Hans Erich Apostel

Hans Erich Apostel, auch H. E. Apostel, * 22. Januar 1901 in Karlsruhe, † 30. November 1972 in Wien, war ein deutsch-österreichischer Komponist, Pianist, Liedbegleiter, Dirigent, Privatlehrer, Lektor und Herausgeber. Er gehört zur zweiten Generation der Zweiten Wiener Schule, war Schüler von Arnold Schönberg und Alban Berg und blieb der Dodekaphonie mit ungewöhnlicher Konsequenz verbunden.

Überblick

Hans Erich Apostel ist eine der strengsten und zugleich eigenwilligsten Gestalten der österreichischen Neuen Musik nach Arnold Schönberg, Alban Berg und Anton Webern. Er gehört nicht zur ersten Generation der Wiener Schule, sondern zu jener nachfolgenden Gruppe von Komponisten, die die Zwölftontechnik nicht als historischen Bruch allein, sondern als dauerhaftes Arbeitsprinzip verstanden. Sein Werk steht zwischen spätromantisch-expressionistischen Anfängen, Bergs expressiver Formdramaturgie, Schönbergs konstruktiver Reihenlogik, der Nähe zur bildenden Kunst und einer nach 1945 neu zu ordnenden österreichischen Moderne.

Apostel war kein Komponist des breiten Konzertrepertoires. Seine Musik blieb auch nach wichtigen Auszeichnungen vergleichsweise selten aufgeführt. Gerade deshalb ist er kulturgeschichtlich bedeutsam. Er zeigt, wie die Zweite Wiener Schule nicht nur aus ihren drei Hauptnamen bestand, sondern durch Schüler, Lektoren, Herausgeber, Lehrer, Juroren, Pianisten und kulturpolitisch tätige Musiker weiterlebte. Apostel war Komponist, aber auch Vermittler. Er arbeitete für die Universal Edition, betreute Ausgaben von Wozzeck und Lulu, wirkte nach 1945 am Wiederaufbau der österreichischen Sektion der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik mit und gab die Sprache der Dodekaphonie an Schüler weiter.

Sein Werk ist auffallend konzentriert. Es umfasst Klaviermusik, Kammermusik, Streichquartette, Solosonatinen, Lieder, Chorwerke, Orchesterstücke, Konzertformen und Bearbeitungen. Besonders charakteristisch sind die Verbindung von strenger thematischer Arbeit und bildkünstlerischer Anregung, die intensive Beschäftigung mit Alfred Kubin und Oskar Kokoschka, die konsequente Behandlung von Reihenmaterial und eine Vorliebe für kleine, präzise Formen, in denen jedes Detail strukturelle Bedeutung erhält.

Kurzdaten

Name Hans Erich Apostel.
Namensformen H. E. Apostel, Hans-Erich Apostel, Hans Heinrich Erich Apostel.
Geboren 22. Januar 1901 in Karlsruhe.
Gestorben 30. November 1972 in Wien.
Beruf Komponist, Pianist, Liedbegleiter, Dirigent, Privatlehrer, Musiklektor, Herausgeber und kulturpolitischer Vermittler der Neuen Musik.
Ausbildung Studien am Munz’schen Konservatorium in Karlsruhe bei Alfred Lorenz; ab 1921 in Wien Unterricht bei Arnold Schönberg, ab 1925 bei Alban Berg.
Wirkungsorte Karlsruhe und Wien; darüber hinaus Tätigkeit als Pianist, Liedbegleiter und Dirigent zeitgenössischer Musik in Österreich, Deutschland, Italien und der Schweiz.
Musikalische Richtung Zweite Wiener Schule, Dodekaphonie, Zwölftontechnik, österreichische Nachkriegsmoderne und konstruktiv-expressionistische Neue Musik.
Wichtige Lehrer Alfred Lorenz, Arnold Schönberg und Alban Berg.
Wichtige Schüler Unter anderem Rainer Bischof und Eugene Hartzell; außerdem unterrichtete Apostel privat Klavier, Musiktheorie und Komposition.
Verlags- und Herausgeberarbeit Lektor der Universal Edition; maßgeblich an der editorischen Betreuung von Alban Bergs Wozzeck und Lulu beteiligt.
Ehrungen Emil-Hertzka-Preis 1937, Preis der Stadt Wien für Musik 1948, Förderungspreis des Österreichischen Staatspreises 1952, Großer Österreichischer Staatspreis 1957, Mitglied des Österreichischen Kunstsenats und korrespondierendes Mitglied der Wiener Secession.
Grab und Gedenken Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof; Gedenktafel am Wohnhaus Krongasse 11 in Wien.

Name, Herkunft und Abgrenzung

Der Name Hans Erich Apostel ist in der musikalischen Fachliteratur stabil. Gelegentlich erscheinen abgekürzte Formen wie H. E. Apostel oder bibliographische Varianten mit Bindestrich. In manchen Normdaten wird der erweiterte Name Hans Heinrich Erich Apostel geführt. Für die sichtbare Lemmaform ist jedoch Hans Erich Apostel zu verwenden, weil dies die fachlich gebräuchliche Form in Musiklexika, Verlagskatalogen und Werkverzeichnissen ist.

Apostel ist klar von älteren oder anders gelagerten Namensträgern zu unterscheiden. Der Familienname darf nicht mit religiösen Begriffen oder mit historischen „Apostel“-Bezeichnungen verwechselt werden. Im Kulturlexikon bezeichnet das Lemma ausschließlich den Komponisten der Zweiten Wiener Schule, dessen Werk zwischen Karlsruhe, Wien, Schönberg, Berg, Dodekaphonie, Universal Edition und österreichischer Nachkriegsmoderne steht.

