Heinrich Wilhelm von Gerstenberg
Empfindsamer Dichter · Kritiker · Wegbereiter des Sturm und Drang (1737–1823)
Heinrich Wilhelm von Gerstenberg (1737–1823) gehört zu den Schlüsselgestalten der Übergangszeit zwischen Aufklärung und Sturm und Drang. Als Dichter, Kritiker und Theoretiker trug er entscheidend zu einer Neubestimmung des Gefühls, der Einbildungskraft und der dichterischen Freiheit bei.
Seine frühen Werke stehen noch stark im Zeichen der Empfindsamkeit, während die späteren theoretischen Schriften und Rezensionen maßgebliche Impulse für eine emotional und individuell geprägte Dichtung geben, die sich vom strengen Regelpoetizismus der Aufklärung löst.
- 1. Biographische und kulturelle Ausgangslage
- 2. Literarisch-historische Einordnung
- 3. Themen und Motive
- 4. Sprachliche und formale Eigenart
- 5. Bedeutung und Nachwirkung
- 6. Gerstenberg im Lyrik Atlas
1. Biographische und kulturelle Ausgangslage
Gerstenberg wurde in Tondern geboren, wirkte zeitweise als Offizier und Beamter und bewegte sich zugleich intensiv im literarischen Diskursraum seiner Zeit. Kontakte zu bedeutenden Zeitgenossen sowie eine rege publizistische Tätigkeit machten ihn zu einer wichtigen Stimme der literarischen Öffentlichkeit.
2. Literarisch-historische Einordnung
Er steht an der Schnittstelle von Empfindsamkeit und Sturm und Drang. Während seine eigenen dichterischen Arbeiten die Sensibilität und Moralität der Empfindsamkeit reflektieren, zielen seine poetologischen Überlegungen zunehmend auf eine Befreiung der Dichtung aus starren Regelkorsetts.
3. Themen und Motive
- Gefühl, Empfindung und Subjektivität
- Innere Konflikte und Leidenschaften
- Kritik am Regelpoetizismus
- ästhetische Freiheit und Geniegedanke
4. Sprachliche und formale Eigenart
Gerstenbergs Sprache schwingt zwischen empfindsamer Innigkeit und leidenschaftlicher Steigerung. Seine theoretischen Texte sind zugleich analytisch präzise und programmatisch zugespitzt, was sie zu wichtigen Dokumenten des literarischen Umbruchs macht.
5. Bedeutung und Nachwirkung
Gerstenberg beeinflusste die jüngere Schriftstellergeneration maßgeblich und bereitete den Weg für die Ästhetik des Sturm und Drang. Auch in der Literaturkritik gilt er als eine der prägenden Stimmen der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
6. Gerstenberg im Lyrik Atlas
Im Lyrik Atlas steht Gerstenberg exemplarisch für die Auflösung klassizistischer Normen zugunsten eines stärker subjektorientierten, emotional aufgeladenen Literaturbegriffs. Analysen konzentrieren sich auf Texte, in denen Empfindsamkeit und ästhetische Programmatik eng ineinandergreifen.
Orientierende Werkfelder:
- Empfindsame Lyrik
- Kritiken und poetologische Schriften
- Frühe Beiträge zum Sturm und Drang