Georg Herwegh – historisches Porträt
Georg Herwegh, eine markante Stimme der politischen Lyrik des Vormärz.

Georg Herwegh (1817–1875) zählt zu den bekanntesten politischen Lyrikern des Vormärz. Seine Gedichte verbinden Pathos, rhetorische Schärfe und kämpferische Gesinnung. Er wird zu einer Symbolfigur der demokratischen Opposition gegen die restaurative Ordnung der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und beteiligt sich aktiv an der Revolution von 1848.

Herweghs Lyrik ist von der Überzeugung getragen, dass Dichtung nicht nur ästhetische Formung, sondern auch politisches Instrument sein kann. Der Dichter wird bei ihm zur moralischen und politischen Stimme, die „das Volk“ aufrütteln und gegen Unterdrückung, Zensur und Willkür mobilisieren soll.

  1. 1. Biographische und kulturelle Ausgangslage
  2. 2. Literarisch-historische Einordnung
  3. 3. Themen und Motive
  4. 4. Sprachliche und formale Eigenart
  5. 5. Bedeutung und Nachwirkung
  6. 6. Herwegh im Lyrik Atlas

1. Biographische und kulturelle Ausgangslage

Herwegh wird 1817 in Stuttgart geboren, bricht ein Theologiestudium ab und gerät früh in Konflikt mit der Obrigkeit. Seine Gedichte eines Lebendigen (1841/43) werden zu einem literarisch-politischen Ereignis: gefeiert, verfolgt, verboten. Während der Revolution von 1848 beteiligt er sich an demokratischen Aktionen, lebt zeitweise im Exil und bleibt bis zu seinem Tod Teil des oppositionellen Milieus.

2. Literarisch-historische Einordnung

Herwegh gehört zum literarischen Umfeld des Vormärz. Seine Dichtung ist eng mit der politischen Bewegung für Freiheit, nationale Einheit und bürgerliche Rechte verbunden. Im Unterschied zu eher reflektierten Strömungen setzt Herwegh auf kraftvolle, appellative Lyrik – agitatorisch, kantig, bewusst parteilich.

3. Themen und Motive

  • Freiheit und politische Emanzipation
  • Volkssouveränität und Demokratie
  • Patriotismus als moralischer Auftrag
  • Antiklerikalismus und Staatskritik

4. Sprachliche und formale Eigenart

Herweghs Sprache ist prägnant, pathetisch und rhetorisch zugespitzt. Seine Gedichte arbeiten mit Anrufungen, Imperativen, Refrains und klaren Antithesen. Die Lyrik soll nicht kontemplativ gelesen, sondern als Aufruf gehört werden.

5. Bedeutung und Nachwirkung

Herwegh wird schon zu Lebzeiten zur Projektionsfigur: Für die einen ist er Held und Stimme der Freiheit, für andere ein agitatorischer Unruhestifter. Seine Gedichte gehören bis heute zum Kanon der politischen Lyrik des 19. Jahrhunderts und markieren jene Linie, in der Poesie selbst politischer Akteur wird.

6. Herwegh im Lyrik Atlas

Im Lyrik Atlas erscheint Herwegh als paradigmatischer Vertreter politischer Lyrik: als Dichter, der Sprache und Öffentlichkeit zusammendenkt und Poesie als moralische Intervention versteht.

Orientierende Werkfelder:

  • Gedichte eines Lebendigen
  • Revolutions- und Gelegenheitsgedichte
  • politische Publizistik