Aalwehre

Grundbedeutung

Aalwehre ist der Plural von Aalwehr und bezeichnet historische beziehungsweise traditionelle stationäre Fangvorrichtungen für Aale, bei denen ein Gewässer durch Zäune, Pfähle, Flechtwerk, Horden oder vergleichbare Leiteinrichtungen ganz oder teilweise abgesperrt beziehungsweise verengt wurde. Die Konstruktion sollte wandernde Aale daran hindern, den natürlichen Weg ungehindert fortzusetzen, und sie stattdessen zu einer bestimmten Fangstelle führen.

An dieser Fangstelle konnten Aalreusen, Aalkörbe, Hamen oder andere Fangvorrichtungen stehen. Besonders wirkungsvoll waren Aalwehre beim Fang stromabwärts wandernder Blankaale beziehungsweise Silberaale, die ihre Binnengewässer verlassen und in Richtung Meer ziehen.

Ein Aalwehr ist deshalb nicht einfach ein gewöhnliches Stauwehr. Historisch bezeichnet das Wort primär eine fischereiliche Leit- und Sperranlage. Zwar konnten Aalwehre an bestehenden Flusswehren, Mühlenanlagen oder anderen wasserbaulichen Engstellen eingerichtet werden, doch besteht ihre definierende Funktion im Aalfang.

Wortart

Aalwehre ist eine Pluralform eines Substantivs. Die zugehörige Singularform lautet das Aalwehr. Das Wort gehört zum Neutrum.

Semantisch handelt es sich um eine historische beziehungsweise fischereifachliche Bezeichnung für ein Fischfanggerät oder genauer eine aus mehreren baulichen Bestandteilen bestehende Fanganlage. Im Unterschied zu einer beweglichen Reuse ist ein Aalwehr gewöhnlich stationär und räumlich mit einem bestimmten Gewässerabschnitt verbunden.

Aussprache

Die standarddeutsche Aussprache des Plurals Aalwehre lautet ungefähr [ˈaːlˌveːʁə]. Die Hauptbetonung liegt auf dem ersten Bestandteil Aal-; -wehre trägt eine Nebenbetonung.

Der Singular Aalwehr wird ungefähr [ˈaːlˌveːɐ̯] ausgesprochen. Die Aussprache entspricht der regulären Zusammensetzung der beiden selbständigen Wörter Aal und Wehr.

Grammatik

Lemma Aalwehre
Grundform Aalwehr
Wortart Substantiv
Genus Neutrum
Artikel Singular das Aalwehr
Nominativ Singular das Aalwehr
Genitiv Singular des Aalwehrs / des Aalwehres
Dativ Singular dem Aalwehr / dem Aalwehre
Akkusativ Singular das Aalwehr
Nominativ Plural die Aalwehre
Genitiv Plural der Aalwehre
Dativ Plural den Aalwehren
Akkusativ Plural die Aalwehre
Pluralbildung -e: Aalwehr → Aalwehre
Wortbildungsstruktur Aal + Wehr

Die Form Aalwehre ist damit kein eigenständiges grammatisches Femininum, sondern der Plural des neutralen Aalwehr. Im Dativ Plural wird zusätzlich -n angefügt: mit den Aalwehren.

Orthographie

Die standardsprachliche Schreibung lautet Aalwehre. Das Substantiv wird zusammengeschrieben und großgeschrieben. Die Worttrennung lautet Aal|weh|re.

Die Singularform ist Aalwehr. Historische Quellen können Schreibungen wie Alwehr, Alwehre oder andere ältere Varianten verwenden. Auf Karten der Schlei aus dem 17. Jahrhundert begegnet beispielsweise die Form Alwehre. Solche Schreibungen entsprechen dem historischen Orthographiestand und sind keine heutigen standardsprachlichen Varianten.

Das Wort ist außerdem von Aalwehren zu unterscheiden. Aalwehren ist die Dativ-Pluralform, beispielsweise in bei den Aalwehren, kann aber außerhalb eindeutigen syntaktischen Kontextes leicht mit einer theoretischen Verbform verwechselt werden. Ein Verb aalwehren ist jedoch nicht etabliert.

Gebrauch

Aalwehre gehört heute überwiegend zum historischen, fischereikundlichen und regionalgeschichtlichen Wortschatz. Die Bezeichnung erscheint in historischen Fischereibüchern, Archivmaterialien, Gewässer- und Ortsgeschichten sowie Darstellungen traditioneller Binnenfischerei.

In der modernen Fischereisprache sind Ausdrücke wie Aalreuse, Flügelreuse, Fischwehr oder technisch genauere Beschreibungen gewöhnlicher. Die klassische Form des Aalwehrs als über einen beträchtlichen Teil eines Flusses oder flachen Küstengewässers reichende Pfahl- und Flechtwerksanlage besitzt heute vor allem historische Bedeutung.

Das Wort kann allerdings auch in moderner wissenschaftlicher Literatur vorkommen, wenn traditionelle Fangtechniken beschrieben oder internationale eel weirs miteinander verglichen werden.

Bedeutungsbereich

Der Bedeutungsbereich umfasst Aalfischerei, historische Fischerei, Gewässerbau, Fischfangtechnik, Fischereirecht, Regionalgeschichte, Archäologie und Gewässerökologie.

Technisch gehört das Aalwehr zu den stationären Selbstfängen beziehungsweise Leitanlagen. Ökologisch berührt es insbesondere die Wanderung von Silberaalen. Sprachgeschichtlich gehört das Wort zu den zahlreichen deutschen Zusammensetzungen aus Aal- und einer Geräte- oder Anlagenbezeichnung.

Lexikon

Aalwehre sind traditionelle Fangbauwerke, deren Funktionsprinzip auf der räumlichen Führung wandernder Fische beruht. Ein Teil des Gewässers oder nahezu seine gesamte Breite wird durch Pfähle, Flechtwerk, Horden, Reisigbündel, Zäune oder andere wasserdurchlässige Barrieren versperrt. Das Wasser kann weiterfließen, während größere Fische nicht unmittelbar durch die Sperre gelangen können.

Die Sperre wird so angeordnet, dass die Tiere beim Versuch, ihren Weg fortzusetzen, entlang der Barriere zu einer Öffnung beziehungsweise Fangstelle geführt werden. Dort stehen Reusen, Hamen, Fischkörbe oder vergleichbare Geräte. Die Fanganlage kombiniert damit zwei unterschiedliche technische Prinzipien: Leiten und Festhalten.

Das eigentliche Aalwehr fängt den Fisch nicht immer unmittelbar. Vielmehr zwingt beziehungsweise leitet es ihn zu einem nachgeschalteten Fanggerät. Aus diesem Grund bezeichnet das Wort häufig die gesamte Anlage aus Sperrwerk, Leitarmen und Fangvorrichtung, kann in anderen Quellen aber enger nur auf die pfahl- oder zaunartige Sperre bezogen sein.

