Francesco Domenico Araja
Überblick
Francesco Domenico Araja gehört zu jenen italienischen Opernkomponisten des 18. Jahrhunderts, deren kulturgeschichtliche Bedeutung weniger in einer ununterbrochenen modernen Aufführungstradition als in ihrer Vermittlungsfunktion liegt. Er war kein Opernreformer von der Bekanntheit eines Christoph Willibald Gluck und kein bis heute kanonischer Bühnenautor wie Georg Friedrich Händel oder Wolfgang Amadeus Mozart. Seine besondere Stellung liegt vielmehr darin, dass er die neapolitanisch-italienische opera seria an den russischen Hof brachte und dort einen institutionellen Opernbetrieb mitprägte, der für die Entstehung einer eigenständigen russischen Opernkultur entscheidend wurde.
Araja wurde in Neapel geboren, also in einem der wichtigsten europäischen Zentren der Oper des 18. Jahrhunderts. Seine frühen Bühnenwerke wurden in Neapel, Florenz, Rom, Mailand und Venedig aufgeführt. 1735 ging er mit einer italienischen Operntruppe nach St. Petersburg und wurde dort Hofkomponist beziehungsweise Kapellmeister der italienischen Oper unter den russischen Herrscherinnen Anna Ioannowna und Elisabeth Petrowna. Damit steht er im Schnittpunkt von italienischer Oper, russischer Hofkultur, europäischem Kulturtransfer und der Entstehung eines höfisch-institutionellen Musiktheaters in Russland.
Seine Oper La forza dell’amore e dell’odio wurde 1734 in Mailand aufgeführt und 1736 in St. Petersburg unter russischem Titel wiederaufgenommen. Diese Aufführung gilt als erste italienische opera seria auf russischem Boden. Noch bedeutender wurde Tsefal i Prokris von 1755, eine Oper auf ein russisches Libretto von Alexander Petrowitsch Sumarokov. Dieses Werk steht am Anfang der russischsprachigen Operngeschichte. Araja ist daher nicht nur als italienischer Komponist, sondern als Vermittler zwischen neapolitanischer Opernkunst und russischer Bühnenkultur zu lesen.
Kurzdaten
| Name | Francesco Domenico Araja. |
|---|---|
| Namensvarianten | Francesco Araja, Francesco Araia, Francesco Domenico Araia, Araia, Araya, Franciscus Araia, russisch Франческо Арайя. |
| Geboren | 25. Juni 1709 in Neapel. |
| Gestorben | Nach 1762; häufig zwischen 1762 und 1770 angesetzt, wahrscheinlich in Bologna oder in Italien. Die genaue Todesdatierung bleibt unsicher. |
| Beruf | Komponist, Opernkomponist, Kapellmeister, Hofkapellmeister, Vertreter der neapolitanischen Opernschule und Pionier der italienischen opera seria in Russland. |
| Eltern | Angelo Araja und Anna Cataneo; die musikalische Ausbildung wird in der älteren Forschung besonders mit dem Vater Angelo Araja und dem Großvater Pietro Aniello Araja verbunden. |
| Ausbildungsumfeld | Neapel, neapolitanische Opern- und Kirchenmusiktradition, möglicherweise familiärer Unterricht und Umfeld der neapolitanischen Komponistenschule. |
| Frühe Wirkungsorte | Neapel, Florenz, Rom, Mailand und Venedig. |
| Russische Wirkungsorte | St. Petersburg, Moskau, Oranienbaum und höfische Theaterstätten im Umfeld des Winterpalastes, des Sommergartens und der Zarenresidenzen. |
| Hauptgattung | Opera seria; daneben opera buffa, dramatische Kantate, Oratorium, Cembalomusik und Sinfonien beziehungsweise instrumentale Einleitungsstücke. |
| Zentrale Werke | Lo matremmonejo pe’ mennetta, Berenice, Ciro riconosciuto, Il Cleomene, Semiramide riconosciuta, La forza dell’amore e dell’odio, Artaserse, Seleuco, Scipione, Mitridate, Bellerofonte, Tsefal i Prokris und Alessandro nell’Indie. |
| Historische Bedeutung | Einführung der italienischen opera seria in Russland und Mitbegründung einer höfischen Opernpraxis, aus der sich später eine russischsprachige Opernkultur entwickeln konnte. |
| Besonderheit | Tsefal i Prokris von 1755 gilt gewöhnlich als erste Oper auf ein original russisches Libretto und wurde mit russischen beziehungsweise russisch-ukrainischen Kräften am Hof aufgeführt. |
| Kulturgeschichtliches Umfeld | Neapolitanische Oper, höfischer Kulturtransfer, russische Europäisierung im 18. Jahrhundert, Petersburger Hofkultur, Librettogeschichte, Sumarokov, höfische Repräsentation und Anfänge der russischen Oper. |
Name, Varianten und Quellenlage
Der Name des Komponisten erscheint in mehreren Formen. Im Deutschen und Italienischen ist Francesco Domenico Araja oder kürzer Francesco Araja gebräuchlich; daneben begegnet die Schreibweise Araia. In russischen Quellen erscheint er als Франческо Арайя beziehungsweise in transkribierten Formen wie Araja, Araia oder Araya. Diese Varianten sind nicht bloß orthographische Nebensachen, sondern Ausdruck eines transnationalen Musikerlebens: Ein neapolitanischer Komponist wurde am russischen Hof tätig, seine Werke wurden italienisch, russisch, französisch und später deutsch, polnisch oder englisch beschrieben.
