Guillaume Apollinaire
Überblick
Guillaume Apollinaire ist eine der zentralen Vermittlungsfiguren der europäischen Moderne. Er steht zwischen Symbolismus und Surrealismus, zwischen lyrischer Tradition und typographischem Experiment, zwischen Kubismus, Orphismus, Pariser Bohème, Kunstkritik, Kriegserfahrung und literarischer Avantgarde. Sein Werk ist nicht durch eine einzelne Schule zu erklären. Apollinaire war weder bloß Nachfolger der symbolistischen Lyrik noch bloß Vorläufer der surrealistischen Bewegung. Er war ein Autor, der verschiedenste Impulse aufnahm, verwandelte und in eine Sprache der Gleichzeitigkeit überführte.
Die Bedeutung Apollinaires liegt besonders in der Erneuerung der Lyrik. In Alcools verbindet er mittelalterliche Legenden, Großstadt, Erinnerung, Liebesverlust, Reisemotive, Mythologie, Technik, populäre Sprache und moderne Bildsprünge. Die berühmte Entscheidung, auf Interpunktion zu verzichten, ist mehr als ein typographischer Effekt. Sie verändert den Atem des Gedichts, öffnet syntaktische Übergänge und macht die Lektüre zu einem gleitenden Vorgang, in dem Bedeutungen nicht fest abgeschlossen, sondern in Bewegung gehalten werden. In Calligrammes wird diese Bewegung sichtbar: Wörter ordnen sich zu Figuren, Linien, Objekten und graphischen Gestalten, so dass Gedicht, Bild und Seite ineinandergreifen.
Als Kunstkritiker war Apollinaire eine Schlüsselfigur im Umfeld von Pablo Picasso, Georges Braque, Robert Delaunay, Marie Laurencin, Fernand Léger, Francis Picabia, Marcel Duchamp und weiteren Künstlern der frühen Pariser Moderne. Sein Buch Les peintres cubistes. Méditations esthétiques von 1913 gehört zu den frühen programmatischen Texten über den Kubismus. Apollinaire war kein distanzierter Museumsgelehrter, sondern ein Kritiker aus dem unmittelbaren Freundes- und Werkstattkreis der Avantgarde. Seine Kritik wollte nicht nur beschreiben, sondern neue Wahrnehmungsformen ermöglichen.
Kurzdaten
| Name | Guillaume Apollinaire. |
|---|---|
| Eigentlicher Name | Wilhelm Apollinaris de Kostrowitsky; erweiterte Namensformen lauten unter anderem Wilhelm Albert Włodzimierz Apolinary Kostrowicki und Guglielmo Alberto Wladimiro Alessandro Apollinare de Kostrowitzky. |
| Geboren | 26. August 1880 in Rom. |
| Gestorben | 9. November 1918 in Paris. |
| Beruf | Dichter, Schriftsteller, Erzähler, Dramatiker, Kunstkritiker, Literaturkritiker, Journalist und Avantgarde-Vermittler. |
| Sprache | Französisch; Apollinaire wurde zu einem der wichtigsten Erneuerer der französischen Lyrik des frühen 20. Jahrhunderts. |
| Herkunft | In Rom geboren, aus einem polnisch geprägten familiären Hintergrund stammend, in Monaco, an der Côte d’Azur und später in Paris geprägt. |
| Literarische Felder | Lyrik, Prosa, Erzählung, Roman, Theater, Kunstkritik, Essay, Chronik, erotische Literatur, Brief, Manifest und Vortrag. |
| Kunstrichtungen | Symbolismus, Kubismus, Orphismus, Futurismus, Esprit nouveau, frühe visuelle Poesie und Vorgeschichte des Surrealismus. |
| Hauptwerke | Alcools, Calligrammes, Les peintres cubistes, L’Enchanteur pourrissant, Le Bestiaire ou Cortège d’Orphée, Le Poète assassiné, Les Mamelles de Tirésias und L’Esprit nouveau et les poètes. |
| Besondere Begriffe | Mit Apollinaire verbunden sind die Begriffe Kubismus, Orphismus, Calligramm, Esprit nouveau und Surrealismus. |
| Grabstätte | Cimetière du Père-Lachaise in Paris. |
Name, Herkunft und Selbstentwurf
Der Name Guillaume Apollinaire ist ein literarischer Selbstentwurf. Der Geburtsname verweist auf eine vielsprachige, genealogisch und kulturell komplexe Herkunft. In italienischer, polnischer, deutscher und französischer Form erscheinen Varianten wie Guglielmo, Wilhelm, Włodzimierz, Apollinare, Apolinary, Kostrowicki und Kostrowitzky. Der spätere Autorenname französisiert und verdichtet diese Herkunft. Aus dem komplizierten europäischen Namen entsteht ein prägnanter Dichtername, der zugleich klassisch und modern klingt: Guillaume als französische Form, Apollinaire mit dem Nachhall Apollons, der Dichtung, Musik, Licht und Prophetie verbindet.
