Aalbeerstrauch
Grundbedeutung
Aalbeerstrauch ist ein heute veralteter deutscher Pflanzenname für den Strauch der Schwarzen Johannisbeere, wissenschaftlich Ribes nigrum L. Das Wort bezeichnet also ausdrücklich die Pflanze beziehungsweise das verholzte Gehölz und nicht primär deren einzelne Früchte. Die entsprechenden Früchte heißen historisch Aalbeeren; der Aalbeerstrauch ist der Strauch, an dem diese Früchte wachsen.
Botanisch handelt es sich um einen sommergrünen, stachellosen Strauch aus der Familie der Stachelbeerengewächse (Grossulariaceae). Kennzeichnend sind drei- bis fünflappige, aromatisch riechende Blätter mit gelblichen Drüsen auf der Unterseite, hängende Blütentrauben und kugelige, bei Reife schwarze Beeren. In der heutigen Standardsprache wird fast ausschließlich Schwarzer Johannisbeerstrauch, Johannisbeerstrauch oder einfach Schwarze Johannisbeere verwendet.
Die Schreibform Aalbeerstrauch darf nicht als botanische oder etymologische Beziehung zum Fisch Aal verstanden werden. Das Kompositum ist sekundär aus dem bereits vorhandenen historischen Pflanzennamen Aalbeere und dem Grundwort Strauch gebildet. Die schwierige Herkunft des Erstglieds gehört daher vollständig zur Geschichte von Aalbeere/Ahlbeere/Albeere.
Wortart
Aalbeerstrauch ist ein maskulines Substantiv: der Aalbeerstrauch. Morphologisch handelt es sich um ein substantivisches Determinativkompositum aus Aalbeere und Strauch.
Das Grundwort Strauch bestimmt die grammatischen Eigenschaften des Gesamtwortes: Genus, Flexion und die grundlegende Bedeutungsgruppe. Ein Aalbeerstrauch ist eine Art beziehungsweise ein bestimmter Strauch, nicht eine Art von Beere.
Das Bestimmungswort Aalbeere legt fest, um welchen Strauch es sich handelt: um den Strauch, der die als Aalbeeren bezeichneten Früchte trägt. Die semantische Relation entspricht damit Bildungen wie Himbeerstrauch, Brombeerstrauch und Johannisbeerstrauch.
Aussprache
Die Aussprache lautet [ˈaːlbeːɐ̯ˌʃtʁaʊ̯x]. Der Hauptakzent liegt auf dem ersten Teil Aalbeer-, während Strauch einen Nebenakzent tragen kann. Die Wortform lässt sich lautlich in drei Hauptsilben gliedern: Aal-beer-strauch.
Der erste Vokal ist lang [aː]. Das Element -beere wird in der Zusammensetzung phonologisch reduziert und erscheint ungefähr als [beːɐ̯]. Das Grundwort Strauch enthält den Diphthong [aʊ̯].
Die lange Aussprache des anlautenden Vokals ist historisch mit den Formen Aalbeere/Ahlbeere/Albeere vereinbar und stellt keinen Nachweis dafür dar, dass das Erstglied auf den Tiernamen Aal zurückgeht.
Grammatik
| Lemma | Aalbeerstrauch |
|---|---|
| Wortart | Substantiv |
| Genus | maskulin |
| Artikel | der Aalbeerstrauch |
| Nominativ Singular | der Aalbeerstrauch |
| Genitiv Singular | des Aalbeerstrauchs; des Aalbeerstrauches |
| Dativ Singular | dem Aalbeerstrauch; älter auch dem Aalbeerstrauche |
| Akkusativ Singular | den Aalbeerstrauch |
| Nominativ Plural | die Aalbeersträucher |
| Genitiv Plural | der Aalbeersträucher |
| Dativ Plural | den Aalbeersträuchern |
| Akkusativ Plural | die Aalbeersträucher |
| Worttrennung | Aal|beer|strauch |
| Pluraltrennung | Aal|beer|sträu|cher |
| Aussprache | [ˈaːlbeːɐ̯ˌʃtʁaʊ̯x] |
| Wortbildung | Aalbeere + Strauch |
| Kompositionstyp | substantivisches Determinativkompositum |
| Grundwort | Strauch |
| Bestimmungswort | Aalbeere |
| Alternative historische Form | Ahlbeerstrauch |
| Heutige Bedeutung | veralteter Name des Strauchs der Schwarzen Johannisbeere |
Die Flexion folgt vollständig dem Grundwort Strauch. Der Plural wird mit Umlaut und der Endung -er gebildet: Strauch – Sträucher und dementsprechend Aalbeerstrauch – Aalbeersträucher.
Im Genitiv Singular sind sowohl die kürzere Form Aalbeerstrauchs als auch die längere Form Aalbeerstrauches grammatisch regulär. Gerade in älteren Texten ist die längere Form wahrscheinlicher.
Orthographie
Die reguläre historische Schreibform lautet Aalbeerstrauch. Das Wort wird als Substantiv groß- und als Kompositum zusammengeschrieben.
Die alternative Form Ahlbeerstrauch ist ebenfalls belegt. Sie entspricht der regionalen beziehungsweise historischen Pflanzenbezeichnung Ahlbeere für die Schwarze Johannisbeere.
Schreibungen wie *Aalbeer Strauch entsprechen nicht der deutschen Standardorthographie. Ein Bindestrich Aalbeer-Strauch wäre theoretisch zur besonderen graphischen Hervorhebung möglich, ist für das etablierte historische Wort jedoch weder erforderlich noch die überlieferte Normalform.
