Anton Böhm & Sohn

Musikverlag in Augsburg · gegründet 1803 durch Andreas Böhm · seit 1871 als Anton Böhm & Sohn firmierend · Schwerpunkt katholische Kirchenmusik, Chormusik und Orgelmusik

Überblick

Anton Böhm & Sohn ist ein traditionsreicher Musikverlag in Augsburg. Der Verlag geht auf den Stadtmusiker und Musikalienverleger Andreas Böhm zurück, der am 22. November 1803 vom Rat der Stadt Augsburg die Musikalienverlagsgerechtigkeit erhielt. 1831 übernahm sein Sohn Anton Josef Böhm das Geschäft, gab der Firma seinen Namen und baute sie zu einem der wichtigen katholischen Kirchenmusikverlage des 19. Jahrhunderts aus. Seit dem Eintritt von Moritz Böhm im Jahr 1871 wurde die Bezeichnung Anton Böhm & Sohn gebräuchlich.

Der Verlag ist für die Geschichte der Kirchenmusik, der Chormusik, der Orgelmusik, der Musikalienhandlung und des süddeutschen Musikverlagswesens bedeutsam. Sein Profil lag traditionell besonders auf katholischer Liturgie, lateinischer und deutscher Chormusik, Messen, Motetten, Orgelstücken, Männerchören, Liedertafel-Repertoire und praktischen Ausgaben für Kirchenchor, Organist und Musikverein. Damit steht Anton Böhm & Sohn nicht nur für ein einzelnes Unternehmen, sondern für eine ganze Gebrauchskultur musikalischer Praxis.

Die Geschichte des Verlags ist zugleich eng mit der Augsburger Stadt-, Druck- und Wirtschaftsgeschichte verbunden. Das Unternehmen entwickelte sich aus dem Umfeld des älteren Augsburger Verlagswesens, baute eine eigene Notendruckerei auf, eröffnete 1893 eine Wiener Zweigniederlassung und unterhielt internationale Vertretungen. 1944 wurde das Verlagshaus in der Augsburger Innenstadt zerstört; nach 1947 begann der Wiederaufbau des Repertoires mit Hilfe ausgelagerter Druckplatten und Archivexemplare. 1958 bezog der Verlag das Haus in der Langen Gasse 26.

Im 20. und 21. Jahrhundert wandelte sich die Funktion des Verlags. Neben dem klassischen Kirchenmusik- und Chormusikbestand traten Musikalienhandel, Schallplattenabteilung, Online-Vertrieb, Rechteverwaltung und Print-on-Demand. Das stationäre Ladengeschäft in der Ludwigstraße 15 wurde 2016 geschlossen; das Verlags- und Handelsgeschäft wird seither stärker über Online- und Versandwege geführt. Seit der Umstrukturierung ab 2022 und der Print-on-Demand-Neuausrichtung ab 2025 werden große Teile des umfangreichen historischen Verlagsregisters wieder zugänglich gemacht.

Für ein Kulturlexikon ist Anton Böhm & Sohn deshalb ein Schlüsselbegriff der praktischen Musikgeschichte. Der Verlag vermittelt zwischen Komponist, Kirche, Chorleiter, Organist, Musikalienhandel, Verlagsrecht, Drucktechnik, städtischem Musikleben, katholischer Liturgie und bürgerlichem Vereinswesen. Seine Bedeutung liegt weniger in spektakulären Einzelereignissen als in der dauerhaften Versorgung eines breiten musikalischen Alltags.