Diese Namensform passt zu Apollinaires Rolle in der Moderne. Er war ein Autor der Übergänge: geboren in Rom, aufgewachsen in verschiedenen europäischen Milieus, in Paris zum französischen Dichter geworden, zugleich immer mit einem Gefühl der Fremdheit und Selbsterschaffung verbunden. Seine Dichtung kreist oft um Identität, Maskierung, Liebesverlust, Reisen, Erinnerung und Verwandlung. Der Name Apollinaire ist deshalb nicht nur bibliographisch, sondern poetologisch wichtig. Er bezeichnet eine Figur, die sich nicht aus einer stabilen nationalen oder sozialen Herkunft ableitet, sondern sich im Medium der Sprache und der Kunst neu bildet.
Biographische Grundlinien
Apollinaire wurde am 26. August 1880 in Rom geboren. Seine Mutter, Angelica beziehungsweise Angélique Kostrowicka, stammte aus einem polnisch-litauischen Adelsmilieu; die Identität des Vaters blieb lange unsicher und trug zum biographischen Mythos des Dichters bei. Die frühe Kindheit führte Apollinaire durch mehrere Orte und Sprachen. Er besuchte Schulen in Monaco, Cannes und Nizza und entwickelte früh eine lebhafte Beziehung zu Literatur, Theater, populärer Erzählung und katholisch geprägten Bildwelten.
1899 kam er nach Paris, doch die entscheidende Phase seiner Bildung war nicht akademisch, sondern urban, journalistisch und künstlerisch. Apollinaire arbeitete zeitweise als Angestellter, unterrichtete 1901/1902 als Hauslehrer im Rheinland und nahm Eindrücke aus Deutschland in seine spätere Dichtung auf. Die Rheinlandschaft, Legenden, Burgen, Frauenbilder und romantische Erinnerungsräume gingen in Gedichte ein, die später in Alcools gesammelt wurden. Das Gedicht Rhénane d’automne und die Rhein-Motive zeigen, wie sehr Apollinaire geographische Erfahrung in poetische Imagination verwandelte.
In Paris wurde Apollinaire rasch Teil der literarischen und künstlerischen Bohème. Er bewegte sich im Umkreis von Alfred Jarry, Max Jacob, Pablo Picasso, André Salmon, Marie Laurencin, André Derain, Georges Braque und vielen anderen. Die Freundschaft mit Picasso war besonders wichtig. Apollinaire erkannte früh die Bedeutung der neuen Malerei, verteidigte sie publizistisch und half, eine Sprache für den Kubismus zu finden. Er schrieb für Zeitschriften, veröffentlichte Gedichte, erotische Prosa, Erzählungen und Kunstkritiken und wurde zu einer Art Knotenpunkt der Pariser Avantgarde.
1911 geriet Apollinaire kurzzeitig in die Nähe der spektakulären Louvre-Affäre um den Diebstahl der Mona Lisa. Die Episode führte zu einer vorübergehenden Verhaftung und verstärkte sein öffentliches Profil als halb verdächtige, halb legendäre Figur der Bohème. Wichtiger als die Anekdote ist jedoch, dass sie zeigt, wie dicht Apollinaire im Milieu von Künstlern, Sammlern, Vermittlern, Journalisten und Randfiguren der Moderne stand. Er war kein Dichter im abgeschlossenen Studierzimmer, sondern ein Autor im Strom der Pariser Kunstöffentlichkeit.
1913 erschienen zwei Hauptwerke: Alcools und Les peintres cubistes. Dieses Jahr markiert Apollinaires Doppelfunktion als Lyriker und Kunstkritiker. Während Alcools die lyrische Moderne in Frankreich neu bestimmte, formulierte Les peintres cubistes eine frühe Theorie und Verteidigung der neuen Malerei. 1914 meldete sich Apollinaire freiwillig zum französischen Militärdienst. 1916 wurde er durch einen Granatsplitter am Kopf verwundet. 1918 starb er in Paris während der Spanischen Grippe, kurz vor dem Ende des Ersten Weltkriegs. Sein Tod wurde durch die Kriegsteilnahme symbolisch mit der französischen Nation verbunden.
Ausführlicher Kulturüberblick
Apollinaire gehört in die dramatische Umbruchzeit zwischen Fin de Siècle, Belle Époque, Vorkriegsavantgarde und Erstem Weltkrieg. Paris war in diesen Jahrzehnten nicht nur Hauptstadt Frankreichs, sondern ein europäischer Umschlagplatz künstlerischer Experimente. In Cafés, Galerien, Ateliers, Verlagen, kleinen Zeitschriften und Theatern begegneten sich Dichter, Maler, Musiker, Kritiker, Sammler, Immigranten, Bohemiens, Journalisten und politische Außenseiter. Apollinaire wurde zu einer der beweglichsten Figuren dieses Milieus.
Seine kulturelle Bedeutung liegt darin, dass er die Künste nicht getrennt behandelte. Für ihn standen Poesie, Malerei, Theater, Typographie, Musik, Alltag, Technik, Reklame, Zeitung, Gespräch, Krieg, Großstadt und Mythos in einem gemeinsamen Feld. Diese Haltung war neu. Die moderne Welt erschien nicht mehr als bloßer Gegensatz zur Kunst, sondern als Material der Kunst. Brücken, Bahnhöfe, Plakate, Flugzeuge, Maschinen, Telefone, Schaufenster, Zirkus, Kabarett und Straße konnten in die Lyrik eintreten, ohne ihren poetischen Rang zu verlieren.
