Ernst Apfel
Überblick
Ernst Apfel gehört zu denjenigen deutschen Musikwissenschaftlern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, deren Arbeit weniger durch öffentlichkeitswirksame kulturhistorische Großthesen als durch außerordentlich genaue, quellenbezogene und satztechnisch ausgerichtete Forschung geprägt ist. Sein Name ist besonders mit der Geschichte der Kompositionslehre, der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Satzlehre, der Entwicklung des Diskants, des Kontrapunkts, der Polyphonie, der Monodie, der Ostinato-Geschichte sowie der historischen Rhythmik und Metrik verbunden.
Apfel arbeitete an der Schnittstelle von Musikgeschichte, Musiktheorie, Quellenkunde und analytischer Satzbeschreibung. Im Zentrum stand bei ihm die Frage, wie musikalische Satzformen historisch entstehen, wie sie gelehrt, beschrieben und weitergegeben werden und wie sich aus der Praxis der Mehrstimmigkeit allmählich theoretische Begriffe entwickeln. Für ein Kulturlexikon ist Apfel deshalb nicht nur als Fachgelehrter zu erfassen, sondern als Vertreter einer Richtung der Musikwissenschaft, die musikalische Kultur wesentlich aus der Verbindung von Praxis, Theorie, Lehrschrift, Notation und analytischer Rekonstruktion versteht.
Sein Lebensweg ist eng mit Heidelberg und Saarbrücken verbunden. In Heidelberg wurde er ausgebildet und promoviert, in Saarbrücken entfaltete er den größten Teil seiner akademischen Tätigkeit. Die dortige Universität des Saarlandes wurde für ihn zu einem Arbeitsort, an dem historische Musiktheorie, mediävistische Satzforschung und kompositionsgeschichtliche Systematik institutionell verbunden werden konnten.
Kurzdaten
| Name | Ernst Apfel. |
|---|---|
| Geboren | 6. Mai 1925 in Heidelberg. |
| Gestorben | 9. April 2002 in Saarbrücken. |
| Beruf | Musikwissenschaftler, Mediävist, Hochschullehrer, Musiktheoretiker und Forscher zur historischen Satztechnik. |
| Ausbildung | Studien in Heidelberg, zunächst evangelische Kirchenmusik, anschließend Orgel und Musiktheorie, unter anderem bei Wolfgang Fortner, sowie musikwissenschaftliche Studien an der Universität Heidelberg. |
| Promotion | 1953 an der Universität Heidelberg mit der Arbeit Der Diskant in der Musiktheorie des 12. bis 15. Jahrhunderts. |
| Habilitation | 1962 an der Universität des Saarlandes mit Studien zur Satztechnik der mittelalterlichen englischen Musik. |
| Institution | Universität des Saarlandes, Musikwissenschaftliches Institut Saarbrücken. |
| Akademische Stellung | 1969 außerplanmäßiger Professor; 1972 Wissenschaftlicher Rat und Professor; bis 1987 am Saarbrücker Musikwissenschaftlichen Institut tätig. |
| Forschungsfelder | Mittelalterliche Musik, historische Musiktheorie, Satztechnik, Diskant, Kontrapunkt, Polyphonie, Monodie, Ostinato, Kompositionslehre, Rhythmik und Metrik. |
| GND | 128423099. |
Biographie
Ernst Apfel wurde am 6. Mai 1925 in Heidelberg geboren. Seine frühe Ausbildung verband praktische Musik, kirchenmusikalische Schulung und theoretische Arbeit. Von 1945 bis 1946 studierte er in Heidelberg evangelische Kirchenmusik; anschließend widmete er sich bis 1951 besonders Orgel und Musiktheorie. Die Verbindung von musikalischer Praxis und theoretischer Reflexion blieb für seine spätere Forschung bestimmend. Apfel interessierte sich nicht nur für fertige Werke, sondern für die Verfahren, mit denen Musik gebildet, gelehrt, notiert und begrifflich gefasst wird.
