Antonio da Tempo
Überblick
Antonio da Tempo war ein Paduaner Jurist, Ratsherr, Diplomat, Dichter und Metriker des 14. Jahrhunderts. Er wurde wahrscheinlich um 1275 oder gegen Ende des 13. Jahrhunderts in Padua geboren und ist nach 1339 nicht mehr sicher greifbar. Seine kulturelle Bedeutung liegt vor allem in der Summa artis rithimici vulgaris dictaminis, die er 1332 verfasste und Alberto della Scala widmete. Dieses Werk gilt als erster systematischer Traktat zur italienischen Metrik und zur Formenlehre der volkssprachlichen Reimdichtung.
Antonio stammte aus einer alten Paduaner Familie ghibellinischer Richtung. Er teilte als Ratsherr, Diplomat und Anhänger der Scaligeri die politischen Brüche seiner Stadt. Für Padua, Verona und Vicenza war die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts eine Phase städtischer Parteiungen, Herrschaftswechsel, Exile und politischer Klientelbindungen. Antonio ist daher nicht nur als Literat, sondern auch als Teil einer städtischen Elite zu verstehen, in der Rechtswissen, Diplomatie, Parteizugehörigkeit und literarische Bildung zusammengehörten.
Seine Summa ist in lateinischer Sprache abgefasst, enthält aber zahlreiche volkssprachliche Beispiele. Damit steht sie genau an der Schwelle zwischen gelehrter lateinischer Regelkultur und italienischer Literaturpraxis. Antonio beschreibt und exemplifiziert Formen wie Sonett, Ballata, Canzone, Madrigal, Serventese, Rotundellus und Motus confectus. Für die Geschichte der Lyrik ist dieses Werk deshalb eine Schaltstelle zwischen Praxis, Normierung und Unterricht.
Für ein Kulturlexikon mit lyrik- und musikbezogener Ausrichtung ist Antonio da Tempo besonders wichtig, weil seine Formenlehre die Schnittstelle von Poesie, Reim, Strophe, Gesang und metrischer Praxis berührt. Der Begriff rithimus meint nicht einfach „Rhythmus“ im modernen musikalischen Sinn, sondern die geregelte volkssprachliche Reimdichtung. Gleichwohl sind Formen wie Ballata, Madrigal und Rotundellus historisch eng mit musikalischer Praxis, Tanz- und Liedkultur verbunden. Antonio liefert daher kein Musiktraktat, aber einen grundlegenden Text zur Formwelt, aus der viele musikalisch relevante Lyrikgattungen des Trecento hervorgehen.
Kurzdaten
| Name | Antonio da Tempo. |
|---|---|
| Weitere Namensformen | Antonio da Tempo da Padova, Antonio da Tempo di Padova, Antonius de Tempo, Antonius de Tempore, Da Tempo, Antonio. |
| Geburt | Wahrscheinlich um 1275 beziehungsweise gegen Ende des 13. Jahrhunderts in Padua. |
| Tod | Nach 1339; der Sterbeort ist unbekannt. |
| Beruf | Jurist, Richter, Ratsherr, Diplomat, Dichter, Metriker und Autor eines lateinischen Traktats zur italienischen Reimdichtung. |
| Familie | Alte Paduaner Familie ghibellinischer Richtung; sein Vater wird als Buzzacarino di Antonio Panevino genannt. |
| Politische Bindung | Anhänger der Scaligeri beziehungsweise scaligerisch-ghibellinisches Milieu in Padua, Verona und Vicenza. |
| Nachweise | Als Richter in Padua 1324 und bis 1337 greifbar; nach dem Fall der scaligerischen Herrschaft in Padua 1338 in Vicenza; eine Signatur beziehungsweise ein Dokumentnachweis ist noch 1339 überliefert. |
| Hauptwerk | Summa artis rithimici vulgaris dictaminis, 1332. |
| Sprache des Hauptwerks | Latein mit volkssprachlichen, überwiegend italienischen beziehungsweise norditalienischen Beispielen. |
| Widmung | Alberto della Scala. |
| Behandelte Formen | Sonett, Ballata, Canzone, Rotundellus, Madrigal, Serventese und Motus confectus sowie verwandte Reim- und Strophenformen. |
| Kulturgeschichtliche Bedeutung | Erster systematischer Traktat zur italienischen Metrik und volkssprachlichen Reimdichtung, bedeutsam für Lyrik, Reimlehre, Gattungslehre, Trecento und die Vorgeschichte späterer poetologischer Normierung. |
| Datei | tempo-antonio-da.shtml. |
Name, Familie und Quellenlage
Die moderne Lemmaform lautet Antonio da Tempo. Der Familienname da Tempo ist hier nicht wie bei bloßen Herkunftsnamen als Ortszusatz zu behandeln, sondern als etablierte Namensform einer Paduaner Familie. Für die Dateibezeichnung wird daher die Sortierform tempo-antonio-da.shtml verwendet. Lateinische oder normalisierende Formen wie Antonius de Tempo und Antonius de Tempore können in Katalogen und älterer Literatur begegnen.