Die Quellenlage ist in mehreren Punkten unsicher. Das Geburtsdatum 25. Juni 1709 in Neapel ist gut etabliert. Beim Sterbedatum ist die Forschung vorsichtiger. Häufig wird „nach 1762“ angegeben, weil Araja nach der politischen Veränderung am russischen Hof und nach der Rückkehr nach Italien aus der sicheren Dokumentation verschwindet. Manche Darstellungen nennen eine Spanne zwischen 1762 und 1770, andere setzen etwa Bologna als wahrscheinlichen Sterbeort an. Für eine seriöse Kulturlexikon-Darstellung ist daher die Formulierung † nach 1762, wahrscheinlich zwischen 1762 und 1770 sachgerechter als eine glatte, ungesicherte Jahreszahl.
Die Namens- und Datierungsprobleme hängen mit Arajas Wirkungsraum zusammen. Er gehört nicht ausschließlich in die italienische Operngeschichte, nicht ausschließlich in die russische Operngeschichte und nicht ausschließlich in die Geschichte der höfischen Repräsentation. Gerade deshalb wurde er in älteren Nachschlagewerken teilweise randständig behandelt, obwohl seine kulturgeschichtliche Bedeutung erheblich ist.
Biographische Grundlinien
Francesco Domenico Araja wurde am 25. Juni 1709 in Neapel geboren. Sein Vater Angelo Araja und sein Großvater Pietro Aniello Araja werden in der Forschung als Musiker beziehungsweise musikalische Lehrer genannt. Damit wuchs Araja in einem familiär-musikalischen Umfeld auf, das für eine frühe Ausbildung besonders günstig war. Neapel war zu dieser Zeit eines der führenden Opernzentren Europas. Die Stadt prägte Sänger, Komponisten, Librettisten, Instrumentalisten und Theaterunternehmer, deren Einfluss weit über Italien hinausreichte.
Bereits in jungen Jahren war Araja im kirchenmusikalischen Umfeld Neapels sichtbar. Überliefert ist die frühe Verbindung mit der Kirche Santa Maria la Nova. 1729 trat er mit Lo matremmonejo pe’ mennetta als Opernkomponist hervor. Dieses neapolitanische komische Werk steht noch am Anfang seiner Karriere und zeigt, dass Araja nicht nur die ernste Oper beherrschte, sondern aus einem Theatermilieu kam, in dem opera buffa, Dialekt, lokale Bühnentradition und professionelle Sängerpraxis eng miteinander verbunden waren.
In den frühen 1730er Jahren wurden Arajas Opern in Florenz, Rom, Neapel, Mailand und Venedig gespielt. Werke wie Berenice, Ciro riconosciuto, Il Cleomene, Semiramide riconosciuta, La forza dell’amore e dell’odio und Lucio Vero zeigen einen Komponisten, der im italienischen Opernsystem rasch Anschluss fand. Er arbeitete mit Stoffen und Librettovorlagen, die für die opera seria typisch waren: antike Herrscher, dynastische Konflikte, heroische Tugend, Liebesintrige, politische Entscheidung und affektgeladene Arienfolge.
1735 wurde Araja nach St. Petersburg berufen. Er kam mit einer italienischen Operntruppe an den russischen Hof und wurde dort Kapellmeister beziehungsweise Hofkomponist der italienischen Oper. Diese Berufung war Teil der europäischen Kulturpolitik des russischen Hofes. Seit Peter dem Großen und besonders unter Anna Ioannowna und Elisabeth Petrowna war Russland bestrebt, höfische Repräsentationsformen, Architektur, Theater, Musik und Zeremoniell nach europäischen Mustern auszubauen. Italienische Oper galt dabei als höchste höfische Kunstform.
1736 wurde La forza dell’amore e dell’odio in St. Petersburg aufgeführt. Diese Aufführung gilt als erste italienische opera seria in Russland. In den folgenden Jahren entstanden oder wurden aufgeführt unter anderem Il finto Nino ovvero La Semiramide riconosciuta, Artaserse, Seleuco, Scipione, Mitridate, Bellerofonte und andere Werke. Araja organisierte damit nicht nur einzelne Aufführungen, sondern trug zur Etablierung eines dauerhafteren höfischen Opernbetriebs bei.
1755 entstand mit Tsefal i Prokris ein Werk von besonderer Tragweite. Das Libretto stammte von Alexander Petrowitsch Sumarokov und war russisch. Der Stoff geht auf die antike Geschichte von Kephalos und Prokris zurück, die über Ovids Metamorphosen vermittelt wurde. Das Werk wurde am Petersburger Hof aufgeführt und gilt in der Forschung gewöhnlich als erste Oper auf einen original russischen Text. Auch wenn die musikalische Sprache weiter italienisch-neapolitanisch geprägt blieb, war die sprachliche und institutionelle Bedeutung enorm: Russische Sprache, russische beziehungsweise russisch-ukrainische Sänger und höfische Opernpraxis traten in eine neue Verbindung.
1759 kehrte Araja nach Italien zurück, wurde aber im Zusammenhang mit dynastischen und zeremoniellen Ereignissen am russischen Hof nochmals nach Russland gerufen. Nach 1762 verlieren sich die gesicherten Spuren. Die Forschung nimmt an, dass er sich in Italien, wahrscheinlich in Bologna, aufhielt und zwischen 1762 und 1770 starb. Sein Nachruhm blieb lange begrenzt, doch die neuere Beschäftigung mit russischer Operngeschichte, Kulturtransfer, höfischer Musik und der europäischen Mobilität italienischer Musiker hat Arajas Bedeutung deutlicher sichtbar gemacht.