Apollinaire vermittelt zwischen der symbolistischen Tradition und einer neuen Poetik der Gegenwart. Vom Symbolismus übernimmt er Musikalität, Andeutung, Mythos und Bildverdichtung. Von der Avantgarde übernimmt er Bruch, Montage, Kühnheit, Urbanität, Plötzlichkeit und formale Experimente. Seine Dichtung ist deshalb nicht einfach anti-traditionell. Sie verbindet alte Formen mit neuen Wahrnehmungen. In Alcools stehen mittelalterlich klingende Legenden neben Paris, romantische Erinnerungen neben Technik, Liebesklage neben Bildsprung, christliche und heidnische Motive neben moderner Einsamkeit.
Als Kunstkritiker half Apollinaire, die Malerei des Kubismus öffentlich wahrnehmbar zu machen. Er schrieb nicht nur über Picasso und Braque, sondern auch über Robert Delaunay, Marie Laurencin, Francis Picabia, Marcel Duchamp, Fernand Léger und andere. Seine Kritik war oft emphatisch, spekulativ und programmatisch. Gerade darin liegt ihre historische Bedeutung. Apollinaire gab der neuen Malerei Begriffe, Pathos und Erzählung. Er übersetzte visuelle Experimente in literarisch-kritische Sprache.
Der Erste Weltkrieg veränderte Apollinaires Werk nicht nur thematisch, sondern auch medial. Die Gedichte der Kriegszeit verbinden Front, Liebe, Brief, Kanonendonner, technische Zeichen, Patriotismus, Angst, Kameradschaft, Fragment und Bildgedicht. In Calligrammes wird der Krieg nicht nur beschrieben, sondern in der Anordnung des Textes sichtbar gemacht. Die Seite wird zum Schlachtfeld, zur Landkarte, zum Gedächtnisraum und zur graphischen Form. Damit gehört Apollinaire zur Vorgeschichte der visuellen Poesie, der konkreten Poesie und der modernen typographischen Literatur.
Lyrik, Formbruch und moderne Wahrnehmung
Apollinaires Lyrik ist von einer Spannung zwischen Erinnerung und Gegenwart getragen. Er sucht nicht die reine Neuheit um ihrer selbst willen, sondern eine Form, in der das Alte und das Neue gleichzeitig erscheinen können. Das berühmte Gedicht Zone, das Alcools eröffnet, beginnt mit der Müdigkeit gegenüber der alten Welt und führt doch sofort in eine Welt, in der Religion, Reklame, Flugzeuge, Straßen, Migranten, moderne Stadt und persönliche Erinnerung zusammenkommen. Dieses Prinzip der Gleichzeitigkeit ist grundlegend für Apollinaires Poetik.
Die fehlende Interpunktion in Alcools ist kein äußerlicher Modernitätsgestus. Sie hebt feste syntaktische Grenzen auf und zwingt den Leser, den Sinn im Fluss der Zeilen selbst zu organisieren. Dadurch entsteht eine offene, bewegliche Syntax. Verse können rückwärts und vorwärts gelesen werden, Bilder verbinden sich über Zeilengrenzen hinweg, und die Stimme wirkt zugleich gesungen, gesprochen und erinnert. Apollinaire modernisiert die Lyrik also nicht nur durch neue Themen, sondern durch eine neue Leseweise.
Die Calligrammes treiben diese Entwicklung weiter. Hier wird die Seite selbst zum poetischen Raum. Ein Gedicht kann als Regen fallen, als Taube erscheinen, als Fontäne, Herz, Uhr, Spiegel oder Landschaft angeordnet sein. Die Form ist nicht bloße Illustration, sondern Teil der Bedeutung. Apollinaire denkt das Gedicht als Zusammenspiel von Schrift, Blick, Klang und Vorstellung. Damit überschreitet er die traditionelle Grenze zwischen Literatur und Bildkunst und öffnet einen Weg, der später für Dada, Surrealismus, konkrete Poesie, typographische Experimente und visuelle Literatur entscheidend wurde.
Kunstkritik, Kubismus und Orphismus
Apollinaire war einer der ersten Kritiker, die die neue Malerei nicht nur verteidigten, sondern als epochale Veränderung deuteten. Im Umfeld von Picasso, Braque und ihren Freunden erkannte er, dass der Kubismus nicht einfach eine Verzerrung der sichtbaren Welt war. Er verstand ihn als neue Weise des Sehens, in der Gegenstände nicht mehr nur aus einer Perspektive dargestellt werden, sondern in ihrer gedanklichen, räumlichen und zeitlichen Vielschichtigkeit erscheinen.
Les peintres cubistes. Méditations esthétiques ist das wichtigste Buch seiner Kunstkritik. Es versammelt und ordnet Gedanken zur neuen Malerei und gibt dem Kubismus eine literarische Gestalt. Apollinaire behandelt darin Künstler wie Picasso, Braque, Jean Metzinger, Albert Gleizes, Juan Gris, Marie Laurencin, Fernand Léger, Francis Picabia und Marcel Duchamp. Seine Kritik ist nicht im heutigen Sinn kunsthistorisch nüchtern. Sie arbeitet mit Vision, Pathos, Begriffserfindung und metaphorischer Verdichtung. Gerade deshalb konnte sie für die zeitgenössische Avantgarde so wirksam werden.
