Pedro Aranaz y Vides
Überblick
Pedro Aranaz y Vides gehört zu den wichtigen, außerhalb Spaniens aber nur begrenzt bekannten Gestalten der spanischen Kirchenmusik des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Seine Bedeutung liegt nicht in einem heute allgemein bekannten Opern- oder Sinfoniewerk, sondern in der außerordentlichen Breite seiner liturgischen Produktion, seiner Stellung als Kapellmeister der Kathedrale von Cuenca, seinem Beitrag zur spanischen Tonadilla escénica und seiner Beteiligung an der musiktheoretischen Unterrichtstradition für Kathedralchöre.
Aranaz steht an einer stilgeschichtlichen Schwelle. Seine Lebenszeit reicht von der spätbarocken spanischen Kathedralpraxis über die Rezeption italienischer und galanter Schreibweisen bis in die Zeit um die napoleonischen Kriege und die Verfassung von Cádiz. In seinem Werk verbinden sich ältere polyphone, doppelchörige und liturgisch gebundene Formen mit einem klareren, oft helleren und stärker affektorientierten Stil, wie er im 18. Jahrhundert unter dem Einfluss italienischer und klassischer Idiome in Spanien zunehmend aufgenommen wurde. Gerade diese Verbindung macht ihn zu einem aufschlussreichen Komponisten für den Wandel der Kirchenmusik in Spanien.
Seine Laufbahn ist zugleich ein Beispiel für den Berufsweg eines spanischen Kirchenmusikers. Aranaz begann als Chorknabe beziehungsweise musikalisch ausgebildeter junger Sänger im Umfeld von El Pilar in Zaragoza, suchte anschließend wiederholt nach einer Kapellmeisterstelle, komponierte in Madrid weltliche Bühnenstücke für die öffentlichen Theater und wurde 1769 schließlich maestro de capilla der Kathedrale von Cuenca. Nach der Priesterweihe von 1773 konzentrierte er sich noch stärker auf geistliche Musik. Sein Amt, seine Werke und seine Lehrtätigkeit sind untrennbar mit der Kathedralkultur verbunden.
Kurzdaten
| Name | Pedro Aranaz y Vides. |
|---|---|
| Vollständiger Name | Pedro Felipe Aranaz y Vides. |
| Namensformen | Pedro Aranaz, Pedro Felipe Aranaz y Vides, Aranaz y Vides, Pedro, Aranaz y Vides, Pedro Felipe, gelegentlich abweichend oder fehlerhaft Aranaz y Bides. |
| Geboren | 1740 in Tudela in Navarra; getauft am 2. Mai 1740 in Tudela. |
| Gestorben | 24. September 1820 in Cuenca. |
| Beruf | Komponist, Priester, Kapellmeister, maestro de capilla, Kirchenmusiker, Tonadilla-Komponist, Musiktheoretiker, Lehrer und Prüfer für Kathedralstellen. |
| Eltern | Pedro Aranaz und María Antonia Vides; der Vater wird mit Tudela, die Mutter mit Tafalla verbunden. |
| Ausbildung | Musikalische Ausbildung als infante de coro beziehungsweise Chorknabe im Umfeld der Basílica del Pilar in Zaragoza; Unterricht bei Luis Serra und nach dessen Tod bei Bernardo Miralles beziehungsweise in einzelnen Quellen auch bei Francisco Javier García, genannt El Españoleto. |
| Frühe Stationen | Zaragoza, Bewerbungen und Prüfungen um Kapellmeisterstellen, Madrid mit Kompositionen für öffentliche Theater, schließlich Cuenca. |
| Hauptamt | Maestro de capilla der Kathedrale von Cuenca seit 1769; Ruhestand ab 1797, aber weitere Mitarbeit als maestro jubilado. |
| Priesterweihe | 1773; danach stärkere Konzentration auf geistliche Musik und Kathedralkapelle. |
| Hauptgattungen | Messe, Motette, Psalm, Lamentation, Responsorium, Magnificat, Hymnus, Salve, Marianische Antiphon, Totenoffizium, Completorium, Villancico, Miserere, Offertorium, Arie, Tonadilla, Theatermusik und musiktheoretischer Traktat. |
| Geistlicher Werkumfang | In modernen Übersichten werden unter anderem 45 Messen, 190 Motetten, 95 Psalmen, 35 Lamentationen, 30 Responsorien, 16 Magnificat, 15 Hymnen, 20 Salven, 5 marianische Antiphonen, 2 Totenoffizien, ein Completorium und zahlreiche Villancicos genannt; im Archiv der Kathedrale von Cuenca sind mehr als 500 Werke beziehungsweise Werkzeugnisse Aranaz’ überliefert. |
| Weltliche Bühnenwerke | Vor allem Tonadillas für die öffentlichen Theater Madrids, von denen 17 erhalten sein sollen; besonders genannt werden La maja limonera, La satisfacción de los amantes, Dos payos y dos soldados, El gallego, El remedio de los locos, El chasco del perro und El chusco y la maja. |
| Theorie | Zusammen mit Francisco José Olivares entstand 1807 ein Tratado completo de composición fundamental; außerdem wird eine kleinere Schrift Reglas generales para una composición de música perfecta genannt. |
| Archivorte | Vor allem Kathedrale von Cuenca; weitere Überlieferung im Monasterio de El Escorial, Guadalupe, mehreren Kathedralarchiven, der Biblioteca Nacional de España und der Biblioteca Municipal de Madrid. |
| Kulturgeschichtliche Stellung | Wichtiger spanischer Kirchenkomponist und Kapellmeister zwischen spätbarocker Kathedraltradition, galanter Erneuerung, italienischem Einfluss, Tonadilla-Kultur und musiktheoretischer Unterrichtspraxis um 1800. |
Name, Herkunft und Quellenlage
Die gebräuchliche Lemmaform lautet Pedro Aranaz y Vides; vollständiger ist Pedro Felipe Aranaz y Vides. In spanischen biographischen Quellen wird der Familienname meist als zusammengesetzte Form Aranaz y Vides geführt. Für die Dateibezeichnung wird deshalb die ausführliche Form aranaz-y-vides-pedro.shtml gewählt. Die Akzente werden im Dateinamen vermieden, im sichtbaren Seitentitel aber korrekt gesetzt.
