A

Tonname · Musiktheorie · sechste Stufe von C-Dur · La · Alphabetnotation · Solmisation · europäische Notenkultur

Überblick

A ist in der englischen und deutschen Tonbenennung der Name eines musikalischen Tons. In der natürlichen Skala von C, also in C-Dur ohne Vorzeichen, bildet A die sechste Stufe: C, D, E, F, G, A, H beziehungsweise B. In französischer und italienischer Terminologie heißt derselbe Ton La. Die ältere englische Lexikonformel beschreibt A daher als „name of the sixth degree of the natural scale of C“ und verweist zugleich auf den historischen Grund, weshalb der Buchstabe A nicht die erste, sondern die sechste Stufe der C-Skala bezeichnet. Diese Formulierung ist im RILM-Nachweis zu Grove’s Dictionary belegt. :contentReference[oaicite:0]{index=0}

Der Tonname A ist kulturgeschichtlich klein, aber aufschlussreich. Er führt in die Geschichte der europäischen Musiknotation, in die Unterscheidung von Buchstabennamen und Solmisationssilben, in die Mehrsprachigkeit musikalischer Theorie und in die Frage, wie Klänge durch Zeichen stabilisiert werden. Dass derselbe Ton im Deutschen und Englischen A, im Französischen und Italienischen aber La heißt, zeigt, dass Musik zwar als Klang international verständlich sein kann, ihre Benennungssysteme aber historisch verschieden gewachsen sind.

Für die Kulturgeschichte von Lyrik, Gesang und Musik ist A zudem bedeutsam, weil der Ton in vokaler Praxis, Stimmung, Tonartenlehre und Notenschrift eine konkrete Rolle spielt. Der Begriff verbindet elementare Musiktheorie mit Schriftgeschichte: Ein einzelner Buchstabe wird zum Klangzeichen.

Kurzdaten

Lemma A
Sachgebiet Musiktheorie, Notation, Tonsystem, Solmisation
Definition Tonname der sechsten Stufe der natürlichen C-Dur-Skala
Stellung in C-Dur C – D – E – F – G – A – H/B
Deutsch / Englisch A
Französisch / Italienisch La
Solmisationsbezug La als Tonsilbe des mittelalterlichen Hexachords und der späteren Solmisation
Notationsbezug Alphabetische Tonbenennung A–G
Praktische Bedeutung A, besonders a′, wurde in der neueren Musikgeschichte zum zentralen Stimm- und Kammerton
Kulturgeschichtliche Bedeutung Beispiel für die Übersetzung von Klang in Buchstaben, Silben, Notation, Unterricht und internationale Fachsprache

A als Tonname

Als Tonname bezeichnet A zunächst keinen absoluten Klang im naturwissenschaftlichen Sinn, sondern eine Stelle innerhalb eines musikalischen Ordnungssystems. In moderner gleichstufiger Stimmung können die Oktavlagen von A durch Zusätze unterschieden werden, etwa A, a, a′ oder A4. Der einfache Buchstabe bleibt jedoch der Grundname des Tons.

In der abendländischen Musiktheorie gehören die sieben Buchstaben A, B, C, D, E, F und G beziehungsweise im deutschen System A, H, C, D, E, F und G zur elementaren Tonbenennung. Diese Buchstaben können durch Vorzeichen verändert werden, etwa zu Ais, As, A♯ oder A♭. Das einfache A bezeichnet dann den unveränderten Ton.

Bezeichnung Bedeutung
A Unveränderter Ton A
Ais / A♯ Um einen Halbton erhöhter Ton A
As / A♭ Um einen Halbton erniedrigter Ton A
a′ / A4 Oktavlage, die häufig als moderner Stimmton verwendet wird
La Französisch-italienische Solmisations- und Tonbezeichnung für A

A in der natürlichen C-Dur-Skala

In der natürlichen C-Dur-Skala steht A an sechster Stelle. Diese Zählung beginnt nicht bei A, sondern bei C, weil C-Dur in der modernen Musiktheorie als vorzeichenfreie Dur-Skala besonders anschaulich ist. Die Stufen lauten: C als erste Stufe, D als zweite, E als dritte, F als vierte, G als fünfte, A als sechste und H beziehungsweise B als siebte Stufe.

