Friedrich von Hagedorn – historisches Porträt
Friedrich von Hagedorn, bedeutender Lyriker des frühen 18. Jahrhunderts.

Friedrich von Hagedorn (1708–1754) gilt als einer der wichtigen Vorläufer der anakreontischen und aufklärerischen Lyrik im deutschsprachigen Raum. Seine Gedichte verbinden heitere Lebensnähe, gesellige Szenen und Liebesthemen mit moralischer Reflexion und einem ausgeprägten Sinn für Maß, Anstand und bürgerliche Tugend.

Hagedorn reagiert damit auf die strenge, bisweilen schwermütige barocke Tradition und bereitet ein neues Verständnis poetischer Lebenskunst vor: Dichtung soll erfreuen, bilden und im Idealfall eine gelassene, maßvolle Lebenshaltung einüben.

  1. 1. Biographische und kulturelle Ausgangslage
  2. 2. Literarisch-historische Einordnung
  3. 3. Themen und Motive
  4. 4. Sprachliche und formale Eigenart
  5. 5. Bedeutung und Nachwirkung
  6. 6. Hagedorn im Lyrik Atlas

1. Biographische und kulturelle Ausgangslage

Hagedorn wird 1708 in Hamburg geboren, studiert zeitweise Jura und bewegt sich in kaufmännisch-bürgerlichen und gelehrten Kreisen. Hamburg als Handels- und Kulturstadt bildet den Hintergrund einer Literatur, die Geselligkeit, Konversation und urbane Lebensformen positiv aufnimmt. Hagedorn arbeitet später unter anderem als Sekretär der englischen Handelsgesellschaft in Hamburg, was seine internationalen Bezüge verstärkt.

2. Literarisch-historische Einordnung

Literaturhistorisch steht Hagedorn zwischen Barocknachklang, Frühaufklärung und Rokoko. Er nimmt antike und französische Vorbilder auf, orientiert sich an Horaz und Anakreon und bereitet damit die deutsche Anakreontik und Rokokolyrik vor. Zugleich ist er Teil einer moralisch-didaktischen Aufklärungskultur, in der Poesie als Medium der Lebensklugheit fungiert.

3. Themen und Motive

  • Liebe, Freundschaft und Geselligkeit
  • Wein, Spiel und Maß als Motive einer kontrollierten Lebenslust
  • Moralische Reflexion über Tugend, Anstand und gesellschaftliches Verhalten
  • Idyllische Naturbilder im Zeichen eines gemäßigten Genusses

4. Sprachliche und formale Eigenart

Hagedorns Sprache strebt nach Klarheit, Leichtigkeit und musikalischer Beweglichkeit. Seine Gedichte sind häufig liedhaft oder fabelartig gebaut, mit deutlicher Pointe oder moralischem Akzent. Rhetorische Überladung wird zugunsten eines ansprechenden, oft spielerischen Tons zurückgenommen.

5. Bedeutung und Nachwirkung

Hagedorn hat die Entwicklung der deutschen Lyrik in Richtung Anakreontik und Rokoko maßgeblich beeinflusst. Seine Verbindung von heiterer Lebensnähe, moralischer Reflexion und literarischer Eleganz machte ihn zu einem wichtigen Bezugspunkt für spätere Autoren der Aufklärung und des bürgerlichen Rokoko. In der Forschung wird er als Schlüsselfigur auf dem Weg von barocker Schwere zu aufklärerischer Leichtigkeit wahrgenommen.

6. Hagedorn im Lyrik Atlas

Im Lyrik Atlas erscheint Hagedorn als Vertreter einer frühaufklärerischen Lebenskunst-Lyrik, in der Heiterkeit, gesellige Formen und moralische Didaktik miteinander verschränkt sind. Seine Gedichte erlauben einen Blick auf jenen Übergang, in dem Dichtung weniger als Bußrede denn als Schule des maßvollen Genießens verstanden wird.

Orientierende Werkfelder:

  • Anakreontisch geprägte Lyrik
  • Moralische und gesellige Gedichte
  • Liedhafte und fabelartige Formen