Episode ist kulturgeschichtlich aufschlussreich, weil sie die Distanz zwischen Librettist, Komponist, Aufführungspraxis und höfischer Opernöffentlichkeit sichtbar macht.

Stil, Klangsprache und rhythmische Besonderheiten

Andrea Adolfatis Stil wird in der älteren Forschung häufig als konventionell und in der Nachfolge Baldassare Galuppis stehend beschrieben. Das ist nicht abwertend zu verstehen, sondern verweist auf eine kompositorische Praxis, die auf Sängerwirksamkeit, klare Formtypen, vertraute Affektverläufe, rezitativische Beweglichkeit und theaterpraktische Anpassbarkeit zielte. In der Opera seria des 18. Jahrhunderts war die sichere Beherrschung der Konvention eine Voraussetzung der Wirkung.

Besonders auffällig ist die Adolfati zugeschriebene Verwendung ungewöhnlicher Taktarten. Treccani erwähnt die Tradition, ihm die Einführung beziehungsweise eine frühe Verwendung des 5/4-Taktes in der Kunstmusik zuzuschreiben, und zwar in einer Arie aus Arianna. Andere Darstellungen nennen außerdem frühe Beispiele eines 7/4-Taktes. Solche Angaben sind vorsichtig zu behandeln, weil ältere Musikgeschichtsschreibung rhythmische „Erfindungen“ gern personalisiert; dennoch zeigen sie, dass Adolfatis Werk in rhythmischer Hinsicht nicht völlig uninteressant war.

Seine geistlichen Werke werden gelegentlich mit dem Einfluss Benedetto Marcellos verbunden. Das betrifft vor allem eine gewisse Würde, Psalmennähe und kirchliche Setzweise. Gerade die Doppelrolle als Kapellmeister und Opernkomponist machte es möglich, unterschiedliche Stile nebeneinander zu pflegen: dramatische Arien, Rezitative und Chöre für die Bühne; Psalmen, Motetten und liturgische Stücke für die Kirche; Kantaten und Gelegenheitsmusik für private oder höfische Räume.

Geistliche Musik und kirchliche Kapellmeisterpraxis

Obwohl Andrea Adolfati vor allem als Opernkomponist sichtbar ist, war seine berufliche Grundlage lange Zeit kirchlich. Er war Kapellmeister an Santa Maria della Salute in Venedig und später an der Santissima Annunziata del Vastato in Genua. Seine geistlichen Werke sind deshalb kein Nebenprodukt, sondern Teil seines Amtsprofils.

Treccani nennt unter anderem ein Miserere für vier Stimmen mit Instrumenten, ein Nisi Dominus, ein Laudate pueri, das Motett In exitu für fünf Stimmen mit Instrumenten und den Psalm Domine, ne in furore. IMSLP verzeichnet unter Adolfatis erhaltenen beziehungsweise zugänglichen Werken unter anderem Nisi Dominus und In exitu Israël. Solche Werke zeigen die kirchliche Seite eines Komponisten, der zugleich in der Opernwelt präsent war.

Die Überlieferung geistlicher Musik ist für Andrea Adolfati auch deshalb wichtig, weil viele Bühnenwerke nur fragmentarisch erhalten sind. Geistliche Handschriften in Paris, Dresden, Münster oder anderen Sammlungen können ein genaueres Bild seiner Satztechnik liefern als verlorene Opernpartituren. Für die weitere Forschung wäre daher eine systematische Auswertung von RISM, BnF, Dresdner Kirchenarchiven und Santini-Bibliothek besonders ergiebig.

Komplettes Werkverzeichnis nach öffentlichem Nachweisstand

Ein endgültiges kritisches Werkverzeichnis Andrea Adolfatis müsste Libretti, Partiturhandschriften, Einzelarien, RISM-Nachweise, Aufführungsdaten, historische Kataloge und moderne Editionen systematisch abgleichen. Die folgende Übersicht ordnet die nach öffentlichem Nachweisstand gut greifbaren Werke und Werkgruppen. Bei Opern wird ausdrücklich berücksichtigt, dass viele Titel nur teilweise oder über Libretti überliefert sind.