Die biographische Quellenlage ist besser als bei vielen Trecento-Dichtern, aber keineswegs vollständig. Treccani beschreibt Antonio als Angehörigen einer alten Paduaner Familie, deren Häuser im Domviertel lagen. Sein Vater Buzzacarino di Antonio Panevino war Richter. Antonio selbst erscheint ebenfalls als Richter und politisch handelnde Person. Die literarische Überlieferung verbindet sich somit mit städtischer Rechts- und Verwaltungsgeschichte.
Die Geburtsangabe „um 1275“ ist als Näherung zu verstehen. Einige ältere und moderne Darstellungen sprechen allgemein vom Ende des 13. Jahrhunderts oder von den frühen Jahren des 14. Jahrhunderts. Da Antonio 1324 bereits als Richter in Padua greifbar ist und 1332 eine gelehrte Summa verfasst, ist eine Geburt im späten 13. Jahrhundert plausibel. Ein exaktes Geburtsjahr ist jedoch nicht gesichert.
Auch der Tod ist nur annähernd zu bestimmen. Antonio wird nach 1339 nicht mehr sicher fassbar. Der Sterbeort ist unbekannt. Die Formulierung „† nach 1339, Ort unbekannt“ ist daher quellenkritisch präziser als eine freie Festlegung auf Padua, Vicenza oder einen anderen Ort.
Leben, Politik und Exil
Antonio da Tempo wuchs in einer politisch bewegten Stadt auf. Padua war im 14. Jahrhundert ein Zentrum gelehrter Kultur, städtischer Verwaltung und juristischer Ausbildung, zugleich aber in die Konflikte zwischen guelfischen und ghibellinischen Kräften, kommunaler Autonomie und Signorien eingebunden. Antonios Familie gehörte zur ghibellinischen Richtung und stand den Scaligeri nahe.
Die Familie wurde während der paduanischen Parteikonflikte zeitweise aus der Stadt verdrängt. Die ältere Überlieferung nennt Exilphasen in den Jahren 1312 bis 1318 und 1319 bis 1321; auch ein Aufenthalt in Venedig wird genannt. Diese Erfahrungen sind für Antonios kulturelles Profil wichtig, weil sie erklären, warum ein Paduaner Jurist zugleich in einem überlokalen scaligerischen Netzwerk handelte.
1324 erscheint Antonio als Richter in Padua. Sein Name ist noch bis 1337 im Zusammenhang der Paduaner Richterlisten greifbar. Nach dem Ende der scaligerischen Herrschaft in Padua im Jahr 1338 wich er nach Vicenza aus. Dort ist er 1339 noch durch eine Signatur beziehungsweise einen Dokumentzusammenhang nachweisbar. Danach verliert sich seine Spur.
Antonio war also kein rein kontemplativer Autor. Er war ein Mann der Verwaltung, des Rechts, der Diplomatie und der Partei. Diese soziale Stellung prägt auch die Summa. Der Traktat ordnet die volkssprachliche Dichtung mit juristisch-scholastischer Klarheit: Definition, Einteilung, Beispiel und Regel werden zu einem System verbunden. Seine Literaturtheorie trägt erkennbar den Geist eines gebildeten Juristen und Amtsträgers.
Scaligeri, Padua und ghibellinisches Milieu
Die Bindung an die Scaligeri ist für Antonio da Tempo zentral. Die Scaligeri herrschten in Verona und griffen im 14. Jahrhundert weit in die Politik Norditaliens ein. Für ghibellinisch orientierte Paduaner Familien konnten sie Schutzmacht, Karrierehorizont und politischer Bezugspunkt sein. Antonios Widmung der Summa an Alberto della Scala ist daher nicht bloß literarische Höflichkeit, sondern Teil einer politischen und patronalen Ordnung.
Padua selbst war ein Ort von Universität, Recht, Literatur, Notariat und städtischem Selbstbewusstsein. Das erklärt Antonios Doppelfunktion als Jurist und Metriker. Wer im kommunalen und signorialen Umfeld handeln wollte, brauchte rhetorische Bildung, lateinische Schriftfähigkeit, Urteilsvermögen und soziale Formkenntnis. Die Beschäftigung mit volkssprachlicher Dichtung war in diesem Milieu nicht nur Liebhaberei, sondern eine Form kultureller Kompetenz.
Vicenza wird durch Antonios spätere Spur wichtig. Nach 1338 war Padua für scaligerische Anhänger unsicher. Antonios Ausweichen nach Vicenza zeigt, dass seine politische Zugehörigkeit konkrete biographische Folgen hatte. Die Summa ist also vor dem Hintergrund eines mobilen, gefährdeten, aber bildungsstarken norditalienischen Elitenmilieus zu lesen.