Kurzdaten

Name Anton Böhm & Sohn.
Weitere Namensformen A. Böhm & Sohn, Anton Böhm und Sohn, Anton Böhm & Sohn Musikverlag, Böhm & Sohn Musikverlag, Anton Böhm & Sohn GmbH & Co. KG, Böhm & Sohn Musikverlag GmbH.
Ort Augsburg; historisch unter anderem Ludwigstraße und Lange Gasse 26.
Gründung 22. November 1803 durch Andreas Böhm, nachdem dieser vom Rat der Stadt Augsburg die Musikalienverlagsgerechtigkeit erhalten hatte.
Namensgeber Anton Josef Böhm, der 1831 den Verlag übernahm und ihm seinen Namen gab.
Firma Anton Böhm & Sohn Seit dem Eintritt von Moritz Böhm im Jahr 1871 als Teilhaber beziehungsweise seit dieser Generation unter dem Namen Anton Böhm & Sohn bekannt.
Beruf / Art Musikverlag, Musikalienhandlung, Notendruckerei, Notenversand, Rechteverwaltung und Anbieter von Print-on-Demand-Ausgaben.
Programmschwerpunkte Katholische Kirchenmusik, lateinische und deutsche Messen, Motetten, Chormusik, Männerchor, Liedertafel-Repertoire, Orgelmusik, Kammermusik, praktische liturgische Gebrauchsmusik und zeitgenössische Kirchenmusik.
Wichtige Familien- und Leitungsgenerationen Andreas Böhm, Anton Josef Böhm, Moritz Böhm, Theodor Böhm, Johanna Ballinger, Friedrich Ballinger, Thomas Ballinger-Amtmann, Dorothea Ballinger-Amtmann und neuere Geschäftsführung seit 2025.
Historische Einschnitte Wiener Zweigniederlassung 1893, Zerstörung des Verlags 1944, Wiederaufbau ab 1947, Neubau in der Langen Gasse 26 im Jahr 1958, Schließung der Musikalienhandlung 2016, Print-on-Demand-Neuausrichtung ab 2022/2025.
Kulturgeschichtliche Bedeutung Einer der prägenden Augsburger Musikverlage, besonders wichtig für katholische Kirchenmusik, süddeutsche Chorpraxis, Orgelrepertoire und die Kontinuität praktischer Musikalienversorgung.
Datei boehm-anton-und-sohn.shtml.

Name, Firma und Quellenlage

Der Name Anton Böhm & Sohn ist historisch präzise zu verstehen. Der ursprüngliche Gründer war nicht Anton Böhm, sondern Andreas Böhm. Anton Josef Böhm war der Sohn des Gründers, übernahm den Verlag 1831 und gab der Firma ihren prägenden Namen. Die Erweiterung zu Anton Böhm & Sohn hängt mit dem Eintritt von Moritz Böhm in den Verlag im Jahr 1871 zusammen. In älteren Drucken und Katalogen erscheinen daher unterschiedliche Imprints: Anton Böhm, Anton Böhm & Sohn, Ant. Böhm & Sohn, A. Böhm & Sohn oder spätere gesellschaftsrechtliche Formen.

Die Quellenlage ist für die Grundgeschichte gut, aber im Detail vielschichtig. MGG Online, das Stadtlexikon Augsburg, die offizielle Verlagschronik, IMSLP, Stadtarchiv Augsburg und antiquarische Kataloge belegen unterschiedliche Aspekte. MGG und Stadtlexikon sichern die genealogische und institutionelle Grundlinie. Die offizielle Verlagswebsite bietet die neuere Chronik bis zur Umstrukturierung 2025. IMSLP erschließt Imprints, Plattennummern und Druckdaten. Das Stadtarchiv Augsburg verzeichnet Jubiläumsschriften, Prospekte, Verlagsberichte und Werbematerialien für die Zeit von 1903 bis 2003.

Für diese Seite ist wichtig, den Verlag nicht mit einzelnen Personen gleichen Namens zu verwechseln. Andreas Böhm ist der Gründer, Anton Josef Böhm der Namensgeber und eigentliche Ausbauende des 19. Jahrhunderts, Moritz Böhm der Sohn, durch dessen Eintritt die Firmenform & Sohn entstand. Das Lemma bezeichnet aber die Institution, nicht nur die Person Anton Böhm.

Geschichte

Die Geschichte beginnt am 22. November 1803, dem Tag der heiligen Cäcilia, der Patronin der Kirchenmusik. Andreas Böhm, Stadtmusiker und Musikalienverleger aus dem Augsburger Umfeld, erhielt vom Rat der freien Reichsstadt Augsburg die Musikalienverlagsgerechtigkeit. Bis 1816 war der Verlag mit dem Verlagshaus Gombart verbunden. Damit steht der spätere Verlag Anton Böhm & Sohn von Anfang an im Kontext der Augsburger Druck- und Verlagsgeschichte.

1831 übernahm Anton Josef Böhm den Verlag. Unter ihm wurde das Unternehmen zu einem führenden katholischen Kirchenmusikverlag des 19. Jahrhunderts. Anton Böhm erweiterte das Geschäft, holte seinen Bruder Johann Karl Böhm in den Verlag und baute eine Notendruckerei auf. Diese Verbindung von Verlag, Musikalienhandel und Druckerei war für das 19. Jahrhundert besonders wichtig, weil musikalische Gebrauchsliteratur schnell, kostengünstig und in praktischen Stimmen verfügbar sein musste.