Bühnenwerke, Opern und dramatische Gelegenheitsmusik

  • Artaserse: Opera seria beziehungsweise dramma per musica auf ein Libretto von Pietro Metastasio. Die Aufführungsgeschichte wird in den Quellen mit Verona, Rom und genuesischen Kontexten der frühen 1740er Jahre verbunden; teils wird eine Zusammenarbeit beziehungsweise Ergänzung durch Pietro Chiarini genannt. Die Überlieferung ist quellenkritisch nach Ort, Jahr und Fassung zu prüfen.
  • La pace fra la virtù e la bellezza: Divertimento da camera beziehungsweise dramatische Festmusik, Text im Umfeld Pietro Metastasios und einer Bearbeitung durch Liborati; aufgeführt am 1. Januar 1746 in Modena. IMSLP verzeichnet eine Partitur mit fünf Solostimmen, gemischtem Chor und Instrumenten.
  • Armida abbandonata: Dramma per musica nach Francesco Silvani, im venezianischen Kontext um 1746 und teilweise in Verbindung mit Giuseppe Maria Buini genannt. Die Werkgeschichte ist aufgrund gemischter Zuschreibungen und Pasticcio-Zusammenhänge besonders sorgfältig zu prüfen.
  • Lo starnuto d’Ercole: Dramma per musica beziehungsweise Pasticcio in drei Akten, mit Johann Adolf Hasse als Hauptkomponist und Andrea Adolfati als weiterem Komponisten; Libretto von Luigi Pavino beziehungsweise im Umfeld satirischer venezianischer Theaterpraxis; erste Aufführung am 29. Mai 1746 im Teatro San Gerolamo im Palazzo Labia in Venedig.
  • Didone abbandonata: Dramma per musica auf ein Libretto von Pietro Metastasio; aufgeführt 1747 in Venedig und nach älteren Angaben 1748 auch in Genua. Das Werk gehört in die große Reihe metastasianischer Didone-Vertonungen.
  • Il corsaro punito: Dramma giocoso, 1750 in Pavia genannt. Die genaue Überlieferung ist nach Libretto- und Katalogquellen weiter zu prüfen.
  • Arianna: Dramma per musica beziehungsweise Oper auf ein Libretto von Pietro Pariati; Erstaufführung im Winter 1750 in Genua, Teatro del Falcone. Das Werk ist besonders wegen der Arie Se la sorte mi condanna und der Adolfati zugeschriebenen Verwendung des 5/4-Taktes erwähnenswert.
  • La gloria e il piacere: Einführung beziehungsweise dramatisches Stück zu einer Ballmusik, 1751 in Genua genannt. Das Werk gehört in den Bereich festlicher Theater- und Gesellschaftsmusik.
  • Adriano in Siria: Dramma per musica auf ein Libretto von Pietro Metastasio; 1751 in Genua, Teatro del Falcone, genannt. IMSLP verzeichnet das Werk unter Adolfatis Kompositionen.
  • Il giuoco dei matti: Commedia per musica beziehungsweise musikalische Komödie, 1751 in Genua genannt. Die Überlieferung ist nach Corago, Libretto- und Katalogquellen zu verifizieren.
  • Ifigenia: Dramma per musica, 1751 in Genua genannt; moderne Forschung und Editionen nennen einzelne Arien beziehungsweise kritisch edierte Ausschnitte.
  • Ipermestra: Dramma per musica auf ein Libretto von Pietro Metastasio; aufgeführt 1752 in Modena. Nach modernen Werklisten ist die Überlieferung nur teilweise gesichert.
  • Vologeso: Dramma per musica auf der Grundlage von Apostolo Zenos Lucio Vero; aufgeführt im Karneval 1752 in Genua, Teatro del Falcone. Einzelne Arien sind in späteren Nachweisen greifbar.
  • La clemenza di Tito: Dramma per musica auf ein Libretto von Pietro Metastasio; aufgeführt 1753 in Wien. Das Werk ist besonders durch die metastasianische Rezeptionsgeschichte und durch Hinweise auf eine erhaltene Handschrift in Wien wichtig.
  • Sesostri re d’Egitto: Dramma per musica auf ein Libretto von Apostolo Zeno und Pietro Pariati; aufgeführt 1755 in Genua, Teatro del Falcone. RISM verzeichnet unter anderem Einzelarien beziehungsweise Quellen aus dem Werkzusammenhang.
  • Antigono: In einzelnen modernen Werklisten als dramma per musica für Genua, Karneval 1755, genannt; die Überlieferung ist quellenkritisch weiter zu prüfen.