1953 wurde er an der Universität Heidelberg mit der Dissertation Der Diskant in der Musiktheorie des 12. bis 15. Jahrhunderts promoviert. Diese frühe Arbeit weist bereits auf den Kern seines wissenschaftlichen Profils: die Erforschung der mittelalterlichen Mehrstimmigkeit aus der Verbindung von Traktatüberlieferung, Notation, analytischer Rekonstruktion und satztechnischer Begriffsgeschichte. Der Diskant wurde bei Apfel nicht nur als historischer Fachbegriff behandelt, sondern als Zugang zu einer grundlegenden Frage der europäischen Musikgeschichte: Wie wird aus der Verbindung einzelner Stimmen ein regulierter, lehrbarer, historisch wandelbarer Satz?
1961 wechselte Apfel als Assistent nach Saarbrücken. Dort habilitierte er sich 1962 mit Studien zur Satztechnik der mittelalterlichen englischen Musik. Die englische Mehrstimmigkeit des Mittelalters war für die Erforschung des Fauxbourdon, des Klanggerüsts, der Tenor-Diskant-Beziehungen und der früh ausgeprägten konsonanten Satzformen von besonderer Bedeutung. Apfel arbeitete in diesem Feld mit jener philologischen und analytischen Genauigkeit, die seine späteren großen Darstellungen zur Satztechnik und Kompositionslehre prägt.
1969 wurde er zum außerplanmäßigen Professor ernannt, 1972 zum Wissenschaftlichen Rat und Professor. In Saarbrücken gehörte er zu einer Generation von Musikwissenschaftlern, die das Fach nach dem Zweiten Weltkrieg neu institutionalisierte und dabei historische Forschung, systematische Fragestellungen und theoriegeschichtliche Genauigkeit miteinander verband. Bis 1987 wirkte Apfel am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität des Saarlandes. Er starb am 9. April 2002 in Saarbrücken.
Ausführlicher Kulturüberblick
Apfels wissenschaftliche Arbeit gehört in den größeren Zusammenhang der deutschsprachigen Musikwissenschaft nach 1945. In dieser Phase wurde das Fach institutionell neu geordnet, methodisch ausdifferenziert und historisch breiter aufgestellt. Neben der traditionellen Werkgeschichte, der Biographik und der Quellenedition traten Fragen nach Strukturgeschichte, Musiktheoriegeschichte, Aufführungspraxis, Terminologie, Gattungsgeschichte und analytischer Beschreibung stärker hervor. Apfel steht für eine besonders quellennahe Variante dieser Entwicklung.
Sein Hauptinteresse galt nicht der Musikgeschichte als Abfolge großer Komponistennamen, sondern der geschichtlichen Entwicklung musikalischer Denk- und Satzformen. Damit berührt sein Werk ein zentrales Problem der europäischen Kulturgeschichte: Musik ist nicht nur ein Vorrat von Werken, sondern auch ein System von Regeln, Techniken, Lehrformen, Begriffen und schriftlichen Praktiken. Wer die Geschichte der Kompositionslehre untersucht, fragt danach, wie eine Kultur das Hervorbringen von Musik versteht. Apfel analysierte deshalb Lehrschriften, Satzmodelle, kontrapunktische Regeln, Notationsformen und musikalische Beispiele als Zeugnisse einer praktischen Theorie.
Besonders wichtig ist Apfels Stellung innerhalb der Forschung zur mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Polyphonie. Seit dem 19. Jahrhundert hatte die Musikgeschichtsschreibung die Entstehung der europäischen Mehrstimmigkeit häufig in großen Entwicklungsnarrativen beschrieben: von der frühen Organum-Praxis über die Notre-Dame-Schule, die Ars antiqua, die Ars nova, die franko-flämische Vokalpolyphonie bis zur Generalbass- und Harmonielehre. Apfel gehörte zu den Forschern, die solche Linien nicht bloß erzählten, sondern durch detaillierte Satzanalyse und theoriegeschichtliche Quellenarbeit überprüften.
Damit steht er in einem Feld, in dem auch Namen wie Heinrich Besseler, Carl Dahlhaus, Hans Heinrich Eggebrecht, Rudolf von Ficker, Wolf Frobenius, Bernhard Meier und Klaus-Jürgen Sachs zu nennen sind. Apfel unterscheidet sich in diesem Umfeld durch die besondere Konzentration auf die innere Geschichte der Satztechnik. Ihn interessierte, wie Stimmen zueinander treten, wie Konsonanz und Dissonanz geregelt werden, wie Gerüststimmen und Füllstimmen funktionieren, wie sich Diskant und Tenor zueinander verhalten und wie aus satzpraktischen Gewohnheiten theoretische Regeln werden.
