Kulturlexikon
Israel Adler
Israel Adler war einer der prägenden Musikwissenschaftler der modernen jüdischen Musikforschung. Seine Arbeit verband historische Quellenkunde, Bibliotheks- und Archivaufbau, internationale Dokumentationssysteme, synagogale Musikgeschichte, sephardische und italienisch-jüdische Traditionen sowie die institutionelle Etablierung jüdischer Musikforschung in Israel. Er gründete das Jewish Music Research Centre an der Hebräischen Universität Jerusalem, wirkte am Aufbau der National Sound Archives of Israel mit, leitete die Musikabteilung der Jewish National and University Library und veröffentlichte grundlegende Werke zu hebräischen Musikquellen, notierten jüdischen Handschriften, jüdischer Kunstmusik in Europa und zur Bibliographie jüdischer Musik.
Überblick
Israel Adler gehört zu den zentralen Gestalten der jüdischen Musikforschung des 20. Jahrhunderts. Seine Bedeutung liegt nicht nur in einzelnen Büchern oder Aufsätzen, sondern in einer ungewöhnlichen Verbindung von Forschung, Quellenerschließung, Archivpolitik, Bibliotheksarbeit und institutionellem Aufbau. Er sammelte, katalogisierte, edierte und interpretierte Quellen, die ohne solche Arbeit leicht randständig geblieben oder ganz unsichtbar geworden wären. Besonders stark war sein Interesse an europäischen jüdischen Gemeinden vom Mittelalter bis in das 18. Jahrhundert, an hebräischen Schriften über Musik, an notierten synagogalen Traditionen und an der Frage, wie jüdische Musikgeschichte zwischen Schrift, Aufführung und Gedächtnis rekonstruiert werden kann.
Adlers Forschung widersprach einfachen Vorstellungen, nach denen jüdische Musikgeschichte entweder nur als mündlich-liturgische Tradition oder nur als ethnographische Gegenwartspraxis zu betrachten sei. Er zeigte, dass es umfangreiche schriftliche, notierte, bibliographische und archivalische Spuren gibt. Seine Werke zu Hebrew Writings Concerning Music und Hebrew Notated Manuscript Sources up to circa 1840 gehören zu den Grundlagenarbeiten, weil sie Quellen in hebräischer Schrift in eine internationale musikwissenschaftliche Ordnung einführten.
Zugleich war Israel Adler ein Institutionengründer. Die von ihm gegründeten oder mit aufgebauten Einrichtungen, vor allem das Jewish Music Research Centre und die National Sound Archives of Israel, gaben jüdischer Musikforschung eine dauerhafte materielle und organisatorische Basis. Darin liegt seine kulturgeschichtliche Sonderstellung: Er war nicht nur Interpret der Vergangenheit, sondern Schöpfer von Infrastrukturen, durch die diese Vergangenheit überhaupt erforschbar, hörbar und publizierbar wurde.
Kurzdaten
- Hauptname
- Israel Adler.
- Registerform
- Adler, Israel.
- Französische Namensform
- Israël Adler.
- Hebräische Namensform
- ישראל אדלר.
- Geburt
- 17. Januar 1925 in Berlin.
- Tod
- 17. August 2009 in Jerusalem.
- Berufe und Rollen
- Musikwissenschaftler, Bibliothekar, Archivgründer, Hochschullehrer, Herausgeber, Bibliograph und Spezialist für jüdische Musikgeschichte.
- Lebensräume
- Berlin, Palästina beziehungsweise Israel, Paris und Jerusalem.
- Migration
- 1937 wanderte Israel Adler mit seiner Familie nach Palästina aus.
- Ausbildung
- Traditionelle Studien in Jeschiwot in Jerusalem und Petah Tikvah; später Musik- und Musikwissenschaftsstudien in Paris am Conservatoire National de Musique, an der École Pratique des Hautes Études und am Institut de Musicologie der Sorbonne.
- Promotion
- 1963 Promotion an der Sorbonne mit einer Arbeit über gelehrte Musikpraxis in jüdischen Gemeinden Europas des 17. und 18. Jahrhunderts; publiziert 1966 als La pratique musicale savante dans quelques communautés juives en Europe aux XVIIe-XVIIIe siècles.
- Pariser Tätigkeit
- Von 1950 bis 1963 Tätigkeit an der Bibliothèque Nationale, besonders im Hebraica- und Judaica-Bereich.
- Jerusalemer Tätigkeit
- Ab 1963 Direktor der neuen Musikabteilung der Jewish National and University Library; 1969 bis 1971 Direktor der Jewish National and University Library.
- Gründungen
- Aufbau der National Sound Archives of Israel und Gründung des Jewish Music Research Centre an der Hebräischen Universität Jerusalem.
- Hochschulämter
- Associate Professor an der Tel Aviv University ab 1971; ab 1973 an der Hebräischen Universität Jerusalem, dort Professor ab 1975, mehrfach Vorsitzender des Department of Musicology und ab 1994 Emeritus.
- Internationale Rollen
- Mitwirkung in RISM, RILM, IAML und IASA; Gründer und Mitgestalter internationaler Dokumentations- und Archivnetzwerke.
- Zentrale Werke
- La pratique musicale savante dans quelques communautés juives en Europe aux XVIIe-XVIIIe siècles, Musical Life and Traditions of the Portuguese Jewish Community of Amsterdam in the XVIIIth Century, Hebrew Writings Concerning Music, A. Z. Idelsohn Archives, Hebrew Notated Manuscript Sources up to circa 1840 und The Study of Jewish Music: A Bibliographical Guide.
- Kulturgeschichtliche Bedeutung
- Israel Adler machte jüdische Musikgeschichte als historisch, philologisch, archivalisch, bibliographisch und klanglich erschließbares Forschungsfeld sichtbar und institutionell dauerhaft bearbeitbar.
- Dateiname
adler-israel.shtml.
Namen, Schreibweisen und Dateiansetzung
Die Hauptform dieses Eintrags lautet Israel Adler. In französischen Veröffentlichungen und Katalogen begegnet auch die Form Israël Adler, da Adler längere Zeit in Paris studierte und an der Bibliothèque Nationale arbeitete. In hebräischen Kontexten erscheint sein Name als ישראל אדלר. Für deutschsprachige Kulturlexikon-Zwecke ist die Form Israel Adler eindeutig, knapp und international gut anschlussfähig.
Der Dateiname folgt der Personenregel Nachname–Vorname und lautet adler-israel.shtml. Der sichtbare Linktext sollte Israel Adler lauten. In Bibliographien ist die Registerform Adler, Israel zu verwenden. Bei französischen und israelischen Katalogrecherchen sollten zusätzlich die Formen Israël Adler und ישראל אדלר berücksichtigt werden.
- Israel Adler
- Hauptform im deutschsprachigen Fließtext und sichtbarer Linktext.
- Adler, Israel
- Bibliographische Registerform.
- Israël Adler
- Französische Namensform, besonders in Pariser und französischsprachigen Nachweisen.
- ישראל אדלר
- Hebräische Namensform in israelischen Katalogen und hebräischen Quellenumgebungen.
adler-israel.shtml- Dateiname nach der Personenregel Nachname–Vorname.
Quellenlage und Einordnung
Die Quellenlage zu Israel Adler ist reich und vergleichsweise zuverlässig. Zentrale biographische und fachliche Informationen bieten das Jewish Music Research Centre der Hebräischen Universität Jerusalem, das Institut Européen des Musiques Juives, die National Library of Israel, Encyclopedia.com, die Posen Library, RISM, Magnes Press und bibliographische Nachweise in Cambridge-, JSTOR-, Persée- und NLI-Kontexten. Besonders wichtig sind Nachrufe und Würdigungen aus dem Umfeld der jüdischen Musikforschung, weil sie nicht nur Lebensdaten, sondern auch institutionelle Leistung und Forschungsprofil beschreiben.
Ein vollständiges Werkverzeichnis Israel Adlers ist anspruchsvoll, weil seine Publikationstätigkeit Monographien, Kataloge, Editionsprojekte, Aufsätze, Rezensionen, Herausgeberschaften, RISM-Bände, Yuval-Publikationen, Tonarchiv- und Quellenprojekte sowie institutionelle Programmarbeit umfasst. Das Jewish Music Research Centre weist darauf hin, dass ausführliche Publikationslisten unter anderem in Yuval 7: Studies in Honour of Israel Adler und im Thesaurus of Jewish Music greifbar sind. Für eine Kulturlexikon-Seite ist daher eine quellenkritisch formulierte Werkübersicht sinnvoll: Hauptwerke und sicher nachweisbare Projekte werden einzeln genannt, verstreute Aufsätze und kleinere Beiträge nach Werkgruppen geordnet.