Kantaten, Arien und kleinere weltliche Vokalwerke

  • Già la notte s’avvicina: Kantate beziehungsweise weltliches Vokalwerk mit dem Alternativtitel Il pescator Fileno a Nice pastorella; Text von Pietro Metastasio; für Sopran, Streicher und Basso continuo. IMSLP verzeichnet ein Manuskript beziehungsweise eine Partiturquelle.
  • Filen, crudo Fileno: Kantate beziehungsweise Arie in modernen Werklisten Adolfatis genannt; die genaue Quellenlage ist über RISM und Bibliothekskataloge zu prüfen.
  • Perdono amata Nice: Kantate beziehungsweise Arie auf einen Text von Pietro Metastasio; in Werklisten Adolfatis genannt.
  • Ingratissimo Tirsi: Weltliches Vokalwerk beziehungsweise Kantate, in Werklisten genannt.
  • No, non turbarti, o Nice: Weltliches Vokalwerk beziehungsweise Kantate auf einen Text von Pietro Metastasio, in Werklisten genannt.
  • Sechs Kantaten für Sopran und Instrumente: In modernen Werklisten und Editionszusammenhängen genannt; eine moderne Ausgabe von sechs Kantaten wurde von Davide Mingozzi herausgegeben.
  • Kantate zu zwei Stimmen: Von Treccani unter den in Pariser Sammlungen überlieferten kleineren Werken erwähnt.
  • Einzelarien aus Opern: Zahlreiche Arien sind in RISM, Bibliotheks- und Sammlungsnachweisen greifbar, darunter Quellen aus Sesostri, Vologeso, Ifigenia und anderen Bühnenwerken.

Geistliche Musik

  • Miserere: Für vier Stimmen mit Instrumenten; Treccani nennt eine Handschrift in Dresden im Archiv der katholischen Kirche.
  • Nisi Dominus: Psalmvertonung; IMSLP verzeichnet Nisi Dominus als geistliches Werk, unter anderem für vier Stimmen, zwei Hörner, Streicher und Basso continuo beziehungsweise in Quellenvarianten.
  • Laudate pueri: Psalmvertonung für vier Stimmen, nach Treccani in der Bibliothèque Nationale de France überliefert.
  • In exitu Israël: Motette beziehungsweise Psalmvertonung für fünf Stimmen und Instrumente; bei IMSLP unter Adolfatis zugänglichen Werken verzeichnet.
  • Domine, ne in furore: Psalm beziehungsweise geistliches Werk für vier Stimmen mit Violinen, Viola und Hörnern; in der Sammlung Fortunato Santini beziehungsweise in Münster genannt.
  • Weitere geistliche Arien und kleinere Kirchenwerke: In Pariser, Dresdner, Münsteraner und anderen Sammlungen sind nach älteren Nachweisen weitere kleinere Werke oder Einzelstücke zu prüfen.

Instrumentalmusik

  • Sechs Sonaten, Opus I: In Amsterdam gedruckte Sonaten, bei Treccani als Sonaten zu drei, fünf und sechs Stimmen beziehungsweise für verschiedene Instrumentalbesetzungen genannt.
  • Sinfonia in F-Dur: In modernen Werklisten Adolfatis genannt; die genaue Quellenlage ist bibliographisch zu prüfen.
  • Ouvertüre in D-Dur: In modernen Werklisten genannt; vermutlich im Umfeld von Bühnen- oder Gelegenheitsmusik zu betrachten.
  • Instrumentale Einleitungen und Opernsinfonien: Bei mehreren Bühnenwerken ist mit Sinfonien, Ouvertüren und Einleitungssätzen zu rechnen, deren Überlieferung oft an Opernpartituren oder Einzelhandschriften gebunden ist.