Biographische Grundlinien

Hans Erich Apostel wurde am 22. Januar 1901 in Karlsruhe geboren. Seine musikalische Ausbildung begann am Munz’schen Konservatorium, wo er bei Alfred Lorenz Klavier, Musiktheorie, Dirigieren und weitere praktische Fächer studierte. Die frühe Karlsruher Umgebung vermittelte ihm nicht nur solide handwerkliche Grundlagen, sondern auch den Kontakt zu Theater- und Aufführungspraxis. 1920 war er als Kapellmeister und Korrepetitor am Badischen Landestheater in Karlsruhe tätig. Diese praktische Theatererfahrung blieb für sein späteres Denken wichtig, auch wenn er kein Opernkomponist im engeren Sinn wurde.

1921 übersiedelte Apostel nach Wien. Dort trat er in den Kreis Arnold Schönbergs ein und erhielt bis 1925 Unterricht bei ihm. Ab 1925 studierte er bei Alban Berg, mit dem ihn bis zu dessen Tod 1935 eine enge künstlerische Beziehung verband. Diese doppelte Prägung ist für Apostel grundlegend: Von Schönberg übernahm er die Idee musikalischer Logik, thematischer Arbeit und Reihenorganisation; von Berg lernte er eine expressive, formdramatisch gespannte und zugleich streng durchgearbeitete Moderne kennen. Apostel war daher kein einseitiger Dogmatiker, sondern ein Komponist, der die konstruktive und die expressive Seite der Wiener Schule miteinander verband.

Parallel zu seiner kompositorischen Arbeit war Apostel als Privatlehrer, Pianist, Liedbegleiter und Dirigent zeitgenössischer Musik tätig. Zu seinen Unterrichtstätigkeiten gehörten Klavier, Komposition und Musiktheorie. In der Überlieferung wird auch Manon Gropius als Schülerin genannt. Apostel bewegte sich damit in einem Wiener Kulturmilieu, in dem Musik, bildende Kunst, Literatur, Theater, Wissenschaft und private Salonkultur noch eng ineinandergriffen.

Die Jahre des Nationalsozialismus unterbrachen Apostels internationale Laufbahn. Seine Musik galt als unerwünscht beziehungsweise als „entartet“ und konnte nicht frei aufgeführt werden. Anders als viele andere Künstler der Wiener Moderne emigrierte Apostel nicht, sondern blieb in Wien. Diese Situation bedeutete künstlerische Isolation und institutionelle Beschränkung. Nach 1945 wurde er zu einer wichtigen Figur des Wiederaufbaus der österreichischen Neuen Musik. Er beteiligte sich an der österreichischen Sektion der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik und war von 1947 bis 1950 deren Präsident.

Ab den 1950er Jahren trat Apostel auch als Lektor und Herausgeber hervor. Besonders wichtig wurde seine Arbeit für die Universal Edition. Er wirkte an der Durchsetzung der Werke der Wiener Schule mit und betreute wichtige Ausgaben von Alban Bergs Wozzeck und Lulu. Diese Tätigkeit zeigt seine doppelte Rolle: Er war nicht nur Urheber eigener Werke, sondern auch Bewahrer, Ordner und editorischer Vermittler einer Moderne, deren Kanon nach 1945 neu gesichert werden musste.

Apostel starb am 30. November 1972 in Wien. Sein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof und die Gedenktafel am Wohnhaus Krongasse 11 markieren seine Stellung innerhalb der österreichischen Musikgeschichte. Dennoch blieb sein Werk lange Spezialrepertoire. Es verlangt eine hohe analytische Aufmerksamkeit und steht quer zu einer Konzertkultur, die nach 1945 häufig zwischen klassischem Kanon, serieller Avantgarde und restaurativer Tonalität zerrieben wurde.

Ausführlicher Kulturüberblick

Apostels Lebensweg führt von der deutschen Theater- und Konservatoriumskultur der frühen 1920er Jahre in das Zentrum der Wiener Moderne. Wien war nach 1900 ein Ort äußerster Verdichtung. In Musik, Psychoanalyse, Architektur, Malerei, Literatur und Philosophie entstanden dort neue Formen des Denkens und Gestaltens. Für Apostel war entscheidend, dass er nicht nur in die Nachfolge der spätromantischen Harmonik, sondern in die Werkstatt der radikalsten musikalischen Neuordnung seiner Zeit gelangte: in das Umfeld Schönbergs, Bergs und Weberns.

Die Zweite Wiener Schule bedeutete für Apostel keine bloße Stilzugehörigkeit. Sie war eine künstlerische Ethik. Musik sollte nicht dekorativ, nicht bloß gefühlsausdrückend und nicht äußerlich programmatisch sein, sondern aus innerer Notwendigkeit, thematischer Arbeit, Formlogik und motivischer Konsequenz entstehen. Gerade deshalb erscheint Apostel in der österreichischen Musikgeschichte als besonders strenger Schüler dieser Tradition. Er verstand sich als denkender Musiker, als Architekt musikalischer Zusammenhänge und als Komponist, der formale Ordnung nicht gegen Ausdruck, sondern als dessen Voraussetzung begriff.

Kulturgeschichtlich gehört Apostel zu einer Generation, deren Entwicklung durch den Nationalsozialismus schwer beschädigt wurde. Die Moderne der Zwischenkriegszeit wurde nicht organisch weitergeführt, sondern politisch unterbrochen, diffamiert, vertrieben, ermordet oder marginalisiert. Apostel blieb in Wien, aber seine Musik wurde aus dem öffentlichen Leben gedrängt. Nach 1945 musste die Verbindung zur vor 1938 gewachsenen Moderne erst wiederhergestellt werden. Apostel war an dieser Wiederherstellung unmittelbar beteiligt: als Komponist, Lehrer, IGNM-Funktionär, Universal-Edition-Lektor und Kenner der Berg-Überlieferung.

