Senese Ansano

* um 1470 in Siena; † um 1524 ebenda. Sieneser Sänger, Priester, Lehrer, Kapellmeister und Komponist weltlicher Vokalmusik; auch als Sano di Goro, Ansano di Goro, Ansanus, Ansanus Senensis und Ser Ansano überliefert.

Überblick

Senese Ansano bezeichnet einen Sieneser Musiker der späten Renaissance-Frühzeit um 1500, der in den Quellen auch als Sano di Goro erscheint. Er war Sänger, Priester, Lehrer und später Kapellmeister im Umfeld des Doms von Siena. Sein Name ist besonders durch die weltliche Vokalsammlung Canzone, sonetti, strambotti et frottole. Libro primo überliefert, die Pietro Sambonetto 1515 in Siena druckte. In diesem Druck sind vierzehn Stücke Senese Ansano zugeschrieben; damit ist er innerhalb dieses Sieneser Repertoires einer der am stärksten vertretenen Autoren.

Senese Ansano ist keine große kanonische Gestalt wie Josquin Desprez, Heinrich Isaac oder Bartolomeo Tromboncino. Seine Bedeutung liegt vielmehr in einem regionalen, aber kulturgeschichtlich aufschlussreichen Feld: der Verbindung von städtischer Musikpraxis, Domkapelle, Unterricht, weltlicher Liedkultur und frühem lokalen Musikdruck. Er zeigt, dass die italienische Frottola nicht nur an den großen Höfen von Mantua, Ferrara oder Urbino gepflegt wurde, sondern auch in Siena eine eigene, lokal geprägte Gestalt besaß.

Der Name Senese ist dabei nicht als moderner Familienname im engen Sinn zu verstehen, sondern als Herkunfts- und Identifikationsbezeichnung: der Sieneser Ansano. Die zugleich überlieferte Form Sano di Goro weist auf eine konkrete Personenidentität innerhalb der Sieneser Dokumente. Nach der einschlägigen Forschung trat Sano di Goro bereits 1485 als Chorknabe beziehungsweise junger Sänger in der Domkapelle hervor und wurde später zum Kapellmeister. Damit spannt sich seine Tätigkeit von der Ausbildung innerhalb einer kirchlichen Institution bis zur leitenden Funktion in derselben städtischen Musikordnung.

Sein Werk ist heute nur schmal überliefert, aber nicht belanglos. Die im Sambonetto-Druck von 1515 enthaltenen Frottole, Strambotti, Barzellette und verwandten Liedsätze stehen an der Schwelle zwischen höfischer Unterhaltung, städtischer Festkultur, schriftlicher Sammlung und praktischer Aufführung. Besonders Noi siamo galeotti hat durch moderne Aufführungen und Tonträger wieder Aufmerksamkeit erhalten.

Kurzdaten

Hauptname Senese Ansano.
Weitere Namensformen Sano di Goro, Ansano di Goro, Ansanus, Ansanus Senensis, Ser Ansano, Ansa. S., An. S.; die Form Senese bezeichnet die Sieneser Herkunft beziehungsweise Zugehörigkeit.
Geburt Um 1470 in Siena; das Jahr ist als Näherung zu verstehen.
Tod Um 1524 in Siena; die Tätigkeit ist bis Februar 1524 am Dom von Siena bezeugt.
Beruf Sänger, Priester, Lehrer, Kapellmeister, Chorleiter, Musikpädagoge und Komponist von Frottole, Strambotti, Barzellette und weltlichen Vokalstücken der frühen Renaissance.
Herkunft Siena; nach quellenkundlicher Identifikation Sohn des Gregorio, genannt Goro, Cimatore.
Institution Dom von Siena beziehungsweise Sieneser Domkapelle; dort vom jungen Chorsänger bis zum späteren Kapellmeister greifbar.
Erster sicherer Kontext Oktober 1485 als Sano di Goro unter den Sängern beziehungsweise Chorknaben der Domkapelle von Siena.
Spätere Funktion Kapellmeister beziehungsweise Leiter der musikalischen Ausbildung und Aufführungspraxis an der Sieneser Domkapelle.
Hauptquelle der Werke Pietro Sambonetto, Canzone, sonetti, strambotti et frottole. Libro primo, Siena 1515.
Überlieferte Werkzahl Vierzehn im Sambonetto-Druck von 1515 Senese Ansano beziehungsweise Sano di Goro zugeschriebene Stücke; weitere Zuschreibungen sind quellenkritisch zu prüfen.
Gattungen Frottola, Strambotto, Barzelletta, Canzone, mascherataartige und karnevaleske weltliche Vokalmusik.
Bekanntes Einzelstück Noi siamo galeotti, in modernen Aufführungs- und Tonträgernachweisen besonders sichtbar.
Bedeutung Senese Ansano ist eine Schlüsselgestalt für die weltliche Musik in Siena um 1500 und für die Verbindung von Domkapelle, städtischer Musikkultur und lokaler Frottola-Überlieferung.