Stufe Tonname deutsch Tonname englisch Französisch / Italienisch Solmisationssilbe in C-Dur
1. C C Do / Ut Do
2. D D Ré / Re Re
3. E E Mi Mi
4. F F Fa Fa
5. G G Sol Sol
6. A A La La
7. H B Si Ti / Si

Sprach- und Benennungssysteme

Die europäische Musik kennt zwei große Benennungstraditionen. Die eine verwendet Buchstaben, die andere Solmisationssilben. Im Deutschen und Englischen ist der Buchstabenname A üblich. In romanischen Sprachen wie Französisch und Italienisch ist dagegen die Solmisationsbezeichnung La als Tonname fest etabliert. Yale führt für Musik-Katalogisierung entsprechend unterschiedliche Sprachsysteme der Tonarten- und Notennamen auf. :contentReference[oaicite:1]{index=1}

Diese Unterschiede sind für Übersetzung, Musiklexikographie, Editionsarbeit und internationale Verständigung wichtig. Ein deutscher Hinweis auf „A-Dur“ entspricht im Französischen „La majeur“ und im Italienischen „La maggiore“. In Jazz, Pop und internationaler Akkordsymbolik begegnet allerdings auch in romanischen Ländern häufig die Buchstabenbenennung.

Sprache / System Bezeichnung des Tons A Beispiel Tonart
Deutsch A A-Dur
Englisch A A major
Französisch La La majeur
Italienisch La La maggiore
Internationale Akkordsymbolik A A, Am, A7

Alphabetnotation und historische Begründung

Die scheinbare Merkwürdigkeit, dass A nicht die erste Stufe der C-Dur-Skala, sondern deren sechste Stufe bezeichnet, hängt mit der Geschichte der Tonbenennung zusammen. Die alphabetische Benennung der Töne ist älter als die moderne systematische Stellung von C-Dur als vorzeichenfreier Grundskala des elementaren Musikunterrichts. Der Buchstabe A wurde historisch nicht deshalb gewählt, weil C-Dur mit A beginnen sollte, sondern weil ältere Tonsysteme und Skalenordnungen anders angesetzt waren.

Für die neuere Theorie bleibt die Doppelperspektive wichtig. Alphabetisch ist A der erste Buchstabe der Reihe A–G. Diatonisch in C-Dur ist A dagegen die sechste Stufe. Dieses Nebeneinander von alphabetischer und skalischer Ordnung ist kein Fehler, sondern ein historischer Rest verschiedener Ordnungssysteme.

La, Solmisation und Guido von Arezzo

Die Bezeichnung La gehört zur Solmisation. Sie geht auf die mittelalterliche Praxis zurück, Tonschritte mit Silben zu benennen. Guido von Arezzo entwickelte im 11. Jahrhundert ein System, das die Silben ut, re, mi, fa, sol, la aus dem Johannes-Hymnus Ut queant laxis gewann; später wurde ut vielerorts durch do ersetzt, und si beziehungsweise ti kam für die siebte Stufe hinzu. :contentReference[oaicite:2]{index=2}

In der festen Solmisation romanischer Länder wurde La zum Namen des Tons A. In beweglicher Solmisation kann La dagegen je nach Tonart eine andere Tonhöhe bezeichnen. Dadurch entsteht eine wichtige Unterscheidung: A ist ein Buchstabenname, La kann entweder fester Tonname oder bewegliche Stufensilbe sein.

A als Stimmton und Kammerton

In der modernen Musikpraxis besitzt A eine besondere Bedeutung als Stimmton. Das eingestrichene a, international häufig A4 genannt, dient im Orchester und in vielen Ensembles als Referenzton. Heute wird es oft mit 440 Hertz angesetzt; historisch gab es jedoch erhebliche regionale und zeitliche Unterschiede. Dieser praktische Aspekt erweitert die lexikalische Bedeutung von A: Der Ton ist nicht nur ein Skalenglied, sondern auch ein Maßpunkt musikalischer Abstimmung.