Sein Werk steht zugleich in enger Beziehung zur bildenden Kunst. Apostel war mit expressionistischen Künstlern und Bildwelten verbunden; besonders wichtig sind Oskar Kokoschka und Alfred Kubin. Werke wie die Variationen nach einer Kokoschka-Mappe und Kubiniana zeigen, dass seine konstruktive Musik nicht bildlos oder abstrakt im trockenen Sinn war. Vielmehr suchte Apostel nach strukturellen Analogien zwischen Bild und Klang: Linie, Kontrast, Fragment, Schatten, Figur, Bewegung und innere Spannung konnten musikalisch übersetzt werden, ohne dass daraus einfache Programmmusik wurde.

Die Nachkriegszeit brachte Apostel zwar Anerkennung durch Preise und Ämter, aber keine breite Popularität. Das hat mit der ästhetischen Schwierigkeit seines Werks zu tun, aber auch mit der Repertoirepolitik. Dodekaphonische Kammermusik, konzentrierte Klavierstücke, Chorwerke und kleine Orchesterformen sind für den gewöhnlichen Konzertbetrieb schwerer zu integrieren als repräsentative Sinfonik oder vokale Großwerke. Apostels Musik fordert eine Hörhaltung, die aus Motivarbeit, Intervallbeziehung, Reihenstruktur, klanglicher Verdichtung und formaler Ökonomie Bedeutung gewinnt.

Schönberg, Berg und die Zweite Wiener Schule

Apostels Position innerhalb der Zweiten Wiener Schule ist durch die doppelte Lehrerlinie Schönberg und Berg bestimmt. Bei Schönberg begegnete ihm die Forderung nach motivischer Arbeit, strenger Form, bewusster Konstruktion und geistiger Verantwortung des Komponisten. Bei Berg begegnete ihm eine andere, stärker dramatische und expressive Seite derselben Moderne. Bergs Musik bewahrte eine besondere Nähe zu Stimme, Bühne, Geste und seelischem Konflikt. Apostels eigene Werke lassen sich als Versuch verstehen, diese beiden Seiten zusammenzuhalten.

Seine Nähe zu Berg zeigt sich nicht nur in der kompositorischen Entwicklung, sondern auch in der späteren editorischen Arbeit. Apostel war an Ausgaben von Wozzeck und Lulu beteiligt und gehörte damit zu jenen Personen, die Bergs Werk nach 1945 philologisch, verlegerisch und aufführungspraktisch sichern halfen. Diese Rolle ist für die Musikgeschichte kaum weniger wichtig als einzelne Kompositionen, denn ohne verlässliche Ausgaben, Korrekturen und Verlagsarbeit wäre die Nachkriegskarriere vieler Werke der Wiener Schule kaum möglich gewesen.

Zu Webern steht Apostel indirekter. Dennoch berührt ihn die webernsche Konzentration auf Kürze, Punktualität, Klangfarbe und konstruktive Reinheit. Apostels kleine Formen, seine Sonatinen, Bagatellen, Epigramme und späten Kammerstücke zeigen eine ähnliche Neigung zur Verdichtung. Im Unterschied zu Webern bleibt Apostel jedoch oft stärker an motivisch-thematischer Arbeit und an der dialektischen Entfaltung größerer Formverläufe interessiert.

Dodekaphonie, Konstruktion und musikalisches Denken

Die Dodekaphonie ist bei Apostel kein Etikett, sondern ein Arbeitsprinzip. Er verfolgt die Zwölftontechnik mit einer Konsequenz, die von zeitgenössischen und späteren Darstellungen ausdrücklich hervorgehoben wird. Das bedeutet jedoch nicht, dass seine Musik schematisch wäre. Reihenbildung, Intervallordnung, motivische Ableitung und thematische Arbeit bilden bei ihm ein Netz von Beziehungen, in dem formale Kontrolle und klangliche Spannung miteinander verbunden sind.

Apostel lehnte äußerliche Koloristik, bloßes Pathos und vordergründige Programmatik ab. Seine Musik sollte aus Logik, Ordnung und innerer Stimmigkeit hervorgehen. Diese Haltung erklärt, warum er kleinere Gattungen bevorzugte: Sonatine, Bagatelle, Epigramm, Variation, Passacaglia, Quartett, Kammerkonzert und Lied. Solche Formen erlauben eine hohe Dichte. In ihnen kann ein kleines Materialfeld vollständig durchgearbeitet werden, ohne dass die Musik äußerlich aufgeblasen wirkt.

Besonders charakteristisch ist die Verbindung von Variation und Reihenprinzip. Werke wie die Variationen nach einer Kokoschka-Mappe, die Variationen über ein Thema von Joseph Haydn, die Paralipomena dodekaphonika und die späte Passacaglia zeigen, dass Apostel traditionelle Formideen nicht einfach aufgibt. Er unterwirft sie einer modernen Logik. Variation und Passacaglia werden so zu Brücken zwischen älterer Formgeschichte und zwölftöniger Organisation.

Bildkunst, Kubin, Kokoschka und die expressionistische Imagination

Apostels Beziehung zur bildenden Kunst gehört zu den auffälligsten Merkmalen seines Œuvres. Die Variationen nach einer Kokoschka-Mappe op. 1 und Kubiniana op. 13 zeigen, dass er musikalische Struktur aus dem Kontakt mit Bildern, Zeichnungen und graphischen Spannungen gewinnen konnte. Dabei geht es nicht um einfache Illustration. Apostel überträgt nicht ein Bild in eine erzählende Tonmalerei, sondern sucht nach einer musikalischen Entsprechung zu Linienführung, Verdichtung, Bewegung, Schatten, Geste und psychischer Spannung.