Die Summa artis rithimici vulgaris dictaminis
Die Summa artis rithimici vulgaris dictaminis wurde 1332 verfasst. Sie ist ein lateinischer Traktat über die Kunst des volkssprachlichen Reimens und Dichtens. Der Titel verbindet mehrere Begriffswelten: summa bezeichnet eine systematische Zusammenfassung; ars verweist auf regelgeleitete Kunst; rithimicus bezeichnet die Reim- und Verspraxis; vulgaris dictaminis meint die volkssprachliche Ausdrucks- und Dichtungskunst.
Das Werk richtet sich an Dichter und Reimkundige, die weniger gelehrt sind als der lateinisch geschulte Autor. Antonio will Regeln bereitstellen, Begriffe klären und Formen durch Beispiele zeigen. Dabei verwendet er Latein als Sprache der Normierung, doch seine Beispiele sind volkssprachlich. Gerade diese Spannung macht die Summa historisch wichtig: Die italienische Dichtung wird in einer lateinischen Wissensform systematisiert.
Die Summa behandelt die wichtigsten poetischen Formen der italienischen Lyrik: Sonett, Ballata, Canzone, Rotundellus, Madrigal, Serventese und Motus confectus. Antonio definiert ihre Struktur, beschreibt Reimschemata, Verszahlen, Strophentypen und Varianten und liefert eigene Beispieltexte. Damit bietet er nicht nur eine Theorie, sondern zugleich ein kleines Beispielkorpus.
Für die Geschichte der italienischen Lyrik ist die Summa deshalb von hohem Rang. Sie zeigt, welche Formen in Norditalien um 1330 als lehrbar, unterscheidbar und normierbar galten. Sie steht zwischen der Praxis der Dichter und der späteren poetologischen Tradition. Ihre Wirkung reicht über Gidino da Sommacampagna und weitere Bearbeitungen bis in die spätere metrische Traktatliteratur.
Sonett, Ballata, Canzone, Madrigal und Serventese
Das Sonett nimmt in Antonios System eine zentrale Stellung ein. Es war bereits eine hoch entwickelte Form der italienischen Lyrik, besonders durch die sizilianische Tradition, die toskanischen Dichter, Dante und Petrarca. Antonio beschreibt es als regelhafte Form, die durch Strophengliederung, Reimordnung und argumentative Binnenstruktur bestimmt ist. Seine Behandlung zeigt, dass das Sonett um 1332 bereits als kanonisierbare Form wahrgenommen wurde.
Die Ballata ist für den Musikbezug besonders wichtig. Sie gehört historisch in den Umkreis von Tanz, Gesang, Refrain und volkssprachlicher Liedpraxis. Antonio behandelt sie als metrische Form, doch ihr kultureller Horizont bleibt musikalisch und performativ. Für das Trecento ist die Ballata eine der wichtigsten Verbindungen zwischen Lyrik und Musik.
Die Canzone steht für anspruchsvollere, strophisch gegliederte Dichtung. Sie ist in der italienischen Tradition mit hoher Kunst, Liebeslyrik, politischer Dichtung und moralischer Reflexion verbunden. Antonio beschreibt ihre metrische Ordnung, ohne sie auf eine einzige praktische Funktion zu reduzieren. Damit zeigt er, dass Formenlehre zugleich soziale Rangordnung der Gattungen enthält.
Das Madrigal ist bei Antonio besonders aufschlussreich, weil es im 14. Jahrhundert noch nicht das spätere Renaissance-Madrigal meint. Es bezeichnet eine frühe italienische lyrische Form, die mit bukolischen, moralischen, erotischen oder musikalischen Kontexten verbunden sein kann. Antonio liefert damit einen wichtigen frühen theoretischen Nachweis einer Gattung, die später tief in die Musikgeschichte eingreift.
Der Serventese ist eine erzählende, strophische und oft didaktische oder politische Form. Treccani weist im Zusammenhang der Dantesken Metrik darauf hin, dass Antonio verschiedene Typen des Serventese unterscheidet. Gerade hier wird deutlich, dass seine Summa nicht nur höfische Liebeslyrik, sondern ein breites Spektrum volkssprachlicher Verspraxis systematisiert.
Kulturüberblick
Antonio da Tempo steht in der Kultur des italienischen Trecento, in der lateinische Gelehrsamkeit und volkssprachliche Dichtung eng miteinander verbunden waren. Dante hatte im De vulgari eloquentia die Würde des volgare theoretisch reflektiert; Petrarca entwickelte die volkssprachliche Liebeslyrik zu hoher Kunst; in Norditalien entstanden zugleich praktische Lehrtexte, die Formen, Reime und Strophen für Dichter systematisierten. Antonio gehört genau in diese dritte Zone: Er macht die volkssprachliche Dichtung lehrbar.
Die Summa zeigt, dass die italienische Lyrik um 1330 bereits eine eigene technische Reflexion verlangte. Dichter benötigten nicht nur Inspiration, sondern Regelwissen: Wie ist ein Sonett gebaut? Welche Reimschemata sind zulässig? Wie unterscheidet sich eine Ballata von einer Canzone? Welche Arten des Serventese gibt es? Welche Länge, welche Reimfolge, welche Strophenordnung gehören zu welcher Gattung? Antonio beantwortet solche Fragen mit einer Systematik, die an juristische und scholastische Ordnungsmodelle erinnert.
