Anton Cajetan Adlgasser

Kirchenmusiker, Hof- und Domorganist, Cembalist, Komponist der Salzburger Vorklassik und wichtiger Vertreter der fürsterzbischöflichen Musikkultur · 1729–1777

Überblick

Anton Cajetan Adlgasser, auch Cajetan Adlgasser, Cajetan Anton Adlgasser oder gelegentlich Adelgasser geschrieben, war ein im oberbayerischen Niederachen bei Inzell geborener Komponist, Organist, Cembalist und Kirchenmusiker, der fast sein gesamtes künstlerisches Leben in Salzburg verbrachte. Er wurde am 1. Oktober 1729 geboren und starb im Dezember 1777 in Salzburg. Als Todesdatum begegnen der 21. und der 22. Dezember; die Abweichung erklärt sich aus unterschiedlichen älteren Nachweisen. Für die Kulturgeschichte ist weniger diese Datumsdifferenz als seine Stellung im Musikleben der fürsterzbischöflichen Residenzstadt Salzburg entscheidend.

Adlgasser gehört zu jenen Musikern, die den Übergang von der spätbarocken Salzburger Kirchen- und Hofmusik zur Vorklassik verkörpern. Er war Schüler beziehungsweise musikalischer Nachfolger Johann Ernst Eberlins, wirkte ab 1750 als Hof- und Domorganist, später zusätzlich als Organist an der Dreifaltigkeitskirche und als Klavierlehrer am Kapellhaus. In dieser Stellung gehörte er zur professionellen Mitte der Salzburger Hofmusik. Er stand nicht am Rand des Musiklebens, sondern an einer Schaltstelle zwischen Dom, Hof, Unterricht, Universitätstheater, Kirchenmusik, Oratorium, Instrumentalmusik und musikalischer Repräsentation.

Sein Werk umfasst Messen, Requien, Litaneien, Vespern, Offertorien, Motetten, Oratorien, Schuldramen, Sinfonien, Klavier- und Orgelwerke, Cembalokonzerte, theoretisch-praktische Kompositionsschriften und die Festoper La Nitteti. Besonders bekannt ist seine Beteiligung am Pasticcio-Oratorium Die Schuldigkeit des ersten und fürnehmsten Gebotes, das 1767 gemeinsam mit Michael Haydn und dem jungen Wolfgang Amadeus Mozart entstand. Dadurch steht Adlgasser in direkter Nähe zum Mozart-Kreis, ohne auf eine bloße Nebenfigur der Mozart-Biografie reduziert werden zu dürfen.

Adlgassers kulturelles Schaffen ist besonders wichtig für das Verständnis der Salzburger Musiklandschaft vor und neben Mozart. Er war kein revolutionärer Neuerer von europäischem Rang, aber ein hochqualifizierter Hofmusiker, Organist und Komponist, dessen Musik den praktischen Bedarf einer geistlichen Residenz erfüllte und zugleich stilistische Entwicklungen seiner Zeit aufnahm. Seine Werke stehen zwischen liturgischer Funktion, gelehrter Satzkunst, galantem Stil, italienischer Melodik, konzertanter Schreibweise und dem besonderen Klangideal des Salzburger Kirchenraums.

Die neuere Forschung hat Adlgasser vor allem über Werkverzeichnisse, Studien zum Instrumentalwerk, Untersuchungen zur Kirchenmusik in Mozarts Salzburg und Editionen einzelner Werke wieder greifbar gemacht. Er ist heute weniger eine populäre Konzertfigur als ein wichtiger Baustein der Musikgeschichte des 18. Jahrhunderts: Wer Salzburgs Musikleben zwischen Eberlin, Leopold Mozart, Michael Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart verstehen will, muss Adlgasser berücksichtigen.

Kurzdaten

Biografische Grunddaten zu Anton Cajetan Adlgasser
Name Anton Cajetan Adlgasser
Namensvarianten Cajetan Adlgasser, Cajetan Anton Adlgasser, Anton Kajetan Adlgasser, gelegentlich Adelgasser
Geboren 1. Oktober 1729
Geburtsort Niederachen bei Inzell, Oberbayern
Gestorben 21. oder 22. Dezember 1777
Sterbeort Salzburg
Kulturelle Einordnung In Bayern geboren, seit der Jugend in Salzburg ausgebildet und als Musiker des fürsterzbischöflichen Hofs tätig
Berufe und Funktionen Kirchenmusiker, Komponist, Hof- und Domorganist, Cembalist, Organist an der Dreifaltigkeitskirche, Klavierlehrer am Kapellhaus
Ausbildung Salzburger Kapellhaus; vermutlich Schüler Johann Ernst Eberlins
Wichtiges Amt Hof- und Domorganist in Salzburg ab 1750
Weitere Stelle Organist an der Dreifaltigkeitskirche ab 1760
Lehrtätigkeit Klavierlehrer am Salzburger Kapellhaus ab 1760
Wichtige Bezugspersonen Johann Ernst Eberlin, Leopold Mozart, Wolfgang Amadeus Mozart, Michael Haydn, Padre Giovanni Battista Martini, Pietro Metastasio
Bekannte Werke und Werkgruppen La Nitteti, Beteiligung an Die Schuldigkeit des ersten und fürnehmsten Gebotes, Messen, Requien, Litaneien, Offertorien, Sinfonien, Klavier- und Orgelwerke, Schuldramen, Oratorien
Stilgeschichtliche Stellung Salzburger Vorklassik zwischen spätbarocker Kirchenmusiktradition, galantem Stil und italienischen Einflüssen
Nachfolger im Amt Wolfgang Amadeus Mozart wurde nach Adlgassers Tod Hoforganist in Salzburg

Namensform, Herkunft und Einordnung

Die heute gebräuchliche Namensform lautet Anton Cajetan Adlgasser. In älteren Quellen und Katalogen erscheint auch die Form Cajetan Adlgasser oder Cajetan Anton Adlgasser. Die Schreibweise Adelgasser ist ebenfalls belegt, sollte aber nicht als Hauptansetzung verwendet werden. Für Katalog- und Quellenrecherchen ist es sinnvoll, alle Varianten mitzudenken, weil ältere Musikhandschriften, Bibliothekskataloge und Drucke nicht immer nach moderner Normform erschlossen sind.