Mit dem Begriff Orphismus bezeichnete Apollinaire eine farb- und lichtbezogene Tendenz der modernen Malerei, besonders im Umfeld von Robert Delaunay und Sonia Delaunay. Der Begriff verbindet moderne Abstraktion mit dem antiken Orpheus-Mythos. Auch hier zeigt sich Apollinaires Verfahren: Er benennt neue Kunst nicht mit trockenen Kategorien, sondern mit mythopoetischen Begriffen. Seine Kunstkritik ist selbst poetisch und schafft dadurch eine Sprache, die der neuen Malerei öffentliche Kontur gibt.
Theater, Surrealismus und Esprit nouveau
Apollinaires Theater ist weniger umfangreich als seine Lyrik und Kunstkritik, aber kulturgeschichtlich sehr einflussreich. Les Mamelles de Tirésias, 1917 aufgeführt und 1918 veröffentlicht, trägt die Bezeichnung drame surréaliste. Damit gehört der Text zu den frühesten literarischen Zeugnissen des Wortes Surrealismus, noch bevor André Breton und die spätere surrealistische Bewegung den Begriff programmatisch institutionalisierten. Apollinaire meinte damit keine feste Schule, sondern eine Überschreitung des bloß Wirklichen durch Imagination, Traum, Groteske, Spiel und technische Modernität.
Das Stück behandelt Geschlecht, Fortpflanzung, Krieg, Bevölkerungspolitik und gesellschaftliche Rollen in einer grotesken, überdrehten, anti-naturalistischen Form. Es ist zugleich komisch, provokant und prophetisch. Später wurde es durch Francis Poulencs Oper Les Mamelles de Tirésias auch musikgeschichtlich wirksam. Die Verbindung von Apollinaire und Poulenc zeigt, wie sehr Apollinaires Texte nach seinem Tod in die Musik, das Theater und die französische Moderne hineinwirkten.
Der Vortrag L’Esprit nouveau et les poètes formuliert Apollinaires späte ästhetische Selbstverständigung. Der esprit nouveau bezeichnet eine neue Haltung der Poesie, die nicht mehr zwischen Tradition und Moderne wählen muss, sondern aus beiden neue Formen bildet. Für Apollinaire ist der Dichter nicht bloß Bewahrer der Sprache, sondern Erfinder von Zusammenhängen. Seine Moderne ist daher nicht destruktiv im einfachen Sinn. Sie sucht eine neue Ordnung der Wahrnehmung.
Krieg, Verwundung und Tod
Der Erste Weltkrieg war für Apollinaire biographisch und poetisch einschneidend. Er meldete sich freiwillig, wurde französischer Staatsbürger, kämpfte an der Front und wurde 1916 durch einen Granatsplitter am Kopf verwundet. Die Fotografien des bandagierten Apollinaire gehören zu den ikonischen Bildern des verwundeten modernen Dichters. Die Verwundung wurde Teil seiner Selbstmythologie und der späteren Erinnerung an ihn.
In der Kriegslyrik verbindet Apollinaire patriotische Haltung, persönliche Liebesbriefe, technische Bilder, Frontrealität und poetische Experimente. Anders als spätere pazifistische Kriegsdichtungen ist seine Haltung nicht einheitlich. Sie schwankt zwischen Begeisterung, Pflichtgefühl, Schrecken, Liebessehnsucht, Kameradschaft, Tod und modernem Maschinenbild. Gerade diese Widersprüchlichkeit macht seine Kriegsdichtung historisch bedeutsam. Sie zeigt den Ersten Weltkrieg nicht nur als Katastrophe, sondern als Wahrnehmungsbruch, der Sprache, Bild und Körper neu ordnet.
Apollinaire starb am 9. November 1918 in Paris während der Spanischen Grippe, zwei Tage vor dem Waffenstillstand. Diese zeitliche Nähe zum Kriegsende machte seinen Tod zu einem symbolischen Ereignis. Er starb als Dichter der Vorkriegsavantgarde, als verwundeter Soldat und als Autor einer Moderne, die nach 1918 von Dadaismus, Surrealismus, neuer Typographie und experimenteller Literatur weitergeführt wurde.
Wirkung und Rezeption
Apollinaires Wirkung ist außerordentlich breit. Für die französische Lyrik ist er einer der entscheidenden Autoren zwischen Baudelaire, Mallarmé, Verlaine, Rimbaud und den Surrealisten. Er verbindet die musikalische und symbolische Tradition des 19. Jahrhunderts mit einer neuen, urbanen, typographischen und medialen Poetik. Ohne Apollinaire ist die Entwicklung von Breton, Aragon, Soupault, Éluard, Desnos und der surrealistischen Bewegung kaum zu verstehen.
Für die Kunstgeschichte ist Apollinaire als Kritiker des Kubismus und Orphismus wichtig. Seine Texte gehören zu den frühen Dokumenten, durch die moderne Malerei nicht nur ausgestellt, sondern begrifflich begründet wurde. Er war zugleich Freund, Deuter, Propagator und poetischer Interpret der Künstler. Gerade diese Nähe machte seine Kritik lebendig, aber auch parteilich. Er schrieb nicht aus der Distanz späterer Kunstgeschichte, sondern aus der unmittelbaren Hitze der Avantgarde.