Die Form darf außerdem nicht mit Aalbeerenstrauch verwechselt werden. Semantisch wäre eine solche Bildung verständlich, doch das historisch belegte Lemma lautet Aalbeerstrauch ohne zusätzliches -en-.
Gebrauch
Aalbeerstrauch gehört heute zum historischen beziehungsweise veralteten Pflanzenwortschatz. Die Bezeichnung ist nicht mehr die normale Benennung eines Strauches von Ribes nigrum. Moderne Sprecher verwenden gewöhnlich Schwarzer Johannisbeerstrauch, Johannisbeerstrauch oder verkürzt Schwarze Johannisbeere.
Das Wort begegnet vor allem in älteren Wörterbüchern, historischen Gartenbau- und Naturkundetexten, botanischer Literatur des 19. Jahrhunderts sowie in modernen Nachschlagewerken, die veralteten Wortschatz dokumentieren. Ein lexikographischer Beleg wird bereits für Joachim Heinrich Campes Wörterbuch von 1807 angegeben.
Ein anschaulicher historischer Gebrauch findet sich 1839 in einem Text über eine angebliche Methode, Rosen auf andere Gehölze zu okulieren: Dort wird ausdrücklich ein Aalbeerstrauch neben einer Stechpalme genannt. Solche Belege zeigen, dass das Wort damals als reale Pflanzenbezeichnung verstanden wurde und nicht lediglich als Wörterbuchkuriosum existierte.
Bedeutungsbereich
Der primäre Bedeutungsbereich ist die Botanik. Aalbeerstrauch bezeichnet den Strauch der Art Ribes nigrum.
Ein zweiter Bereich ist die Gartenbaugeschichte. Schwarze Johannisbeeren wurden seit Jahrhunderten in Gärten kultiviert, vermehrt, veredelt und zur Fruchtgewinnung genutzt.
Ein dritter Bereich ist der Obstbau. Der Aalbeerstrauch ist ein Beerenobstgehölz, dessen Früchte frisch oder verarbeitet genutzt werden.
Ein vierter Bereich ist die historische Lexikographie. Der Ausdruck dokumentiert die ältere deutsche Bezeichnung Aalbeere in einer transparenten Ableitung für die dazugehörige Pflanze.
Ein fünfter Bereich ist die Dialektologie. Alternative Formen wie Ahlbeerstrauch verweisen auf norddeutsche Varianten des Pflanzennamens.
Ein sechster Bereich ist die Ökologie. Wild vorkommende Schwarze Johannisbeersträucher besiedeln feuchte bis nasse, teilweise überflutete Wälder und Gebüsche.
Lexikon
Aalbeerstrauch ist die historische Bezeichnung für den Strauch der Schwarzen Johannisbeere, Ribes nigrum L. Moderne botanische Taxonomie führt die Art in der Familie Grossulariaceae, der Stachelbeerengewächse, innerhalb der Ordnung Saxifragales. Der wissenschaftliche Name wurde 1753 von Carl von Linné veröffentlicht und wird von Plants of the World Online weiterhin als akzeptierter Artname behandelt.
Das natürliche Areal ist groß. Es reicht von weiten Teilen Europas über Russland und Zentralasien bis in den russischen Fernen Osten. Deutschland gehört nach Kew zum natürlichen Areal der Art. In mehreren weiteren Gebieten wurde die Schwarze Johannisbeere durch Gartenbau und Landwirtschaft eingeführt.
FloraWeb führt Ribes nigrum in Deutschland als einheimische Art. Die Schwarze Johannisbeere wächst wild vor allem in feuchten bis nassen Erlenbrüchen, Auenwäldern und Gebüschen. Zeitweilige Überflutung wird toleriert; zugleich gilt die Art als vergleichsweise nährstoffanspruchsvoll.
Der Aalbeerstrauch ist ein stachelloser, sommergrüner Strauch. FloraWeb nennt für deutsche Wildpflanzen eine typische Höhe von etwa 0,8 bis 1,5 Metern. Kultivierte Sorten und besonders kräftige Exemplare können darüber hinausgehen.
Die Zweige verholzen und verzweigen sich stark. Anders als die Stachelbeere besitzt die Schwarze Johannisbeere keine charakteristischen Stacheln beziehungsweise Sprossdornen. Dieses Merkmal ist bei der Bestimmung hilfreich.
Die Blätter werden ungefähr drei bis zehn Zentimeter breit und sind meist drei- bis fünflappig. Der Mittellappen ist gewöhnlich besonders deutlich entwickelt. Die Blattunterseite trägt zahlreiche gelbliche Drüsen.
Diese Drüsen sind für den ausgeprägten Geruch der Pflanze verantwortlich. Beim Zerreiben eines Blattes entsteht ein starkes, charakteristisches Aroma, das bereits ohne Früchte eine zuverlässige Bestimmungshilfe sein kann.
Gerade dieser Geruch besitzt zugleich sprachhistorische Bedeutung. Sowohl ältere als auch neuere Erklärungen des Namens Aalbeere/Ahlbeere versuchen das ungewöhnliche Erstglied über Geruch oder Geschmack der Pflanze zu erklären.
Die Blütezeit liegt in Deutschland hauptsächlich im April und Mai. Die zwittrigen Blüten stehen in hängenden Trauben, die bei FloraWeb mit ungefähr fünf bis zehn Einzelblüten beschrieben werden.
Die Blüten sind im Vergleich zu vielen Ziersträuchern eher unscheinbar. Die Kronblätter wirken weißlich, während Kelch- und Drüsenelemente weitere Färbungen zeigen können.
Nach der Befruchtung entstehen die charakteristischen Früchte. Sie sind rundlich, bei Reife tiefviolett bis schwarz und stehen in Trauben.