Kulturgeschichtlich bedeutsam ist außerdem Apfels Interesse am Übergang um 1600. Diese Schwelle trennt nicht einfach Mittelalter und Neuzeit oder Renaissance und Barock, sondern markiert einen tiefgreifenden Umbau musikalischer Ordnung. Die Beziehung von Polyphonie und Monodie, die Entstehung des Generalbasses, die neue Bedeutung von Klangfortschreitungen, die Ausbildung konzertierender Schreibweisen und die frühe Geschichte der Instrumentalmusik bilden ein komplexes Übergangsfeld. Apfels Arbeiten zur Satztechnik, zur Symphonie-Vorgeschichte und zur Geschichte des Ostinato greifen genau in dieses Feld ein.
Forschungsschwerpunkte und Methode
Apfels Forschung lässt sich durch mehrere eng verbundene Begriffe charakterisieren: Satztechnik, Kompositionslehre, historische Musiktheorie, Mehrstimmigkeit, Gerüstsatz, Kontrapunkt, Rhythmik und Metrik. Diese Begriffe sind bei ihm keine bloßen Rubriken. Sie bilden ein methodisches Programm. Musik wird als historisch geformte Praxis verstanden, deren Regeln sich nicht allein aus späteren Harmonielehren oder modernen Analysebegriffen ableiten lassen. Vielmehr muss jede Satzform aus ihren eigenen Quellen, Begriffen und Funktionszusammenhängen heraus beschrieben werden.
Ein zentrales Problem ist die Frage nach dem Verhältnis von Musiktheorie und Kompositionspraxis. Apfel untersucht nicht nur, was Traktate behaupten, sondern auch, wie theoretische Regeln in tatsächlichen Kompositionen wirksam werden oder von ihnen abweichen. Damit steht seine Arbeit zwischen Quellenphilologie und Analyse. Eine mittelalterliche Satzlehre ist für ihn nicht bloß ein Textdokument, sondern ein Versuch, eine musikalische Praxis beschreibbar und lehrbar zu machen.
Besonders kennzeichnend ist sein Interesse an der historischen Eigenlogik früher Mehrstimmigkeit. Moderne Hörer neigen dazu, mittelalterliche und frühneuzeitliche Klangfolgen mit Begriffen der späteren Dur-Moll-Harmonik zu deuten. Apfel gehört zu den Forschern, die solchen Rückprojektionen mit Skepsis begegnen. Er fragt stattdessen, welche Funktionen Diskant, Tenor, Contratenor, konsonante Fortschreitung, Kadenz und Dissonanz in ihrem eigenen historischen Zusammenhang besitzen. Dadurch wird die Musik des Mittelalters nicht als Vorstufe der späteren Tonalität verkürzt, sondern als eigenständiges System satztechnischer Möglichkeiten sichtbar.
Seine Arbeiten zur Rhythmik und Metrik, insbesondere im Zusammenhang mit Carl Dahlhaus, erweitern dieses Interesse auf Zeitordnung, Takt, Phrasierung, musikalische Gliederung und historische Begriffe von metrischer Struktur. Hier zeigt sich, dass Apfels Ansatz nicht auf Tonhöhenorganisation beschränkt bleibt. Satztechnik umfasst bei ihm auch die Organisation musikalischer Zeit.
Saarbrücker Musikwissenschaft
Die Universität des Saarlandes war für Apfel mehr als eine berufliche Station. Das Saarbrücker Musikwissenschaftliche Institut wurde in den 1960er und 1970er Jahren zu einem Ort, an dem historische Musikforschung, systematische Fragestellungen und theoriegeschichtliche Arbeit nebeneinander bestanden. Apfels Tätigkeit fällt in eine Phase des institutionellen Ausbaus, in der neben ihm auch Werner Braun, Christoph-Hellmut Mahling und Wendelin Müller-Blattau am Institut wirkten. Diese Konstellation machte Saarbrücken zu einem wichtigen Standort der deutschsprachigen Musikwissenschaft.
