Clamor Heinrich Abel

auch: Clamor Heinrich Abell · Heinrich Abell · * 1634 in Hünnefeld · † 25. Juli 1696 in Bremen · Organist · Gambist · Violonist · Komponist · norddeutscher Barock

Überblick

Clamor Heinrich Abel gehört zu den bedeutenden norddeutschen Instrumentalisten und Komponisten des späten 17. Jahrhunderts. Er wirkte als Organist, Gambist, Violonist und herzoglicher Kammermusiker in Celle, Hannover und Bremen.

Besondere Bekanntheit erlangte er durch seine Sammlung Erstlinge musicalischer Blumen, die zu den wichtigen Quellen norddeutscher Kammer- und Gambenmusik des Barock zählt.

Darüber hinaus besitzt Clamor Heinrich Abel genealogische Bedeutung als Vater Christian Ferdinand Abels und Großvater des berühmten Gambenvirtuosen Carl Friedrich Abel}

Leben und musikalischer Werdegang

Clamor Heinrich Abel wurde 1634 auf Hünnefeld bei Bad Essen geboren. Er war Sohn des Hofmusikers Ernst Abel und Enkel Heinrich Othmar Abels, des frühen Stammvaters der Musikerfamilie Abel.

Von 1662 bis 1664 lässt sich Clamor Heinrich Abel als Hofmusiker und Organist in Celle nachweisen. Anschließend wirkte er zwischen 1665 und 1685 als herzoglicher Kammermusiker in Hannover. Später kehrte er vermutlich zeitweise nach Celle zurück, bevor er ab 1694 in Bremen als „Obermusicus“ tätig war.

Er starb am 25. Juli 1696 in Bremen. Seine Laufbahn verbindet die wichtigsten norddeutschen Musikzentren des späten 17. Jahrhunderts miteinander.

Ort Zeitraum Tätigkeit
Hünnefeld 1634 Geburtsort
Celle 1662–1664 Hofmusiker und Organist
Hannover 1665–1685 Herzoglicher Kammermusiker
Bremen ab 1694 Obermusicus

Die Hofmusik in Celle

Die Residenzstadt Celle entwickelte sich im 17. Jahrhundert zu einem bedeutenden Zentrum norddeutscher Hofmusik. Französische und italienische Einflüsse prägten dort die höfische Musikkultur.

Clamor Heinrich Abel wirkte zwischen 1662 und 1664 als Organist und Hofmusiker in Celle.

Die Celler Hofkapelle besaß eine wichtige Funktion für die Entwicklung norddeutscher Instrumentalmusik. Besonders Tanzsuiten, Gambenmusik und Ensemblewerke fanden dort Pflege.

Hannover und die herzogliche Kammermusik

Zwischen 1665 und 1685 stand Clamor Heinrich Abel als herzoglicher Kammermusiker in Hannover im Dienst der welfischen Herzöge.

Die hannoversche Hofmusik entwickelte sich in dieser Zeit zu einem kulturellen Mittelpunkt Norddeutschlands. Italienische Oper, französische Tanzmusik und deutsche Instrumentalkunst verbanden sich zu einem eigenständigen Hofstil.

Abel arbeitete dort unter anderem im Umfeld Antonio Sartorios und anderer bedeutender Hofmusiker.

Bremen und das Amt des Obermusicus

Ab 1694 wirkte Clamor Heinrich Abel als Obermusicus in Bremen. Dieses Amt entsprach einer führenden Position innerhalb der städtischen Musikpflege.

Die Bremer Ratsmusik umfasste kirchliche Aufführungen, öffentliche Feiern und repräsentative musikalische Aufgaben für die Stadt.

Als Obermusicus stand Abel an der Spitze dieser musikalischen Institution und prägte die städtische Musikkultur Bremens in seinen letzten Lebensjahren.

Bereich Aufgaben Kulturelle Funktion
Kirchenmusik Festgottesdienste und Musikpflege sakrale Repräsentation
Ratsmusik Städtische Zeremonien öffentliche Kultur
Kammermusik Instrumentalaufführungen höfische Unterhaltung
Ensembleleitung Organisation von Musikern musikalische Institutionalisierung

Werküberblick

Clamor Heinrich Abel hinterließ zahlreiche Werke für Streicher, Viola da gamba und Kammerensemble. Schwerpunkt seines Schaffens waren Tanzsuiten, Sonaten und Ensemblewerke.

Werk Gattung Besonderheit
Erstlinge musicalischer Blumen Suitensammlung 59 Einzelwerke
Bataille Programmmusik Schlachtmusik für Streicher
Sonata sopra Cuccu Kammermusik charakteristische Klangimitation
Folie d’Espagne Variationswerk barocke Variationskunst
Drei Opera musica Sammlung spätere Gesamtausgabe

Die Werke verbinden norddeutsche Instrumentaltradition mit französischen Tanzformen und italienischer Virtuosität.

