Albrecht von Haller
Arzt, Naturforscher und Dichter der Aufklärung (1708–1777)
Albrecht von Haller (1708–1777) gehört zu den herausragenden Gelehrten der europäischen Aufklärung: Arzt, Naturforscher, Universalgelehrter – und zugleich Dichter. Die Verbindung von wissenschaftlicher Rationalität und religiös-moralischer Selbstprüfung prägt sowohl sein Denken als auch seine Lyrik, die zwischen nüchterner Weltbeobachtung und empfindsamer Innerlichkeit oszilliert.
Mit seinen „Die Alpen“ und weiteren Gedichten wird Haller zu einem Wegbereiter neuer Naturwahrnehmung: Natur erscheint nicht mehr nur als Allegorie, sondern als eigenständiger Erfahrungsraum, in dem Staunen, Ehrfurcht, Erkenntnisstreben und Gottesbewusstsein ineinandergreifen.
- 1. Biographische und kulturelle Ausgangslage
- 2. Literarisch-historische Einordnung
- 3. Themen und Motive
- 4. Sprachliche und formale Eigenart
- 5. Bedeutung und Nachwirkung
- 6. Haller im Lyrik Atlas
1. Biographische und kulturelle Ausgangslage
Haller wird 1708 in Bern geboren, studiert Medizin und entwickelt sich zu einem international wirkenden Naturforscher und Gelehrten. Lehrtätigkeit, medizinische Praxis, botanische Forschung und akademische Organisation bilden den Rahmen seines Lebens. Seine religiös-ethische Grundierung bleibt dabei beständig: Erkenntnis wird stets auf die Verantwortung des Menschen vor Gott und Gesellschaft hin befragt.
2. Literarisch-historische Einordnung
Haller steht im Spannungsfeld von Aufklärung und Empfindsamkeit. Als Dichter vertritt er eine aufgeklärte Moral, doch zugleich öffnet er die Lyrik für emotionale Tiefe, Naturstaunen und existentielle Reflexion. Damit bereitet er Entwicklungen vor, die später in Empfindsamkeit, Pietismusnähe und Frühromantik unterschiedlich weitergeführt werden.
3. Themen und Motive
- Religion, Ethik und Verantwortung als Leitachsen menschlicher Existenz
- Staunen vor der Natur – verbunden mit wissenschaftlicher Neugier
- Vergänglichkeit und Demut
- Selbstprüfung im Spannungsfeld von Tugend und Schwäche
4. Sprachliche und formale Eigenart
Hallers Sprache ist klar, reflektiert und von moralischer Ernsthaftigkeit getragen. Sie strebt weniger nach barocker Pracht als nach gedanklicher Präzision und zugleich nach erlebter Innerlichkeit. Seine Dichtung bindet philosophische und theologische Reflexion an anschauliche Bilder, besonders an Naturdarstellungen.
5. Bedeutung und Nachwirkung
Haller war eine Autorität seiner Zeit – als Gelehrter und als Dichter. Seine Verbindung von Naturbetrachtung, religiöser Selbstprüfung und aufklärerischem Denken wurde in ganz Europa rezipiert. In der Literaturgeschichte gilt er als eine Schlüsselfigur der aufklärerischen und empfindsamen Naturliteratur.
6. Haller im Lyrik Atlas
Im Lyrik Atlas erscheint Haller als Dichter, bei dem Wissenschaft, Glaube und Empfindung in einen produktiven Dialog treten. Seine Texte markieren einen entscheidenden Übergang: von der allegorischen Naturdarstellung hin zu einer erfahrungsbezogenen, zugleich religiös und moralisch sensibilisierten Naturwahrnehmung.
Orientierende Werkfelder:
- Natur- und Reflexionslyrik
- Moralisch-religiöse Dichtung
- Aufklärerische Gelehrtenkultur