Aalhorde
Grundbedeutung
Aalhorde ist eine historische Bezeichnung für eine stationäre, aus Pfählen, Latten oder Flechtwerk bestehende Fangvorrichtung zum Aalfang. Sie gehörte zur Gerätefamilie der Fischwehre und Fischzäune: Ein quer, schräg oder leitend im Gewässer angebrachtes Geflecht beziehungsweise Gitter hinderte wandernde Aale am freien Weiterziehen und leitete sie zu einem Fangbereich, einer Öffnung, einem Sack, einer Reuse oder einer anderen Entnahmestelle.
Das Wort darf nicht nach der heute vorherrschenden Bedeutung von Horde als „ungeordnete Schar“ verstanden werden. Eine Aalhorde ist historisch keine Ansammlung oder Gruppe von Aalen. Das Grundwort gehört vielmehr zu einer alten deutschen Wortfamilie Horde – Hurde – Hürde mit der Bedeutung „Flechtwerk, Gitter, Zaun, eingefriedete Konstruktion“. Die ebenfalls belegte Variante Aalhürde macht diese Herkunft besonders deutlich.
Daniel Sanders ordnet Aalhorde in seinem Deutschen Sprachschatz des 19. Jahrhunderts ausdrücklich dem Aalfang zu und stellt Aalstube sowie Aalwehr in dasselbe Bedeutungsfeld. Ein deutsch-schwedisches Wörterbuch des frühen 20. Jahrhunderts führt Aalhorde/Aalhürde als feminines Fischereiwort und erklärt es als eine Art Fischwehr beziehungsweise Fischzaun zum Aalfang.
Wortart
Aalhorde ist ein Substantiv und grammatisch feminin: die Aalhorde. Der Plural lautet die Aalhorden.
Es handelt sich um ein substantivisches Determinativkompositum aus Aal und der historischen technischen Bedeutung von Horde „Flechtwerk, Gitter, Zaun“. Das Bestimmungswort benennt den Zielfisch, das Grundwort die konstruktive Grundform des Fanggeräts.
Die Variante Aalhürde ist ebenfalls historisch belegt und semantisch gleich beziehungsweise sehr nahe. Sie gehört zu derselben Wortfamilie und darf nicht als moderne volksetymologische Korrektur missverstanden werden.
Aussprache
Die standarddeutsch rekonstruierbare Aussprache lautet [ˈaːlˌhɔʁdə]. Die Hauptbetonung liegt auf Aal-; -horde trägt eine Nebenbetonung.
Der Plural Aalhorden wird ungefähr [ˈaːlˌhɔʁdən] ausgesprochen. Für die Variante Aalhürde ergibt sich entsprechend [ˈaːlˌhʏʁdə].
Grammatik
| Lemma | Aalhorde |
|---|---|
| Wortart | Substantiv |
| Genus | Femininum |
| Artikel | die |
| Nominativ Singular | die Aalhorde |
| Genitiv Singular | der Aalhorde |
| Dativ Singular | der Aalhorde |
| Akkusativ Singular | die Aalhorde |
| Nominativ Plural | die Aalhorden |
| Genitiv Plural | der Aalhorden |
| Dativ Plural | den Aalhorden |
| Akkusativ Plural | die Aalhorden |
| Historische Variante | Aalhürde |
| Wortbildungsstruktur | Aal + Horde |
| Bedeutung des Grundwortes | Flechtwerk, Lattengestell, Zaun beziehungsweise Hürde |
Orthographie
Die historische Lemmaschreibung lautet Aalhorde. Das Substantiv wird zusammengeschrieben und großgeschrieben. Die Worttrennung lautet Aal|hor|de.
Daneben ist Aalhürde belegt. Diese Form zeigt besonders klar den Zusammenhang mit Hürde. Formen wie Aalhurde können ebenfalls in fachsprachlichen beziehungsweise regionalen Überlieferungen erscheinen, weil Hurde eine historische und regionale Variante desselben alten Flechtwerk-Wortes ist.
Das Grundwort Horde muss orthographisch und etymologisch von der heute gewöhnlichen Horde „Schar, Menge, Gruppe“ unterschieden werden. Beide Wörter sind in der modernen Schreibung homograph, besitzen aber unterschiedliche Wortgeschichten.
Gebrauch
Aalhorde ist heute ein historisches und weitgehend obsoletes Fischereiwort. In gegenwärtigen allgemeinverständlichen Beschreibungen würde man eher von einem Aalwehr, Fischwehr, Fischzaun oder einer stationären Leiteinrichtung zum Aalfang sprechen.
Das Wort begegnet vor allem in historischen Wörterbüchern, Darstellungen älterer Fischereitechnik, sprachgeschichtlichen Arbeiten und Beschreibungen vormoderner Binnenfischerei. In älteren Texten kann Aalfang außerdem nicht nur die Tätigkeit des Fangens, sondern eine Fanganlage bezeichnen; deshalb erklären historische Wortschatzsammlungen Aalhorde teilweise schlicht mit „Aalfang“.
Eine moderne Verwendung von Aalhorde im Sinn von „eine große Gruppe Aale“ wäre als spontane Neubildung theoretisch verständlich, entspräche aber nicht der historisch lexikalisierten Bedeutung des hier behandelten Lemmas.
Bedeutungsbereich
Der Bedeutungsbereich umfasst Aalfang, historische Binnenfischerei, Fischwehre, Fischzäune, Flechtwerk, Pfahlbauten im Gewässer, Fischereirechte, Wasserbau, Wanderfischfang und historische Sachkultur.
Sprachgeschichtlich ist das Lemma besonders bemerkenswert, weil es eine heute kaum noch verstandene Bedeutung von Horde bewahrt. Der Ausdruck verbindet somit Fischereigeschichte mit der älteren Wortgeschichte von Hürde, Hurde und Horde.
