Marinus van Aalst

Bildhauer, Objekt- und Installationskünstler · geboren 1947 in Rotterdam · Böblingen, Kerferhau, Materialbilder, Fundobjekte, Schutzraum, Erinnerungsräume, Stadt-Sitz-Zeichen, Naturbefragung und ortsspezifische Erinnerungskunst

Marinus van Aalst ist ein in Rotterdam geborener und seit seiner Kindheit in Böblingen verankerter Bildhauer, Objekt- und Installationskünstler. Sein Werk entwickelte sich von Materialbildern, Eisenskulpturen und plastischen Arbeiten zu einer prozesshaften Kunst der Spurensuche, Spurensicherung, Feldforschung, Ortsbefragung und gesellschaftlichen Erinnerung. Charakteristisch sind Fundmaterialien, Erde, Holz, Eisen, Zement, Kokosfaser, Licht, Klang, Stollenräume, architektonische Eingriffe und ortsspezifische Raumkonzepte. Van Aalsts Arbeiten nehmen ihren Ausgang häufig in konkreten Orten wie dem Kerferhau, dem alten Flugfeld, dem Schlossbergstollen, dem Böblinger Busbahnhof oder der Friedhofskapelle auf dem Alten Friedhof. Dadurch wird sein Werk zu einer Kunstform, in der Material, Geschichte, Natur, Stadtplanung, Kriegserinnerung und gesellschaftliche Verantwortung ineinandergreifen.

Überblick

Marinus van Aalst gehört zu den Künstlern, deren Werk aus einer konsequenten Ortsbindung heraus eine allgemeinere kulturgeschichtliche Bedeutung gewinnt. Sein Zentrum ist Böblingen, doch Böblingen erscheint in seinen Arbeiten nicht als bloße Heimatadresse. Es ist ein Erfahrungsraum, in dem sich Nachkriegsgeschichte, Stadtplanung, Naturverbrauch, Müll, Militär, Erinnerung an Luftkrieg, öffentlicher Raum, Friedhofskultur und gesellschaftliche Verdrängung materialisieren. Van Aalst nimmt diese Spuren auf, sammelt sie, ordnet sie, verdichtet sie und überführt sie in Objekte, Installationen und begehbare Räume.

Seine Kunst ist weder rein formalistische Bildhauerei noch dekorative Kunst am Bau. Sie arbeitet mit den Mitteln der Bildhauerei, aber sie verschiebt den Schwerpunkt vom geschlossenen Kunstobjekt zur Situation. Eisenrahmen, Zement, Fundstücke, Bodenproben, Bienenstände, Rampen, Licht, Klang, transparente Beutel, Laborassoziationen, Stollen, Friedhofskeller und Archivformen werden so eingesetzt, dass die Betrachterinnen und Betrachter in eine reflexive Haltung geraten. Sie sollen nicht nur sehen, sondern einen Ort betreten, seine Schwere spüren, seine Geschichte befragen und die eigene Betroffenheit körperlich erfahren.

Kulturhistorisch steht van Aalst in einem Zusammenhang, der seit den 1960er und 1970er Jahren für die Kunst der Gegenwart entscheidend wurde: die Auflösung des klassischen Tafelbildes, die Erweiterung der Skulptur, die Arbeit mit Fundmaterial, die Politisierung des künstlerischen Blicks, die Hinwendung zu sozialen Prozessen, ökologische Sensibilisierung, Spurensicherung, Ortsforschung und Erinnerungskunst. Sein Werk übersetzt diese internationalen Impulse in eine regionale, sehr konkrete und zugleich konzeptuell reflektierte Praxis.

Kurzdaten

Name Marinus van Aalst
Geboren 18. September 1947 in Rotterdam, Niederlande
Kindheit und Wirkungsort Seit 1952 in Böblingen; Böblingen wurde zum zentralen Lebens-, Arbeits- und Erinnerungsraum seines Werks
Beruf / künstlerische Rollen Bildhauer, Objektkünstler, Installationskünstler, freischaffender Künstler
Künstlerische Ausbildung Autodidakt; frühe Beschäftigung mit Malerei, danach rascher Übergang zu Materialbildern, Objekten, Skulpturen und Installationen
Wichtige Materialien Eisen, Zement, Sperrholz, Fundmaterial, Blei, Draht, Textil, Kokosfaser, Erde, Rinde, Holzspäne, Bitumen, Licht, Klang, Staub und architektonischer Raum
Zentrale Orte Böblingen, Kerferhau, Schlossbergstollen, Alter Friedhof, Friedhofskapelle, Busbahnhof Böblingen, altes Flugfeld, Sindelfingen, Stuttgart, Ettlingen, Tübingen, Weil der Stadt
Zentrale Werkgruppen Kerferhau, Armes Land, Schutzraum, Erinnerungsräume, Stadt-Sitz-Zeichen, Installation für ein Honigbrot, Global House Dust, Zellspeicher, Kalklöschen, Palästina, Wir können nicht mehr fliehen
Künstlerische Grundbegriffe Spurensuche, Spurensicherung, Feldforschung, Materialarchiv, soziale Plastik, ortsspezifische Installation, Erinnerungskultur, Naturbefragung, Kunst als Diskussionsangebot
Vereins- und Kunstöffentlichkeit Württembergischer Kunstverein Stuttgart, Böblinger Kunstverein, Zero Arts Stuttgart, Galerie der Stadt Sindelfingen, regionale Kunstvereine und kommunale Kunstprojekte
Öffentliche Arbeiten Stadt-Sitz-Zeichen am Busbahnhof Böblingen, Feldzeichen im Skulpturenweg-Kontext, Kunst-am-Bau- und Brunnenarbeiten, Erinnerungsräume als dauerhafte Rauminstallation
Publikationen Kerferhau / van Aalst, Planquadrat 04-05/94-95 Kerferhau, Marinus van Aalst. Werkzyklen 1991–2009, Natur Forte, Künstler im Landkreis Böblingen und weitere regionale Kataloge
Kulturhistorische Bedeutung Wichtige Position regional verankerter Konzept-, Objekt- und Installationskunst in Baden-Württemberg; Verbindung von Materialforschung, Erinnerungskultur, Stadtgeschichte, Naturbefragung und sozialer Raumkunst

Name, Herkunft und bibliographische Ansetzung

Die sichtbare Namensform lautet Marinus van Aalst. Für die Datei empfiehlt sich aalst-marinus-van.shtml, weil bei niederländischen Namen mit Namenspartikel im deutschen Register häufig nach dem Hauptnamen sortiert wird, während der sichtbare Linktext die natürliche Namensform beibehält. Die Personenkennung der Gemeinsamen Normdatei erschließt ihn als Aalst, Marinus van, was diese Ansetzung stützt.