Der kulturelle Raum ist norditalienisch, aber nicht provinziell. Padua, Verona, Vicenza und Venedig waren durch Politik, Universität, Handel, Notariat und Literatur verbunden. Zugleich wirkten toskanische und provenzalisch-französische Traditionen nach. Antonio kennt ältere Dichter, Korrespondenzlyrik und Formen, die nicht auf eine einzelne Stadt zu reduzieren sind. Seine Summa ist daher ein Dokument transregionaler Formenbildung.
Der Zusammenhang mit den Scaligeri zeigt außerdem, dass metrische Theorie höfisch-politisch adressiert sein konnte. Eine Widmung an Alberto della Scala stellt das Werk unter den Schutz einer Herrschaft, die Macht, Kultur und Repräsentation miteinander verband. Die Ordnung der Reimkunst ist daher nicht bloß private Poetik, sondern Teil einer signorialen Kultur.
Für ein Kulturlexikon ist Antonio da Tempo besonders wertvoll, weil er mehrere Felder verbindet: Lyrik, Metrik, Poetik, Musik und Lyrik, Rechtskultur, Stadtgeschichte, Trecento und Rezeption. Seine Bedeutung liegt nicht in einer großen dichterischen Persönlichkeit, sondern in der normierenden Sichtbarmachung einer ganzen Formenwelt.
Metrik, Liedform und Musikbezug
Antonio da Tempo war kein Musiktheoretiker im engen Sinn und auch kein Komponist im Sinne einer erhaltenen musikalischen Werküberlieferung. Sein Werk gehört zur Metrik und Poetik. Dennoch ist der Musikbezug stark, weil mehrere von ihm behandelte Formen historisch zwischen Lied, Tanz, Refrain, Aufführung und schriftlicher Lyrik stehen. Besonders Ballata, Madrigal, Rotundellus und manche Formen des Serventese berühren die musikalische Kultur des Trecento.
Die Ballata ist dafür das beste Beispiel. Sie ist formal durch Refrainstruktur, Wiederkehr und strophische Ordnung geprägt. Diese Merkmale sind nicht nur schriftlich, sondern auch performativ sinnvoll. In der musikalischen Trecento-Tradition wurde die Ballata eine zentrale Gattung. Antonio beschreibt nicht die musikalische Komposition, aber er bietet die poetische Formlehre, ohne die die musikalische Gattung nicht verstanden werden kann.
Auch das Madrigal zeigt die Verbindung von Textform und Musikgeschichte. Das Trecento-Madrigal unterscheidet sich vom späteren Madrigal des 16. Jahrhunderts, ist aber bereits eine lyrisch-musikalisch relevante Form. Wenn Antonio es systematisiert, dokumentiert er eine frühe Phase der Gattung, bevor sie in der Renaissance eine völlig neue musikalische Bedeutung gewinnt.
Der Begriff rithimus ist deshalb vorsichtig zu übersetzen. Er meint in Antonios Titel vor allem Reimdichtung und metrische Ordnung, nicht einfach musikalischen Rhythmus. Doch Reim, Silbenzahl, Verslänge, Strophenbau und Wiederkehr sind die poetischen Voraussetzungen vieler Liedformen. Antonio gehört damit in die Vorgeschichte einer europäischen Kultur, in der metrische Form und musikalische Form eng aufeinander bezogen bleiben.
Gidino da Sommacampagna und die volkssprachliche Rezeption
Die Wirkung der Summa zeigt sich besonders an Gidino da Sommacampagna. Dessen Trattato e Arte deli Rithimi Volgari beziehungsweise verwandte volkssprachliche Bearbeitung ist nach Treccani von Antonios Summa abhängig. Gidino übernimmt und bearbeitet Definitionen, Beispiele und systematische Einteilungen, formuliert sie aber in einer volkssprachlichen Weise um.
Dieser Schritt ist kulturgeschichtlich entscheidend. Antonio schreibt lateinisch über volkssprachliche Dichtung. Gidino macht die Theorie selbst stärker volkssprachlich zugänglich. Damit verschiebt sich die Poetik von einer lateinisch gelehrten Regelinstanz hin zu einer breiteren dichterischen Gebrauchskultur. Die Summa wird also nicht nur gelesen, sondern transformiert.
Die Rezeption über Gidino zeigt außerdem, dass Antonios System nicht sofort veraltet war. Es blieb ein Bezugspunkt für spätere metrische und poetische Traktatliteratur. Auch spätere Autoren wie Francesco Baratella oder Mario Equicola werden in der Forschung im Zusammenhang dieser Traditionslinie genannt. Antonio steht damit am Anfang einer langen Geschichte der italienischen Metriktheorie.