Lexikon
Die Aalhorde gehört zur großen Familie stationärer Fischfanganlagen, die den natürlichen Wanderweg von Fischen nicht mit einem beweglichen Netz verfolgen, sondern den Fisch durch eine im Gewässer errichtete Struktur aufhalten, umlenken oder konzentrieren. Ihr technischer Grundgedanke entspricht dem Fischwehr: Pfähle, Ruten, Latten oder anderes Flechtmaterial bilden eine Barriere, die einen Teil des Gewässers sperrt und den Fisch zu einer Fangöffnung führt.
Der historische Name ist zunächst wegen des Wortes Horde missverständlich. Moderne Sprecher verbinden Horde fast ausschließlich mit einer größeren Menschengruppe, Tiergruppe oder ungeordneten Menge. Genau diese Bedeutung ist beim Aalhorde-Lemma jedoch irrelevant.
Das für die Fischerei maßgebliche Horde gehört zu Hürde. Althochdeutsch hurd bezeichnete ein Flechtwerk aus Reisern oder Stäben. Mittelhochdeutsch hurt, altsächsisch hurth, mittelniederdeutsch hort, hurt, horde, hörde und mittelniederländisch horde, hurde gehören zu derselben alten germanischen Wortfamilie.
Das Etymologische Wörterbuch des Althochdeutschen nennt für diese Familie Bedeutungen wie Flechtwerk, Gitter, Hürde, eingefriedetes Land und geflochtene Matte. Bereits die Grundbedeutung passt somit unmittelbar zu einer historischen Fischfanganlage.
Das Deutsche Rechtswörterbuch dokumentiert Hürde ebenfalls zunächst als Flechtwerk aus Reisig oder Holzstäben. Die heute bekannte Bedeutung „zu überwindendes Hindernis“ ist eine jüngere beziehungsweise übertragene Entwicklung aus dieser konkreten Konstruktion.
Für die Aalhorde ergibt sich daraus wörtlich eine Bedeutung wie „Flechtwerk zum Aalfang“ beziehungsweise „Aal-Fischzaun“.
Dass es sich tatsächlich um ein Fischereigerät und nicht um eine Tiergruppe handelt, zeigt die historische Lexikographie eindeutig. Daniel Sanders führt in seinem zwischen 1873 und 1877 erschienenen Deutschen Sprachschatz Aalhorde im Bedeutungsfeld Aalfang. Zugleich nennt sein Register Aalstube und Aalwehr mit Verweis auf Aalhorde beziehungsweise dasselbe Fangfeld.
Die Verbindung zu Aalwehr ist besonders wichtig. Das mittelniederdeutsche âlwer beziehungsweise alewer wird im Handwörterbuch August Lübbens ausdrücklich als Pfahl- oder Flechtwerk im Fluss zum Aalfang erklärt. Damit lässt sich die technische Grundform der Aalhorde genauer bestimmen.
Ein solches Wehr musste nicht zwingend den gesamten Fluss vollständig absperren. Fischwehre konnten quer, schräg, V-förmig oder als Kombination aus Leitwänden und Fangkammer errichtet werden. Entscheidend war, dass die Wanderbewegung des Fisches räumlich beeinflusst wurde.
Der Aal eignet sich für solche Fangsysteme besonders wegen seiner ausgeprägten Wanderungen. Vor allem abwandernde geschlechtsreife Silberaale bewegen sich im Herbst und Winter flussabwärts in Richtung Meer. Historische Fischer nutzten diese konzentrierten Wanderbewegungen systematisch aus.
Bereits Fischereidarstellungen des 19. Jahrhunderts beschreiben, dass große Aale im Herbst häufig nachts und bei regnerischer beziehungsweise stürmischer Witterung aus Flüssen zum Meer ziehen. An Flussmündungen, Mühlen, Wehren und Engstellen konnten deshalb stationäre Fanganlagen besonders ergiebig sein.
Die Aalhorde ist technisch in denselben historischen Zusammenhang einzuordnen. Eine aus Pfählen und Flechtwerk gebildete Wand versperrte dem Aal den direkten Weg. Durch die Stellung der Wände wurde er zu einer Öffnung oder einem engeren Fangteil geleitet.
Wie die konkrete Endfangeinrichtung aussah, konnte örtlich verschieden sein. Denkbar und für verwandte Fischwehrsysteme belegt sind Reusen, Fangsäcke, Fangkammern, Körbe und Kästen. Der Begriff Aalhorde bezeichnet deshalb eher die gesamte geflochtene beziehungsweise eingezäunte Anlage oder deren charakteristische Sperrstruktur als eine einzige normierte Geräteform.
Ein deutsch-schwedisches Wörterbuch von 1932 führt Aalhorde und Aalhürde gemeinsam und erläutert sie als eine Art „Fiskegård“ zum Aalfang. Das schwedisch-dänische Sachwort fiskegård bezeichnet historisch einen im See, Fluss oder Küstenwasser errichteten Fischzaun beziehungsweise eine feste Fischfanganlage.
Das entspricht der internationalen Definition eines Fischwehrs: eine feste Barriere im Gezeitenwasser oder quer beziehungsweise teilweise quer in einem Wasserlauf, welche die Bewegung von Fischen leitet oder sie in einen Fangraum zwingt.
Eine Aalhorde ist daher am besten als spezialisiertes Aal-Fischwehr aus Pfahl- und Flechtwerk zu verstehen.
Die Konstruktion konnte aus senkrecht in den Gewässerboden geschlagenen Pfählen bestehen, zwischen denen Ruten, Reisig oder andere elastische Hölzer verflochten wurden. Alternativ konnten Latten, Bretter oder gitterartige Bauteile Verwendung finden. Entscheidend war eine hinreichend enge Struktur, damit der Aal nicht ohne weiteres hindurchschlüpfen konnte.