Die nationale Einordnung ist differenziert zu formulieren. Adlgasser wurde nicht im heutigen Österreich geboren, sondern im oberbayerischen Niederachen bei Inzell. Seine musikalische Prägung, seine Amtslaufbahn und sein Werk gehören jedoch fast vollständig nach Salzburg, das im 18. Jahrhundert als geistliches Fürsterzbistum eine eigene politische und kulturelle Stellung hatte. Wenn Adlgasser in österreichischen oder Salzburger Musiklexika behandelt wird, geschieht dies daher nicht wegen eines modernen österreichischen Geburtsortes, sondern wegen seiner lebenslangen Wirksamkeit im Salzburger Musikleben.

Für eine Kulturlexikon-Seite ist die Bezeichnung „österreichischer Kirchenmusiker“ deshalb nur im weiteren kulturgeschichtlichen Sinn vertretbar. Präziser ist: in Bayern geborener, in Salzburg wirkender Kirchenmusiker, Organist und Komponist der fürsterzbischöflichen Hofmusik. Diese Formulierung vermeidet eine moderne Rückprojektion nationaler Kategorien und beschreibt zugleich sein tatsächliches kulturelles Umfeld.

Namens- und Einordnungsformen
Form / Bezeichnung Bedeutung Hinweis für die Recherche
Anton Cajetan Adlgasser Moderne Hauptansetzung Für Normdaten, moderne Lexika und wissenschaftliche Literatur bevorzugt.
Cajetan Adlgasser Kurzform beziehungsweise ältere Namensform In älteren Nachweisen und musikhistorischen Texten mitzusuchen.
Cajetan Anton Adlgasser Variante der Vornamenfolge Für historische Kataloge und Musikhandschriften relevant.
Adelgasser Abweichende Schreibweise des Familiennamens Seltenere Variante, aber für Vollständigkeit der Recherche nützlich.
Salzburger Hof- und Domorganist Präziseste Funktionsbezeichnung Beschreibt sein wichtigstes Amt und seine kulturelle Verankerung.
Kirchenmusiker der Salzburger Vorklassik Stil- und gattungsgeschichtliche Einordnung Verweist auf seine Hauptleistung in liturgischer Musik und Übergangsstil des 18. Jahrhunderts.

Kultureller und musikgeschichtlicher Kontext

Adlgassers Leben fällt in eine Epoche, in der Salzburg eine hochentwickelte Hof-, Kirchen- und Bildungskultur besaß. Die Stadt war Residenz eines Fürsterzbischofs, verfügte über Dom, Hofkapelle, Universität, Benediktinertradition, Kapellhaus, Theaterpraxis und ein dichtes Netz liturgischer und repräsentativer Musik. Musik war dort nicht nur Konzertkunst, sondern tägliche Dienstpflicht, geistliche Repräsentation, Unterrichtsgegenstand, Bühnenpraxis und soziales Medium.

Stilgeschichtlich steht Adlgasser zwischen mehreren Generationen. Die ältere Salzburger Tradition war durch Johann Ernst Eberlin, Carl Heinrich Biber und spätbarocke Kirchenmusik geprägt. Die jüngere Entwicklung führte zu Michael Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und einem stärker galanten, empfindsameren, klassisch geordneten Stil. Adlgasser gehört genau in diesen Übergangsraum. Seine Musik ist noch stark funktional an Kirchen- und Hofpraxis gebunden, nimmt aber bereits melodische Eleganz, klarere Periodik, italienische Opernformen und vorklassische Satzweisen auf.

Ein wichtiger Hintergrund ist die besondere Salzburger Kirchenmusikpraxis. Der Dom verlangte Musik für Hochfeste, Vespern, Messen, Litaneien, Offertorien, feierliche Gelegenheiten und den täglichen liturgischen Ablauf. Gleichzeitig mussten die Musiker flexibel sein: Sie spielten Orgel und Cembalo, begleiteten Sänger, komponierten neue Werke, unterrichteten Nachwuchs und wirkten bei Theater- und Schulaufführungen mit. Adlgasser war ein typischer Vertreter dieser universellen Hofmusikerexistenz.

Die Nähe zum Mozart-Kreis macht Adlgasser zusätzlich interessant. Leopold Mozart war mit ihm persönlich verbunden, wirkte als Trauzeuge bei seinen Eheschließungen und gehörte wie Adlgasser zur Salzburger Hofmusik. Wolfgang Amadeus Mozart kannte Adlgasser als älteren Kollegen; nach dessen Tod übernahm Mozart das Amt des Hoforganisten. Diese Nähe zeigt, dass der junge Mozart nicht in einem isolierten Genie-Raum aufwuchs, sondern in einer dichten Berufskultur, zu der Komponisten wie Eberlin, Adlgasser und Michael Haydn wesentlich beitrugen.

Herkunft, Ausbildung und Kapellhaus Salzburg

Anton Cajetan Adlgasser wurde als Sohn eines Lehrers, Organisten und Mesners geboren. Diese Herkunft ist für seine Laufbahn bedeutsam. Der ländliche Lehrer- und Mesnerstand war im 18. Jahrhundert häufig ein erster Ort musikalischer Sozialisation. Wer dort aufwuchs, konnte früh mit Kirchengesang, Orgelspiel, liturgischem Ablauf, lateinischem Schulwesen und praktischer Mehrfachfunktion eines Musikers vertraut werden.

In jungen Jahren kam Adlgasser nach Salzburg und wurde im fürsterzbischöflichen Kapellhaus ausgebildet. Das Kapellhaus war eine zentrale Nachwuchsinstitution der Salzburger Hofmusik. Dort wurden begabte Knaben und junge Musiker für den Dienst an Kirche und Hof vorbereitet. Sie erhielten Unterricht in Gesang, Instrumentalspiel, Generalbass, Komposition und schulischer Bildung. Adlgasser wurde vermutlich von Johann Ernst Eberlin unterrichtet, einem der wichtigsten Salzburger Komponisten vor Mozart.

Die Ausbildung im Kapellhaus war nicht bloß theoretisch. Junge Musiker sangen, begleiteten, wirkten bei Schuldramen mit und lernten die praktische Verbindung von Liturgie, Bühne und musikalischer Organisation. Adlgasser war bereits in seiner Ausbildungszeit mit dem Salzburger Universitätstheater verbunden. Diese frühe Bühnen- und Kirchenpraxis erklärt, warum sein späteres Werk nicht auf eine einzelne Gattung beschränkt blieb. Er konnte Kirchenmusik, Oratorium, Schuldrama, Instrumentalmusik und Oper bedienen, weil seine Ausbildung auf genau diese Vielseitigkeit zielte.