Alfred Kubins groteske, traumhafte und oft unheimliche Bildwelt eignete sich besonders für Apostels konzentrierte Klavierminiaturen. Kubiniana, zehn Klavierstücke nach Zeichnungen Kubins, verbindet knappe Form, pointierte Gestik und eine Klangsprache, die zwischen Bildimpuls und autonomer Konstruktion steht. Auch die 60 Schemen nach Zeichnungen A. Kubins. Abenteuer einer Notenfeder zeigen, wie stark Apostel das graphische Denken in musikalische Notation, Bewegung und Form übersetzte.

Diese Nähe zur bildenden Kunst unterscheidet Apostel von einer rein akademischen Dodekaphonie. Seine Musik ist streng, aber nicht bildlos. Sie beruht auf einer Verbindung von analytischem Denken und imaginiertem Klangbild. Gerade darin liegt ihre besondere kulturgeschichtliche Position innerhalb der österreichischen Moderne.

Nationalsozialismus, Aufführungsverbot und Nachkriegsmoderne

Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurde Apostels Musik als „entartet“ betrachtet und aus dem öffentlichen Aufführungsbetrieb gedrängt. Die Gründe lagen nicht nur in stilistischer Modernität, sondern auch in der Nähe zur verfemten Wiener Schule, zur atonalen und dodekaphonischen Musik, zu Schönberg und Berg sowie zur internationalen Moderne. Für Apostel bedeutete dies eine massive Unterbrechung seiner Karriere als Pianist, Kapellmeister, Liedbegleiter und Komponist.

Nach 1945 wurde Apostel zu einer wichtigen Figur der österreichischen Erneuerung. Er beteiligte sich am Wiederaufbau der IGNM-Sektion Österreich und war von 1947 bis 1950 deren Präsident. Diese Tätigkeit war mehr als Vereinsarbeit. Sie bedeutete die Rückbindung Österreichs an die internationale Neue Musik, die nach Jahren der Isolation, Zensur und ideologischen Verformung neu hergestellt werden musste.

Die Nachkriegsmoderne in Österreich war jedoch widersprüchlich. Einerseits wurden Komponisten wie Apostel geehrt; andererseits blieb die tatsächliche Aufführungspraxis begrenzt. Apostel erhielt Preise und institutionelle Anerkennung, doch sein Werk wurde nicht im breiten Konzertleben verankert. Damit steht er exemplarisch für eine Moderne, die kulturell rehabilitiert, aber nicht selbstverständlich gehört wurde.

Universal Edition, Berg-Ausgaben und kulturpolitische Arbeit

Apostels Tätigkeit für die Universal Edition gehört zu den zentralen Leistungen seines späteren Lebens. Die Universal Edition war für die Musik der Wiener Moderne, für Schönberg, Berg, Webern, Mahler, Bartók, Janáček und viele andere ein Schlüsselverlag. Wer dort als Lektor und Herausgeber arbeitete, stand an einer entscheidenden Schnittstelle von Komposition, Edition, Aufführung, Rechteverwaltung und internationaler Verbreitung.

Besonders wichtig war Apostels Arbeit an Alban Bergs Opern. Die editorische Betreuung von Wozzeck und Lulu verlangte genaue Kenntnis von Bergs Notation, Kompositionsweise, Nachlasslage, Aufführungspraxis und Werkverständnis. Apostel konnte hier als Schüler, Kenner und praktischer Musiker zugleich handeln. Seine Arbeit trug dazu bei, Bergs Werke nach 1945 in verlässlicher Form verfügbar zu machen.

Auch seine Tätigkeit als Juror, Lehrer, Mitglied des Kunstsenats und korrespondierendes Mitglied der Wiener Secession zeigt, dass Apostel innerhalb der österreichischen Kultur nicht nur als Komponist, sondern als Institutionenfigur wirkte. Er stand für eine Moderne, die sich selbst organisatorisch behaupten musste.

Rezeption, Ehrungen und heutige Einordnung

Apostel erhielt wichtige Auszeichnungen: 1937 den Emil-Hertzka-Preis, 1948 den Preis der Stadt Wien für Musik, 1952 den Förderungspreis des Österreichischen Staatspreises und 1957 den Großen Österreichischen Staatspreis. Außerdem wurde er Mitglied des Österreichischen Kunstsenats und korrespondierendes Mitglied der Wiener Secession. Diese Ehrungen zeigen, dass er im offiziellen Musikleben der Zweiten Republik anerkannt war.

Die tatsächliche Rezeption blieb dennoch schmal. Apostels Werke werden bis heute eher von Spezialensembles, Rundfunkarchiven, Kammermusikern, Pianisten und Forschern der Wiener Schule gepflegt als vom großen Repertoirebetrieb. Besonders die Klaviermusik, die Streichquartette, die Kammermusik mit Bläsern und Gitarre, die Kubiniana, die Fischerhaus-Serenade und die späte Passacaglia eignen sich für eine Wiederentdeckung.

Heute ist Apostel vor allem als strenger, intellektuell konzentrierter und kunstübergreifend denkender Komponist der Nachfolgegeneration Schönbergs und Bergs zu verstehen. Er zeigt, dass die Zweite Wiener Schule nicht 1945 oder mit dem Tod ihrer Hauptgestalten endet. Sie lebt in Schülern, Editoren, Lehrern, Werkverzeichnissen, kleinen Formen, Nachlässen und in einer Musik weiter, die ihren Anspruch auf Ordnung und Schönheit gegen die Repertoirevergessenheit behauptet.

Werkverzeichnis

Das folgende Werkverzeichnis ist quellenkritisch aufgebaut. Es verbindet die offen zugänglichen Werklisten aus Verlags-, Lexikon- und Katalogquellen mit den in der Literatur häufig genannten Werken. Bei Apostel sind einzelne Opusnummern in öffentlich zugänglichen Kurzlisten nicht eindeutig belegt oder erscheinen nur in Spezialkatalogen; wo dies der Fall ist, wird es ausdrücklich markiert. Frühwerke, Manuskripte, verworfene Stücke, Bearbeitungen und editorische Arbeiten werden gesondert genannt, weil sie für die kulturgeschichtliche Einordnung wesentlich sind.