Der Eintritt von Moritz Böhm im Jahr 1871 markierte den Übergang zur Firma Anton Böhm & Sohn. Moritz Böhm wurde 1874 alleiniger Inhaber. In seine Zeit fiel die stärkere Ausweitung des Verlags, die Pflege des katholischen Kirchenmusikprogramms und die Erweiterung internationaler Vertriebsbeziehungen. 1893 wurde eine Wiener Zweigniederlassung gegründet; darüber hinaus bestanden Vertretungen in Brüssel, Mexico, London und New York.

Nach Moritz Böhms Tod 1896 führte zunächst seine Witwe Luise Böhm, geborene Herberger, den Verlag mit Hilfe des Prokuristen Hermann Balig weiter. 1906 übernahm Theodor Böhm die Leitung. Unter ihm blieb das Unternehmen ein wichtiger Anbieter kirchlicher und chorischer Gebrauchsmusik. Die Auszeichnung mit einem „Großen Preis“ auf der Weltausstellung in St. Louis 1904 zeigt den internationalen Anspruch und das repräsentative Selbstverständnis des Verlags.

Ein schwerer Einschnitt war der Luftangriff vom 25. Februar 1944, bei dem Verlag und Verlagsarchiv in der Augsburger Innenstadt vollständig zerstört wurden. Dabei gingen Autographen und andere Dokumente verloren. Nach 1947 begann der langsame Wiederaufbau des Repertoires, unterstützt durch ausgelagerte Druckplatten und Archivexemplare. 1958 entstand das Verlagshaus in der Langen Gasse 26, das zum dauerhaften Standort wurde.

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil stellte die Liturgiereform den Verlag vor neue Aufgaben. Die katholische Kirchenmusik musste sich veränderten liturgischen Sprachen, Gemeindebeteiligung, neuen Gesangbüchern und veränderten praktischen Anforderungen stellen. Anton Böhm & Sohn blieb in dieser Lage nicht nur Bewahrer älterer Kirchenmusik, sondern Anbieter neuer liturgischer Gebrauchsmusik.

Seit dem späten 20. Jahrhundert wandelte sich das Geschäftsmodell. Die Musikalienhandlung in der Ludwigstraße 15, lange ein wichtiger Ort des Augsburger Musiklebens, wurde 2016 geschlossen. Der Handel verlagerte sich stärker auf Online- und Versandwege. Ab 2022 wurde ein umfassender Umbau des Unternehmens angestoßen. Durch die weitgehende Umstellung des Katalogs auf Print-on-Demand können zahlreiche ältere und zwischenzeitlich schwer erhältliche Werke aus dem Verlagsarchiv wieder zugänglich werden. Seit Mitte 2025 ist dieser Prozess mit einer Partnerschaft im Verlagsservice und einer breiteren digitalen Vertriebsstruktur verbunden.

Kulturüberblick

Anton Böhm & Sohn gehört in eine lange süddeutsche Kulturgeschichte, in der Musikverlage nicht nur ästhetische Neuheiten verbreiteten, sondern vor allem praktische musikalische Bedürfnisse bedienten. Kirchenchöre, Organisten, Männergesangvereine, Liedertafeln, Musiklehrer, Kapellmeister, Schulen, Klöster, Pfarrkirchen und bürgerliche Musikvereine benötigten Notenmaterial. Ein Verlag wie Böhm & Sohn stellte diese Materialien bereit und prägte dadurch den klingenden Alltag.

Der Schwerpunkt auf katholischer Kirchenmusik ist kulturgeschichtlich besonders wichtig. Im 19. Jahrhundert entstand ein breites Bedürfnis nach liturgisch brauchbarer Musik für Kirchenchöre, Orgel, Solisten und kleinere Instrumentalbesetzungen. Die kirchenmusikalische Reformbewegung, der Cäcilianismus, die Pflege älterer Polyphonie, neue Messen, Motetten, Offertorien, Mariengesänge und Orgelstücke bildeten ein ausgedehntes Repertoirefeld. Anton Böhm & Sohn war in diesem Feld einer der prägenden praktischen Anbieter.

Gleichzeitig spielte der Verlag im bürgerlichen Chorwesen eine Rolle. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde weltliche Chormusik ein weiterer Programmschwerpunkt. Die Augsburger Liedertafel und vergleichbare Vereinskulturen benötigten druckfähige, aufführbare, erschwingliche und stimmlich praktikable Musik. Der Verlag verband damit kirchliche und bürgerliche Musikpraxis.