Hof- und Domorganist in Salzburg

1750 wurde Adlgasser Hof- und Domorganist in Salzburg. Dieses Amt war von hoher praktischer und symbolischer Bedeutung. Der Organist am Dom war nicht nur Begleiter, sondern eine zentrale musikalische Figur des Gottesdienstes. Er musste liturgische Abläufe kennen, improvisieren, begleiten, musikalisch überleiten, Sänger und Instrumentalisten stützen und zugleich als Komponist für neue Musik sorgen. Gerade in einer Residenzstadt wie Salzburg verband sich das Amt mit höfischer Erwartung und kirchlicher Repräsentation.

Adlgasser blieb bis zu seinem Tod in dieser Stellung. 1760 kam die Organistenstelle an der Dreifaltigkeitskirche hinzu; im selben Zeitraum wurde er Klavierlehrer am Kapellhaus. Damit wurde er zugleich Amtsmusiker, Pädagoge und liturgischer Praktiker. Seine Musik ist aus dieser dauerhaften Berufspraxis heraus zu verstehen. Viele seiner Werke entstanden nicht für den freien Markt, sondern für konkrete Aufführungsanlässe, kirchliche Feste, Unterrichtszusammenhänge und institutionelle Bedürfnisse.

Adlgassers Tod ist in der Salzburger Erinnerung eng mit seinem Amt verbunden: Er starb nach einem Schlaganfall, der ihn während oder im Zusammenhang mit dem Orgelspiel im Dom beziehungsweise während einer Vesper ereilte. Diese Überlieferung hat fast emblematischen Charakter. Sie zeigt einen Musiker, dessen Leben bis zum letzten Moment an den liturgischen Dienst gebunden war.

Ämter und Funktionen Anton Cajetan Adlgassers
Jahr / Zeitraum Funktion Ort / Institution Bedeutung
1744–1748 Ausbildung Kapellhaus Salzburg und Lateinschule Grundlegung seiner Laufbahn als Sänger, Organist, Cembalist und Komponist.
1750–1777 Hof- und Domorganist Salzburger Dom und fürsterzbischöflicher Hof Zentrales Amt seines Lebens, verbunden mit Liturgie, Hofmusik und Komposition.
ab 1760 Organist Dreifaltigkeitskirche Salzburg Erweiterung seiner liturgischen Aufgaben über den Dom hinaus.
ab 1760 Klavierlehrer Kapellhaus Salzburg Beteiligung an der Ausbildung des musikalischen Nachwuchses.
1764–1765 Studienreisender Italien Begegnung mit italienischer Musikpraxis und kompositorischen Anregungen.
1777 Tod im Amt Salzburg Nach seinem Tod wurde Wolfgang Amadeus Mozart Hoforganist.

Familie, Eberlin-Kreis und Mozart-Umfeld

Adlgasser war familiär und beruflich eng mit Johann Ernst Eberlin verbunden. 1752 heiratete er Maria Josepha Katharina Eberlin, eine Tochter seines Lehrers und Vorgängers. Dadurch wurde die berufliche Nachfolge am Salzburger Dom auch familiär verknüpft. Nach dem frühen Tod seiner ersten Frau heiratete Adlgasser Maria Barbara Schwab; später, 1769, schloss er eine dritte Ehe mit der Hofsängerin Maria Anna Fesemayr. Leopold Mozart war bei seinen Eheschließungen als Trauzeuge beteiligt, was die persönliche Nähe innerhalb der Salzburger Hofmusik zeigt.

Diese familiären Verbindungen sind nicht nur biografische Nebensachen. Im 18. Jahrhundert waren musikalische Ämter, Unterricht, Heiratsnetzwerke und Kollegenkreise eng miteinander verflochten. Musikerfamilien sicherten Wissen, Kontakte, Aufführungspraxis und soziale Stabilität. Adlgasser stand in einem solchen Netzwerk aus Eberlin-, Mozart-, Meissner- und Fesemayr-Verbindungen. Seine dritte Frau Maria Anna Fesemayr war selbst Sängerin und trat im Salzburger Opern- und Oratorienleben hervor.

Die Nähe zu Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart ist für die spätere Wahrnehmung Adlgassers besonders wichtig. Er war ein Kollege Leopolds, ein älterer Amtsinhaber im Umfeld Wolfgangs und ein Mitwirkender an jener Salzburger Musikkultur, in der Mozart aufwuchs. Seine Wohnung in der Getreidegasse lag im unmittelbaren städtischen Umfeld der Mozarts. Dadurch wird Adlgasser zu einer Figur der alltäglichen Mozart-Welt: nicht als Randnotiz, sondern als Teil des institutionellen und sozialen Klangraums, der Mozarts Jugend umgab.

Italienreise, Stilwandel und europäische Anregungen

1764/65 unternahm Adlgasser auf Wunsch und Kosten seines Dienstherrn eine Italienreise. Diese Reise führte ihn in bedeutende Musikzentren und brachte ihn mit der italienischen Opern- und Kirchenmusikpraxis in Berührung. In Bologna begegnete er dem berühmten Padre Giovanni Battista Martini, einer der großen musiktheoretischen Autoritäten des 18. Jahrhunderts. Für einen Salzburger Hofmusiker bedeutete eine solche Reise eine wichtige Erweiterung des stilistischen Horizonts.

Italien war im 18. Jahrhundert das zentrale Labor der Oper, des galanten Stils, der Gesangskultur und einer neuen melodischen Eleganz. Adlgassers spätere Musik zeigt in einzelnen Bereichen eine stärkere Nähe zu zeitgenössischer italienischer Form- und Klangwelt. Besonders seine Sinfonien nach der Italienreise werden in der Forschung mit der italienischen Opernsinfonie in Verbindung gebracht. Auch die Festoper La Nitteti steht unmittelbar in diesem Zusammenhang.

Die Italienreise war nicht nur persönliches Bildungsereignis, sondern Teil einer Kulturpolitik. Der Salzburger Hof wollte seine Musiker nicht provinziell halten, sondern an europäischen Entwicklungen teilhaben lassen. Adlgasser wurde dadurch zu einem Vermittler zwischen Salzburger Kirchen- und Hoftradition und moderner italienischer Musikpraxis.

Kirchenmusik und liturgisches Schaffen

Die Kirchenmusik bildet den Kern von Adlgassers Werk. Als Hof- und Domorganist musste er für den liturgischen Bedarf komponieren und aufführen. Zu seinen kirchenmusikalischen Werkgruppen gehören Messen, Requien, Litaneien, Vespern, Offertorien, Motetten, Tantum-ergo-Vertonungen, Marien- und Sakramentslitaneien sowie kleinere geistliche Stücke. Die genaue Zählung schwankt je nach Werkverzeichnis und Quellenlage; sicher ist jedoch, dass die Kirchenmusik den umfangreichsten und dauerhaft wichtigsten Teil seines Schaffens bildet.