Die Materialwahl war lokal bestimmt. Weidenruten eigneten sich wegen ihrer Biegsamkeit besonders für Flechtwerk; in anderen Regionen standen Hasel, anderes Reisig, Rohr oder Holzlatten zur Verfügung.
Ein solches Flechtwerk musste zugleich dem Wasserdruck standhalten. Eine vollkommen geschlossene Wand wäre hydraulisch problematisch gewesen, weil sie den Wasserdurchfluss zu stark gebremst und bei Hochwasser enorme Kräfte aufgenommen hätte. Ein Gitter- oder Flechtwerk ließ Wasser passieren, während größere Fische geleitet wurden.
Damit unterscheidet sich die Aalhorde von einem eigentlichen Staudamm. Ihr Hauptzweck ist nicht das dauerhafte Aufstauen eines Gewässers, sondern die Fischführung und der Fang.
Allerdings konnten Fischwehr und Wasserbau historisch eng zusammenwirken. Besonders an Mühlen, Schleusen, Stauwehren und künstlichen Gerinnen ließen sich Strömungen gezielt nutzen. Der Aalkasten ist ein Beispiel einer stationären Aal-Fangeinrichtung, die häufig mit solchen Gefällestellen verbunden war.
Die Aalhorde ist vom Aalkasten dennoch zu unterscheiden. Ein Aalkasten ist enger als kasten- beziehungsweise rostartige Fangeinrichtung definiert; eine Aalhorde ist primär die geflochtene oder gegitterte Sperr- und Leitanlage.
Auch zur Aalreuse besteht ein Unterschied. Eine Reuse ist ein Fangbehälter aus Korb- oder Netzmaterial mit trichterförmigen Kehlen. Die Aalhorde wirkt primär als stationäre Barriere. In einer komplexen Fanganlage können jedoch Aalhorde und Reuse zusammenwirken.
Ebenso kann Aalwehr als weitgehend synonym beziehungsweise als sachlich übergeordneter Ausdruck auftreten. Historische Wörterbücher behandeln Aalwehr und Aalhorde sehr eng. Der Unterschied liegt eher in der Benennungsmotivation: Wehr betont das Sperren, Horde das Flechtwerk.
Die Bezeichnung Aalstube erscheint in Sanders' Wortschatz ebenfalls als bedeutungsverwandt mit Aalhorde. Dabei ist Vorsicht nötig, weil Aalstube in jüngerer Sprache auch ein Lokal, einen Speiseraum oder einen Fischereibetrieb bezeichnen kann. Die historische fischereitechnische Bedeutung ist davon zu trennen.
Historische Darstellungen der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Fischerei nennen zahlreiche ähnliche stationäre Einrichtungen. Lateinische Quellen verwenden Wörter für Fischsperren, Wehre und Zäune; deutsche Texte kennen Wehr, Fach, Fischzaun, Fischgarten und verwandte regionale Benennungen.
Eine ältere jagd- und fischereigeschichtliche Darstellung nennt ausdrücklich Aalhorden unter den Geräten des Aalfangs und stellt sie in einen Zusammenhang mit Hürden, Wehren und anderen Einrichtungen, die Fische im Wasser aufhalten. Dies bestätigt die konstruktive Interpretation aus der Wortgeschichte.
Der Ausdruck Hürde war für Fischereisperren semantisch naheliegend: Eine Hürde ist ursprünglich eine aus verflochtenen Ruten beziehungsweise Stäben gebildete Wand. Genau dasselbe Konstruktionsprinzip konnte sowohl einen Viehpferch als auch eine Fischsperre bilden.
Das Wortfeld hat auch internationale Parallelen. Englisch fish weir, dänisch fiskegård, niederländisch weer und französisch bordigue bezeichnen stationäre, zaunartige Fischfanganlagen. Viele dieser Anlagen besitzen seitlich zusammenlaufende Leitwände und eine Fangkammer.
Für Aale existieren entsprechend spezialisierte Formen. Dänisch ist ålegård ein besonders anschauliches Parallelwort: wörtlich eine „Aal-Gard beziehungsweise Aal-Einfriedung“. Semantisch liegt dies sehr nahe an der deutschen historischen Aalhorde.
Auch die mittelniederdeutsche Aalterminologie spricht für einen starken norddeutschen und küstennahen Traditionszusammenhang. August Lübben dokumentiert neben âlwer „Aalwehr“ auch âlvank „Aalfang“, âl-vlêt „Aalspieß“ und weitere spezialisierte Fischereiwörter.
Diese lexikalische Vielfalt zeigt die frühere wirtschaftliche Bedeutung des Aals. Eine intensiv befischte Tierart entwickelt typischerweise einen besonders differenzierten Gerätewortschatz.
Historische Aalwehre sind beispielsweise auch für die Schlei dokumentiert. Dort zeichnete Johannes Mejer bereits im 17. Jahrhundert mehrere größere „Alwehre“. Solche Zäune und Sperranlagen nutzten die natürliche Bewegung der Fische und konnten über lange Zeiträume betrieben werden.
Derartige Beispiele sind nicht automatisch mit jeder Aalhorde konstruktiv identisch, illustrieren aber denselben technischen Grundgedanken: ein festes Leitsystem im Gewässer statt eines aktiv bewegten Fanggerätes.
Das unterscheidet die Aalhorde von Aalgabel, Aalstecher und Aalspeer. Diese werden aktiv vom Fischer geführt und erfassen einzelne Fische unmittelbar.
Auch von Aalangel, Aalschnur und Aalpuppe unterscheidet sich die Aalhorde. Diese arbeiten mit Angelhaken und gewöhnlich einem Köder; die Aalhorde nutzt dagegen die räumliche Lenkung wandernder Tiere.
Die Anlage ist damit ein passives Fangsystem. Sie wartet nicht auf einen Biss und muss den Fisch nicht aktiv verfolgen. Ihre Wirksamkeit hängt wesentlich davon ab, dass Fische einen bestimmten Wanderweg benutzen.