In einem Kulturlexikon ist van Aalst vor allem als Bildhauer, Objektkünstler und Installationskünstler anzusetzen. Die Bezeichnung Bildhauer bleibt wichtig, weil sie seine plastische Materialarbeit, seine Objekte und seine Arbeiten im öffentlichen Raum verankert. Zugleich reicht der Begriff allein nicht aus. Van Aalsts Werk ist stark konzeptuell, ortsspezifisch und prozessual. Es arbeitet mit Recherche, Sammlung, Archivierung, Eingriff, Begehbarkeit und sozialer Bedeutungsproduktion.

Rotterdam, Böblingen und der lokale Erfahrungsraum

Marinus van Aalst wurde 1947 in Rotterdam geboren und kam 1952 nach Böblingen. Diese biographische Verschiebung ist für seine Kunst nicht äußerlich. Rotterdam steht als vom Krieg schwer gezeichnete europäische Stadt im Hintergrund, Böblingen wird zum konkreten Ort des Aufwachsens, Arbeitens und Erinnerns. Gerade Böblingen bestimmt seine Werkgeschichte: Kerferhau, Schlossbergstollen, alter Flugplatz, alter Schlachthof, Busbahnhof und Friedhofskapelle sind nicht austauschbare Schauplätze, sondern künstlerische Ausgangspunkte.

Böblingen ist bei van Aalst ein verdichteter Stadtraum. In ihm treffen Nachkriegserinnerung, industrielle Modernisierung, militärische Nutzung, Stadtumbau, Naturverbrauch, Müllverwertung, Verkehrsräume und Gedenkorte aufeinander. Der Künstler betrachtet diesen Raum nicht touristisch oder nostalgisch, sondern archäologisch. Er fragt, welche Spuren sichtbar bleiben, welche verdeckt werden, welche Materialien aus dem gesellschaftlichen Blick verschwinden und welche Geschichte unter den Oberflächen weiterwirkt.

Autodidaktische Entwicklung und frühe Materialbilder

Van Aalst wird als Autodidakt beschrieben. Seine künstlerische Arbeit setzte in den 1970er Jahren ein; zunächst stand die Malerei im Vordergrund, doch schon früh entwickelte sich sein Interesse an Material, Objekt und Raum. 1975 werden Feldarbeiten im Kerferhau, Materialbilder und Objekte genannt. Dieser frühe Schritt ist wesentlich, weil er zeigt, dass der Ort, das gesammelte Material und die konkrete Spur von Anfang an mit seinem Werk verbunden waren.

Die frühen Materialbilder sind Übergangsformen. Sie behalten noch die Bezugsfläche des Bildes, sprengen aber die traditionelle Malerei durch Stofflichkeit. Blei, Draht, Textil, Kokosfaser, Holz, Eisen, Zement und Fundstücke verlagern das Bild vom gemalten Zeichen zur realen Materialkonstellation. Dadurch tritt die Kunst in einen Bereich, in dem Oberfläche, Gewicht, Spur, Verschleiß und Herkunft der Stoffe selbst Bedeutung erzeugen.

Vom Bild zur Objektkunst

In den 1990er Jahren wurde die Abwendung von der klassischen Bildhauerei und die Entwicklung zum Objektkünstler besonders deutlich. Van Aalst fand seine Materialien dort, wo politische und gesellschaftliche Entscheidungen in die unmittelbare Lebenswelt eingreifen. Diese Formulierung beschreibt sein Werk präzise: Das Material ist nicht neutral, sondern geschichtlich belastet. Es stammt aus Räumen, die verbraucht, umgenutzt, verdrängt, aufgegeben oder durch Planung verändert werden.

Die Objektkunst erlaubt ihm, solche Materialien nicht bloß symbolisch zu verwenden, sondern als konkrete Träger von Ortserfahrung. Fundstücke erscheinen nicht als dekorative Relikte, sondern als Beweisstücke. Sie sind Spuren einer Landschaft, einer Nutzung, einer Zerstörung, einer Erinnerung oder einer sozialen Entscheidung. Das Objekt wird so zum kleinen Archiv. Es bewahrt, was im großen städtischen oder politischen Zusammenhang leicht verschwindet.

Kerferhau: Topographie, Deponie, Militär und verdrängte Landschaft

Der Kerferhau ist eine Schlüsselregion im Werk van Aalsts. Der alte Flurname bezeichnet ein Gebiet, das für ihn seit der Kindheit mit konkreten Erfahrungen verbunden war. In den späteren Werkzyklen wird dieser Ort als topographisches, historisches und politisches Feld behandelt. Militärische Nutzung, Mülldeponie, Landschaftsveränderung und die neue Böblinger Müllverbrennungsanlage bilden den Hintergrund eines Werks, das fragt, wohin eine Gesellschaft das abschiebt, was sie aus ihrem sichtbaren Selbstbild entfernen will.

Der Kerferhau wird bei van Aalst damit zu einem Gegenort der bürgerlichen Stadt. Er steht für das Ausgegrenzte, Abgelagerte, Unansehnliche und Verdrängte. Gerade deshalb wird er künstlerisch produktiv. Der Künstler sammelt, dokumentiert und ordnet Fundmaterial aus diesem Raum. Die künstlerische Arbeit hebt das Nebensächliche nicht einfach auf ein ästhetisches Podest, sondern macht sichtbar, dass das Nebensächliche gesellschaftlich produziert wird.