Adlgassers Kirchenmusik steht zwischen Feierlichkeit, funktionaler liturgischer Kürze und musikalischem Anspruch. Im Salzburger Kontext war oft eine klare, wirksame und zugleich dem Gottesdienst dienende Musik verlangt. Der Komponist musste Besetzungen flexibel handhaben, den Raum berücksichtigen und die Balance zwischen Chor, Solisten, Streichern, Bläsern, Orgel und Generalbass finden. In festlichen Werken treten Trompeten, Pauken und größere Besetzungen hinzu; in kleineren Messen oder Motetten herrscht stärkere Konzentration.

Die heutige Aufführungspraxis hat einzelne Werke wieder erschlossen. Besonders Litaneien und Orgelwerke werden durch moderne Editionen greifbar. Diese Wiederzugänglichkeit zeigt, dass Adlgasser nicht nur archivalisch interessant ist. Seine Kirchenmusik gehört zu jener reichen Salzburger Sakralkultur, die das Klangmilieu der Mozartzeit bildete und ohne deren Kenntnis die großen Werke Mozarts und Michael Haydns nur unvollständig verstanden werden.

Kirchenmusikalische Werkgruppen
Werkgruppe Überlieferte beziehungsweise genannte Beispiele Funktion und Einordnung
Messen Mehrere Messen, darunter Missae breves und festliche Vertonungen Liturgische Hauptgattung des Dom- und Hofdienstes.
Requien Mehrere Requiem-Vertonungen Musik für Totenliturgie und memoriale Gottesdienste.
Litaneien Marienlitaneien und Sakramentslitaneien, darunter Litaniae de venerabili altaris Sacramento Wichtige Salzburger Andachts- und Festgattung mit chorischer, solistischer und instrumentaler Anlage.
Vespern Vespervertonungen beziehungsweise vesperbezogene Kirchenmusik Teil des regelmäßigen liturgischen Abenddienstes.
Offertorien und Motetten Zahlreiche kleinere geistliche Werke Einsetzbar an bestimmten Stellen des Gottesdienstes und bei besonderen Festen.
Tantum ergo Mehrere Vertonungen Sakramentale Andachtsmusik, häufig im Zusammenhang mit eucharistischer Verehrung.
Geistliche Chorwerke Beispielhaft Komm heiliger Geist mit Deiner Gnad Zeigt die Verbindung von deutschsprachiger Andachtskultur und kirchlichem Chorsatz.

Oratorium, Schuldrama und Universitätstheater

Neben der liturgischen Musik war Adlgasser auch im Bereich des Oratoriums und der schulisch-theatralischen Musik tätig. Salzburg besaß mit Universität, Benediktinertradition und Kapellhaus eine ausgeprägte Kultur des Schul- und Universitätstheaters. Lateinische und deutsche Schuldramen, Finalkomödien, geistliche Spiele und moralische Aufführungen gehörten zum Bildungsbetrieb. Musik war dabei nicht dekoratives Beiwerk, sondern Teil der rhetorischen und pädagogischen Wirkung.

Besonders bekannt ist Die Schuldigkeit des ersten und fürnehmsten Gebotes, ein geistliches Singspiel beziehungsweise Oratorium, dessen drei Teile von unterschiedlichen Komponisten vertont wurden. Der erste Teil stammt von Wolfgang Amadeus Mozart, weitere Teile von Michael Haydn und Anton Cajetan Adlgasser. Dieses Werk zeigt exemplarisch, wie die Salzburger Hofmusik gemeinschaftlich funktionierte: mehrere Komponisten arbeiteten an einem geistlich-didaktischen Stoff, der zugleich theatralisch, musikalisch und religiös-pädagogisch angelegt war.

Adlgassers Oratorien und Schuldramen stehen in der Tradition Eberlins, weisen aber zugleich in die jüngere Salzburger Praxis. Sie verbinden moralische Allegorie, religiöse Erziehung, dramatische Personenführung und musikalische Nummernfolge. Für die Kulturgeschichte sind sie besonders wichtig, weil sie den Zusammenhang zwischen Bildung, Kirche, Bühne und Hof sichtbar machen.

Instrumental-, Orgel- und Klaviermusik

Adlgasser war nicht nur Kirchenkomponist, sondern auch Instrumentalkomponist. Zu seinem Instrumentalwerk gehören Sinfonien, Kammermusik, Klavierkonzerte, Klaviersonaten, Orgelstücke und besonders eine größere Sammlung von Versetten. Die Orgel- und Klavierwerke stehen naturgemäß in enger Beziehung zu seiner Tätigkeit als Organist und Lehrer.

Die 103 Versetten für Orgel sind ein Beispiel für praktische Kirchenmusik im kleineren Format. Versetten konnten im Wechselspiel mit Chor, Liturgie oder Gesang verwendet werden und zeigen den Organisten als improvisationsnahen Komponisten. Solche Stücke sind oft knapp, funktional und handwerklich konzentriert. Sie erlauben Einblick in die tägliche Praxis eines Organisten, die in großen Werkverzeichnissen leicht hinter Messen und Oratorien verschwindet.

Die Sinfonien und konzertanten Werke zeigen Adlgassers Teilnahme an der vorklassischen Instrumentalmusik. Nach der Italienreise entstanden Sinfonien, die stärker an der italienischen Opernsinfonie orientiert erscheinen. In ihnen begegnen raschere Periodik, klare Themenbildung und ein beweglicherer Orchestersatz. Adlgasser war hier kein radikaler Neuerer, aber ein Musiker, der moderne Stilimpulse in die Salzburger Praxis integrierte.

Instrumentale Werkgruppen
Werkgruppe Beispiele / Umfang Bedeutung
Orgelwerke 103 Versetten für Orgel und weitere orgelbezogene Stücke Direkter Ausdruck seiner liturgischen Praxis als Domorganist.
Klavier- und Cembalomusik Klaviersonaten, Unterrichts- und Spielstücke, Cembalokonzerte Verbunden mit seiner Tätigkeit als Cembalist und Klavierlehrer am Kapellhaus.
Sinfonien Mehrere Sinfonien, darunter nach der Italienreise entstandene Werke Zeigen die Aufnahme vorklassischer und italienischer Formmodelle.
Kammermusik Kleinere instrumentale Besetzungen Teil des höfischen und häuslichen Musiklebens.
Konzertante Werke Klavierkonzerte beziehungsweise Cembalokonzerte Belegen Adlgassers Anteil an der solistischen Instrumentalkultur des Salzburger Hofs.