Fünf Lieder nach Hans Bethge, ohne Opuszahl 1923; Lieder nach Texten beziehungsweise Übertragungen aus Die chinesische Flöte; für Gesang und Klavier; handschriftlich überliefert beziehungsweise in Werklisten als frühe Liedgruppe genannt.
Albumblätter, ohne Opuszahl 1924–1934; Klavierstücke beziehungsweise kleine Klavierblätter; handschriftliche frühe Werkgruppe.
Dämmerstunde, Horch! Horch! und Oktobernacht, ohne Opuszahl 1925, 1926 und 1954; Lieder nach Theodor Storm, Alfred Mombert und Richard Billinger; 1955 gedruckt beziehungsweise in Werklisten als einzelne Liedergruppe erfasst.
Fünf orientalische Skizzen, ohne Opuszahl 1926; Klaviermusik; frühe handschriftliche Werkgruppe im Umfeld der nachromantischen und expressionistischen Klavierminiatur.
Streichquartett, ohne Opuszahl 1926; frühes Streichquartett; Manuskript; vom späteren offiziell gezählten 1. Streichquartett op. 7 zu unterscheiden.
Fünf Klavierstücke, ohne Opuszahl 1927; frühe Klaviermusik; Manuskript; wichtig als Vorfeld der späteren strengeren Klavierwerke.
Meeresstille und Glückliche Fahrt, ohne Opuszahl 1928; Chorwerk nach Johann Wolfgang Goethe für vierstimmigen Männerchor a cappella; handschriftlich überliefert.
Variationen nach einer Kokoschka-Mappe op. 1 1928; Klavierwerk; eines der frühesten Hauptwerke Apostels und Zeugnis seiner Nähe zur expressionistischen Bildkunst Oskar Kokoschkas.
Sonate für Klavier op. 2 1929; Klaviersonate; Manuskript; frühes großes Klavierwerk nach der Wendung zur Wiener Moderne.
Fünf Lieder op. 3 1930/1931; Lieder nach Hanns Johst aus Lieder der Sehnsucht; für tiefe Stimme und Klavier beziehungsweise Orchester; 1931 gedruckt.
Requiem op. 4 1933; Chor- und Orchesterwerk nach Rainer Maria Rilkes Stundenbuch; für achtstimmigen gemischten Chor und Orchester; 1938 gedruckt und mit dem Emil-Hertzka-Preis ausgezeichnet.
Sonatina ritmica für Klavier op. 5 1934; Klaviersonatine; später gedruckt; ein charakteristisches Beispiel für Apostels Verbindung von rhythmischer Prägnanz und konzentrierter Form.
Vier Lieder op. 6 1935; Lieder nach Rainer Maria Rilke für tiefe Stimme und Klavier; 1937 gedruckt.
Streichquartett Nr. 1 op. 7 1935; erstes gezähltes Streichquartett; 1949 gedruckt; wichtiges Kammermusikwerk der mittleren dreißiger Jahre.
Klavierstück op. 8 1938; Klaviermusik; später gedruckt; kleines, konzentriertes Werk der Zeit unmittelbar vor der nationalsozialistischen Unterbrechung seiner öffentlichen Laufbahn.
Fünf Gesänge op. 9 1939/1940; Gesänge nach Friedrich Hölderlin für tiefe Stimme und Orchester; 1941 gedruckt; wichtiges vokal-orchestrales Werk in der Nähe dodekaphonischer Lied- und Orchesterkunst.
O sage, wo du bist op. 10 Nr. 1 1942; Chorwerk nach Friedrich Rückert für sechsstimmigen Knabenchor oder Frauenchor a cappella; Manuskript.
Untreue op. 10 Nr. 2 Chorwerk nach Joseph von Eichendorff; verworfen; in Werklisten als Teil der op.-10-Gruppe genannt, aber nicht als regulär verbreitetes Werk zu behandeln.
Es waren zwei Königskinder op. 10 Nr. 3 1941; Variationen für gemischten Chor a cappella über das Volkslied Es waren zwei Königskinder; 1953 gedruckt.
Adagio op. 11 1937; für großes Streichorchester, zwei Harfen, Celesta und Klavier beziehungsweise als zweiter Satz einer unvollständig gebliebenen Symphonie op. 11 überliefert; 1946 gedruckt.
Fünf Lieder nach Alfred Mombert, ohne endgültige Opuszahl 1926; Lieder nach Alfred Mombert aus Der Glühende; in Skizzen als op. 12 bezeichnet, in Werkübersichten jedoch nicht als eindeutig reguläre Druckopusgruppe geführt.
Kubiniana op. 13 1946; zehn Klavierstücke nach Zeichnungen von Alfred Kubin; 1947 gedruckt; eines der bekanntesten Werke Apostels und Schlüsselstück seiner Verbindung von Musik und graphischer Kunst.
Sechzig Schemen nach Zeichnungen A. Kubins. Abenteuer einer Notenfeder op. 13a 1945–1950; Klavierzyklus beziehungsweise graphisch-musikalischer Werkkomplex nach Alfred Kubin; Manuskript; eng mit Kubiniana verwandt.