Botanisch handelt es sich tatsächlich um Beeren. Der Name Aalbeere ist damit auch aus morphologischer Sicht bezüglich des Grundwortes Beere passend.
Die Früchte besitzen ein kräftiges süß-säuerliches bis herb-aromatisches Geschmacksprofil. Sie werden frisch gegessen, häufiger aber verarbeitet.
Typische Produkte sind Johannisbeersaft, Gelee, Konfitüre, Sirup, Kompott, Fruchtaufstrich, Süßspeisen und Likör. Die französische Bezeichnung Cassis hat sich auch im Deutschen besonders für Aroma, Fruchtzubereitungen und Getränke etabliert.
Die Schwarze Johannisbeere gehört seit langer Zeit zum europäischen Garten- und Obstbau. Moderne Sorten wurden auf Ertrag, Fruchtgröße, Aroma, gleichmäßige Reife, Widerstandsfähigkeit und maschinelle Erntbarkeit selektiert.
Der historische Aalbeerstrauch bezeichnet jedoch zunächst keinen bestimmten Kultivar, sondern grundsätzlich einen Strauch der Schwarzen Johannisbeere.
Das Wort ist semantisch präziser als Aalbeere, weil es die Pflanze ausdrücklich vom einzelnen Fruchterzeugnis unterscheidet. Während Aalbeere sowohl Pflanze als auch Frucht bezeichnen kann, spezifiziert -strauch eindeutig die Wuchsform.
Diese Verdeutlichung folgt einem produktiven deutschen Muster. Aus Himbeere entsteht Himbeerstrauch, aus Brombeere Brombeerstrauch und aus Johannisbeere Johannisbeerstrauch. Entsprechend wurde aus Aalbeere Aalbeerstrauch.
Die Bildung ist damit wortgeschichtlich jünger als das Grundwort Aalbeere. Mittelniederdeutsch ist bereits ālbēre für die Schwarze Johannisbeere belegt. Der zusammengesetzte Strauchname setzt diese Pflanzenbezeichnung voraus.
Joachim Heinrich Campes Wörterbuch der deutschen Sprache von 1807 wird als früher lexikographischer Beleg des Lemmas Aalbeerstrauch angeführt. Daraus folgt nicht, dass das Wort erst 1807 entstanden wäre; es zeigt lediglich, dass es spätestens zu diesem Zeitpunkt als deutsches Lexem dokumentiert war.
Ein weiterer konkreter Beleg aus dem Jahr 1839 steht in einer naturkundlich-gärtnerischen Erzählung über vermeintliche Veredelungsexperimente. Darin soll eine Rose auf einen Aalbeerstrauch oder eine Stechpalme okuliert werden. Der Beleg zeigt die Einbindung des Wortes in den damaligen Gartenbauwortschatz.
Während des 19. Jahrhunderts konkurrierten verschiedene Benennungen für Ribes nigrum. Neben Aalbeere beziehungsweise Aalbeerstrauch waren unter anderem Ahlbeere, Albeere, Alantbeere, Aalbesing, Gichtbeere und die zunehmend standardisierte Bezeichnung Schwarze Johannisbeere gebräuchlich.
Die Form Ahlbeerstrauch ist als direkte Variante von Aalbeerstrauch belegt. Sie entspricht dem bis heute im norddeutschen Wortschatz weiterlebenden Ahlbeere.
Der heutige Duden behandelt Ahlbeere als norddeutschen Namen der Schwarzen Johannisbeere. Er führt die Form auf mittelniederdeutsch ālbēre zurück.
Für das erste Wortglied erwägt Duden einen Zusammenhang mit einem mittelniederdeutschen āl, das aus adel „Jauche“ zusammengezogen sein könnte. Als Benennungsmotiv wird der auffällige beziehungsweise als unangenehm empfundene Geruch der Beeren genannt.
Diese Erklärung ist ausdrücklich vorsichtig formuliert. Sie steht neben einer älteren etymologischen Tradition, nach der Aalbeere eine Umgestaltung von Alantbeere sei.
Adelung erklärte die Schwarze Johannisbeere als Alantbeere und führte Aalbeere, Ahlbeere, niederdeutsches Albesing und niederländische Formen als veränderte Aussprachen beziehungsweise Schreibungen desselben Namens an. Als Motivation nannte er den herben Geschmack und den auffälligen Geruch, die ihn an Alant erinnerten.
Weigand und andere ältere etymologische Wörterbücher übernahmen oder modifizierten diese Herleitung. Moderne historische Sprachwissenschaft ist zurückhaltender, weil ālbēre bereits im Mittelniederdeutschen eigenständig belegt ist.
Für Aalbeerstrauch selbst ist diese Kontroverse sekundär, aber dennoch wesentlich: Das Wort übernimmt das Erstglied vollständig aus Aalbeere. Seine unmittelbare Wortbildung ist klar, die tiefere Herkunft des Bestimmungswortes dagegen unsicher.
Darum ist eine Erklärung wie „Aalbeerstrauch = Strauch, dessen Beeren etwas mit Aalen zu tun haben“ falsch. Der Fisch Aal besitzt weder botanisch noch kulturgeschichtlich eine belegte Funktion bei der Benennung von Ribes nigrum.
Die moderne botanische Klassifikation ist wesentlich eindeutiger. Ribes nigrum gehört zur Gattung Ribes. Plants of the World Online akzeptiert gegenwärtig zwei infraspezifische Varietäten: Ribes nigrum var. nigrum und Ribes nigrum var. kolymense.
Die typische Varietät besitzt ihr natürliches Areal von Europa über Sibirien bis Zentralasien. Die zweite Varietät ist stärker auf nordöstliche beziehungsweise fernöstliche Gebiete konzentriert.