Die Lebensdaten sind im Kern gesichert: Aranaz wurde 1740 in Tudela geboren und dort am 2. Mai 1740 getauft; er starb am 24. September 1820 in Cuenca. Ältere oder sekundäre Darstellungen können abweichende Jahreszahlen wie 1742 oder 1821 bieten. Für eine gegenwärtige Kulturlexikon-Seite ist jedoch die durch die neuere spanische biographische Überlieferung gestützte Fassung 1740–1820 sachlich vorzuziehen.
Die Quellenlage ist zugleich reich und ungleichmäßig. Einerseits sind über 500 Werke beziehungsweise Werkzeugnisse mit der Kathedrale von Cuenca verbunden, andererseits ist ein großer Teil dieser Musik nicht im modernen Konzertleben verbreitet. Aranaz ist daher ein typischer Fall eines historisch bedeutenden Kapellmeisters, dessen Rang stärker aus Archiv, Kathedralpraxis, liturgischem Gebrauch, Abschriften, modernen Katalogen und einzelnen Wiederaufführungen hervorgeht als aus einem heute kontinuierlichen Kanon.
Biographische Grundlinien
Pedro Aranaz y Vides wurde 1740 in Tudela in Navarra geboren. Seine Taufe am 2. Mai 1740 ist für die Datierung besonders wichtig. Tudela lag im kulturellen Grenzraum zwischen Navarra, Aragón, kastilischer Kirchenmusik und den größeren musikalischen Zentren Zaragoza und Madrid. Aranaz’ frühe musikalische Ausbildung führte ihn nach Zaragoza, wo er im Umfeld der Basílica del Pilar als infante de coro beziehungsweise Chorknabe wirkte. Dort lernte er die liturgische Praxis einer der wichtigsten spanischen Kircheninstitutionen kennen.
Als Lehrer werden Luis Serra und nach dessen Tod Bernardo Miralles genannt; in einzelnen Quellen tritt außerdem Francisco Javier García, genannt El Españoleto, hinzu. Diese Ausbildungsphase vermittelte Aranaz jene Fähigkeiten, die für einen späteren maestro de capilla unverzichtbar waren: kontrapunktischer Satz, liturgische Formkenntnis, Vokalpolyphonie, Generalbass, Instrumentalbegleitung, Probenarbeit mit Kapellknaben, Kenntnis der lateinischen Texte und Fähigkeit zur schnellen Komposition für den kirchlichen Kalender.
Nach der Ausbildung suchte Aranaz wiederholt nach einem Kapellmeisteramt. In der Überlieferung werden erfolglose Bewerbungen beziehungsweise Prüfungen in Santo Domingo de la Calzada, an El Pilar in Zaragoza und in Zamora genannt. Solche Stationen zeigen die Realität des spanischen Kirchenmusikerberufs: Eine Kapellmeisterstelle war nicht nur künstlerisches Amt, sondern soziale Position, wirtschaftliche Existenz und kirchliche Autorität. Aranaz’ Weg nach Cuenca war daher das Ergebnis eines längeren beruflichen Ringens.
In den 1760er Jahren hielt er sich auch in Madrid auf und schrieb Tonadillas für die öffentlichen Theater. Diese kurze weltliche Phase ist kulturgeschichtlich besonders interessant. Sie zeigt, dass Aranaz nicht ausschließlich im sakralen Bereich ausgebildet war, sondern auch die urbane, volkstümlich-komische und dramatische Musikkultur der Hauptstadt kannte. Werke wie La maja limonera, La satisfacción de los amantes oder Dos payos y dos soldados stehen in dieser Tradition der spanischen Tonadilla escénica.
1769 wurde Aranaz maestro de capilla der Kathedrale von Cuenca. Dieses Amt prägte sein weiteres Leben. Cuenca war kein musikalisches Zentrum von der Größe Madrids, aber die Kathedrale besaß eine bedeutende Kapelle, ein Archiv, eine liturgische Tradition und einen institutionellen Bedarf an fortlaufender Musikproduktion. Der Kapellmeister musste Messen, Psalmen, Lamentationen, Responsorien, Villancicos, Motetten, Marianische Gesänge und Festmusik liefern, Sänger und Instrumentalisten führen, Kapellknaben unterrichten und die Musik des Kirchenjahrs organisieren.
1773 empfing Aranaz die Priesterweihe. Dieser Schritt veränderte sein Profil. Er war nun nicht nur weltlicher Musiker im Kirchendienst, sondern Geistlicher und Kapellmeister zugleich. Nach dieser Phase konzentrierte er sich deutlich stärker auf die geistliche Produktion. Die große Masse seines überlieferten Werks gehört in den kirchlichen Gebrauch, besonders in den Bereich der Kathedrale von Cuenca.
1797 wurde Aranaz pensioniert beziehungsweise jubilado, blieb der Kapelle aber weiter verbunden. Auch im Ruhestand arbeitete er als erfahrener Meister und Lehrer. In den letzten Lebensjahren verschlechterten sich seine wirtschaftliche und gesundheitliche Lage. Er starb am 24. September 1820 in Cuenca. Sein Nachruhm blieb lokal und fachwissenschaftlich bedeutsam, während seine Musik außerhalb spezialisierter Kreise lange wenig bekannt war.
Ausführlicher Kulturüberblick
Pedro Aranaz y Vides steht in der Geschichte der spanischen Kathedralmusik an einem Übergang. Die ältere spanische Kirchenmusik war stark von Vokalpolyphonie, modalen Traditionen, doppelchörigen Praktiken, strenger Satzlehre und liturgischer Funktion geprägt. Im 18. Jahrhundert drangen jedoch zunehmend italienische, galante und frühklassische Elemente in die Kirchenmusik ein: klarere Periodik, hellere Harmonik, konzertierende Instrumente, melodischere Führung, stärkere Affektkontraste und eine freundlichere, manchmal fast theatralisch bewegte Klangsprache.
Aranaz ist nicht als radikaler Modernist zu verstehen. Er blieb ein Kapellmeister im Dienst der Liturgie. Gerade deshalb ist seine Musik historisch aufschlussreich. Sie zeigt, wie Innovation im kirchlichen Alltag nicht als Bruch, sondern als Anpassung erscheint. Der Komponist nimmt neue Klang- und Satzmittel auf, ohne die liturgische Funktion aufzugeben. Messen, Motetten, Psalmen, Lamentationen und Responsorien bleiben an Text, Kalender und Ritual gebunden; doch ihre musikalische Sprache kann sich ändern.