Besonders relevant ist dies beim abwandernden Silberaal. Der Europäische Aal Anguilla anguilla verlässt nach jahrelangem Wachstum in Binnen- und Küstengewässern seine Aufenthaltsgebiete und zieht in Richtung Atlantik. Historische Fangsysteme an Flüssen konnten diese Wanderung konzentrieren.
Die Aalhorde war dabei nicht zwangsläufig vollständig artspezifisch. Ein Fischwehr kann auch andere wandernde oder durch die Strömung geführte Fische erfassen. Die Bezeichnung Aalhorde kennzeichnet daher in erster Linie die beabsichtigte Verwendung beziehungsweise Spezialisierung auf Aale.
Die Selektivität hing von der Maschen- beziehungsweise Stabweite, der Lage des Wehrs, der Fangöffnung, der Jahreszeit, der Wasserführung und der angeschlossenen Fangvorrichtung ab.
Solche stationären Fangbauten konnten erhebliche Auswirkungen auf Gewässer haben. Sie beeinflussten Wanderwege und konnten bei dichter Sperrung auch anderen Fischen den Auf- oder Abstieg erschweren. Historische Fischereirechte regelten deshalb häufig Lage, Umfang und Betrieb von Fischwehren.
Moderne Gewässerökologie beurteilt vollständig oder nahezu vollständig sperrende Fischfanganlagen auch unter dem Gesichtspunkt der Fischdurchgängigkeit. Der historische Begriff Aalhorde ist jedoch selbst keine moderne rechtliche Gerätekategorie mehr; heutige Vorschriften verwenden andere Terminologien.
Für die Sprachgeschichte ist besonders die Homographie des Grundwortes bemerkenswert. Horde „Flechtwerk“ und Horde „große Schar“ sind etymologisch zu unterscheiden.
Die heute häufige Horde „Schar, Menge, Trupp“ wurde im Spätmittelalter beziehungsweise in der frühen Neuzeit über osteuropäische Sprachen aus dem türkisch-mongolischen Wortfeld um ordu „Heerlager, Heer“ übernommen.
Die technische Horde „Flechtwerk, Lattengestell“ gehört dagegen zur heimisch-germanischen Wortfamilie von Hürde. Sie ist unter anderem in älteren Bau-, Landwirtschafts-, Mälzerei- und Trocknungstermini erhalten.
Ein vergleichbarer technischer Gebrauch findet sich bei der Malzhorde beziehungsweise Darrhorde: Auch dort bezeichnet Horde ein gitter- oder siebartiges Gestell beziehungsweise eine durchlässige Fläche. Der konkrete Verwendungszweck unterscheidet sich, das konstruktive Grundmerkmal „Gitter/Flechtwerk“ bleibt jedoch erkennbar.
Bei der Aalhorde ist die ältere Wortbedeutung deshalb sogar sachlich besonders durchsichtig. Eine geflochtene Fischsperre ist im ursprünglichen Sinn tatsächlich eine Hürde im Wasser.
Das erklärt auch die Variante Aalhürde. Ein deutsch-schwedisches Wörterbuch von 1932 setzt beide Formen nebeneinander und gibt ihnen dieselbe grammatische und fachsprachliche Einordnung.
Die heutige Verwechslung mit einer Tierhorde ist somit ein Fall von historischer Bedeutungsverdunkelung: Das ältere technische Grundwort wurde selten, während das gleichgeschriebene Fremdwort „Horde“ in der Bedeutung „große Schar“ allgemein geläufig blieb.
Ein moderner Sprecher zerlegt Aalhorde deshalb intuitiv in „Aal + Gruppe“. Historisch korrekt ist jedoch „Aal + Flechtwerk/Hürde“.
Diese Unterscheidung ist auch für die Übersetzung zentral. Englisches horde of eels wäre eine Gruppe von Aalen und damit keine Übersetzung des historischen Lemmas. Die richtige sachliche Wiedergabe lautet vielmehr eel weir beziehungsweise wickerwork eel weir.
Die historische Aalhorde lässt sich daher präzise definieren als: stationäres, aus Pfählen und Flecht- oder Gitterwerk bestehendes Fischwehr beziehungsweise Fischzaunsystem zum Aufhalten, Leiten und Fangen von Aalen.
Etymologie
| Lemma | Aalhorde |
|---|---|
| Wortbildungsart | Determinativkompositum |
| Bestandteile | Aal + Horde |
| Bestimmungswort | Aal – bezeichnet den Zielfisch |
| Grundwort im Lemma | Horde – Flechtwerk, Gitter, Zaun |
| Historische Variante | Aalhürde |
| Verwandte Form | Aalhurde |
| Althochdeutsch | hurd – Flechtwerk aus Reisern beziehungsweise Stäben |
| Mittelhochdeutsch | hurt |
| Mittelniederdeutsch | hort, hurt, horde, hörde |
| Mittelniederländisch | horde, hurde – geflochtene Matte, Hürde |
| Urgermanische Grundlage | *hurþi- / *hurđi- |
| Ursprüngliches Bedeutungsfeld | Flechtwerk, Gitter, geflochtene Wand, Hürde |
| Bedeutungsrelation | Flechtwerk beziehungsweise Hürde zum Aalfang |
| Nicht zu verwechseln mit | Horde „Schar, Menge, Heerhaufen“ aus einem osteuropäisch-türkischen Lehnwort |
Das Grundwort der Aalhorde gehört also nicht zur Herkunft des modernen Wortes Horde im Sinn einer Menschen- oder Tiergruppe. Diese moderne Hauptbedeutung geht über polnisch horda und türkisch ordu auf ein Wort für Heer beziehungsweise Heerlager zurück.