Die Augsburger Lage war dabei kein Zufall. Augsburg besitzt eine bedeutende Druck-, Buchhandels- und Musikgeschichte. Nach dem Verlagshaus Gombart, den städtischen Musiktraditionen, der kirchlichen Kultur und dem bürgerlichen Vereinswesen bot die Stadt einen geeigneten Raum für einen Musikverlag, der liturgische und praktische Musik weit über die Stadtgrenzen hinaus verbreitete. Böhm & Sohn wurde so zu einem Bindeglied zwischen lokaler Produktion und überregionalem Markt.

Im 20. Jahrhundert veränderte sich die kulturelle Funktion des Verlags. Die Zerstörung von 1944 machte die Verletzlichkeit von Musikarchiven sichtbar. Der Wiederaufbau nach 1947 zeigt dagegen, wie wichtig ausgelagerte Druckplatten, Archivexemplare und verlegerisches Gedächtnis für die Fortsetzung eines Repertoires sind. Der Übergang zu Online-Handel und Print-on-Demand im 21. Jahrhundert führt diese Logik weiter: Historische Notenbestände werden nicht mehr allein durch Lagerhaltung, sondern durch digitale Register, Rechteverwaltung und bedarfsgerechten Druck verfügbar gehalten.

Katholische Kirchenmusik, Chorwesen und Orgelmusik

Der Kern des Verlagsprofils lag über lange Zeit auf katholischer Kirchenmusik. Dazu gehörten lateinische Messen, deutsche Messen, Requien, Motetten, Offertorien, Gradualien, Mariengesänge, Festgesänge, Karwochenmusik, Advents- und Weihnachtsmusik sowie Gebrauchsmusik für das Kirchenjahr. Diese Werke waren nicht primär für den Konzertsaal gedacht, sondern für die konkrete liturgische Praxis von Pfarrkirchen, Domchören, kleineren Kirchenchören und Organisten.

Die Orgel spielte im Verlagsprogramm eine besondere Rolle. Orgelvorspiele, Nachspiele, kurze Choralbearbeitungen, Zwischenspiele, Praeludien, Pastorellen und Gebrauchsstücke für angehende Organisten gehörten zum praktischen Kernbestand. Solche Musik ist kulturhistorisch nicht geringzuschätzen. Sie prägt den Klang unzähliger Gottesdienste, auch wenn sie selten in großen Musikgeschichten erwähnt wird.

Auch das Chorwesen war zentral. Der Verlag publizierte geistliche und weltliche Chormusik für gemischten Chor, Männerchor, Frauenchor und Kinder- beziehungsweise Jugendchorzusammenhänge. Besonders die Verbindung von Kirchenchor und bürgerlichem Männergesang zeigt die Breite des Verlags: Er bediente sowohl liturgische als auch gesellige, festliche und vereinsmusikalische Bedürfnisse.

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil änderten sich die Anforderungen. Die Liturgiereform stärkte die Volkssprache und die Gemeindebeteiligung; zugleich blieb die mehrstimmige Chormusik ein wichtiger Bestandteil katholischer Praxis. Ein Verlag wie Anton Böhm & Sohn musste deshalb ältere lateinische Bestände bewahren, neue deutschsprachige Kirchenmusik anbieten und praktische Lösungen für kleinere Chöre und Organisten entwickeln.

Druck, Musikalienhandlung und Vertrieb

Anton Böhm & Sohn war nicht nur ein Verlag, sondern auch eine Musikalienhandlung und zeitweise eine Notendruckerei. Anton Böhm baute mit seinem Bruder Karl eine Notendruckerei auf, die bis nach dem Ersten Weltkrieg bestand. Diese Verbindung von Druck, Verlag und Verkauf war für den Erfolg wesentlich. Musikalien mussten nicht nur komponiert und redigiert, sondern gedruckt, gelagert, beworben und an Chöre, Organisten, Buchhandlungen und kirchliche Institutionen ausgeliefert werden.

Die Wiener Zweigniederlassung ab 1893 zeigt die überregionale Ausrichtung. Wien war für katholische Kirchenmusik, Musikhandel und Habsburger Kulturraum ein wichtiger Markt. Vertretungen in Brüssel, Mexico, London und New York zeigen zusätzlich, dass der Verlag seine Ausgaben international verbreitete. Das war besonders für kirchliche und deutschsprachige Auswanderergemeinden bedeutsam.