Moderne Editionen und quellenkundliche Zugänge

  • Davide Mingozzi, moderne Ausgaben: Kritische Editionen einzelner Arien beziehungsweise Kantaten Adolfatis, darunter Arbeiten zu Ifigenia und zu den sechs Kantaten für Solostimme mit Instrumenten.
  • IMSLP-Digitalisate: Zugänge zu Adriano in Siria, La pace fra la virtù e la bellezza, Già la notte s’avvicina, In exitu Israël und Nisi Dominus.
  • RISM-Nachweise: Handschriften und Einzelquellen, darunter mögliche Autographen, Opernarien und geistliche Werke.
  • Corago-Datensätze: Aufführungs- und Librettoinformationen zu mehreren Bühnenwerken, besonders Arianna und Lo starnuto d’Ercole.

Überlieferung, Handschriften und Digitalisate

Die Überlieferung von Andrea Adolfatis Werk ist fragmentarisch, aber über mehrere wichtige Repositorien erschließbar. Für seine Bühnenwerke sind Libretti oft leichter greifbar als vollständige Partituren. Das entspricht der allgemeinen Opernüberlieferung des 18. Jahrhunderts: Libretti wurden gedruckt, verkauft und gesammelt; Partituren blieben häufig in Theater-, Hof- oder Kapellarchiven und gingen später verloren, wurden zerstreut oder sind nur in Abschriften erhalten.

Treccani nennt als wichtige Handschriftenorte unter anderem die Biblioteca Estense in Modena, die Nationalbibliothek Wien, die Bibliothèque Nationale in Paris, Dresden und die Santini-Sammlung in Münster. RISM bestätigt die Bedeutung solcher Einzelquellen, indem es Arien, Handschriften und mögliche Autographe Adolfatis nachweist. IMSLP bietet für einige Werke direkte Digitalisat- oder Partiturzugänge, darunter sowohl geistliche Musik als auch Opern- beziehungsweise Kantatenmaterial.

Für eine wissenschaftliche Werkrekonstruktion müssten Corago, RISM, IMSLP, BnF, Biblioteca Estense, Wienbibliothek beziehungsweise Österreichische Nationalbibliothek, Dresden, Münster, WorldCat und ältere Opernchronologien zusammengeführt werden. Dabei wäre besonders zu unterscheiden zwischen vollständigen Partituren, Librettodrucken, Einzelarien, Abschriften, Pasticcio-Beiträgen und modernen Editionen.

  • Libretti: Zentrale Quelle für Titel, Aufführungsorte, Theater, Rollen, Widmungen und Saisonangaben.
  • Partiturhandschriften: Teilweise erhalten, etwa bei La pace fra la virtù e la bellezza und La clemenza di Tito in einschlägigen Sammlungen.
  • Einzelarien: Besonders wichtig, wenn vollständige Opernpartituren verloren sind.
  • Geistliche Handschriften: In Paris, Dresden, Münster und weiteren Sammlungen nachgewiesen oder zu prüfen.
  • IMSLP: Praktischer Zugang zu einigen digitalisierten Werken.
  • RISM: Unverzichtbarer Nachweis konkreter musikalischer Quellen und ihrer Aufbewahrungsorte.
  • Corago: Zentrale Datenbank für italienische Opernaufführungen, Libretti und Werkbeziehungen.

Ausführlicher Kulturüberblick

Andrea Adolfati steht für eine Kultur des 18. Jahrhunderts, in der der Komponist nicht als autonomer Werkautor im modernen Sinn erscheint, sondern als beweglicher musikalischer Dienstleister, Kapellmeister, Theaterpraktiker, Gelegenheitskomponist und Bearbeiter tradierter Stoffe. Seine Karriere führt von Venedig über Modena nach Genua und berührt weitere Aufführungsorte. Dieser Weg zeigt, wie stark Musikproduktion an Mobilität gebunden war. Sängerinnen, Sänger, Librettisten, Impresari, Komponisten und Partituren bewegten sich zwischen Städten, Höfen und Theatern.

Die Oper des 18. Jahrhunderts war eine Wiederverwendungskultur. Libretti von Metastasio, Zeno oder Pariati wurden immer wieder neu vertont. Für heutige Leser kann dies irritierend wirken, weil der moderne Werkbegriff stark auf Originalität und Einmaligkeit ausgerichtet ist. In Adolfatis Welt war es dagegen entscheidend, ein bekanntes Libretto so zu vertonen, dass es einer bestimmten Besetzung, einem bestimmten Theater und einem bestimmten Anlass entsprach. Die Individualität lag weniger im Stoff als in der musikalischen Ausführung, der Arienanlage, der sängerischen Wirkung und der Anpassung an lokale Erwartungen.