- Biographischer Kern: Geburt am 17. Januar 1925 in Berlin, Auswanderung nach Palästina 1937, Pariser Studien und Bibliothekstätigkeit, Rückkehr nach Israel 1963, Tod am 17. August 2009 in Jerusalem.
- Institutioneller Kern: Bibliothèque Nationale, Jewish National and University Library, National Sound Archives of Israel, Jewish Music Research Centre, Hebrew University of Jerusalem, Israel Musicological Society, RISM, RILM, IAML und IASA.
- Forschungskern: Jüdische Musikgeschichte Europas, hebräische Musikschriften, notierte jüdische Handschriften, sephardische und italienisch-jüdische Gemeinden, synagogale Gesänge, Tonarchive und Bibliographie.
- Werkproblem: Adlers Arbeit besteht nicht nur aus Monographien, sondern aus Forschungsinfrastruktur, Katalogen, Editionsprojekten und institutionellen Quellenreihen.
- Bewertung: Adlers Bedeutung liegt besonders in der Verbindung von philologischer Genauigkeit, internationaler Dokumentation und Aufbau dauerhafter Forschungsinstitutionen.
Leben, Exil, Paris und Jerusalem
Israel Adler wurde am 17. Januar 1925 in Berlin geboren. 1937 wanderte er mit seiner Familie nach Palästina aus. Diese frühe biographische Verschiebung ist für sein späteres Werk nicht äußerlich. Adlers wissenschaftliches Leben stand unter dem Zeichen einer verlorenen, zerstreuten und neu zu sammelnden jüdischen Musikkultur. Die Suche nach Spuren in Handschriften, Archiven, Bibliotheken und Tonaufnahmen war auch eine Antwort auf historische Zerstörung und Zerstreuung.
In Palästina erhielt Adler zunächst eine traditionelle Ausbildung in Jeschiwot in Jerusalem und Petah Tikvah. Diese Vertrautheit mit hebräischer und rabbinischer Schriftkultur wurde später für seine musikwissenschaftliche Arbeit entscheidend. Er konnte hebräische Musiktexte, Handschriften, liturgische Quellen und jüdische Gelehrtenliteratur nicht nur als exotisches Randmaterial, sondern aus einer inneren philologischen Kompetenz heraus lesen und erschließen.
Nach dem israelischen Unabhängigkeitskrieg ging Adler nach Paris. Dort studierte er von 1950 bis 1963 Musik und Musikwissenschaft am Conservatoire National de Musique, an der École Pratique des Hautes Études und am Institut de Musicologie der Sorbonne. Zu seinen wichtigen Lehrern und akademischen Bezugspersonen gehörten Solange Corbin und Jacques Chailley. Parallel arbeitete er an der Bibliothèque Nationale und wurde dort für den Hebraica- beziehungsweise Judaica-Bereich wichtig.
1963 promovierte Adler an der Sorbonne mit einer Arbeit über gelehrte Musikpraxis in jüdischen Gemeinden Europas des 17. und 18. Jahrhunderts. Diese Arbeit erschien 1966 unter dem Titel La pratique musicale savante dans quelques communautés juives en Europe aux XVIIe-XVIIIe siècles. Sie widerlegte in ihrem Materialbestand vereinfachende Annahmen, nach denen jüdische Gemeinden der frühen Neuzeit kaum kunstmusikalische oder notierte musikalische Praxis ausgebildet hätten. Adler machte deutlich, dass Italien, Amsterdam, das Comtat Venaissin und andere Räume reichere Spuren bewahrten, als die ältere Forschung wahrgenommen hatte.
Nach seiner Rückkehr nach Israel wurde Adler 1963 Direktor der neuen Musikabteilung der Jewish National and University Library in Jerusalem. Von dort aus baute er die National Sound Archives of Israel mit auf. Diese Aufgabe verband ihn mit einem modernen Archivgedanken: Musik sollte nicht nur als Text, sondern auch als Klang dokumentiert werden. Mündliche Traditionen, ethnomusikologische Aufnahmen, liturgische Gesänge und regionale Überlieferungen erhielten dadurch eine nationale und wissenschaftliche Infrastruktur.
1964 gründete Adler das Jewish Music Research Centre an der Hebräischen Universität Jerusalem. Er leitete es von 1964 bis 1969 und erneut von 1971 bis 2000. 1969 bis 1971 war er Direktor der Jewish National and University Library. Ab 1971 lehrte er als Associate Professor an der Tel Aviv University, 1973 wechselte er an die Hebräische Universität Jerusalem, wurde dort 1975 Professor, leitete das Department of Musicology in mehreren Amtszeiten und wurde 1994 emeritiert. Israel Adler starb am 17. August 2009 in Jerusalem.
- 1925: Geburt am 17. Januar in Berlin.
- 1937: Auswanderung mit der Familie nach Palästina.
- 1930er/1940er Jahre: Traditionelle Studien in Jeschiwot in Jerusalem und Petah Tikvah.
- 1948/1949: Dienstzeit im Umfeld des israelischen Unabhängigkeitskriegs und anschließender Übergang zur Pariser Studienphase.
- 1950–1963: Aufenthalt in Paris; Studien am Conservatoire National de Musique, an der École Pratique des Hautes Études und am Institut de Musicologie der Sorbonne; Tätigkeit an der Bibliothèque Nationale.
- 1963: Promotion an der Sorbonne und Rückkehr nach Israel; Berufung an die Jewish National and University Library.
- 1964: Gründung des Jewish Music Research Centre an der Hebräischen Universität Jerusalem.
- 1966: Veröffentlichung von La pratique musicale savante dans quelques communautés juives en Europe aux XVIIe-XVIIIe siècles.
- 1967: Initiative zur Gründung der Israel Musicological Society.
- 1969–1971: Direktor der Jewish National and University Library.
- 1971: Associate Professor an der Tel Aviv University.
- 1973: Eintritt in das Department of Musicology der Hebräischen Universität Jerusalem.
- 1974: Veröffentlichung von Musical Life and Traditions of the Portuguese Jewish Community of Amsterdam in the XVIIIth Century.
- 1975: Professor an der Hebräischen Universität Jerusalem; Veröffentlichung von Hebrew Writings Concerning Music im RISM-Kontext.
- 1976: Veröffentlichung des Katalogs der A. Z. Idelsohn Archives gemeinsam mit Judith Cohen.
- 1989: Veröffentlichung von Hebrew Notated Manuscript Sources up to circa 1840 mit Unterstützung von Lea Shalem.
- 1994: Emeritierung an der Hebräischen Universität Jerusalem.
- 1995: Veröffentlichung von The Study of Jewish Music: A Bibliographical Guide.
- 2000: Moderne Wiederaufführung des Oratoriums Ester von Cristiano Giuseppe Lidarti auf Grundlage einer von Israel Adler edierten Partitur.
- 2009: Tod am 17. August in Jerusalem.
Institutionen: Bibliothek, Archiv und Forschungszentrum
Israel Adler war ein Forscher, dessen Leistung institutionell gedacht werden muss. Seine Arbeit an der Bibliothèque Nationale in Paris prägte ihn als Bibliothekar, Quellenkenner und Sammler. Die dortige Verbindung von nationaler Bibliothek, Hebraica/Judaica-Beständen und musikwissenschaftlicher Ausbildung wurde zu einem Modell für seine spätere Jerusalemer Arbeit.
Nach seiner Rückkehr nach Israel leitete Adler die neue Musikabteilung der Jewish National and University Library. Damit erhielt Musik eine klarere bibliothekarische und wissenschaftliche Verankerung innerhalb einer nationalen jüdischen Gedächtnisinstitution. Besonders bedeutsam war der Aufbau der National Sound Archives of Israel. Adler orientierte sich dabei am französischen Modell der Phonothèque Nationale und übertrug es auf israelische und jüdische Klangüberlieferung. Aufnahmen von Ethnomusikologen, liturgischen Traditionen, regionalen Gesängen und mündlichen Überlieferungen wurden gesammelt und wissenschaftlich verfügbar gemacht.