Armes Land und die Ästhetik des Ausgegrenzten

Der Zyklus Armes Land gehört zu den zentralen Werkgruppen van Aalsts. Er beginnt in den frühen 1990er Jahren und steht in engem Zusammenhang mit dem Kerferhau. Die kleinen Wandobjekte verbinden Eisenrahmen, Zementschichten, Sperrholz und Fundmaterialien. Sie verweisen formal noch auf die Tradition des Tafelbildes, lösen diese Tradition aber durch ihre Materialität und ihre konzeptuelle Herkunft auf.

Das Kleine, Abgesonderte und Ausgegrenzte erhält in diesen Arbeiten eine eigene Würde. Fundstücke, Kokosfasern, Bleiplatten, Draht, Textilreste und andere Materialien werden nicht naturalistisch erzählt, sondern in konzentrierte Beziehungen gesetzt. Das Objekt wird dadurch zu einem Feld, in dem Natur, Abfall, Wärme, Einschluss, Schutz, Verletzung und gesellschaftliche Entsorgung zusammenkommen.

Armes Land ist deshalb nicht nur ein Titel, sondern eine Diagnose. Gemeint ist nicht einfach ein ökonomisch armes Gebiet, sondern eine Landschaft, die durch Nutzung, Ablagerung und Planung verarmt ist. Zugleich verweist der Titel auf eine moralische Verarmung: Eine Gesellschaft, die ihre Reste und Belastungen auslagert, produziert Orte, an denen sich ihre verdrängten Entscheidungen sammeln.

Schutzraum, Stollenanlage und körperliche Erinnerung

Mit dem Zyklus Schutzraum und der Arbeit an den Böblinger Stollenanlagen tritt die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg in den Vordergrund. Die unterirdischen Räume werden bei van Aalst nicht nur museal gezeigt, sondern in eine begehbare künstlerische Erfahrung überführt. Enge, Dunkelheit, Stille, Kälte, Licht, Öffnung und Beklemmung sind nicht bloße Themen, sondern körperliche Wahrnehmungen.

Entscheidend ist, dass van Aalst Erinnerung nicht nur über Information organisiert. Er schafft Situationen, in denen die Besucherinnen und Besucher in das Werk hineingehen müssen. Der Raum wird zum Aktionsfeld. Die historische Bedeutung der Stollen wird nicht nur erzählt, sondern räumlich erfahrbar gemacht. Damit steht van Aalsts Erinnerungsarbeit in einem größeren Zusammenhang zeitgenössischer Kunst, die Geschichte nicht als abgeschlossene Vergangenheit behandelt, sondern als gegenwärtige Wahrnehmungs- und Körpererfahrung.

Erinnerungsräume in Böblingen

Die Erinnerungsräume in der Friedhofskapelle beziehungsweise Aussegnungshalle auf dem Alten Friedhof in Böblingen gehören zu van Aalsts wichtigsten dauerhaften Arbeiten. In den Kellerräumen der Kapelle führt er ortsspezifische Arbeiten zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs in Böblingen zusammen. Das Projekt ist eng mit dem Boden und der Stadtgeschichte Böblingens verbunden. Es tritt in einen Dialog mit der Architektur, mit dem Friedhof als Erinnerungsort und mit der Geschichte von Bombardierung, Schutzsuche, Tod und Nachkriegsgedächtnis.

Die Erinnerungsräume unterscheiden sich von einem klassischen Denkmal. Sie sind kein einzelnes Monument im Außenraum, sondern eine begehbare, unterirdische Rauminstallation. Das entspricht van Aalsts Arbeitsweise: Erinnerung entsteht nicht allein durch ein Zeichen, sondern durch eine Situation. Wer den Raum betritt, bewegt sich zwischen Geschichte, Material, Licht, Dunkelheit, Enge, Gang, Wand, Keller und eigener Körperwahrnehmung.

Gerade in der Verbindung von Friedhof, Kriegsgeschichte und Installation liegt die kulturhistorische Bedeutung des Projekts. Der Friedhof ist ohnehin ein Ort des individuellen Gedenkens. Van Aalst erweitert ihn zu einem Ort kollektiver Stadtgeschichte. Die lokale Erinnerung wird nicht ausgestellt wie ein abgeschlossenes Kapitel, sondern als offene Frage an die Gegenwart formuliert: Wie kann eine Stadt ihre verdrängten, schmerzhaften und unterirdischen Geschichten wahrnehmen?

Kunst im öffentlichen Raum: Stadt-Sitz-Zeichen und Feldzeichen

Van Aalsts Arbeit beschränkt sich nicht auf Galerie und Innenraum. Mit Stadt-Sitz-Zeichen entstand am Böblinger Busbahnhof eine zwölfteilige Skulptur beziehungsweise Sitzkunst-Arbeit im öffentlichen Raum. Die Arbeit verbindet Objekt, Gebrauch, Stadtmöbel, Zeichen und Aufenthaltsraum. Gerade der Busbahnhof ist ein Ort alltäglicher Bewegung, des Wartens, der Durchquerung und der funktionalen Stadt. Eine künstlerische Intervention an einem solchen Ort verschiebt die Wahrnehmung: Das, was sonst nur Verkehrsfläche ist, wird zu einem Raum des Sitzens, Betrachtens und Bedeutens.

Auch Feldzeichen und die Beteiligung an Skulpturenwegen zeigen van Aalsts Interesse an Zeichen im Landschaftsraum. Solche Arbeiten stehen zwischen Bildhauerei, Land Art, Erinnerungsspur und räumlicher Markierung. Sie sind nicht nur Objekte, die irgendwo aufgestellt werden; sie fragen, wie Orte durch Zeichen lesbar werden und wie Kunst eine Landschaft nicht besetzt, sondern befragt.