Ausführlicher Kulturüberblick
Arajas kulturgeschichtliche Bedeutung liegt im Transfer der italienischen Oper nach Russland. Im 18. Jahrhundert war die italienische Oper die internationalste Form höfischer Musik. Italienische Komponisten, Sänger, Bühnenmaler, Librettisten und Impresari zirkulierten zwischen Neapel, Venedig, Rom, Dresden, Wien, London, Madrid, Warschau, St. Petersburg und anderen Zentren. Die opera seria war nicht nur ein musikalisches Genre, sondern ein System höfischer Repräsentation. Sie verband Mythologie, antike Geschichte, dynastische Moral, Sängerbravour, Bühne, Kostüm, Architektur und Zeremoniell.
Russland befand sich im frühen und mittleren 18. Jahrhundert in einer Phase intensiver kultureller Europäisierung. St. Petersburg war selbst ein Symbol dieses Prozesses: eine neu gegründete Hauptstadt, die westliche Stadtplanung, höfische Architektur und politische Repräsentation verkörperte. Die Einladung einer italienischen Operntruppe war daher nicht nur künstlerische Entscheidung, sondern ein höfisch-politisches Signal. Russland wollte am europäischen Repräsentationssystem teilnehmen, und die italienische Oper bot dafür eine besonders prestigeträchtige Form.
Araja war in diesem Prozess eine zentrale Figur. Er brachte nicht einfach fertige Partituren nach Russland, sondern half, ein opernpraktisches System aufzubauen. Dazu gehörten Sängerinnen und Sänger, Instrumentalisten, Bühnenmaschinen, Übersetzungen, Drucke, Probenpraxis, Hofzeremoniell und die Anpassung italienischer Werke an lokale Bedingungen. Die Aufführung von La forza dell’amore e dell’odio 1736 markiert deshalb nicht nur eine einzelne Premiere, sondern den Eintritt der italienischen opera seria in den russischen Hofbetrieb.
Die zweite Bedeutungsebene betrifft die russische Sprache. Tsefal i Prokris ist musikalisch noch kein nationalromantisches russisches Werk im späteren Sinn. Es ist kein Vorläufer Glinkas durch folkloristische Authentizität oder nationale Tonsprache. Es ist vielmehr ein hybrides Werk: italienische Operntechnik, russischer Text, russische höfische Aufführung und antiker Stoff. Genau diese Hybridität ist historisch entscheidend. Russische Oper entsteht nicht isoliert aus nationalem Boden, sondern aus Übersetzung, Anpassung, höfischem Import und allmählicher Aneignung.
Arajas Bedeutung liegt daher nicht darin, dass er ein genuin russischer Nationalkomponist gewesen wäre. Er war ein italienischer Komponist, der in Russland institutionelle, sprachliche und ästhetische Voraussetzungen schuf. Ohne solche Figuren wäre die spätere russische Operngeschichte kaum denkbar: Michail Glinka, Alexander Dargomyschski, Modest Mussorgski, Nikolai Rimski-Korsakow und Pjotr Iljitsch Tschaikowski stehen in einer viel späteren Tradition, deren erste höfische Grundlagen im 18. Jahrhundert gelegt wurden.
Gleichzeitig bleibt Araja ein Komponist der neapolitanischen Oper. Seine Arien, Rezitative, Affektkontraste, Da-capo-Strukturen, virtuosen Sängerpartien und antiken Stoffe gehören zum europäischen Normalsystem der opera seria. Seine russische Bedeutung darf daher die italienische Seite nicht verdecken. Er ist gerade deshalb interessant, weil er zwei Musikgeschichten verbindet: die Geschichte der neapolitanisch-europäischen Oper und die Geschichte der russischen Operninstitution.
Neapel und die frühe Opernkarriere
Neapel war im frühen 18. Jahrhundert eines der wichtigsten musikalischen Zentren Europas. Die dortige Opernschule prägte Komponisten, Sänger und musikalische Konventionen, die international wirksam wurden. Araja stammte aus diesem Milieu. Sein frühes Werk Lo matremmonejo pe’ mennetta steht im Bereich der neapolitanischen opera buffa beziehungsweise des komischen Theaters. Solche Werke waren für junge Komponisten nicht nebensächlich, weil sie unmittelbare Bühnenerfahrung, Sinn für Szene, Ensemblewirkung und Sängercharakterisierung verlangten.
Die späteren frühen Opern Arajas bewegen sich stärker im Feld der opera seria. Berenice, Ciro riconosciuto, Il Cleomene, Semiramide riconosciuta, La forza dell’amore e dell’odio und Lucio Vero zeigen typische Stoffe, in denen Macht, Liebe, dynastische Legitimität und moralische Entscheidung miteinander verschränkt werden. Diese Werke wurden an führenden italienischen Bühnen aufgeführt, darunter in Florenz, Rom, Mailand und Venedig. Araja war damit bereits vor seiner russischen Berufung kein provinzieller Komponist, sondern ein professioneller Opernautor im italienischen Theaterbetrieb.
Die Verbindung mit berühmten Sängern, Librettisten und Theaterstätten ist für seine Karriere wichtig. Die italienische Oper des 18. Jahrhunderts war eine Sängeroper. Komponisten mussten Arien so schreiben, dass sie Affekt, Virtuosität und Bühnenwirkung der Sängerinnen und Kastraten optimal nutzten. Diese Erfahrung brachte Araja nach St. Petersburg mit. Am russischen Hof wurde nicht nur eine Partitur importiert, sondern ein ganzes italienisches System der Opernproduktion.