Das 1964 gegründete Jewish Music Research Centre wurde zu Adlers wichtigster institutioneller Schöpfung. Das Zentrum verband Forschung, Edition, Bibliographie, Tonarchiv, Publikationsreihen und internationale Kooperation. Es veröffentlichte die Reihe Yuval – Studies of the Jewish Music Research Centre, die Yuval Monograph Series, die Yuval Music Series und weitere Projekte. Damit wurde jüdische Musik nicht nur als Thema einzelner Gelehrter, sondern als dauerhaftes Forschungsprogramm etabliert.
- Bibliothèque Nationale: Pariser Arbeitsort, an dem Adler den Hebraica- und Judaica-Bereich mit musikwissenschaftlicher Forschung verband.
- Jewish National and University Library: Jerusalemer Zentralinstitution, in der Adler die neue Musikabteilung leitete und später die gesamte Bibliothek führte.
- National Sound Archives of Israel: von Adler mit aufgebautes Klangarchiv zur Sicherung mündlicher und aufgezeichneter Musiktraditionen.
- Jewish Music Research Centre: 1964 von Adler gegründetes Forschungszentrum an der Hebräischen Universität Jerusalem.
- Hebrew University of Jerusalem: Hauptort seiner späteren Professur, Department-Leitung und langfristigen wissenschaftlichen Wirkung.
- Israel Musicological Society: von Adler 1967 initiierte Fachgesellschaft, die Musikwissenschaft in Israel institutionell stärkte.
- IASA, IAML, RISM und RILM: internationale Organisationen, in denen Adler Musikarchiv, Bibliothek, Quellenkunde und Forschung vernetzte.
Forschungsprofil: jüdische Musik als Schrift-, Klang- und Gedächtnisgeschichte
Israel Adlers Forschungsprofil ist durch drei große Achsen geprägt. Erstens erschloss er schriftliche und notierte Quellen jüdischer Musikgeschichte. Zweitens arbeitete er an der Dokumentation mündlicher Klangtraditionen. Drittens baute er Institutionen, Kataloge und Publikationsreihen auf, die beide Bereiche miteinander verbinden konnten. Diese Dreigliedrigkeit macht seine Arbeit kulturgeschichtlich besonders wirkungsvoll.
Adler betrachtete jüdische Musik nicht als einheitliches Stilphänomen. Für ihn bestand sie aus vielen geschichtlichen Schichten: liturgische Rezitation, synagogale Gesänge, sephardische und aschkenasische Traditionen, italienisch-jüdische Kunstmusik, portugiesisch-jüdische Gemeindepraxis in Amsterdam, gelehrte Texte über Musik, hebräische Handschriften, frühe Drucke, Tonaufnahmen und moderne Forschungsdiskurse. Entscheidend war, diese Vielfalt nicht in einem romantischen Begriff jüdischer Musik aufzulösen, sondern quellenkritisch zu ordnen.
Seine Arbeit verbindet daher Musikwissenschaft, Judaistik, Bibliothekswissenschaft, Ethnomusikologie und Philologie. Er las hebräische, französische, deutsche, italienische, englische und weitere Quellenumgebungen zusammen. Gerade dadurch konnte er Material sichtbar machen, das in einer rein europäischen Musikgeschichte wegen hebräischer Schrift oder jüdischer Kontextbindung übersehen wurde, und das in einer rein religiösen oder gemeindehistorischen Betrachtung wegen musikalischer Spezifik zu wenig beachtet blieb.
- Schriftquellen: hebräische Texte über Musik, Handschriften, Drucke, Kataloge und RISM-Bände.
- Notierte Musikquellen: synagogale Gesänge, musikalische Handschriften, thematische Kataloge und Melodieincipits.
- Mündliche Traditionen: Tonaufnahmen, ethnomusikologische Sammlungen, regionale liturgische Überlieferungen und Klangarchive.
- Gemeindegeschichte: Amsterdam, italienische Ghettos, sephardische Diaspora, jüdische Gemeinden Europas im 17. und 18. Jahrhundert.
- Bibliographie: systematische Orientierung im Forschungsfeld, besonders durch The Study of Jewish Music.
- Institutionalisierung: Aufbau von Forschungseinrichtungen, Reihen, Archiven und internationalen Netzwerken.
Hebräische Musikquellen, RISM und philologische Erschließung
Adlers große quellenkundliche Arbeiten gehören zum Kern seines wissenschaftlichen Nachruhms. Hebrew Writings Concerning Music in Manuscripts and Printed Books from Geonic Times up to 1800 erschien 1975 im Rahmen des Répertoire International des Sources Musicales. Das Werk verzeichnet und erschließt hebräische Schriften über Musik in Handschriften und Drucken bis 1800. Es ist kein bloßer Fundkatalog, sondern ein philologisch orientierter Quellenkorpus, der musikbezogene Texte in hebräischen Schriftzusammenhängen für die internationale Musikwissenschaft zugänglich machte.
1989 folgte Hebrew Notated Manuscript Sources up to circa 1840: A Descriptive and Thematic Catalogue with a Checklist of Printed Sources, mit Unterstützung von Lea Shalem. Dieses zweibändige Werk erfasste notierte jüdische Musikquellen bis etwa 1840. Es verband beschreibende Katalogisierung, thematische Erschließung, Indizes, Text- und Melodieincipits. Damit wurde ein Bereich sichtbar, der zwischen Judaistik, Musikbibliographie und historischer Musikwissenschaft liegt.
Adlers RISM-Arbeit ist deshalb so wichtig, weil sie hebräische Quellen nicht als Sonderfall außerhalb der europäischen Musikgeschichte behandelte, sondern in ein internationales Quellenregister einfügte. Dadurch wurde jüdische Musikgeschichte mit denselben dokumentarischen Maßstäben bearbeitbar wie andere Musikquellen. Zugleich blieb die Eigenlogik der hebräischen Schrift- und Gemeindetradition erhalten.
- Hebrew Writings Concerning Music: Quellenkorpus hebräischer musikbezogener Schriften von geonischer Zeit bis 1800.
- Hebrew Notated Manuscript Sources: beschreibender und thematischer Katalog notierter jüdischer Musikquellen bis etwa 1840.
- RISM-Kontext: Einbindung jüdischer Quellen in internationale Musikquellenerschließung.
- Philologische Leistung: Kombination hebräischer Textkompetenz mit musikwissenschaftlicher Katalogisierung.
- Forschungswirkung: Eröffnung eines Quellenfeldes für spätere Studien zu Synagogalmusik, Notation, Melodietradition und jüdischer Gelehrsamkeit.
Europäisch-jüdische Gemeinden, Amsterdam, Italien und Kunstmusik
Ein wesentlicher Teil von Israel Adlers Forschung galt der gelehrten und kunstmusikalischen Praxis jüdischer Gemeinden in Europa. Seine Pariser Dissertation und das daraus hervorgegangene zweibändige Werk La pratique musicale savante dans quelques communautés juives en Europe aux XVIIe-XVIIIe siècles untersuchten genau dieses Feld. Adler fragte, welche musikalischen Praktiken, Notationen, Aufführungen und schriftlichen Zeugnisse in jüdischen Gemeinden der frühen Neuzeit greifbar sind.
Besonders wichtig wurde die portugiesisch-jüdische Gemeinde von Amsterdam. In Musical Life and Traditions of the Portuguese Jewish Community of Amsterdam in the XVIIIth Century rekonstruierte Adler die musikalische Praxis dieser Gemeinde anhand literarischer Zeugnisse, notierter Quellen und gemeindebezogener Bestände. Das Werk erschließt nicht nur ein lokales Repertoire, sondern auch die Bedingungen einer sephardischen Diasporakultur, in der liturgische Tradition, bürgerliche Öffentlichkeit, europäische Kunstmusik und Gemeindegedächtnis zusammenwirkten.
Auch die italienischen jüdischen Gemeinden und Ghettos spielten für Adler eine wichtige Rolle. Sein Aufsatz The Rise of Art Music in the Italian Ghetto führte in eine Musikkultur, die unter Bedingungen sozialer Beschränkung, religiöser Ordnung und kultureller Durchlässigkeit entstand. Gerade hier wurde sichtbar, dass jüdische Musikgeschichte weder isoliert von europäischer Kunstmusik noch einfach in ihr aufzulösen ist. Sie steht in Wechselwirkung mit Umgebungskulturen, behält aber eigene liturgische und soziale Funktionen.