Die Wahl von A als Stimmton hängt mit instrumentaler Praxis, Orchesterorganisation und der günstigen Lage des Tons für viele Instrumente zusammen. Kulturgeschichtlich zeigt der Kammerton, dass Tonbenennung, physikalische Frequenz, Institutionen und Aufführungspraxis ineinandergreifen.

Kulturgeschichtliche Bedeutung

Der Tonname A zeigt exemplarisch, wie Kultur aus scheinbar elementaren Zeichen entsteht. Ein einzelner Buchstabe trägt historische Schichten: antike und mittelalterliche Tonordnungen, lateinische Bildung, Guido’sche Solmisation, nationale Fachsprachen, musikalische Praxis, Drucknotation und moderne Pädagogik. Der Ton ist daher nicht nur ein Klang, sondern ein kulturell kodierter Begriff.

Für die Verbindung von Musik und Lyrik ist A besonders dort relevant, wo gesungene Sprache, Tonhöhe, Melodie, Reim, Vers und Klanggestalt zusammenkommen. Lyrik wird in vielen historischen Kontexten nicht bloß gelesen, sondern gesungen, rezitiert oder musikalisch begleitet. Der Tonname gehört dann zur technischen Sprache, mit der diese Verbindung beschreibbar wird.

Auch die Mehrsprachigkeit des Begriffs ist kulturgeschichtlich aufschlussreich. Deutsch und Englisch verwenden A; Französisch und Italienisch verwenden La. Dadurch wird sichtbar, dass musikalische Theorie zugleich international und lokal ist: Die Tonhöhe kann identisch sein, doch die kulturelle Benennung folgt verschiedenen Traditionen.

Werk- und Quellenüberblick

Da A kein Autor, sondern ein musikalischer Fachbegriff ist, meint der Werküberblick hier die wichtigsten Traditions- und Quellenfelder, in denen der Begriff historisch und theoretisch greifbar wird. Dazu gehören Musiklexika, musiktheoretische Lehrwerke, Solmisationsgeschichte, Notationsgeschichte und moderne Katalogisierungsregeln.

Quellen- oder Werkbereich Bedeutung für das Lemma A
Grove’s Dictionary / RILM Music Encyclopedias Belegt die klassische lexikalische Definition von A als sechster Stufe der natürlichen C-Skala.
Artikel zur Alphabetnotation Erklärt, weshalb A historisch nicht die erste Stufe von C-Dur bezeichnet.
Guido von Arezzo Grundlegend für die Geschichte der Solmisationssilben einschließlich La.
Musiktheoretische Lehrbücher Vermitteln die Stellung von A in Skalen, Tonarten, Intervallen und Akkorden.
Notationsgeschichte Zeigt den Übergang von Klang zu Buchstaben-, Linien- und Vorzeichensystemen.
Internationale Musik-Katalogisierung Regelt die Übersetzung von Tonarten und Tonnamen zwischen Sprachen.
Stimmton- und Kammertonliteratur Behandelt A als praktische Referenztonhöhe in Aufführung und Instrumentenbau.