Adolfatis kirchliche Ämter machen die Sache noch vielschichtiger. Ein Kapellmeister an Santa Maria della Salute oder an der Annunziata in Genua war nicht nur Opernkomponist, sondern für liturgische Musik, Sänger, Instrumentalisten, Repertoire und musikalische Qualität zuständig. Der gleiche Komponist, der eine Didone abbandonata oder eine Arianna schrieb, konnte Psalmen, Motetten und liturgische Werke verfassen. Diese Doppelrolle war im 18. Jahrhundert keineswegs ungewöhnlich, sondern Teil eines Berufsbildes, das zwischen Kirche, Hof und Theater vermittelte.

Der venezianische Ausgangspunkt ist besonders wichtig. Venedig war eine Stadt des Theaters, der Kirchenmusik, der Ospedali, der privaten Paläste und der internationalen Besucher. Hier konnten Experimente wie Lo starnuto d’Ercole im Teatro San Gerolamo entstehen, ein Pasticcio mit komischer, satirischer und puppentheaterartiger Dimension. Diese Seite der Opernkultur ergänzt das Bild der ernsten metastasianischen Opera seria. Andrea Adolfati steht damit nicht nur für hohe Seria-Konvention, sondern auch für eine flexible venezianische Theaterpraxis.

Modena zeigt die höfische Seite. La pace fra la virtù e la bellezza gehört in eine Welt allegorischer Festmusik, in der Tugend, Schönheit, Frieden und dynastische Repräsentation musikalisch aufeinander bezogen werden. Solche Werke dienten nicht primär dramatischer Konfliktspannung, sondern höfischer Selbstdeutung. Sie verbanden musikalische Eleganz mit politisch-symbolischer Ordnung.

Genua wiederum zeigt die regionale Opernlandschaft außerhalb der berühmtesten Zentren. Das Teatro del Falcone war ein wichtiger Aufführungsort, an dem Adolfati mehrfach präsent war. Die genuesische Opernkultur war aristokratisch geprägt und zugleich in überregionale Netze eingebunden. Werke wie Arianna, Adriano in Siria, Vologeso und Sesostri re d’Egitto zeigen, dass Genua nicht bloß Randort, sondern aktiver Teilnehmer der italienischen Opernzirkulation war.

Adolfatis angebliche rhythmische Innovation, insbesondere die Verwendung eines 5/4-Taktes in einer Arie aus Arianna, macht ihn auch für die Geschichte musikalischer Metrik interessant. Selbst wenn solche Zuschreibungen quellenkritisch vorsichtig zu behandeln sind, zeigen sie doch, dass Opernkomponisten im Rahmen konventioneller Formen punktuell mit ungewöhnlichen rhythmischen Effekten arbeiten konnten. Gerade das Spannungsverhältnis von Konvention und Einzeleffekt ist für die Musik des mittleren 18. Jahrhunderts wichtig.

Die heutige Bedeutung Andrea Adolfatis liegt daher weniger in einem singulären Meisterwerk als in der Rekonstruktion einer ganzen musikalischen Infrastruktur. Über ihn lassen sich Theaterkalender, Libretto-Wiederverwendung, Kapellmeisterämter, höfische Festmusik, Opernreisen, Handschriftenüberlieferung, Pasticcio-Kultur, Kirchenmusik und regionale Opernzentren miteinander verbinden. Für ein Kulturlexikon ist er ein sinnvoller Eintrag, weil er die mittlere Ebene der Kulturgeschichte sichtbar macht: jene Ebene, auf der Musik tatsächlich produziert, angepasst, aufgeführt und überliefert wurde.

