Ab
Lexikon
ab ist eine deutsche Präposition, die einen Ausgangspunkt bezeichnet, von dem aus eine räumliche Bewegung, ein zeitlicher Verlauf, eine Reihenfolge oder ein anderer abstufbarer Bereich gerechnet wird. Die verschiedenen Verwendungen lassen sich deshalb auf eine gemeinsame semantische Struktur zurückführen: ab markiert eine Grenze, an der etwas beginnt und von der aus es sich in einer bestimmten Richtung fortsetzt. In der räumlichen Verwendung bedeutet die Präposition ungefähr „von einem bestimmten Ort an“ oder „von einem Ort weg“, etwa in ab Bahnhof, ab Hamburg, ab Werk oder ab unserem Lager. Dieser Gebrauch ist besonders im Verkehrswesen, in Fahrplänen, Reiseangaben, Handel und Logistik verbreitet. Eine Angabe wie Fahrt ab Berlin bestimmt Berlin als Ausgangspunkt der Fahrt; Preis ab Werk kennzeichnet das Werk als Ort, von dem aus die weitere Beförderung oder Kostenberechnung betrachtet wird. Die Präposition bezeichnet dabei nicht den Zielpunkt, sondern gerade die Ausgangsgrenze eines räumlichen Verlaufs.
Besonders produktiv ist die zeitliche Bedeutung „von einem bestimmten Zeitpunkt an“. Beispiele sind ab morgen, ab Mai, ab 2027, ab dem ersten Januar, ab kommender Woche oder ab seinem achtzehnten Geburtstag. Der bezeichnete Zeitpunkt bildet dabei grundsätzlich die linke Grenze eines Zeitraums, der sich anschließend fortsetzt. Darin unterscheidet sich ab von einer bloßen Zeitangabe, die nur einen einzelnen Zeitpunkt nennt. Der Satz Ab Montag ist das Museum geschlossen besagt normalerweise, dass die Schließung am Montag beginnt und danach fortbesteht; Am Montag ist das Museum geschlossen beschränkt die Aussage dagegen zunächst auf diesen Tag. Deshalb ist ab besonders geeignet, den Beginn einer neuen Regelung, eines Zustands, einer Geltungsdauer oder eines länger anhaltenden Vorgangs zu markieren. Bedeutungsnah ist die Verbindung von … an: ab morgen entspricht weitgehend von morgen an.
Aus derselben Grundstruktur entwickelt sich der Gebrauch bei Reihenfolgen, Rangstufen, Altersgrenzen und anderen geordneten Bereichen. In die Jahrgänge ab 2010, die Dienstgrade ab Unteroffizier, geeignet ab zwölf Jahren oder ab der dritten Runde bezeichnet die Ergänzung den Punkt, von dem an alle folgenden beziehungsweise höheren Stufen einbezogen werden. Das Wort drückt hier keine Bewegung im eigentlichen Sinn mehr aus, behält aber die Vorstellung einer Ausgangsgrenze. Eine Altersangabe wie ab 18 Jahren schließt das achtzehnte Lebensjahr beziehungsweise das Erreichen der betreffenden Altersgrenze ein und umfasst den darüberliegenden Bereich. Entsprechendes gilt bei Mengen, Preisen, Temperaturen und anderen Skalen. Preise ab 20 Euro bedeutet, dass 20 Euro die untere Preisgrenze bilden; ab zehn Teilnehmern setzt zehn als Mindestzahl; ab 30 Grad bezeichnet 30 Grad als Schwellenwert, oberhalb dessen die betreffende Aussage ebenfalls gilt. Das Grammatische Informationssystem des Instituts für Deutsche Sprache fasst diese Verwendungen treffend als Kennzeichnung des Ausgangspunkts eines skalierbaren Bereichs zusammen.
Grammatisch steht ab als Präposition vor seiner Ergänzung und regiert im Normalfall den Dativ. In der räumlichen Bedeutung ist der Dativ verbindlich: ab unserem Werk, ab welcher Station, ab allen deutschen Flughäfen. Bei zeitlichen Angaben und Reihenfolgen sind daneben unter bestimmten Bedingungen auch Formen möglich, die morphologisch als Akkusativ erscheinen. Das betrifft vor allem artikellose Substantivgruppen mit adjektivischem Attribut: Neben ab kommendem Montag ist auch ab kommenden Montag, neben ab nächster Ausgabe auch ab nächste Ausgabe belegt und standardsprachlich anerkannt. Sobald jedoch ein Artikelwort oder Pronomen vorhanden ist, steht der Dativ: ab dem kommenden Montag, ab der nächsten Ausgabe, ab meinem achtzehnten Lebensjahr. Bei Formen wie ab Montag, ab Mai, ab Berlin, ab zehn oder ab morgen ist ein Kasus häufig überhaupt nicht sichtbar, weil die Ergänzung keine entsprechende Flexionsendung trägt oder weil ein Adverb beziehungsweise eine Numerale folgt.