Quartett op. 14 1947–1949; Quartett für Flöte, Klarinette, Horn und Fagott; 1952 gedruckt; Kammermusikwerk der unmittelbaren Nachkriegszeit.
Drei Gesänge op. 15 1948; Gesänge nach Stefan George aus Die Lieder von Traum und Tod; für mittlere Stimme und Klavier; 1963 gedruckt.
Um Mitternacht op. 16 1957; Chorwerk nach Eduard Mörike für sechsstimmigen gemischten Chor a cappella; 1957 gedruckt.
Variationen über ein Thema von Joseph Haydn op. 17 1949; Orchesterwerk; 1951 gedruckt; später durch die Paralipomena dodekaphonika op. 44 ergänzt beziehungsweise weitergedacht.
Drei Gesänge op. 18 1951; Gesänge nach Georg Trakl für tiefe Frauenstimme, vier Violen, zwei Violoncelli und Kontrabass; 1953 gedruckt; dunkles, farblich konzentriertes Vokal-Kammermusikwerk.
Sonatine für Flöte op. 19 Nr. 1 1951; Solosonatine für Flöte; 1953 gedruckt; Teil einer Gruppe von Solosonatinen für Blasinstrumente.
Sonatine für Klarinette op. 19 Nr. 2 1952; Solosonatine für Klarinette; 1953 gedruckt; Teil der Bläsersonatinen.
Sonatine für Fagott op. 19 Nr. 3 1952; Solosonatine für Fagott; 1953 gedruckt; bei IMSLP als eigenes Werk nachgewiesen.
Fünf Bagatellen op. 20 1952; für Flöte, Klarinette und Fagott; 1953 gedruckt; kleine, prägnante Kammermusikform.
Ballade op. 21 1953–1955; Orchesterwerk; 1955 gedruckt; Bearbeitung beziehungsweise Weiterführung der Fantasia ritmica für Klavier.
Fantasia ritmica, ohne Opuszahl 1951/1952; Klavierwerk; ursprüngliche Fassung der späteren Orchester-Ballade op. 21.
Fünf Lieder op. 22 1953; Lieder nach R. Felmayer für mittlere Singstimme, Flöte, Klarinette und Fagott; 1954 gedruckt.
Intrada op. 23 1954; für neun Trompeten, drei Posaunen, zwei Tuben, sechs Hörner und Schlagzeug; 1954/1955 gedruckt; repräsentatives Blechbläser- und Schlagzeugwerk.
Suite concise op. 24 1955; sieben Stücke für Klavier; 1956 gedruckt; bei IMSLP und OpenLibrary nachgewiesen.
Sechs Musiken für Gitarre op. 25 1955; Gitarrenwerk; 1963 gedruckt; wichtig für Apostels kleinere Instrumental- und Gitarrenliteratur.
Streichquartett Nr. 2 op. 26 1956; zweites Streichquartett; 1958 gedruckt; zentrales Kammermusikwerk der fünfziger Jahre.
Rondo ritmico op. 27 1957; Orchesterwerk; 1957 gedruckt; verbindet rhythmische Formidee und dodekaphonische Organisation.
Höhe des Jahres op. 28 1958; Chorwerk nach Johann Grunert für vierstimmigen Männerchor; 1963 gedruckt.
Studie op. 29 1958, revidiert 1964; für Flöte, Viola und Gitarre; 1975 gedruckt; Vorfeld und Ergänzung des späteren kleinen Kammerkonzerts für ähnliche Besetzung.
Klavierkonzert op. 30 1958; Konzert für Klavier und Orchester; Druckfassung für zwei Klaviere zu vier Händen 1960; wichtiges großformatiges Konzertwerk.
Vier kleine Klavierstücke op. 31a 1959; Klavierminiaturen; 1962 gedruckt; konzentrierte späte Klavierstücke.
Fantasie für Klavier op. 31b 1959; Klavierfantasie; 1962 gedruckt; bei Doblinger und Klassika nachgewiesen.
Drei Alpacher Miniaturen op. 32 1960; Studien über eine Zwölftonreihe für Cembalo; Manuskript; charakteristisches Beispiel für Apostels Verbindung von Reihenarbeit und Miniaturform.
Sechs Epigramme op. 33 1962; für Streichquartett; 1963 gedruckt; aphoristische Kammermusik in enger Form.
Kleine Passacaglia op. 34a 1961; Klavierwerk; Manuskript; traditionelle Formidee in dodekaphonischer Verdichtung.
Toccata op. 34b 1961; Klavierwerk; Manuskript; virtuoser, bewegungsorientierter Gegenpol zur Passacaglia.
Sonate für Violoncello und Klavier op. 35 1962; Kammermusik; 1967 gedruckt; wichtiges Duo-Werk der späteren Schaffensphase.
Ode op. 36 1961/1962; für Alt und großes Orchester; Text von Hans Erich Apostel; 1962 gedruckt; großformatiges Vokal-Orchesterwerk.
Triptychon op. 37 1964; nach Felix Braun; für ein- bis sechsstimmigen Knabenchor und Altflöte; 1965 gedruckt; ungewöhnliche Verbindung von Chorstimme und Blockflötenfarbe.