Die Kathedrale von Cuenca wurde für Aranaz zum eigentlichen Arbeitsraum. Eine Kathedralkapelle war im 18. Jahrhundert eine komplexe Institution. Sie verband Chorknaben, erwachsene Sänger, Instrumentalisten, Organisten, Lehrer, Notenkopisten, Archiv und Kapitel. Der maestro de capilla war zugleich Komponist, Pädagoge, Dirigent, Verwalter musikalischer Praxis und Garant der liturgischen Ordnung. Aranaz’ enorme Werkmenge erklärt sich aus dieser Funktion. Er komponierte nicht aus romantischer Werkautonomie, sondern aus der Notwendigkeit des Kirchenjahres.
Die weltlichen Tonadillas der 1760er Jahre öffnen eine zweite Perspektive. Die Tonadilla escénica war ein kurzer spanischer Bühnen- und Musiktheatertyp, der zwischen Intermezzo, Singspielszene, Gesellschaftssatire, Volkstheater und städtischer Unterhaltung stand. Dass Aranaz in Madrid solche Werke schrieb, zeigt seine Vertrautheit mit der populären Seite des spanischen 18. Jahrhunderts. Später trat diese Seite hinter dem Priestertum und der Kathedralmusik zurück, doch sie bleibt wichtig für das Verständnis seiner stilistischen Beweglichkeit.
Der musiktheoretische Beitrag mit Francisco José Olivares verankert Aranaz schließlich in der pädagogischen Tradition der Kathedralmusik. Ein Tratado completo de composición fundamental für Kinder und junge Musiker in spanischen Kathedralen zeigt, dass Komposition nicht als individueller Ausdruck, sondern als lehrbares Handwerk verstanden wurde. Satz, Modulation, Kontrapunkt, Kadenz, Tonartenbehandlung und liturgische Zweckmäßigkeit gehörten zusammen. Aranaz steht daher auch für die Weitergabe eines praktischen Kompositionswissens um 1800.
Zaragoza, El Pilar und musikalische Ausbildung
Die musikalische Ausbildung an oder im Umfeld der Basílica del Pilar in Zaragoza war für Aranaz grundlegend. El Pilar gehörte zu den bedeutenden kirchlichen Musikorten Spaniens. Chorknaben erhielten dort eine Ausbildung, die Gesang, Notenlesen, Latein, Liturgie, Kontrapunkt und praktische Aufführung umfasste. Wer aus einem solchen System hervorging, war auf den Beruf eines Kirchenmusikers vorbereitet.
Der Unterricht bei Luis Serra und Bernardo Miralles beziehungsweise die in einzelnen Quellen genannte Verbindung mit Francisco Javier García zeigen, dass Aranaz in ein professionelles Netz spanischer Kapellmeistertradition eintrat. Solche Lehrer vermittelten nicht nur Techniken, sondern auch ein Berufsethos: Musik war Dienst am Kult, geordnete Klangrede, Erziehung der Stimmen und würdige Ausgestaltung der liturgischen Texte.
Diese Ausbildung erklärt Aranaz’ spätere Produktivität. Ein Kapellmeister musste nicht einzelne Meisterwerke für die Nachwelt schreiben, sondern zuverlässig und oft kurzfristig für bestimmte Feste, Heilige, Zeiten des Kirchenjahres und liturgische Formate komponieren. Aranaz besaß offenbar genau diese Fähigkeit zur kontinuierlichen Produktion.
Madrid, Theaterpraxis und Tonadilla
Die Madrider Jahre beziehungsweise Aufenthalte in den 1760er Jahren führten Aranaz in eine andere Musikwelt. Die öffentlichen Theater Madrids verlangten kurze, wirkungsvolle, verständliche und szenisch prägnante Stücke. Die Tonadilla escénica war hier eine besonders wichtige Gattung. Sie verband Musik, Witz, soziale Typen, lokale Sprache, Tanz, Alltagsfiguren und Theaterkomik.
Aranaz schrieb mehrere Tonadillas, von denen 17 erhalten sein sollen. Zu den bekanntesten gehören La maja limonera, La satisfacción de los amantes, Dos payos y dos soldados, El gallego, El remedio de los locos, El chasco del perro und El chusco y la maja. Diese Titel zeigen bereits das Milieu der Gattung: Majas, Bauern, Soldaten, galizische Figuren, komische Täuschungen, Liebeskonflikte und soziale Typisierung.
Dass ein späterer Priester und Kathedralkapellmeister solche Theaterstücke schrieb, ist kein Widerspruch. Im 18. Jahrhundert bewegten sich viele Musiker zwischen Kirche, Theater, Hof, privaten Akademien und öffentlicher Unterhaltung. Erst nach der Priesterweihe und der dauerhaften Bindung an Cuenca trat bei Aranaz die weltliche Theaterproduktion zurück. Die Tonadillas bleiben aber ein wichtiger Hinweis auf seine praktische Bühnenerfahrung und seine Nähe zur urbanen Musikkultur seiner Zeit.
Cuenca: Kapellmeisteramt, Liturgie und Kathedralkultur
Mit der Berufung nach Cuenca 1769 begann die eigentliche Hauptphase von Aranaz’ Leben. Die Kathedrale von Cuenca wurde sein Arbeitsplatz, sein musikalisches Labor, sein Archivort und sein Nachruhm. Als maestro de capilla war er für die gesamte musikalische Ordnung der Kathedrale verantwortlich. Er musste komponieren, proben, Sänger ausbilden, Kapellknaben unterweisen, liturgische Musik an Festtage anpassen und das Repertoire erneuern.
Die in Cuenca erhaltene Werkmenge ist beeindruckend. Mehr als 500 Werke oder Werkzeugnisse werden mit dem Archiv der Kathedrale verbunden. Darunter befinden sich Messen, Motetten zum Allerheiligsten, Marienmotetten, Salven, Hymnen, Responsorien, Psalmen, Lamentationen, Villancicos und weitere Stücke. Diese Vielfalt zeigt den gesamten liturgischen Horizont einer Kathedralkapelle.
Die Kathedrale war zugleich ein Ort musikalischer Kontinuität. Werke wurden nicht immer nur einmal aufgeführt. Sie konnten abgeschrieben, wiederverwendet, angepasst und in späteren Jahren erneut genutzt werden. Aranaz’ Musik ist deshalb nicht bloß als abgeschlossenes Kompositionswerk zu verstehen, sondern als Teil eines lebendigen Gebrauchssystems. Partitur, Stimmenmaterial, liturgischer Anlass, Sängerbesetzung und Archivierung gehören zusammen.