Die Musikalienhandlung in Augsburg war lange auch ein städtischer Kulturort. Sie verband Noten, Musikbücher, Tonträger, Beratung, Bestellwesen und direkte Kundschaft. Mit ihrer Schließung 2016 endete eine ältere Form des stationären Musikhandels. Die Fortführung im Online- und Versandgeschäft markiert den Wandel der Musikalienkultur im digitalen Zeitalter.

Die heutige Print-on-Demand-Neuausrichtung ist für die Musikgeschichte besonders bedeutsam, weil sie den Zugriff auf ältere Verlagsbestände verändert. Ein Werk muss nicht dauerhaft physisch auf Lager liegen, um wieder verfügbar zu sein. Rechte, digitale Druckdaten, Register und Verlagsarchiv treten an die Stelle klassischer Vorratshaltung. Für kirchenmusikalische Praxis, Forschung und Repertoirepflege ist dies ein wichtiger Erhaltungsmechanismus.

Verlags-, Reihen- und Programmbestandsverzeichnis

Ein vollständiges Titelverzeichnis des Verlags umfasst nach heutiger Verlagsangabe mehr als 12.000 im Verlagsregister vorhandene Ausgaben und kann innerhalb einer Kulturlexikon-Seite nicht als Einzelauflistung jedes Drucktitels wiedergegeben werden. Das folgende Verzeichnis ordnet deshalb die für das Profil des Verlags wesentlichen Werkgruppen, Reihen, Programmbereiche und nachweisbaren historischen Drucktypen. Es ist als vollständige systematische Profilübersicht, nicht als Ersatz eines archivalischen Gesamtkatalogs zu lesen.

Historische Firmen- und Imprintformen

Anton Böhm Imprint der Phase nach der Übernahme durch Anton Josef Böhm ab 1831 bis zum Eintritt von Moritz Böhm. In dieser Zeit wurde der Verlag als katholischer Kirchenmusikverlag und Musikalienhandlung profiliert.
Anton Böhm & Sohn Imprint seit dem Eintritt von Moritz Böhm im Jahr 1871. Diese Firmenform ist die historisch prägende und im Musikhandel verbreitetste Bezeichnung.
Anton Böhm & Sohn, Augsburg Häufige Ortsform auf Notendrucken, Prospekten und Verlagsanzeigen; sie betont die Augsburger Herkunft und Hauptniederlassung.
Anton Böhm & Sohn, Augsburg und Wien Formel der Zeit mit Wiener Zweigniederlassung beziehungsweise Wiener Vertriebsbezug. Sie erscheint besonders bei Drucken, die im größeren katholischen und habsburgischen Raum zirkulierten.
Anton Böhm & Sohn GmbH & Co. KG Spätere gesellschaftsrechtliche Firmenform, besonders für die zweite Hälfte des 20. und den Beginn des 21. Jahrhunderts greifbar.
Böhm & Sohn Musikverlag GmbH Neuere beziehungsweise heutige Firmierung im Zusammenhang der Umstrukturierung und Fortführung des Verlags im 21. Jahrhundert.

Katholische Kirchenmusik

Lateinische Messen Zentraler historischer Programmbereich für gemischten Chor, Solisten, Orgel und teils Orchester beziehungsweise Instrumentalbegleitung. Die Messen dienten der katholischen Liturgie und dem festlichen Kirchenjahr.
Deutsche Messen und Gemeindemessen Besonders wichtig für die liturgische Praxis nach den deutschsprachigen Kirchenmusikbewegungen und später nach den Reformen des 20. Jahrhunderts.
Requiem und Totenliturgie Ausgaben für Begräbnis, Allerseelen, Totengedenken und liturgische Trauerfeiern, häufig für Chor und Orgel oder Chor mit kleiner Instrumentalbesetzung.
Motetten Lateinische und deutsche Motetten für verschiedene Chorbesetzungen. Dieser Bereich verbindet cäcilianische Praxis, ältere Polyphonie, neue Kirchenmusik und praktische Chorarbeit.
Offertorien, Gradualien und Propriumsgesänge Gebrauchsmusik zu wechselnden Teilen der Messe, besonders für Sonn- und Feiertage des Kirchenjahres.
Mariengesänge Chor- und Orgelmusik für marianische Feste, Maiandacht, Rosenkranz, Lourdes-, Fatima- und regionale Marienfrömmigkeit.
Karwochen- und Passionsmusik Musik für Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag und Osternacht, darunter Kantaten, Motetten, Responsorien und praktische Chorsätze.
Weihnachts- und Adventsmusik Chor-, Orgel- und Ensembleausgaben für Advent, Weihnachten, Krippe, Pastorelle, Christmette und weihnachtliche Festgottesdienste.