Apfels Forschung war in diesem Rahmen stark auf die Grundlagenarbeit konzentriert. Seine umfangreichen Darstellungen zur Satztechnik und zur Kompositionslehre sind nicht nur individuelle Publikationen, sondern auch Ausdruck einer akademischen Arbeitsform, die langfristige Materialsammlung, genaue Terminologie und historisch-systematische Ordnung verlangte. Gerade die in Saarbrücken entstandenen Selbstverlags- und Institutsdrucke zeigen, dass Apfels Werk teilweise außerhalb des großen kommerziellen Buchmarkts zirkulierte, aber innerhalb der Fachwissenschaft als Arbeitsinstrument wahrgenommen wurde.
Die Saarbrücker Umgebung war für solche Forschung besonders geeignet, weil sie nicht allein auf die Kanonpflege großer Komponisten ausgerichtet war. Apfels Themen — mittelalterliche Satzlehren, Ostinato-Geschichte, Kompositionslehren des 18. Jahrhunderts, Diskant- und Kontrapunkttraktate — verlangen einen langen Atem und ein hohes Maß an bibliographischer, philologischer und analytischer Präzision. In dieser Hinsicht verkörpert Apfel eine gelehrte Forschungskultur, die die Grundlagen des musikalischen Denkens selbst zum Gegenstand macht.
Wissenschaftliche Bedeutung
Apfels Bedeutung liegt vor allem darin, dass er die Geschichte der Musik nicht primär als Stilgeschichte, sondern als Geschichte musikalischer Satzmöglichkeiten verstand. Der Begriff der Satztechnik ist dabei entscheidend. Er verbindet Analyse, Kompositionspraxis, Lehrtradition und Kulturgeschichte. Wenn Apfel eine mittelalterliche oder frühneuzeitliche Satzform beschreibt, interessiert ihn nicht nur, wie sie klingt, sondern wie sie zustande kommt, wie sie in Lehrschriften erklärt wird, wie sie sich von anderen Satzformen unterscheidet und welche historischen Folgen sie besitzt.
Für die Forschung zur historischen Musiktheorie bleibt Apfel deshalb ein wichtiger Bezugspunkt. Seine Arbeiten zu Diskant, Kontrapunkt, Gerüstsatz, Monodie, Ostinato und Kompositionslehre bilden ein Materialfeld, das spätere Forscher immer wieder heranziehen, auch wenn einzelne Deutungen diskutiert oder revidiert werden. Sein Werk gehört zu jener Schicht musikwissenschaftlicher Literatur, die nicht durch modische Theoriebildung, sondern durch Sammlung, Ordnung und genaue Problembeschreibung wirksam ist.
Apfels Forschung ist auch für die Kulturgeschichte der Lehre relevant. Die Geschichte der Kompositionslehre zeigt, dass musikalische Kreativität nie nur spontane Erfindung ist. Sie wird durch Schulen, Begriffe, Regeln, Beispiele, Schreibweisen und Übungsformen geformt. Apfel macht sichtbar, wie sehr europäische Musikgeschichte auch eine Geschichte des Unterrichts, der Regelbildung und der Weitergabe von Wissen ist. Genau darin liegt seine kulturlexikalische Relevanz: Er erschließt Musik als gelehrte Praxis.
Werkverzeichnis und Schriftenverzeichnis
Das folgende Verzeichnis versammelt die selbständigen Schriften, größeren Buchpublikationen, mitverfassten Arbeiten und zentrale Aufsätze Ernst Apfels, soweit sie in Fachkatalogen, Bibliographien und digitalen Nachweisen greifbar sind. Bei Apfel ist zu beachten, dass mehrere Arbeiten in Selbstverlagen, Institutsdrucken, Abhandlungen und später überarbeiteten Fassungen erschienen sind. Daher werden Fassungen, Neubearbeitungen und Nachträge gesondert aufgeführt, wenn sie bibliographisch eigenständig nachweisbar sind.