Kleines Kammerkonzert op. 38 1964; für Flöte, Viola und Gitarre; 1965 gedruckt; eines der charakteristischen Kammerkonzertwerke Apostels.
Sonatine für Oboe op. 39 Nr. 1 1964; Solosonatine für Oboe; 1965 gedruckt; in IMSLP auch als op. 39a nachgewiesen.
Sonatine für Horn op. 39 Nr. 2 1964; Solosonatine für Horn; 1965 gedruckt; Fortsetzung der Bläsersonatinen.
Zwei Gesänge op. 40 1964 beziehungsweise 1965; Gesänge nach Alfred Mombert aus Musik der Welt; für Alt und Klavier; 1965 gedruckt.
Kammersymphonie op. 41 1965–1967; Kammerorchesterwerk; 1969 gedruckt; eines der gewichtigeren späten Ensemblewerke.
Sonatine für Trompete op. 42 Nr. 1 1970; Solosonatine für Trompete; Manuskript beziehungsweise in Programmnachweisen sichtbar.
Sonatine für Posaune op. 42 Nr. 2 1970; Solosonatine für Posaune; nur in Skizzen überliefert.
Epitaph op. 43 1969; für Streichorchester; Manuskript; spätes Orchesterwerk mit memorialem Charakter.
Paralipomena dodekaphonika op. 44 1969/1970; Der Haydn-Variationen op. 17 anderer Teil; 1971 gedruckt; reflektiert und ergänzt die ältere Haydn-Variationen-Werkgruppe in ausdrücklich dodekaphonischer Perspektive.
Fischerhaus-Serenade op. 45 1971; Eine Gelegenheits-Musik (zwölfgetönt) in zwölf Nummern (im Quintenzirkel) für zwölf Musici; für Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, Trompete, Horn, Posaune, zwei Violinen, Viola, Violoncello und Kontrabass; 1972 gedruckt.
Weiße Wicken in der Vase op. 46a 1971; Lied nach Etta Reich für mittlere Stimme und Klavier; 1975 gedruckt.
Opus 47 bis Opus 49 In den hier ausgewerteten offenen Werklisten und Verlagsübersichten nicht eindeutig belastbar zugeordnet. Für eine endgültige Klärung sind Universal-Edition-Kataloge, Nachlassmaterial und Spezialbibliographie heranzuziehen.
Passacaglia op. 50 1972; Orchesterwerk; zweiter Satz aus einem unvollendet gebliebenen Konzert für Orchester; 1974 gedruckt beziehungsweise als Faksimile und Studienpartitur nachgewiesen.
Variationen über drei Volkslieder, ohne Opuszahl 1956; Orchesterwerk; Manuskript; in Werklisten als nicht veröffentlichte Orchesterarbeit genannt.
Festliche Musik für Blasorchester, ohne Opuszahl 1958–1962; Blasorchesterwerk; 1970 gedruckt; bei Doblinger als verlegtes Werk nachgewiesen.
Fünf österreichische Miniaturen, ohne Opuszahl 1959; Orchester- beziehungsweise Ensemblewerk; 1961 gedruckt; kleinere national oder regional gefärbte Werkgruppe.
Jäger-Ballade von der Gans, ohne Opuszahl 1954/1955; Ein Silvesterspuk; vermutlich eigener Text; für Sprechstimme, gemischten Chor und Orchester; Manuskript.
Silvester-Rakete mit Atmosphärenklang, ohne Opuszahl 1963/1964; für Frauenchor und Orchester; Manuskript; in Werklisten als spezielles Chor-Orchesterstück genannt.
Der Zecher, ohne Opuszahl 1964; Wiener Lied nach Erich Schmale für Gesang und Klavier; 1964 gedruckt.
Couplet der Armanda, ohne Opuszahl 1968; nach Albert Drachs Spiel vom Meister Siebentod; für dreistimmigen Gesang, Klavier und Schlagzeug; Manuskript.
Variationen aus Lulu, Bearbeitung ohne Opuszahl 1935; Bearbeitung des vierten Satzes der Symphonischen Stücke aus der Oper Lulu von Alban Berg für Klavier vierhändig oder zwei Klaviere; 1985 gedruckt; gehört zu Apostels Berg-Bezug und editorischem Umfeld.
Wozzeck, editorische Arbeit 1955; Apostel war an der editorischen Betreuung der Universal-Edition-Ausgabe von Alban Bergs Wozzeck beteiligt; keine Eigenkomposition, aber zentrale Vermittlungsleistung.
Lulu, editorische Arbeit 1963; Apostel war gemeinsam mit Rudolf Stephan an der Herausgabe beziehungsweise editorischen Sicherung von Alban Bergs Lulu beteiligt; keine Eigenkomposition, aber für die Berg-Rezeption wesentlich.
Schriften und Vorträge Dazu gehören unter anderem Betrachtungen zur zeitgenössischen Melodie, Texte zur zeitgenössischen Musik, Anmerkungen zur ästhetischen Situation, Ethik und Ästhetik der musikalischen Aussage sowie Vortragsmanuskripte über Schönberg und Berg im Nachlass.