  • Venezianische Opernkultur: Andrea Adolfati entstammt einem Milieu aus Theatern, Kirchen, privaten Bühnen und internationaler Musikzirkulation.
  • Kapellmeisterpraxis: Seine berufliche Existenz verbindet Kirchenamt, Hofdienst und Opernproduktion.
  • Metastasio-Kultur: Mehrere Werke beruhen auf zentralen Libretti der Opera seria.
  • Regionale Opernzentren: Genua und Modena erscheinen als aktive Orte musikalischer Produktion, nicht als bloße Randräume.
  • Pasticcio und Marionettentheater: Lo starnuto d’Ercole zeigt die komische, experimentelle und private Seite des venezianischen Theaters.
  • Höfische Allegorie: La pace fra la virtù e la bellezza steht für Festmusik, Tugendikonographie und dynastische Repräsentation.
  • Geistliche Musik: Psalmen und Motetten zeigen die kirchliche Seite eines Opernkomponisten.
  • Überlieferungskultur: Adolfatis Werk ist exemplarisch für eine Quellenlage aus Libretti, Einzelarien, Handschriften, Katalogen und fragmentarischen Partituren.

Rezeption, Forschung und heutige Bedeutung

Andrea Adolfati wurde in älteren Musiklexika als Opernkomponist und Kapellmeister verzeichnet, ohne je in den engeren Kanon der italienischen Operngeschichte aufzusteigen. Das liegt nicht unbedingt an mangelnder zeitgenössischer Bedeutung, sondern an der späteren Kanonbildung, die sich stärker auf Namen wie Hasse, Jommelli, Galuppi, Pergolesi, Traetta oder Piccinni konzentrierte. Adolfati gehört eher zu jener zweiten, aber kulturgeschichtlich wichtigen Reihe von Komponisten, die das Opernleben tatsächlich in großer Breite trugen.

Die moderne Forschung begegnet Andrea Adolfati vor allem in Opernchronologien, Libretto-Katalogen, RISM-Nachweisen, Untersuchungen zur venezianischen Theaterkultur, Studien zu Genua und Arbeiten über Metastasio-Vertonungen. Besonders Corago und IMSLP haben seine Sichtbarkeit im digitalen Raum erhöht. Dadurch lassen sich Werkdaten, Aufführungsorte und Digitalisate heute leichter zusammenführen als noch vor wenigen Jahrzehnten.

Eine besondere Rolle spielen moderne Editionen einzelner Arien und Kantaten durch Davide Mingozzi und ähnliche Projekte. Sie machen Adolfatis Musik nicht nur bibliographisch, sondern auch aufführungspraktisch zugänglich. Gerade bei Komponisten, deren Opern teilweise verloren oder fragmentarisch überliefert sind, können moderne Einzelausgaben den Weg zu neuer Aufführung und neuer Bewertung öffnen.

  • Lexikalische Rezeption: Adolfati erscheint in Treccani, älteren Musiklexika, Grove-nahen Nachweisen und modernen Katalogdaten.
  • Opernchronologische Rezeption: Seine Werke werden in Chronologien und Libretto-Datenbanken des italienischen 18. Jahrhunderts geführt.
  • Quellenkundliche Rezeption: RISM, IMSLP und Bibliothekskataloge sichern einzelne Handschriften, Partituren und Arien.
  • Aufführungspraktische Rezeption: Moderne Editionen einzelner Arien und Kantaten können Adolfatis Musik wieder spielbar machen.
  • Heutiger Wert: Adolfati ist ein wichtiger Fall für die Erforschung der mittleren Opernproduktion zwischen Venedig, Modena und Genua.

Forschungsfragen

Andrea Adolfati bietet zahlreiche Forschungsfragen, weil sein Werk zwischen gut belegten Einzelwerken, unsicherer Datierung, fragmentarischer Opernüberlieferung und verstreuten geistlichen Handschriften steht. Besonders wichtig wäre eine kritische Werkchronologie, die Treccani, Corago, RISM, IMSLP, Selfridge-Field, Giazotto, Libretto-Kataloge und lokale Archivnachweise zusammenführt.