Für Deutschland ist besonders die typische europäische Form relevant. FloraWeb führt die Art als Nanophanerophyten, also als niedriges verholzendes Gewächs.
Die Wilde Schwarze Johannisbeere besiedelt feuchte Waldgesellschaften und Gebüsche. Damit unterscheidet sich der natürliche Standort teilweise deutlich vom typischen Kulturstandort in Obstgärten.
Gartenkultur hat die Wahrnehmung der Art stark geprägt. Für viele Sprecher ist die Schwarze Johannisbeere heute in erster Linie ein Nutzstrauch, obwohl sie zugleich Bestandteil der einheimischen Flora ist.
Die aktuelle Gefährdungslage in Deutschland ist günstig. FloraWeb und das Rote-Liste-Zentrum führen Ribes nigrum als ungefährdet. Die Art ist nach FloraWeb außerdem nicht besonders nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt.
Dieser biologische Status darf nicht mit dem sprachlichen Status des Wortes Aalbeerstrauch verwechselt werden. Die Pflanze ist gegenwärtig weder ausgestorben noch sprachlich bedeutungslos; nur die historische Bezeichnung Aalbeerstrauch ist weitgehend außer Gebrauch geraten.
Die Wortgeschichte zeigt damit exemplarisch, dass sprachlicher und biologischer Bestand unabhängig voneinander verlaufen können. Eine häufig kultivierte und bekannte Pflanzenart kann unter einem alten Namen fast vollständig aus dem aktiven Wortschatz verschwinden.
Der Bedeutungswandel besteht bei Aalbeerstrauch deshalb weniger in einer Veränderung dessen, was das Wort bezeichnete, als in einer Veränderung seines Gebrauchsstatus. Die Referenz auf Ribes nigrum blieb weitgehend stabil, während das Wort selbst von einer regional beziehungsweise historisch gebrauchten Pflanzenbezeichnung zu einem lexikographischen Archaismus wurde.
Auch morphologisch ist der Ausdruck lehrreich. Das Kompositum enthält kein Fugenelement: Aalbeere + Strauch → Aalbeerstrauch. Dabei fällt das abschließende unbetonte -e von Beere im Kompositionsstamm aus beziehungsweise tritt nicht in Erscheinung; verwendet wird der Stamm Aalbeer-.
Dieses Muster entspricht Johannisbeere → Johannisbeerstrauch, Himbeere → Himbeerstrauch und Brombeere → Brombeerstrauch. Die Wortbildung ist daher morphologisch völlig regulär, obwohl das Bestimmungswort selbst historisch ungewöhnlich ist.
Der semantische Unterschied zwischen Aalbeere und Aalbeerstrauch besteht in der Explizitheit. Aalbeere kann Pflanze oder Frucht heißen; Aalbeerstrauch bezeichnet ausschließlich die verholzte Pflanze beziehungsweise das Gehölz.
Gerade in historischen botanischen Texten konnte diese Differenzierung nützlich sein, wenn Pflanze und Ernteprodukt in demselben Zusammenhang genannt wurden.
Die moderne Entsprechung Schwarzer Johannisbeerstrauch besitzt dieselbe semantische Funktion. In der Praxis wird jedoch häufig einfach Schwarze Johannisbeere gesagt, weil der Kontext erkennen lässt, ob Pflanze oder Frucht gemeint ist.
Lexikographisch sollte Aalbeerstrauch deshalb nicht als selbständige Pflanzenart neben der Schwarzen Johannisbeere behandelt werden. Es handelt sich um einen historischen deutschen Namen derselben Art, der lediglich die Wuchsform ausdrücklich bezeichnet.
Etymologie
| Lemma | Aalbeerstrauch |
|---|---|
| Unmittelbare Bildung | Aalbeere + Strauch |
| Wortbildungstyp | substantivisches Determinativkompositum |
| Grundwort | Strauch |
| Bestimmungswort | Aalbeere |
| Bedeutung | Strauch der Aalbeere, also der Schwarzen Johannisbeere |
| Alternative historische Form | Ahlbeerstrauch |
| Grundform des Bestimmungsworts | Aalbeere; Ahlbeere; Albeere |
| Mittelniederdeutscher Vorläufer | ālbēre |
| Ältere Etymologie | Verbindung mit Alantbeere wegen Geruch beziehungsweise Geschmack |
| Neuere vorsichtige Erklärung | erstes Glied von Ahlbeere möglicherweise zu mittelniederdeutsch āl aus adel „Jauche“ |
| Beziehung zum Tiernamen Aal | nicht historisch belegt |
| Wissenschaftliche Referenz | Ribes nigrum L. |
Die unmittelbare Wortbildung von Aalbeerstrauch ist eindeutig: Das Wort ist aus Aalbeere und Strauch zusammengesetzt. Anders als beim einfachen Lemma Aalbeere besteht hier hinsichtlich der morphologischen Struktur kaum Unsicherheit.
Das Grundwort Strauch geht auf ein altes germanisches Gehölzwort zurück und bezeichnet eine mehrstämmige beziehungsweise von Grund an verzweigte verholzende Pflanze. Es passt botanisch zur Lebensform von Ribes nigrum.
Kompliziert wird die Etymologie erst beim Bestimmungswort Aalbeere. Mittelniederdeutsch ist ālbēre für die Schwarze Johannisbeere belegt. Die Herkunft des ersten Bestandteils ist nicht abschließend geklärt.
Die ältere Wörterbuchtradition leitete Aalbeere von Alantbeere ab. Schwarze Johannisbeeren sollten in Geschmack und Geruch an Alant erinnern; Aalbeere/Ahlbeere/Albeere seien demnach verkürzte beziehungsweise lautlich umgeformte Varianten.