Priesterweihe, Amtsethos und geistliches Spätwerk
Die Priesterweihe von 1773 verstärkte Aranaz’ Bindung an die geistliche Musik. Von nun an erscheint seine Tätigkeit noch deutlicher als Verbindung von musikalischem und kirchlichem Amt. Der maestro de capilla war zwar auch vor der Priesterweihe ein Diener der Liturgie; als Priester aber erhielt diese Funktion eine zusätzliche geistliche Autorität.
Die große geistliche Werkproduktion ist aus diesem Amtsethos heraus zu verstehen. Motetten, Psalmen, Lamentationen, Messen und Responsorien waren nicht bloß musikalische Formen, sondern liturgische Handlungen in Klang. Aranaz komponierte für konkrete Texte: Eucharistie, Marienverehrung, Advent, Weihnachten, Karwoche, Vesper, Heiligenfeste, Totenliturgie und lokale Kathedraltradition.
Sein späterer Ruhestand ab 1797 bedeutete keinen völligen Rückzug. Als maestro jubilado blieb er der Kapelle verbunden, und sein Wissen blieb für Unterricht und Praxis wichtig. Die letzten Jahre waren von gesundheitlichen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten überschattet. Gerade deshalb wirkt der erhaltene Werkbestand wie ein Gegenbild zur biographischen Schwächung: Die Musik bewahrt die Arbeitskraft eines ganzen Kapellmeisterlebens.
Stil, Satztechnik und Klangsprache
Aranaz’ Stil wird in der Forschung häufig als Verbindung von kastilischer beziehungsweise spanischer Kirchenmusiktradition und neuen italienisch-galanten Elementen beschrieben. Seine Musik soll eine klarere, hellere und freundlichere Klangwirkung besitzen als die strengere Satzwelt älterer Kirchenmusik. Diese Einschätzung passt zur allgemeinen Entwicklung der spanischen Sakralmusik im späten 18. Jahrhundert.
Der Komponist arbeitet mit vokalen und vokal-instrumentalen Besetzungen. Doppelchörige Anlage, Orgelbegleitung, Streicher, Hörner und weitere Instrumente treten je nach Werk hinzu. Die Musik bewegt sich zwischen kontrapunktischer Disziplin, homophoner Textverständlichkeit und konzertierender Klangwirkung. Besonders die Motetten und Psalmen zeigen das breite Spektrum von liturgischer Strenge bis zu affektvoller Feierlichkeit.
Die Lamentationen und Responsorien gehören zu den Bereichen, in denen Textausdruck, Kirchenjahr und musikalische Rhetorik besonders eng verbunden sind. Die Karwoche verlangte eine andere Klangsprache als ein freudiges Marienfest oder ein feierliches Offertorium. Aranaz musste daher nicht nur Satztechniker sein, sondern ein musikalischer Rhetoriker der Liturgie.
Musiktheorie und Tratado completo de composición fundamental
Zusammen mit Francisco José Olivares, Organist und Lehrer im Umfeld des Colegio de Niños de Coro von Salamanca, erarbeitete Aranaz 1807 den Tratado completo de composición fundamental para la instrucción de los niños que se dedican al estudio de la música, y principalmente en las catedrales españolas. Der Titel bezeichnet den Zweck deutlich: Es handelt sich um ein Lehrwerk für junge Musiker, besonders für den Kathedralkontext.
Die Bedeutung dieses Traktats liegt nicht nur in einzelnen Regeln, sondern in seiner institutionellen Funktion. Er zeigt, wie Kompositionslehre in spanischen Kathedralen um 1800 gedacht wurde. Kinder und junge Sänger sollten nicht nur singen, sondern musikalisch gebildet werden. Harmonie, Kontrapunkt, Modulation, Kadenz, Satzarten und liturgische Angemessenheit gehörten zu einem praktischen Ausbildungsprogramm.
Zusätzlich wird eine kleinere Schrift Reglas generales para una composición de música perfecta genannt. Ob als eigenständiger Druck, Exzerpt oder abgeleitete Fassung zu lesen, ist im Einzelfall quellenkritisch zu prüfen. In jedem Fall zeigt die Überlieferung Aranaz als Lehrer, der seine Erfahrung nicht nur in Partituren, sondern auch in Regeln und Unterrichtsmaterial weitergab.
Archive, Überlieferung und moderne Wiedergewinnung
Die Überlieferung von Aranaz ist breit gestreut. Der wichtigste Bestand liegt in der Kathedrale von Cuenca, wo ein sehr großer Teil seiner geistlichen Musik erhalten ist. Weitere Werke befinden sich im Monasterio de El Escorial, in Guadalupe, in mehreren Kathedralarchiven sowie in Madrid, insbesondere in der Biblioteca Nacional de España und in der Biblioteca Municipal de Madrid. Die Tonadillas und die Musik zur Komödie Ipsípile gehören besonders in den Madrider Theater- und Bibliothekskontext.
Ein Teil der geistlichen Musik wurde im 19. Jahrhundert in Hilarián Eslavas Lira sacro hispana und später in der Biblioteca sacro-musical berücksichtigt. Dadurch wurde Aranaz in eine nationale Erinnerung an spanische Kirchenmusik aufgenommen. Solche Editionen sind für die Rezeption besonders wichtig, weil sie einzelne Werke aus dem Archivzusammenhang herauslösten und einem breiteren musikalischen Publikum zugänglich machten.
Die moderne Wiedergewinnung erfolgte vor allem durch musikwissenschaftliche Katalogarbeit, regionale Forschung, Aufführungen in der Semana de Música Religiosa von Cuenca und durch neuere Editionen einzelner Offertorien oder Chorwerke. Aranaz bleibt jedoch weiterhin ein Komponist, dessen Werkbestand zum großen Teil editorisch und aufführungspraktisch zu erschließen ist.
Rezeption und heutige Einordnung
In seiner Zeit genoss Aranaz offenbar erhebliches Ansehen. Er wurde als Prüfer bei Kapellmeisterstellen herangezogen und erhielt Angebote anderer Kathedralen, blieb aber Cuenca verbunden. Solche Hinweise sind für die historische Bewertung wichtig: Ein Kapellmeister konnte auch ohne internationalen Ruhm innerhalb des spanischen Kirchenmusiksystems hohe Autorität besitzen.