Werk- und Schriftenverzeichnis
Antonio da Tempo ist kein Komponist mit musikalisch notierten Werken. Ein „Werkverzeichnis“ ist bei ihm daher als Verzeichnis der metrischen, dichterischen und überlieferungsgeschichtlichen Werke beziehungsweise Werkgruppen zu verstehen. Der sichere Kern ist die Summa artis rithimici vulgaris dictaminis; daneben sind Beispielgedichte, Korrespondenzgedichte und später edierte volkssprachliche Rime zu berücksichtigen.
Hauptwerk
| Summa artis rithimici vulgaris dictaminis | Lateinischer Traktat zur italienischen Reim-, Vers- und Gattungslehre, verfasst 1332 und Alberto della Scala gewidmet. Das Werk behandelt Formen wie Sonett, Ballata, Canzone, Rotundellus, Madrigal, Serventese und Motus confectus. Es ist der früheste systematische Traktat zur italienischen Metrik und enthält zahlreiche volkssprachliche Beispiele, die Antonio teils selbst formuliert. |
|---|---|
| Delle rime volgari trattato | Traditioneller italienischer Titel beziehungsweise ältere Druck- und Editionsform des Traktats, besonders in der Ausgabe Giusto Grions von 1869. Der Titel macht die volkssprachliche Reimlehre deutlicher, während der lateinische Originaltitel die scholastisch-systematische Form hervorhebt. |
| Summa artis rithimici vulgaris dictaminis, edizione critica a cura di Richard Andrews | Kritische Ausgabe, Bologna, Commissione per i testi di lingua, 1977, in der Reihe Collezione di opere inedite o rare, Band 136. Diese Ausgabe ist für moderne Arbeit am Text maßgeblich und ersetzt ältere, weniger gesicherte Druckformen nicht vollständig, aber quellenkritisch. |
Behandelte Formen in der Summa
| Sonetto | Das Sonett wird als zentrale geregelte Form der volkssprachlichen Dichtung behandelt. Antonio beschreibt seinen Aufbau, seine Reimordnung und seine Varianten. Beispieltexte dienen dazu, die Form für Lernende praktisch erkennbar zu machen. |
|---|---|
| Ballata | Die Ballata wird als Form mit Wiederkehr, strophischer Ordnung und liedhafter Struktur behandelt. Für die Musikgeschichte ist diese Form besonders wichtig, weil sie im Trecento eine zentrale musikalische Gattung wurde. |
| Canzone | Die Canzone erscheint als anspruchsvolle strophische Form mit geregelter Binnenstruktur. Antonio erfasst sie als hohe lyrische Gattung und macht ihre metrische Ordnung beschreibbar. |
| Rotundellus | Der Rotundellus beziehungsweise das rondeau-nahe Formfeld zeigt die Verbindung italienischer und französisch-provenzalischer beziehungsweise internationaler Formtraditionen. Antonio behandelt ihn als Teil der volkssprachlichen Reimkunst. |
| Madrigale | Das Trecento-Madrigal wird als frühe lyrische Form beschrieben. Es ist nicht mit dem späteren Renaissance-Madrigal gleichzusetzen, bildet aber einen wichtigen Ausgangspunkt für die spätere Verbindung von Lyrik und Musik. |
| Serventese | Antonio unterscheidet mehrere Typen des Serventese. Diese Form ist für erzählende, politische, didaktische oder strophisch fortlaufende Dichtung wichtig und berührt auch Fragen der Dantesken Terzinen- und Strophengeschichte. |
| Motus confectus | Formbegriff innerhalb Antonios System der volkssprachlichen Reimdichtung. Die genaue historische Funktion ist aus dem Traktat und der späteren Rezeption zu bestimmen. |
Beispielgedichte und digitale Einzeltexte
| Plus greu martir de l’inimich s’aprent | Sonettbeispiel aus der Summa, digital ediert im RIALFrI-Projekt nach der kritischen Ausgabe von Richard Andrews. Der Text zeigt, wie Antonio metrische Regel und eigenes Beispiel verbindet. |
|---|---|
| Volkssprachliche Beispiele in der Summa | Die Summa enthält zahlreiche volkssprachliche Beispieltexte zu den erläuterten Formen. Diese Beispiele sind für die Lyrikgeschichte wichtig, weil sie Theorie und dichterische Praxis unmittelbar koppeln. |
| Rime volgari | Unter diesem Oberbegriff werden in älteren Ausgaben und Sammlungen die volkssprachlichen Dichtungen beziehungsweise Beispieltexte Antonios behandelt. Nicht alle Zuschreibungen sind unabhängig vom Traktat als eigene lyrische Sammlung zu verstehen. |
Korrespondenzlyrik und zugeschriebene Rime
| Rime di corrispondenza | Antonio ist durch Reimkorrespondenzen mit Dichtern seiner Zeit bekannt. Genannt werden unter anderem Andrea da Tribano, Andrea Zamboni, Jacopo Flabiano, Matteo Correggiaio und Albertino Mussato. Diese Stücke zeigen ihn als Teilnehmer einer paduanisch-norditalienischen Dichterkommunikation. |