Natur, Labor, Biene, Erde und ökologische Wahrnehmung

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Befragung von Natur. Die Installation für ein Honigbrot verbindet Getreidefeld, begehbaren Kubus, Bienenstände, Rampe, Bitumenfarbe, Klangübertragung und meditativen Innenraum. Der Besucher sieht nicht einfach Bienen, sondern hört ihr Inneres. Die direkte Anschauung wird durch akustische Imagination ersetzt. Dadurch wird Natur nicht romantisiert, sondern als unsichtbarer Arbeits- und Lebensprozess erfahrbar.

In Zellspeicher Block 01/02 wird Natur in eine laborartige Situation überführt. Bodenproben, Humus, Samen, Kleinstlebewesen, transparente Beutel, Schläuche, Neonlicht und Trog erzeugen eine Installation, die zugleich an Labor, Infusion, Lazarett, Legebatterie und Naturausbeutung erinnert. Natur erscheint hier nicht als heile Gegenwelt, sondern als etwas, das untersucht, manipuliert, destilliert, kontrolliert und möglicherweise ausgebeutet wird.

Diese Arbeiten zeigen, dass van Aalsts Naturbezug nicht idyllisch ist. Natur wird bei ihm zum Gegenstand von Arbeit, Technik, Kontrolle, Nutzung, Erinnerung und ethischer Frage. Die Installation macht sichtbar, dass auch der scheinbar unmittelbare Naturbezug bereits durch Apparate, Eingriffe, Kulturtechniken und Wahrnehmungsordnungen vermittelt ist.

Global House Dust und das globale Materialarchiv

Global House Dust ist ein Projekt, das Hausstaub als niedrigste Form von Stofflichkeit zu einem globalen Bindeglied macht. Hausstaub ist alltäglich, unscheinbar, oft unerwünscht und zugleich hochgradig aussagekräftig. Er enthält Spuren von Körpern, Räumen, Textilien, Arbeit, Lebensformen und Umwelt. In van Aalsts Projekt wird diese unansehnliche Substanz zum Träger eines kollektiven Archivs.

Das Projekt ist kulturhistorisch besonders interessant, weil es das Archiv nicht mit offiziellen Dokumenten beginnt, sondern mit Reststoffen. Hausstaub ist ein Material, das soziale, religiöse und kulturelle Lebensräume verbindet, ohne sie zu vereinheitlichen. Jeder Staub ist lokal, jeder Staub ist global. Van Aalst macht damit eine sehr kleine, fast unsichtbare Substanz zu einem Medium der Weltbeziehung.

Palästina, Wir können nicht mehr fliehen und politische Rauminstallation

In den Werkgruppen Palästina und Wir können nicht mehr fliehen tritt eine deutlicher politische Dimension hervor. Schon die Titel verweisen auf Räume von Konflikt, Einschluss, Flucht, Grenze und existenzieller Bedrängnis. Van Aalsts Kunst wird hier nicht agitatorisch im engen Sinn, sondern arbeitet mit Räumen, Objekten und Situationen, in denen politische Zustände als körperliche und materielle Erfahrungen begreifbar werden.

Der Satz Wir können nicht mehr fliehen ist besonders stark, weil er Bewegung negiert. Flucht, Ausweg und offene Zukunft werden blockiert. Damit fügt sich diese Werkgruppe in van Aalsts größeres Interesse an Einschluss, Schutzraum, Enge, bedrängter Natur, abgesondertem Material und verdrängter Geschichte. Politische Gegenwart erscheint nicht als abstrakte Nachricht, sondern als räumliche Bedingung.

Kulturelle Netzwerke, Vereine und regionale Kunstöffentlichkeit

Van Aalsts Werk ist stark mit regionalen Kunstinstitutionen verbunden. Dazu gehören der Böblinger Kunstverein, der Württembergische Kunstverein Stuttgart, die Galerie der Stadt Sindelfingen, Zero Arts Stuttgart, Kunstprojekte im Landkreis Böblingen, der Kunstverein Wilhelmshöhe Ettlingen, der Künstlerkreis Ortenau und weitere regionale Ausstellungsorte. Diese Netzwerke sind für die Kulturgeschichte Baden-Württembergs wichtig, weil sie zeigen, dass Gegenwartskunst nicht nur in den großen Zentren entsteht.

Gerade van Aalsts Arbeit wäre ohne regionale Orte kaum denkbar. Seine Kunst braucht lokale Konflikte, Räume, Archive, Landschaften, Keller, Stollen, Plätze und öffentliche Debatten. Deshalb ist die regionale Einbindung kein Zeichen von Beschränkung. Sie ist die Voraussetzung einer Kunst, die aus konkreten Orten heraus allgemeine Fragen stellt: Wie geht eine Gesellschaft mit ihren Spuren um? Was verdrängt sie? Welche Natur nutzt sie aus? Welche Geschichte macht sie sichtbar? Welche Räume gibt sie der Erinnerung?

Werk- und Ausstellungsübersicht

Die folgende Übersicht ordnet wichtige Stationen, Werkgruppen und Ausstellungen Marinus van Aalsts kulturhistorisch ein. Sie ersetzt keine vollständige Werkdokumentation, macht aber die Entwicklung von der frühen Materialarbeit über ortsspezifische Installationen bis zu Erinnerungsräumen und neueren politischen Raumarbeiten sichtbar.