Name, Varianten und Quellenlage

Die Namenslage ist für Senese Ansano besonders wichtig. In modernen Nachweisen begegnen Senese Ansano, Ansanus Senensis, Sano di Goro, Ansano di Goro, Ser Ansano und abgekürzte Formen wie Ansa. S. oder An. S.. Die lateinische Form Ansanus entspricht der gelehrten beziehungsweise katalogisierenden Tradition. Die Form Senese weist auf Siena und dient der Unterscheidung innerhalb einer Überlieferung, in der Familiennamen, Vaternamen, Herkunftsnamen und Amtsbezeichnungen nebeneinanderstehen.

Die Identifikation mit Sano di Goro verbindet den Komponistennamen mit der Sieneser Domüberlieferung. Dabei ist Goro eine Kurzform zu Gregorio; Sano di Goro bedeutet also Sano, Sohn des Goro beziehungsweise Gregorio. Diese personenbezogene Form ist für die lokale Archivgeschichte entscheidend, während Senese Ansano für die musikalische Druck- und Katalogüberlieferung gebräuchlicher bleibt.

Die Quellenlage ist zugleich präzise und begrenzt. Präzise ist sie dort, wo Sano di Goro im Zusammenhang der Domkapelle erscheint und wo der Sambonetto-Druck von 1515 vierzehn Stücke Senese Ansano zuschreibt. Begrenzt ist sie bei Geburt, Tod, Ausbildung, möglichen weiteren Ämtern und einem vollständigen Werkbestand jenseits dieses Druckes. Deshalb sollte der Eintrag grundsätzlich quellenkritisch formulieren: Die biographischen Eckdaten um 1470 und um 1524 sind Näherungsdaten, nicht exakt beurkundete Tagesdaten.

Siena, Domkapelle und städtische Musikpflege

Siena war um 1500 ein eigenständiger, künstlerisch hoch entwickelter Kulturraum. Die Stadt besaß eine starke republikanische Tradition, eine reiche Bildkunst, eine ausgeprägte Frömmigkeit, eine komplexe Festkultur und eine dichte Verbindung von kirchlicher, kommunaler und höfisch geprägter Repräsentation. Der Dom von Siena war dabei nicht nur ein sakraler Ort, sondern ein Zentrum städtischer Identität.

Musik hatte in diesem Kontext mehrere Funktionen. Sie strukturierte die Liturgie, erhöhte Festtage, begleitete Prozessionen, verband Chorknabenunterricht mit geistlicher Disziplin und griff zugleich in die städtische Öffentlichkeit aus. Die Domkapelle war deshalb nicht nur eine kirchliche Einrichtung, sondern ein kulturelles Instrument der Stadt. Wer dort als Sänger, Lehrer oder Kapellmeister wirkte, stand in einer verantwortlichen Position zwischen Gottesdienst, Bildung, öffentlicher Repräsentation und musikalischer Praxis.

Senese Ansano gehört genau in diesen Zusammenhang. Seine Tätigkeit als Chorsänger, Priester, Lehrer und Kapellmeister zeigt, wie eng musikalische Ausbildung, geistlicher Stand und institutionelle Karriere verbunden sein konnten. Seine weltlichen Frottole widersprechen dieser kirchlichen Stellung nicht. Vielmehr zeigt gerade Siena, dass geistliche und weltliche Musikkultur im Alltag derselben Musiker ineinandergriffen.