|---|---|
| Bezüge zu Guittone d’Arezzo | In der älteren und modernen Literatur wird Antonios Kenntnis und Wertschätzung der guittonianischen Tradition hervorgehoben. Dies betrifft besonders die moralisch-rhetorische und technisch bewusst gestaltete Reimkunst. |
| Bezüge zu Cino da Pistoia | Antonios poetische Bildung zeigt auch Nähe zur nachstilnovistischen und toskanischen Liebeslyrik, in deren Umfeld Cino da Pistoia eine wichtige Rolle spielt. |
| Petrarca-Kommentar und Petrarca-Biographie | Eine Biographie Petrarcas und ein Kommentar zu Petrarcas Fragmenta wurden früher zeitweise Antonio da Tempo zugeschrieben, gelten heute jedoch als Werk eines gleichnamigen oder anders zu identifizierenden Autors. Diese ältere Zuschreibung ist daher zurückzuweisen beziehungsweise nur forschungsgeschichtlich zu erwähnen. |
Rezeptionswerke und abhängige Traktate
| Gidino da Sommacampagna: Trattato e Arte deli Rithimi Volgari | Volkssprachliche Bearbeitung beziehungsweise Weiterführung der von Antonio da Tempo 1332 formulierten Reim- und Formenlehre. Gidino übernimmt und reformuliert Definitionen und Beispiele, ohne seine Quelle immer ausdrücklich zu nennen. |
|---|---|
| Francesco Baratella: Compendium particulare Artis Ritmice | Spätere metrische Traktattradition, die in der Forschung im Umfeld der von Antonio begründeten Systematisierung italienischer Formen behandelt wird. |
| Mario Equicola: Institutioni | Spätere poetologische und metrische Traditionslinie, in der Fragen der italienischen Formenlehre weitergeführt werden und die in der Forschung im Zusammenhang der Da-Tempo-Rezeption berücksichtigt wird. |
| Regule de componendis sonettis sive rhythmis vulgaribus | Spätere anonyme Regeltexte zur Komposition von Sonetten und volkssprachlichen Rhythmen stehen in der breiteren Rezeptionsgeschichte der Summa und zeigen deren Fortwirken in der Lehrtradition. |
Zusammenfassung nach Wissensfeldern
| Metrik | Antonio systematisiert Vers-, Reim-, Strophen- und Gattungsformen der italienischen volkssprachlichen Dichtung. |
|---|---|
| Poetik | Die Summa verbindet Regel, Definition, Beispiel und didaktische Ordnung zu einer frühen Poetik des volgare. |
| Lyriktheorie | Sonett, Ballata, Canzone, Madrigal und Serventese werden als unterscheidbare lyrische Formen beschrieben. |
| Musiknahe Formen | Ballata, Madrigal und Rotundellus berühren historische Lied-, Tanz- und Aufführungskontexte, auch wenn Antonio selbst keine musikalische Kompositionslehre schreibt. |
| Juristisch-scholastische Ordnung | Die Systematik des Traktats zeigt die Denkform eines lateinisch geschulten Juristen und Amtsträgers. |
| Rezeptionsgeschichte | Gidino da Sommacampagna und spätere metrische Traktate führen Antonios Regelwerk weiter und übersetzen es in neue Lehrkontexte. |
Rezeption und Nachwirkung
Antonio da Tempo wurde nicht wegen eines umfangreichen dichterischen Œuvres berühmt, sondern wegen seiner normierenden Leistung. Die Summa machte die Formen der italienischen Reimdichtung beschreibbar und lehrbar. Sie steht damit am Anfang einer Tradition, in der Metrik nicht bloß praktische Kunst, sondern Gegenstand systematischer Theorie wurde.
Die unmittelbare Nachwirkung zeigt sich bei Gidino da Sommacampagna. Seine volkssprachliche Bearbeitung machte Antonios lateinisches Regelwissen in anderer Form verfügbar. Dadurch trat die Summa in eine Traditionslinie ein, die später weitere metrische und poetologische Texte beeinflusste.
Für die Dante- und Petrarca-Forschung ist Antonio indirekt wichtig. Seine Begriffe und Formenbeschreibungen helfen, die metrische Praxis des Trecento historisch zu verstehen. Er erklärt nicht Dante und Petrarca aus sich heraus, aber er dokumentiert, wie kurz nach Dante und zu Lebzeiten Petrarcas über Formen, Reime und Gattungen systematisch nachgedacht wurde.
In der Musikgeschichte ist Antonio vor allem als formgeschichtlicher Zeuge relevant. Das Trecento-Madrigal, die Ballata und verwandte Formtypen sind ohne die poetische Formenlehre nur unvollständig zu verstehen. Antonio liefert die poetisch-metrische Seite einer Kultur, deren musikalische Quellen bei Komponisten wie Francesco Landini, Jacopo da Bologna oder Giovanni da Cascia sichtbar werden.
