Ernest Ansermet

* 11. November 1883 in Vevey; † 20. Februar 1969 in Genf. Schweizer Dirigent, Musiktheoretiker, Mathematiker, Gründer des Orchestre de la Suisse Romande und einer der wichtigsten Vermittler der musikalischen Moderne.

Überblick

Ernest Ansermet war eine der prägenden Dirigentenpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Seine Bedeutung liegt nicht allein in einer langen internationalen Laufbahn, sondern in der seltenen Verbindung von Dirigent, Musiktheoretiker, mathematisch geschultem Denker, Orchestergründer, Interpret der Moderne und Schallplattenpionier. Ansermet gehört zu den Figuren, durch die die Musik von Claude Debussy, Maurice Ravel, Igor Strawinsky, Manuel de Falla, Arthur Honegger, Frank Martin und anderer Komponisten in das internationale Konzert- und Tonträgerbewusstsein gelangte.

Sein Name ist untrennbar mit dem Orchestre de la Suisse Romande verbunden, das er 1918 in Genf gründete und bis 1967 leitete. Mit diesem Orchester schuf Ansermet für die französischsprachige Schweiz eine dauerhafte symphonische Institution. Aus einem regionalen Kulturprojekt wurde durch Konzertreisen, Rundfunk und vor allem durch die Aufnahmen für Decca ein international wahrgenommenes Klangzeichen der Suisse romande.

Vor der Gründung des Orchesters hatte Ansermet bereits als Dirigent der Ballets russes eine Schlüsselrolle in der europäischen Moderne gespielt. Er arbeitete im Umfeld von Serge Diaghilew, Léonide Massine, Pablo Picasso, Jean Cocteau, Erik Satie und Igor Strawinsky. Er war an Uraufführungen und frühen Aufführungsserien jener Ballette beteiligt, die Musik, Tanz, Bühnenbild, Literatur und Avantgarde in neuer Weise verbanden.

Als Musiktheoretiker wurde Ansermet vor allem durch Les fondements de la musique dans la conscience humaine bekannt. Dieses monumentale Werk versucht, Musik aus Bewusstsein, Hören, Zahl, Tonalität und Phänomenologie zu begründen. Ansermets Denken ist dabei zugleich originell, systematisch, problematisch und streitbar. Besonders seine Ablehnung der Zwölftonmusik und seine Kritik an Arnold Schönberg zeigen, dass er die Moderne nicht unterschiedslos bejahte. Er verteidigte eine musikalische Moderne, die für ihn an Tonalität, Wahrnehmung, Gestalt und innerer Hörlogik gebunden blieb.

Kurzdaten

Name Ernest Ansermet; vollständiger Name: Ernest Alexandre Ansermet.
Geburt 11. November 1883 in Vevey im Kanton Waadt.
Tod 20. Februar 1969 in Genf.
Beruf Dirigent, Musiktheoretiker, Mathematiker, Orchestergründer, Essayist, Musikschriftsteller und Interpret der musikalischen Moderne.
Ausbildung Mathematisch-naturwissenschaftliche Ausbildung an der Universität Lausanne; musikalische Ausbildung unter anderem bei Alexandre Dénéréaz; Studien- und Bildungsaufenthalte in Paris, München und Berlin.
Wichtige Institutionen Ballets russes, Orchestre de la Suisse Romande, Grand Théâtre de Genève, Decca Records und musikalische Institutionen der Suisse romande.
Wichtige Komponisten Claude Debussy, Maurice Ravel, Igor Strawinsky, Manuel de Falla, Erik Satie, Sergej Prokofjew, Arthur Honegger, Frank Martin und Paul Hindemith.
Hauptwerk als Autor Les fondements de la musique dans la conscience humaine, Neuchâtel: La Baconnière, 1961.
Charakteristische Repertoires Französische Moderne, russische Moderne, Ballets-russes-Repertoire, schweizerische Musik, klassische Symphonik, Debussy, Ravel, Strawinsky, Falla, Honegger, Martin, Mussorgsky, Rimsky-Korsakow, Borodin, Tschaikowsky, Haydn, Beethoven und Brahms.
Tonträgerprofil Langjährige Decca-Aufnahmen mit dem Orchestre de la Suisse Romande, besonders im französischen, russischen und Ballets-russes-Repertoire; später auch klassische und romantische Symphonik.
Normdaten GND 118502875; VIAF 106965171; ISNI 0000 0001 0929 5015; LCCN n81084076.