Johann Christoph Adelung definierte das Aalwehr 1793 als einen durch Zäune oder Pfähle verengten Ort in einem Fluss, vor den Hamen oder Fischkörbe gestellt werden, um Fische und insbesondere Aale zu fangen. Diese historische Definition macht deutlich, dass Wehr hier nicht notwendig eine massive Stauanlage bezeichnet.

Der entscheidende Bestandteil ist vielmehr die Verengung des Fischweges. Der natürliche Bewegungsraum wird künstlich verkleinert, bis die Tiere an wenigen kontrollierbaren Stellen vorbeikommen müssen. Dort kann der eigentliche Fang stattfinden.

Im Handbuch der Binnenfischerei Mitteleuropas von 1924 werden Aalwehre beziehungsweise Aalzäune als eine Art Selbstfang beschrieben, die einen Teil oder die gesamte Breite eines Flusses absperrt, um abwandernde Aale in große dauerhaft stehende Flügelreusen zu leiten.

Damit war das Aalwehr besonders auf ein bestimmtes Verhalten des Europäischen Aals Anguilla anguilla ausgerichtet. Während der Wachstumsphase leben sogenannte Gelbaale teilweise viele Jahre in Binnen- und Küstengewässern. Vor der Fortpflanzungswanderung verändern sie sich physiologisch und morphologisch zu Blankaalen beziehungsweise Silberaalen.

Diese geschlechtsreif werdenden Tiere wandern anschließend flussabwärts in Richtung Meer. Gerade eine solche gerichtete Massenbewegung lässt sich mit einem Aalwehr besonders wirkungsvoll nutzen. Der Fisch muss sich nicht durch einen Köder anlocken lassen; seine natürliche Wanderungsrichtung bringt ihn an die Sperre.

Die Anlage eines Aalwehrs erforderte deshalb genaue Kenntnisse über Strömung, Gewässertiefe, Wanderkorridore und Uferstruktur. Eine falsch ausgerichtete Sperre konnte von Aalen umschwommen werden oder den Fang nur unzureichend bündeln. Eine gut positionierte Anlage konnte dagegen einen erheblichen Teil der wandernden Tiere erfassen.

Historische Beschreibungen nennen häufig gebrochene Winkel. Die Sperrarme wurden also nicht einfach gerade quer durch den Fluss gebaut, sondern in einer winkligen oder trichterähnlichen Form angeordnet. Dadurch gelangten Fische, die an der Barriere entlangschwammen, zunehmend näher an die Fangöffnung.

Das Prinzip entspricht funktionell einem sehr großen Leitnetz. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass historische Aalwehre oft aus festen Pfählen, Holz, Flechtwerk oder Reisig bestanden und damit eine wesentlich dauerhaftere Struktur bildeten als ein gewöhnliches Netz.

Das Wort Aalzaun bezeichnet entsprechend eine besonders transparente Bauform beziehungsweise weitgehend synonyme historische Bezeichnung. Der Bestandteil Zaun hebt hervor, dass die Sperre aus dicht stehenden Pfählen, Horden oder Flechtwerk bestehen konnte.

Eine Enzyklopädie von 1818 beschreibt das Prinzip der Aalzäune so, dass ein Gewässer an einer stark abfließenden Stelle durch eingeschlagene Pfähle und dazwischen angebrachte Verzäunungen, Horden und andere Materialien versperrt wird. Auch hier wird somit keine massive gemauerte Stauanlage vorausgesetzt.

Der Ausdruck Aalwehr ist daher historisch eng mit dem allgemeinen Fischwehr verwandt. Fischwehre gehören zu den ältesten bekannten stationären Fischfangsystemen überhaupt. Archäologisch sind Anlagen aus Holzpfählen, Flechtwerk und Stein bereits aus vorgeschichtlicher Zeit bekannt.

Solche vorgeschichtlichen Fischwehre waren nicht notwendigerweise speziell für Aale bestimmt. Je nach Gewässer, Jahreszeit und Konstruktion konnten verschiedene wandernde Fischarten gefangen werden. Erst wenn eine Anlage aufgrund ihrer Konstruktion, Nutzung oder Überlieferung speziell auf Aal ausgerichtet ist, ist die Bezeichnung Aalwehr sachlich gerechtfertigt.

Ein gut dokumentiertes nordeuropäisches Beispiel für vorgeschichtliche stationäre Holzfischerei stammt aus Dänemark. Untersuchungen am Syltholm Fjord zeigen, dass bereits in der Steinzeit hölzerne Fischwehre und Leitstrukturen so im flachen Küstenraum platziert wurden, dass natürliche Strömungswege zwischen Sandbänken beziehungsweise Inseln ausgenutzt wurden.

Historische dänische Aalwehre wurden ähnlich in flachen Küstengewässern, Fjorden und Mündungsbereichen angelegt. Die Barrieren standen so, dass Strömung und Küstenmorphologie wandernde Aale entlang der Sperre in Richtung Fangreuse führten.

Im Dänischen entwickelte sich hierfür der charakteristische Ausdruck ålegård. Das moderne Dänische Wörterbuch definiert ålegård als ein System von Zäunen, beispielsweise aus Weidenzweigen, die auf dem Meeresboden errichtet werden und Aale zu einer Reuse am Ende des Zaunes leiten. Sachlich entspricht dies dem historischen deutschen Aalwehr beziehungsweise Aalzaun außerordentlich genau.

Auch an der Schlei ist die Geschichte solcher Anlagen gut dokumentiert. Der Husumer Kartograph Johannes Mejer erfasste 1641 im Rahmen seiner Vermessung der Schlei zahlreiche Fischereianlagen. Neben großen Heringszäunen erscheinen auf seinen Karten mehrere kleinere „Alwehre“.

Diese frühen kartographischen Darstellungen sind besonders wertvoll, weil sie zeigen, dass Aalwehre nicht bloß abstrakte Wörterbuchgeräte waren, sondern ein prägender Bestandteil der realen Fischereilandschaft. Sie konnten in größerer Zahl entlang geeigneter Küsten- und Fördenabschnitte vorhanden sein.

Das Grödersbyer Noor an der Schlei ist ebenfalls mit traditioneller Fischerei verbunden. Historische Darstellungen verweisen dort auf eine größere Zahl von Heringszäunen und Aalwehren. Solche Einrichtungen gehörten zu einer intensiven Nutzung flacher Ufer- und Noorbereiche.

Die wirtschaftliche Bedeutung lässt sich nicht für jede einzelne Anlage quantifizieren. Schriftliche Quellen verzeichnen häufig Eigentum, Rechte und Streitigkeiten wesentlich besser als tatsächliche Fangmengen. Dennoch zeigt die Zahl der kartierten beziehungsweise urkundlich erwähnten Anlagen, dass Aalwehre lokal wirtschaftlich relevant waren.

Ein Aalwehr war nämlich nicht nur ein Fanggerät, sondern häufig auch Gegenstand eines Fischereirechts. Wer ein solches Wehr errichten und betreiben durfte, kontrollierte einen besonders wirksamen Fangplatz. Entsprechend konnten Rechte an Aalwehren verpachtet, vererbt, verkauft oder zum Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen werden.