La Nitteti und das weltliche Musiktheater

Adlgassers bedeutendstes weltliches Bühnenwerk ist die Festoper La Nitteti nach einem Text von Pietro Metastasio. Sie wurde in Salzburg aufgeführt und gehört in den Zusammenhang der italienisch geprägten höfischen Opernkultur. Metastasio war im 18. Jahrhundert der zentrale Librettist der Opera seria; seine Texte wurden in ganz Europa vertont. Dass Adlgasser einen Metastasio-Stoff bearbeitete, zeigt seine Teilnahme an einer internationalen Operntradition.

La Nitteti steht zugleich in enger Verbindung mit seiner Italienreise. Die Begegnung mit italienischer Gesangskultur und Opernpraxis machte eine solche Arbeit naheliegend. Für einen Salzburger Kirchenmusiker war eine Opernkomposition nicht unbedingt ein Bruch mit dem Amt. Hofmusiker mussten vielfach kirchliche und weltliche Aufgaben übernehmen. Die Festoper war Teil höfischer Repräsentation, ebenso wie die Messe Teil geistlicher Repräsentation war.

Die Oper zeigt Adlgasser von einer anderen Seite als die liturgische Musik. Hier musste er mit Rezitativ, Arie, dramatischer Situation, Gesangslinie und höfischem Geschmack umgehen. Auch wenn La Nitteti heute nicht zum gängigen Opernrepertoire gehört, ist sie für die Erforschung der Salzburger Opernkultur vor Mozart und neben Mozart von erheblicher Bedeutung.

Stil, Klangsprache und kompositorische Eigenart

Adlgassers Stil ist durch Übergang und Vermittlung geprägt. Von Eberlin übernahm er die solide kontrapunktische und kirchenmusikalische Tradition Salzburgs. Zugleich öffnete er sich dem galanten Stil, der im 18. Jahrhundert melodische Klarheit, periodische Ordnung, leichtere Satzstruktur und größere Kantabilität bevorzugte. Seine Musik bewegt sich daher zwischen älterer gelehrter Satzkunst und neuer vorklassischer Beweglichkeit.

In der Kirchenmusik zeigt sich diese Verbindung besonders deutlich. Adlgasser konnte festliche, mehrchörig wirkende und repräsentative Klangflächen schreiben, aber auch kürzere, funktionale, liturgisch gut einsetzbare Stücke. Seine Musik vermeidet häufig extreme Individualisierung, weil sie institutionell gebunden ist. Gerade darin liegt ihr historischer Wert. Sie zeigt, wie ein leistungsfähiger Hofkomponist den Bedarf eines geistlichen Hofs kontinuierlich erfüllte.

Nach der Italienreise treten in manchen Instrumental- und Bühnenwerken modernere italienische Einflüsse stärker hervor. Melodische Wendigkeit, klarere Formbildung und opernhafte Energie verbinden sich mit Salzburger Handwerk. Adlgasser steht damit nicht im Schatten der großen Klassiker, sondern an einer Zwischenstelle: Er vermittelt von der spätbarocken Kirchen- und Hofmusik zur jüngeren Welt Mozarts und Michael Haydns.

Werkverzeichnis

Das folgende Werkverzeichnis ordnet Anton Cajetan Adlgassers kulturelles Schaffen nach Kirchenmusik, Oratorium, Schuldrama, Oper, Instrumentalmusik, Orgel- und Klavierwerken sowie theoretisch-praktischen Schriften. Es ist als ausführliche Arbeitsübersicht gedacht. Für exakte Zuschreibungen, Werknummern, Quellenorte und Echtheitsfragen sind das thematische Werkverzeichnis von C. de Catanzaro und Werner Rainer sowie RISM-Nachweise heranzuziehen.

Kirchenmusik

Kirchenmusikalische Werke und Werkgruppen in Auswahl
Werkgruppe / Titel Besetzung / Form Funktion Einordnung
Messen Verschiedene Besetzungen für Soli, Chor, Streicher, Bläser, Orgel und Generalbass Liturgische Hauptgattung Zentraler Bestandteil seiner Tätigkeit am Salzburger Dom.
Missa brevis in A Soli, gemischter Chor und Orgel Kurze Messform Beispiel für funktionale, liturgisch einsetzbare Kirchenmusik.
Missa in C-Dur Singstimme und Orgel Kirchenmusikalische Einzel- beziehungsweise Kleinbesetzung In moderner Edition zugänglich gemacht.
Requien Vokal- und Instrumentalbesetzungen Totenliturgie Teil der Salzburger memorialen Kirchenmusik.
Marienlitaneien Soli, Chor, Orchester und Orgel, je nach Quelle Marianische Andachts- und Festmusik Wichtige Gattung im Salzburger Kirchenjahr.
Litaniae de venerabili altaris Sacramento Soli, Chor, Instrumente und Basso continuo Sakramentslitanei Durch moderne Edition wieder greifbares Beispiel seiner festlichen Sakralmusik.
Litania Lauretana Vier Stimmen, Streicher, Trompeten, Pauken und Orgel Lauretanische Litanei Beispiel für festliche liturgische Besetzung.
Tantum-ergo-Vertonungen Vokal- und Instrumentalbesetzungen Eucharistische Andachtsmusik Typisch für die sakramentale Frömmigkeit des 18. Jahrhunderts.
Offertorien und Motetten Chor, Solisten, Streicher, Orgel und Generalbass Musik an bestimmten Stellen der Messe Umfangreiche Gruppe kleinerer liturgischer Werke.
Komm heiliger Geist mit Deiner Gnad Vierstimmiger Chor, zwei Violinen und Orgel Deutschsprachige geistliche Musik Beispiel für deutschsprachige Andachts- beziehungsweise Kirchenmusik im Salzburger Raum.