Die Ergänzung von ab muss daher nicht immer eine gewöhnliche Nominalgruppe sein. Möglich sind auch Adverbgruppen wie ab morgen früh, Numeralien wie ab zehn oder artikellose Eigennamen wie ab München. Präpositionalgruppen mit ab können im Satz adverbial verwendet werden, etwa in Ab nächster Woche gelten neue Öffnungszeiten, oder ein Substantiv attributiv näher bestimmen, etwa in die Bahnverbindung ab Kiel oder Flüge ab Hamburg. Eine feste Verschmelzung von ab mit einem bestimmten Artikel, wie sie bei von dem → vom, zu dem → zum oder in dem → im besteht, gibt es nicht.
Semantisch besonders wichtig ist die inklusive Grenzfunktion. Der durch ab bezeichnete Punkt gehört im Normalfall bereits zu dem Bereich, für den die Aussage gilt. Eintritt ab 18 Jahren schließt Personen ein, die gerade 18 Jahre alt geworden sind; Rabatt ab zehn Stück schließt eine Bestellung von genau zehn Stück ein; gültig ab 1. Oktober bedeutet, dass die Geltung bereits am 1. Oktober beginnt. In dieser Funktion steht ab im Gegensatz zu Ausdrücken wie über, nach oder mehr als, wenn diese eine Grenze ausdrücklich ausschließen. Eine Preisangabe ab 50 Euro ist deshalb präziser als „mehr als 50 Euro“ als „50 Euro und höhere Beträge“ beziehungsweise „mindestens 50 Euro“ zu verstehen.
Von der Präposition ist das gleichlautende Adverb ab zu unterscheiden. In Äußerungen wie der Knopf ist ab, links ab, weit ab vom Weg, ab ins Bett! oder Hut ab! liegt keine Präposition mit einer von ihr regierten Ergänzung vor. Ebenfalls davon zu unterscheiden ist ab- als Bestandteil trennbarer Verben und anderer Wortbildungen, etwa in abfahren, abnehmen, abschneiden oder abtransportieren. Präposition, Adverb und Verbpartikel sind historisch eng miteinander verwandt und teilen die elementare Vorstellung des Sichentfernens beziehungsweise des Ausgangs von einem Punkt, erfüllen im heutigen Deutschen aber unterschiedliche grammatische Funktionen.
Etymologie
ab geht auf mittelhochdeutsch abe, ab und althochdeutsch aba, ab zurück. Das Etymologische Wörterbuch des Althochdeutschen belegt aba, ab bereits als Präposition, Adverb und präverbales Element mit der Grundbedeutung „von, von … weg“. Entsprechende Formen finden sich in praktisch allen älteren germanischen Sprachen: altsächsisch af, mittelniederländisch af, ave, altfriesisch of, af, altenglisch of, æf, altnordisch af und gotisch af. Im heutigen Niederländischen lebt die Form als af, in den nordgermanischen Sprachen beispielsweise schwedisch av fort; auch englisch of und off gehören historisch in denselben Zusammenhang.
Die germanische Wortfamilie ist noch älter und besitzt klare Entsprechungen außerhalb des Germanischen. Besonders deutlich sind altgriechisch apó „von, weg von“ und lateinisch ab „von, weg von“; hinzu kommen verwandte Formen in weiteren indogermanischen Sprachen. Die Formen werden auf eine indogermanische Partikel beziehungsweise Präposition *apo zurückgeführt, deren semantischer Kern bereits die Entfernung, Trennung oder Bewegung von einem Ausgangspunkt bezeichnete. Die heutige deutsche Präposition gehört damit zu den ältesten Elementen des deutschen Funktionswortschatzes. Ihre gegenwärtige räumliche Bedeutung bewahrt den ursprünglichen semantischen Kern besonders deutlich.
Die zeitlichen und skalaren Bedeutungen lassen sich als Abstraktion dieser alten Raumrelation verstehen. Aus „von einem Ort weg“ beziehungsweise „von einem Punkt an“ entwickelte sich „von einem Zeitpunkt an“ und weiter die allgemeine Markierung eines Anfangspunkts auf einer geordneten Skala. Zwischen ab Bahnhof, ab Montag, ab 18 Jahren und ab 50 Euro besteht deshalb trotz unterschiedlicher Sachbereiche eine einheitliche semantische Struktur: Ein bestimmter Punkt wird gesetzt, und der relevante Bereich erstreckt sich von diesem Punkt aus in eine gedachte Richtung weiter. Dieser Prozess der Übertragung von räumlichen Beziehungen auf Zeit, Menge und abstrakte Ordnung ist bei Präpositionen sprachgeschichtlich häufig.