Chorknabe, Priester, Lehrer und Kapellmeister

Sano di Goro ist bereits 1485 als Mitglied der Sieneser Domkapelle fassbar. Er trat offenbar als junger Sänger beziehungsweise Chorknabe in einen institutionellen Ausbildungszusammenhang ein. Solche Kapellen bildeten Knaben nicht nur für den Gesang aus, sondern vermittelten liturgische Kenntnis, Notationspraxis, mehrstimmiges Singen, Disziplin und elementare Bildung. Der spätere Kapellmeister konnte aus dieser eigenen Ausbildungserfahrung heraus wiederum junge Sänger unterrichten.

Die Verbindung von Priesteramt und Musikamt war im 15. und frühen 16. Jahrhundert verbreitet. Ein musikalisch ausgebildeter Geistlicher konnte singen, unterrichten, liturgische Abläufe organisieren, mehrstimmige Aufführungen vorbereiten und Repertoire pflegen. Der Begriff Kapellmeister ist dabei nicht modern im Sinn eines reinen Orchesterleiters zu verstehen. Er meint im älteren kirchlichen Zusammenhang häufig die Verantwortung für Sänger, Knaben, Noten, Unterricht, Proben, Aufführungsordnung und musikalische Qualität.

Für Senese Ansano ist die Rolle als Lehrer besonders wichtig. Der Nutzerhinweis „Lehrer und Kapellmeister“ trifft die institutionelle Funktion genauer als eine bloße Bezeichnung als Komponist. Sein gedrucktes weltliches Repertoire ist die sichtbarste Spur; die alltägliche Arbeit an der Domkapelle dürfte jedoch einen erheblichen Teil seines Lebens bestimmt haben.

Pietro Sambonetto und der Druck von 1515

Die wichtigste Quelle für Senese Ansano als Komponisten ist Pietro Sambonettos Druck Canzone, sonetti, strambotti et frottole. Libro primo, Siena 1515. Der Druck ist für die Musikgeschichte Sienas außerordentlich wichtig, weil er ein lokales Repertoire weltlicher Vokalmusik sichtbar macht. Während die Frottola häufig mit norditalienischen Höfen, mit Ottaviano Petrucci, mit Mantua oder Ferrara verbunden wird, zeigt Sambonettos Sammlung eine eigenständige Sieneser Tradition.

Der Druck enthält Kompositionen mehrerer Sieneser oder mit Siena verbundener Autoren. Neben Senese Ansano erscheinen unter anderem Niccolò Piffaro Senese, Niccolò Piccolomini Prete Senese, Ludovico Senese und weitere teilweise nur abgekürzt greifbare Namen. Ansano ist mit vierzehn Stücken besonders stark vertreten. Diese Zahl ist für die Bewertung entscheidend: Er war nicht nur ein zufällig genannter lokaler Autor, sondern einer der Hauptträger des Druckes.

Sambonettos Publikation steht zwischen städtischer Liedkultur, lokaler Aufführungspraxis und der europäischen Geschichte des Musikdrucks. Sie macht Repertoire verfügbar, das sonst vermutlich nur in Handschriften, Aufführungen oder lokalen Zirkeln greifbar gewesen wäre. Für Senese Ansano ist dieser Druck deshalb nicht nur Werkquelle, sondern fast die Voraussetzung seiner heutigen Sichtbarkeit.

Frottola, Strambotto, Barzelletta und Sieneser Liedkultur

Die Frottola war um 1500 eine der wichtigsten italienischen weltlichen Vokalgattungen. Sie steht zwischen höfischer Unterhaltung, poetischem Vortrag, Tanznähe, Strophenlied und mehrstimmiger Satzkunst. Im Unterschied zur späteren Madrigalkultur ist sie oft unmittelbarer, syllabischer, rhythmisch klarer und stärker auf Textverständlichkeit und Aufführbarkeit ausgerichtet.