- Amsterdam: sephardisch-portugiesische Gemeinde mit reicher schriftlicher und musikalischer Überlieferung des 18. Jahrhunderts.
- Italien: jüdische Musikpraxis im Ghetto-Kontext, besonders im Verhältnis von Liturgie, Kunstmusik und Umgebungskultur.
- Comtat Venaissin: weiterer europäischer Raum jüdischer Musikpraxis in Adlers Quellenarbeit.
- Gelehrte Musikpraxis: Adler untersuchte nicht nur Volks- oder Gemeindegesang, sondern auch kunstmusikalisch geprägte Formen.
- Sephardische Diaspora: Seine Arbeiten zu Amsterdam und verwandten Gemeinden wurden für die Erforschung westsephardischer Synagogalmusik grundlegend.
Tonarchive, mündliche Traditionen und nationale Klangdokumentation
Israel Adler war nicht nur ein Gelehrter der Handschrift, sondern auch ein Architekt der Klangdokumentation. Die National Sound Archives of Israel entstanden aus der Einsicht, dass jüdische Musiküberlieferung nicht vollständig über Schriftquellen erfasst werden kann. Viele Traditionen leben in Stimme, Rezitation, Kantillation, liturgischem Gebrauch, Familienüberlieferung und regionaler Praxis. Sie müssen aufgenommen, beschrieben, geordnet und bewahrt werden.
Das Archiv nahm Sammlungen bedeutender Ethnomusikologen und Forscher auf, darunter Bestände, die mit Robert Lachmann, Leo Levi, Johanna Spector, Edith Gerson-Kiwi und weiteren Persönlichkeiten verbunden waren. Solche Sammlungen waren nicht bloß Aufnahmen, sondern Dokumente einer vielfach gefährdeten oder bereits veränderten Klangwelt. Adler verstand, dass eine nationale und wissenschaftliche Musiksammlung sowohl historische Noten als auch Tonaufnahmen, Interviews, Feldforschungen und liturgische Dokumente umfassen muss.
Diese Arbeit war kulturpolitisch bedeutsam. In einem neuen Staat, der aus unterschiedlichen Diaspora-Gemeinschaften zusammengesetzt war, konnten Tonarchive eine pluralistische musikalische Erinnerung sichern. Jemenitische, marokkanische, irakische, persische, sephardische, aschkenasische, italienische, zentralasiatische und andere Traditionen standen nicht als Folklore nebeneinander, sondern wurden als Teil eines vielstimmigen jüdischen Klanggedächtnisses dokumentiert.
- National Sound Archives of Israel: von Adler mit aufgebautes Archiv zur Sicherung jüdischer und israelischer Klangüberlieferung.
- Französisches Vorbild: Die Phonothèque Nationale der Bibliothèque Nationale diente als institutionelles Modell.
- Ethnomusikologische Sammlungen: Aufnahmen von Forschern wie Robert Lachmann, Leo Levi, Johanna Spector und Edith Gerson-Kiwi wurden Teil des Archivfundaments.
- Mündliche Traditionen: Kantillation, Piyutim, Synagogalgesang und regionale Praktiken wurden als Klangquellen ernst genommen.
- Kulturelle Funktion: Das Archiv machte die Vielfalt jüdischer Musiktraditionen in Israel dokumentierbar und vergleichbar.
Editionen, Wiederaufführungen und das Oratorium Ester
Adlers Arbeit blieb nicht auf Katalog und Archiv beschränkt. Er ermöglichte auch die Wiederentdeckung und Wiederaufführung vergessener Werke. Besonders prominent ist das hebräische Oratorium Ester von Cristiano Giuseppe Lidarti aus dem Jahr 1774, dessen Libretto auf Jacob Raphael Saraval zurückgeht. Die moderne Aufführungsgeschichte dieses Werks ist eng mit Adlers editorischer Arbeit verbunden.
Das Oratorium Ester ist kulturgeschichtlich besonders wichtig, weil es jüdische liturgische und festliche Erinnerung mit Formen europäischer Oratorienkultur verbindet. Ein hebräischer Text, ein europäischer Komponist, ein Purim-Stoff, ein musikalischer Stil des 18. Jahrhunderts und eine spätere Wiederaufführung in Jerusalem verdichten sich zu einem exemplarischen Fall jüdisch-europäischer Musikgeschichte. Adler erkannte nicht nur den Quellenwert, sondern auch das Aufführungspotential eines solchen Werks.
Die moderne Weltpremiere im Jahr 2000 während der Feierlichkeiten zum 75-jährigen Bestehen der Hebräischen Universität Jerusalem hatte daher symbolische Bedeutung. Ein Werk des 18. Jahrhunderts wurde durch wissenschaftliche Edition, Archivarbeit und institutionelle Rahmung wieder hörbar gemacht. Das zeigt Adlers gesamtes Forschungsprinzip: Jüdische Musikgeschichte soll nicht nur dokumentiert, sondern als Klang, Repertoire und kulturelles Gedächtnis wieder erfahrbar werden.
- Ester von Cristiano Giuseppe Lidarti: hebräisches Oratorium von 1774 mit Libretto von Jacob Raphael Saraval.
- Editorische Arbeit: moderne Partitur auf Grundlage von Israel Adlers Edition, mit Unterstützung durch David Klein.
- Wiederaufführung: moderne Weltpremiere im Jahr 2000 in Jerusalem im Rahmen des 75-jährigen Jubiläums der Hebräischen Universität.
- Kulturhistorischer Wert: Verbindung von Purim-Tradition, hebräischem Libretto, europäischer Oratorienform und jüdischer Gemeindeüberlieferung.
- Adlers Rolle: Quellenerschließung, Edition und Repertoirewiedergewinnung werden in einem Projekt sichtbar.
Komplettes Werkverzeichnis nach öffentlichem Nachweisstand
Ein vollständig kritisches Werkverzeichnis Israel Adlers müsste seine Monographien, RISM-Bände, Kataloge, Aufsätze, Herausgeberschaften, Rezensionen, Editionen, Tonarchivprojekte, Yuval-Beiträge und institutionellen Veröffentlichungen systematisch erfassen. Die folgende Übersicht nennt die öffentlich gut nachweisbaren Hauptwerke und Werkgruppen. Einzelne kleinere Aufsätze und Rezensionen sind nach Themenbereichen gruppiert, weil sie über mehrere Sprachen, Reihen und Zeitschriften verstreut sind.
Monographien, Dissertation und große Forschungsarbeiten
- La pratique musicale savante dans quelques communautés juives en Europe aux XVIIe-XVIIIe siècles: Paris / Den Haag, Mouton, 1966, zwei Bände. Aus der Sorbonne-Dissertation hervorgegangenes Hauptwerk über gelehrte Musikpraxis in jüdischen Gemeinden Europas des 17. und 18. Jahrhunderts.
- Musical Life and Traditions of the Portuguese Jewish Community of Amsterdam in the XVIIIth Century: Jerusalem, Magnes Press, Hebrew University, 1974, Yuval Monograph Series 1. Studie zur Musikpraxis der portugiesisch-jüdischen Gemeinde von Amsterdam im 18. Jahrhundert.
- Hebrew Writings Concerning Music in Manuscripts and Printed Books from Geonic Times up to 1800: München, G. Henle Verlag, 1975, RISM B/IX/2. Quellenkorpus hebräischer musikbezogener Schriften bis 1800.
- A. Z. Idelsohn Archives in the Jewish National and University Library: Catalogue: gemeinsam mit Judith Cohen, Jerusalem, Magnes Press, 1976, Yuval Monograph Series 4. Katalog der Archive Abraham Zebi Idelsohns.
- Hebrew Notated Manuscript Sources up to circa 1840: A Descriptive and Thematic Catalogue with a Checklist of Printed Sources: mit Unterstützung von Lea Shalem, München, G. Henle Verlag, 1989, RISM B/IX/1, zwei Bände. Zentraler Katalog notierter jüdischer Musikquellen.
- The Study of Jewish Music: A Bibliographical Guide: Jerusalem, Magnes Press, Hebrew University, 1995, Yuval Monograph Series 10. Annotierte Bibliographie zur jüdischen Musikforschung bis 1994.