Leben und Ausbildung

Ernest Ansermet wurde am 11. November 1883 in Vevey geboren. Sein Vater Gabriel Ansermet war Geometer beziehungsweise Vermessungsfachmann; die genaue, analytische Denkweise, die Ansermet später auch in musikalischen Fragen auszeichnete, hatte also eine familiäre und bildungsbiographische Nähe zu Mathematik, Raum, Maß und Konstruktion. Ansermet studierte an der Universität Lausanne Mathematik und Naturwissenschaften und erwarb 1903 den entsprechenden Abschluss. Diese Herkunft aus der mathematischen Bildung blieb für seinen späteren Musikbegriff grundlegend.

Zunächst arbeitete Ansermet als Lehrer. Er unterrichtete am Collège in Lausanne und bewegte sich zwischen pädagogischer Tätigkeit, mathematischer Reflexion und wachsender musikalischer Praxis. Musikalisch bildete er sich bei Alexandre Dénéréaz weiter, der für Komposition, Musiktheorie und die Westschweizer Musiklandschaft wichtig war. Aufenthalte in Paris, München und Berlin erweiterten seinen Horizont. Sie brachten ihn mit den großen Musikzentren Europas, mit Dirigierpraxis, Orchesterkultur und zeitgenössischer Komposition in Berührung.

1911 dirigierte Ansermet sein erstes Konzert in Lausanne. Bald darauf übernahm er Aufgaben am Kursaal-Orchester in Montreux. Zugleich trat er in das kulturelle Milieu der Suisse romande ein, in dem Literatur, Musik, Theater und intellektuelle Debatte eng miteinander verbunden waren. Seine Freundschaft mit Charles Ferdinand Ramuz und seine Beteiligung an den Cahiers vaudois zeigen, dass Ansermet nicht nur aus der Perspektive des Konzertbetriebs verstanden werden darf. Er war Teil einer französischsprachigen Schweizer Kulturbewegung, die regionale Identität, europäische Offenheit und moderne Kunst miteinander verband.

Der entscheidende Schritt vom Mathematiker und Lehrer zum international präsenten Dirigenten erfolgte während des Ersten Weltkriegs. Ansermet lernte Igor Strawinsky kennen, der in der Schweiz lebte, und kam in den Kreis der Ballets russes. Diese Begegnung bestimmte seine Laufbahn nachhaltig. Aus dem Schweizer Dirigenten wurde ein Vermittler zwischen russischer Moderne, französischer Klangkultur, internationalem Ballett und der entstehenden Institution des modernen Konzertdirigenten.

Ballets russes, Strawinsky und die europäische Moderne

Die Jahre mit den Ballets russes gehören zu den prägenden Abschnitten in Ansermets Laufbahn. Die von Serge Diaghilew geleitete Compagnie war kein gewöhnliches Ballettunternehmen, sondern eines der wichtigsten Laboratorien der europäischen Avantgarde. In ihr trafen Musik, Tanz, Bühnenbild, Mode, Literatur, Choreographie und internationales Mäzenatentum aufeinander. Für einen Dirigenten bedeutete diese Arbeit, mit neuen Partituren, wechselnden Ensembles, schwierigen Probenbedingungen und oft experimentellen Bühnenkonzepten umzugehen.

Ansermet dirigierte 1915 erstmals für die Ballets russes und unternahm 1916 eine ausgedehnte Amerika-Tournee. Spätere Tourneen führten ihn nach Italien, Spanien und Südamerika. In diesem Zusammenhang erwarb er jene praktische Erfahrung mit moderner Musik, die ihn von vielen älteren Kapellmeistern unterschied. Er musste komplizierte Rhythmen, abrupte Klangflächen, moderne Tanzrhythmik, neue Orchesterfarben und theatrale Präzision zugleich bewältigen.