  • Wie sind die abweichenden Lebensdaten zu bewerten? Die Differenz zwischen 1711 und 1721/1722 sowie zwischen Genua und Padua als Sterbeort sollte quellenkritisch untersucht werden.
  • Welche Opernpartituren sind vollständig erhalten? Eine systematische RISM- und Bibliotheksrecherche müsste zwischen vollständiger Partitur, Einzelarie, Libretto und Abschrift unterscheiden.
  • Wie stark ist Galuppis Einfluss wirklich? Eine stilanalytische Studie könnte Arienformen, Rezitative, Harmonik und Vokalbehandlung vergleichen.
  • Welche Rolle spielte Genua in Adolfatis Karriere? Die Verbindung zwischen Annunziata-Kapelle, Teatro del Falcone und aristokratischer Opernkultur verdient eine eigene Untersuchung.
  • Wie ungewöhnlich ist der 5/4-Takt in Arianna? Die ältere Zuschreibung einer rhythmischen Neuerung sollte anhand der Partitur und vergleichbarer Werke geprüft werden.
  • Wie verhält sich Adolfatis geistliche Musik zu Benedetto Marcello? Die in der Forschung genannte Nähe müsste musikalisch konkretisiert werden.
  • Wie funktionierte seine Metastasio-Rezeption? Vertonungen von Didone abbandonata, La clemenza di Tito, Artaserse und Ipermestra bieten Material für den Vergleich mit anderen Komponisten.
  • Welche Rolle spielen Pasticcio und Marionettentheater? Lo starnuto d’Ercole zeigt eine komische und experimentelle Theaterpraxis, die Adolfatis Werkbild erweitert.

Sekundärliteratur

Die Sekundärliteratur zu Andrea Adolfati besteht aus biographischen Lexikonartikeln, Opernchronologien, regionalgeschichtlichen Studien zu Genua und Venedig, Libretto-Katalogen, RISM- und Corago-Nachweisen sowie modernen Editionen einzelner Werke. Für eine vertiefte Bearbeitung sollten ältere Lexika mit modernen Quellenkatalogen abgeglichen werden, weil frühere Darstellungen teils andere Lebensdaten und unvollständige Werklisten überliefern.

  • Guido Piamonte: „Adolfati, Andrea“, in: Dizionario Biografico degli Italiani, Band 1, Rom 1960. Zentrale biographische und werkgeschichtliche Grundlage.
  • Raffaele Giazotto: La musica a Genova nella vita pubblica e privata dal XIII al XVIII secolo, Genua 1951. Wichtig für Adolfatis genuesischen Kontext.
  • Francesco Caffi: Storia della musica sacra nella già cappella ducale di S. Marco in Venezia dal 1318 al 1797, Venedig 1854. Ältere Quelle zum venezianischen kirchenmusikalischen Umfeld.
  • François-Joseph Fétis: Biographie universelle des musiciens, Paris 1860. Älterer lexikalischer Zugang.
  • Robert Eitner: Biographisch-bibliographisches Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten. Wichtig für ältere Werk- und Quellenangaben.
  • Carlo Schmidl: Dizionario universale dei musicisti. Älterer italienischer biographischer Nachweis.
  • Eleanor Selfridge-Field: A New Chronology of Venetian Opera and Related Genres, 1660–1760, Stanford 2007. Grundlegend für venezianische Opernchronologie und verwandte Theaterformen.
  • Sven Hansell und Carlida Steffan: „Adolfati, Andrea“, in: Grove Music Online. Wichtiger moderner englischsprachiger Fachartikel.
  • Davide Mingozzi: Kritische Ausgaben und Studien zu Arien beziehungsweise Kantaten Andrea Adolfatis, darunter Editionen im Umfeld von Armelin Musica.
  • Corago: Opern- und Libretto-Datenbank der Universität Bologna mit Datensätzen zu Adolfatis Bühnenwerken.
  • RISM: Internationale Musikquellendatenbank mit Nachweisen zu Handschriften, Arien und geistlichen Werken Adolfatis.
  • IMSLP: Digitaler Zugang zu einzelnen Werken und Handschriftennachweisen.

Onlinequellen und digitale Recherchewege

Die folgenden Onlinequellen eignen sich zur Kontrolle von Lebensdaten, Werkangaben, Aufführungsorten, Digitalisaten, Handschriften und Libretto-Nachweisen. Für die Recherche sollten die Suchformen Andrea Adolfati, Adolfati Andrea, Adolphati, Andrea Adolfati Arianna, Andrea Adolfati La clemenza di Tito, Andrea Adolfati RISM, Andrea Adolfati Corago, Andrea Adolfati IMSLP und Andrea Adolfati Galuppi parallel verwendet werden.