| Der Diskant in der Musiktheorie des 12. bis 15. Jahrhunderts | 1953; Dissertation, Universität Heidelberg; grundlegende frühe Arbeit zur Geschichte des Diskants, des Kontrapunkts und der mittelalterlichen Musiktheorie. |
|---|---|
| Studien zur Satztechnik der mittelalterlichen englischen Musik | 1959; Heidelberg, Carl Winter; umfangreiche Untersuchung zur englischen Mehrstimmigkeit des Mittelalters; später Grundlage der Habilitation. |
| Über einige Zusammenhänge zwischen Text und Musik im Mittelalter, besonders in England | 1960; Beitrag in einer Festschrift für Walther Bulst; Aufsatz zur Beziehung von Textstruktur und musikalischer Satzbildung im mittelalterlichen Kontext. |
| England und der Kontinent in der Musik des späten Mittelalters | 1961; Aufsatz in Die Musikforschung; behandelt Transfer- und Vergleichsfragen zwischen englischer und kontinentaler Mehrstimmigkeit. |
| Die klangliche Struktur der spätmittelalterlichen Musik als Grundlage der Dur-Moll-Tonalität | 1962; Aufsatz in Die Musikforschung; Beitrag zur Diskussion um spätmittelalterliche Klangstruktur und Vorgeschichte tonaler Ordnungen. |
| Spätmittelalterliche Klangstruktur und Dur-Moll-Tonalität | 1963; Aufsatz in Die Musikforschung; Fortführung und Präzisierung der Diskussion zur historischen Deutung früher Klangstrukturen. |
| Über das Verhältnis von Musiktheorie und Kompositionspraxis im späteren Mittelalter (1200–1500) | 1962/1963; Beitrag im Kongressbericht Kassel; programmatischer Text zum Verhältnis von theoretischer Lehre und praktischer Komposition. |
| Wandlungen der Polyphonie von Palestrina zu Bach | 1964; Aufsatz im Archiv für Musikwissenschaft; untersucht den Wandel vokaler Polyphonie im Übergang zur frühneuzeitlichen Satztechnik. |
| Beiträge zu einer Geschichte der Satztechnik von der frühen Motette bis Bach | 1964/1965; zwei Bände, München, Eidos/Wilhelm Fink; groß angelegte Darstellung zur Entwicklung der Satztechnik von der Motette bis in die Bach-Zeit. |
| Wandlungen des Gerüstsatzes vom 16. zum 17. Jahrhundert | 1969; Aufsatzfolge im Archiv für Musikwissenschaft; behandelt den Umbau des satztechnischen Gerüsts an der Schwelle zur Frühneuzeit. |
| Anlage und Struktur der Motetten im Codex Montpellier | 1970; Heidelberg, Carl Winter; Spezialstudie zur Motettenüberlieferung und zur satztechnischen Struktur eines zentralen mittelalterlichen Quellenkomplexes. |
| Zur Vor- und Frühgeschichte der Symphonie | 1972; vollständiger Titel: Zur Vor- und Frühgeschichte der Symphonie. Begriff, Wesen und Entwicklung vom Ensemble- zum Orchestersatz; Studie zur Entstehung symphonischer Satz- und Ensembleformen. |
| Grundlagen einer Geschichte der Satztechnik, Teil I | 1974; Grundlagen einer Geschichte der Satztechnik vom 13. bis zum 16. Jahrhundert; Saarbrücken; systematische Darstellung mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Satztechniken. |
| Grundlagen einer Geschichte der Satztechnik, Teil II | 1974; Polyphonie und Monodie. Voraussetzungen und Folgen des Wandels um 1600; Saarbrücken, Selbstverlag Ernst Apfel; Untersuchung zur satztechnischen Schwelle zwischen Renaissance und Frühbarock. |
| Studien zur Theorie und Geschichte der musikalischen Rhythmik und Metrik | 1974; mit Carl Dahlhaus; München, Emil Katzbichler; umfangreiche Studie zu Zeitordnung, Takt, Rhythmus, Metrum und musikalischer Gliederung. |
| Grundlagen einer Geschichte der Satztechnik, Teil III | 1976; Untersuchungen zur Entstehung und Frühgeschichte des Ostinato in der komponierten Mehrstimmigkeit; Saarbrücken; Spezialstudie zur Geschichte ostinater Satzmodelle. |