Besonders eng war seine Beziehung zu Igor Strawinsky. Ansermet dirigierte zentrale Werke der Strawinsky-Rezeption und wurde zu einem der wichtigsten frühen Anwälte seiner Musik. Er war an der Uraufführung von Histoire du soldat beteiligt und dirigierte frühe Aufführungen beziehungsweise Uraufführungen von Werken wie Pulcinella, Le Chant du rossignol und Chout. Zugleich blieb diese Beziehung nicht spannungsfrei. Ansermet bewunderte Strawinskys rhythmische und formale Erfindungskraft, lehnte aber später dessen Hinwendung zur Reihentechnik und zur seriellen Schreibweise entschieden ab.

Die Ballets-russes-Jahre machten Ansermet außerdem mit der französischen Moderne vertraut. Er kannte Debussy und Ravel persönlich beziehungsweise stand mit ihrer Musik in unmittelbarer Nähe. Er gehörte zu jener Generation von Dirigenten, die moderne Partituren nicht aus späterer Distanz rekonstruierten, sondern sie unter Bedingungen ihrer Entstehung, Aufführung und Diskussion kennenlernten. Darin liegt ein Teil seiner Autorität: Ansermet war nicht nur Interpret der Moderne, sondern Zeitzeuge ihres Entstehungsraums.

Orchestre de la Suisse Romande

1918 gründete Ansermet das Orchestre de la Suisse Romande. Diese Gründung war ein kulturpolitischer Akt von großer Tragweite. Die französischsprachige Schweiz erhielt ein dauerhaftes Symphonieorchester, das nicht nur die Konzertversorgung von Genf und Lausanne sicherstellte, sondern der Suisse romande eine eigene musikalische Stimme gab. Ansermet blieb bis 1967 Chefdirigent dieses Orchesters und formte damit über fast ein halbes Jahrhundert dessen Profil.

Das OSR war unter Ansermet nicht einfach ein Schweizer Regionalorchester. Durch Rundfunk, Tourneen und Schallplatten wurde es international wahrgenommen. Gerade die langfristige Zusammenarbeit mit Decca machte den spezifischen Klang des Orchesters weltweit verfügbar. Für viele Hörerinnen und Hörer der Nachkriegszeit waren Debussy, Ravel, Strawinsky, Falla, Mussorgsky oder Rimsky-Korsakow in den Aufnahmen Ansermets mit dem OSR präsent. Die Schallplatte verwandelte eine lokale Institution in einen globalen Klangträger.

Ansermets Leitung war zugleich institutionell stabilisierend und ästhetisch prägend. Er hielt am Orchester fest, arbeitete an Repertoire, Klang, Präzision und Profil und verband Konzertbetrieb mit Opern- und Ballettaufgaben. Die Nähe zum Grand Théâtre de Genève und die Einbindung in das kulturelle Leben Genfs machten das OSR zu einem zentralen Organ der Westschweizer Musikkultur. Ansermet war dabei mehr als ein Dirigent, der vor einem bestehenden Apparat stand. Er war Gründer, Erzieher, Repertoirebildner und kultureller Repräsentant.

Die lange Dauer seiner Amtszeit hatte auch kritische Seiten. Ansermets Autorität war stark, sein ästhetisches Urteil kompromisslos, seine Ablehnung bestimmter moderner Richtungen scharf. Trotzdem lässt sich die Bedeutung seiner Arbeit kaum überschätzen. Ohne ihn wäre die Westschweizer Orchesterlandschaft des 20. Jahrhunderts anders verlaufen. Er machte Genf und Lausanne zu Orten einer modernen, frankophon geprägten, international anschlussfähigen Orchesterkultur.