Die Aalhorde enthält dagegen ein altes germanisches Horde, das mit Hürde verwandt ist. Althochdeutsch hurd und verwandte germanische Formen bezeichneten geflochtene Wände, Gitter, Türen, Zäune und Einfriedungen.
Die Zusammensetzung bedeutet etymologisch somit ungefähr „Aal-Flechtzaun“ oder „Aalhürde“.
Wortgeschichte
Die zugrunde liegende Wortfamilie von Hürde/Horde reicht bis ins Althochdeutsche und darüber hinaus ins Germanische zurück. Flechtwerk aus Reisig gehört zu den ältesten Bau- und Einfriedungstechniken überhaupt.
Auch die Verwendung von Pfahl- und Flechtzäunen zum Fischfang ist sehr alt. Fischwehre sind für zahlreiche europäische Regionen bereits aus vormodernen und teilweise archäologischen Kontexten bekannt.
Das Kompositum Aalhorde ist spätestens im 19. Jahrhundert sicher lexikographisch dokumentiert. Sanders' Deutscher Sprachschatz von 1873–1877 führt das Wort ausdrücklich.
Eine ältere fischerei- und jagdgeschichtliche Darstellung nennt ebenfalls Aalhorden als Geräte des Aalfangs und beschreibt im selben Zusammenhang Hürden und Wehre, die in Fischgewässern aufgestellt wurden.
Im frühen 20. Jahrhundert war die Bezeichnung noch lexikographisch verständlich. Das deutsch-schwedische Wörterbuch von 1932 verzeichnet Aalhorde/Aalhürde als Fischereibezeichnung.
Danach verschwindet der Ausdruck weitgehend aus dem aktiven deutschen Wortschatz. Das technische Sachfeld wird zunehmend durch Aalwehr, Fischwehr, Fischzaun und modernere Fanggerätebezeichnungen bezeichnet.
Historische Einordnung
Die Aalhorde gehört zur Geschichte der stationären Fischerei. Solche Anlagen unterscheiden sich grundsätzlich von Fanggeräten, die der Fischer bewegt oder auswirft. Der Fangplatz selbst wird technisch verändert, damit Fische in eine kontrollierbare Richtung schwimmen.
Diese Fischereiform war besonders dort effektiv, wo natürliche Wanderwege vorhersehbar waren: an Flussengen, Mündungen, Nebenarmen, Mühlenkanälen, Stauanlagen und küstennahen Gezeitengewässern.
Die wirtschaftliche Attraktivität lag darin, dass eine einmal errichtete Anlage über längere Zeit betrieben werden konnte. Dem standen Bau- und Reparaturaufwand sowie Konflikte mit Schifffahrt, anderen Fischern, Wasserrechten und Fischwanderung gegenüber.
Historische Fischwehre waren deshalb häufig Gegenstand von Herrschafts-, Eigentums- und Nutzungsrechten. Der Besitz eines geeigneten Fangplatzes konnte wirtschaftlich wertvoller sein als ein einzelnes bewegliches Fanggerät.
Die Aalhorde ist in diesem Sinn weniger ein „Gerät“ wie eine Angel als eine kleine wasserbauliche Fanganlage.
Antonyme
Ein eigentliches lexikalisches Antonym zu Aalhorde besteht nicht.
Funktionell lässt sich eine stationäre Aalhorde einem mobilen Fanggerät gegenüberstellen, beispielsweise Aalwade, Aalstecher oder einer unmittelbar geführten Aalangel. Dies ist eine sachliche, keine lexikalische Opposition.
Ebenso steht das den Wanderweg versperrende Fischwehr dem Fischpass beziehungsweise einer Fischtreppe funktionell entgegen: Das eine soll Fische leiten und fangen, das andere ihre Passage ermöglichen. Auch dies ist kein eigentliches Antonympaar.
Synonyme und bedeutungsverwandte Ausdrücke
Aalhürde – historisch belegte Variante mit besonders deutlich erkennbarem Grundwort Hürde.
Aalhurde – seltene beziehungsweise fachsprachliche Form derselben Wortfamilie.
Aalwehr – stationäres Wehr beziehungsweise Pfahl- oder Flechtwerk zum Fangen wandernder Aale; engste sachliche Parallelbezeichnung.
Fischwehr – allgemeiner Ober- und Parallelbegriff für stationäre Sperr- und Leitanlagen zum Fischfang.
Fischzaun – aus Pfählen, Flechtwerk oder anderen Barrieren bestehende Fischfanganlage.
Aalstube – bei Sanders historisch mit Aalhorde verbunden; jüngere Bedeutungen des Wortes sind davon zu trennen.
Aalkasten – stationäre Fangeinrichtung, häufig an Wehren oder Gefällestellen; funktionell verwandt, konstruktiv enger definiert.
Aalsperre – beschreibender Ausdruck für eine Sperreinrichtung zum Aalfang; nicht zwingend historisches Synonym.
Fischgarten – historische beziehungsweise regionale Bezeichnung bestimmter umzäunter Fischfangsysteme.
Fischfalle – allgemeiner Oberbegriff stationärer oder passiver Fangvorrichtungen.
Abgrenzung
Aalhorde und „Horde von Aalen“ sind klar zu trennen. Das historische Kompositum bezeichnet eine Fanganlage. Für eine Gruppe von Aalen müsste man modern beschreibend von einer Ansammlung, Gruppe oder Schar von Aalen sprechen.
Aalhorde und Aalwehr sind eng verwandt. Aalwehr betont die sperrende Funktion, Aalhorde die Bauweise als Flechtwerk beziehungsweise Hürde. Historische Quellen können beide praktisch synonym verwenden.
Aalhorde und Aalreuse unterscheiden sich konstruktiv. Die Reuse ist ein geschlossener Fangkörper mit trichterartigen Kehlen; die Horde ist primär eine feste Leit- und Sperrstruktur. Eine Reuse kann jedoch Bestandteil einer durch eine Horde gebildeten Gesamtanlage sein.