Für die Geschichte der visuellen Poesie ist Apollinaire ein Bezugspunkt ersten Ranges. Die Calligrammes zeigen, dass ein Gedicht nicht nur gehört oder gelesen, sondern auch gesehen werden kann. Damit öffnete er einen Weg zu den Schrift- und Bildexperimenten des 20. Jahrhunderts. Seine Wirkung reicht bis zur konkreten Poesie, zur Plakatkunst, zur visuellen Typographie, zur Künstlerbuchtradition und zur digitalen Schriftkunst.
Werkverzeichnis
Das folgende Werkverzeichnis ist nach Werkgruppen geordnet. Es nennt zu Lebzeiten veröffentlichte Hauptwerke, postum erschienene Sammlungen, wichtige kunstkritische Schriften, Theaterstücke, Romane, Erzählungen, erotische und bibliographische Arbeiten sowie wichtige Brief- und Nachlassausgaben. Zeitungsartikel, Einzelkritiken und alle verstreuten Feuilletons werden nicht vollständig einzeln aufgeführt, weil sie in modernen Gesamtausgaben und Spezialbibliographien erschlossen sind; für ein Kulturlexikon ist jedoch die folgende Übersicht als ausführliche Werkorientierung geeignet.
| L’Enchanteur pourrissant | 1909; Prosadichtung mit lyrischen und dialogischen Elementen; frühes Buchwerk, das mittelalterliche Legende, Merlin-Stoff und symbolistische Imagination verbindet. |
|---|---|
| Les Onze Mille Verges | 1907; erotischer Roman, Apollinaire zugeschrieben und in der Überlieferung umstritten beziehungsweise lange halb verborgen zirkulierend; wichtig für die libertine und pornographische Seite seines Prosawerks. |
| Les Exploits d’un jeune Don Juan | 1911; erotischer Roman, Apollinaire zugeschrieben; gehört zur clandestinen beziehungsweise erotischen Prosaüberlieferung des Autors. |
| L’Hérésiarque et Cie | 1910; Erzählungsband; verbindet Phantastik, religiöse Motive, Häresie, Ironie und moderne Erzählkunst. |
| Le Bestiaire ou Cortège d’Orphée | 1911; Gedichtfolge mit Holzschnitten von Raoul Dufy; verbindet Tieremblematik, Orpheus-Mythos, kurze lyrische Form und Künstlerbuchästhetik. |
| La Rome des Borgia | 1913; historisch-biographische Darstellung beziehungsweise populärhistorische Prosa im Umfeld der Borgia-Stoffe. |
| Les Peintres cubistes. Méditations esthétiques | 1913; kunstkritisches Hauptwerk; frühe programmatische Darstellung des Kubismus und der neuen Malerei. |
| Alcools | 1913; lyrisches Hauptwerk, mit Gedichten aus den Jahren 1898 bis 1913; enthält unter anderem Zone, Le Pont Mirabeau, La Chanson du Mal-Aimé, Rhénanes und Vendémiaire. |
| La Fin de Babylone | 1914; historischer Roman beziehungsweise erzählende Prosa; gehört zur weniger zentralen, aber umfangreichen Prosaproduktion Apollinaires. |
| Les Trois Don Juan | 1915; Prosawerk beziehungsweise literarische Bearbeitung des Don-Juan-Stoffes. |
| Le Poète assassiné | 1916; Erzählungsband beziehungsweise romanartiger Prosakomplex um die Figur Croniamantal; ein Schlüsseltext der Selbstmythologisierung des Dichters. |
| Le Flâneur des deux rives | 1918; Prosaband und Paris-Buch; verbindet Stadtwanderung, Erinnerung, Lokalgeschichte, Anekdote und moderne Flânerie. |
| Les Mamelles de Tirésias | 1918; drame surréaliste in zwei Akten und einem Prolog, 1917 aufgeführt; bedeutend für die frühe Verwendung des Begriffs Surrealismus und später durch Francis Poulenc vertont. |
| Calligrammes. Poèmes de la paix et de la guerre 1913–1916 | 1918; zweites lyrisches Hauptwerk; verbindet Kriegsdichtung, Liebesdichtung, Typographie, Bildgedicht und moderne Medienwahrnehmung. |
| La Femme assise | 1920; postum erschienener Roman; reflektiert Pariser Milieu, Moderne, Gesprächskultur und Gesellschaftsbeobachtung. |
| Couleur du temps | 1918/1920; dramatische beziehungsweise theatralische Arbeit, postum beziehungsweise randständig überliefert; gehört zum kleineren Theaterwerk Apollinaires. |
| Il y a... | 1925; postum erschienene Gedichtsammlung mit verstreuten und nachgelassenen Texten. |
| Ombre de mon amour | 1947; postume Sammlung von Liebesgedichten und Briefgedichten, besonders im Zusammenhang mit Louise de Coligny-Châtillon. |
| Poèmes secrets à Madeleine | 1949; postume Sammlung von Gedichten an Madeleine Pagès beziehungsweise aus dem intimen Brief- und Liebeskontext. |
| Le Guetteur mélancolique | 1952; postume Sammlung bisher unveröffentlichter beziehungsweise verstreuter Gedichte. |