St. Petersburg, Zarenhof und italienische Oper
Die Berufung nach St. Petersburg 1735 machte Araja zu einer Schlüsselfigur des russischen Musiklebens. Am Hof der Kaiserin Anna Ioannowna und später unter Elisabeth Petrowna wurde Oper als europäische Repräsentationskunst gebraucht. Italienische Musiker standen dabei in hohem Ansehen. Araja wurde Kapellmeister beziehungsweise leitender Komponist der italienischen Oper und brachte mit seiner Truppe die neapolitanische Bühnentradition in eine neue höfische Umgebung.
Die Aufführung von La forza dell’amore e dell’odio 1736 war ein Ereignis von historischer Tragweite. Das Werk war zuvor 1734 in Mailand aufgeführt worden und wurde in St. Petersburg in den Rahmen des russischen Hofes übertragen. Solche Übertragungen erforderten Übersetzung, Anpassung, neue Bühnenbedingungen und ein Publikum, das an die italienische Oper herangeführt werden musste. Damit begann ein Prozess, in dem die russische Aristokratie und der Hof die Oper als Zeichen europäischer Kultur übernahmen.
In den folgenden Jahren entstanden weitere höfische Produktionen. Il finto Nino ovvero La Semiramide riconosciuta, Artaserse, Seleuco, Scipione, Mitridate, Bellerofonte und andere Werke zeigen, dass Araja nicht als einmaliger Gast wirkte, sondern als dauerhafter Organisator und Komponist. In der Winterzeit wurden Aufführungen im Umfeld des Winterpalastes gegeben, im Sommer in höfischen Theaterorten wie dem Sommergarten oder den Residenzen. Die Oper wurde Teil der höfischen Jahresordnung.
Arajas Arbeit fällt in eine Zeit, in der Bühnenmalerei, Maschinerie, Kostüm und höfische Architektur eng miteinander verbunden waren. Die russische Opernkultur begann nicht mit einer rein musikalischen Reform, sondern mit einem Gesamtsystem des Spektakels. Italienische Bühnenmaler, Sänger und Komponisten wirkten zusammen. Araja war in diesem System der musikalische Träger einer umfassenden höfischen Kunstpraxis.
Tsefal i Prokris und die frühe russische Oper
Tsefal i Prokris, russisch Цефал и Прокрис, ist Arajas berühmtestes Werk aus heutiger Perspektive. Das 1755 in St. Petersburg aufgeführte Werk basiert auf einem russischen Libretto von Alexander Petrowitsch Sumarokov und behandelt den antiken Stoff von Kephalos und Prokris. Die Handlung stammt aus der antiken Mythologie und wurde über Ovids Metamorphosen vermittelt. Die besondere Bedeutung liegt jedoch nicht im Stoff, sondern in der Sprache und Aufführungspraxis.
Das Werk gilt gewöhnlich als erste Oper auf einen original russischen Text. Es steht daher am Beginn einer russischsprachigen Operntradition, auch wenn seine musikalische Faktur noch stark italienisch geprägt ist. Das ist kein Widerspruch. Nationale Opern entstehen häufig nicht durch sofortige stilistische Eigenständigkeit, sondern durch Übersetzung, Aneignung und institutionelle Erprobung. Tsefal i Prokris ist genau ein solcher Übergang: ein italienischer Komponist schreibt mit neapolitanischer Opernerfahrung Musik zu einem russischen Text für den russischen Hof.
Die Rolle Sumarokovs ist dabei entscheidend. Als Dichter und Dramatiker war er eine zentrale Figur der frühen russischen Literatur- und Theatergeschichte. Durch sein Libretto wurde die Oper in den Prozess der russischen Literatursprache eingebunden. Araja lieferte die musikalische Form, Sumarokov die sprachlich-dramatische Grundlage. Diese Zusammenarbeit macht das Werk zu einem kulturhistorischen Knotenpunkt zwischen Literatur, Musik, Hof und Nationbildung.
Die spätere Rezeption von Tsefal i Prokris blieb lange begrenzt, doch in der neueren Forschung und Aufführungspraxis wurde das Werk wieder als Ursprungspunkt diskutiert. Gerade weil es kein späteres russisches Nationaldrama ist, sondern ein höfisch-europäisches Hybridwerk, zeigt es besonders klar, wie Opernkulturen entstehen: durch Import, Übersetzung, Anpassung und Neubewertung.
Stil, Gattungen und musikalische Sprache
Arajas musikalische Sprache steht im Zeichen der neapolitanischen Oper des 18. Jahrhunderts. Die opera seria arbeitet mit Rezitativen, Arien, Affektkontrasten, moralischen Konflikten, hohen Stimmen, virtuoser Melodik und klaren dramatischen Situationen. Die Arie trägt den seelischen Affekt; das Rezitativ treibt die Handlung voran. Araja bewegte sich sicher in diesem System und passte es den jeweiligen Aufführungssituationen an.
Sein russisches Werk zeigt zugleich eine gewisse Anpassungsfähigkeit. Die Forschung betont, dass Araja im Lauf seiner russischen Tätigkeit lokale Geschmacksbedingungen stärker berücksichtigte. Dazu können die größere Rolle des Chors, die Verwendung von Bläserfarben und die allmähliche Öffnung gegenüber russischer Sprachmelodik gezählt werden. Solche Elemente machen ihn nicht zu einem russischen Nationalkomponisten, zeigen aber eine Sensibilität für das neue Umfeld.
Neben Opern komponierte Araja auch Oratorien, dramatische Kantaten, Cembalostücke und Sinfonien beziehungsweise instrumentale Einleitungsstücke. Diese Werkbereiche sind weniger bekannt als seine Opern, zeigen aber den professionellen Umfang eines Kapellmeisters des 18. Jahrhunderts. Ein Hofkomponist musste nicht nur große Bühnenwerke liefern, sondern auch geistliche, festliche, kammermusikalische und instrumentale Gelegenheitsmusik.