Weiterführende Einträge

Die folgenden Einträge vertiefen den kulturellen Zusammenhang von Andrea Adolfati. Sie führen zu Personen, Orten, Werken, Gattungen und Forschungsfeldern, die für venezianische und genuesische Opernkultur, Kapellmeisterpraxis, Metastasio-Vertonungen, geistliche Musik und Musiktheater des 18. Jahrhunderts wichtig sind.

  • Andrea Adolfati Hauptlemma zu venezianischem Komponisten, Kapellmeister und Opernautor des 18. Jahrhunderts.
  • Adriano in Siria Metastasio-Opernlibretto und von Adolfati 1751 in Genua vertontes dramma per musica.
  • Arianna Oper Andrea Adolfatis nach Pietro Pariati, 1750 in Genua am Teatro del Falcone aufgeführt.
  • Apostolo Zeno Librettist und Opernreformer, dessen Stoffe im Werkzusammenhang Adolfatis wichtig sind.
  • Baldassare Galuppi Venezianischer Komponist und Lehrer Andrea Adolfatis.
  • Barockoper Übergreifender Gattungs- und Stilrahmen für Adolfatis frühe Bühnenwerke.
  • Biblioteca Estense Modeneser Sammlung, die für die Überlieferung von Adolfatis La pace fra la virtù e la bellezza wichtig ist.
  • Didone abbandonata Zentrales Metastasio-Libretto, das Andrea Adolfati 1747 vertonte.
  • Genua Wichtiger Wirkungsort Adolfatis und Zentrum seiner späteren Opernproduktion.
  • Galanter Stil Musikalische Stilwelt, in der Adolfatis vokale Schreibweise des mittleren 18. Jahrhunderts einzuordnen ist.
  • Giovanni Battista Pergolesi Zeitgenössischer italienischer Komponist, wichtig für den weiteren Opern- und Kirchenmusikrahmen des 18. Jahrhunderts.
  • Johann Adolf Hasse Opernkomponist und Hauptkomponist von Lo starnuto d’Ercole, an dem Adolfati beteiligt war.
  • Italienische Oper Gattungs- und Kulturraum, in dem Andrea Adolfatis Bühnenwerke entstanden.
  • La clemenza di Tito Metastasio-Libretto und Adolfati-Oper von 1753, aufgeführt in Wien.
  • La pace fra la virtù e la bellezza Höfisches Divertimento Andrea Adolfatis, 1746 in Modena aufgeführt.
  • Libretto Textgrundlage der Oper, im 18. Jahrhundert häufig wiederverwendet und neu vertont.
  • Pietro Metastasio Zentraler Librettist der Opera seria und wichtiger Textautor im Werk Adolfatis.
  • Modena Höfischer Wirkungsort Adolfatis um 1745/1746 und Aufführungsort von La pace fra la virtù e la bellezza.
  • Opera seria Ernste italienische Operngattung, in der Adolfatis wichtigste Bühnenwerke stehen.
  • Pasticcio Opernform aus Musik verschiedener Herkunft, wichtig für Lo starnuto d’Ercole.
  • Pietro Pariati Librettist von Arianna und wichtiger Autor der italienischen Operntradition.
  • RISM Internationales Quellenlexikon der Musik, wichtig für Handschriften und Arien Adolfatis.
  • Santa Maria della Salute Venezianische Kirche, an der Adolfati als Kapellmeister wirkte.
  • Santissima Annunziata del Vastato Genuesische Kirche und Kapellmeisterstelle Adolfatis ab 1748.
  • Sesostri re d’Egitto Späte Oper Andrea Adolfatis, 1755 in Genua aufgeführt.
  • Teatro del Falcone Genuesischer Aufführungsort mehrerer Adolfati-Opern.
  • Teatro San Gerolamo Venezianisches Privattheater im Palazzo Labia, wichtig für Lo starnuto d’Ercole.
  • Venedig Geburtsstadt Andrea Adolfatis und zentraler Ausgangsort seiner musikalischen Laufbahn.
  • Vologeso Dramma per musica Andrea Adolfatis, 1752 in Genua aufgeführt.
  • Wiener Oper im 18. Jahrhundert Aufführungskontext von Adolfatis La clemenza di Tito im Jahr 1753.