Aalhorde und Aalkasten sind ebenfalls nicht vollständig identisch. Der Aalkasten bildet einen kastenartigen Fangraum oder Rostmechanismus; die Horde ist ein Zaun beziehungsweise Flechtwerk.
Aalhorde und Aalstube dürfen nur in der historischen fischereitechnischen Bedeutung gleichgestellt werden. Moderne Aalstube kann ein Speiselokal oder Verkaufsraum sein.
Aalhorde und Aalhürde sind dagegen orthographisch beziehungsweise regional variierende Formen desselben historischen Gerätetyps.
Kontext
Typische Sachkontexte sind Pfahl, Flechtwerk, Reisig, Weidenrute, Fischwehr, Fischzaun, Fluss, Mündung, Strömung, Aalwanderung, Silberaal, Fangkammer und Reuse.
In wortgeschichtlichen Kontexten treten besonders Hürde, Hurde, Horde, mittelniederdeutsch horde, Flechtwerk und die Abgrenzung zur modernen Gruppenbedeutung von Horde auf.
Kollokationen und Kookkurrenzen
Historisch beziehungsweise sachlich naheliegende Verbindungen sind Aalhorden errichten, Aalhorden im Fluss, mit Aalhorden fangen, Aalhorde aus Flechtwerk, Aalhorde aus Pfählen, Aalhorde zum Aalfang, Aalhorde und Aalwehr sowie stationäre Aalhorde.
Aufgrund der geringen modernen Belegdichte sollten solche Verbindungen nicht sämtlich als statistisch etablierte historische Kollokationen ausgegeben werden. Sicher ist vor allem die feste lexikalische Verbindung des Wortes mit Aalfang, Aalwehr, Aalstube und Fischwehr.
Oberbegriff
Hierarchisch lässt sich die Aalhorde folgendermaßen einordnen: Gegenstand → Anlage → Fanganlage → Fischfanganlage → stationäre Fanganlage → Fischwehr/Fischzaun → Aalhorde.
Nach dem ursprünglichen Material- und Bautyp ist außerdem die Einordnung Flechtwerk → Flechtzaun → Fischzaun → Aalhorde möglich.
Unterbegriffe
Fest lexikalisierte Unterbegriffe von Aalhorde sind nicht zuverlässig überliefert. Die konkrete Konstruktion konnte regional verschieden sein.
Sachlich lassen sich Aalhorden nach Bauweise unterscheiden, beispielsweise Pfahl-Flechtwerk, Rutenhorde, Lattenhorde, V-förmige Leithorde oder Anlagen mit angeschlossener Reuse beziehungsweise Fangkammer. Diese Bezeichnungen sind analytische Beschreibungen und nicht ohne Weiteres historische Lemmata.
Wortfamilie
Zur Wortfamilie des ersten Bestandteils gehören Aal, Aalfang, Aalwehr, Aalkasten, Aalreuse, Aalstube, Aalfanggerät, Aalfischerei und Silberaal.
Zur maßgeblichen Wortfamilie des Grundwortes gehören Hürde, Hurde, das technische Horde, mittelhochdeutsch hurt und althochdeutsch hurd.
Davon zu unterscheiden ist die etymologisch andere Wortfamilie von Horde „Schar“, beispielsweise Menschenhorde, Reiterhorde, Horde von Tieren.
Wortbildung
Aalhorde ist ein semantisch transparentes Determinativkompositum, sofern die historische Bedeutung des Grundwortes bekannt ist.
Die Bedeutungsrelation lautet „Horde/Hürde zum Aalfang“. Aal- bezeichnet also die Zweckbestimmung beziehungsweise den Zielfisch.
Das Wort folgt demselben Grundmuster wie Aalwehr, Aalkorb, Aalreuse und Aalangel: Tiername + Fanggerät.
Polysemie
Für das historische Lemma Aalhorde ist im engeren Sinn nur eine Kernbedeutung sicher: stationäre Fischereianlage beziehungsweise Fischwehr zum Aalfang.
Innerhalb dieser Bedeutung kann der Referenzumfang schwanken. In manchen Quellen bezeichnet das Wort möglicherweise stärker das Flechtwerk selbst, in anderen die gesamte Fangvorrichtung einschließlich der angeschlossenen Fangteile.
Eine moderne spontane Interpretation „Horde von Aalen“ beruht dagegen nicht auf historischer Polysemie des Lemmas, sondern auf der heutigen dominanten Bedeutung des gleichgeschriebenen Grundwortes Horde.
Homonyme und Homographe
Das wichtigste sprachgeschichtliche Problem des Wortes liegt in der Homographie zweier Wörter Horde.
Horde 1: „Schar, Menge, Trupp“ – ein Fremdwort, das über osteuropäische Vermittlung auf türkisch ordu „Heer, Heerlager“ zurückgeht.
Horde 2: „Flechtwerk, Lattengestell, Hürde“ – ein altes germanisches Wort aus der Familie von althochdeutsch hurd.
Aalhorde enthält Horde 2. Die beiden Grundwörter sind synchron gleich geschrieben, etymologisch und semantisch aber verschieden.
Dadurch ist Aalhorde ein besonders anschauliches Beispiel für eine historisch bedingte Homographie, die moderne Fehlinterpretationen begünstigt.
Redewendungen und Sprichwörter
Für Aalhorde sind keine allgemeinsprachlichen Redewendungen oder Sprichwörter bekannt. Das Wort blieb eng an die historische Fischereitechnik gebunden.
Auch Ausdrücke wie „eine ganze Horde“ oder „in Horden auftreten“ gehören ausschließlich zur anderen, gruppenbezeichnenden Bedeutung von Horde und haben mit der Aalhorde keinerlei historischen Zusammenhang.
Metaphern
Eine eigenständige metaphorische Bedeutung von Aalhorde ist nicht etabliert. Das Wort ist ursprünglich konkret-technisch.