Überlieferung, Forschung und Editionslage
Arajas Werk ist nur teilweise im modernen Musikleben präsent. Viele Opern sind nur in Partiturabschriften, Librettodrucken, Archiven oder bibliographischen Nachweisen greifbar. Einige Werke sind über Digitalisate, Datenbanken und moderne Forschung leichter zugänglich geworden. IMSLP verzeichnet mehrere Kompositionen und Digitalisate, darunter Opern, Cembalocapricci und Sinfonien. Die Polnische Musikbibliothek und Opéra Baroque bieten zusammenfassende Werklisten, die für eine erste Orientierung nützlich sind.
Die Forschung zu Araja ist eng mit der Forschung zur italienischen Oper im 18. Jahrhundert, zur russischen Hofkultur, zur Musik unter Anna Ioannowna und Elisabeth Petrowna sowie zur Frühgeschichte der russischen Oper verbunden. Besonders wichtig sind Arbeiten über neapolitanische Musiker in Russland und über die Entstehung eines Opernbetriebs in St. Petersburg. Arajas Name erscheint dabei häufig in Verbindung mit Kulturtransfer: italienische Musiker, russische Herrschaft, französisch-italienische Bühnenmodelle, russische Texte und höfische Öffentlichkeit.
Für die Edition und Aufführung bleibt das Werk herausfordernd. Die opera seria des 18. Jahrhunderts ist stark abhängig von Sängerbesetzung, Fassung, Rezitativpraxis, Ornamentik und historischer Aufführungspraxis. Eine moderne Wiederaufführung muss daher nicht nur Noten lesen, sondern die ganze Aufführungskultur rekonstruieren. Gerade Tsefal i Prokris ist dafür ein interessantes Beispiel, weil es zwischen italienischer Partiturtradition und russischer Sprachgeschichte steht.
Rezeption und heutige Einordnung
Die heutige Einordnung Arajas muss zwei Extreme vermeiden. Einerseits wäre es falsch, ihn nur als Randfigur zu behandeln, weil seine Musik heute selten auf den Spielplänen steht. Andererseits wäre es übertrieben, ihn als unmittelbaren Vorläufer der späteren russischen Nationaloper im romantischen Sinn zu lesen. Seine Bedeutung liegt präziser im Zwischenraum: Er war ein italienischer Komponist, der am russischen Hof institutionelle Opernpraxis aufbaute und dadurch Voraussetzungen für spätere Entwicklungen schuf.
Im Vergleich zu späteren russischen Opernkomponisten wirkt Araja stilistisch europäisch-höfisch, italienisch und konventionell. Gerade diese Konventionalität war jedoch kulturgeschichtlich produktiv. Die russische Oper entstand nicht aus einer unberührten nationalen Quelle, sondern aus importierten Formen, übersetzten Texten, höfischen Experimenten und internationaler Mobilität. Araja verkörpert diesen Anfang exemplarisch.
Für die Geschichte der italienischen Oper ist er ein Beispiel für die enorme Ausbreitung der neapolitanischen Schule. Für die russische Musikgeschichte ist er eine Schlüsselfigur des 18. Jahrhunderts. Für die Kulturgeschichte Europas ist er ein Fall von künstlerischer Migration, höfischem Prestige und interkultureller Formübertragung. Sein Werk verdient daher weniger wegen einzelner dauerhaft populärer Arien Aufmerksamkeit als wegen seiner Funktion in einer europäischen Operngeographie, die Neapel, Mailand, Venedig, St. Petersburg, Moskau und Bologna miteinander verbindet.
Werkverzeichnis
Das folgende Werkverzeichnis fasst die in den einschlägigen Werklisten, Datenbanken und Forschungshinweisen nachweisbaren Kompositionen zusammen. Da Arajas Überlieferung teilweise unsicher ist und ältere Titelvarianten, russische Übersetzungen, Wiederaufnahmen, Pasticcio-Kontexte und fragmentarische Quellen nebeneinanderstehen, werden Datierung, Ort und Gattung vorsichtig formuliert. Die Übersicht ist zweispaltig angelegt und konzentriert sich auf nachweisbare beziehungsweise in der Forschung regelmäßig genannte Werke.