Oratorien, geistliche Dramen und Schuldramen

Geistlich-theatralische Werke und Schuldramen
Titel / Werkgruppe Jahr / Zeitraum Form Bedeutung
Die Schuldigkeit des ersten und fürnehmsten Gebotes 1767 Geistliches Singspiel / Oratorium, Pasticcio Gemeinschaftswerk mit Michael Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart; wichtigstes bekanntes Oratorienprojekt mit Adlgassers Beteiligung.
Oratorien in der Tradition Eberlins 1750er bis 1770er Jahre Geistliche dramatische Musik Verbindung von religiöser Unterweisung, Bühnenwirkung und Salzburger Hofpraxis.
Finalkomödien Schul- und Universitätstheater Musik zu schulischen Aufführungen Teil der Salzburger Universitätstheatertradition.
Schuldramen Salzburger Bildungs- und Theaterpraxis Bühnenmusik Verbindet Unterricht, Rhetorik, Moral und Musik im akademischen Kontext.

Oper und weltliches Musiktheater

Weltliche Bühnenwerke
Titel Jahr Text / Vorlage Einordnung
La Nitteti 1766 Libretto nach Pietro Metastasio Festoper beziehungsweise Opera-seria-orientiertes Bühnenwerk; wichtigstes weltliches Musiktheaterwerk Adlgassers.

Instrumentalmusik

Instrumentale Werke und Werkgruppen
Werkgruppe / Titel Besetzung Bedeutung
Sinfonien Orchester Zeigen Adlgasser als Vertreter der Salzburger Vorklassik und teils als Rezipienten italienischer Opernsinfonik.
Sinfonia A Orchester Beispiel einer nach der Italienreise entstandenen Sinfonie im Umfeld des modernen vorklassischen Stils.
Klavier- beziehungsweise Cembalokonzerte Tasteninstrument und Orchester Verbinden Hofmusik, Solistenkultur und Unterrichtspraxis.
Klaviersonaten Tasteninstrument Wichtig für Haus-, Unterrichts- und höfische Kammermusikpraxis.
Kammermusik Kleinere Instrumentalbesetzungen Ergänzt das Bild eines vielseitigen Hofmusikers.

Orgel- und Klavierwerke

Werke für Tasteninstrumente
Titel / Werkgruppe Instrument Funktion Einordnung
103 Versetten für Orgel Orgel Liturgischer Gebrauch, Alternatim- und Zwischenmusik Besonders wichtig für die praktische Organistenarbeit Adlgassers.
Orgelstücke und Versetten Orgel Gottesdienst, Vesper, Messe und Unterricht Kleinformate zwischen Improvisationspraxis und schriftlicher Fixierung.
Klavierstücke Klavier / Cembalo Unterricht und höfische Kammermusik Spiegeln seine Lehrtätigkeit am Kapellhaus.

Theoretisch-praktische Schriften

Kompositions- und Satzlehre in Handschriften
Titel Form Bedeutung
Fundamenta Compositionis Handschrift Kompositions- und Satzlehre; zeigt Adlgassers Anteil an praktischer Musiktheorie und Unterrichtstradition.
Partitur Fundament Handschrift Material zum Partiturlesen beziehungsweise zur kompositorischen Grundlagenlehre.
Partiturfundament von berühmten Auctoren H. Cajetan Adlgasser und H. Michael Heyden Handschriftliche Lehrtradition Belegt die Verbindung von Adlgasser und Michael Haydn im Bereich musiktheoretisch-praktischer Ausbildung.

Systematische Werkgruppen

Zusammenfassung der Werkbereiche
Werkbereich Typische Gattungen Kulturelle Funktion
Liturgische Musik Messen, Requien, Litaneien, Vespern, Offertorien, Motetten Musikalische Versorgung von Dom, Hofkirchen und Festgottesdiensten.
Geistliches Musiktheater Oratorien, geistliche Singspiele, Schuldramen Verbindung von Religion, Pädagogik, Bühne und Hofkultur.
Weltliches Musiktheater La Nitteti Teilnahme an der internationalen italienischen Operntradition.
Instrumentalmusik Sinfonien, Konzerte, Kammermusik Höfische und repräsentative Musikkultur jenseits der Liturgie.
Tastenmusik Orgelversetten, Klaviersonaten, Klavierstücke Organistenpraxis, Unterricht und Hausmusik.
Musiktheorie und Unterricht Fundamenta Compositionis, Partitur Fundament Weitergabe kompositorischer Grundlagen im Salzburger Ausbildungswesen.

Rezeption und Nachwirkung

Adlgasser wurde zu Lebzeiten als fähiger Organist, Begleiter und Komponist geschätzt. Besonders sein Orgelspiel und sein Accompagnement galten als bedeutend. In der Nachwelt wurde sein Name jedoch lange durch die überragende Bedeutung Mozarts und durch die stärkere Präsenz Michael Haydns verdeckt. Wie viele professionelle Hofmusiker des 18. Jahrhunderts wurde er weniger als individualisierter Komponistenheld erinnert, sondern als Teil eines institutionellen Musiksystems.

Seine Nachwirkung ist dennoch erheblich. Erstens dokumentiert sein Werk die Salzburger Kirchenmusik vor und neben Mozart. Zweitens zeigt seine Laufbahn, wie eng Amt, Unterricht, Komposition, Orgelspiel und höfische Dienstpflicht verbunden waren. Drittens macht seine Beteiligung an Die Schuldigkeit des ersten und fürnehmsten Gebotes ihn zu einem wichtigen Vergleichspunkt für die frühe geistliche Musik Wolfgang Amadeus Mozarts. Viertens veranschaulichen seine Instrumentalwerke den Übergang vom spätbarocken Salzburger Stil zur Vorklassik.

Die moderne Forschung hat Adlgasser besonders durch das thematische Werkverzeichnis von C. de Catanzaro und Werner Rainer, durch Untersuchungen zum Instrumentalwerk, durch Studien zur Kirchenmusik in Mozarts Salzburg und durch Einzeleditionen wieder erschlossen. Auch RISM-Nachweise und Archive wie das Benediktinerstift St. Peter, die Bayerische Staatsbibliothek, das Stift Kremsmünster und Salzburger Musiksammlungen sind für die Überlieferung seiner Werke bedeutsam.

Für heutige Aufführungspraxis ist Adlgasser besonders in Kirchenmusik, Orgelmusik und Salzburger Vorklassik interessant. Seine Werke bieten Einblick in eine Klangwelt, die nicht primär vom späteren Konzertkanon, sondern von liturgischem Raum, institutionellem Bedarf und handwerklicher Meisterschaft bestimmt ist. Genau darin liegt seine kulturhistorische Eigenständigkeit.