Heute ist Aranaz vor allem für drei Bereiche wichtig. Erstens steht er für die geistliche Musik der spanischen Kathedrale um 1800. Zweitens verbindet er diesen sakralen Schwerpunkt mit der weltlichen Tonadilla-Kultur Madrids. Drittens ist er als Musiktheoretiker und Lehrer ein Zeugnis der Kathedralpädagogik. Diese Dreiteilung macht ihn kulturgeschichtlich wertvoller, als es ein enger Blick auf einzelne bekannte Werke vermuten ließe.
Aranaz gehört nicht zu den dauerhaft kanonisierten Komponisten Europas. Er ist aber ein Schlüsselautor für das Verständnis der spanischen Kirchenmusik zwischen Tradition und Erneuerung. Seine Musik zeigt, wie lokale Kathedralpraxis, italienischer Einfluss, galante Klarheit, liturgische Textbindung und pädagogische Regelhaftigkeit zusammenwirkten.
Werkverzeichnis
Das Werk Pedro Aranaz y Vides’ ist sehr umfangreich und teilweise nur archivalisch vollständig zu erfassen. Das folgende Verzeichnis ist deshalb als kulturlexikalisches Gesamtverzeichnis nach Gattungen, Werkgruppen, erhaltenen Beständen und namentlich belegten Einzelwerken angelegt. Es verbindet die überlieferten Zahlenangaben mit den besonders genannten Titeln und Archivzusammenhängen.
| Messen | In der Gesamtüberlieferung werden 45 Messen genannt. Im Archiv der Kathedrale von Cuenca sind nach modernen Angaben 24 Messen nachweisbar. Die Werke umfassen unterschiedliche Besetzungen, darunter mehrstimmige, doppelchörige und mit Instrumenten begleitete Formen. Als besonders genannte Druck- oder Editionsüberlieferung erscheint eine Misa a 8 voces en dos coros con violines, contrabajo y trompas sobrepuestas. |
|---|---|
| Motetten | Die Gesamtzahl wird mit etwa 190 Motetten angegeben. Der Bestand in Cuenca differenziert unter anderem 124 Motetten zum Allerheiligsten und 47 Motetten an die Jungfrau Maria. Dazu gehören lateinische Texte für eucharistische, marianische und festliche Anlässe. |
| Motete al Altísimo | 1792 in Madrid als Motete al Altísimo zu vier Stimmen veröffentlicht beziehungsweise genannt. Das Werk gehört zu den wenigen ausdrücklich publizierten geistlichen Stücken Aranaz’. |
| Quae est ista quae ascendit | Marianisch-biblischer Motettentext aus dem Umfeld des Hohenlieds. Der Titel ist in internationalen Verzeichnissen zur Hohelied-Rezeption für Aranaz nachweisbar und verweist auf seine marianische Motettenproduktion. |
| Quam pulchra es, amica mea et quam decora | Motettischer Text aus dem Hohelied, in Werk- und Forschungszusammenhängen Aranaz zugeschrieben. Das Stück gehört zur lateinischen marianischen beziehungsweise mystisch-allegorischen Texttradition. |
| Psalmen | Die Gesamtüberlieferung nennt 95 Psalmen; in Cuenca sind 26 Psalmen ausdrücklich gezählt. Sie gehören zur Vesper- und Offiziumspraxis und bilden einen Kernbereich des Kathedralrepertoires. |
| Laudate Dominum | Offertorium beziehungsweise Psalm-/Lobtext in einer Fassung zu sechs Stimmen, zwei Chören, mit Violinen, Horn beziehungsweise Trompa und Orgel. Das Werk ist in modernen Quellen als veröffentlichte beziehungsweise edierte Aranaz-Komposition genannt. |
| Ofertorios para las Dominicas de Adviento | Offertorien für die Adventssonntage, in der Überlieferung unter anderem mit Laudate Dominum verbunden. Diese Werkgruppe zeigt Aranaz als Komponisten spezifischer liturgischer Zeitstücke. |
| Lamentationen | Die Gesamtzahl wird mit 35 Lamentationen angegeben; im Archiv von Cuenca werden 16 Lamentationen genannt. Die Gattung gehört zur Karwochenliturgie und verlangt eine besonders affektgeladene, ernste und rhetorisch differenzierte Tonsprache. |
| Lamentación 1ª del Jueves Santo con orquesta | In Hilarián Eslavas Lira sacro hispana beziehungsweise entsprechender Editionsüberlieferung genannt. Das Werk gehört zu den bekannteren sakralen Aranaz-Stücken im gedruckten 19. Jahrhundert. |
| Responsorien | Die Gesamtüberlieferung nennt 30 Responsorien. Der Bestand in Cuenca weist unter anderem 18 Responsorien zu Weihnachten und Epiphanie beziehungsweise Reyes aus. Die Gattung ist eng mit Offizium und liturgischer Wechselrede verbunden. |
| Magnificat | 16 Magnificat werden in Gesamtübersichten genannt. Die Magnificat-Vertonungen gehören zur Vesper und zeigen Aranaz im Bereich des feierlichen lateinischen Lobgesangs. |
| Hymnen | 15 Hymnen werden als Gesamtbestand genannt. In Cuenca erscheinen unter anderem fünf Hymnen an San Julián und fünf weitere an verschiedene Heilige. Die Hymnen verweisen auf lokale und allgemeine Heiligenverehrung. |
| Salven | 20 Salven werden in der Gesamtüberlieferung genannt; in Cuenca sind 18 Salven ausdrücklich gezählt. Die Salve Regina-Tradition war in der spanischen Kirchenmusik besonders wichtig. |
| Salve a cinco voces | 1792 beziehungsweise in der Druck- und Editionsüberlieferung als Salve zu fünf Stimmen genannt. Das Werk gehört zu den publizierten beziehungsweise besonders überlieferten marianischen Stücken. |
| Marianische Antiphonen | Fünf marianische Antiphonen werden in Gesamtübersichten genannt. Sie bilden zusammen mit Motetten und Salven einen wichtigen Teil der marianischen Musik Aranaz’. |
| Ave maris Stella | Marianischer Hymnus beziehungsweise Antiphon-/Hymnenkontext; in der spanischen sakralen Editionsüberlieferung wird Ave maris Stella für vier und acht Stimmen mit Streicherbegleitung in der Umgebung einschlägiger Aranaz- und Zeitgenossenwerke genannt. |