Das Landesarchiv Schleswig-Holstein verwahrt beispielsweise Material über ein Aalwehr in Översee und das damit verbundene Fischereirecht eines Pastors. Solche Archivhinweise dokumentieren, dass die Nutzung bestimmter Aalwehre unmittelbar mit lokalen Besitz- und Nutzungsrechten verbunden war.

Ein weiteres rechtshistorisches Problem betraf die räumliche Ausdehnung solcher Anlagen. Eine große Fangbarriere konnte nicht nur Fische leiten, sondern auch Schifffahrt, Wasserabfluss und die Fischerei anderer Berechtigter beeinträchtigen. Deshalb musste geregelt werden, wie weit Aalwehre in Gewässer hineinreichen durften und welche Durchfahrten freizuhalten waren.

Eine Quelle von 1931 kritisiert beispielsweise, dass ein Gesetz den Begriff Aalwehr nicht hinreichend definiert habe und nicht eindeutig festlegte, wie weit Grundeigentümer ihre Aalwehre in die See hinausführen beziehungsweise wie lange sie jährlich genutzt werden durften. Das Beispiel zeigt, dass das Wort auch juristisch präzisiert werden musste.

Gerade an breiten Fluss- und Küstenabschnitten konnten Aalwehre erhebliche Dimensionen erreichen. Die Barriere musste nicht notwendig die gesamte Gewässerbreite schließen; auch eine teilweise Sperrung konnte wirkungsvoll sein, wenn Strömung und Topographie die Tiere gegen die Leitwand führten.

Bei vollständiger oder nahezu vollständiger Sperrung entstand dagegen eine sehr effektive Fanglage. Das Blankaal-Aufkommen eines ganzen Gewässerabschnitts konnte dadurch an wenigen Stellen konzentriert werden. Dieses Prinzip erklärt zugleich, weshalb Aalwehre historisch produktiv, aus moderner Bestands- und Gewässerschutzperspektive aber problematisch sein können.

International sind vergleichbare eel weirs vielfach dokumentiert. In Irland wurden und werden abwandernde Silberaale beispielsweise an festen Wehranlagen großer Flüsse mit stationären Netzen gefangen. Am River Bann bestand eine besonders bedeutende Aalwehrfischerei, bei der die abwandernden Tiere an festen Wehranlagen konzentriert wurden.

Die FAO beschreibt eel weirs als Anlagen, die darauf ausgelegt sind, möglichst viele stromabwärts wandernde Silberaale aus dem gesamten Wasserstrom auszufiltern. Verwendet werden Netze, Gitter, Drahtkörbe, Stein- oder Holzbarrieren und von den Ufern ausgehende Leiteinrichtungen.

Damit bestätigt die internationale Fischereitechnik dieselbe Grundfunktion wie die historische deutsche Definition: Ein Aalwehr ist kein einzelner kleiner Fangkorb, sondern eine räumlich umfassende Leit- und Fanginstallation.

Historische Aalwehre sind auch außerhalb Europas bekannt. Māori in Neuseeland errichteten sogenannte pā tuna, bei denen Zäune in Flüssen und Bächen wandernde Aale zu Netzen und geflochtenen Fangkörben leiteten. Solche Anlagen waren teilweise bedeutende Eigentums- und Nutzungsobjekte.

Diese außereuropäischen Parallelen sind sprachgeschichtlich selbstverständlich nicht mit dem deutschen Wort verwandt, zeigen aber, dass ähnliche ökologische Bedingungen unabhängig voneinander zu vergleichbaren Fangtechniken führten. Wo Aale saisonal in großer Zahl gerichtete Wanderungen vollziehen, ist ein Leitwehr eine naheliegende Fangstrategie.

Die Fangtechnik steht damit in engem Zusammenhang mit der Katadromie des Europäischen Aals. Katadrome Fische wachsen überwiegend in Binnen- oder Küstengewässern auf, wandern zur Fortpflanzung jedoch ins Meer. Für Anguilla anguilla bedeutet dies, dass geschlechtsreif werdende Silber- beziehungsweise Blankaale aus Flüssen und Seen stromabwärts ziehen.

Historische Aalwehre waren häufig gezielt auf genau diese Wanderung ausgerichtet. Die Tiere bewegen sich mit beziehungsweise in Richtung der Strömung und können an einer quer oder schräg stehenden Barriere kaum ungehindert vorbeikommen. Sie folgen dem Hindernis und gelangen in eine Reuse oder einen Fangkanal.

Die technische Effizienz kann durch natürliche Faktoren erheblich beeinflusst werden. Wasserstand, Abfluss, Regen, Dunkelheit, Mondphase, Temperatur und Wind verändern die Intensität der Aalwanderung. Historische Fischer mussten deshalb nicht nur die Anlage bauen, sondern auch den günstigsten Betriebszeitraum kennen.

Das Aalwehr ist vom Aalkasten zu unterscheiden. Ein Aalkasten arbeitet gewöhnlich an einer Gefällestelle, einem Mühlenwehr oder einem künstlich geführten Wasserstrom mit Lattenrosten beziehungsweise einem Fangkasten. Das Aalwehr wirkt primär als Leit- und Sperrsystem über einen größeren Gewässerquerschnitt.

Beide Systeme können allerdings miteinander verbunden sein. Ein Wehr oder eine Mühlenanlage kann Fische in einen bestimmten Wasserweg zwingen, an dessen Ende ein Aalkasten, eine Reuse oder ein anderes Fanggerät steht. Historische Terminologie unterscheidet technische Einzelelemente deshalb nicht immer konsequent.

Vom Aalzaun ist das Aalwehr kaum scharf abzugrenzen. Historische Fachliteratur behandelt Aalwehr und Aalzaun ausdrücklich als Synonyme beziehungsweise sehr nahe Varianten. Der Ausdruck Aalzaun betont stärker die materielle Barriere; Aalwehr kann die gesamte Fangstelle beziehungsweise Anlage einschließen.

Von der Aalreuse unterscheidet sich das Aalwehr dagegen funktionell deutlicher. Eine Reuse enthält den eigentlichen Fangraum; das Aalwehr leitet die Tiere zu diesem Fangraum. Ein Aalwehr kann deshalb mehrere Reusen als Teil seiner Gesamtanlage besitzen.

Auch vom Hamen ist es zu unterscheiden. Der Hamen ist ein sackförmiges Netz, das in der Strömung steht. Ein Aalwehr kann einen Hamen an seiner Fangöffnung aufnehmen beziehungsweise zu ihm hinleiten, ist aber nicht selbst mit ihm identisch.

Das Fischwehr ist der weitere Oberbegriff. Fischwehre können auf unterschiedliche Arten und Fischgemeinschaften ausgerichtet sein. Aalwehre sind jene Anlagen, bei denen der Aal als hauptsächlicher Zielfisch beziehungsweise Namensgeber hervortritt.

Das Grundwort Wehr besitzt dabei eine bemerkenswert passende Wortgeschichte. Die heutige Standardsprache versteht darunter meist eine Stauanlage zur Regelung von Wasserstand und Abfluss. Duden führt die Gewässerbedeutung auf mittelhochdeutsch wer zurück und erwägt ausdrücklich, dass die ursprüngliche Bedeutung ein Fischwehr gewesen sein könnte beziehungsweise mit Flechtwerk und dem Verb wehren zusammenhängt.