Sekundärliteratur und Recherchewege

Die Forschung zu Anton Cajetan Adlgasser ist stärker musikwissenschaftlich als allgemeinbiografisch geprägt. Wichtig sind das Österreichische Musiklexikon, das Salzburger Kulturlexikon, die Musik in Geschichte und Gegenwart, The New Grove Dictionary of Music and Musicians, das thematische Werkverzeichnis von C. de Catanzaro und Werner Rainer, Werner Rainers Studie zum Instrumentalwerk sowie Forschungen zur Salzburger Kirchenmusik, zu Johann Ernst Eberlin, Michael Haydn und Mozarts Salzburger Umfeld.

Ausgewählte Sekundärliteratur, Nachschlagewerke und Recherchehilfen
Autor / Institution Titel / Quelle Nutzen für die Recherche
Österreichisches Musiklexikon Artikel „Adlgasser, Anton Cajetan“ Kompakte Fachinformation zu Lebensdaten, Ämtern, Werken, Schriften und Literatur.
Salzburger Kulturlexikon Artikel „Anton Cajetan Adlgasser“ Wichtig für Salzburger Ausbildung, Hofdienst, Kapellhaus, Dreifaltigkeitskirche, Mozart-Umfeld und Todesüberlieferung.
C. de Catanzaro / Werner Rainer Anton Cajetan Adlgasser (1729–1777): A Thematic Catalogue Zentrale Grundlage für Werkverzeichnis, Zuschreibungen, Werkgruppen, Quellen und Chronologie.
Werner Rainer Das Instrumentalwerk A. C. Adlgassers nebst Biographie und Werkverzeichnis Grundlegende Studie zum Instrumentalwerk und zur biografischen Erschließung.
Werner Rainer Aufsatz zu Anton Cajetan Adlgasser in den Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde Wichtige ältere Spezialstudie zur Person und zum Werk.
Christoph Schneider Studie zu Adlgassers Oratorien und Schuldramen Besonders relevant für Universitätstheater, Finalkomödien und geistlich-theatralische Werke.
C. de Catanzaro Sacred Music in Mozart’s Salzburg: Authenticity, Chronology, & Style in the Church Works of C. A. Adlgasser Wichtige Arbeit zur Echtheit, Chronologie und Stilistik der Kirchenmusik.
Manfred Hermann Schmid Mozart und die Salzburger Tradition Hilfreich zur Einordnung Adlgassers in Mozarts musikalisches Umfeld.
Heinz Schuler Mozarts Salzburger Freunde und Bekannte Nützlich für die sozialen und biografischen Verbindungen zwischen Adlgasser, Leopold Mozart und Wolfgang Amadeus Mozart.
Carus-Verlag Editionen und Komponistenseite zu Adlgasser Wichtig für moderne Aufführungsmaterialien, besonders Litaneien und Orgelwerke.
RISM Quellennachweise zu Adlgasser-Handschriften Zentrale Datenbank für Musikhandschriften, Quellenorte, Abschriften und Überlieferungszusammenhänge.
Bayerische Staatsbibliothek Digitalisate und Handschriftennachweise Hilfreich für einzelne liturgische Werke, insbesondere Litaneien.
Benediktinerstift St. Peter Salzburg Musikarchivalien und Salzburger Quellen Wichtig für lokale Überlieferung der Salzburger Kirchen- und Hofmusik.
Stift Kremsmünster Musikarchiv Aufbewahrungsort einzelner kirchenmusikalischer Handschriften Adlgassers.

Recherchehinweise

  • Bei Katalogsuchen sollten die Namensformen „Anton Cajetan Adlgasser“, „Cajetan Adlgasser“, „Cajetan Anton Adlgasser“ und „Adelgasser“ parallel verwendet werden.
  • Für exakte Werkzählungen und Zuschreibungen ist das thematische Werkverzeichnis von C. de Catanzaro und Werner Rainer maßgeblich.
  • Für die Kirchenmusik sind RISM, Salzburger Archive, die Bayerische Staatsbibliothek, Kremsmünster und moderne Carus-Editionen besonders wichtig.
  • Für das Instrumentalwerk sind Werner Rainers Forschungen, das Mozarteum, St. Peter Salzburg und österreichische beziehungsweise bayerische Musikarchive zu prüfen.
  • Für die Beziehung zum Mozart-Kreis sind Leopold Mozarts Briefe, Schuler, Schmid und Untersuchungen zu Mozarts Salzburger Umfeld heranzuziehen.
  • Bei der Datierung des Todes sollte die Abweichung zwischen 21. und 22. Dezember 1777 offen ausgewiesen werden.
  • Für die stilistische Einordnung sollte Adlgasser nicht isoliert, sondern im Zusammenhang von Johann Ernst Eberlin, Leopold Mozart, Michael Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart gelesen werden.

