Johann Gottfried Herder – historisches Porträt
Johann Gottfried Herder, ein zentraler Denker der deutschen Aufklärung und Frühromantik.

Johann Gottfried Herder (1744–1803) gehört zu den großen geistigen Figuren der europäischen Aufklärung und Frühromantik. Als Dichter, Theologe, Kulturtheoretiker und Philosoph entwickelt er ein Denken, das Sprache, Dichtung, Religion, Geschichte und Anthropologie untrennbar miteinander verbindet. Für Herder ist Poesie eine ursprüngliche Ausdrucksform des Menschen; sie entsteht aus Empfindung, aus Gemeinschaftsleben, aus geschichtlichem und kulturellem Kontext.

Seine Idee der Volkspoesie – verstanden nicht als naive Naturgabe, sondern als historisch und kulturell gewachsene Ausdrucksform eines Kollektivs – wird wegweisend für Romantik, Nationalbewegung und spätere Kulturwissenschaft. Zugleich bleibt Herder ein Theologe, der Religion als innere, geschichtlich vermittelte Lebensform begreift und gegen dogmatische Verengungen verteidigt.

  1. 1. Biographische und kulturelle Ausgangslage
  2. 2. Literarisch-historische Einordnung
  3. 3. Themen und Motive
  4. 4. Sprachliche und formale Eigenart
  5. 5. Bedeutung und Nachwirkung
  6. 6. Herder im Lyrik Atlas

1. Biographische und kulturelle Ausgangslage

Herder wächst in Ostpreußen auf, studiert Theologie und wird früh durch Aufklärung, Empfindsamkeit und Moralphilosophie geprägt. Wichtige Impulse erhält er durch seine Begegnungen mit Kant, Hamann und später Goethe. Seit 1776 wirkt er als Generalsuperintendent in Weimar und gehört dort zum geistigen Zentrum des klassischen Zeitalters.

2. Literarisch-historische Einordnung

Herders Denken steht an der Schnittstelle von Aufklärung, Empfindsamkeit, Sturm und Drang und Frühromantik. Er verbindet rational-kritisches Bewusstsein mit einem starken Interesse an Gefühl, Organizität, Geschichte und kultureller Eigenart. Dichtung ist für ihn nicht bloß Kunst, sondern Ausdruck menschlicher Welterfahrung.

3. Themen und Motive

  • Sprache als Urgrund menschlicher Weltbildung
  • Geschichtlichkeit und kulturelle Vielfalt
  • Religion als Ausdruck der menschlichen Innerlichkeit
  • Poesie als kollektive Erfahrungsform

4. Sprachliche und formale Eigenart

Herder schreibt in einer reflektierten, zugleich oft gefühlsdurchpulsten Prosa. Seine Lyrik und seine poetologischen Texte sind weniger formal experimentell als programmatisch: Sie entfalten eine umfassende Theorie poetischer Sprache und menschlicher Bildung.

5. Bedeutung und Nachwirkung

Herder ist einer der zentralen Ideengeber der deutschen Klassik und Romantik. Seine Vorstellungen von Volk, Sprache, Religion und Poesie wirken bis in die moderne Kulturtheorie hinein. Zugleich ist sein Werk ambivalent rezipiert worden, da es sowohl universalistische als auch nationalromantische Deutungen ermöglicht.

6. Herder im Lyrik Atlas

Im Lyrik Atlas steht Herder vor allem als Theoretiker und Inspirator poetischer Weltdeutung im Mittelpunkt: als Denker, der Dichtung anthropologisch, geschichtlich und religiös verankert.

Orientierende Werkfelder:

  • Stimmen der Völker in Liedern
  • theologische und kulturphilosophische Schriften
  • ästhetische und poetologische Abhandlungen