| 1729: Lo matremmonejo pe’ mennetta | Opera buffa beziehungsweise neapolitanisches komisches Bühnenwerk auf ein Libretto von Tommaso Mariani; aufgeführt im Herbst 1729 am Teatro dei Fiorentini in Neapel. Das Werk markiert Arajas Debüt als Opernkomponist. |
|---|---|
| 1730: Berenice | Opera seria auf ein Libretto von Antonio Salvi; aufgeführt 1730 in Florenz beziehungsweise Pratolino. Das Werk gehört zu Arajas frühem Eintritt in die italienische opera-seria-Kultur. |
| 1731: Ciro riconosciuto | Opera seria auf ein Libretto von Antonio Salvi; aufgeführt während des Karnevals 1731 am Teatro delle Dame in Rom. Der Stoff gehört zum dynastisch-antiken Repertoire der opera seria. |
| 1731: Il Cleomene | Opera seria auf ein Libretto von Vincenzo Cassani beziehungsweise V. Canassi; aufgeführt im Frühjahr 1731 am Teatro delle Dame in Rom. |
| 1731: L’amor regnante | Musikdramatisches Werk auf ein Libretto von Pietro Metastasio; aufgeführt 1731 in Rom. Die genaue Werkgestalt ist quellenabhängig zu prüfen. |
| 1731: Semiramide riconosciuta | Opera seria nach Pietro Metastasio beziehungsweise im Umfeld des Semiramide-Stoffes; aufgeführt 1731 in Neapel. Das Werk gehört zur frühen italienischen Phase Arajas. |
| 1731: S. Andrea Corsini | Oratorium, aufgeführt 1731 in Rom. Es belegt Arajas Tätigkeit jenseits der Oper und seine Fähigkeit, geistlich-dramatische Formen zu bedienen. |
| 1734: La forza dell’amore e dell’odio | Dramma per musica in drei Akten auf ein Libretto von Francesco Prata; uraufgeführt im Januar 1734 am Teatro Regio Ducale in Mailand und 1736 in St. Petersburg unter russischem Titel Сила любви и ненависти wiederaufgenommen. Das Werk gilt als erste italienische opera seria, die in Russland aufgeführt wurde. |
| 1734: Demetrio | Pasticcio beziehungsweise Opernzusammenhang, aufgeführt im Mai 1734 am Nuovo Teatro delle Grazie in Vicenza. In der Forschung wird der Zusammenhang mit Farinelli genannt; die genaue Zuschreibung und der Umfang von Arajas Anteil sind quellenkritisch zu behandeln. |
| 1735: Lucio Vero | Opera seria auf ein Libretto von Apostolo Zeno; aufgeführt am 4. Januar 1735 am Teatro Sant’Angelo in Venedig. Das Werk gehört zur letzten italienischen Phase vor dem Wechsel nach St. Petersburg. |
| 1737: Il finto Nino ovvero La Semiramide riconosciuta | Opera seria auf ein Libretto von Francesco Silvani nach beziehungsweise im Umfeld von Pietro Metastasio; aufgeführt am 9. Februar 1737 in St. Petersburg. Das Werk gehört zu den frühen Petersburger Produktionen Arajas. |
| 1738: Artaserse | Opera seria auf ein Libretto von Pietro Metastasio; aufgeführt am 9. Februar 1738 in St. Petersburg. Das Werk zeigt die Einführung eines europaweit verbreiteten Metastasio-Stoffes in die russische Hofoper. |
| 1744: Seleuco | Opera seria auf ein Libretto von Giuseppe Bonecchi; aufgeführt am 7. Mai 1744 in Moskau. Das Werk gehört zu den russischen Hofproduktionen der mittleren Araja-Zeit. |
| 1745: Scipione | Opera seria auf ein Libretto von Giuseppe Bonecchi; aufgeführt am 4. oder 5. September 1745 in St. Petersburg. Der römisch-antike Stoff passt zum politischen Tugendhorizont der opera seria. |
| 1747: Mitridate | Opera seria auf ein Libretto von Giuseppe Bonecchi; aufgeführt am 7. Mai 1747 in St. Petersburg. Das Werk steht im höfischen Repertoire antiker Herrscher- und Konfliktstoffe. |
| 1748: L’asilo delle pace | Festliches Bühnen- oder Huldigungswerk, aufgeführt am 7. Mai 1748 in St. Petersburg. Der Titel verweist auf höfische Friedens- und Repräsentationssemantik. |
| 1750: Bellerofonte | Opera seria auf ein Libretto von Giuseppe Bonecchi; aufgeführt am 9. Dezember 1750 in St. Petersburg. Der mythologische Stoff gehört zum heroisch-repräsentativen Opernkreis. |
| 1751: Eudossa incoronata ossia Teodosio II | Bühnenwerk auf ein Libretto von Giuseppe Bonecchi; aufgeführt am 9. Mai 1751 in St. Petersburg. Der Titel verbindet dynastisch-historische Stoffe mit höfischer Krönungs- und Herrschaftssymbolik. |
| 1751: La clemenza di Tito beziehungsweise Titovo miloserdie | In der Forschung und in älteren Hinweisen teils als russischsprachige oder übersetzte Fassung im Umfeld des Tito-Stoffes genannt. Zuschreibung, Textgrundlage und Aufführungspraxis sind vorsichtig zu behandeln, da die Überlieferung nicht einheitlich ist. |
| 1755: Amor prigioniero | Dialogue en musique beziehungsweise musikdramatisches Werk auf ein Libretto von Pietro Metastasio; aufgeführt am 27. Juni 1755 in Oranienbaum. Das Werk gehört zum höfischen Fest- und Residenztheater. |
| 1755: Tsefal i Prokris / Цефал и Прокрис | Opera seria beziehungsweise russischsprachige Oper in drei Akten auf ein Libretto von Alexander Petrowitsch Sumarokov nach dem antiken Stoff von Kephalos und Prokris; aufgeführt am 10. März 1755 in St. Petersburg. Das Werk gilt gewöhnlich als erste Oper auf einen original russischen Text. |
| 1755: Alessandro nell’Indie | Opera seria auf ein Libretto von Pietro Metastasio; aufgeführt am 29. Dezember 1755 in St. Petersburg. Der Alexander-Stoff gehört zu den international häufig vertonten Sujets der opera seria. |