| Poèmes à Lou | 1955; postume Sammlung der Gedichte an Lou, Louise de Coligny-Châtillon; zentral für Apollinaires Liebes- und Kriegslyrik. |
| Tendre comme le souvenir | 1952 beziehungsweise in späteren Ausgaben; Brief- und Liebesdokumente aus dem Zusammenhang mit Madeleine Pagès. |
| Lettres à Lou | Postum; Briefsammlung an Louise de Coligny-Châtillon; wichtig für Kriegsbiographie, Liebespoetik und Werkgenese. |
| Lettres à Madeleine | Postum; Briefsammlung an Madeleine Pagès; wichtig für die Verbindung von Front, Liebe, dichterischer Arbeit und Selbstentwurf. |
| Lettres à sa marraine | Postum; Briefe an Jeanne-Yves Blanc; bedeutsam für Apollinaires Kriegszeit und persönliches Umfeld. |
| Le Théâtre italien | 1910; literarisch-theatergeschichtliche beziehungsweise editorische Arbeit im Zusammenhang der italienischen Komödie und Theatertradition. |
| L’Œuvre du Marquis de Sade | 1909; herausgeberische und einleitende Arbeit zu Sade; wichtig für Apollinaires Interesse an verbotener, libertiner und bibliographisch randständiger Literatur. |
| Les Diables amoureux | 1910; Anthologie beziehungsweise Herausgabe erotischer und fantastischer Literatur; Teil von Apollinaires bibliographisch-libertinem Arbeitsfeld. |
| La Bibliothèque des curieux | Herausgeberischer Zusammenhang; umfasst Arbeiten zu erotischer, curioser und verbotener Literatur, an denen Apollinaire als Kenner und Vermittler beteiligt war. |
| L’Enfer de la Bibliothèque nationale | 1919; mit Fernand Fleuret und Louis Perceau; bibliographische Arbeit über die erotische Sonderabteilung der Bibliothèque nationale, postum veröffentlicht. |
| L’Esprit nouveau et les poètes | 1917 als Vortrag, 1918 im Mercure de France veröffentlicht beziehungsweise später separat verbreitet; programmatischer Text über neue Poesie, Technik, Überraschung und moderne Imagination. |
| Chroniques d’art | Postum in verschiedenen Sammlungen; umfasst Apollinaires kunstkritische Artikel, Rezensionen und Essays aus Zeitungen und Zeitschriften. |
| Anecdotiques | Postum; Sammlung kurzer Prosatexte, Beobachtungen, journalistischer Skizzen und Anekdoten. |
| Contemporains pittoresques | Postum; Texte über Zeitgenossen und Figuren des Pariser Kunst- und Literaturlebens. |
| La Vie anecdotique | Postum; Sammlung von Feuilleton- und Chroniktexten; wichtig für Apollinaire als Journalist der modernen Alltagskultur. |
| Les Soirées de Paris | Zeitschriftenzusammenhang; Apollinaire war prägender Mitarbeiter und zeitweise Herausgeber; wichtig für die Vermittlung von Literatur, Kunstkritik und Avantgarde. |
| Le Festin d’Ésope | Zeitschriftenzusammenhang; frühes literarisches und publizistisches Feld Apollinaires. |
| La Phalange | Zeitschriftenzusammenhang; wichtige Publikationsumgebung symbolistisch-moderner Lyrik und Kritik. |
| Mercure de France | Zeitschriftenzusammenhang; wichtiger Ort von Apollinaires Literatur- und Kunstkritik sowie späterer Veröffentlichung von L’Esprit nouveau et les poètes. |
| Œuvres poétiques | Moderne Gesamtausgaben; besonders in der Bibliothèque de la Pléiade grundlegend für die kanonisierte Textgestalt der Gedichte. |
| Œuvres en prose complètes | Moderne Gesamtausgabe in mehreren Bänden; zentral für Prosa, Kunstkritik, Essays, Chroniken, Theatertexte und verstreute Arbeiten. |
| Correspondance | Moderne Briefausgaben; erschließen Apollinaires Netzwerke, Liebesbeziehungen, Kriegszeit und literarische Arbeit. |
Sekundärliteratur
- Adéma, Pierre-Marcel: Guillaume Apollinaire. Paris. Klassische biographische Darstellung, lange grundlegend für Leben, Werk und Milieu Apollinaires.
- Bohn, Willard: Apollinaire and the International Avant-Garde. Albany. Studie zu Apollinaires Stellung innerhalb der europäischen Avantgarden, besonders im Zusammenhang visueller und typographischer Experimente.
- Bohn, Willard: Reading Apollinaire’s Calligrammes. London. Spezialstudie zu Calligrammes, visueller Poesie, Krieg, Typographie und Lektüre der Bildgedichte.
- Caizergues, Pierre und Michel Décaudin: Herausgaben und Kommentare zu Apollinaires Prosa und Korrespondenz. Philologisch maßgebliche Erschließung der Prosawerke und Dokumente.
- Décaudin, Michel: Le Dossier d’Alcools. Genf. Grundlegende Untersuchung zur Entstehung, Ordnung und Textgeschichte von Alcools.