Jahr / Zeitraum Werk / Station / Ausstellung Kulturhistorische Bedeutung
1947 Geburt in Rotterdam Biographischer Ausgangspunkt in einer durch Krieg und Wiederaufbau geprägten niederländischen Stadt.
1952 Umzug nach Böblingen Böblingen wird zum zentralen Erfahrungs-, Arbeits- und Erinnerungsraum des späteren Werks.
1961 Ausstellungsbeteiligung Galerie Eisenmann, Böblingen Sehr frühe regionale Sichtbarkeit im Böblinger Kunstumfeld.
1975 Feldarbeiten im Kerferhau, Materialbilder und Objekte Beginn einer ortsbezogenen Material- und Spurensicherung, die später für das Gesamtwerk entscheidend bleibt.
1978 Künstler für den Frieden, Galerie Claqoise, Sindelfingen Frühe Einbindung in politisch und gesellschaftlich sensibilisierte Kunstöffentlichkeit.
1983 Materialbilder und Objekte, Galerie Claqoise, Sindelfingen; Eisenskulpturen und Materialbilder, Galerie im Höfle, Böblingen Sichtbarer Übergang von Malerei zu Materialbild, Objekt und plastischer Arbeit.
1984 Performance Stirbt die Natur – stirbt der Mensch; Gruppenausstellungen in Pontoise, Geelen, Krems und Alba Ökologische und internationale Erweiterung der künstlerischen Fragestellungen.
1985 Skulpturen und Objekte, Galerie der Stadt Herrenberg Bestätigung der Objekt- und Skulpturrichtung im kommunalen Ausstellungsraum.
1986 Skulptur 86, Böblingen Einbindung in regionale Skulptur- und Bildhauereidebatten.
1987 Kreiskunstausstellung Böblingen; Katalog Künstler im Landkreis Böblingen Regionale Dokumentation und Verankerung im Landkreis Böblingen.
1990 Planquadrat 04-05/94-95 Kerferhau Topographische und konzeptuelle Zuspitzung des Kerferhau als Ort von Material, Deponie, Militär und Landschaftsverdrängung.
1991 Beginn der Dokumentation und künstlerischen Aufarbeitung der Schutzräume in Böblingen; Kerferhau, Galerie Tendenz Sindelfingen Verknüpfung von Stadterinnerung, unterirdischem Raum und ortsspezifischer Installation.
1992 Installation Herzmassage, Böblinger Kunstverein; Katalog Kerferhau / van Aalst; ARCO Madrid mit Galerie Tendenz Ausweitung von lokaler Spurensicherung in Kunstmesse- und Ausstellungszusammenhänge.
1993 Beginn des Zyklus Armes Land; 44 Schreibtafeln zur Erinnerung an die Bombennacht 1943 in Böblingen; Arbeitsaufenthalt in Südafrika Verdichtung von Materialkritik, Kriegserinnerung, Ortsgeschichte und internationaler Erfahrung.
1994 Projektleitung Kunstprojekt Landesgartenschau Böblingen; Abriss Schlachthof, Galerie Contact Kunst als städtischer Eingriff und als Kritik an Abriss, Umnutzung und Erinnerungslöschung.
1995 Kommunikationsröhren, Treffpunkt Rotebühlplatz Stuttgart; Kunstprojekt Bahnsteig 85 Rauminstallation und Kommunikation als soziale und architektonische Struktur.
1996 Armes Land, Galerie Tendenz; Art Multiple Frankfurt Präsentation des zentralen Zyklus zur verdrängten Landschaft und materiellen Sozialkritik.
1998 Aktion Platzbestuhlung, Kunstverein Böblingen Künstlerischer Zugriff auf Platz, Öffentlichkeit, Sitzordnung und städtische Nutzung.
2000 Tunnelstücke, Zapata Stuttgart und Galerie Contact Böblingen Fortsetzung der Arbeit an unterirdischen, fragmentarischen und erinnerungsbezogenen Raumformen.
2002 Skulpturenpfad am Venusberg / 50 Jahre Baden-Württemberg Einbindung in landesbezogene Kunst- und Skulpturenwege.
2002–2003 Installation für ein Honigbrot Ökologische, akustische und meditative Installation über Bienen, Feld, Innenraum und Naturwahrnehmung.
2003 Stadt-Sitz-Zeichen, zwölfteilige Skulptur am Busbahnhof Böblingen Kunst im öffentlichen Raum zwischen Stadtmöbel, Sitzform, Zeichen und urbaner Aufenthaltsqualität.
2004 Nutzungskonzept für das alte Fluggelände Böblingen Künstlerische und stadtplanerische Reflexion eines historisch und funktional belasteten Ortes.
2006 Rauminstallation Paletten, Galerie der Stadt Sindelfingen im Alten Rathaus Maichingen Raumbezogene Arbeit mit industriell-alltäglichem Material und kommunalem Ausstellungsraum.
2007 Die 3Groschenausstellung / 15 Positionen zum Thema Armut, Zero Arts Stuttgart Soziale Thematik und Anschluss an künstlerische Debatten über Armut, Verteilung und gesellschaftliche Wahrnehmung.
2009 Werkzyklen 1991–2009, Galerie der Stadt Sindelfingen; Natur forte, Kunstverein Wilhelmshöhe Ettlingen Umfassende Werkübersicht und naturbezogene Gruppenausstellung im Zusammenhang des Wolfgang-Hartmann-Preises.
2011 Erinnerungsräume, Böblingen, Dauerausstellung; Einzelausstellungen bei Zero Arts Stuttgart und im Artforum Offenburg Dauerhafte Verankerung seiner Erinnerungskunst in der Stadt Böblingen und weitere regionale Präsentation.
2012 57 Tage Bewässerung, Orangerie im Hofgarten, Kirchberg/Jagst Natur-, Pflanzen- und Bewässerungsthema als Installation zwischen Pflege, Kontrolle und Zeitprozess.
2014 Kalklöschen, Wendelinskapelle / Kunstforum Weil der Stadt; Feldzeichen im Skulpturenweg Landkreis Böblingen Verbindung von Materialprozess, sakralem Raum, Landschaftszeichen und regionaler Skulptur.
2015 Biennale Sindelfingen, Installation Guckkästen Fortführung der Raum- und Wahrnehmungsbefragung im Ausstellungskontext.
2017 Württembergischer Kunstverein: Präsenz, Kritik, Utopie; Städtische Galerie Böblingen: Bildgewalt Einbindung in gegenwartsbezogene Themenausstellungen über Kritik, Utopie und Bildmacht.
2018 Einzelausstellung Werkzyklus Palästina, Galerie Oberlichtsaal Sindelfingen Politisch und räumlich aufgeladene Werkgruppe zu Konflikt, Grenze, Flucht und Bedrängnis.
2019 Württembergischer Kunstverein: Könnte aber doch Fortgesetzte Beteiligung an künstlerischen Diskursen des Württembergischen Kunstvereins.
2022 Eine Kollaboration, Rauminstallation mit Lee Lichterloh, Galerie peripherie im Sudhaus Tübingen Kooperative Rauminstallation und Erweiterung der künstlerischen Arbeitsweise in dialogische Formate.
2024 Wir können nicht mehr fliehen, Rauminstallation, Zero Arts Stuttgart Aktuelle politische Rauminstallation über Einschluss, Fluchtlosigkeit und existenzielle Bedrängnis.
2025 Absolut Zero!, Zero Arts Stuttgart, Ausstellungsbeteiligung Fortgesetzte Präsenz im Stuttgarter Gegenwartskunstumfeld.