Senese Ansanos Stücke gehören in diesen Bereich. Die im Sambonetto-Druck genannten Gattungstitel und Textformen umfassen Canzone, Sonette, Strambotti und Frottole; in der konkreten Analyse sind außerdem barzellettaartige, mascherataartige und karnevaleske Formen zu berücksichtigen. Gerade das berühmtere Noi siamo galeotti wird häufig als mascherata- beziehungsweise karnevaleske Frottola wahrgenommen. Der Titel spricht aus einer kollektiven Rolle heraus: „Wir sind Galeerensträflinge“. Solche Rollenlieder gehören zu einem performativen, gelegentlich theatralen und festkulturellen Umfeld.

Der Sieneser Charakter der Sammlung liegt nicht nur in den Autorennamen. Er liegt auch in der sozialen Funktion. Diese Stücke waren vermutlich für gebildete, städtische, festliche und halböffentliche Aufführungsräume bestimmt. Sie konnten gesungen, möglicherweise mit Instrumenten unterstützt, in geselligen Zusammenhängen verwendet und in einer Kultur des Vortragenden, Singenden und Zuhörenden erlebt werden.

Stil, Funktion und Aufführungspraxis

Die Musik Senese Ansanos steht in der Nähe der frühen italienischen Frottola: klare Periodik, textnaher Vortrag, vierstimmige Satzanlage, eine oft führende Oberstimme, rhythmische Profilierung und ein Verhältnis von vokaler Polyphonie zu instrumentaler Stützung. Sie ist nicht als hochartifizielle kontrapunktische Kirchenpolyphonie zu verstehen, sondern als kunstvolle Gebrauchsmusik mit städtischer und geselliger Funktion.

Der Sambonetto-Druck bildet ein Repertoire ab, das vokal gedacht ist, aber instrumentale Beteiligung nicht ausschließt. Gerade die Forschung zu den „instrumental resonances“ dieses Druckes weist darauf hin, dass die Grenze zwischen Singen, Spielen, Begleiten und Bearbeiten fließend war. Laute, Viola, Tasteninstrumente oder Bläser konnten je nach Anlass eine Rolle spielen, ohne dass der gedruckte Satz bereits eine moderne Besetzungsfixierung voraussetzte.

Stilistisch ist Senese Ansano besonders interessant, weil er als kirchlich gebundener Musiker weltliche Formen komponierte. Seine Stücke zeigen nicht einen Bruch zwischen Dom und Stadt, sondern die Mehrfachfunktion eines Musikers um 1500. Derselbe Musiker konnte Chorknaben unterrichten, liturgischen Gesang organisieren und weltliche Sätze liefern, die im lokalen Fest- und Gesellschaftsleben zirkulierten.

Kulturgeschichtlicher Überblick

Senese Ansano ist kulturgeschichtlich vor allem als Vertreter einer lokalen Musikkultur bedeutsam. Die Musikgeschichte der Renaissance wird häufig über große Zentren erzählt: Florenz, Ferrara, Mantua, Venedig, Rom, Neapel. Siena erscheint daneben weniger prominent, besitzt aber eine eigene künstlerische Physiognomie. Der Sambonetto-Druck von 1515 zeigt, dass Siena nicht nur Bilder, Architektur und städtische Feste hervorbrachte, sondern auch ein musikalisches Repertoire, das sich bewusst drucken und verbreiten ließ.

Die Zeit um 1500 ist für Italien eine Phase tiefgreifender Medienveränderung. Der Musikdruck macht Stücke stabiler, vergleichbarer und weiter verbreitbar. Gleichzeitig bleiben viele Werke an lokale Aufführungspraxis, Dialekte, städtische Rollen, Feste und persönliche Netzwerke gebunden. Senese Ansano steht genau an dieser Schnittstelle. Seine Stücke sind lokal geprägt, aber durch den Druck über den lokalen Moment hinaus überliefert.

Seine Laufbahn zeigt außerdem, dass Musikberufe der Renaissance selten nur eine Tätigkeit umfassten. Sänger wurden Lehrer, Lehrer wurden Kapellmeister, Priester wurden Komponisten, und Kapellmeister konnten weltliche Musik liefern. Die moderne Trennung zwischen Kirchenmusiker, Komponist, Musikpädagoge und weltlichem Liedautor greift hier zu kurz. Senese Ansano ist gerade deshalb interessant, weil er diese Funktionen verbindet.