Weiterführende Kulturlexikon-Einträge

  • Anton Cajetan Adlgasser In Bayern geborener Salzburger Hof- und Domorganist, Kirchenmusiker, Cembalist und Komponist der Vorklassik, 1729–1777.
  • Cajetan Adlgasser Namensvariante Anton Cajetan Adlgassers, wichtig für ältere Kataloge, Handschriften und bibliografische Recherche.
  • Adelgasser Abweichende Schreibweise des Familiennamens Adlgasser in älteren Nachweisen.
  • Akademisches Gymnasium Salzburg Nachfolgeinstitution der Salzburger Lateinschule, die für Adlgassers Ausbildungskontext relevant ist.
  • Bayerische Staatsbibliothek Wichtiger Aufbewahrungsort und Digitalisierungsbestand für Musikhandschriften des 18. Jahrhunderts.
  • Benediktineruniversität Salzburg Bildungs- und Theaterinstitution, deren Schuldramen und Universitätstheater für Adlgassers frühe Praxis wichtig waren.
  • Benediktinerstift St. Peter Salzburg Salzburger Institution mit wichtiger Musiküberlieferung zur Kirchen- und Hofmusik des 18. Jahrhunderts.
  • Carl Heinrich Biber Salzburger Komponist der älteren Kirchenmusiktradition, vor deren Hintergrund Adlgassers Vorklassik steht.
  • Liturgie im 18. Jahrhundert Religiöser und musikalischer Rahmen für Messen, Litaneien, Vespern, Requien und Motetten.
  • Cembalist Tasteninstrumentalist im höfischen und kirchlichen Musikleben, eine wichtige Funktion Adlgassers.
  • Die Schuldigkeit des ersten Gebots Geistliches Singspiel beziehungsweise Oratorium von Mozart, Michael Haydn und Adlgasser aus dem Jahr 1767.
  • Domorganist Kirchenmusikalisches Amt, das liturgisches Orgelspiel, Begleitung, Improvisation und Komposition verbindet.
  • Dreifaltigkeitskirche Salzburg Salzburger Kirche, an der Adlgasser ab 1760 zusätzlich als Organist wirkte.
  • Johann Ernst Eberlin Salzburger Hofkomponist, Lehrer, Vorgänger und Schwiegervater Adlgassers.
  • Maria Anna Fesemayr Salzburger Hofsängerin und dritte Ehefrau Anton Cajetan Adlgassers.
  • Finalkomödie Schul- und Universitätstheaterform des 18. Jahrhunderts, zu der Adlgasser Musik beitrug.
  • Fürsterzbistum Salzburg Geistlicher Staat und kultureller Rahmen von Adlgassers Hof- und Kirchenmusiklaufbahn.
  • Galanter Stil Musikalischer Stil des 18. Jahrhunderts, dessen Klarheit und Melodik in Adlgassers späteren Werken spürbar wird.
  • Generalbass Satz- und Begleitpraxis, die für Adlgassers Orgel-, Cembalo- und Kirchenmusik zentral war.
  • Giovanni Battista Martini Bologneser Musiktheoretiker, dem Adlgasser auf seiner Italienreise begegnete.
  • Michael Haydn Salzburger Komponist und Kollege Adlgassers, Mitwirkender an Die Schuldigkeit des ersten Gebots.
  • Hof- und Domorganist Adlgassers zentrales Amt im Dienst des Salzburger Fürsterzbischofs.
  • Hofkapelle Salzburg Musikalische Institution des fürsterzbischöflichen Hofes, in der Adlgasser wirkte.
  • Inzell Oberbayerischer Herkunftsort Adlgassers beziehungsweise Geburtsraum Niederachen bei Inzell.
  • Italienreise von Musikern Bildungs- und Stilkontakt des 18. Jahrhunderts, der für Adlgassers Entwicklung nach 1764/65 wichtig wurde.
  • Johann Gottlieb Naumann Komponist im europäischen Opern- und Kirchenmusiknetz des 18. Jahrhunderts, als Vergleichsfigur der Salzburger Italienorientierung relevant.
  • Kapellhaus Salzburg Ausbildungsinstitution der Salzburger Hofmusik, in der Adlgasser lernte und später Klavier unterrichtete.
  • Kirchenmusik Zentrales Arbeitsfeld Adlgassers mit Messen, Requien, Litaneien, Vespern, Motetten und Offertorien.
  • Klavierkonzert Konzertante Gattung für Tasteninstrument und Orchester, die auch in Adlgassers Werk begegnet.
  • Klavierlehrer Funktion Adlgassers am Salzburger Kapellhaus ab 1760.
  • La Nitteti Festoper Anton Cajetan Adlgassers nach einem Libretto von Pietro Metastasio.
  • Leopold Mozart Salzburger Hofmusiker, Kollege und persönlicher Bekannter Adlgassers.
  • Litanei Kirchenmusikalische Gattung, in der Adlgasser zahlreiche Werke komponierte.
  • Litaniae de venerabili altaris Sacramento Sakramentslitanei Adlgassers, durch moderne Editionen wieder zugänglich.
  • Maria Anna Fesemayr Hofsängerin, Adlgassers dritte Ehefrau und Sängerin im Salzburger Musikleben.
  • Pietro Metastasio Librettist der Opera seria, dessen Textgrundlage für Adlgassers La Nitteti maßgeblich war.
  • Missa brevis Kurze Messform, die im Salzburger Kirchenmusikbetrieb des 18. Jahrhunderts häufig benötigt wurde.
  • Motette Geistliche Vokalgattung, die zu Adlgassers liturgischem Werkbereich gehört.
  • Wolfgang Amadeus Mozart Jüngerer Salzburger Kollege Adlgassers und Nachfolger im Hoforganistenamt.
  • Mozarts Salzburg Musikalisches Umfeld aus Dom, Hof, Kapellhaus und Kollegenkreisen, in dem Adlgasser eine wichtige Rolle spielte.
  • Niederachen Geburtsort Anton Cajetan Adlgassers bei Inzell in Oberbayern.
  • Offertorium Musik zum Offertorium der Messe, in Adlgassers Werk durch zahlreiche Stücke vertreten.
  • Opera seria Italienische Opernform, deren Tradition für La Nitteti und Metastasio maßgeblich ist.
  • Orgelversett Kurzes liturgisches Orgelstück, bei Adlgasser besonders durch die Sammlung von 103 Versetten vertreten.
  • Padre Martini Kurzform für Giovanni Battista Martini, wichtigen italienischen Musiktheoretiker des 18. Jahrhunderts.
  • Requiem Totenmesse und wichtige Kirchenmusikgattung, die auch in Adlgassers Werk vertreten ist.
  • RISM Internationales Quellenlexikon der Musik, zentral für die Recherche nach Adlgasser-Handschriften.
  • Salzburg Hauptwirkungsort Adlgassers und Zentrum seiner Kirchen-, Hof- und Unterrichtstätigkeit.
  • Salzburger Dom Zentrale liturgische Wirkungsstätte Adlgassers als Hof- und Domorganist.
  • Salzburger Kirchenmusik Musikalische Tradition, in der Adlgassers Messen, Litaneien, Requien und Motetten stehen.
  • Sigismund III. von Schrattenbach Salzburger Fürsterzbischof, unter dem Adlgasser als Hof- und Domorganist wirkte und seine Italienreise unternahm.
  • Schuldrama Theaterform des Bildungswesens, für die Adlgasser im Salzburger Universitätstheater Musik schrieb.
  • Sinfonia Instrumentale Gattung, in der Adlgasser nach der Italienreise vorklassische und italienische Einflüsse aufnahm.
  • Stift Kremsmünster Österreichisches Klosterarchiv mit Handschriften aus dem Umfeld der Kirchenmusik des 18. Jahrhunderts.
  • Tantum ergo Eucharistischer Hymnus, den Adlgasser mehrfach vertonte.
  • Universitätstheater Salzburg Bühnen- und Bildungskontext, in dem Adlgasser mit Schuldramen und Finalkomödien verbunden ist.
  • Vorklassik Stilperiode zwischen Spätbarock und Klassik, in der Adlgassers Werk besonders einzuordnen ist.
  • Vesper Liturgischer Abendgottesdienst, für dessen musikalische Gestaltung Adlgasser Werke schuf.
  • 103 Versetten für Orgel Orgelwerkgruppe Adlgassers, wichtig für liturgische Praxis und heutige Editionen.