Aufsätze und Studien zu jüdischer Musikgeschichte
- The Rise of Art Music in the Italian Ghetto: veröffentlicht in einem Sammelband zu jüdischen Studien des Mittelalters und der Renaissance, 1967. Wichtige Studie zur Kunstmusik in italienisch-jüdischen Kontexten.
- The Notated Synagogue Chants of the 12th Century of Obadiah, the Norman Proselyte: Studie zu den notierten Synagogalgesängen des Obadiah, des normannischen Proselyten; wichtig für mittelalterliche jüdische Notationsgeschichte.
- Problems in the Study of Jewish Music: Beitrag zu methodischen Grundfragen jüdischer Musikforschung, im Zusammenhang internationaler Kongresse und jüdischer Musikdiskurse der 1970er Jahre.
- Studien zur portugiesisch-jüdischen Diaspora: mehrere Arbeiten zu Amsterdam, westsephardischen Gemeinden, liturgischer Praxis und kunstmusikalischer Überlieferung.
- Studien zu italienisch-jüdischer Musik: Beiträge zur Musik in italienischen Ghettos, zur Renaissance- und Barocküberlieferung jüdischer Gemeinden und zur Interaktion jüdischer und nichtjüdischer Musikkulturen.
- Studien zu hebräischen Musiktexten: Aufsätze und Katalogarbeiten zu hebräischer Gelehrtenliteratur, Musiktheorie, Quellen in Handschriften und frühen Drucken.
- Studien zu Synagogalgesang und liturgischer Überlieferung: Arbeiten zu Notation, Kantillation, Piyutim, Gemeindepraxis und historischen Melodiequellen.
Editionen und Repertoirewiedergewinnung
- Oratorio Ester: The Salvation of Israel by Esther: Musik von Cristiano Giuseppe Lidarti, Libretto von Jacob Raphael Saraval; moderne Partitur auf Grundlage der Edition Israel Adlers mit Unterstützung von David Klein. Die Aufführung im Jahr 2000 in Jerusalem war ein herausragendes Beispiel für Adlers Verbindung von Quellenforschung und klingender Wiedergewinnung.
- Editionen jüdischer Musikquellen im Rahmen der Yuval Music Series: Adlers Arbeiten und Leitungsfunktionen trugen zur Publikation von Partituren, Quellenmaterialien und wiederaufführbaren Werken bei.
- Quelleneditionen aus hebräischen Handschriften und Drucken: besonders im Zusammenhang von RISM B/IX und den Publikationen des Jewish Music Research Centre.
Herausgeberschaften und Reihen
- Yuval: Studies of the Jewish Music Research Centre: von Israel Adler in Zusammenarbeit mit Hanoch Avenary, Bathja Bayer, Lea Shalem und weiteren Fachpersonen herausgegebene beziehungsweise mitgestaltete Reihe des Jewish Music Research Centre.
- Yuval Monograph Series: Reihe für größere monographische Forschungen zur jüdischen Musik, darunter mehrere eigene Werke Adlers.
- Yuval Music Series: Reihe für Notenausgaben und Quellenmaterialien, in deren Umfeld Adlers editorische und institutionelle Arbeit wirkte.
- Studienbände zu A. Z. Idelsohn und jüdischer Musikforschung: Herausgeberische Arbeit zur Sicherung und Fortführung der Forschungstradition von Abraham Zebi Idelsohn.
- Internationale Dokumentationsprojekte: Mitarbeit in RISM, RILM, IAML und IASA; dabei verband Adler nationale und internationale Musikdokumentation.
Bibliographien, Kataloge und Archivarbeiten
- The Study of Jewish Music: A Bibliographical Guide: ausgewählte annotierte Bibliographie zur jüdischen Musikforschung bis 1994.
- A. Z. Idelsohn Archives in the Jewish National and University Library: Catalogue: Katalog der Idelsohn-Bestände, gemeinsam mit Judith Cohen.
- Bestandsaufbau der National Sound Archives of Israel: archivalische und dokumentarische Arbeit an Tonaufnahmen jüdischer und israelischer Musiktraditionen.
- Thesaurus of Jewish Music: institutioneller Zusammenhang der systematischen Erschließung jüdischer Musikbestände im Umfeld des Jewish Music Research Centre.
- RISM-Bände zu hebräischen Quellen: Hebrew Writings Concerning Music und Hebrew Notated Manuscript Sources als grundlegende Katalog- und Quellenwerke.
Institutionelle und fachpolitische Leistungen
- Gründung des Jewish Music Research Centre: 1964 an der Hebräischen Universität Jerusalem; wissenschaftliche Leitung in zwei langen Phasen bis 2000.
- Aufbau der National Sound Archives of Israel: Sicherung von Tonaufnahmen und mündlichen Traditionen jüdischer Gemeinden.
- Initiative zur Israel Musicological Society: 1967 als Beitrag zur Etablierung der Musikwissenschaft in Israel.
- Mitwirkung in IASA: Adler gehörte zu den Persönlichkeiten, die die internationale Tonarchivbewegung stärkten.
- Mitwirkung in IAML, RISM und RILM: Verbindung von Musikbibliothek, Quellenverzeichnis, Literaturdokumentation und jüdischer Musikforschung.
Überlieferung, Bibliotheken und digitale Nachweise
Israel Adlers Werk ist heute in mehreren digitalen und bibliographischen Umgebungen greifbar. Die National Library of Israel verzeichnet Bücher, Artikel, Manuskripte, Archive und digitale Materialien zu Israel Adler. Das Jewish Music Research Centre bietet biographische Texte, Werkhinweise, Publikationen und teilweise digitale Volltexte. RISM führt seine hebräischen Quellenbände im internationalen Publikationsverzeichnis. Internet Archive stellt einzelne Hauptwerke digital bereit. Magnes Press, Cambridge, Persée, JSTOR, RAMBI und weitere Portale erschließen Rezensionen, bibliographische Nachweise und Forschungskontexte.
Für die Recherche ist wichtig, mehrere Sprach- und Namensformen zu verwenden. Neben Israel Adler sollten Israël Adler, ישראל אדלר, Jewish Music Research Centre, Hebrew Writings Concerning Music, Hebrew Notated Manuscript Sources, La pratique musicale savante, Musical Life and Traditions of the Portuguese Jewish Community of Amsterdam und The Study of Jewish Music gesucht werden. Erst durch diese Kombination wird sichtbar, wie breit Adlers Publikations- und Institutionenarbeit war.
- National Library of Israel: Bestände zu Israel Adler, darunter Bücher, Artikel, Manuskripte, Archive, digitale Objekte und verknüpfte Sammlungen.
- Jewish Music Research Centre: zentrale biographische und bibliographische Quelle zu Adlers Leben, Werk und institutioneller Rolle.
- Institut Européen des Musiques Juives: Nachruf und Würdigung von Edwin Seroussi mit biographischen und institutionellen Angaben.
- RISM: Verzeichnis der hebräischen Quellenbände B/IX/1 und B/IX/2.
- Internet Archive: digitale Exemplare von Hebrew Writings Concerning Music und Hebrew Notated Manuscript Sources.
- Magnes Press: Verlagskontext der Yuval-Monographien und JMRC-Publikationen.
- Cambridge Core und JSTOR: Rezensionen und wissenschaftliche Nachweise zu Adlers Bibliographien und Quellenwerken.
- Persée: französischsprachige Rezensionen und Autorennachweise zu Adlers Arbeiten.
- RAMBI: bibliographische Erschließung von Rezensionen, Artikeln und Forschungsliteratur im jüdischen Studienfeld.
Ausführlicher Kulturüberblick
Israel Adler ist kulturgeschichtlich eine Schlüsselfigur, weil er jüdische Musikgeschichte in einem Jahrhundert bearbeitete, das von Migration, Zerstörung, Staatsgründung, Archivaufbau und wissenschaftlicher Neuordnung geprägt war. Seine eigene Biographie führt von Berlin über Palästina und Paris nach Jerusalem. Diese Bewegung ist nicht zufällig, sondern spiegelt den Weg vieler jüdischer Wissensbestände im 20. Jahrhundert: Aus europäischen Zentren vertrieben, in Bibliotheken verstreut, in neuen Institutionen gesammelt und in Israel neu dokumentiert.