Kulturhistorische Bedeutung

Marinus van Aalsts kulturhistorische Bedeutung liegt zunächst in der Verbindung von regionaler Genauigkeit und konzeptueller Weite. Seine Kunst entsteht aus konkreten Orten: Kerferhau, Schlossbergstollen, Friedhofskapelle, Busbahnhof, altes Flugfeld, Schlachthof, Landkreislandschaft. Diese Orte werden nicht bloß illustriert. Sie werden erforscht, befragt, materialisiert und in begehbare oder objekthafte Denkformen übersetzt. Dadurch gewinnt das Lokale eine allgemeine Bedeutung.

Zweitens steht van Aalst für eine Kunst der Spurensicherung. Sein Werk fragt nach Resten, Ablagerungen, verdrängten Materialien, verborgenen Räumen und stillgestellten Geschichten. Fundmaterial wird dabei nicht als romantischer Abfallfetisch verwendet, sondern als historisch und sozial belasteter Träger von Bedeutung. Die kleine Spur wird zum Gegenarchiv der offiziellen Stadt- und Fortschrittserzählung.

Drittens ist sein Werk für die Erinnerungskultur wichtig. Schutzraum und Erinnerungsräume zeigen, dass Geschichte nicht nur in Texttafeln, Daten und Denkmälern bewahrt wird. Geschichte kann räumlich, körperlich, akustisch und atmosphärisch erfahrbar werden. Gerade die unterirdischen Räume der Friedhofskapelle und der Stollen machen sichtbar, wie Erinnerung mit Enge, Dunkelheit, Kälte, Stille und Bewegung verbunden ist.

Viertens verbindet van Aalst Kunst und ökologische Wahrnehmung. Projekte wie Installation für ein Honigbrot, Zellspeicher, 57 Tage Bewässerung und Global House Dust zeigen Natur nicht als ästhetischen Vorrat, sondern als Prozess, Stoffwechsel, Rest, Klang, Labor, Archiv und Konfliktfeld. Seine Natur ist nicht unberührt, sondern von Menschen bearbeitet, kontrolliert und bedroht.

Fünftens ist van Aalst ein wichtiger Vertreter einer regionalen Gegenwartskunst, die nicht provinziell ist. Gerade die Bindung an Böblingen, Sindelfingen, Stuttgart und den Landkreis Böblingen erlaubt ihm eine langfristige, genaue und kritisch beharrliche Arbeit. Während viele Kunstpositionen Orte nur temporär bespielen, arbeitet van Aalst über Jahrzehnte an denselben Schichten von Stadt, Landschaft, Material und Erinnerung.

Schließlich hat van Aalsts Werk eine besondere Bedeutung für das Verhältnis von Kunst und Öffentlichkeit. Stadt-Sitz-Zeichen, Feldzeichen, Kunst-am-Bau-Projekte und die Erinnerungsräume zeigen, dass Kunst nicht nur im Ausstellungsraum existiert. Sie tritt in Verkehrsorte, Friedhofsräume, Landschaften und städtische Debatten ein. Damit fordert sie eine Öffentlichkeit, die Kunst nicht konsumiert, sondern sich mit ihr auseinandersetzt.

Sekundärliteratur, Quellen und Recherchewege

Die Quellenlage zu Marinus van Aalst ist für die Grunddaten, die regionale Einordnung und die Werkchronologie gut, für eine vollständige kunsthistorische Gesamtanalyse aber noch ausbaufähig. Wichtige Ausgangspunkte sind LEO-BW mit GND-Nachweis, die Künstlerseite mit Werkchronologie und Projekttexten, die Dokumentationen der Kulturregion Stuttgart und des Landkreises Böblingen zu den Erinnerungsräumen, regionale Ausstellungskataloge, der Katalog Werkzyklen 1991–2009, der Katalog Natur Forte, ältere Publikationen zur Kunst im Landkreis Böblingen und Beiträge der Galerie der Stadt Sindelfingen.

Bei der Recherche ist zu beachten, dass van Aalsts Werk stark ortsspezifisch ist. Eine reine Liste von Ausstellungen reicht nicht aus. Wichtig sind die Orte selbst: Kerferhau, Stollenanlage, Friedhofskapelle, Busbahnhof, altes Flugfeld, Schlachthof, Skulpturenwege und regionale Ausstellungsräume. Auch Katalogtexte von Otto Pannewitz, Gabrielle Hoffmann, Marko Schacher und Sonja van Aalst sind für die Deutung wichtig, weil sie die Begriffe Spurensicherung, Material, Feldforschung, Naturbefragung und Erinnerungsraum ausarbeiten.