Sekundärliteratur

  • Apel, Willi: Die Notation der polyphonen Musik 900–1600. Leipzig: Breitkopf & Härtel, mehrere Auflagen.
  • Apel, Willi: Harvard Dictionary of Music. Cambridge, Mass.: Harvard University Press, mehrere Auflagen.
  • Bent, Margaret: Counterpoint, Composition, and Musica Ficta. New York/London: Routledge, 2002.
  • Christensen, Thomas (Hg.): The Cambridge History of Western Music Theory. Cambridge: Cambridge University Press, 2002.
  • Dahlhaus, Carl: Untersuchungen über die Entstehung der harmonischen Tonalität. Kassel: Bärenreiter, 1968.
  • Hiley, David: Western Plainchant. A Handbook. Oxford: Clarendon Press, 1993.
  • Hoppin, Richard H.: Medieval Music. New York: W. W. Norton, 1978.
  • Hughes, Andrew: Medieval Manuscripts for Mass and Office. A Guide to Their Organization and Terminology. Toronto: University of Toronto Press, 1982.
  • Judd, Cristle Collins (Hg.): Tonal Structures in Early Music. New York/London: Garland, 1998.
  • Palisca, Claude V.: Humanism in Italian Renaissance Musical Thought. New Haven/London: Yale University Press, 1985.
  • Riemann, Hugo: Musik-Lexikon. Verschiedene Auflagen. Leipzig: Max Hesse.
  • Sadie, Stanley / Tyrrell, John (Hg.): The New Grove Dictionary of Music and Musicians. London: Macmillan, 2001.
  • Seay, Albert: Music in the Medieval World. Englewood Cliffs: Prentice-Hall, 1965.
  • Wörner, Karl H.: Geschichte der Musik. Ein Studien- und Nachschlagebuch. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, mehrere Auflagen.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Alphabetnotation Tonbenennung durch Buchstaben und historischer Hintergrund der Reihe A bis G.
  • Akkord Zusammenklang mehrerer Töne, der in moderner Musikpraxis häufig mit Buchstaben wie A, Am oder A7 bezeichnet wird.
  • A-Dur Tonart auf dem Grundton A mit drei Kreuzvorzeichen und eigener affektiver sowie kompositorischer Tradition.
  • a-Moll Molltonart auf A und parallele Molltonart zu C-Dur.
  • C-Dur Vorzeichenfreie Durtonart, in der A die sechste Stufe bildet.
  • Diatonik Siebenstufige Tonordnung, in der Skalen wie C-Dur und ihre Stufenbeziehungen beschrieben werden.
  • Dur Tongeschlecht mit charakteristischer Intervallstruktur und grundlegender Bedeutung in der europäischen Tonalität.
  • Guido von Arezzo Mittelalterlicher Musiktheoretiker und zentrale Figur der Solmisationsgeschichte.
  • Hexachord Sechsstufiges Tonsystem der mittelalterlichen Musiklehre mit den Silben ut, re, mi, fa, sol, la.
  • Kammerton Referenztonhöhe, besonders das a′ als praktischer Stimmton in Ensemble- und Orchesterpraxis.
  • La Französisch-italienische Bezeichnung des Tons A und wichtige Solmisationssilbe.
  • Melodie Geordnete Folge von Tönen, in der einzelne Tonstufen wie A funktionale Bedeutung erhalten.
  • Moll Tongeschlecht, in dem A als Grundton von a-Moll eine zentrale elementare Rolle spielt.
  • Musiknotation Schriftliche Fixierung von Tonhöhe, Dauer, Rhythmus, Vorzeichen und musikalischer Struktur.
  • Musiktheorie Systematische Beschreibung musikalischer Ordnungen, Begriffe, Skalen, Intervalle und Formen.
  • Notenname Sprachliche Bezeichnung eines Tons durch Buchstaben oder Solmisationssilben.
  • Oktave Intervall gleicher Tonqualität in verschiedener Höhe, wodurch A in mehreren Lagen erscheinen kann.
  • Solmisation Benennung von Tonstufen durch Silben wie Do, Re, Mi, Fa, Sol, La und Si.
  • Stimmton Referenzton zur Abstimmung von Instrumenten und Stimmen, häufig das eingestrichene a.
  • Ton Grundbegriff musikalischer Klangordnung zwischen physikalischer Schwingung, Notation und ästhetischer Funktion.
  • Tonart Ordnung von Grundton, Skala, Vorzeichen und harmonischem Zentrum.
  • Tonleiter Stufenweise geordnete Tonfolge, in der A je nach Skala unterschiedliche Funktionen erhält.
  • Vorzeichen Zeichen zur Erhöhung oder Erniedrigung eines Tons, etwa Ais und As.