Damit könnte gerade die heute historisch wirkende Fischereibedeutung einen sehr alten semantischen Kern des Wortes bewahren. Ein Wehr „wehrt“ dem Wasser oder den Fischen den unmittelbaren Durchgang beziehungsweise bildet ein schützendes oder sperrendes Flechtwerk.

Das Verb wehren selbst geht auf mittelhochdeutsch wern und althochdeutsch werian zurück. Duden erklärt die ursprüngliche Vorstellung mit dem Umgeben, Verschließen oder Schützen durch Flechtwerk. Auch dies passt auffällig gut zur historischen Konstruktion eines Fischwehrs aus Pfählen und Flechtwerk.

Die andere deutsche Bedeutung die Wehr im Sinn von Verteidigung, Abwehr oder Streitmacht ist grammatisch feminin und bildet den Plural Wehren. Das wasserbauliche das Wehr dagegen ist Neutrum und hat den Plural Wehre. Bei Aalwehre liegt eindeutig die zweite Wortfamilie vor.

Im historischen Fischereikontext kann das Wort Wehr deshalb zwei heute auseinandergetretene Vorstellungen miteinander verbinden: Sperren und Leiten. Eine Barriere verhindert den geraden Durchgang, aber gerade dadurch lenkt sie den Fisch in den vorgesehenen Fangweg.

Der Aufbau eines Aalwehrs musste einen Kompromiss zwischen Fangwirkung und Wasserdurchlässigkeit herstellen. Eine vollständig wasserdichte Sperre würde das Gewässer aufstauen und könnte hydraulische Probleme verursachen. Flechtwerk, Pfahlreihen und Horden ließen dagegen Wasser hindurch, während sie größere Tiere leiteten.

Gleichzeitig musste das Material ausreichend robust sein, um Strömung, Treibholz, Eisgang und wechselnde Wasserstände zu überstehen. Eine große stationäre Anlage erforderte daher beträchtlichen Bau- und Wartungsaufwand.

Beschädigungen konnten die Fangwirkung sofort reduzieren. Entstand eine Lücke, konnten Aale direkt hindurchschwimmen. Fischer mussten die Sperrwerke deshalb kontrollieren, Pfähle ersetzen und Flechtwerk ausbessern.

Der historische Betrieb war somit nicht passiv im Sinn völliger Arbeitsfreiheit. Selbstfang bedeutet lediglich, dass der Fisch während des eigentlichen Fangvorgangs ohne aktive Verfolgung durch den Fischer in die Anlage gelangt. Errichtung, Pflege, Leerung und Regulierung erforderten erhebliche Arbeit.

Aalwehre konnten außerdem Beifang erzeugen. Eine Barriere, die einen erheblichen Gewässeranteil sperrt, beeinflusst nicht ausschließlich Aale. Andere wandernde oder mit der Strömung bewegte Fischarten können ebenfalls in die Fangvorrichtungen geraten.

Die historische Bezeichnung nach dem Aal benennt deshalb den hauptsächlichen wirtschaftlichen Zweck, nicht absolute Artspezifität. Ähnliches gilt für zahlreiche traditionelle Fischfanggeräte.

Die Verbindung von Aalwehr und Wasserbau kann besonders an Wassermühlen eng sein. Mühlenwehre und Gerinne konzentrieren Wasserströme und schaffen künstliche Engstellen. Solche Stellen eignen sich grundsätzlich, abwandernde Aale in Fanganlagen zu leiten.

Internationale Fischereiliteratur zählt deshalb auch Aalfallen an Wassermühlen zur weiteren Gruppe der eel weirs. Dabei kann ein Teil des Oberwassers über Gitter oder geneigte Roste geführt werden, sodass Aale in einen Fang- oder Hälterkasten gelangen.

Hier verschwimmen die Grenzen zu Aalkasten und anderen stationären Geräten. Eine präzise historische Beschreibung sollte deshalb möglichst nicht nur den Gerätenamen nennen, sondern auch Bauform und Wasserführung erläutern.

Mit der Industrialisierung und dem Ausbau von Flüssen verloren viele traditionelle Aalwehre ihre wirtschaftliche Grundlage. Gewässer wurden begradigt, vertieft und für Schifffahrt, Hochwasserschutz und Energiegewinnung umgebaut. Große Pfahl- und Flechtwerksanlagen waren mit diesen Nutzungen oft nicht vereinbar.

Gleichzeitig entstanden modernere Fanggeräte aus Netz, Draht und später synthetischen Materialien. Große Flügelreusen konnten eine ähnliche Leitwirkung erzeugen, ohne ein massives dauerhaftes Pfahlwehr über den gesamten Gewässerabschnitt zu benötigen.

Der Ausdruck Aalwehr verlagerte sich dadurch zunehmend in den historischen Wortschatz. Dies erklärt, weshalb er heute wesentlich seltener ist als Wörter wie Aalreuse oder Aalkasten.

Aus moderner gewässerökologischer Sicht besitzt das Wort eine zusätzliche historische Ironie. Früher wurden Barrieren gezielt gebaut, um möglichst viele wandernde Aale abzufangen. Heute gehört dagegen die Wiederherstellung der Gewässerdurchgängigkeit zu den wichtigen Maßnahmen des Aalschutzes.

Der Europäische Aal muss während seines Lebenszyklus sowohl flussaufwärts als auch flussabwärts wandern können. Glasaale und junge Aale wandern in geeignete Binnengewässer ein; geschlechtsreife Silber- beziehungsweise Blankaale müssen diese Gewässer später wieder in Richtung Meer verlassen.

Moderne Stauwehre, Staudämme, Pumpwerke und Wasserkraftwerke können diese Wanderungen behindern. Das Problem besteht heute nicht darin, dass solche Anlagen als Aalwehre zum Fang konstruiert wurden, sondern dass sie als unbeabsichtigte Wanderhindernisse wirken können.

Die Europäische Kommission zählt Barrieren gegen die Auf- und Abwanderung ausdrücklich zu den wichtigen anthropogenen Belastungen des Europäischen Aals. Aalmanagementpläne sollen deshalb unter anderem die Durchwanderbarkeit von Flüssen verbessern.

Zur modernen Lösung gehören Fischpässe, Aalleitern, Bypass-Systeme, Rückhalteeinrichtungen vor Turbinen, angepasste Betriebsweisen von Wasserkraftwerken und in einzelnen Fällen der Rückbau nicht mehr benötigter Querbauwerke.

Damit stehen sich historisches Aalwehr und moderne Aalleiter funktionell nahezu gegenüber: Das Aalwehr soll die Wanderbewegung gezielt unterbrechen und in einen Fang führen; die Aalleiter soll gerade die Passage eines Hindernisses ermöglichen.

Diese Gegenüberstellung ist jedoch keine lexikalische Antonymie, sondern eine funktionelle und historische. Beide Einrichtungen basieren auf Wissen über das Wanderverhalten des Aals, verfolgen aber entgegengesetzte Ziele.