| Entwurf eines Verzeichnisses aller Ostinato-Stücke zu Grundlagen einer Geschichte der Satztechnik, Teil III | 1977; ergänzendes Verzeichnis zu den Ostinato-Untersuchungen; bibliographisch und analytisch als Arbeitsinstrument zur Ostinato-Geschichte angelegt. |
| Aufsätze und Vorträge zur Musikgeschichte und historischen Musiktheorie | 1977; Saarbrücken, Selbstverlag Ernst Apfel; Sammlung von Arbeiten zu Musikgeschichte, Satztechnik und historischer Musiktheorie. |
| Geschichte der Kompositionslehre von den Anfängen bis gegen 1700 | 1981; Wilhelmshaven, Heinrichshofen; drei Bände in der Reihe Taschenbücher zur Musikwissenschaft; Gesamtdarstellung der Lehre vom Organum, Diskant, Kontrapunkt und von der Komposition bis zur frühen Neuzeit. |
| Diskant und Kontrapunkt in der Musiktheorie des 12. bis 15. Jahrhunderts | 1982; Wilhelmshaven, Heinrichshofen; Taschenbücher zur Musikwissenschaft, Band 82; publizierte und ausgearbeitete Fassung des Themas der Heidelberger Dissertation. |
| Geschichte der Kompositionslehre von den Anfängen bis gegen 1700, erweiterte Grundfassung | 1985–1995; Saarbrücken, Musikwissenschaftliches Institut der Universität des Saarlandes; erweiterte Grundfassung der großen kompositionslehregeschichtlichen Darstellung. |
| Die Lehre vom Organum, Diskant, Kontrapunkt und von der Komposition bis um 1480 | 1987; Saarbrücken, Musikwissenschaftliches Institut der Universität des Saarlandes; eigenständige Darstellung zu frühen mehrstimmigen Satzlehren. |
| Sämtliche herausgegebenen musikalischen Satzlehren vom 12. Jahrhundert bis gegen Ende des 15. Jahrhunderts | 1989; Saarbrücken, Musikwissenschaftliches Institut der Universität des Saarlandes; Edition beziehungsweise Zusammenstellung mittelalterlicher Satzlehren in deutscher Übersetzung. |
| Nachträge zu Geschichte der Kompositionslehre | 1995; Saarbrücken, Musikwissenschaftliches Institut der Universität des Saarlandes; Ergänzungsband zur erweiterten Darstellung der Kompositionslehre. |
| Geschichte der Kompositionslehre. Das 18. Jahrhundert | 2002/2003; mit Theo Schmitt; Wilhelmshaven, Florian Noetzel / Heinrichshofen-Bücher; mehrteilige Darstellung der deutschen Kompositionslehren des 18. Jahrhunderts. |
Sekundärliteratur
- Bockmaier, Claus: Die instrumentale Gestalt des Taktes. München, 2001. Arbeit zur historischen Metrik und Taktgestalt, für Apfels Themenfeld Rhythmik, Metrik und Satzgliederung relevant.
- Christensen, Thomas: Studien zur Entstehung der harmonischen Tonalität und zur Theoriegeschichte der Mehrstimmigkeit. Hilfreicher Kontext für die Diskussionen, in denen Apfels Arbeiten zur spätmittelalterlichen Klangstruktur weitergeführt und kritisch eingeordnet werden.
- Dahlhaus, Carl: Untersuchungen über die Entstehung der harmonischen Tonalität. Kassel, 1968. Zentraler Bezugstext zur Frage, wie spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Mehrstimmigkeit im Verhältnis zur späteren Tonalität zu verstehen ist.
- Eggebrecht, Hans Heinrich, Frieder Zaminer und weitere Herausgeber: Geschichte der Musiktheorie. Darmstadt, 1985–2021. Grundlegende Reihe zur Geschichte der Musiktheorie, in deren Problemfeld Apfels Arbeiten zu Organum, Diskant, Kontrapunkt und Kompositionslehre gehören.
- Fuller, Sarah: Arbeiten zur mittelalterlichen Polyphonie und zur Theorie früher Mehrstimmigkeit. Internationaler Forschungskontext für Apfels Studien zu Diskant, Gerüstsatz und mittelalterlicher Klangorganisation.
- Kühn, Clemens: Analyse lernen. Kassel, mehrfach aufgelegt. Nicht als Apfel-Spezialliteratur, aber als methodischer Bezugspunkt für die Vermittlung analytischer Satzbeschreibung im deutschsprachigen Raum nützlich.
- Sachs, Klaus-Jürgen: Studien zur Contrapunctus-Lehre des 14. und 15. Jahrhunderts. Eng benachbarter Forschungsbereich zur mittelalterlichen Kontrapunktlehre, der Apfels Fragestellungen ergänzt.
