Samuel Gotthold Lange
Aufklärer, Anakreontiker und streitbarer Theologe (1711–1781)
Samuel Gotthold Lange (1711–1781) gehört zur Generation der aufklärerischen Dichter, die die deutsche Literatur im 18. Jahrhundert zwischen rationaler Nüchternheit, moralischem Anspruch und heiterer, anakreontischer Lebensfreude positionieren. Er war als Theologe, Prediger und Übersetzer tätig und zugleich publizistisch in die literarischen Debatten seiner Zeit verstrickt.
Lange ist vor allem bekannt durch seine Auseinandersetzungen mit Gotthold Ephraim Lessing. Diese literarischen Streitigkeiten werfen ein Schlaglicht darauf, wie stark Literatur und Theologie in der Aufklärung ineinandergriffen und wie eng Fragen von Stil, Wahrheit und Autorität miteinander verbunden waren.
- 1. Biographische und kulturelle Ausgangslage
- 2. Literarisch-historische Einordnung
- 3. Themen und Motive
- 4. Sprachliche und formale Eigenart
- 5. Bedeutung und Nachwirkung
- 6. Samuel Gotthold Lange im Lyrik Atlas
1. Biographische und kulturelle Ausgangslage
Lange studiert Theologie und ist anschließend als Prediger tätig. Er bewegt sich in aufklärerischen, theologisch-literarischen Netzwerken und beteiligt sich aktiv an öffentlichen Debatten. Seine publizistische und dichterische Arbeit ist eng mit seiner Rolle als Theologe verbunden.
2. Literarisch-historische Einordnung
Literarisch ist Lange im Umfeld der Anakreontik und Moraldichtung anzusiedeln. Seine Texte verbinden moralische Reflexion mit spielerischen, oft leichten Formen und einer Tendenz zu didaktischer Klarheit. Zugleich spiegelt er den Wandel der deutschen Literatur von barocker Gelehrsamkeit hin zu einer bürgerlich-aufklärerischen Öffentlichkeit.
3. Themen und Motive
- Moral, Tugend und Lebensführung
- religiöse Reflexion und Frömmigkeit
- Leidenschaft, Liebe und weltliche Lebensfreude
- öffentliche Debatte und literarische Kritik
4. Sprachliche und formale Eigenart
Lange bevorzugt schlichte, klare und nahe an der Alltagssprache gehaltene Ausdrucksformen. Die metrische Gestalt orientiert sich an modischen Gattungen der Zeit, insbesondere an anakreontischen und moralischen Gedichtformen. Auffällig ist der Versuch, eine lesbare, bürgerliche Dichtung zu etablieren.
5. Bedeutung und Nachwirkung
Lange ist heute weniger als eigenständiger Dichter denn als Teilnehmer an den großen Literaturdebatten der Aufklärung bekannt. Seine Auseinandersetzungen mit Lessing markieren wichtige Konfliktlinien der Zeit: Autorität, Stilnormen, Verhältnis von Theologie und Literatur. Gleichwohl dokumentiert sein Werk die breite literarische Kultur des 18. Jahrhunderts.
6. Samuel Gotthold Lange im Lyrik Atlas
Im Lyrik Atlas erscheint Lange als Vertreter einer aufklärerischen, moralisch geprägten Dichtung, die zugleich spielerische Formen aufnimmt. Sein Werk veranschaulicht die Übergangssituation zwischen Gelehrtenpoesie und bürgerlicher Publizistik.