Für moderne Sprecher kann zwar die Vorstellung einer „Horde Aale“ scherzhaft wirken; dies ist jedoch eine nachträgliche Interpretation aufgrund des Bedeutungswandels beziehungsweise der Homographie von Horde.
Metonymie
Eine metonymische Erweiterung ist innerhalb der historischen Fischereibedeutung möglich: Der Name des charakteristischen Flechtwerks kann auf die gesamte Fanginstallation einschließlich Reuse, Fangkammer oder Entnahmevorrichtung übertragen werden.
Ein vergleichbarer Teil-für-Ganzes-Übergang ist bei zahlreichen Gerätenamen historisch üblich. Ob einzelne Belege lediglich das Zaunstück oder die gesamte Anlage meinen, muss deshalb aus dem jeweiligen Kontext erschlossen werden.
Register und Sprachstufe
Aalhorde ist heute veraltet, historisch und fischereifachsprachlich. Ohne Erläuterung ist das Wort für moderne Sprecher leicht missverständlich.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert konnte es noch in allgemeinen Wortschatz- beziehungsweise zweisprachigen Wörterbüchern erscheinen. Gegenwärtig ist Aalwehr beziehungsweise Fischwehr wesentlich verständlicher.
In historischen Editionen sollte Aalhorde nicht modernisierend durch „Aalgruppe“ ersetzt werden. Eine erklärende Modernisierung muss vielmehr in Richtung Aalwehr/Fischzaun erfolgen.
Regionale Varianten
Besonders wichtig ist die Variante Aalhürde. Ein deutsch-schwedisches Wörterbuch von 1932 führt ausdrücklich Aalhorde, Aalhürde nebeneinander.
Aalhurde kann als weitere Form aus derselben Wortfamilie begegnen. Hurde ist besonders südwestdeutsch beziehungsweise schweizerisch noch als Bezeichnung einer geflochtenen Wand dokumentiert, während verwandte niederdeutsche Formen horde/hörde historisch weit verbreitet waren.
Der technische Wortschatz des Aalfangs war generell stark regional gegliedert. Neben Aalhorde stehen Aalwehr, Aalstube, Aalkasten und weitere lokale Gerätebezeichnungen.
Aktuelle Statistik
| Lemma | Aalhorde |
|---|---|
| Buchstaben | 8 |
| Silben | 3: Aal-hor-de |
| Wortart | Substantiv |
| Genus | Femininum |
| Plural | Aalhorden |
| Aussprache | [ˈaːlˌhɔʁdə] |
| Historische Variante | Aalhürde |
| Weitere verwandte Schreibform | Aalhurde |
| Kernbedeutung | stationäres Flechtwerk beziehungsweise Fischwehr zum Aalfang |
| Geräteklasse | Fischwehr / Fischzaun / stationäre Fanganlage |
| Historisches Grundwort | Horde = Flechtwerk, Gitter, Hürde |
| Lexikographischer Nachweis | spätestens im 19. Jahrhundert sicher |
| Sanders | Deutscher Sprachschatz 1873–1877: Aalhorde im Wortfeld Aalfang |
| Deutsch-schwedischer Wörterbuchbeleg | 1932: Aalhorde/Aalhürde, Fischwehr zum Aalfang |
| Heutiger Sprachstatus | weitgehend obsolet |
| Nicht gemeint | eine Gruppe beziehungsweise Schar von Aalen |
Häufigkeit und Statistik
| Lemma | Aalhorde |
|---|---|
| Allgemeinsprachliche Gegenwartshäufigkeit | äußerst gering |
| Historischer Gebrauch | in Fischerei- und Wortschatzliteratur belegt |
| Heutige Hauptfundorte | historische Wörterbücher, Digitalisate, fischereigeschichtliche Arbeiten |
| Moderne verständlichere Entsprechungen | Aalwehr, Fischwehr, Fischzaun |
| Besondere Fehlinterpretation | moderne Deutung von Horde als „Schar“ |
| Exakte moderne Korpusfrequenz | ohne definiertes Referenzkorpus nicht belastbar anzugeben |
| Sprachhistorische Einordnung | Sachwortschwund und Bedeutungsverdunkelung des Grundwortes |
Bei Suchmaschinenabfragen ist besondere Vorsicht nötig, weil moderne Trefferfolgen Aal und Horde zufällig nebeneinander enthalten können. Für die Frequenz des historischen Lexems sind daher nur eindeutig fischereitechnische Belege aussagekräftig.
Wortbildung als Erstglied
Aalhorden- ist heute nicht produktiv. Für historische oder wissenschaftliche Beschreibungen sind jedoch transparente Gelegenheitsbildungen wie Aalhordenbau, Aalhordenanlage, Aalhordenfischerei, Aalhordenfang, Aalhordenflechtwerk, Aalhordenpfahl und Aalhordentechnik möglich.
Solche Zusammensetzungen sollten nicht ohne Einzelbeleg als historisch etablierte Lemmata behandelt werden.
Wortbildung als Letztglied
Das vollständige Letztglied -aalhorde ist nicht produktiv. Sprachgeschichtlich wichtiger ist das technische Grundwort -horde „Flechtwerk, Lattengestell“, das auch außerhalb der Fischerei in älteren Fachsprachen vorkommt.
In heutiger Sprache würden entsprechende Neubildungen eher mit -wehr, -zaun, -gitter, -sperre oder -fanganlage gebildet.
Übersetzungen
Altgriechisch: Kein sicher belegter altgriechischer Spezialterminus für die deutsche Aalhorde. Für ein allgemeines Fischwehr kann beschreibend von einem ἰχθυοφραγμός beziehungsweise einer Fischsperre gesprochen werden; für das historische deutsche Gerät ist eine Umschreibung „Fischwehr zum Fang von Aalen“ vorzuziehen.