| 1758: Ifigenia in Tauride | In Werklisten und biographischen Zusammenhängen als spätere russische Aufführung beziehungsweise Oper Arajas genannt; aufgeführt in Moskau. Die genaue Quellenlage ist im Einzelfall zu prüfen. |
| Nach 1758: La Natività di Gesù | Oratorium beziehungsweise geistliches Werk aus Arajas später Phase. Die genaue Datierung wird in knappen Werklisten unterschiedlich behandelt. |
| Nach 1758: La Cimotoe | Spätes Bühnenwerk beziehungsweise Operntitel, in modernen Werkverzeichnissen und IMSLP-Nachweisen geführt. Die Datierung und Aufführungsgeschichte sind quellenkritisch zu behandeln. |
| Capriccio für Cembalo in A-Dur | Cembalowerk, in IMSLP unter Arajas Namen geführt. Es belegt die instrumentale Überlieferung neben den großen Bühnenwerken. |
| Capriccio für Cembalo in d-Moll | Cembalowerk, in IMSLP unter Arajas Namen geführt. Die kleine Form zeigt Araja als Komponisten auch im Bereich der Tastenmusik. |
| Capriccio 1 für Cembalo in B-Dur | Cembalowerk aus einer Gruppe von Capricci; digitale Werklisten führen mehrere Tonarten und Nummern. |
| Capriccio 1 für Cembalo in C-Dur | Cembalowerk aus der überlieferten Capriccio-Gruppe. |
| Capriccio 1 für Cembalo in F-Dur | Cembalowerk aus der überlieferten Capriccio-Gruppe. |
| Capriccio 2 für Cembalo in B-Dur | Cembalowerk aus der überlieferten Capriccio-Gruppe. |
| Capriccio 2 für Cembalo in C-Dur | Cembalowerk aus der überlieferten Capriccio-Gruppe. |
| Capriccio 2 für Cembalo in F-Dur | Cembalowerk aus der überlieferten Capriccio-Gruppe. |
| Sinfonia in D-Dur | Instrumentalwerk beziehungsweise Sinfonia für Streicher oder Orchesterzusammenhang, in modernen Werklisten unter Arajas Namen geführt. Solche Sinfonien stehen oft im Umfeld von Operneinleitungen, höfischer Instrumentalmusik oder konzertanter Aufführungspraxis. |
| Veggo il ciel turbato e nero | Arie beziehungsweise vokales Einzelstück, in IMSLP unter Arajas Namen geführt. Der Titel verweist auf die eigenständige Überlieferung einzelner Arien aus Opern- oder Kantatenzusammenhängen. |
| Dramatische Kantaten | Die Polnische Musikbibliothek nennt dramatische Kantaten als Werkgruppe. Einzelne Titel sind in den knappen allgemeinen Nachweisen nicht vollständig erschlossen und sollten für eine Spezialbibliographie archivalisch geprüft werden. |
| Sinfonien für Streichorchester | Als Werkgruppe in der Forschung genannt. Sie belegen Arajas Tätigkeit als Komponist höfischer Instrumentalmusik neben Oper, Kantate und Oratorium. |
| Cembalowerke | Mehrere Capricci und weitere Tastenwerke sind in modernen digitalen Werklisten nachweisbar. Sie zeigen den kleineren instrumentalen Bereich seines Œuvres. |
Sekundärliteratur
- Chodkowski, Andrzej: Araja, Francesco Domenico. In: Polska Biblioteka Muzyczna beziehungsweise PWM-Enzyklopädie. Knapper, aber zuverlässiger Überblick zu Biographie, russischer Tätigkeit, Werkgruppen und Literatur.
- Hardie, Gordon: Neapolitan Comic Opera, 1707–1750: Some Addenda and Corrigenda for The New Grove. In: Journal of the American Musicological Society 36, 1983. Wichtige Ergänzungen zur neapolitanischen komischen Oper und damit zum Umfeld von Arajas frühem Bühnenwerk.
- Kajkova, S. I.: Frančesko Arajâ: Ital’ânskij kompozitor rossijskogo dvora. In: Aktual’nye problemy vysšego muzykal’nogo obrazovaniâ, 2017, Nr. 2. Neuere russischsprachige Studie zu Araja als italienischem Komponisten des russischen Hofes.
- Mooser, R.-Aloys: Annales de la musique et des musiciens en Russie au XVIIIe siècle. Genf. Klassische Darstellung zur Musikgeschichte Russlands im 18. Jahrhundert und zur Rolle ausländischer Musiker am Hof.
- Prota-Giurleo, Ulisse: Musicisti napoletani in Russia nel ’700. Neapel 1923. Grundlegende ältere Studie zu neapolitanischen Musikern in Russland, darunter Araja.
- Ritzarev, Marina: Eighteenth-Century Russian Music. Aldershot und Burlington 2006. Wichtige moderne Monographie zur russischen Musik des 18. Jahrhunderts, zum Kulturtransfer und zur frühen Opernpraxis.
- Starikova, L. M.: Studien zur Tätigkeit italienischer Operntruppen in Russland in den 1730er Jahren. Spezialforschung zu italienischen Sänger- und Theaterkräften im frühen Petersburger Opernbetrieb.
- Stählin, Jacob von: Nachrichten von der Musik in Russland beziehungsweise russische und moderne Ausgaben zur Musik und zum Ballett im Russland des 18. Jahrhunderts. Zeitnaher beziehungsweise frühgeschichtlicher Quellenkomplex zur russischen Hofmusik, quellenkritisch zu verwenden.
- Taruskin, Richard: Defining Russia Musically und weitere Arbeiten zur russischen Musikgeschichte. Wichtiger theoretischer Rahmen für die Frage, wie russische Musikgeschichte aus Import, Aneignung und nationaler Konstruktion entsteht.
- Treccani: Araja, Francesco. In: Dizionario Biografico degli Italiani. Italienischer biographischer Referenzartikel mit Angaben zu Herkunft, Familie, Ausbildung und Karriere.
Ausgewählte Onlinequellen
- Dizionario Biografico degli Italiani / Treccani: Araja, Francesco Fachbiographischer Artikel mit Angaben zu Geburt, Eltern, früher Ausbildung, neapolitanischem Umfeld und Karriere.