Adlers Forschung lässt sich als Arbeit gegen das Verschwinden beschreiben. Er suchte Handschriften, Drucke, notierte Gesänge, Gemeindematerialien, Tonaufnahmen und bibliographische Spuren. Dabei ging es nicht nur um einzelne Melodien oder Texte. Es ging um die Rekonstruktion einer musikalischen Erinnerung, die vielfach unterbrochen, verdrängt oder falsch eingeschätzt worden war. Besonders seine Arbeiten zu hebräischen Musikquellen zeigen, dass jüdische Musikgeschichte nicht am Rand europäischer Musikgeschichte steht, sondern in eigenen, oft schwer lesbaren Quellenbeständen überliefert ist.
Ein zentraler kulturgeschichtlicher Beitrag besteht darin, dass Adler die Grenze zwischen Schrift und Klang aufhob. Jüdische Musik war für ihn weder nur Handschrift noch nur mündliche Tradition. Sie war beides zugleich: Text, Notation, Liturgie, Stimme, Aufnahme, Gemeindegebrauch, Buch, Archiv und Aufführung. Diese Verbindung ist für moderne Musikforschung besonders wichtig, weil viele Kulturen nicht sauber in schriftliche und mündliche Traditionen zerfallen. Adler zeigte, dass Forschung beide Seiten zusammenführen muss.
Die Gründung des Jewish Music Research Centre war deshalb mehr als eine Verwaltungsleistung. Sie schuf einen Ort, an dem jüdische Musik als interdisziplinäres Forschungsfeld existieren konnte. Musikwissenschaft, Judaistik, Ethnomusikologie, Bibliothekswesen, Editionsphilologie und Klangarchiv arbeiteten dort zusammen. Die Reihen Yuval, Yuval Monograph Series, Yuval Music Series und die Ton- und Anthologieprojekte gaben diesem Feld eine sichtbare Form.
Adlers Arbeit hat auch eine europäische Dimension. Seine Forschungen zu Amsterdam, Italien, der portugiesisch-jüdischen Diaspora und der gelehrten Musikpraxis des 17. und 18. Jahrhunderts zeigen, dass jüdische Musikgeschichte immer auch eine Geschichte kultureller Übersetzung ist. Jüdische Gemeinden lebten in europäischen Städten, verwendeten hebräische Texte, nahmen Formen europäischer Kunstmusik auf, bewahrten liturgische Traditionen und entwickelten eigene musikalische Praktiken. Adler machte diese Mehrschichtigkeit sichtbar.
Die internationale Dimension zeigt sich in seiner Mitarbeit an RISM und RILM. Dort ging es nicht nur um jüdische Musik im engeren Sinn, sondern um die Frage, wie Musikquellen und Musikliteratur global erfasst werden. Adlers Beitrag bestand darin, jüdische Quellen in diese internationale Dokumentationswelt einzuführen. Damit wurde ein vormals schwer zugängliches Feld für Forschende weltweit auffindbar.
Besonders bedeutend ist die Wiedergewinnung von Repertoire wie Lidartis Ester. Ein solches Projekt zeigt, wie historische Forschung in Aufführung übergehen kann. Das Werk wurde nicht nur beschrieben, sondern ediert, aufgeführt und aufgenommen. Damit wurde eine hebräische Oratorienkultur des 18. Jahrhunderts wieder hörbar. Adlers Forschung erfüllte hier eine kulturelle Funktion: Sie brachte verborgene Musik zurück in den Klangraum.
Israel Adler steht damit für eine Musikwissenschaft, die Archiv, Bibliographie, Edition und kulturelle Verantwortung verbindet. Sein Werk ist nicht auf eine einzelne These reduzierbar. Es besteht aus einem Netz von Quellen, Institutionen und Publikationen, die jüdische Musikgeschichte dauerhaft verankert haben. Für ein Kulturlexikon ist er deshalb eine zentrale Figur der modernen musikalischen Gedächtnisarbeit.
- Jüdische Musik als Gedächtnisfeld: Adler machte sichtbar, dass jüdische Musikgeschichte aus Handschriften, Tonaufnahmen, liturgischer Praxis, Gemeindegeschichte und Repertoirewiedergewinnung besteht.
- Quellenerschließung: Seine RISM-Arbeiten integrierten hebräische Quellen in internationale Musikdokumentation.
- Archivpolitik: Die National Sound Archives of Israel bewahrten Klangtraditionen, die sonst nur lokal oder mündlich überliefert geblieben wären.
- Institutionenbildung: Das Jewish Music Research Centre gab dem Forschungsfeld eine dauerhafte akademische Struktur.
- Europäisch-jüdische Kulturgeschichte: Studien zu Amsterdam und Italien zeigen jüdische Musik als Teil europäischer Stadt-, Gemeinde- und Kunstmusikgeschichte.
- Edition und Aufführung: Die Wiedergewinnung von Ester zeigt, wie Quellenarbeit in klingende Kulturpraxis zurückgeführt werden kann.
- Interdisziplinarität: Adlers Werk verbindet Musikwissenschaft, Judaistik, Ethnomusikologie, Bibliothekswissenschaft und Philologie.
- Forschungsethik: Seine Arbeit bewahrt Spuren von Gemeinschaften, deren musikalisches Erbe durch Migration, Assimilation, Verfolgung und Vergessen gefährdet war.
Rezeption, Forschung und heutige Bedeutung
Israel Adler wurde nach seinem Tod in Fachkreisen als Gründungsfigur der modernen jüdischen Musikforschung in Israel gewürdigt. Besonders Edwin Seroussi und das Jewish Music Research Centre betonten seine institutionelle Leistung, seine unermüdliche Suche nach Quellen und seine Rolle als Sammler einer vielfach verdrängten, verlorenen oder unzureichend dokumentierten jüdischen musikalischen Vergangenheit. Diese Würdigung ist nicht bloße persönliche Erinnerung, sondern beschreibt den Kern seines fachgeschichtlichen Gewichts.
Seine großen Kataloge und Bibliographien bleiben Arbeitsinstrumente. Hebrew Writings Concerning Music und Hebrew Notated Manuscript Sources werden in Studien zu jüdischer Musik, Musiktheoriegeschichte, Synagogalgesang, Notation und Handschriftenüberlieferung weiterhin herangezogen. The Study of Jewish Music bleibt als bibliographische Momentaufnahme der Forschung bis 1994 wichtig, selbst wenn digitale Datenbanken inzwischen neue Recherchewege geschaffen haben.
Adlers heutige Bedeutung liegt daher in drei Bereichen. Erstens ist er Quellenerschließer; ohne seine Kataloge wären viele hebräische Musikquellen schwerer zugänglich. Zweitens ist er Institutionengründer; ohne JMRC und die National Sound Archives wäre jüdische Musikforschung in Israel anders und schwächer strukturiert. Drittens ist er Repertoirewiedergewinner; durch Editionen und Aufführungsprojekte wurde historische jüdische Musik wieder hörbar.
- Fachliche Würdigung: Israel Adler gilt als Gründungsfigur der institutionellen jüdischen Musikforschung an der Hebräischen Universität Jerusalem.
- Quellenkundliche Rezeption: Seine RISM-Bände werden weiterhin als Grundlagenwerke genutzt.
- Bibliographische Rezeption: The Study of Jewish Music bleibt ein wichtiger Wegweiser zur älteren Forschung.
- Institutionelle Rezeption: JMRC, National Sound Archives, Yuval-Reihen und internationale Netzwerke tragen seine Arbeit fort.
- Musikpraktische Rezeption: Projekte wie Lidartis Ester zeigen seine Wirkung über die reine Buchforschung hinaus.
- Kulturgeschichtliche Relevanz: Adler wird heute als Forscher gelesen, der jüdische Musik nicht nur beschrieben, sondern als kulturelles Gedächtnisfeld neu organisiert hat.
Forschungsfragen
Israel Adlers Werk eröffnet weiterhin zahlreiche Forschungsfragen. Besonders wichtig ist eine fachgeschichtliche Rekonstruktion seiner Rolle zwischen Paris, Jerusalem, RISM, RILM, IAML, IASA und der Hebräischen Universität. Ebenso ergiebig wäre eine Untersuchung, wie seine Kataloge die Forschungspraxis verändert haben: Welche Quellen wurden durch ihn erstmals sichtbar, welche Forschungsfelder entstanden daraus, und wie wird sein Material heute digital weitergeführt?