Der moderne Duden behandelt Ahlbeere zurückhaltender und erwägt einen Zusammenhang des ersten Elements mit mittelniederdeutsch āl, möglicherweise aus adel „Jauche“, ebenfalls auf Grundlage eines Geruchsmotivs.
Die Etymologie des Gesamtwortes ist deshalb zweistufig zu formulieren: Aalbeerstrauch selbst ist transparent aus Aalbeere + Strauch gebildet; die tiefere Herkunft von Aalbeere bleibt im ersten Bestandteil unsicher.
Wortgeschichte
Die Wortgeschichte setzt die ältere Bezeichnung Aalbeere voraus. Mittelniederdeutsch ālbēre war bereits als Name der Schwarzen Johannisbeere vorhanden, bevor das verdeutlichende Kompositum mit -strauch gebildet wurde.
Aalbeerstrauch ist spätestens zu Beginn des 19. Jahrhunderts lexikographisch dokumentiert. Für Campes Wörterbuch der deutschen Sprache von 1807 wird das Lemma als historischer Beleg angeführt.
Ein literarisch-publizistischer Nachweis aus 1839 verwendet das Wort in einem gärtnerischen Zusammenhang und spricht davon, eine Rose auf einen Aalbeerstrauch zu okulieren. Damit ist klar, dass der Ausdruck auch außerhalb reiner Wörterbuchdefinitionen verwendet wurde.
Im 19. Jahrhundert konnte der Begriff noch verständlich sein, weil Aalbeere als regionale beziehungsweise historische Bezeichnung der Schwarzen Johannisbeere ebenfalls lebendig war.
Mit der zunehmenden Durchsetzung von Johannisbeere und speziell Schwarze Johannisbeere verlor das Kompositum an Funktion. Der neue Standardname bildete seinerseits Johannisbeerstrauch.
Im 20. und 21. Jahrhundert blieb Aalbeerstrauch im Wesentlichen als Wörterbuch- und Archivwort erhalten. Die alternative Form Ahlbeerstrauch ist ebenfalls dokumentiert, während Ahlbeere als norddeutsche Regionalform eine höhere Restlebendigkeit besitzt.
Historische Einordnung
Historisch gehört Aalbeerstrauch in die Zeit vor der vollständigen Standardisierung deutscher Pflanzennamen. Regionale und dialektale Bezeichnungen waren vielfältig, und dieselbe Art konnte je nach Landschaft unter ganz verschiedenen Namen bekannt sein.
Die wissenschaftliche Binomenbildung Ribes nigrum schuf seit 1753 eine international eindeutige botanische Referenz. Deutsche Volksnamen blieben dennoch weiterhin parallel bestehen.
Im 18. und 19. Jahrhundert war es üblich, wissenschaftliche lateinische Namen und mehrere deutsche Regionalnamen nebeneinander aufzuführen. Aalbeere und Aalbeerstrauch gehören in diese Übergangsphase zwischen Volksbotanik und standardisierter Fachnomenklatur.
Dass das Wort um 1800 noch lexikographisch erfasst wurde, zeigt die damalige Relevanz der Bezeichnung. Dass es heute fast unbekannt ist, dokumentiert die langfristige Vereinheitlichung der deutschen Pflanzenbenennung.
Antonyme
Aalbeerstrauch besitzt kein lexikalisches Antonym. Pflanzennamen und Gehölzbezeichnungen bilden keine regulären Gegensatzpaare.
Roter Johannisbeerstrauch oder Weißer Johannisbeerstrauch stehen als obstbauliche Kontrastbegriffe zur Schwarzen Johannisbeere, sind aber keine Antonyme.
Auch Stachelbeerstrauch, Himbeerstrauch oder Brombeerstrauch sind lediglich benachbarte Pflanzenbezeichnungen.
Synonyme und bedeutungsverwandte Ausdrücke
Schwarzer Johannisbeerstrauch – heutige transparente Bezeichnung für einen Strauch von Ribes nigrum.
Johannisbeerstrauch – allgemeinerer Name für einen Strauch der Johannisbeeren; ohne Zusatz nicht ausschließlich Ribes nigrum.
Schwarze Johannisbeere – heutiger Standardname der Pflanze und ihrer Frucht.
Aalbeere – historischer Name der Pflanze beziehungsweise Frucht; unmittelbare Grundlage des Kompositums.
Ahlbeere – norddeutsche Regionalform von Aalbeere.
Ahlbeerstrauch – historische alternative Form von Aalbeerstrauch.
Albeere – ältere historische Namensform.
Alantbeere – ältere Bezeichnung, mit der Aalbeere etymologisch traditionell verbunden wurde.
Gichtbeere – historischer Name der Schwarzen Johannisbeere im Zusammenhang mit medizinischer Verwendung.
Schwarze Ribisel – österreichische Bezeichnung für Ribes nigrum.
Cassissier – französischer Pflanzenname beziehungsweise in deutschsprachigem Spezialkontext gelegentlich verwendete Fremdbezeichnung.
Ribes nigrum – wissenschaftlicher Artname.
Abgrenzung
Aalbeerstrauch ist von Aalbeere zu unterscheiden. Aalbeere kann sowohl die Pflanze als auch die Frucht bezeichnen; Aalbeerstrauch bezeichnet eindeutig den Strauch.
Von Aakerbeere beziehungsweise einem möglichen Aakerbeerenstrauch besteht keinerlei botanischer Zusammenhang. Aakerbeere bezeichnet Rubus arcticus, eine Art aus den Rosengewächsen.
Vom Aal ist das Wort etymologisch ebenfalls abzugrenzen. Der Fisch bildet nicht die nachgewiesene Grundlage des Pflanzennamens.