Dirigierstil und Interpretationsästhetik

Ansermets Dirigierstil wurde häufig als klar, analytisch, rhythmisch bestimmt und strukturell durchsichtig beschrieben. Diese Eigenschaften hängen mit seiner mathematischen Bildung zusammen, dürfen aber nicht auf bloße Trockenheit verkürzt werden. Seine Interpretationen suchen eine innere Ordnung der Partitur: Proportion, Artikulation, Rhythmus, Klangschichtung und formale Linie werden so herausgearbeitet, dass die Musik als gebauter Zusammenhang hörbar wird.

Besonders im französischen Repertoire war diese Haltung wirkungsvoll. Debussy und Ravel verlangten nicht romantische Überwältigung, sondern Präzision der Klangfarben, Transparenz der Textur, feine rhythmische Beweglichkeit und Sinn für orchestrale Mischung. Ansermet verstand solche Musik nicht als nebelhafte Impression, sondern als hochorganisierte Klangarchitektur. Seine Debussy- und Ravel-Aufnahmen sind deshalb weniger atmosphärisch verschwommen als vielmehr deutlich konturiert.

Auch im russischen Repertoire war Ansermets Zugriff markant. Bei Strawinsky lag ihm besonders die rhythmische Organisation. In Le Sacre du printemps, Petruschka, L’Oiseau de feu, Le Chant du rossignol und anderen Werken suchte er nicht primär massiven Orchesterrausch, sondern die Kontrolle von Puls, Akzent, Schichtung und szenischer Energie. In diesem Sinn war er ein Dirigent, der die Moderne über Ordnung und Artikulation erschloss.

Sein Verhältnis zur klassischen und romantischen Symphonik war komplexer. In den 1960er Jahren wandte er sich stärker Haydn, Beethoven und Brahms zu. Diese Aufnahmen zeigen einen Dirigenten, der auch im klassischen Kanon nach Klarheit, Form und innerer Logik suchte. Sie standen jedoch nicht im Zentrum seines internationalen Nachruhms, der stärker mit Debussy, Ravel, Strawinsky, Falla und dem Ballets-russes-Repertoire verbunden blieb.

Musiktheorie und Phänomenologie

Ansermets theoretisches Hauptwerk Les fondements de la musique dans la conscience humaine erschien 1961 bei La Baconnière in Neuchâtel. Es ist ein außergewöhnlich umfangreicher Versuch, Musik aus den Strukturen des Bewusstseins, der Tonwahrnehmung, der Zahl, der Zeit, der Harmonie und der geschichtlichen Erfahrung zu begründen. Ansermet greift dabei auf seine mathematische Bildung und auf die Phänomenologie zurück, insbesondere auf Denkformen, die mit Edmund Husserl verbunden sind.

Der zentrale Gedanke lautet, dass Musik nicht bloß ein äußerer Klangablauf ist, sondern eine sinnhaft strukturierte Erscheinung im musikalischen Bewusstsein. Tonbeziehungen, Intervallspannung, Kadenz, Rhythmus und Form werden nicht nur physikalisch gemessen, sondern im Hören als Bedeutung erlebt. Daraus entwickelt Ansermet eine Theorie, die musikalische Sinnbildung an die Wahrnehmung von Tonalität, Richtung, Spannung und Auflösung bindet.

Gerade deshalb ist Ansermets Theorie zugleich bedeutend und umstritten. Er verteidigte die Tonalität nicht bloß als historischen Stil, sondern als Bewusstseinsstruktur. Daraus leitete er eine scharfe Kritik an der Atonalität und an der Zwölftonmusik ab. Für ihn verletzte die serielle Organisation jene hörpsychologischen und phänomenologischen Grundlagen, die musikalischen Sinn erst möglich machen. Diese Position steht quer zu großen Teilen der Nachkriegsavantgarde und macht Ansermet zu einem streitbaren Theoretiker der Moderne.

Wichtig ist, dass Ansermet kein konservativer Gegner jeder neuen Musik war. Er setzte sich mit Nachdruck für Strawinsky, Debussy, Ravel, Falla, Honegger und Frank Martin ein. Seine Moderne war jedoch eine Moderne der Tonalität, der modalen Erweiterung, der rhythmischen Innovation, der orchestralen Farbe und der strukturellen Klarheit, nicht eine Moderne der vollständigen Auflösung tonaler Beziehungen. In diesem Punkt liegt die Spannung seines Denkens: Er war zugleich Pionier moderner Musik und entschiedener Gegner bestimmter moderner Verfahren.