- Wie veränderte Adler die jüdische Musikforschung institutionell? Eine Studie könnte JMRC, National Sound Archives, Israel Musicological Society und internationale Fachverbände gemeinsam betrachten.
- Wie wirkte die Pariser Bibliothekserfahrung auf seine Jerusalemer Arbeit? Der Transfer von Bibliothèque Nationale und Phonothèque Nationale nach Jerusalem ist fachgeschichtlich besonders interessant.
- Welche Quellen wurden durch Hebrew Writings Concerning Music erstmals international sichtbar? Eine Rezeptionsstudie könnte Zitationen und Nachnutzungen des RISM-Bandes untersuchen.
- Wie verändert Hebrew Notated Manuscript Sources die Geschichte synagogaler Notation? Die Katalogdaten könnten digital neu ausgewertet werden.
- Welche Rolle spielte Adler in der Wiederaufführung jüdischer Kunstmusik des 18. Jahrhunderts? Besonders Ester von Cristiano Giuseppe Lidarti bietet dafür ein prägnantes Fallbeispiel.
- Wie verhält sich Adlers Arbeit zu A. Z. Idelsohn? Eine vergleichende Studie könnte zeigen, wie Idelsohns ethnographische und historische Ansätze durch Adler archivisch und quellenkundlich fortgeführt wurden.
- Wie lässt sich Adlers Werk digital fortsetzen? Digitale Kataloge, Melodieincipit-Datenbanken, Tonarchive und semantische Suchsysteme könnten seine Grundlagenarbeit neu aktivieren.
- Welche blinden Flecken hatte Adlers Forschungsmodell? Eine kritische Fachgeschichte müsste auch fragen, welche Traditionen, Stimmen oder Methoden in seinen großen Quellenprojekten weniger sichtbar wurden.
Sekundärliteratur
Die Sekundärliteratur zu Israel Adler besteht aus Fachartikeln, Nachrufen, Werkrezensionen, bibliographischen Besprechungen, Festschriften und neueren Studien zur jüdischen Musikforschung. Besonders wichtig sind die Würdigungen aus dem Jewish Music Research Centre und dem Institut Européen des Musiques Juives, die Beiträge in Yuval 7: Studies in Honour of Israel Adler, Rezensionen seiner RISM- und Yuval-Monographien sowie moderne Handbücher zur jüdischen Musik.
- Edwin Seroussi: „Adler, Israel (1925–2009)“. Würdigung im Institut Européen des Musiques Juives mit biographischem Überblick und Beschreibung der wichtigsten Forschungs- und Institutionenleistungen.
- Jewish Music Research Centre: Biographische und fachgeschichtliche Darstellung Israel Adlers als Gründer des Zentrums und als Forscher jüdischer Musikquellen.
- Gila Flam: Nachruf beziehungsweise Würdigung in IASA-Kontexten, besonders mit Blick auf National Sound Archives, IASA und internationale Tonarchivarbeit.
- Yuval 7: Studies in Honour of Israel Adler: Festschrift beziehungsweise Studienband zu Ehren Adlers mit weiterführenden Beiträgen und ausführlicher Publikationsliste.
- Paul B. Fenton: Rezension von Hebrew Writings Concerning Music in der Revue des études juives. Wichtig für die frühe Aufnahme des RISM-Bandes.
- Judit Frigyesi: Rezension beziehungsweise Besprechung von Hebrew Notated Manuscript Sources up to circa 1840. Wichtig für die fachliche Bewertung des zweibändigen Katalogs.
- Cambridge Companion to Jewish Music: Bibliographische und fachliche Kontexte, in denen Adler als grundlegender Autor zu jüdischer Musikgeschichte erscheint.
- Oxford Handbook of Jewish Studies: Kontext zur Einordnung jüdischer Musikforschung innerhalb der Jewish Studies.
- Amnon Shiloah: Arbeiten zur Musikwissenschaft in Israel und zu jüdischer Musikforschung, wichtig für den institutionellen Kontext Adlers.
- Edwin Seroussi: Arbeiten zu sephardischer, westsephardischer und israelischer Musikforschung, die Adlers Forschungsfelder fortführen und kritisch weiterentwickeln.
- RISM-Publikationsverzeichnisse: Fachbibliographische Dokumentation der Bände B/IX/1 und B/IX/2.
- RAMBI und National Library of Israel: Bibliographische Recherchewege zu Rezensionen, Artikeln und Sekundärliteratur über Israel Adler und seine Werke.
Onlinequellen und digitale Recherchewege
Die folgenden Onlinequellen eignen sich zur Kontrolle von Lebensdaten, Werkangaben, institutionellen Rollen, Digitalisaten, RISM-Nachweisen, Nachrufen und Forschungskontexten. Für die Recherche sollten die Suchformen Israel Adler, Israël Adler, ישראל אדלר, Israel Adler Jewish Music Research Centre, Israel Adler Hebrew Writings Concerning Music, Israel Adler Hebrew Notated Manuscript Sources, Israel Adler La pratique musicale savante, Israel Adler Portuguese Jewish Community Amsterdam und Israel Adler Ester Lidarti parallel verwendet werden.
- Jewish Music Research Centre: Israel Adler https://jewish-music.huji.ac.il/en/content/israel-adler Zentrale Quelle zu Leben, Institutionen, Forschungsprofil, National Sound Archives, JMRC und internationaler Facharbeit.
- Institut Européen des Musiques Juives: Adler, Israel (1925–2009) https://www.iemj.org/en/adler-israel-1925-2009/ Nachruf und Würdigung von Edwin Seroussi mit biographischen und fachgeschichtlichen Angaben.
- National Library of Israel: Israel Adler (1925–2009) https://www.nli.org.il/en/a-topic/987007257573005171 Bestandsbezogener Zugang zu Büchern, Artikeln, Manuskripten, Archiven und digitalen Materialien.
- Encyclopedia.com: Adler, Israel https://www.encyclopedia.com/religion/encyclopedias-almanacs-transcripts-and-maps/adler-israel Lexikalischer Überblick zu Herkunft, Paris-Studien, Promotion und Forschungsprofil.
- Posen Library: Israel Adler https://www.posenlibrary.com/author/israel-adler Kurzbiographischer Zugang mit Betonung europäisch-jüdischer Musikforschung, National Sound Archives und Hebrew University.
- Jewish Music Research Centre: The Study of Jewish Music https://jewish-music.huji.ac.il/en/content/study-jewish-music-bibliographical-guide Werkseite zur annotierten Bibliographie von 1995 mit Onlinezugangshinweis.
- Jewish Music Research Centre: Musical Life and Traditions of the Portuguese Jewish Community of Amsterdam https://jewish-music.huji.ac.il/en/content/musical-life-and-traditions-portuguese-jewish-community-amsterdam-xviiith-century Werkseite zur Monographie über die portugiesisch-jüdische Gemeinde Amsterdam im 18. Jahrhundert.
- Jewish Music Research Centre: Hebrew Notated Manuscript Sources up to circa 1840 https://jewish-music.huji.ac.il/en/content/hebrew-notated-manuscript-sources-circa-1840-descriptive-and-thematic-catalogue-checklist Werkseite zum zweibändigen RISM-Katalog notierter jüdischer Musikquellen.
- Jewish Music Research Centre: A. Z. Idelsohn Archives https://jewish-music.huji.ac.il/en/content/z-idelsohn-archives-jewish-national-and-university-library-catalogue Werkseite zum von Israel Adler und Judith Cohen erarbeiteten Katalog der Idelsohn-Archive.
- RISM: Publications / Hebrew Sources https://rism.info/de/publications.html Nachweis der RISM-Bände B/IX/1 und B/IX/2 zu hebräischen Quellen.
- Internet Archive: Hebrew Writings Concerning Music https://archive.org/details/hebrewwritingsco0009adle Digitaler Zugang zum RISM-Band über hebräische Schriften zur Musik.
- Internet Archive: Hebrew Notated Manuscript Sources https://archive.org/details/hebrewnotatedman0000adle Digitaler Zugang zum Katalog notierter jüdischer Handschriftenquellen.