Seit der europäischen Aalverordnung von 2007 steht besonders die erfolgreiche Abwanderung von Silberaalen im Zentrum des Managements. Die Mitgliedstaaten sollen Maßnahmen treffen, damit ein erheblicher Anteil geschlechtsreifer Tiere das Meer erreichen kann.

Die historische Nutzung von Aalwehren ist daher für die heutige Bestandsforschung interessant, weil sie zeigt, wie wirkungsvoll stationäre Engstellen die Wanderung erfassen können. Dieselbe biologische Konzentration, die früher den Fang erleichterte, macht Aale heute an Querbauwerken besonders verwundbar.

In wissenschaftlichen Untersuchungen moderner Aalpopulationen können historische Fangplätze sogar Hinweise auf frühere Wanderkorridore und einst hohe Bestandsdichten liefern. Alte Karten, Fischereirechte und Ortsnamen werden dadurch zu indirekten Quellen der Umweltgeschichte.

Insbesondere an der Schlei dokumentieren die zahlreichen Heringszäune und Aalwehre des 17. Jahrhunderts eine intensive Nutzung des Gewässers. Sie zeigen, dass die Fischerei nicht nur mit Booten und Netzen arbeitete, sondern die Gewässerlandschaft durch langfristige Fangbauten strukturell veränderte.

Solche Anlagen waren zugleich sichtbare Markierungen von Nutzungsrechten. Wer einen festen Fangzaun unterhielt, beanspruchte einen bestimmten Gewässerraum. Das erklärt die zahlreichen historischen Streitigkeiten über Fischerei, Eigentum und freie Schifffahrt.

Aalwehre gehören damit nicht allein zur Technikgeschichte, sondern ebenso zur Rechts-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Ihre Errichtung erforderte Kapital und Arbeitskraft, ihr Betrieb konnte wirtschaftlichen Ertrag bringen, und ihre Position beeinflusste andere Gewässernutzer.

Auch der Begriff Aallegge ist historisch mit dem Aalwehr verbunden. Adelung nennt niederdeutsch Aallegge als regionale Entsprechung und führt den Bestandteil Legge beziehungsweise Lage auf die Vorstellung einer Nachstellung zurück.

Die Bezeichnung betont damit nicht die materielle Sperre, sondern die funktionelle Idee einer Fanglage beziehungsweise Nachstellung. Dies zeigt erneut, wie unterschiedlich traditionelle Fischereisprachen denselben Gerätetyp konzeptualisieren konnten.

Das ältere Wort Aalfang konnte ebenfalls nicht nur den Vorgang des Fangens, sondern eine Fangvorrichtung oder Fangstelle bezeichnen. Historische Wörterbücher setzen Aalwehr, Aalzaun und Aalfang deshalb teilweise miteinander gleich.

Für moderne lexikographische Zwecke empfiehlt es sich, diese Bedeutungen auseinanderzuhalten: Aalfang bezeichnet heute primär die Tätigkeit beziehungsweise das Ergebnis des Fangens; Aalwehr die stationäre Leit- und Sperranlage.

Das Lemma Aalwehre ist deshalb präzise zu definieren als: Plural von Aalwehr; historische stationäre Fanganlagen aus Pfählen, Zäunen, Flechtwerk oder vergleichbaren Barrieren, die einen Teil oder die gesamte Breite eines Gewässers sperren beziehungsweise verengen und vor allem abwandernde Aale zu Reusen, Hamen, Fischkörben oder anderen Fangstellen leiten.

Etymologie

Lemma Aalwehre
Singular Aalwehr
Wortbildungsart Determinativkompositum
Bestandteile Aal + Wehr
Bestimmungswort Aal – Zielfisch der Fanganlage
Grundwort Wehr – Sperr-, Leit- beziehungsweise historische Fischfanganlage
Aal mittelhochdeutsch und althochdeutsch āl
Wehr, Gewässerbedeutung mittelhochdeutsch wer
Mögliche ursprüngliche Bedeutung von Wehr Fischwehr beziehungsweise Flechtwerk als Sperre
Verwandtes Verb wehren – ursprünglich unter anderem durch Flechtwerk schützen, verschließen oder absperren
Historische Regionalform Aallegge
Bedeutungsverwandte Form Aalzaun
Dokumentierter lexikographischer Beleg spätestens 1793 bei Adelung
Kartographischer Sach- und Wortbeleg an der Schlei „Alwehre“, 1641 bei Johannes Mejer

Das Bestimmungswort Aal ist sehr alt: mittelhochdeutsch und althochdeutsch āl. Seine weitere Herkunft ist nicht endgültig geklärt. Eine verbreitete etymologische Hypothese verbindet die germanische Bezeichnung mit einer Wurzel für „biegen, krümmen“ und deutet den Fisch somit als „den sich Windenden“.

Für Wehr ist die Etymologie besonders eng mit dem bezeichneten historischen Gegenstand verbunden. Das wasserbauliche neutrale Wehr geht auf mittelhochdeutsch wer zurück. Als ursprüngliche Bedeutung wird unter anderem ein Fischwehr beziehungsweise eine aus Flechtwerk bestehende Sperre angenommen.

Auch der Zusammenhang mit wehren ist semantisch durchsichtig: Eine solche Anlage versperrt oder verwehrt den unmittelbaren Durchgang. Das heutige Verständnis eines massiven Stauwehrs stellt wahrscheinlich eine spätere technische Spezialisierung einer viel älteren Sperrvorstellung dar.

Wortgeschichte

Die Sachgeschichte von Fischwehren ist wesentlich älter als das neuhochdeutsche Kompositum. Stationäre Fischfangsperren aus Holz, Flechtwerk und Stein sind archäologisch bereits aus vorgeschichtlichen Gesellschaften bekannt. Die spezialisierte Bezeichnung Aalwehr setzt dagegen voraus, dass der Aal als besonderer Zielfisch sprachlich hervorgehoben wird.

Für die Schlei sind „Alwehre“ bereits 1641 auf den Karten des Kartographen Johannes Mejer dokumentiert. Sie erscheinen neben den wesentlich größeren Heringszäunen und belegen damit sowohl das Wort als auch die konkrete Sachform im frühneuzeitlichen Schleswig.

Adelung nahm Aalwehr 1793 als selbständiges Wörterbuchlemma auf und beschrieb die Anlage als einen durch Zäune oder Pfähle verengten Flussabschnitt mit vorgestellten Hamen oder Fischkörben. Damit war der Ausdruck spätestens im 18. Jahrhundert lexikographisch fest etabliert.

Im 19. Jahrhundert behandeln technische und enzyklopädische Werke Aalwehr und Aalzaun regelmäßig. Pierer setzt die Begriffe teilweise mit Aalfang gleich. Im frühen 20. Jahrhundert beschreibt das Handbuch der Binnenfischerei Mitteleuropas die Anlagen weiterhin als traditionellen Selbstfang.