- IMSLP: Category Araja, Francesco Werk- und Digitalisatübersicht mit Opern, Cembalocapricci, Sinfonia, Einzelarie und Normdatenverweisen.
- IMSLP: La forza dell’amore e dell’odio Werkseite zur dreiaktigen opera seria mit Angaben zu Mailand 1734, St. Petersburg 1736, Librettist Francesco Prata und Instrumentation.
- MGG Online: Araja, Francesco Domenico Fachlexikalischer Artikel beziehungsweise Vorschauseite zur Biographie, Werkgeschichte und musikhistorischen Einordnung.
- MusicBrainz: Francesco Araia Normdaten- und Musikdatenbankprofil mit Links zu VIAF, BnF, DNB, Discogs, IMSLP, Library of Congress, Open Library und WorldCat.
- Opéra Baroque: Francesco Araja Französische Werkübersicht mit Operntiteln, Librettisten, Aufführungsorten und Petersburger beziehungsweise russischen Aufführungsdaten.
- Polska Biblioteka Muzyczna: Araja, Francesco Domenico Englischsprachiger Enzyklopädieartikel mit Biographie, Bedeutung für die russische Oper, Werkgruppen und Literaturhinweisen.
- Saint-Petersburg.com: Francesco Araja Stadt- und kulturgeschichtliche Einführung zu Arajas Tätigkeit in St. Petersburg und seiner Rolle als italienischer Opernkomponist am russischen Hof.
- Italy On This Day: Francesco Domenico Araja Kulturjournalistische Kurzbiographie mit Schwerpunkt auf Arajas Rolle bei der ersten italienischen Oper in Russland und der ersten Oper mit russischem Text.
- Vancouver Classical Music: Russian White Nights Begleittext zu Opernarien aus dem St. Petersburg des 18. Jahrhunderts mit Hinweis auf Arajas Tsefal i Prokris als frühe russischsprachige Oper.
Weiterführende Einträge
- Alessandro nell’Indie Metastasio-Opernstoff, den Araja 1755 in St. Petersburg vertonte.
- Anna Ioannowna Russische Kaiserin, unter deren Hofkultur Araja nach St. Petersburg berufen wurde.
- Artaserse Metastasio-Stoff, den Araja 1738 am Petersburger Hof auf die Bühne brachte.
- Bellerofonte Mythologischer Opernstoff und Araja-Werk aus der Petersburger Hofphase.
- Bologna Wahrscheinlicher später Aufenthalts- oder Sterbeort Arajas nach seiner Rückkehr aus Russland.
- Giuseppe Bonecchi Librettist mehrerer Petersburger Araja-Opern wie Seleuco, Scipione, Mitridate und Bellerofonte.
- Cembalo Tasteninstrument, für das unter Arajas Namen mehrere Capricci überliefert sind.
- Elisabeth Petrowna Russische Kaiserin, unter deren Regierung Araja zentrale Petersburger Opernwerke schuf.
- Italienische Oper Übergeordnete Operntradition, die Araja aus Neapel, Rom, Mailand und Venedig nach Russland brachte.
- Kapellmeister Amt und Berufsfunktion, in der Araja am russischen Hof als musikalischer Leiter der Oper wirkte.
- La forza dell’amore e dell’odio Arajas opera seria von 1734, die 1736 in St. Petersburg als erste italienische opera seria in Russland aufgeführt wurde.
- Libretto Textgrundlage der Oper, für Arajas Bedeutung besonders wichtig wegen der italienischen und russischen Texttraditionen.
- Mailand Aufführungsort von Arajas La forza dell’amore e dell’odio 1734.
- Pietro Metastasio Zentraler Librettist der opera seria, dessen Stoffe auch in Arajas Werkumfeld wichtig sind.
- Neapel Geburtsstadt Arajas und europäisches Zentrum der neapolitanischen Opernschule.
- Neapolitanische Oper Stil- und Ausbildungskontext, aus dem Arajas Opernsprache hervorging.
- Opera buffa Komische Opernform, in deren neapolitanischem Umfeld Arajas frühes Werk Lo matremmonejo pe’ mennetta steht.
- Opera seria Ernste italienische Operngattung, die Araja in Russland einführte und am Zarenhof etablierte.
- Oranienbaum Russischer Residenzort, an dem Arajas Amor prigioniero 1755 aufgeführt wurde.
- Petersburger Hofoper Institutioneller Rahmen von Arajas russischer Tätigkeit und der frühen Opernpraxis am Zarenhof.
- Francesco Prata Librettist von Arajas La forza dell’amore e dell’odio.
- Russische Oper Operngeschichtlicher Zusammenhang, in dem Arajas Tsefal i Prokris als Anfangspunkt der russischsprachigen Oper gilt.
- St. Petersburg Zentraler Wirkungsort Arajas und höfisches Zentrum der italienischen Oper in Russland.
- Alexander Petrowitsch Sumarokov Russischer Dichter und Librettist von Arajas Tsefal i Prokris.
- Theater am Zarenhof Höfische Bühnenpraxis, in der Oper, Architektur, Zeremoniell, Übersetzung und Repräsentation zusammenwirkten.
- Tsefal i Prokris Arajas russischsprachige Oper von 1755 auf ein Libretto Sumarokovs und Schlüsselwerk der frühen russischen Operngeschichte.
- Venedig Aufführungsort von Arajas Lucio Vero und wichtiges Zentrum der italienischen Oper.
- Zarenhof Politisch-kultureller Rahmen, in dem Araja italienische Oper als höfische Repräsentationskunst etablierte.