Johannisbeerstrauch ist weiter gefasst. Auch Sträucher von roten, weißen oder anderen Johannisbeeren können so bezeichnet werden. Aalbeerstrauch ist historisch spezifisch auf die Schwarze Johannisbeere bezogen.
Vom Stachelbeerstrauch unterscheidet sich Ribes nigrum unter anderem durch das Fehlen von Stacheln und die in Trauben angeordneten schwarzen Früchte.
Kontext
Zum botanischen Kontext gehören Ribes nigrum, Ribes, Grossulariaceae, Schwarze Johannisbeere, Strauch, Gehölz, Blatt, Drüse, Blütentraube, Beere und Obststrauch.
Zum gärtnerischen Kontext gehören pflanzen, schneiden, vermehren, düngen, ernten, Sorte, Obstgarten, Beerenobst, Fruchtstrauch und Kulturpflanze.
Zum historischen Wortfeld gehören Aalbeere, Ahlbeere, Albeere, Alantbeere, Aalbesing, Ahlbeerstrauch, Johannisbeerstrauch und Gichtbeere.
Zum ökologischen Kontext gehören Erlenbruch, Auenwald, Gebüsch, Feuchtboden, nasser Standort, Überschwemmung und Nährstoffreichtum.
Kollokationen und Kookkurrenzen
ein Aalbeerstrauch – typische historische Singularverbindung.
Aalbeersträucher pflanzen – gärtnerisch mögliche historische Verwendung.
Aalbeerstrauch im Garten – kulturbezogener Kontext.
Früchte des Aalbeerstrauchs – Verdeutlichung der Beziehung zwischen Pflanze und Aalbeeren.
Zweige des Aalbeerstrauchs – botanisch-gärtnerische Beschreibung.
Blätter des Aalbeerstrauchs – botanischer beziehungsweise heilpflanzenkundlicher Kontext.
Aalbeerstrauch okulieren – historischer Gartenbaukontext, wie er in einem Beleg von 1839 erscheint.
schwarzer Johannisbeerstrauch – moderne semantische Entsprechung.
Oberbegriff
Lexikologisch lautet die Hierarchie: Wort → Substantiv → Pflanzenname → Gehölzbezeichnung → historischer Pflanzenname → Aalbeerstrauch.
Botanisch lautet die Hierarchie: Lebewesen → Pflanze → Bedecktsamer → Saxifragales → Grossulariaceae → Ribes → Ribes nigrum → Aalbeerstrauch.
Nach Lebensform: Pflanze → Gehölz → Strauch → Beerenstrauch → Johannisbeerstrauch → Schwarzer Johannisbeerstrauch/Aalbeerstrauch.
Nach Nutzung: Kulturpflanze → Obstgehölz → Beerenobstgehölz → Schwarzer Johannisbeerstrauch.
Unterbegriffe
Aalbeerstrauch bezeichnet keinen übergeordneten Gattungsbegriff, sondern grundsätzlich die Art Ribes nigrum. Strenge lexikalische Unterbegriffe existieren daher nicht.
Botanisch können Sträucher der beiden gegenwärtig von Plants of the World Online akzeptierten Varietäten unterschieden werden: Ribes nigrum var. nigrum und Ribes nigrum var. kolymense.
Im Gartenbau existieren zahlreiche Sorten. Ein Aalbeerstrauch einer bestimmten Sorte wäre entsprechend ein spezieller Kulturstrauch, ohne dass daraus eigene historische Wörterbuchbedeutungen des Lemmas entstehen.
Funktional lassen sich außerdem Wildstrauch und Kulturstrauch unterscheiden. Die Begriffe bezeichnen unterschiedliche Herkunfts- und Nutzungskontexte, nicht unterschiedliche Arten.
Wortfamilie
Unmittelbar zur Wortfamilie gehören Aalbeere, Aalbeeren und Aalbeerstrauch. Historisch eng verwandt beziehungsweise variantenhaft verbunden sind Ahlbeere, Ahlbeerstrauch, Albeere, Alantbeere und Aalbesing.
Zum Grundwort Strauch gehören Johannisbeerstrauch, Himbeerstrauch, Brombeerstrauch, Stachelbeerstrauch und zahlreiche weitere Gehölzbezeichnungen.
Die scheinbare Zugehörigkeit zur Wortfamilie des Fisches Aal ist dagegen etymologisch nicht begründet. Aalauge, Aalfang oder Aalhaut besitzen ein anderes Erstglied in historischer Bedeutung.
Wortbildung
Die Wortbildung ist synchron eindeutig:
Aalbeere + Strauch → Aalbeerstrauch.
Dabei wird der Kompositionsstamm Aalbeer- verwendet. Das unbetonte abschließende -e von Beere erscheint im Kompositum nicht.
Dasselbe morphologische Muster findet sich in:
Himbeere → Himbeerstrauch
Brombeere → Brombeerstrauch
Johannisbeere → Johannisbeerstrauch
Das Grundwort Strauch bestimmt die Kategorie des Ganzen. Der erste Bestandteil spezifiziert, welcher Strauch gemeint ist.
Die tiefere historische Analyse reicht jedoch in das Bestimmungswort hinein. Aalbeere geht auf ältere Formen wie mittelniederdeutsch ālbēre zurück; daher ist das Element Aal- nicht produktiv als Tierbezeichnung zu interpretieren.
Polysemie
Aalbeerstrauch besitzt keine ausgeprägte Polysemie. Seine Hauptbedeutung ist relativ eindeutig: Strauch der Schwarzen Johannisbeere.
Im Gegensatz zum Wort Aalbeere besteht keine regelmäßige Doppeldeutigkeit zwischen Pflanze und Frucht. Das Grundwort Strauch schließt die Fruchtbedeutung weitgehend aus.