Chormusik und Vereinsmusik

Gemischter Chor Geistliche und weltliche Chormusik für SATB-Besetzung, oft mit Orgel oder Klavier, teils mit Orchester oder Bläsern ad libitum.
Männerchor Weltliche und geistliche Männerchöre für Vereine, Liedertafeln, Feste, Gedenkfeiern und kirchliche Anlässe.
Frauenchor und gleiche Stimmen Chorliteratur für Frauenstimmen, Schulchöre, Jugendchöre und kirchliche Vokalgruppen.
Augsburger Liedertafel Ein prägender Programmbereich des 19. Jahrhunderts; die in Lieferungen erschienenen Gesänge der Augsburger Liedertafel setzten im regionalen Chordruck Maßstäbe.
Festchöre und Gelegenheitsmusik Chorwerke für Jubiläen, Fahnenweihen, Gedenkfeiern, Vereinsfeste, katholische Verbände, Stadtfeste und kirchliche Festtage.

Orgelmusik

Kurze Orgelstücke Praktische Vor-, Nach- und Zwischenspiele für Gottesdienst, Kirchenjahr und liturgische Übergänge.
Praeludien und Fugen Kirchenmusikalische Konzert- und Gebrauchsstücke für Organisten, teils im Stil romantischer und cäcilianischer Orgelmusik.
Pastorellen Besonders für Advents- und Weihnachtszeit verbreitete Orgelstücke, häufig mit pastoraler Klangsprache.
Orgelvorspiele zum Gotteslob Neuere praktische Ausgaben zur Begleitung des katholischen Gesangbuchs und des liturgischen Jahres.
Lehr- und Anfängerliteratur Sehr leichte, kurze und praktische Stücke für angehende Organisten und nebenamtliche Kirchenmusiker.

Instrumental-, Kammer- und Unterrichtsmusik

Kammermusik Der Verlag führte neben der dominierenden Kirchen- und Chormusik auch Kammermusik und kleinere Ensemblewerke.
Klaviermusik Praktische, pädagogische und salonfähige Klavierliteratur, teils aus dem 19. Jahrhundert und aus der Musikalienhandlungstradition.
Bläser- und Instrumentalmusik Einzelne Werke für Bläser, kleine Ensembles, Kirchenorchester oder Instrumentalbegleitung liturgischer Musik.
Schul- und Lehrmaterial Musikpädagogische Gebrauchsausgaben, besonders dort, wo Kirchenmusik, Chorschule, Orgelunterricht und Vereinsmusik ineinandergreifen.

Reihen, Archive und Sonderbestände

Denkmäler liturgischer Tonkunst Reihe beziehungsweise Editionszusammenhang für ältere und praktisch nutzbar gemachte Kirchenmusik, unter anderem mit Werken aus dem katholischen liturgischen Repertoire.
Kirchenmusikalische Novitäten Historische Prospekte und Flugblätter belegen fortlaufende Ankündigungen neuer kirchenmusikalischer Ausgaben, besonders für Chor, Orgel und liturgische Festzeiten.
Robert-Führer-Bestand Historische Verlagswerbung weist auf Kirchenkompositionen und theoretische Werke Robert Führers hin, die mit Verlagsrecht bei Anton Böhm beziehungsweise Anton Böhm & Sohn erschienen.
Bruckner-Drucke im Augsburger-Wiener Kontext Einzelne Erstdrucke beziehungsweise Drucküberlieferungen Anton Bruckners erschienen bei Anton Böhm & Sohn in Augsburg und Wien, wodurch der Verlag auch in der Bruckner-Bibliographie sichtbar wird.
Print-on-Demand-Archiv Neuere Wiederzugänglichmachung historischer und aktueller Verlagsausgaben aus dem umfangreichen Verlagsregister durch bedarfsgerechten Druck.

Komponisten, Herausgeber und Programmnamen

Das Verlagsprogramm von Anton Böhm & Sohn ist nicht auf eine einzelne Komponistenschule zu reduzieren. Es umfasst lokale Augsburger Kirchenmusiker, süddeutsche und österreichische katholische Komponisten, cäcilianisch geprägte Autoren, Orgelkomponisten, Chorpraktiker und Herausgeber älterer liturgischer Musik. Die folgenden Namen sind als profilbildende Auswahl zu verstehen.