Danach nahm die praktische Bedeutung zunehmend ab. Heute begegnet das Wort vor allem in historischen, regionalen und fischereikundlichen Zusammenhängen.

Historische Einordnung

Aalwehre gehören zur Geschichte der stationären Fischerei. Im Gegensatz zu beweglichen Netzen, Angeln oder Speeren bleibt die Anlage über längere Zeit an demselben Ort. Sie verändert den Bewegungsraum des Fisches und nutzt dessen natürliche Wanderung.

Technologisch verbinden Aalwehre Wasserbau und Fangtechnik. Ein funktionierendes Wehr muss Strömung berücksichtigen, im Untergrund verankert sein, Wasser passieren lassen und gleichzeitig den Fischweg kontrollieren.

Wirtschaftlich waren Aalwehre insbesondere dort attraktiv, wo große Mengen wandernder Blankaale an Engstellen vorbeiziehen mussten. Der Betreiber konnte dadurch mit vergleichsweise dauerhaftem Gerät regelmäßig saisonale Fänge erzielen.

Rechtshistorisch gehören Aalwehre zum Komplex exklusiver Fischereirechte. Weil eine quer zum Gewässer stehende Anlage andere Fischer und die Schifffahrt beeinflussen konnte, entstanden früh Regelungen über Position, Breite, Fangzeit und Durchfahrtsöffnungen.

Antonyme

Ein eigentliches lexikalisches Antonym zu Aalwehre existiert nicht. Geräte- und Anlagenbezeichnungen bilden gewöhnlich keine festen Gegensatzpaare.

Funktionell kann allerdings eine Aalleiter beziehungsweise ein Fischpass als Gegenprinzip betrachtet werden: Das historische Aalwehr soll die Wanderung unterbrechen und die Tiere in ein Fanggerät führen; die moderne Passageeinrichtung soll die Wanderung trotz eines Hindernisses ermöglichen.

Synonyme und bedeutungsverwandte Ausdrücke

Aalwehr – Singular zu Aalwehre; stationäre Leit- und Fanganlage für Aale.

Aalzaun – historische weitgehend synonyme Bezeichnung, die besonders den zaunartigen Aufbau aus Pfählen, Flechtwerk oder Horden hervorhebt.

Aallegge – niederdeutsche historische Bezeichnung des Aalwehrs; der Name betont die Fanglage beziehungsweise Nachstellung.

Fischwehr – allgemeiner Oberbegriff für stationäre Sperr- und Leitanlagen zum Fischfang.

Fischzaun – allgemeinere Bezeichnung für pfahl- oder flechtwerkartige Fischfanganlagen.

Selbstfang – Oberbegriff für Fangvorrichtungen, in die Tiere aufgrund ihrer Eigenbewegung gelangen.

Flügelreuse – Fanggerät mit Leitnetzen; häufig eigentlicher Fangkörper am Ende eines Aalwehrs.

Aalreuse – reusenförmiger Fangraum zum Aalfang; kann Bestandteil eines Aalwehrsystems sein.

Hamen – sackförmiges Netz in der Strömung, historisch ebenfalls an Aalwehren beziehungsweise Fangöffnungen eingesetzt.

Aalkasten – stationäre, meist an Gefälle- oder Wehranlagen gebundene Aalfangvorrichtung mit anderem konstruktivem Schwerpunkt.

Aalleiter – moderne beziehungsweise neuere Aufstiegshilfe für Aale; funktionell gegensätzlich zur Fangwirkung des Aalwehrs.

Abgrenzung

Aalwehr und allgemeines Stauwehr sind nicht identisch. Ein Stauwehr reguliert Wasserstand und Abfluss. Ein Aalwehr ist historisch primär eine Fischfanganlage. Beide können konstruktiv miteinander verbunden sein.

Aalwehr und Aalzaun sind dagegen weitgehend synonym. Der Ausdruck Aalzaun betont die sichtbare Barriere, während Aalwehr auch die gesamte Fangstelle umfassen kann.

Aalwehr und Aalreuse unterscheiden sich nach Funktion: Das Wehr leitet beziehungsweise sperrt; die Reuse hält den Fisch im Fangraum fest.

Aalwehr und Aalkasten unterscheiden sich in der typischen Konstruktion. Der Aalkasten nutzt häufig einen konzentrierten Wasserstrom über Lattenroste; das Aalwehr sperrt beziehungsweise verengt einen größeren Gewässerquerschnitt.

Aalwehr und Fischwehr stehen in einem Unterbegriffsverhältnis: Jedes Aalwehr ist funktionell ein Fischwehr, aber nicht jedes Fischwehr ist speziell für den Aalfang bestimmt.

Kontext

Typische historische Kontexte sind Flüsse, Mündungsgebiete, Förden, Noore, Mühlen, Fischereirechte, Pfähle, Flechtwerk, Reusen, Hamen und Blankaalwanderung. Regionalgeschichtlich stehen besonders Schlei und südwestliche Ostseeküste im Vordergrund.

Moderne ökologische Kontexte verbinden das Thema eher mit Gewässerdurchgängigkeit, Wanderhindernissen, Silberaalabwanderung, Fischpässen, Aalleitern und Aalmanagement.

Kollokationen und Kookkurrenzen

Typische Verbindungen sind Aalwehre errichten, Aalwehre bauen, Aalwehre unterhalten, Aalwehre betreiben, Aalwehre beseitigen, Aalwehre kartieren, Aalwehre verpachten und historische Aalwehre.

Häufige nominale Umgebungen sind Pfähle eines Aalwehrs, Fangöffnung des Aalwehrs, Reuse am Aalwehr, Fischereirecht am Aalwehr, Betrieb der Aalwehre, Lage der Aalwehre, Aalwehre an der Schlei und Fang mit Aalwehren.

Oberbegriff

Hierarchisch lässt sich das Lemma folgendermaßen einordnen: Gegenstand → Anlage → Fanganlage → Fischfanganlage → stationäre Fischfanganlage → Fischwehr → Aalwehr → Aalwehre.

Der unmittelbarste Oberbegriff ist Fischwehr. Höhere Ebenen sind Fanganlage und Fischfanggerät beziehungsweise, bei größerem baulichem Umfang, Fischfangbauwerk.

Unterbegriffe

Eine fest standardisierte moderne Untergliederung von Aalwehren existiert nicht. Sachlich können jedoch Flussaalwehre, Küstenaalwehre, Pfahlwehre, Flechtwerkswehre, Aalwehre mit Hamen und Aalwehre mit Flügelreusen unterschieden werden.

Diese Bezeichnungen sind überwiegend beschreibende Gerätetypen und nicht notwendig eigenständige Wörterbuchlemmata. Historische Bauformen müssen anhand der jeweiligen Region und Quelle rekonstruiert werden.

Wortfamilie

Zur Wortfamilie von Aal gehören unter anderem Aalfang, Aalfischerei, Aalreuse, Aalkasten, Aalhamen, Aalzaun, Aalleiter und Aalwehr.

Zur Familie des Grundwortes gehören Wehr, Fischwehr, Stauwehr, Mühlenwehr, Wehrbau und wehren.