- Décaudin, Michel: Arbeiten zu Apollinaire, Esprit nouveau und französischer Avantgarde. Zentral für die französische Apollinaire-Forschung und die textkritische Einordnung des Werks.
- Genova, Pamela A.: The Poetics of Visual Cubism: Guillaume Apollinaire on Pablo Picasso. Untersuchung zu Apollinaires kunstkritischer Sprache und seiner Deutung Picassos im Kontext des visuellen Kubismus.
- Green, C. F.: Guillaume Apollinaire. Oxford. Englischsprachige Einführung in Leben, Werk und literarische Bedeutung Apollinaires.
- LeRoy C. Breunig: Herausgaben und Studien zu Apollinaire. Wichtige Beiträge zur englischsprachigen Apollinaire-Philologie und zur Vermittlung seiner Texte.
- Read, Peter: Apollinaire and Picasso. Berkeley. Zentrale Studie zu Apollinaires Beziehung zu Picasso, Kunstkritik, Freundschaft und Avantgarde-Netzwerken.
- Read, Peter: Guillaume Apollinaire. London. Biographisch-werkgeschichtliche Darstellung mit besonderem Blick auf Kunstkritik und Moderne.
- Shattuck, Roger: The Banquet Years. New York. Kulturgeschichtlicher Klassiker zu Apollinaire, Alfred Jarry, Erik Satie, Henri Rousseau und der Pariser Avantgarde.
- Steegmuller, Francis: Apollinaire: Poet among the Painters. New York. Einflussreiche Darstellung Apollinaires als Dichter im Kreis der Maler und als Vermittler der bildkünstlerischen Moderne.
- Sweet, David LeHardy: Savage Sight / Constructed Noise: Poetic Adaptations of Painterly Techniques in the French and American Avant-Gardes. Nützlich für die Verbindung von Malerei, lyrischer Technik, visueller Poesie und Avantgarde-Ästhetik.
- White, Kenneth: Studien zu Apollinaire und moderner französischer Lyrik. Kontextualisiert Apollinaire innerhalb einer offenen, geopoetischen und modernistischen Dichtungstradition.
Ausgewählte Onlinequellen
- Bibliothèque nationale de France: Notice de personne Apollinaire, Guillaume Normdatensatz mit Lebensdaten, Geburts- und Sterbeort, Pseudonymangabe, Verantwortlichkeiten und beruflicher Einordnung.
- BnF Data: Guillaume Apollinaire Datenhub der Bibliothèque nationale de France mit Werk-, Personen-, Dokument- und Normdatenverknüpfungen.
- BnF Data: Guillaume Apollinaire – Toutes ses œuvres Werkübersicht mit zahlreichen Texten, Gedichten, Prosawerken, Briefen und bibliographischen Einträgen.
- Britannica: Guillaume Apollinaire Biographischer Artikel mit Einordnung von Dichtung, Calligrammen, Formexperimenten und surrealistischer Vorgeschichte.
- Britannica: Calligrammes Lexikalischer Artikel zur Gedichtsammlung Calligrammes, zu Kriegserfahrung, Pariser Kunstwelt und visueller Form.
- Encyclopedia.com: Guillaume Apollinaire Englischsprachiger Überblick zu Apollinaire als Avantgarde-Autor, Kunstkritiker und Mitbegründer moderner literarischer Formen.
- Gallica / BnF: Écrivain, critique d’art – Guillaume Apollinaire Thematische BnF-Seite zu Apollinaire als Schriftsteller und Kunstkritiker mit digitalen Dokumentbezügen.
- Gallica / BnF: Apollinaire et la presse Darstellung von Apollinaires publizistischer Tätigkeit, Pressenetzwerken und kunstkritischer Vermittlungsarbeit.
- Project Gutenberg: Les Peintres Cubistes Digitale Ausgabe von Apollinaires kunstkritischem Hauptwerk Les Peintres cubistes. Méditations esthétiques.
- The Metropolitan Museum of Art: Guillaume Apollinaire Kunsthistorischer Eintrag zu Apollinaire, Les peintres cubistes, Alcools, Picasso, Paul Guillaume und der Pariser Avantgarde.
- Poetry Foundation: Guillaume Apollinaire Biographisch-literarisches Profil mit Schwerpunkt auf Alcools, Calligrams, visueller Poesie, Modernität und experimenteller Form.
- The Public Domain Review: Apollinaire’s Calligrammes Einführung zu Calligrammes als öffentlich zugänglichem Werk visueller Poesie und typographischer Gestaltung.
- Routledge Encyclopedia of Modernism: Guillaume Apollinaire Fachlexikalischer Überblick zu Apollinaire als Dichter, Kritiker, Herausgeber, Journalist und Figur der Moderne.
- Wikisource: Guillaume Apollinaire Sammlung gemeinfreier französischer Texte Apollinaires, darunter L’Enchanteur pourrissant, Le Flâneur des deux rives und L’Esprit nouveau et les poètes.
- Wikisource: L’Esprit nouveau et les poètes Volltext des programmatischen Vortrags über neue Poesie, Moderne, Erfindung und poetischen Geist.