Ausgewählte Quellen und Literatur

Quelle / Literatur Nutzen für den Eintrag
LEO-BW: „Aalst, Marinus van“. Normdatennahe Grundquelle zu Geburtsjahr, Geburtsort, Beruf, Wirkungsort Böblingen und GND-ID.
Marinus van Aalst: Künstlerwebsite, besonders „Über Marinus van Aalst“. Deutung der Werkzyklen als prozessuale Strategie, work in progress, Spurensuche, Spurensicherung, Feldforschung und Kunst als sozialer Prozess.
Marinus van Aalst: Künstlerwebsite, „Werklauf“. Umfangreiche chronologische Grundlage zu Lebensstationen, Ausstellungen, Werkgruppen, Installationen, Projekten und neueren Arbeiten bis 2025.
Otto Pannewitz (Hg.): Marinus van Aalst. Werkzyklen 1991–2009, Verlag der Galerie der Stadt Sindelfingen, 2009. Wichtige monographische Publikation zur Zusammenfassung zentraler Werkzyklen von Kerferhau bis zu den späten Installationen.
Marko Schacher: Natur Forte, herausgegeben vom Kuratorium Wolfgang-Hartmann-Preis und Kunstverein Wilhelmshöhe Ettlingen, 2009. Kontext zur naturbezogenen Installationskunst, besonders zu Zellspeicher und zur Ausstellung mit Angela Murr, Luzia Simons und Manuela Tirler.
Kulturregion Stuttgart: „Erinnerungsräume Marinus van Aalst“. Öffentliche Kurzbeschreibung der Erinnerungsräume als künstlerische Aufarbeitung der Böblinger Stadtgeschichte im Zweiten Weltkrieg.
Museen im Landkreis Böblingen: „Erinnerungsräume Böblingen“. Institutioneller Nachweis zur Rauminstallation in den Kellerräumen der Aussegnungshalle auf dem Alten Friedhof.
Marinus van Aalst: Projektseite „Schutzraum Stollenanlage“. Wichtige Quelle zur ortsspezifischen Arbeit mit Stollenanlagen, Dunkelheit, Enge, Stille und körperlicher Erinnerung.
Marinus van Aalst: Projektseite „Installation für ein Honigbrot“. Quelle zur begehbaren Feldinstallation mit Kubus, Bienenständen, Rampe, Bitumenfarbe und akustischer Naturerfahrung.
Marinus van Aalst: Projektseite „Global House Dust“. Quelle zur Staubarbeit als globalem Materialarchiv und Bindeglied unterschiedlicher sozialer, religiöser und kultureller Lebensräume.
Marinus van Aalst: Projektseite „Armes Land“. Quelle zur Entwicklung vom klassischen Bildhauer zum Objektkünstler, zum Kerferhau-Bezug und zur Arbeit mit Fundmaterialien.
Schwäbisches Künstlerlexikon, Stuttgart 1986. Ältere regionale Künstlerlexikonquelle für die Einordnung van Aalsts im südwestdeutschen Kunstfeld.
Kunst im Landkreis Böblingen, Böblingen 1987 und 1993. Regionale Dokumentation zur Kunstszene des Landkreises und zu van Aalsts frühem Werkumfeld.
Galerie der Stadt Sindelfingen, Ausstellungsmaterialien und Kataloge. Wichtiger institutioneller Kontext für Werkzyklen 1991–2009, Rauminstallation Paletten, Palästina und weitere regionale Präsentationen.
Zero Arts Stuttgart: Ausstellungsprogramme und Projektarchive. Rechercheweg zu neueren Installationen wie Wir können nicht mehr fliehen, Absolut Zero! und weiteren Beteiligungen.
Württembergischer Kunstverein Stuttgart: Jahresausstellungen und Mitgliederprojekte. Kontext für van Aalsts Beteiligungen an Themenausstellungen wie Unrealisierte Konzepte, Präsenz, Kritik, Utopie, Könnte aber doch und anderen.

Weiterführende Einträge

Die folgenden Einträge vertiefen die kulturgeschichtlichen Felder, in denen Marinus van Aalst steht: Objektkunst, Installationskunst, Materialbilder, Spurensicherung, Böblinger Stadtgeschichte, Kerferhau, Erinnerungskultur, Kunst im öffentlichen Raum, Naturbefragung, regionale Gegenwartskunst und sozial bezogene Raumkunst.