| Totenoffizien | Zwei Oficios de difuntos werden in Gesamtübersichten genannt. Diese Werke gehören zur Totenliturgie und zeigen Aranaz im ernsten, memorialen Bereich der Kirchenmusik. |
| Completorium | Ein Juego de completas beziehungsweise Completorium wird in Gesamtübersichten genannt. Die Gattung gehört zum Stundengebet und ergänzt die Vesper- und Offiziumspraxis. |
| Villancicos | In einzelnen Gesamtübersichten werden 35 Villancicos genannt; in Cuenca sind sechs Villancicos ausdrücklich gezählt. Die Gattung verbindet volkssprachliche, festliche, pastorale und liturgienahe Traditionen. |
| Misereres | 1792 wurden in Madrid drei Misereres zu vier und acht Stimmen genannt beziehungsweise veröffentlicht. Sie gehören zum Buß- und Karwochenrepertoire und stehen zwischen liturgischem Ernst und großformatiger vokaler Wirkung. |
| Aria a la Virgen de los Dolores | 1792 in der Liste veröffentlichter Werke als Arie an die Virgen de los Dolores genannt. Das Stück verweist auf den marianisch-affektiven Bereich zwischen Andacht, Arie und Kirchenmusik. |
| Ofertorio a cinco voces sin acompañamiento | Ein Offertorium zu fünf Stimmen ohne Begleitung wird unter den veröffentlichten Werken genannt. Die Besetzung verweist auf eine stärker vokalpolyphone, a-cappella-nahe Praxis. |
| Recitado y aria | In Werklisten als einzelner weltlicher oder vokaldramatischer Werktyp genannt. Der Titelbereich verweist auf die Nähe zu Theater-, Tonadilla- oder geistlich-dramatischer Arienpraxis. |
| La maja limonera, 1765 | Tonadilla escénica für die öffentlichen Theater Madrids. Das Werk gehört zu den bekanntesten Bühnenstücken Aranaz’ und wurde auch auf Tonträgern beziehungsweise in Anthologien der Tonadilla-Tradition berücksichtigt. |
| La satisfacción de los amantes, 1765 | Tonadilla escénica aus der Madrider Theaterphase. Der Titel verweist auf die komisch-liebesdramatische Typik der Gattung. |
| Dos payos y dos soldados, 1766 | Tonadilla escénica. Die Figurenkonstellation mit Bauern beziehungsweise payos und Soldaten passt zur sozialen Typisierung und humoristischen Dramaturgie der Tonadilla. |
| El gallego, 1767 | Tonadilla escénica mit regionaler Typenfigur. Das Werk gehört zu den namentlich bekannten weltlichen Bühnenstücken Aranaz’. |
| El remedio de los locos, 1769 | Tonadilla escénica aus der späten Madrider Phase vor der endgültigen Bindung an das Cuencaer Kapellmeisteramt. Der Titel zeigt den komischen und satirischen Charakter der Gattung. |
| El chasco del perro, 1769 | Tonadilla escénica. Die Überlieferung nennt den Titel als eines der erhaltenen Theaterwerke Aranaz’. |
| El chusco y la maja, 1772 | Tonadilla escénica, möglicherweise bereits in der Zeit nach der Übernahme des Cuencaer Amtes entstanden oder überliefert. Das Werk verbindet typische Figuren der städtischen Tonadilla-Kultur. |
| La maja molinera | Tonadilla beziehungsweise Bühnenstück, in Werklisten neben La maja limonera genannt. Die genaue Datierung ist quellenabhängig zu prüfen. |
| Los usías y la cencerrada del viejo | Tonadilla escénica, in modernen Dokumenten zu den Tonadillas Aranaz’ als Titel genannt. Sie gehört zum erhaltenen beziehungsweise editorisch erschlossenen Theaterbestand. |
| Las quejas y satisfacciones | Tonadilla-Titel aus der modernen Titelüberlieferung. Der Titel steht im Bereich komischer Liebes- und Konfliktszenen. |
| ¡Oh, suerte tirana! | Tonadilla-Titel aus der modernen Dokumentation der Aranaz-Tonadillas. Die genaue Quellenlage und Besetzung sind anhand der Madrider Bestände zu prüfen. |
| Yo soy una muchacha | Tonadilla-Titel aus dem überlieferten beziehungsweise editorisch dokumentierten Bestand. Der Titel verweist auf Ich-Rede, Rollenspiel und szenische Typencharakteristik. |
| Weitere Tonadillas | Insgesamt sollen 17 Tonadillas erhalten sein. Neben den namentlich häufig genannten Titeln existieren weitere Stücke in der Biblioteca Municipal de Madrid beziehungsweise in editorischen Sammlungen, deren genaue Titel je nach Katalogfassung zu prüfen sind. |
| Ipsípile | Musik zur Komödie Ipsípile. Wie die Tonadillas wird sie mit der Biblioteca Municipal de Madrid verbunden und zeigt Aranaz’ Beteiligung am weltlichen Theaterbetrieb. |
| Tratado completo de composición fundamental, 1807 | Musiktheoretischer Traktat, zusammen mit Francisco José Olivares in Salamanca erarbeitet. Der vollständige Titel nennt die Unterweisung von Kindern, die sich dem Musikstudium widmen, besonders in spanischen Kathedralen. |
| Reglas generales para una composición de música perfecta | Kleinere theoretische Schrift beziehungsweise Regelwerk, in der Überlieferung im Zusammenhang mit dem großen Kompositionstraktat genannt. Sie zeigt Aranaz’ pädagogischen Anspruch. |
| Bearbeitungen und Abschriften im Kathedralkontext | Neben eigenhändigen oder zugeschriebenen Kompositionen sind im Archivzusammenhang auch Abschriften, Gebrauchsmaterialien, Stimmen und möglicherweise spätere Bearbeitungen zu berücksichtigen. Solche Materialien sind für die liturgische Praxis ebenso wichtig wie abgeschlossene Partituren. |
Editionen, Drucke und Aufnahmen
Die moderne Präsenz Aranaz’ beruht weniger auf einem großen Tonträgermarkt als auf einzelnen Editionen, Anthologien und Wiederaufführungen. Wichtig sind die Aufnahme einzelner Werke in Hilarián Eslavas Lira sacro hispana, die spätere Biblioteca sacro-musical, regionale Editionen und die Wiedergewinnung von Tonadillas.