Lateinisch: kein eindeutiger klassischer Einzelterminus für die Aalhorde; beschreibend saepes piscatoria ad anguillas capiendas – „Fischzaun zum Fang von Aalen“ – oder septum piscatorium anguillarium.
Italienisch: lavoriero per anguille beziehungsweise sbarramento da pesca per anguille – stationäres Fischwehr beziehungsweise Fangzaun für Aale.
Französisch: bordigue à anguilles, beschreibend auch barrage de pêche pour les anguilles beziehungsweise clôture de pêche à anguilles.
Spanisch: encañizada para anguilas beziehungsweise corral de pesca para anguilas – aus Stangen beziehungsweise Flechtwerk bestehende Fischsperre.
Dänisch: ålegård beziehungsweise beschreibend fiskegård til ålefangst. Das dänische fiskegård bezeichnet historisch einen im Gewässer errichteten Fischzaun beziehungsweise eine feste Fischfanganlage.
Schwedisch: ålgård beziehungsweise fiskegård för ålfångst. Das deutsch-schwedische Wörterbuch von 1932 erklärt Aalhorde/Aalhürde ausdrücklich als eine Art fiskegård für den Aalfang.
Norwegisch: beschreibend ålegård, fiskegjerde for ål beziehungsweise fiskeverk for ålefangst.
Finnisch: beschreibend ankeriaspato beziehungsweise kalapato ankeriaan pyyntiin – Fischwehr zum Aalfang.
Polnisch: beschreibend jaz do połowu węgorzy, przegroda do połowu węgorzy beziehungsweise jaz węgorzowy.
Litauisch: beschreibend ungurių gaudymo užtvara beziehungsweise žuvų užtvara unguriams gaudyti – Sperre zum Fang von Aalen.
Estnisch: beschreibend angerjatõke beziehungsweise kalatõke angerjate püüdmiseks.
Lettisch: beschreibend zušu zvejas aizsprosts beziehungsweise zivju aizgalds zušu zvejai.
Slowenisch: beschreibend pregrada za lov jegulj beziehungsweise ribiška pregrada za jegulje.
Slowakisch: beschreibend hať na lov úhorov beziehungsweise rybárska prehrádzka na úhory.
Rumänisch: beschreibend gard de pescuit pentru anghile beziehungsweise baraj de pescuit pentru anghile.
Bulgarisch: beschreibend риболовна преграда за змиорки – Fischsperre zum Aalfang.
Russisch: рыболовный закол для угря beziehungsweise beschreibend заграждение для ловли угря – stationärer Fischzaun beziehungsweise Fangverschluss für Aal.
weitere Sprachen – Englisch: eel weir, gegebenenfalls genauer wickerwork eel weir beziehungsweise eel fishing weir. Horde of eels ist keine Übersetzung des historischen Lemmas.
weitere Sprachen – Niederländisch: aalweer beziehungsweise visweer voor aal; weer bezeichnet eine stationäre Fischsperre.
weitere Sprachen – Portugiesisch: beschreibend caneiro para enguias beziehungsweise barreira de pesca para enguias.
weitere Sprachen – Modernes Griechisch: ιχθυοφραγμός για χέλια – Fischwehr beziehungsweise Fischsperre für Aale.
weitere Sprachen – Japanisch: beschreibend ウナギ漁用の魚柵 – Fischzaun beziehungsweise Fischwehr zum Aalfang.
Bei der Übersetzung muss die historische technische Bedeutung berücksichtigt werden. Wörter für „Horde, Schar, Menge“ sind falsch; gesucht wird stets eine Entsprechung aus dem Bedeutungsfeld Fischwehr, Fischzaun, Flechtwerksperre.
Web-links
Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen – hurt, hurd – wissenschaftliche Etymologie der Wortfamilie Hürde/Hurde/Horde mit den Bedeutungen Flechtwerk, Gitter und Einfriedung.
Duden – Hürde – heutige Bedeutungen und Herkunft aus mittelhochdeutsch hurt und althochdeutsch hurd „Flechtwerk aus Reisern oder Weiden“.
Duden – Hurde – regionale beziehungsweise historische Variante für eine geflochtene Wand; verweist auf die Wortfamilie von Hürde.
Deutsches Rechtswörterbuch – Hürde – historische Belege für Hürde als Flechtwerk aus Reisig oder Holzstäben.
Tysk-svensk ordbok 1932 – Aalhorde/Aalhürde – führt beide deutschen Formen als feminine Fischereibezeichnungen und erklärt sie als Fischwehr für den Aalfang.
Daniel Sanders – Deutscher Sprachschatz 1873–1877 – bibliographische Übersicht des Werkes, in dessen Register Aalhorde dem Aalfang zugeordnet wird.
Daniel Sanders – Deutscher Sprachschatz, Nachdruck – Register mit Aalhorde, Aalstube und Aalwehr im Wortfeld des Aalfangs.
August Lübben – Mittelniederdeutsches Handwörterbuch – dokumentiert âlwer als Pfahl- oder Flechtwerk im Fluss zum Aalfang sowie weitere historische Aalwörter.
Historische Jagdgeschichte – Fischerei und Aalhorden – historische Darstellung, die Aalhorden unter den Geräten des Aalfangs nennt und sie in den Zusammenhang von Hürden und Fischwehren stellt.
Ordbog over det danske Sprog – Fiskegård – erklärt den skandinavischen Parallelbegriff als im See oder Wasserlauf errichteten Zaun zum Fischfang und verweist auf Aal- und Lachsgårde.
Wikimedia Commons – Fishing weirs – internationale Terminologie zu stationären Fischwehren und Fischzäunen, darunter deutsch Fischwehr/Fischzaun und dänisch fiskegård.
Schlei Infozentrum – Geschichte der Schleifischerei – historische Darstellung von Aalwehren, Aalreusen, Aalwaden und weiteren Fangmethoden an der Schlei.