Caspar Ett Wichtiger Name des katholischen Kirchenmusikprogramms und der cäcilianisch orientierten liturgischen Musikpflege.
Karl Kammerlander Augsburger Kirchenmusiker, dessen Werke im Stadtlexikon als Bestandteil des Programms genannt werden.
Karl Kempter Augsburger Komponist und Kirchenmusiker; mehrere Mess- und Kirchenmusikdrucke gehören zum Böhm-Kontext.
Donat Müller Augsburger Kirchenmusiker und Komponist, der im Programmkern des Verlags erscheint.
Otto Jochum Augsburger Komponist des 20. Jahrhunderts, dessen Werke im neueren Verlagsprogramm eine Rolle spielen.
Karl Kraft Augsburger Komponist, dessen Musik im Böhm-Programm und in der lokalen Augsburger Musikgeschichte wichtig ist.
Erna Woll Komponistin und Kirchenmusikerin, die im neueren Verlagsprogramm von Anton Böhm & Sohn vertreten ist.
Max Filke Kirchenmusikalischer Komponist, dessen Messen und Orgelwerke in Böhm-Drucken des frühen 20. Jahrhunderts nachweisbar sind.
Michael Haller Kirchenmusiker und cäcilianisch geprägter Komponist, der in der katholischen Kirchenmusikverlagslandschaft des 19. Jahrhunderts zu den einschlägigen Vergleichsfiguren zählt.
Anton Bruckner Der Verlag erscheint in bibliographischen Zusammenhängen einzelner Bruckner-Drucke, besonders im Augsburger-Wiener Kontext.
Alfred Schnerich Herausgeber im Umfeld der Reihe Denkmäler liturgischer Tonkunst, die ältere kirchenmusikalische Werke für praktischen Gebrauch erschloss.
Gerhard Über Späterer Prokurist und Geschäftsführer sowie Autor einer grundlegenden Studie zum Augsburger Musikverlagswesen nach Gombart im 19. und 20. Jahrhundert.

Rezeption, Archivlage und Nachwirkung

Die Nachwirkung von Anton Böhm & Sohn liegt in der dauerhaften praktischen Verfügbarkeit von Kirchen- und Chormusik. Viele Verlagsausgaben waren nicht für eine spektakuläre Uraufführung, sondern für jahrzehntelangen Gebrauch bestimmt. Sie wurden in Pfarrarchiven, Chorschränken, Organistenbibliotheken und Musikalienhandlungen aufbewahrt, abgeschrieben, nachbestellt, umgebunden und weiterverwendet. Diese Form der Wirkung ist leise, aber tief.

Die Zerstörung des Verlagshauses 1944 führte zu erheblichen Verlusten. Autographen, Dokumente und Archivmaterial gingen verloren. Zugleich zeigen ausgelagerte Druckplatten, Archivexemplare und später erhaltene Prospekte, dass die Verlagsgeschichte nicht vollständig abgerissen ist. Das Stadtarchiv Augsburg besitzt eine Schriftdokumentation mit Jubiläumsblättern, Broschüren, Verlagsberichten, Prospekten und Werbematerialien von 1903 bis 2003. Diese Materialien sind für eine genaue Rekonstruktion des Programms und seiner Selbstdeutung besonders wichtig.

Die jüngere Print-on-Demand-Strategie verändert die Rezeption historischer Gebrauchsmusik. Werke, die früher wegen geringer Nachfrage nicht mehr lagernd waren, können wieder bestellbar werden. Dadurch erhält das Verlagsarchiv eine neue Funktion: Es ist nicht nur historischer Bestand, sondern potentiell wieder aufführbares Repertoire. Für Kirchenchöre, Organisten und Musikforscher ist dies ein wichtiger Zugang zur praktischen Musikgeschichte.