Wortbildung

Aalwehr ist ein substantivisches Determinativkompositum nach dem Muster Zielfisch + Fang- beziehungsweise Sperranlage. Das Bestimmungswort Aal präzisiert Zweck und Zielfisch des Grundwortes Wehr.

Die Pluralform Aalwehre entsteht regulär durch Anfügung von -e an das Grundwort: Wehr → Wehre; Aalwehr → Aalwehre.

Semantisch bedeutet das Wort nicht „Wehr eines Aals“, sondern Wehr beziehungsweise Fanganlage für den Aalfang.

Polysemie

Die Polysemie ist begrenzt, aber historisch relevant. Aalwehr kann enger die eigentliche pfahl- oder zaunartige Sperre und weiter die gesamte Fanganlage einschließlich Reusen, Hamen oder Fangöffnung bezeichnen.

Daneben kann der Ausdruck in Quellen auf eine Fanganlage an einem bereits bestehenden Wasserwehr bezogen sein. Daraus entsteht eine gewisse Überlagerung zwischen „Fischwehr zum Aalfang“ und „Aalfangvorrichtung an einem Flusswehr“.

Diese Bedeutungen sind jedoch eng miteinander verbunden und bilden keine völlig unabhängigen Lexeme.

Homonyme und Homographe

Ein eigenständiges Homonym Aalwehre ist nicht etabliert. Die Form ist eindeutig als Plural von Aalwehr interpretierbar.

Beim Grundwort besteht dagegen eine grammatische Homographie: das Wehr bezeichnet unter anderem eine Wasser- beziehungsweise Stauanlage und hat den Plural die Wehre; die Wehr bezeichnet Verteidigung beziehungsweise Streitmacht und bildet den Plural die Wehren. Im Kompositum Aalwehr liegt ausschließlich das neutrale gewässer- beziehungsweise sperrtechnische Grundwort vor.

Redewendungen und Sprichwörter

Für Aalwehre sind keine allgemeinsprachlich fest etablierten Redewendungen oder Sprichwörter bekannt. Das Wort blieb im Wesentlichen an Fischerei und Gewässernutzung gebunden.

Auch die bekannten Aalmetaphern wie glatt wie ein Aal oder sich winden wie ein Aal beziehen sich auf den Fisch selbst und nicht auf das Aalwehr.

Metaphern

Eine produktive übertragene Bedeutung von Aalwehr ist nicht etabliert. Denkbar wäre zwar die bildliche Verwendung für eine Anlage oder Strategie, die Bewegungen bündelt und in eine Falle führt, doch ist dies kein lexikalisierter Gebrauch.

Historisch ist die Sperr- und Leitwirkung des Wehrbegriffs selbst bildhaft anschlussfähig, etwa an Vorstellungen von Hindernis, Abwehr oder kanalisiertem Durchgang.

Metonymie

Metonymisch kann Aalwehr für den gesamten zugehörigen Fangplatz, Fischereibetrieb oder das daran gebundene Fischereirecht stehen. Ein historischer Besitzvermerk „das Aalwehr“ kann daher nicht nur die hölzerne Konstruktion, sondern die wirtschaftlich-rechtliche Nutzungseinheit meinen.

Ebenso kann eine Fangstatistik, die einem Aalwehr einen bestimmten Ertrag zuschreibt, den gesamten Fangbetrieb der Anlage meinen und nicht nur das Sperrbauwerk.

Register und Sprachstufe

Aalwehre ist heute ein historischer und fischereifachlicher Ausdruck. Das Wort ist grammatisch transparent und ohne weiteres verständlich, gehört aber nicht mehr zum gewöhnlichen allgemeinen Alltagswortschatz.

In regionalgeschichtlichen Texten über die Schlei, historische Binnenfischerei oder traditionelle Fanggeräte ist die Bezeichnung sachlich präzise. In moderner Gewässertechnik würde man dagegen gewöhnlich genauere technische Begriffe verwenden.

Regionale Varianten

Aalzaun ist die wichtigste historische Parallelbezeichnung. Sie ist in der deutschen Binnenfischereiliteratur weit verbreitet und kann funktionell nahezu synonym sein.

Im Niederdeutschen ist Aallegge beziehungsweise eine entsprechende Form überliefert. Das Wort stellt die Fanglage beziehungsweise Nachstellung in den Vordergrund.

Für die Schlei ist im 17. Jahrhundert die Schreibform Alwehr/Alwehre dokumentiert. Sie repräsentiert ältere Orthographie und regionale Aussprache.

Im Dänischen besitzt ålegård eine besonders genaue sachliche Entsprechung: ein System von Zäunen, das Aale zu einer Reuse führt. Diese Bezeichnung ist für die Fischereigeschichte der westlichen Ostsee besonders relevant.

Aktuelle Statistik

Lemma Aalwehre
Grundform Aalwehr
Buchstaben 8
Silben 3: Aal-weh-re
Wortart Substantiv, Pluralform
Genus der Singularform Neutrum
Singular das Aalwehr
Plural die Aalwehre
Dativ Plural den Aalwehren
Kernbedeutung stationäre Leit- und Fanganlagen für Aale
Historische Hauptmaterialien Pfähle, Flechtwerk, Horden, Reisig und Holz
Typische Fanggeräte an der Fangöffnung Reusen, Flügelreusen, Hamen, Fischkörbe
Hauptsächliches biologisches Fangprinzip Nutzung gerichteter Aalwanderungen, besonders der Blankaalabwanderung
Früher regionaler kartographischer Nachweis Schlei, 1641, als „Alwehre“
Lexikographischer Nachweis spätestens 1793 bei Adelung
Moderne Gebrauchslage überwiegend historisch und fischereikundlich
Aktuelle ökologische Perspektive Gewässerdurchgängigkeit für den Europäischen Aal ist heute ein zentrales Managementziel

Häufigkeit und Statistik

Lemma Aalwehre
Allgemeinsprachliche Häufigkeit sehr gering
Historische regionale Häufigkeit in traditionellen Aalfischereigebieten deutlich höher
Besonders gut dokumentierte Region Schlei und westlicher Ostseeraum
Historische Dokumenttypen Karten, Fischereirechtsakten, Wörterbücher, technische Fischereiliteratur
Moderne Textsorten Regionalgeschichte, Fischereigeschichte, Gewässerökologie, Archäologie
Produktiver moderner Fachgebrauch gering; meist historisierend
Exakte aktuelle Korpusfrequenz keine belastbare einheitliche Zahl in den geprüften frei zugänglichen Quellen
Verwandter internationaler Fachausdruck englisch eel weir

Eine allgemeine numerische Häufigkeitsangabe wäre ohne festgelegtes Referenzkorpus methodisch nicht sinnvoll. Sicher ist dagegen, dass Aalwehre heute wesentlich seltener als Aalreuse, Aalkasten oder das allgemeine Wehr ist und vorwiegend in historischen Fachkontexten auftritt.

Wortbildung als Erstglied

Als Erstglied ist die Form Aalwehr- nur schwach produktiv. Möglich und sachlich transparent sind Bildungen wie Aalwehranlage, Aalwehrfischerei, Aalwehrrecht, Aalwehrbetrieb, Aalwehrstandort, Aalwehrbau und Aalwehrrest.