Die Verbindung mit dem Namen des Sieneser Stadtpatrons Ansanus ist nicht biographisch zu überdehnen, aber kulturell nicht belanglos. In Siena war der Name Ansano durch den Kult des heiligen Ansanus stark verankert. Die Namensform selbst verweist also auf eine Sieneser Identität, die religiös, städtisch und kulturell tief geprägt war. Ein Musiker namens Senese Ansano steht daher schon im Namen in einer doppelten Zugehörigkeit: zur Stadt und zu ihrer sakralen Erinnerung.

Für die Geschichte der Frottola ist Senese Ansano ein Korrektiv gegen eine zu stark höfische Sicht. Die Frottola war nicht nur eine Kunst der Fürstenhöfe, sondern konnte auch städtische, lokale und festliche Formen annehmen. Die vierzehn im Sambonetto-Druck zugeschriebenen Stücke machen ihn zu einem wichtigen Zeugen der weltlichen Musik in Siena vor dem eigentlichen Durchbruch des italienischen Madrigals.

Werkverzeichnis

Das Werkverzeichnis Senese Ansanos beruht fast vollständig auf der Zuschreibungslage des Sieneser Druckes Canzone, sonetti, strambotti et frottole. Libro primo, gedruckt 1515 von Pietro Sambonetto. RISM B/I verzeichnet für Senese Ansano in diesem Druck vierzehn Stücke. Die Forschung nennt in der inneren Zählung der Sammlung die Nummern 1, 2, 5, 6, 11, 17, 27, 28, 30, 31, 32, 33, 42 und 43 als Senese Ansano beziehungsweise Sano di Goro zugeschrieben. Die Einzeltitel sind in modernen Sekundärangaben nicht überall vollständig gleich zugänglich; deshalb wird im Folgenden zwischen sicher belegter Zuschreibungsposition, bekannten Titeln und quellenkritisch zu prüfenden Positionen unterschieden.

Hauptquelle

  • Pietro Sambonetto: Canzone, sonetti, strambotti et frottole. Libro primo, Siena 1515. Vierstimmige weltliche Vokalsammlung mit starkem Sieneser Profil; Hauptquelle für Senese Ansano. Innerhalb dieses Druckes werden vierzehn Stücke Senese Ansano beziehungsweise Sano di Goro zugeschrieben.