Editorische Hinweise
Bei Antonio da Tempo ist das Werkverzeichnis als Schriften-, Formen- und Rezeptionsverzeichnis zu verstehen. Er ist kein Komponist mit überlieferten musikalischen Sätzen, sondern Autor eines metrisch-poetologischen Traktats. Für eine musikbezogene Kulturlexikon-Seite ist dennoch die Nähe zu Ballata, Madrigal und Liedform wichtig.
Die kritische Ausgabe von Richard Andrews aus dem Jahr 1977 ist für den lateinischen Text der Summa maßgeblich. Ältere Ausgaben, besonders die Ausgabe Giusto Grions von 1869, bleiben forschungsgeschichtlich wichtig und sind digital greifbar, sollten aber bei philologischen Fragen mit der kritischen Ausgabe kontrolliert werden.
Die älteren Zuschreibungen einer Petrarca-Biographie und eines Petrarca-Kommentars an Antonio da Tempo sind nicht als sicherer Werkbestand aufzunehmen. Neuere Forschung betrachtet sie als Werke eines Homonyms beziehungsweise eines anders zu bestimmenden Autors. Der Artikel trennt daher klar zwischen sicherem Kernwerk, Beispielgedichten, Korrespondenzlyrik und zurückzuweisenden Zuschreibungen.
Die Seite verzichtet auf Bilder. Für eine spätere quellenorientierte Erweiterung wären Digitalisate der Grion-Ausgabe, Handschriftenzeugen, RIALFrI-Einzeltexte oder gemeinfreie Faksimiles relevanter als illustrative Porträts, da kein kanonisches Porträt Antonio da Tempos für die Kulturlexikon-Darstellung erforderlich ist.
Sekundärliteratur
- Andrews, Richard (Hrsg.): Antonio da Tempo: Summa artis rithimici vulgaris dictaminis. Bologna 1977.
- Caprettini, Gian Paolo: Studien zu Gidino da Sommacampagna, zur volkssprachlichen Reimkunst und zur Rezeption Antonio da Tempos.
- Conti, Ugo: Questioni di metrica dantesca nella trattatistica antica sulla rima. In: Tenzone, 2025.
- Gambino, Francesca: Digitale Editionen einzelner Beispieltexte aus Antonio da Tempos Summa im RIALFrI-Projekt.
- Grion, Giusto (Hrsg.): Delle rime volgari trattato di Antonio da Tempo, composto nel 1332. Bologna 1869.
- Marrocco, W. Thomas: Studien zum Trecento-Madrigal und zur Musik in der Zeit Boccaccios mit Bezug auf Antonio da Tempos Formenlehre.
- Morpurgo, Salomone: Rime inedite di Giovanni Quirini e Antonio Da Tempo. In: Archivio storico per Trieste, l’Istria e il Trentino 1, 1881.
- Novati, Francesco: Poeti veneti del Trecento. In: Archivio storico per Trieste, l’Istria e il Trentino 1, 1881.
- Stoppelli, Pasquale: Da Tempo, Antonio. In: Dizionario Biografico degli Italiani, Rom, Istituto della Enciclopedia Italiana.
- Suitner, Franco: Studien zur italienischen Lyrik und Metrik des Trecento mit Berücksichtigung der Da-Tempo-Tradition.
- Tessarolo, Luigi: Digitale Markierung und Aufbereitung der RIALFrI-Texte zu Antonio da Tempo.
- Weiss, Roberto: Studien zur humanistischen und volgare-bezogenen Kultur Norditaliens im 14. Jahrhundert.
Ausgewählte Onlinequellen
- Internet Archive: Delle rime volgari trattato di Antonio da Tempo Digitalisat der Ausgabe Giusto Grions von 1869, einer älteren, forschungsgeschichtlich wichtigen Edition des Traktats.
- Internet Archive: Volltext der Grion-Ausgabe Durchsuchbarer Volltext der älteren Ausgabe Delle rime volgari trattato, geeignet für erste Textsuche, aber philologisch mit der kritischen Ausgabe zu kontrollieren.
- MGG Online: Tempo Fachlexikalischer Musiklexikon-Kontext zum Namen Tempo; für Antonio da Tempo vor allem wegen der musiknahen Formen Ballata und Madrigal ergänzend heranzuziehen.
- Mirabile: Antonio da Tempo, sec. XIV Autoren- und Werkdatensatz zur lateinischen Summa artis rithimici vulgaris dictaminis mit Hinweis auf die beigefügten volkssprachlichen Beispielgedichte.
- Open Library: Summa artis rithimici vulgaris dictaminis Bibliographischer Nachweis der kritischen Ausgabe von Richard Andrews, Bologna 1977, mit Angaben zu Verlag, Reihe und Umfang.
- RIALFrI: Antonio da Tempo, Sonetto Digitale Edition eines Sonettbeispiels aus der Summa, nach der Andrews-Ausgabe und mit wissenschaftlicher Markierung.
- Research Padova: Antonio da Tempo, Il sonetto „Plus greu martir“ Universitärer Nachweis zur digitalen Edition des Sonetts aus der Summa artis rithimici vulgaris dictaminis.