  • Marinus van Aalst Bildhauer, Objekt- und Installationskünstler; verbindet Materialbilder, Fundobjekte, Spurensicherung, Böblinger Stadtgeschichte und ortsspezifische Raumkunst.
  • Abfallkunst Künstlerischer Umgang mit Reststoffen, Fundmaterial, Entsorgung und gesellschaftlich ausgegrenzter Materie.
  • Armes Land Werkzyklus van Aalsts zur verdrängten Landschaft, zum Kerferhau und zur Ästhetik des Ausgegrenzten.
  • Kunstverein Wilhelmshöhe Ettlingen Ausstellungsort von Natur forte, in dessen Kontext van Aalsts naturbezogene Installationsarbeit sichtbar wurde.
  • Bienen in der Kunst Motiv- und Materialfeld, das bei van Aalst in der Installation für ein Honigbrot akustisch und räumlich erscheint.
  • Bildhauerei Künstlerische Grundform, von der van Aalst ausgeht und die er in Objekt, Installation und Raumprozess erweitert.
  • Böblingen Zentraler Lebens-, Arbeits- und Erinnerungsraum van Aalsts mit Kerferhau, Stollen, Busbahnhof und Friedhofskapelle.
  • Böblinger Kunstverein Regionale Kunstinstitution, mit der van Aalsts Ausstellungs- und Kulturarbeit verbunden ist.
  • Busbahnhof Böblingen Ort von van Aalsts Stadt-Sitz-Zeichen und Beispiel künstlerischer Intervention in alltägliche Verkehrsräume.
  • Christian Boltanski Künstlerische Vergleichsfigur für Erinnerung, Archiv, Spur und kollektives Gedächtnis in der Gegenwartskunst.
  • Deponie Kultur- und Umweltort des Ausgelagerten, wichtig für van Aalsts Kerferhau- und Materialdenken.
  • Erinnerungskunst Kunstform, die Geschichte, Gedächtnis, Ort und Betroffenheit in räumliche oder materielle Formen überführt.
  • Erinnerungsräume Böblingen Dauerhafte Rauminstallation van Aalsts in den Kellerräumen der Friedhofskapelle auf dem Alten Friedhof.
  • Feldforschung in der Kunst Künstlerische Rechercheform, bei der Orte, Materialien, soziale Prozesse und Spuren untersucht werden.
  • Feldzeichen Arbeit van Aalsts im Skulpturenweg-Kontext, die Landschaft und Zeichenhaftigkeit verbindet.
  • Friedhofskapelle Böblingen Ort der Erinnerungsräume und Schnittstelle von Friedhof, Stadtgeschichte, Kriegsgedenken und Raumkunst.
  • Fundmaterial Zentrales Arbeitsmaterial der Objektkunst und bei van Aalst Träger von Ort, Spur, Geschichte und Ausgrenzung.
  • Galerie der Stadt Sindelfingen Wichtiger Ausstellungsort für van Aalsts Werkzyklen und regionale Gegenwartskunst.
  • Global House Dust Projekt van Aalsts, das Hausstaub als globales Materialarchiv unterschiedlicher Lebensräume versteht.
  • Installation für ein Honigbrot Begehbare Feldinstallation van Aalsts mit Kubus, Bienenständen, Klangübertragung und Naturbefragung.
  • Installationskunst Kunstform, die Raum, Material, Wahrnehmung, Körper und Bedeutung zu begehbaren Situationen verbindet.
  • Joseph Beuys Zentrale Vergleichsfigur für erweiterte Kunstbegriffe, soziale Plastik, Materialsymbolik und Kunst als Prozess.
  • Kalklöschen Werkgruppe van Aalsts, die Materialprozess, chemische Umwandlung und sakralen Raum verbindet.
  • Kerferhau Böblinger Landschafts- und Erinnerungsraum, der in van Aalsts Werk als Deponie-, Militär- und Spurengebiet erscheint.
  • Kunst am Bau Künstlerisches Feld öffentlicher und architekturbezogener Arbeiten, zu dem auch van Aalsts Brunnen- und Raumprojekte gehören.
  • Kunst im öffentlichen Raum Kunstform, die Stadtplätze, Wege, Verkehrsorte und Landschaften in gesellschaftliche Wahrnehmungsräume verwandelt.
  • Kunstverein Böblingen Lokale Kunstinstitution und wichtiger Kontext von van Aalsts Ausstellungs-, Vereins- und Kulturarbeit.
  • Land Art Kunstform, die Landschaft, Erde, Zeichen und Eingriff verbindet und für van Aalsts Feld- und Naturarbeiten anschlussfähig ist.
  • Materialbild Bildform, bei der reale Stoffe, Oberflächen und Fundstücke die Malerei erweitern oder ersetzen.
  • Materialität Eigenschaft künstlerischer Stoffe, durch Gewicht, Herkunft, Spur, Oberfläche und Gebrauch Bedeutung zu tragen.
  • Natur forte Ausstellungskontext des Wolfgang-Hartmann-Preises, in dem van Aalsts naturbezogene Installationen gezeigt wurden.
  • Natur in der Gegenwartskunst Themenfeld zwischen Ökologie, Labor, Landschaft, Stoffwechsel, Kontrolle und ästhetischer Wahrnehmung.
  • Objektkunst Kunstform, in der reale Gegenstände, Fundmaterialien und arrangierte Dinge zu Bedeutungsträgern werden.
  • Ortsspezifische Kunst Kunstform, die aus einem konkreten Ort, seiner Geschichte, Architektur, Nutzung und Atmosphäre heraus entwickelt wird.
  • Otto Pannewitz Galerieleiter und Herausgeber des Katalogs Marinus van Aalst. Werkzyklen 1991–2009.
  • Palästina Werkzyklus van Aalsts, der politische Raumfragen, Grenze, Konflikt und Bedrängnis künstlerisch aufnimmt.
  • Prozesskunst Künstlerischer Ansatz, bei dem Entstehung, Veränderung, Dauer, Recherche und Handlung den Werkcharakter mitbestimmen.
  • Rauminstallation Installationsform, die einen gesamten Raum als Wahrnehmungs-, Bedeutungs- und Erfahrungsfeld organisiert.
  • Schlossbergstollen Böblingen Historischer Schutzraum und Ausgangspunkt von van Aalsts künstlerischer Arbeit zu Stollen, Enge und Kriegserinnerung.
  • Schutzraum Werkkomplex van Aalsts zu Stollenanlagen, Kriegserfahrung, Dunkelheit, Enge und körperlicher Erinnerung.
  • Skulpturenweg Ausstellungsform im Landschafts- und Stadtraum, an der van Aalst mit Arbeiten wie Feldzeichen beteiligt war.
  • Soziale Plastik Erweiterter Kunstbegriff, der gesellschaftliche Prozesse, Kommunikation und Verantwortung als künstlerische Form versteht.
  • Spurensicherung Künstlerische Methode, bei der Reste, Fundstücke, Dokumente und Orte als Zeichen von Geschichte bewahrt werden.
  • Stadtgeschichte Böblingen Historischer Kontext von Bombennacht, Stollen, Friedhof, Stadtumbau und van Aalsts Erinnerungsarbeiten.
  • Stadt-Sitz-Zeichen Zwölfteilige Skulptur van Aalsts am Böblinger Busbahnhof zwischen Sitzmöbel, Zeichen und öffentlichem Raum.
  • Staub in der Kunst Material- und Symbolfeld zwischen Rest, Körper, Haushalt, Verfall, Archiv und globaler Spur.
  • Zero Arts Stuttgart Stuttgarter Kunst- und Galerieverein, in dessen Umfeld van Aalst mehrfach ausstellte.
  • Wir können nicht mehr fliehen Rauminstallation van Aalsts über Fluchtlosigkeit, Einschluss, politische Bedrängnis und existenzielle Raumwahrnehmung.
  • Wolfgang-Hartmann-Preis Preis- und Ausstellungskontext von Natur forte, in dem van Aalsts Arbeit mit Natur und Labor sichtbar wurde.
  • Württembergischer Kunstverein Stuttgarter Kunstinstitution, an deren Themenausstellungen van Aalst mehrfach beteiligt war.
  • Zellspeicher Installationsgruppe van Aalsts mit Bodenproben, transparenten Beuteln, Schläuchen, Laborassoziationen und Naturbefragung.