Im Sambonetto-Druck von 1515 Senese Ansano zugeschriebene Stücke

  • Nr. 1: Titel nach Originalquelle zu prüfen. In der Forschungsübersicht als Senese Ansano beziehungsweise Sano di Goro zugeschrieben. Wahrscheinlich eine weltliche Frottola- beziehungsweise Barzelletta-Form innerhalb der Sieneser Sammlung.
  • Nr. 2: Titel nach Originalquelle zu prüfen. In der Forschungsübersicht als Senese Ansano beziehungsweise Sano di Goro zugeschrieben. Die genaue Textincipit-Form ist am Exemplar des Sambonetto-Druckes beziehungsweise an der kritischen Edition zu kontrollieren.
  • Nr. 5: Titel nach Originalquelle zu prüfen. In der Forschungsübersicht als Senese Ansano beziehungsweise Sano di Goro zugeschrieben. Gehört zur ersten Gruppe der im Druck stark vertretenen Sieneser Autoren.
  • Nr. 6: Titel nach Originalquelle zu prüfen. In der Forschungsübersicht als Senese Ansano beziehungsweise Sano di Goro zugeschrieben. Gattung und poetische Form sind nach dem Druck zu bestimmen.
  • Nr. 11: Titel nach Originalquelle zu prüfen. In der Forschungsübersicht als Senese Ansano beziehungsweise Sano di Goro zugeschrieben. Der Satz gehört zum lokalen weltlichen Repertoire Sienas um 1515.
  • Nr. 17: Titel nach Originalquelle zu prüfen. In der Forschungsübersicht als Senese Ansano beziehungsweise Sano di Goro zugeschrieben. Die Zuschreibung ist im Zusammenhang der Sambonetto-Sammlung zu behandeln.
  • Nr. 27: Noi siamo galeotti. Bekanntestes heute greifbares Stück Senese Ansanos. Der Titel bezeichnet ein Rollenlied beziehungsweise eine mascherataartige Frottola mit karnevaleskem oder performativem Charakter. Das Stück ist in modernen Aufführungs- und Tonträgernachweisen besonders sichtbar.
  • Nr. 28: Titel nach Originalquelle zu prüfen. In der Forschungsübersicht als Senese Ansano beziehungsweise Sano di Goro zugeschrieben. Wahrscheinlich im Umfeld der Sieneser weltlichen Liedpraxis zu lesen.
  • Nr. 30: Titel nach Originalquelle zu prüfen. In der Forschungsübersicht als Senese Ansano beziehungsweise Sano di Goro zugeschrieben. Mögliche Zugehörigkeit zu strambotto- oder barzellettaartigen Formen ist quellenkritisch zu kontrollieren.
  • Nr. 31: Titel nach Originalquelle zu prüfen. In der Forschungsübersicht als Senese Ansano beziehungsweise Sano di Goro zugeschrieben. Die Einordnung hängt vom Textincipit und von der poetischen Form des Originals ab.
  • Nr. 32: Titel nach Originalquelle zu prüfen. In der Forschungsübersicht als Senese Ansano beziehungsweise Sano di Goro zugeschrieben. Der Satz gehört zur späten Gruppe der im Druck Ansano zugewiesenen Stücke.
  • Nr. 33: Titel nach Originalquelle zu prüfen. In der Forschungsübersicht als Senese Ansano beziehungsweise Sano di Goro zugeschrieben. Die genaue Fassung ist am Sambonetto-Druck zu verifizieren.
  • Nr. 42: Titel nach Originalquelle zu prüfen. In der Forschungsübersicht als Senese Ansano beziehungsweise Sano di Goro zugeschrieben. Diese späte Position innerhalb der Sammlung zeigt die breite Streuung seiner Beiträge im Druck.
  • Nr. 43: Titel nach Originalquelle zu prüfen. In der Forschungsübersicht als Senese Ansano beziehungsweise Sano di Goro zugeschrieben. Abschlussnaher Beitrag innerhalb des überlieferten Ansano-Bestandes.

Bekannte Einzelüberlieferung und moderne Rezeption

  • Noi siamo galeotti. Überliefert in Pietro Sambonettos Sieneser Sammlung von 1515. Moderne Nachweise führen das Stück als Senese Ansano zugeschrieben und verbinden es unter anderem mit Aufführungen des Ensembles Doulce Mémoire unter Denis Raisin Dadre.
  • El mostrarsi lieto fuore. In D’Accones Siena-Studie als Beispielansetzung zu Senese Ansano genannt. Der Titel ist als Ansano-Stück quellenkritisch im Zusammenhang der dortigen Edition beziehungsweise Analyse zu behandeln.
  • Mascherataartige Sieneser Frottolen. Die Forschung zu karnevalesken Liedern der frühen Renaissance nennt Senese Ansano im Zusammenhang Sieneser Masken-, Rollen- und Festlieder; die einzelnen Stücke sind nach Sambonetto und kritischer Edition zu prüfen.

Unsichere oder zu prüfende Zuschreibungen

  • Stücke mit abgekürzter Autorenangabe. Abkürzungen wie Ansa. S. oder An. S. sind wahrscheinlich auf Senese Ansano zu beziehen, müssen aber im Einzelfall mit Druck, Edition und RISM-Nachweis abgeglichen werden.
  • Handschriftliche oder sekundäre Konkordanzen. Falls einzelne Sambonetto-Stücke auch in Handschriften oder späteren Drucken erscheinen, sind Titel, Text, musikalische Fassung und Autorenangabe getrennt zu prüfen.
  • Instrumentale Bearbeitungen. Frottolen konnten instrumental übertragen oder mit Instrumenten begleitet werden. Solche Bearbeitungen sind nicht automatisch eigene Kompositionen Ansanos.
  • Stücke ohne gesicherte Ansano-Angabe. Innerhalb der Sieneser Sammlung existieren anonyme und anderen Autoren zugeschriebene Stücke. Sie dürfen nicht ohne Quellenbeleg Senese Ansano zugeordnet werden.