- G. Henle Verlag: Hebrew Notated Manuscript Sources https://www.henle.de/Hebrew-Notated-Manuscript-Sources-up-to-circa-1840-Part-I-Catalogue-Part-II-Index/HN-2514 Verlagsnachweis des zweibändigen RISM-Werks.
- Persée: Rezension zu Hebrew Writings Concerning Music https://www.persee.fr/doc/rjuiv_0484-8616_1978_num_137_3_1897_t1_0431_0000_2 Französischsprachige bibliographische Rezension des RISM-Bandes.
- Cambridge Core: Rezension von The Study of Jewish Music https://www.cambridge.org/core/journals/yearbook-for-traditional-music/article/israel-adler-the-study-of-jewish-music-a-bibliographical-guide-yuval-monograph-series-10-jerusalem-the-magnes-press-the-hebrew-university-1995-viii-87-pp/DD776D6ADA1EF59FA0C1CB80ACD42DA5 Nachweis und Rezension der bibliographischen Monographie.
- Magnes Press: Israel Adler https://www.magnespress.co.il/en/contributor/Israel_Adler Verlagskontext zu Adler als Autor, Professor emeritus und Gründer des JMRC.
- Magnes Press: Yuval: Studies in Honour of Israel Adler https://www.magnespress.co.il/en/book/Yuval-1605 Nachweis der Festschrift beziehungsweise Studien zu Ehren Israel Adlers.
- Jewish Music Research Centre: Oratorio Ester https://jewish-music.huji.ac.il/en/content/oratorio-ester-salvation-israel-esther-video Video- und Projektseite zur modernen Weltpremiere auf Grundlage der von Israel Adler edierten Partitur.
- IEMJ: Ester von Cristiano Giuseppe Lidarti https://www.iemj.org/en/ester-un-oratorio-de-pourim-du-compositeur-lidarti-1730-ap-1793/ Kontext zum Purim-Oratorium, hebräischem Libretto und Wiederentdeckungsgeschichte.
- RILM Abstracts of Music Literature https://www.rilm.org/ Fachbibliographischer Rechercheweg für Literatur von und über Israel Adler.
- RAMBI / National Library of Israel https://www.nli.org.il/en/research-and-teach/catalogs/rambi Bibliographische Datenbank für Jewish Studies und wichtige Nachweise zu Rezensionen und Artikeln.
Weiterführende Einträge
Die folgenden Einträge vertiefen den kulturellen Zusammenhang von Israel Adler. Sie führen zu Personen, Institutionen, Forschungsfeldern, Quellenwerken und Begriffen, die für jüdische Musikgeschichte, Musikarchiv, Quellenkunde, Synagogalmusik, hebräische Schriftüberlieferung und internationale Musikdokumentation wichtig sind.
- Israel Adler Hauptlemma zu Musikwissenschaftler, Bibliothekar, Archivgründer und Spezialisten für jüdische Musikgeschichte.
- Abraham Zebi Idelsohn Pionier jüdischer Musikforschung, dessen Archiv Israel Adler katalogisierte und wissenschaftlich fortführte.
- Amnon Shiloah Musikwissenschaftler und wichtiger Kontextautor zur jüdischen und israelischen Musikforschung.
- Bathja Bayer Musikwissenschaftlerin und Mitarbeiterin im Umfeld von Yuval und Jewish Music Research Centre.
- Bibliothèque Nationale Pariser Bibliothek, an der Adler im Hebraica- und Judaica-Bereich arbeitete.
- Cristiano Giuseppe Lidarti Komponist des hebräischen Oratoriums Ester, dessen Wiedergewinnung eng mit Adlers Edition verbunden ist.
- Edith Gerson-Kiwi Ethnomusikologin, deren Sammlung und Forschung im Kontext der israelischen Klangarchive wichtig ist.
- Ester Hebräisches Oratorium von Cristiano Giuseppe Lidarti, von Israel Adler ediert und 2000 modern wiederaufgeführt.
- Hebräische Musikquellen Quellenfeld aus Handschriften, Drucken, Notationen und Musikschriften, das Adler systematisch erschloss.
- Hebrew Notated Manuscript Sources Zweibändiger RISM-Katalog Israel Adlers zu notierten jüdischen Musikquellen bis etwa 1840.
- Hebrew Writings Concerning Music RISM-Werk Adlers zu hebräischen Schriften über Musik von geonischer Zeit bis 1800.
- Hebrew University of Jerusalem Zentrale Wirkungsstätte Adlers und institutioneller Ort des Jewish Music Research Centre.
- International Association of Sound and Audiovisual Archives Internationale Tonarchivorganisation, an deren Entstehung und Fachumfeld Adler beteiligt war.
- International Association of Music Libraries, Archives and Documentation Centres Internationale Organisation der Musikbibliotheken und Musikarchive, in der Adler fachlich aktiv war.
- Israel Musicological Society Von Adler initiierte Fachgesellschaft zur Etablierung der Musikwissenschaft in Israel.
- Jacob Raphael Saraval Rabbiner und Librettist des hebräischen Ester-Oratoriums von Lidarti.
- Jewish Music Research Centre Von Israel Adler 1964 gegründetes Forschungszentrum zur jüdischen Musik an der Hebräischen Universität Jerusalem.
- Jewish National and University Library Jerusalemer Bibliothek, deren Musikabteilung Adler leitete und deren Direktor er 1969 bis 1971 war.
- Johanna Spector Ethnomusikologin, deren Sammlungen im Kontext der National Sound Archives wichtig wurden.
- Jüdische Musik Übergreifendes Forschungsfeld von Liturgie, Gesang, Handschrift, Tonarchiv, Gemeindeüberlieferung und Kunstmusik.
- Jüdische Musikforschung Interdisziplinäres Feld, das Adler in Israel institutionell und quellenkundlich maßgeblich prägte.
- Kantillation Liturgisch-musikalische Rezitationspraxis, die für jüdische Klangüberlieferung und Tonarchivarbeit zentral ist.
- Lea Shalem Mitarbeiterin und Unterstützerin bei Adlers Katalogwerk Hebrew Notated Manuscript Sources.
- Leo Levi Forscher jüdischer Musiktraditionen, dessen Sammlungen für israelische Klangarchive bedeutend wurden.
- Musical Life and Traditions of the Portuguese Jewish Community of Amsterdam Adlers Monographie zur portugiesisch-jüdischen Gemeinde Amsterdam im 18. Jahrhundert.
- National Library of Israel Zentrale israelische Gedächtnisinstitution, die Adlers Bestände und Werkzusammenhänge dokumentiert.
- National Sound Archives of Israel Von Adler mit aufgebautes Klangarchiv zur Sicherung jüdischer und israelischer Musiktraditionen.
- Obadiah the Norman Proselyte Mittelalterlicher Proselyt, dessen notierte Synagogalgesänge Adler untersuchte.
- Piyut Hebräische liturgische Dichtung, deren musikalische Überlieferung für jüdische Musikforschung zentral ist.
- Portugiesisch-jüdische Gemeinde Amsterdam Sephardische Gemeinde, deren Musikleben des 18. Jahrhunderts Adler monographisch erforschte.
- Répertoire International de Littérature Musicale Internationales Literaturverzeichnis der Musikwissenschaft, in dessen Kommissionen Adler mitwirkte.
- Répertoire International des Sources Musicales Internationales Quellenverzeichnis, in dem Adlers Bände zu hebräischen Musikquellen erschienen.
- Robert Lachmann Ethnomusikologe, dessen Sammlung zu den Grundlagen der israelischen Tonarchive gehörte.
- Sephardische Musik Musiktraditionen sephardischer Gemeinden, besonders wichtig für Adlers Amsterdam-Forschung.
- Synagogalmusik Liturgisches Musikfeld, das Adler historisch, notationskundlich und archivalisch erschloss.
- The Study of Jewish Music Bibliographischer Führer Israel Adlers zur jüdischen Musikforschung bis 1994.
- Tonarchiv Archivform zur Sicherung von Klang, Stimme, Feldaufnahme und mündlicher Musiktradition.
- Yuval Publikationsreihe des Jewish Music Research Centre, die Adler als Forschungsplattform prägte.
- Yuval Monograph Series Monographienreihe, in der mehrere Hauptwerke Adlers erschienen.
- Yuval Music Series Quellen- und Notenreihe des Jewish Music Research Centre zur Wiedergewinnung jüdischen Repertoires.