Sekundärliteratur

  • Adorno, Theodor W.: Schriften zur Neuen Musik und zur Wiener Schule. Nicht spezifisch auf Apostel beschränkt, aber grundlegender Denkrahmen für die ästhetische Deutung von Schönberg, Berg, Webern und ihrer Nachfolge.
  • Bischof, Rainer: Die Stellung des Streichquartetts im Schaffen Hans Erich Apostels. In: Carmen Ottner (Hg.): Kammermusik zwischen den Weltkriegen. Wien 1995. Spezialstudie zur kammermusikalischen Werkmitte Apostels und zur Bedeutung der Streichquartette.
  • Gruber, Gerold Wolfgang: Apostel, Hans Erich. In: The New Grove Dictionary of Music and Musicians. London 2001. Moderner englischsprachiger Fachartikel zu Leben, Werk, Stil und musikgeschichtlicher Stellung.
  • Gruber, Gerold Wolfgang: Hans Erich Apostel: Fischerhaus-Serenade op. 45. In: Gottfried Scholz (Hg.): Dodekaphonie in Österreich nach 1945. Wien 1989. Detaillierte Analyse eines späten dodekaphonischen Kammerwerks und wichtiger Beitrag zur österreichischen Nachkriegsdodekaphonie.
  • Hilscher, Elisabeth Th.: Apostel, Hans Erich. In: Oesterreichisches Musiklexikon online. Belastbarer deutschsprachiger lexikalischer Grundartikel zu Biographie, Stil, Werkgruppen, Ehrungen und Literatur.
  • Kaufmann, Harald: Hans Erich Apostel. Wien 1965. Grundlegende Monographie in der Reihe Österreichische Komponisten des XX. Jahrhunderts.
  • Metzger, Heinz-Klaus und Riehn, Rainer: Schriften zur Zweiten Wiener Schule. Kontextliteratur zur Rezeption der Schönberg-Schule und zur Analyse der seriellen und dodekaphonischen Moderne.
  • Redlich, H. F.: Rezension zu Harald Kaufmanns Apostel-Studie. In: The Musical Times, Januar 1966. Zeitgenössische englischsprachige Reaktion auf die frühe Apostel-Monographie.
  • Salmen, Walter: Biographische und ästhetische Studien zur Musik des 20. Jahrhunderts. Wichtig für die Formulierung von Apostels Selbstverständnis als architektonisch und logisch denkender Musiker.
  • Scholz, Gottfried (Hg.): Dodekaphonie in Österreich nach 1945. Wien 1989. Zentraler Sammelband zur österreichischen Nachkriegszwölftonmusik mit Apostel-Bezug.
  • Stephan, Rudolf: Arbeiten zu Alban Berg, Wozzeck, Lulu und zur Wiener Schule. Kontext für Apostels editorische Arbeit an Berg und für die Werküberlieferung der Zweiten Wiener Schule.
  • Wieschollek, Dirk: Hans Erich Apostel. In: Komponisten der Gegenwart. München. Moderner Werk- und Komponistenartikel mit analytischer und biographischer Einordnung.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Alfred Kubin Graphiker und Zeichner, dessen Bildwelt Apostels Kubiniana und die Schemen-Werkgruppe entscheidend anregte.
  • Alfred Lorenz Karlsruher Lehrer Apostels und Vermittler der frühen musiktheoretischen und praktischen Ausbildung.
  • Alban Berg Lehrer Apostels, zentrale Figur der Zweiten Wiener Schule und Bezugspunkt seiner editorischen Arbeit an Wozzeck und Lulu.
  • Arnold Schönberg Lehrer Apostels und Begründer der Zwölftontechnik, deren Konsequenz Apostels Werk nachhaltig bestimmte.
  • Anton Webern Hauptfigur der Wiener Schule, deren konzentrierte Formauffassung einen wichtigen Vergleichspunkt zu Apostels Miniatur- und Kammermusik bildet.
  • Lulu Oper Alban Bergs, deren editorische Überlieferung und Ausgabe Apostel als Universal-Edition-Lektor mitbetreute.
  • Dodekaphonie Zwölftöniges Kompositionsprinzip, das Apostel mit besonderer Konsequenz auf Lied, Klaviermusik, Kammermusik und Orchesterwerk anwendete.
  • Emil-Hertzka-Preis Auszeichnung, die Apostel 1937 für sein Requiem op. 4 erhielt.
  • Expressionismus in der Musik Ästhetischer Hintergrund von Apostels frühen Werken und seiner Nähe zu Kubin, Kokoschka und der Wiener Schule.
  • Fischerhaus-Serenade Spätes dodekaphonisches Kammerwerk Apostels op. 45 für zwölf Musiker in zwölf Nummern.
  • Internationale Gesellschaft für Neue Musik Organisation der Neuen Musik, deren österreichische Sektion Apostel nach 1945 mitaufbaute und zeitweise leitete.
  • Karlsruhe Geburts- und Ausbildungsstadt Apostels mit Munz’schem Konservatorium und Badischem Landestheater.
  • Kammermusik Zentrales Werkfeld Apostels, besonders in Quartetten, Bläsersonatinen, Bagatellen, Epigrammen und Kammerkonzerten.
  • Klaviermusik Gattungsfeld, in dem Apostel von frühen Skizzen über Kokoschka-Variationen bis Kubiniana und spätere Miniaturen wesentliche Werke schrieb.
  • Oskar Kokoschka Maler und Graphiker, dessen Arbeiten Apostels Variationen nach einer Kokoschka-Mappe op. 1 anregten.
  • Kubiniana Zehn Klavierstücke Apostels op. 13 nach Zeichnungen von Alfred Kubin und Schlüsselwerk seiner bildkünstlerisch inspirierten Klaviermusik.
  • Manon Gropius Schülerin Apostels und bekannte Gestalt des Wiener Kulturmilieus, von Alban Berg im Violinkonzert erinnert.
  • Neue Musik Übergreifender Kultur- und Stilbereich, in dem Apostels kompositorische, lehrende und kulturpolitische Tätigkeit zu verorten ist.
  • Passacaglia Traditionelle Variationsform, die Apostel in der späten Passacaglia op. 50 und in kleineren Klavierformen dodekaphonisch transformierte.
  • Rainer Bischof Schüler Apostels, Komponist und Autor wichtiger Studien zu dessen Kammermusik.
  • Requiem Gattungskontext von Apostels Requiem op. 4 nach Rilkes Stundenbuch.
  • Streichquartett Zentrale Kammermusikgattung Apostels, in der sich seine motivische und dodekaphonische Arbeit besonders prägnant zeigt.
  • Universal Edition Wiener Musikverlag, in dem Apostel als Lektor und Herausgeber für die Werke der Wiener Schule wirkte.
  • Wien Hauptwirkungsort Apostels und Zentrum der Zweiten Wiener Schule, der Universal Edition und der österreichischen Nachkriegsmoderne.
  • Wozzeck Oper Alban Bergs, deren editorische Sicherung Apostel als Berg-Schüler und Universal-Edition-Lektor mittrug.
  • Zwölftontechnik Kompositorisches Verfahren, das Apostels Werk als Ordnungs-, Variations- und Formprinzip grundlegend prägt.
  • Zweite Wiener Schule Kompositionsgeschichtlicher Zusammenhang von Schönberg, Berg, Webern und ihren Schülern, zu dessen zweiter Generation Apostel gehört.