Quellenkritischer Arbeitsstand

  • Gesicherter Kernbestand: vierzehn im Sambonetto-Druck von 1515 Senese Ansano beziehungsweise Sano di Goro zugeschriebene Stücke.
  • Stärkster moderner Einzelname: Noi siamo galeotti.
  • Wichtigste Werkquelle: Canzone, sonetti, strambotti et frottole. Libro primo, Siena 1515.
  • Wichtigste Forschungsaufgabe: Abgleich der Originaldrucke, RISM-Angaben, D’Accone-Forschung, Saggio-Übersicht und moderner Editionen zur sicheren Rekonstruktion aller Textincipits.

Wirkung und Rezeption

Senese Ansano blieb lange eine Spezialgestalt der Frottola- und Siena-Forschung. Anders als große Renaissancekomponisten wurde er nicht durch ein breites Werk, internationale Druckverbreitung oder spätere Kanonisierung berühmt. Seine Wirkung liegt in der lokalen Dichte seiner Überlieferung und in der modernen Wiederentdeckung des Sieneser Repertoires um 1500.

Die Forschung des 20. und 21. Jahrhunderts hat seine Bedeutung vor allem über Pietro Sambonettos Druck von 1515 neu erschlossen. Dabei wurde deutlich, dass dieser Druck nicht nur eine Randerscheinung ist, sondern ein Dokument einer eigenständigen Sieneser Liedkultur. Senese Ansano wird dadurch als einer der führenden lokalen Autoren sichtbar.

Moderne Aufführungen, besonders von Noi siamo galeotti, haben Senese Ansano auch außerhalb der Fachliteratur hörbar gemacht. Solche Aufführungen sind rezeptionsgeschichtlich bedeutsam, weil sie das Repertoire nicht nur als Archivbestand, sondern als lebendige, rhythmisierte, textnahe und theatralische Vokalmusik erfahrbar machen.