| Lira sacro hispana | Hilarián Eslavas große Sammlung spanischer Kirchenmusik nahm Werke Aranaz’ auf und trug dazu bei, ihn in eine nationale sakrale Traditionslinie einzuordnen. |
|---|---|
| Biblioteca sacro-musical | Spätere sakralmusikalische Editionsreihe, in der Werke Aranaz’ ebenfalls erschienen beziehungsweise berücksichtigt wurden. |
| Duo Seraphin, 1998 | Die donostiarra beziehungsweise baskische Edition Duo Seraphin veröffentlichte Ende des 20. Jahrhunderts einzelne Offertorien des Advents und förderte damit die praktische Wiedergewinnung seines sakralen Repertoires. |
| Tonadillas escénicas del siglo XVIII | Tonträger beziehungsweise Anthologie mit spanischen Tonadillas des 18. Jahrhunderts, in der Aranaz’ La maja limonera dokumentiert ist. |
| Semana de Música Religiosa de Cuenca | Aufführungskontext, in dem Teile der geistlichen Musik Aranaz’ wieder programmiert und dem modernen Publikum zugänglich gemacht wurden. |
| Polifonía de la Santa Iglesia Catedral Basílica de Cuenca | Bibliotheks- und Editionshinweis der Biblioteca Nacional de España mit Bezug zu Pedro Aranaz und zur transkribierten Polyphonie der Kathedrale von Cuenca. |
Sekundärliteratur
- Cabañas Alamán, Fernando Juan: „Aproximación al catálogo de obras religiosas de Pedro Aranaz“. In: Nassarre. Revista Aragonesa de Musicología, Bd. 14, Nr. 2, 1998, S. 139–178. Grundlegende Studie zum religiösen Werkbestand, zur Katalogisierung und zur geistlichen Produktion Aranaz’.
- Cabañas Alamán, Fernando Juan: „La jubilación de Pedro Aranaz“. In: Revista Portuguesa de Musicologia, Nr. 1, 1991, S. 97–104. Spezialstudie zu Aranaz’ späten Jahren, Ruhestand, Kapellmeisterstatus und Cuencaer Situation.
- Cabañas Alamán, Fernando Juan: „El regreso a Cuenca de Pedro Aranaz“. In: Crónicas de Cuenca, Nr. 170, 6. Mai 2000, S. 34–35. Regionalgeschichtlicher Beitrag zur Cuencaer Aranaz-Rezeption und zur biographischen Einordnung.
- Capdepón Verdú, Paulino und weitere Forschung zur spanischen Musiktheorie um 1800. Nützlich für den theoretischen Kontext von Aranaz’ und Olivares’ Kompositionslehre.
- Eslava, Hilarián: Lira sacro hispana. Madrid, 19. Jahrhundert. Wichtige Editionssammlung spanischer Kirchenmusik, in der auch Aranaz-Werke überliefert beziehungsweise verbreitet wurden.
- Gallego, Antonio: La música en tiempos de Carlos III. Madrid, Alianza, 1988. Breiter kulturgeschichtlicher Rahmen zur spanischen Musik des späten 18. Jahrhunderts, einschließlich Theater, Kirche und Reformkultur.
- Gembero Ustárroz, María: Arbeiten zur Musik in Navarra im 18. Jahrhundert. Wichtig für die Einordnung Aranaz’ als aus Tudela stammenden Musiker im weiteren navarresischen Musikraum.
- Martínez Millán, Miguel: „Semblanza de Pedro Aranaz y Vides, un músico vasco poco conocido“. In: Musiker. Cuadernos de música, Nr. 1, 1983, S. 49–57. Früher moderner Versuch, Aranaz biographisch und regionalhistorisch wieder stärker sichtbar zu machen.
- Martínez Millán, Miguel: Historia de la música de la Catedral de Cuenca. Cuenca, Diputación Provincial, 1988. Wichtige Darstellung zur Musikgeschichte der Kathedrale von Cuenca und zum institutionellen Kontext von Aranaz’ Wirken.
- Navarro, Restituto: Los maestros de capilla de la catedral de Cuenca desde el siglo XVI hasta hoy. Cuenca, Instituto de Música Religiosa, 1974. Grundlegende lokale Kapellmeistergeschichte mit Angaben zu Aranaz und seiner Stellung in Cuenca.
- Rubio Piqueras, Felipe: „Investigación musical. El Maestro de capilla de la catedral de Cuenca D. Pedro Aranaz y Vides“. In: El Día de Cuenca, Nr. 2157, 25. Dezember 1928. Älterer regionaler Forschungsbeitrag zur Wiederentdeckung Aranaz’.
- Siemens Hernández, Lothar: „Valoración estética y sociológica de Manuel Alonso Ortega sobre los músicos de su época“. In: Revista de Musicología, Sociedad Española de Musicología, 1985. Nützlicher zeit- und rezeptionsgeschichtlicher Kontext zu spanischen Musikern der Epoche.
- Torrente, Álvaro und Leza, José Máximo: Studien zur spanischen Musik des 18. Jahrhunderts. Allgemeiner Rahmen für die Modernisierung, Italianisierung und Gattungsentwicklung der spanischen Kirchen- und Theatermusik.
- Vera Aguilera, Alejandro: „De cláusulas y modulaciones. Sobre un aparente defecto en la obra de José de Campderrós“. In: Revista Musical Chilena, 2020. Kontext zur spanischsprachigen Musiktheorie und zur Erwähnung von Aranaz’ und Olivares’ Tratado completo de composición fundamental.
Ausgewählte Onlinequellen
- Biblioteca Nacional de España: Polifonía de la Santa Iglesia Catedral Basílica de Cuenca Bibliotheksdatensatz mit Bezug zu Pedro Aranaz und zur transkribierten geistlichen Musik der Kathedrale von Cuenca.
- Encyclopedia.com: Aranaz y Vides, Pedro Kurzartikel nach Baker’s Biographical Dictionary mit Lebensdaten, Ausbildung bei Luis Serra, El-Pilar-Zusammenhang, Cuencaer Kapellmeisteramt, Priesterweihe und Hinweis auf geistliche Werke sowie Tonadillas.
- Historia Hispánica / Real Academia de la Historia: Pedro Felipe Aranaz y Vides Biographischer Referenzartikel mit Lebensdaten, Berufsbezeichnungen, Literaturhinweisen und zentraler Einordnung als Komponist und maestro de capilla.
- Hispana Música: Pedro Aranaz y Vides Werkorientierte Überblicksseite mit Aufzählung von geistlichen Werkgruppen, Tonadillas, Ipsípile, Recitado y aria und dem musiktheoretischen Traktat.