„Erstlinge musicalischer Blumen“

Die wichtigste Werkgruppe Clamor Heinrich Abels bildet die Sammlung Erstlinge musicalischer Blumen, die zwischen 1674 und 1677 in Frankfurt erschien.

Die Sammlung umfasst insgesamt 59 Werke, darunter Allemanden, Couranten, Sarabanden, Giguen, Sonaten und Variationen.

Die ersten beiden Teile sind für vier Instrumente und Basso continuo konzipiert; der dritte Teil enthält Werke für Violine, Viola da gamba und Generalbass.

Musikhistorisch besitzt die Sammlung große Bedeutung für die Entwicklung der norddeutschen Suite und der Gambenmusik.

Kompositionsstil und musikalische Sprache

Abels Musik verbindet französische Tanzformen mit deutscher Kontrapunktik und italienischer Beweglichkeit. Charakteristisch sind rhythmische Prägnanz, virtuose Streicherfiguren und melodische Eleganz.

Seine Werke zeigen eine deutliche Orientierung an höfischer Kammermusik. Gleichzeitig besitzen sie einen ausgeprägten instrumentalen Charakter, der die Entwicklung der norddeutschen Suite vorwegnimmt.

Programmmusikalische Elemente wie die Bataille oder lautmalerische Effekte in der Sonata sopra Cuccu verdeutlichen zudem die Experimentierfreude barocker Instrumentalmusik.

Viola da gamba und norddeutsche Gambenkunst

Die Viola da gamba gehörte zu den wichtigsten Instrumenten höfischer Kammermusik des 17. Jahrhunderts. Clamor Heinrich Abel war ein geachteter Gambist und trug wesentlich zur Entwicklung dieser Tradition bei.

Die norddeutsche Gambenkunst verband französische Spielweise mit deutscher Instrumentaltradition. Besonders in Hannover und Celle entwickelte sich eine lebendige Gambenkultur.

Diese Tradition wurde später von seinem Enkel Carl Friedrich Abel auf europäischer Ebene fortgeführt.

Die Musikerfamilie Abel

Die Familie Abel zählt zu den bedeutendsten Musikerfamilien Norddeutschlands. Clamor Heinrich Abel war Sohn Ernst Abels und Vater Christian Ferdinand Abels.

Sein Enkel Carl Friedrich Abel wurde im 18. Jahrhundert zu einem der berühmtesten Gambenvirtuosen Europas.

Familienmitglied Lebensdaten Bedeutung
Heinrich Othmar Abel um 1580–1630 früher Ratsmusiker
Ernst Abel um 1610–1680 Cembalist und Hofmusiker
Clamor Heinrich Abel 1634–1696 Gambist und Komponist
Christian Ferdinand Abel 1682–1761 Violonist und Gambist
Carl Friedrich Abel 1723–1787 europäischer Gambenvirtuose

Norddeutscher Barock und Hofmusik

Die norddeutsche Musik des 17. Jahrhunderts entwickelte sich unter dem Einfluss italienischer Oper, französischer Tanzmusik und protestantischer Kirchenmusik.

Höfe wie Hannover und Celle wurden zu wichtigen kulturellen Zentren, in denen professionelle Instrumentalmusik gefördert wurde.

Clamor Heinrich Abel gehört zu jener Generation von Musikern, die diese Stilentwicklungen in Norddeutschland etablierten und weiterführten.

Kulturhistorische Bedeutung

Clamor Heinrich Abel besitzt kulturhistorische Bedeutung als Vertreter der norddeutschen Hof- und Kammermusik des Barock sowie als wichtiger Gambist seiner Zeit.

Seine Werke dokumentieren die Entwicklung der deutschen Instrumentalmusik zwischen höfischer Tanzsuite, Ensemblekunst und virtuoser Gambenmusik.

Darüber hinaus bildet er ein zentrales Bindeglied innerhalb der europaweit bekannten Musikerfamilie Abel.

Rezeption und Nachwirkung

Die Musik Clamor Heinrich Abels wurde in musikwissenschaftlichen Forschungen zur norddeutschen Barockmusik und zur Gambentradition wiederentdeckt.

Besonders seine Sammlung Erstlinge musicalischer Blumen gilt heute als bedeutende Quelle der deutschen Instrumentalmusik des 17. Jahrhunderts.

Zahlreiche historische Aufführungen und Einspielungen widmen sich inzwischen seinen Kammermusikwerken und Gambenstücken.

Sekundärliteratur

  • Walter Knape, Murray R. Charters, Simon McVeigh: „Abel family“. In: The New Grove Dictionary of Music and Musicians.
  • Hugo Thielen: „Abel(l), Clamor Heinrich“. In: Hannoversches Biographisches Lexikon. Hannover 2002.
  • Michael Robertson: The Courtly Consort Suite in German-speaking Europe, 1650–1706. Ashgate, 2009.
  • Heinrich Sievers: Hannoversche Musikgeschichte. Tutzing 1979.
  • Wulf Konold u. a.: Das Niedersächsische Staatsorchester Hannover 1636–1986. Hannover 1986.

Ausgewählte Onlinequellen

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