Sekundärliteratur

  • Cellesi, Leonello: Ricerche intorno ai compositori dello “zibaldoncino musicale” marucelliano. In: Bullettino senese di storia patria 38, 1931. Frühere Grundlage zur Erforschung Sieneser Frottola-Komponisten.
  • Cellesi, Leonello: Il lirismo musicale religioso in Siena nel Trecento e quello profano nel Cinquecento. In: Bullettino senese di storia patria 41, 1934. Wichtig für die ältere Sieneser Musikgeschichtsschreibung.
  • D’Accone, Frank A.: Instrumental Resonances in a Sienese Vocal Print of 1515. In: Jean-Michel Vaccaro (Hrsg.): Le Concert des voix et des instruments à la Renaissance. Paris: CNRS, 1995. Zentrale Studie zum Sambonetto-Druck von 1515.
  • D’Accone, Frank A.: The Civic Muse. Music and Musicians in Siena during the Middle Ages and the Renaissance. Chicago und London: University of Chicago Press, 1997. Grundlegende Gesamtdarstellung zur Sieneser Musikgeschichte, zur Domkapelle und zum städtischen Musikleben.
  • D’Accone, Frank A.: Secular Music in Siena in the Early Sixteenth Century. Pietro Sambonetto’s “Canzone, Sonetti, strambotti et frottole, libro primo”. Studie zum weltlichen Repertoire des Sieneser Druckes von 1515.
  • Einstein, Alfred: The Italian Madrigal. Princeton 1949. Klassische Darstellung zur Vorgeschichte des Madrigals und zur Frottola, mit Hinweisen auf Sieneser und verwandte Repertoires.
  • Fusi, Danilo: Le frottole nell’edizione di Pietro Sambonetto (Siena 1515). Tesi di laurea, Università di Siena, 1977. Spezialarbeit zum Sambonetto-Druck.
  • Jeppesen, Knud: La Frottola. 3 Bände. Århus 1968–1970. Grundlegende ältere Gattungsstudie zur Frottola.
  • Lincoln, Harry B.: The Italian Madrigal and Related Repertories. Indexes to Printed Collections 1500–1600. New Haven und London 1988. Wichtig für Drucküberlieferung und Repertoireerschließung.
  • Luisi, Francesco: La musica vocale nel Rinascimento. Turin 1977. Überblickswerk zur italienischen Vokalmusik der Renaissance.
  • Prizer, William F.: Petrucci and the Carnival Song. On the Origins and Dissemination of a Genre. Studie zu Karnevalsliedern, Frottola-Drucken und verwandten Repertoires, mit Bezug auf Sieneser Stücke Senese Ansanos.
  • Saggio, Francesco: Le frottole di Giacomo Fogliano da Modena. In: Philomusica on-line 10, 2011. Enthält eine wichtige Übersicht zu Pietro Sambonettos Druck, zu Sieneser Autoren und zu den Senese Ansano zugeschriebenen Nummern.
  • Zappalà, Pietro / Balestra, Cinzia / Giorgi, Paolo / Missio, Anna Rita / Zappalà, Paolo: RISM B/I. Recueils imprimés XVI–XVII siècles. Indice dei compositori / Index of composers / Komponistenindex. Wichtig für die Druck- und Zuschreibungslage.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Senese Ansano Sieneser Sänger, Priester, Lehrer, Kapellmeister und Komponist weltlicher Frottolen um 1500.
  • Barzelletta Italienische Lied- und Gedichtform, die für Frottola und weltliche Vokalmusik um 1500 wichtig ist.
  • Canzone Poetisch-musikalische Gattungsbezeichnung, die im Sambonetto-Druck neben Sonett, Strambotto und Frottola erscheint.
  • Canto carnascialesco Karnevalslied, dessen Rollen- und Festcharakter für einzelne Sieneser Frottolen Senese Ansanos relevant ist.
  • Duomo di Siena Sieneser Dom und institutioneller Ort der musikalischen Ausbildung und Tätigkeit Sano di Goros.
  • Frottola Italienische weltliche Vokalgattung um 1500 und Hauptfeld der überlieferten Werke Senese Ansanos.
  • Kapellmeister Leitungsamt einer musikalischen Kapelle, im kirchlichen Kontext mit Unterricht, Aufführung und Repertoirepflege verbunden.
  • Kopist Schreiber musikalischer Quellen, wichtig für die Überlieferung von Frottole, Handschriften und lokalen Repertoires.
  • Mascherata Rollen- und Maskenlied, das für die Deutung von Noi siamo galeotti und verwandten Stücken wichtig ist.
  • Musikdruck Medienform, durch die Sambonettos Sammlung von 1515 und damit Senese Ansanos Werke überliefert wurden.
  • Niccolò Piffaro Senese Sieneser Musiker und Komponist, ebenfalls im Sambonetto-Druck von 1515 vertreten.
  • Pietro Sambonetto Sieneser Drucker der Sammlung Canzone, sonetti, strambotti et frottole von 1515.
  • Renaissance Kulturgeschichtlicher Rahmen von Senese Ansanos Tätigkeit und der Sieneser weltlichen Vokalmusik.
  • Renaissancepolyphonie Mehrstimmige Musik der Renaissance, in deren weltlichem Bereich Senese Ansanos Frottolen einzuordnen sind.
  • RISM Internationales Quellenrepertorium, wichtig für die bibliographische Erfassung der Sambonetto-Sammlung und ihrer Zuschreibungen.
  • Pietro Sambonetto Alternative Ansetzung für den Sieneser Drucker des für Senese Ansano maßgeblichen Frottola-Druckes.
  • Sano di Goro Personenname, unter dem Senese Ansano in der Sieneser Domüberlieferung greifbar wird.
  • Sant’Ansano Sieneser Stadtpatron, dessen Name zur kulturellen Namenslandschaft Sienas gehört.
  • Siena Stadt, Herkunftsort und Hauptwirkungsraum Senese Ansanos sowie Zentrum einer eigenen Renaissance-Musikkultur.
  • Sieneser Domkapelle Kirchliche Musikinstitution, in der Sano di Goro als Sänger und späterer Kapellmeister wirkte.
  • Strambotto Italienische poetische und musikalische Form, die im Repertoire der Frottola und im Sambonetto-Druck begegnet.
  • Vokalmusik Übergreifendes Feld von Gesang, Mehrstimmigkeit, Frottola und weltlichem Lied.
  • Weltliche Musik Nichtliturgischer Bereich, in dem Senese Ansanos gedruckte Werke überliefert sind.