- Seidel, Wilhelm und Barry Cooper: Entstehung nationaler Traditionen: Frankreich, England. Darmstadt, 1986. Kontext für Apfels Beschäftigung mit englischer mittelalterlicher Mehrstimmigkeit und deren Verhältnis zum Kontinent.
- Wolf, Johannes: Geschichte der Mensural-Notation von 1250–1460. Leipzig, 1904; Nachdrucke. Klassische Grundlage für die Notations- und Quellenfragen, ohne die Apfels Untersuchungen zur mittelalterlichen Satztechnik nicht zu verstehen sind.
- Zaminer, Frieder: Ideen zu einer Geschichte der Musiktheorie. Darmstadt, 1985. Theoriegeschichtliche Rahmung für Apfels Arbeit an Lehrtraditionen, Begriffen und Kompositionslehren.
Ausgewählte Onlinequellen
- Deutsche Biographie: Apfel, Ernst Normdaten- und Indexeintrag mit Lebensdaten, GND-Verknüpfung und weiterführenden Katalogangeboten.
- Google Books: Aufsätze und Vorträge zur Musikgeschichte und historischen Musiktheorie Bibliographischer Nachweis der 1977 erschienenen Aufsatz- und Vortragssammlung Ernst Apfels.
- Google Books: Beiträge zu einer Geschichte der Satztechnik Bibliographischer Nachweis der mehrbändigen Studie zur Satztechnik von der frühen Motette bis Bach.
- Google Books: Geschichte der Kompositionslehre. Das 18. Jahrhundert Bibliographischer Nachweis der von Ernst Apfel und Theo Schmitt verfassten Darstellung zu Kompositionslehren des 18. Jahrhunderts.
- Google Books: Grundlagen einer Geschichte der Satztechnik Bibliographischer Nachweis zu Apfels Darstellung von Polyphonie, Monodie und dem Wandel um 1600.
- Google Books: Studien zur Theorie und Geschichte der musikalischen Rhythmik und Metrik Bibliographischer Nachweis der von Ernst Apfel und Carl Dahlhaus veröffentlichten Studie zu Rhythmik und Metrik.
- JSTOR: England und der Kontinent in der Musik des späten Mittelalters Nachweis eines zentralen Aufsatzes Ernst Apfels zur englischen und kontinentalen Musik des späten Mittelalters.
- JSTOR: Die klangliche Struktur der spätmittelalterlichen Musik als Grundlage der Dur-Moll-Tonalität Nachweis eines wichtigen Aufsatzes zur Diskussion um Klangstruktur, Mehrstimmigkeit und Tonalitätsvorgeschichte.
- JSTOR: Wandlungen der Polyphonie von Palestrina zu Bach Nachweis von Apfels Archiv-für-Musikwissenschaft-Aufsatz zur polyphonen Satzentwicklung zwischen Renaissance und Barock.
- MGG Online: Apfel, Ernst Fachlexikalischer Artikel zu Biographie, Ausbildung, akademischer Laufbahn und Schriften Ernst Apfels.
- Open Library: Ernst Apfel Bibliographischer Autorenüberblick mit mehreren selbständigen Schriften Apfels.
- University of California, Santa Barbara: Counterpoint 900–1700 Bibliography Universitäre Fachbibliographie, die mehrere zentrale Apfel-Publikationen zu Diskant, Kontrapunkt, Satztechnik und Kompositionslehre aufführt.
- Universitätsbibliothek Heidelberg: Musikwissenschaft, Literatursystematik Bibliothekarischer Nachweis von Apfels Geschichte der Kompositionslehre in der erweiterten Grundfassung des Musikwissenschaftlichen Instituts der Universität des Saarlandes.
- Universität des Saarlandes: Geschichte des Instituts für Musikwissenschaft Institutionelle Darstellung mit biographischen Angaben zu Apfel, seiner Saarbrücker Tätigkeit, seinen akademischen Stationen und seinen Hauptarbeitsfeldern.
Weiterführende Einträge
- Ars antiqua Epoche früher mehrstimmiger Musik, deren Satztechniken für Apfels mediävistische Forschung wichtig sind.
- Ars nova Musikgeschichtlicher Kontext für Fragen von Notation, Rhythmik, Motette und spätmittelalterlicher Mehrstimmigkeit.