- IMSLP: Lira sacro hispana Digitaler Quellen- und Editionshinweis zu Hilarián Eslavas Sammlung, in der Aranaz mit Lamentation und Offertorien erscheint.
- ItalianOPERA: Pedro Aranaz y Vides Kurze internationale Werkseite mit Angaben zu mehreren Tonadillas, darunter La maja limonera, La satisfacción de los amantes, Dos payos y dos soldados, El gallego, El remedio de los locos, El chasco del perro und El chusco y la maja.
- Los Ojos: ¿Quién es Pedro Aranaz? Einführender kulturjournalistischer Beitrag zu Aranaz, Tudela, Cuenca, El Pilar, dem Kapellmeisteramt und dem Tratado completo de composición fundamental.
- MGG Online: Aranaz y Vides, Pedro Fachlexikalischer Artikel beziehungsweise Vorschauseite zur musikhistorischen Einordnung, Biographie und Werküberlieferung.
- Música en tiempos de la Constitución de Cádiz: Pedro Aranaz y Vides Informationsseite mit Lebensdaten, Ausbildungsangaben, Werkzahlen, Tonadilla-Titeln, Bibliographie und Hinweis auf La maja limonera in der Diskographie.
- Olcades: Aranaz y Vides, Pedro Ausführlicher regionalgeschichtlicher Artikel mit Angaben zu Cuenca, spätem Leben, Prestige, geistlichem Werkbestand, Archiv der Kathedrale, veröffentlichten Werken, Tonadillas und theoretischen Schriften.
- Revista Musical Chilena / SciELO: De cláusulas y modulaciones Musiktheoretischer Fachartikel mit Erwähnung des 1807 entstandenen Tratado completo de composición fundamental von Pedro Aranaz y Vides und Francisco Olivares.
- Resonancias: Definiciones y usos del término concierto Fachartikel zur spanischen Kathedraldokumentation, der Aranaz und Olivares’ Tratado completo de composición fundamental als Quelle anführt.
Weiterführende Einträge
- Basílica del Pilar Zaragozanisches Kirchenzentrum, in dessen musikalischem Umfeld Aranaz als Chorknabe und Schüler ausgebildet wurde.
- Biblioteca Municipal de Madrid Archiv- und Bibliotheksort, an dem die Tonadillas und die Theatermusik Ipsípile mit Aranaz verbunden werden.
- Cuenca Stadt, in der Aranaz seit 1769 als Kapellmeister der Kathedrale wirkte und 1820 starb.
- El chasco del perro Tonadilla Aranaz’ aus dem Jahr 1769 und Beispiel seiner Madrider Theaterproduktion.
- El chusco y la maja Tonadilla Aranaz’ von 1772 mit typischen Figuren der spanischen Bühnensatire.
- El gallego Tonadilla Aranaz’ von 1767 mit regionaler Rollenfigur und städtischer Theaterkomik.
- El Pilar in Zaragoza Musikalisch bedeutende Kircheninstitution, die Aranaz’ Ausbildung und frühen Berufsweg prägte.
- El remedio de los locos Tonadilla Aranaz’ von 1769 aus seiner weltlichen Madrider Schaffensphase.
- Hilarián Eslava Spanischer Kirchenmusiker und Herausgeber der Lira sacro hispana, durch die Werke Aranaz’ im 19. Jahrhundert weiterverbreitet wurden.
- Francisco José Olivares Organist und Musikpädagoge, mit dem Aranaz 1807 den Tratado completo de composición fundamental erarbeitete.
- Ipsípile Komödie, zu der Aranaz Musik schrieb und die seine Verbindung zur Madrider Theaterpraxis zeigt.
- Kathedrale von Cuenca Zentraler Wirkungs- und Archivort Aranaz’ mit umfangreicher Überlieferung seiner geistlichen Musik.
- La maja limonera Bekannte Tonadilla Aranaz’ von 1765 und wichtiges Beispiel seiner weltlichen Theatermusik.
- La satisfacción de los amantes Tonadilla Aranaz’ von 1765 und Beispiel für komisch-liebesdramatische Madrider Bühnenmusik.
- Lamentation Liturgische Gattung der Karwoche, in der Aranaz zahlreiche Werke schrieb.
- Lira sacro hispana Sakralmusikalische Sammlung Hilarián Eslavas, in der Werke Aranaz’ aufgenommen wurden.
- Maestro de capilla Zentrales Amt der spanischen Kathedralmusik, das Aranaz seit 1769 in Cuenca innehatte.
- Magnificat Vespergesang, den Aranaz in mehreren Vertonungen für den Kathedralgebrauch komponierte.
- Madrid Theaterzentrum der 1760er Jahre, in dem Aranaz Tonadillas für öffentliche Bühnen schrieb.
- Miserere Bußpsalm und kirchenmusikalische Gattung, zu der Aranaz mehrere Vertonungen schuf.
- Motette Geistliche Vokalgattung, die im Werk Aranaz’ mit rund 190 genannten Stücken besonders stark vertreten ist.
- Navarra Herkunftsregion Aranaz’ und wichtiger Raum der spanischen Musikgeschichte des 18. Jahrhunderts.
- Francisco José Olivares Mitautor von Aranaz’ musiktheoretischem Traktat und Organist im Umfeld von Salamanca.
- Psalm Liturgische Gattung, in der Aranaz zahlreiche Vertonungen für die Vesper- und Offiziumspraxis hinterließ.
- Spanische Kirchenmusik Übergreifender Kontext für Aranaz’ Tätigkeit als Priester, Kapellmeister und geistlicher Komponist.
- Spanische Musik des 18. Jahrhunderts Musikhistorischer Rahmen, in dem Kathedralmusik, Tonadilla, italienischer Einfluss und galanter Stil zusammenwirken.
- Tonadilla Kurze spanische Musiktheatergattung, für die Aranaz mehrere Madrider Bühnenstücke komponierte.
- Tratado completo de composición fundamental Musiktheoretisches Lehrwerk von Pedro Aranaz y Vides und Francisco José Olivares aus dem Jahr 1807.
- Tudela Geburts- und Taufort Aranaz’ in Navarra.
- Villancico Spanische geistliche und volkssprachliche Gattung, die in Aranaz’ Kathedralwerk vertreten ist.
- Zaragoza Stadt seiner musikalischen Ausbildung im Umfeld von El Pilar und wichtiger Ort spanischer Kirchenmusik.