Weiterführende Einträge
- Alcools Apollinaires lyrisches Hauptwerk von 1913 und Schlüsselbuch der modernen französischen Dichtung.
- André Salmon Dichter, Kunstkritiker und Freund Apollinaires im Pariser Avantgarde-Milieu.
- Avantgarde Übergreifender Begriff für die künstlerischen Erneuerungsbewegungen, in denen Apollinaire als Vermittler wirkte.
- Georges Braque Maler des Kubismus, dessen Werk Apollinaire im Zusammenhang der neuen Malerei verteidigte.
- Calligramm Bildgedicht, bei dem die typographische Anordnung Teil der poetischen Bedeutung wird.
- Calligrammes Apollinaires Gedichtsammlung von 1918, die Kriegslyrik, Liebeslyrik und visuelle Poesie verbindet.
- Blaise Cendrars Zeitgenössischer Dichter der modernen Bewegung, des Reisens, der Großstadt und typographischen Experimente.
- Cubisme Französische Bezeichnung des Kubismus, dessen Begriff und öffentliche Deutung eng mit Apollinaire verbunden sind.
- Dadaismus Avantgardebewegung nach 1916, die von Apollinaires Formbrüchen und visueller Poesie indirekt vorbereitet wurde.
- Robert Delaunay Maler, dessen farbbezogene Moderne Apollinaire mit dem Begriff Orphismus verband.
- Sonia Delaunay Künstlerin der farb- und formbezogenen Moderne, deren Umfeld zum orphistischen Horizont Apollinaires gehört.
- Marcel Duchamp Künstler der frühen Avantgarde, der im Umfeld von Kubismus, Dada und Apollinaires Kunstkritik steht.
- Raoul Dufy Maler und Graphiker, der die Holzschnitte zu Apollinaires Bestiaire schuf.
- T. S. Eliot Modernistischer Dichter, dessen Werk als Vergleichspunkt für europäische Moderne und poetische Fragmentierung dient.
- Esprit nouveau Von Apollinaire geprägte Formel einer neuen poetischen und künstlerischen Haltung der Moderne.
- Futurismus Italienische Avantgarde, deren Technikbegeisterung und typographische Experimente mit Apollinaires Moderne vergleichbar sind.
- Max Jacob Dichter, Künstler und Freund Apollinaires im Kreis um Picasso und Montmartre.
- Alfred Jarry Autor von Ubu roi und wichtiger Vorläufer des absurden, grotesken und avantgardistischen Theaters.
- Angelica Kostrowicka Mutter Guillaume Apollinaires und Schlüsselfigur seiner komplexen Herkunftsgeschichte.
- Kubismus Kunstbewegung, die Apollinaire als Kritiker öffentlich deutete, benannte und verteidigte.
- Marie Laurencin Malerin, Geliebte Apollinaires und wichtige Figur im Pariser Avantgarde-Milieu.
- Les Mamelles de Tirésias Apollinaires drame surréaliste und später Grundlage der Oper von Francis Poulenc.
- Les peintres cubistes Apollinaires kunstkritisches Hauptwerk und frühe Programmschrift des Kubismus.
- Lyrik Gattung, die Apollinaire durch Interpunktionsverzicht, Montage, Bildsprung und moderne Themen erneuerte.
- Stéphane Mallarmé Symbolistischer Dichter, dessen typographische und sprachreflexive Experimente für Apollinaire einen wichtigen Hintergrund bilden.
- Filippo Tommaso Marinetti Begründer des Futurismus und Vergleichsfigur für typographische und technische Modernitätsgesten.
- Montmartre Pariser Künstlerbezirk, der für Apollinaires Bohème- und Avantgardeumfeld wichtig war.
- Orphismus Von Apollinaire geprägter Begriff für eine farb- und lichtbezogene Tendenz der modernen Malerei.
- Paris Zentrum von Apollinaires literarischer, kunstkritischer und avantgardistischer Tätigkeit.
- Francis Picabia Künstler der frühen Avantgarde, dessen Werk im Umkreis von Kubismus, Dada und Apollinaire steht.
- Pablo Picasso Maler und enger Freund Apollinaires, zentral für dessen kunstkritische Deutung des Kubismus.
- Visuelle Poesie Dichtungsform, in der Schriftbild, Seite und Lesebewegung zur Bedeutung des Gedichts gehören.
- Francis Poulenc Komponist der Oper Les Mamelles de Tirésias nach Apollinaires Theaterstück.
- Arthur Rimbaud Vorläufer moderner französischer Dichtung, mit dem Apollinaires Form- und Bildkühnheit oft verglichen wird.
- Rom Geburtsstadt Guillaume Apollinaires und Ausgangspunkt seiner vielsprachigen Herkunftsgeschichte.
- Surrealismus Avantgardebewegung, deren Begriff und Vorgeschichte entscheidend mit Apollinaire verbunden sind.
- Symbolismus Literarische Strömung des späten 19. Jahrhunderts, aus deren Nachwirkung Apollinaires frühe Lyrik hervorgeht.
- Typographie Gestaltung der Schrift, die bei Apollinaires Calligrammes poetische Bedeutung erhält.
- Zone Eröffnungsgedicht von Alcools und eines der programmatischen Gedichte der lyrischen Moderne.