Metonymisch kann das Wort in historischen Texten dennoch für den Pflanzenbestand, das Holz beziehungsweise die Zweige oder den als Nutzpflanze behandelten Strauch stehen. Diese Lesarten bleiben jedoch innerhalb derselben botanischen Grundbedeutung.
Die stärkste Variation betrifft nicht die Bedeutung, sondern die Form: Aalbeerstrauch und Ahlbeerstrauch sind Varianten desselben historischen Pflanzenwortes.
Homonyme und Homographe
Für Aalbeerstrauch sind keine etablierten etymologisch unabhängigen Homonyme mit identischer Standardschreibung bekannt. Das Wort besitzt eine klar umrissene historische Pflanzenbedeutung.
Eine scheinbare semantische Fehlanalyse kann jedoch durch die Buchstabenfolge Aal entstehen. Wer das Wort nicht kennt, könnte an einen „Strauch des Aals“ denken. Diese Interpretation ist weder botanisch noch etymologisch begründet.
Verwechslungsgefahr besteht ferner mit Aakerbeerstrauch beziehungsweise möglichen Ableitungen zu Aakerbeere. Die beiden Pflanzen gehören unterschiedlichen Familien an und besitzen keine unmittelbare botanische Beziehung.
Ahlbeerstrauch ist kein Homonym, sondern eine historische Schreib- und Lautvariante.
Ebenso ist Johannisbeerstrauch kein Homonym, sondern die moderne übergeordnete beziehungsweise synonyme Benennung im entsprechenden Kontext.
Redewendungen und Sprichwörter
Mit Aalbeerstrauch sind keine allgemein bekannten deutschen Redewendungen oder Sprichwörter verbunden.
Das Wort war vor allem botanisch, gärtnerisch und regional geprägt und entwickelte offenbar keine überregionale phraseologische Verwendung.
Phraseologismen mit dem Tierwort Aal, etwa glatt wie ein Aal, haben mit Aalbeerstrauch nichts zu tun und dürfen trotz der heutigen Schreibform nicht zur Bedeutungs- oder Wortgeschichte des Pflanzennamens gerechnet werden.
Metaphern
Eine fest lexikalisierte metaphorische Bedeutung von Aalbeerstrauch ist nicht bekannt. Das Wort bezeichnet konkret ein Pflanzenindividuum beziehungsweise einen Strauch der Schwarzen Johannisbeere.
Literarisch könnte ein Aalbeerstrauch selbstverständlich als Symbol für Garten, Kindheit, Sommer, ländliches Leben oder Fruchtbarkeit verwendet werden. Solche Bedeutungen wären jedoch textabhängige Metaphern und keine lexikalischen Bedeutungen.
Auch das heutige Element Aal begründet keine traditionelle Tiermetapher innerhalb dieses Wortes.
Metonymie
Metonymisch kann Aalbeerstrauch für die Gesamtheit der Pflanze einschließlich ihrer Früchte stehen. Ein Satz wie der Aalbeerstrauch brachte eine gute Ernte bezeichnet das Gehölz, meint funktional aber zugleich dessen Fruchtproduktion.
In gärtnerischen Zusammenhängen kann der Pflanzenname außerdem für einen Sortentyp oder eine Pflanzstelle stehen: drei Aalbeersträucher setzen meint drei Pflanzenexemplare.
Historisch kann der Strauchname auch stellvertretend für Zweige oder Pflanzenmaterial stehen, wenn diese gepfropft, geschnitten oder medizinisch verwendet werden.
Register und Sprachstufe
Aalbeerstrauch ist heute veraltet. Das Wort gehört nicht zum normalen aktuellen Standardwortschatz der Botanik oder des Gartenbaus.
Sein Register ist heute historisch, lexikographisch, dialektologisch oder antiquarisch. In Editionen älterer Texte sollte das Wort erklärt werden.
Die alternative Form Ahlbeerstrauch ist ebenfalls historisch beziehungsweise regional. Das zugrunde liegende Ahlbeere wird dagegen noch als norddeutsche Regionalbezeichnung geführt.
In gegenwärtiger neutraler Sprache ist Schwarzer Johannisbeerstrauch oder Schwarze Johannisbeere vorzuziehen.
Regionale Varianten
Die wichtigsten Varianten sind Aalbeerstrauch und Ahlbeerstrauch. Sie entsprechen dem norddeutschen und niederdeutschen Variantenfeld Aalbeere – Ahlbeere – Albeere.
Das zugrunde liegende mittelniederdeutsche ālbēre weist auf ein historisches Schwerpunktgebiet im niederdeutschen Sprachraum.
Weiter südlich und in Österreich dominieren andere Benennungen. In Österreich heißt die Schwarze Johannisbeere gewöhnlich Schwarze Ribisel; entsprechend wäre Ribiselstrauch möglich.
Im Niederländischen steht heute zwarte bes für die Frucht; die historische Form aalbes gehört zum verwandten älteren Wortfeld.