- Scuola Normale Superiore: Summa artis rithimici vulgaris dictaminis Bibliotheksnachweis der kritischen Andrews-Ausgabe mit Normform „Da Tempo, Antonio, active 1329–1338“.
- Treccani, Dizionario Biografico degli Italiani: Da Tempo, Antonio Maßgeblicher biographischer Artikel zu Herkunft, Familie, politischem Milieu, Richteramt, Exil, Werken und problematischen Zuschreibungen.
- Treccani, Enciclopedia: Antonio da Tempo Knapper Lexikonartikel mit den wichtigsten Lebens- und Werkdaten, insbesondere Richteramt, Vicenza-Exil und Bedeutung der Summa als erstem Traktat der italienischen Metrik.
- Treccani, Enciclopedia Italiana: Antonio da Tempo Älterer lexikalischer Artikel mit biographischer Einordnung, ghibellinischem Familienhintergrund und Angaben zur Ausgabe- und Rezeptionsgeschichte.
- Treccani, Dizionario Biografico degli Italiani: Gidino da Sommacampagna Artikel zur volkssprachlichen Rezeption der Summa; Gidinos Traktat wird als abhängig von Antonio da Tempos Werk beschrieben.
Weiterführende Einträge
- Alberto della Scala Widmungsadressat der Summa artis rithimici vulgaris dictaminis und Vertreter des scaligerischen Herrschaftskontexts.
- Ballata Lyrisch-musikalische Form, die Antonio da Tempo systematisch behandelt und die im Trecento musikalisch zentral wurde.
- Canzone Hohe strophische Form der italienischen Lyrik, deren metrische Struktur bei Antonio normierend beschrieben wird.
- Cino da Pistoia Dichter, dessen Tradition im poetischen Horizont Antonios und der Trecento-Lyrik steht.
- Dante Alighieri Zentrale Vergleichsfigur für volkssprachliche Poetik, Metrik und die Würde des volgare vor Antonio da Tempo.
- De vulgari eloquentia Dantes lateinischer Traktat über die Volkssprache und poetische Hochformen, wichtiger Vorgängerhorizont der Summa.
- Francesco Landini Trecento-Komponist, dessen Ballatenproduktion den musikalischen Horizont der von Antonio behandelten Formen zeigt.
- Francesco Petrarca Zeitgenössische Hauptfigur der italienischen Lyrik, deren metrisches Umfeld durch Antonio da Tempos Theorie erhellt wird.
- Gidino da Sommacampagna Autor einer volkssprachlichen Bearbeitung der von Antonio da Tempo systematisierten Reim- und Formenlehre.
- Ghibellinen Politische Richtung, der Antonios Familie im Paduaner und scaligerischen Kontext zugerechnet wird.
- Guittone d’Arezzo Dichter, dessen rhetorisch-moralische Reimkunst im Horizont von Antonio da Tempos poetischer Bildung steht.
- Italienische Lyrik Übergreifendes Feld, dessen metrische Formen Antonio da Tempo als einer der ersten systematisch beschreibt.
- Madrigal Trecento-Form mit starkem späterem Musikbezug, die Antonio in seiner Formenlehre behandelt.
- Metrik Lehre von Vers, Reim und Strophenbau, deren italienische Systematisierung durch Antonio da Tempo einen frühen Höhepunkt erreicht.
- Motus confectus Formbegriff aus Antonio da Tempos System der volkssprachlichen Reimdichtung.
- Musik und Lyrik Schnittfeld, das bei Ballata, Madrigal und anderen von Antonio behandelten Formen besonders wichtig ist.
- Padua Geburts- und Wirkungsort Antonios sowie Zentrum von Recht, Universität und Trecento-Kultur.
- Poetik Regel- und Reflexionslehre dichterischer Formen, in die Antonio die volkssprachliche Reimdichtung einordnet.
- Reim Grundelement der von Antonio beschriebenen volkssprachlichen Formen und ihrer Ordnung.
- Rotundellus Von Antonio behandelte Form mit Bezug zu Kreis-, Wiederkehr- und liednahen Formprinzipien.
- Scaligeri Herrscherfamilie von Verona und politischer Bezugspunkt Antonios.
- Serventese Strophische Form, die Antonio in mehreren Typen beschreibt und die für Dichtung, Erzählung und Metrik des Trecento wichtig ist.
- Sonett Zentrale italienische Gedichtform, die Antonio da Tempo systematisch beschreibt und durch Beispiele erläutert.
- Trecento Italienisches 14. Jahrhundert, in dessen literarischer, politischer und musikalischer Kultur Antonio da Tempo steht.
- Verona Herrschaftszentrum der Scaligeri und politisch-kultureller Bezugspunkt von Antonios Widmung und Parteimilieu.
- Vicenza Ort, an den Antonio nach dem Ende der scaligerischen Herrschaft in Padua auswich und wo er 1339 nachweisbar ist.
- Volgare Italienische Volkssprache, deren poetische Formen Antonio lateinisch systematisierte.