Solche Wörter entstehen vor allem in historischen, archäologischen oder rechtsgeschichtlichen Texten und besitzen nicht notwendig selbständigen Wörterbuchstatus.

Wortbildung als Letztglied

Als Letztglied -aalwehr ist das vollständige Wort kaum produktiv. Präzisierungen erfolgen gewöhnlich durch attributive Ausdrücke wie historisches Aalwehr, hölzernes Aalwehr, großes Aalwehr.

Produktiver ist dagegen das einfache Grundwort -wehr, beispielsweise in Fischwehr, Stauwehr, Mühlenwehr, Sperrwehr und Schleusenwehr.

Übersetzungen

Altgriechisch: Eine fest lexikalisierte antike Entsprechung speziell für Aalwehr ist nicht sicher anzusetzen. Beschreibend wäre eine Verbindung im Sinn von „Fischwehr/Fischzaun zum Fang von Aalen“ erforderlich. Für philologisch genaue Übersetzungen sollte die konkrete historische Konstruktion erläutert werden.

Lateinisch: kein einheitlicher klassischer Spezialterminus speziell für Aalwehre. Beschreibend sind saepes ad anguillas capiendas „Zaun zum Fang von Aalen“ oder septum piscatorium anguillarium „Aal-Fischwehr“ möglich. Es handelt sich dabei um beschreibende lateinische beziehungsweise neulateinische Wiedergaben.

Italienisch: sbarramenti per la pesca delle anguille beziehungsweise chiuse per anguille; bei einer historischen Fanganlage auch beschreibend sbarramenti con nasse per anguille.

Französisch: barrages de pêche aux anguilles, barrages à anguilles beziehungsweise bei historischen Anlagen pêcheries à anguilles. Die konkrete Übersetzung hängt davon ab, ob Sperre oder gesamte Fangstelle gemeint ist.

Spanisch: azudes de pesca de anguilas, barreras para la pesca de anguilas beziehungsweise beschreibend presas-trampa para anguilas. Azud bezeichnet allerdings häufig ein wasserbauliches Wehr und ist daher nicht in jedem historischen Kontext exakt.

Dänisch: ålegårde – sehr genaue historische und sachliche Entsprechung; Singular ålegård. Das Wort bezeichnet ein System von Zäunen beziehungsweise Leitwänden, das Aale zu einer Reuse führt.

Schwedisch: beschreibend ålstängsel beziehungsweise fiskegårdar för ål; je nach historischer Bauform sind Umschreibungen vorzuziehen. ålryssja bezeichnet dagegen die Aalreuse selbst und nicht das vollständige Leitwehr.

Norwegisch: beschreibend ålegjerder beziehungsweise fiskestengsler for ål – Zäune beziehungsweise Sperranlagen zum Aalfang.

Finnisch: beschreibend ankeriaiden pyyntipadot beziehungsweise ankeriaiden pyyntiin tarkoitetut kalapadot – Fischwehre zum Fang von Aalen.

Polnisch: jazy do połowu węgorzy beziehungsweise beschreibend przegrody do połowu węgorzy – Wehre beziehungsweise Sperren zum Aalfang.

Litauisch: beschreibend užtvaros unguriams gaudyti beziehungsweise žuvų užtvaros ungurių žvejybai – Fischsperren zum Fang von Aalen.

Estnisch: beschreibend angerjapüügi tõkked beziehungsweise kalatõkked angerja püüdmiseks – Sperranlagen zum Aalfang.

Lettisch: beschreibend zušu zvejas aizsprosti beziehungsweise zivju aizsprosti zušu zvejai – Fischwehre zum Aalfang.

Slowenisch: beschreibend pregrade za lov jegulj – Sperren beziehungsweise Wehre zum Fang von Aalen.

Slowakisch: beschreibend hrádze na lov úhorov beziehungsweise rybárske prehrádzky na úhory – Wehre beziehungsweise Fischsperren zum Aalfang.

Rumänisch: beschreibend baraje pentru pescuitul anghilelor beziehungsweise garduri de pescuit pentru anghile – Wehr- beziehungsweise Zaunanlagen zum Aalfang.

Bulgarisch: beschreibend прегради за улов на змиорки – Sperranlagen zum Fang von Aalen.

Russisch: beschreibend угревые рыболовные заграждения beziehungsweise заграждения для ловли угря – Fischereisperren zum Aalfang.

Englisch: eel weirs – die unmittelbare und international fachsprachlich etablierte Entsprechung. Ein eel weir kann aus Stein-, Holz-, Gitter- oder Netzstrukturen bestehen und abwandernde Aale zu Fangkammern beziehungsweise Netzen leiten.

Web-links

Digitales Wörterbuch der deutschen Einwortbildungen – Aal – zentrale lexikographische Quelle zu Aalwehr, Aalzaun, Aallegge, Aalkasten und weiteren historischen Aalfanggeräten.

Duden – Wehr – Grammatik und Etymologie des neutralen Grundwortes; verweist auf mittelhochdeutsch wer und die mögliche ursprüngliche Bedeutung als Fischwehr beziehungsweise Flechtwerk.

Duden – wehren – Etymologie des verwandten Verbs mit der alten Vorstellung des Verschließens und Schützens durch Flechtwerk.

Schlei Infozentrum – Die Geschichte der Schleifischerei – regionalhistorische Darstellung der Aalwehre an der Schlei; dokumentiert „Alwehre“ auf Johannes Mejers Karten von 1641.

Landesarchiv Schleswig-Holstein – Aalwehr Översee und Fischereirecht – Archivnachweis zu einem Aalwehr und den damit verbundenen lokalen Fischereirechten.

FAO – Guidelines for Sampling Fish in Inland Waters: Eel Weirs – internationale technische Beschreibung von Aalwehren zum Fang abwandernder Silberaale.

FAO – EIFAC Consultation on Eel Fishing Gear and Techniques – detaillierte technische Beschreibung verschiedener Aalwehranlagen und ihrer Netze.

PMC – The changing times of Europe's largest remaining commercially harvested population of eel – wissenschaftliche Darstellung der traditionellen Silberaalfischerei an festen Wehranlagen des Lough-Neagh-Bann-Systems.

Proceedings of the Prehistoric Society – Fishing with Stationary Wooden Structures in Stone Age Denmark – archäologische Untersuchung stationärer hölzerner Fischwehre sowie Vergleich mit historischen dänischen Aalwehren.

Den Danske Ordbog – ålegård – dänische Parallelbezeichnung für ein Zaunsystem, das Aale zu einer Reuse leitet.

Europäische Kommission – European eel – aktuelle Übersicht über Bestandslage, Aalmanagement, Wanderhindernisse und Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerdurchgängigkeit.

Europäische Kommission – Evaluation der Aalmanagementpläne – behandelt unter anderem Entfernung von Wanderhindernissen, Aalpassagen und Maßnahmen an Wasserkraftanlagen.

weiterführende links

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Zaun