Aktuelle Statistik
| Lemma | Aalbeerstrauch |
|---|---|
| Wortart | Substantiv |
| Genus | maskulin |
| Plural | Aalbeersträucher |
| Buchstaben | 14 |
| Silben | 3 |
| Aussprache | [ˈaːlbeːɐ̯ˌʃtʁaʊ̯x] |
| Alternative Form | Ahlbeerstrauch |
| Gebrauchsstatus | veraltet |
| Moderne Bezeichnung | Schwarzer Johannisbeerstrauch |
| Wissenschaftlicher Name | Ribes nigrum L. |
| Taxonomischer Status 2026 | akzeptierte Art |
| Familie | Grossulariaceae |
| Gattung | Ribes |
| Akzeptierte Varietäten bei Kew | 2 |
| Natürliches Areal | Europa bis russischer Ferner Osten und Zentralasien |
| Floristischer Status Deutschland | einheimisch |
| Rote-Liste-Status Deutschland | ungefährdet |
| Gesetzlicher Schutz Deutschland | nicht besonders geschützt |
| Typische Höhe nach FloraWeb | 0,8–1,5 m |
| Blütezeit Deutschland | April–Mai |
| Historischer Wörterbuchbeleg | spätestens 1807 dokumentiert |
| Stand | September 2026 |
Die biologischen Gegenwartsdaten beziehen sich auf die Art Ribes nigrum. Der historische Name Aalbeerstrauch wird in modernen amtlichen Floren nicht als bevorzugte Bezeichnung verwendet.
Die Art selbst ist in Deutschland einheimisch und ungefährdet. Die sprachliche Form Aalbeerstrauch ist dagegen fast vollständig aus dem aktiven Wortschatz verschwunden.
Häufigkeit und Statistik
| Lemma | Aalbeerstrauch |
|---|---|
| Aktuelle Worthäufigkeit | äußerst gering |
| Sprachstatus | veraltet |
| Historische Verwendungsfelder | Botanik, Gartenbau, Wörterbücher, regionale Pflanzennamen |
| Moderne Verwendungsfelder | historische Lexikographie, Dialektologie, Editionskommentar |
| Lexikographisch dokumentierte Flexion | Aalbeerstrauch – Aalbeersträucher |
| Früher dokumentierter Wörterbuchnachweis | Campes Wörterbuch, 1807 |
| Historischer Textbeleg | 1839 |
| Universelle moderne Korpusfrequenz | ohne festgelegtes Referenzkorpus nicht seriös anzugeben |
Eine exakte absolute moderne Frequenz ist wenig aussagekräftig, weil der größte Teil der heutigen Treffer aus Wörterbuchkopien, historischen Digitalisaten oder metasprachlichen Erklärungen stammen dürfte.
Hinzu kommen orthographische Varianten wie Ahlbeerstrauch. Eine Suche nur nach der Form Aalbeerstrauch würde deshalb bereits die historische Gesamtverwendung unterschätzen.
Qualitativ ist die Situation klar: Das Wort ist historisch belegt, heute aber nahezu vollständig durch Schwarzer Johannisbeerstrauch beziehungsweise Schwarze Johannisbeere verdrängt.
Wortbildung als Erstglied
Aalbeerstrauch- ist kein produktives Erstglied im gegenwärtigen Deutschen. Denkbare historische oder metasprachliche Zusammensetzungen wären Aalbeerstrauchzweig, Aalbeerstrauchblatt, Aalbeerstrauchbestand oder Aalbeerstrauchkultur.
Solche Bildungen sind semantisch verständlich, aber kaum lexikalisiert und heute wegen des veralteten Grundwortes ungewöhnlich.
Moderne Entsprechungen würden eher mit Johannisbeerstrauch- oder direkt mit Johannisbeer- gebildet.
Wortbildung als Letztglied
-Aalbeerstrauch ist kein produktives Wortbildungselement. Das vollständige Lexem bildet selbst das Ende einer historischen Wortbildungskette:
ālbēre → Aalbeere/Ahlbeere → Aalbeerstrauch/Ahlbeerstrauch.
Das allgemein produktive Grundwort ist dagegen -strauch. Es erscheint in zahlreichen Pflanzenbezeichnungen wie Himbeerstrauch, Brombeerstrauch, Johannisbeerstrauch, Rosenstrauch und Haselnussstrauch.
Übersetzungen
| Lemma | Aalbeerstrauch |
|---|---|
| Bedeutung | Strauch der Schwarzen Johannisbeere, Ribes nigrum |
| Altgriechisch | kein sicher belegter antiker Artname für Ribes nigrum; moderne botanische Wiedergabe über den wissenschaftlichen Namen |
| Lateinisch | Ribes nigrum; beschreibend frutex Ribis nigri |
| Italienisch | arbusto di ribes nero; pianta di ribes nero |
| Französisch | cassissier; groseillier noir |
| Spanisch | grosellero negro |
| Englisch | blackcurrant bush; blackcurrant shrub |
| Niederländisch | zwartebessenstruik; zwarte-bessenstruik |
| Schwedisch | svartvinbärsbuske |
| Dänisch | solbærbusk |
| Norwegisch | solbærbusk |
| Finnisch | mustaherukkapensas |
| Polnisch | krzew czarnej porzeczki |
| Russisch | куст чёрной смородины |
Die Übersetzungen beziehen sich auf die bezeichnete Pflanze, also den Strauch von Ribes nigrum. Eine wörtliche Übersetzung des scheinbaren Bestandteils Aal wäre falsch. Englisches eel berry bush oder entsprechende Bildungen in anderen Sprachen geben die historische Bedeutung nicht wieder.
Im Englischen ist blackcurrant bush die natürlichste Entsprechung. Französisch cassissier ist besonders präzise, weil es ausdrücklich die Pflanze bezeichnet, während cassis zugleich die Frucht benennen kann.
Spanisch grosellero negro bezeichnet ebenfalls den Strauch und unterscheidet sich damit vom Fruchtnamen grosella negra. Italienisch verwendet häufig analytische Formen wie pianta di ribes nero oder arbusto di ribes nero.
Für Altgriechisch sollte kein künstlicher antiker Pflanzenname erzeugt werden. Für moderne botanische Eindeutigkeit ist der internationale wissenschaftliche Name Ribes nigrum vorzuziehen.