Sekundärliteratur

  • Anton Böhm & Sohn: 175 Jahre im Dienst der Musik. 1803–1978. Augsburg 1978.
  • Anton Böhm & Sohn: 200 Jahre im Dienst der Musik. Anton Böhm & Sohn. Man hört viel Gutes von uns.... Augsburg 2003.
  • Franz Krautwurst; Wolfgang Zorn: Bibliographie des Schrifttums zur Musikgeschichte der Stadt Augsburg. Augsburg 1989.
  • Günther Grünsteudel; Josef Mančal: A. Böhm & Sohn GmbH & Co. KG. In: Stadtlexikon Augsburg.
  • Gerhard Über: Der Musikverlag in Augsburg nach Gombart im 19. und 20. Jahrhundert. In: Augsburger Buchdruck und Verlagswesen. Augsburg 1997, S. 1033–1045.
  • Augsburger Buchdruck und Verlagswesen. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Augsburg 1997.
  • Die Musik in Geschichte und Gegenwart, 2. Auflage, Sachteil, Band 3, Kassel und Stuttgart 2000, Artikel zu Anton Böhm & Sohn.
  • Claudio Sartori und RISM-nahe Katalogtraditionen zur Musikverlags- und Quellenerschließung des 19. Jahrhunderts.
  • Hofmeister XIX: Bibliographische Nachweise zu Musikdrucken des 19. Jahrhunderts, besonders für Datierungen und Verlagsimprints.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Augsburg Stadtgeschichtlicher und druckgeschichtlicher Hauptort des Musikverlags Anton Böhm & Sohn.
  • Augsburger Liedertafel Bürgerlicher Chorverein, dessen Gesänge im Böhm-Programm eine wichtige Rolle spielten.
  • Benno Filser Verlag Augsburger Verlag, dessen Erwerbungen und Programmbereiche in der Geschichte von Anton Böhm & Sohn berührt werden.
  • Andreas Böhm Gründer des späteren Musikverlags Anton Böhm & Sohn, dem 1803 die Musikalienverlagsgerechtigkeit verliehen wurde.
  • Anton Josef Böhm Namensgeber und Ausbauender des Verlags, der das Geschäft 1831 übernahm.
  • Moritz Böhm Sohn Anton Böhms, dessen Eintritt 1871 zur Firmenform Anton Böhm & Sohn führte.
  • Anton Bruckner Komponist, dessen Drucküberlieferung in einzelnen Fällen mit Anton Böhm & Sohn Augsburg und Wien verbunden ist.
  • Cäcilianismus Katholische Kirchenmusikbewegung, deren Repertoire- und Reforminteressen zum Verlagsprofil von Böhm & Sohn passen.
  • Chormusik Zentraler Programmbereich des Verlags, sowohl geistlich als auch weltlich.
  • Caspar Ett Kirchenmusikalischer Komponist, dessen Werke im katholischen Böhm-Programm eine wichtige Rolle spielten.
  • Gombart Verlagshaus Augsburger Verlagshaus, mit dem der frühe Böhm-Verlag bis 1816 verbunden war.
  • Karl Kammerlander Augsburger Kirchenmusiker und Programmautor im Umfeld von Anton Böhm & Sohn.
  • Karl Kempter Augsburger Kirchenmusiker, dessen Messen und liturgische Werke zum Böhm-Verlagsprofil gehören.
  • Kirchenmusik Hauptfeld des Verlags, besonders in katholischer liturgischer und chorischer Praxis.
  • Liturgische Musik Funktionsbereich, in dem viele Böhm-Ausgaben für Messe, Kirchenjahr und Sakramentenpraxis stehen.
  • Motette Geistliche Chorgattung, die im Programm katholischer Kirchenmusikverlage regelmäßig vertreten ist.
  • Donat Müller Augsburger Kirchenmusiker, der im Programm von Anton Böhm & Sohn genannt wird.
  • Musikalienhandlung Handelsform, die bei Anton Böhm & Sohn lange mit Verlag, Notenversand und Beratung verbunden war.
  • Musikdruck Technische und wirtschaftliche Grundlage der Verlagsproduktion von Noten und Stimmen.
  • Musikverlag Institutioneller Oberbegriff für Herstellung, Rechteverwaltung, Vertrieb und Pflege musikalischer Drucke.
  • Orgelmusik Wichtiger Programmbereich von Böhm & Sohn, besonders in liturgischer Gebrauchsmusik.
  • Print-on-Demand Neuere Vertriebsform, mit der der Verlag historische und aktuelle Ausgaben aus dem Verlagsregister wieder zugänglich macht.
  • Requiem Liturgische Gattung, die im katholischen Kirchenmusikverlagswesen häufig gedruckt und praktisch genutzt wurde.
  • Wien Ort der 1893 gegründeten Zweigniederlassung und wichtiger Markt katholischer Kirchenmusik.
  • Erna Woll Augsburger Komponistin, deren Werke im neueren Böhm-Programm genannt werden.