- Heinrich Besseler Musikwissenschaftler, dessen Arbeiten zur mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Musik für Apfels Forschungsumfeld bedeutsam sind.
- Cantus firmus Satztechnischer Grundbegriff für viele Untersuchungen zur mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Mehrstimmigkeit.
- Codex Montpellier Zentraler Quellenkomplex mittelalterlicher Motetten, zu dem Apfel eine eigene Strukturstudie vorlegte.
- Contratenor Stimmfunktion der mittelalterlichen Mehrstimmigkeit, die für Apfels Diskant- und Gerüstsatzforschung wichtig ist.
- Carl Dahlhaus Musikwissenschaftler und Mitautor Apfels bei den Studien zur Theorie und Geschichte der musikalischen Rhythmik und Metrik.
- Diskant Zentraler Begriff der mittelalterlichen Musiktheorie und Thema von Apfels Heidelberger Dissertation.
- Fauxbourdon Satztechnik des 15. Jahrhunderts, die in der Diskussion um englische Mehrstimmigkeit und Klangstruktur wichtig ist.
- Generalbass Frühneuzeitliche Satz- und Begleitpraxis, deren Vorgeschichte im Übergang von Polyphonie zu Monodie berührt wird.
- Gerüstsatz Satztechnischer Schlüsselbegriff für Apfels Untersuchungen zum Verhältnis tragender Stimmen und ergänzender Klangbildung.
- Heidelberg Geburts- und Ausbildungsort Ernst Apfels sowie Ort seiner Promotion.
- Historische Musiktheorie Forschungsfeld, in dem musikalische Lehrtraditionen, Traktate, Begriffe und Satzregeln historisch untersucht werden.
- Kontrapunkt Zentraler Gegenstand von Apfels Forschung zur Satztechnik und Kompositionslehre.
- Mehrstimmigkeit Übergreifender Begriff für die musikalischen Satzformen, deren historische Entwicklung Apfel erforschte.
- Metrik Lehre musikalischer Zeitordnung, die Apfel gemeinsam mit Carl Dahlhaus historisch untersuchte.
- Mittelalterliche Musik Hauptfeld von Apfels Untersuchungen zu Diskant, Motette, englischer Mehrstimmigkeit und Satzlehre.
- Monodie Frühneuzeitliches Satzprinzip, das Apfel im Zusammenhang des Wandels um 1600 untersuchte.
- Motette Gattung, an der sich viele Fragen mittelalterlicher Satztechnik und Notation exemplarisch zeigen.
- Musiktheorie Systematische und historische Reflexion musikalischer Regeln, Begriffe und Satzverfahren.
- Notre-Dame-Schule Früher Kontext abendländischer Mehrstimmigkeit, der für Organum, Diskant und rhythmische Ordnung zentral ist.
- Organum Frühe Form der Mehrstimmigkeit und Ausgangspunkt vieler historischer Kompositionslehren.
- Ostinato Wiederholungsmodell, dessen Entstehung und Frühgeschichte Apfel in einem eigenen Teil der Grundlagen einer Geschichte der Satztechnik behandelte.
- Giovanni Pierluigi da Palestrina Referenzfigur der vokalen Polyphonie, deren Wandel bis Bach Apfel in einem Aufsatz untersuchte.
- Polyphonie Mehrstimmige Satzweise, deren historische Wandlungen im Zentrum vieler Apfel-Arbeiten stehen.
- Rhythmik Lehre musikalischer Zeitbewegung und eines der Themen von Apfels gemeinsamer Arbeit mit Carl Dahlhaus.
- Saarbrücken Sterbeort Ernst Apfels und Standort seiner wichtigsten akademischen Tätigkeit.
- Satzlehre Lehre musikalischer Satzbildung, eng mit Apfels Begriff der historischen Kompositionslehre verbunden.
- Satztechnik Zentraler Begriff für Apfels historisch-analytische Erforschung musikalischer Strukturverfahren.
- Theo Schmitt Mitautor Apfels bei der Geschichte der Kompositionslehre zum 18. Jahrhundert.
- Tenor Tragende Stimmfunktion mittelalterlicher Satztechnik und wichtiger Bezugspunkt für Diskant- und Contratenor-Fragen.
- Universität des Saarlandes Akademischer Wirkungsort Ernst Apfels und wichtiger Standort der deutschsprachigen Musikwissenschaft.