Die enge Verbindung zwischen Präposition, Adverb und Verbpartikel ist ebenfalls alt. Bereits althochdeutsch aba, ab konnte nicht nur eine Beziehung zwischen zwei Satzgliedern ausdrücken, sondern selbständig „weg, fort“ bedeuten oder als erstes Element eines Verbs auftreten. In Wörtern wie Abgang, Abfahrt, Abfall oder Abreise ist die alte Vorstellung einer Bewegung, Trennung oder Entfernung vom Ausgangspunkt noch unmittelbar erkennbar. Die Präposition ab ist daher kein sekundär aus einem neueren Substantiv oder Verb entstandenes Verhältniswort, sondern ein sehr altes ererbtes Funktionswort.
Synonyme
von … an ist in zeitlichen und vielen abstrakten Verwendungen die engste bedeutungsgleiche Umschreibung: ab Montag entspricht von Montag an, ab der dritten Runde entspricht von der dritten Runde an. Die Konstruktionen unterscheiden sich syntaktisch, drücken aber denselben Beginn eines anschließend fortgesetzten Bereichs aus.
von beziehungsweise von … weg ist bei räumlichen Ausgangspunkten bedeutungsnah. Ab Werk, ab Bahnhof oder ab Hamburg kann je nach Zusammenhang durch eine Konstruktion mit von umschrieben werden. Von besitzt jedoch ein wesentlich breiteres Bedeutungsspektrum und ist daher kein uneingeschränktes Synonym.
ausgehend von kann ab erklären, wenn ein Ausgangspunkt ausdrücklich hervorgehoben werden soll. Die Umschreibung eignet sich besonders für abstrakte Reihen, Berechnungen und räumliche Verläufe, ist aber stilistisch schwerer und syntaktisch anders gebaut.
mindestens ist bei unteren Mengen-, Alters- und Preisgrenzen eine mögliche Bedeutungsparaphrase: ab zehn Personen entspricht in vielen Zusammenhängen mindestens zehn Personen, Preise ab 20 Euro ungefähr Preise von mindestens 20 Euro. Mindestens bezeichnet jedoch unmittelbar die untere quantitative Grenze und kann die räumlichen oder zeitlichen Verwendungen von ab nicht ersetzen.
seit überschneidet sich nur teilweise mit ab. Beide können einen zeitlichen Anfangspunkt bezeichnen, doch seit stellt gewöhnlich eine Verbindung von einem vergangenen Zeitpunkt bis zum Sprech- oder Bezugszeitpunkt her, während ab neutral einen Beginn und die anschließende Fortsetzung markiert und problemlos in die Zukunft weist: ab morgen, aber normalerweise nicht seit morgen. Seit ist deshalb kein allgemeines Synonym für ab.
externe links
Duden – ab, Präposition – Wörterbuchartikel zu den räumlichen, zeitlichen und rangbezogenen Bedeutungen sowie zur Rektion mit dem Dativ und zu möglichen Akkusativformen.
Leibniz-Institut für Deutsche Sprache – grammis: ab – grammatische Analyse der Präposition mit Angaben zu Phrasenbildung, Stellung, Rektion und der Bedeutung als Ausgangspunkt eines skalierbaren Bereichs.
Leibniz-Institut für Deutsche Sprache – Präposition – sprachwissenschaftliche Definition der Wortart und Erläuterung von Kasusrektion und Präpositionalphrasen.
Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen – aba, ab – wissenschaftliche Darstellung der althochdeutschen Präposition, des Adverbs und des Präverbs sowie der germanischen Vergleichsformen.
Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen – aba- – ergänzender Artikel zum präverbalen beziehungsweise wortbildenden Gebrauch von althochdeutsch aba-.
Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache – ab – lexikographischer Zugang zu Bedeutungen, Gebrauch, Wortgeschichte und Korpusbelegen von ab.
Wiktionary – ab – Überblick über die Präposition, ihre Kasusrektion, Bedeutungen, historischen Formen und germanischen Verwandten.
Wiktionary – althochdeutsch aba – Darstellung der althochdeutschen Ausgangsform mit den Bedeutungen „von … her“, „von … weg“ und „aus“ sowie Angaben zur historischen Rektion.
wissen.de – ab – Wörterbuchartikel zu räumlichem Ausgangspunkt, zeitlichem Beginn und unteren Preis- beziehungsweise Mengengrenzen.
Duden – ab, Adverb – separater Wörterbuchartikel zum gleichlautenden Adverb und damit zur Abgrenzung von der Präposition.
Leibniz-Institut für Deutsche Sprache – Struktur von Präpositionalphrasen – grammatische Erläuterungen zur Kasusrektion, Stellung und syntaktischen Struktur deutscher Präpositionen.