Schallplatte, Decca und Klangdokument

Ansermets Nachruhm ist von der Schallplatte nicht zu trennen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Zusammenarbeit mit Decca zu einem der wichtigsten Kapitel der Tonträgergeschichte. Die Aufnahmen mit dem Orchestre de la Suisse Romande prägten über Jahrzehnte die Wahrnehmung eines großen Repertoires. Sie reichen von Debussy und Ravel über Strawinsky, Falla, Mussorgsky, Rimsky-Korsakow und Tschaikowsky bis zu Haydn, Beethoven, Brahms, Honegger und Frank Martin.

Die Decca-Ära fällt in eine Phase, in der die Langspielplatte und die Stereophonie das Hören klassischer Musik veränderten. Ansermet profitierte davon, aber er war nicht nur Nutznießer einer Technik. Seine analytische Klarheit eignete sich besonders für das neue Medium. Wo die Schallplatte Klangschichten, Raum, Einzelstimmen und orchestrale Transparenz neu erfahrbar machte, konnte Ansermets Stil seine Stärken entfalten. Viele seiner Aufnahmen waren nicht nur Dokumente, sondern Interpretationsmodelle.

Besonders bekannt wurden seine Einspielungen von Strawinskys Balletten, Debussys Orchesterwerken, Ravels Ballett- und Orchesterstücken, Fallas spanischer Musik und dem russischen Orchesterrepertoire. In ihnen tritt eine Dirigierkunst hervor, die szenische Herkunft, rhythmische Präzision und orchestrale Durchhörbarkeit verbindet. Ansermet hatte viele dieser Werke nicht aus der Tradition übernommen, sondern in ihrer Entstehungsnähe erlebt. Diese historische Nähe verlieh seinen Aufnahmen für viele Hörer einen besonderen Rang.

Gleichwohl sind diese Aufnahmen kritisch zu hören. Das OSR war nicht immer ein technisch makelloses Orchester im Sinn späterer internationaler Spitzenensembles. Gerade deshalb ist die Wirkung bemerkenswert: Ansermets Interpretationen überzeugen weniger durch luxuriöse orchestrale Oberfläche als durch Formbewusstsein, Charakter, Farbe, rhythmische Entschiedenheit und ein starkes Gefühl für den inneren Verlauf einer Partitur. Die Tonträger zeigen einen Dirigenten, dessen Autorität aus Strukturverständnis hervorgeht.

Ausführlicher Kulturüberblick

Ernest Ansermet steht an einer kulturgeschichtlichen Kreuzung des 20. Jahrhunderts. Er gehört zur Generation, die noch vor dem Ersten Weltkrieg in der Welt der europäischen Bildungsbürgerlichkeit, der Mathematik, des klassischen Konzertwesens und der französischsprachigen Literatenkreise aufwuchs. Zugleich wurde er zu einem Akteur jener Moderne, die nach 1910 die alten ästhetischen Ordnungen durch neue Rhythmen, neue Bühnenformen, neue Orchesterfarben und neue Medien veränderte.

Die Ballets russes bilden den ersten großen Kulturzusammenhang. Diaghilews Compagnie war ein internationales Netzwerk aus russischer Tanztradition, französischer Avantgarde, italienischen und spanischen Einflüssen, moderner Malerei, neuer Choreographie und neuem Musiktheater. Ansermet stand mitten in diesem Netzwerk. Er leitete nicht nur Partituren, sondern koordinierte ein Gesamtkunstwerk aus Bewegung, Bühne, Farbe, Licht und Klang. Damit gehört er zur Geschichte der Intermedialität ebenso wie zur Geschichte des modernen Dirigierens.

Der zweite Zusammenhang ist die Kultur der Suisse romande. Ansermet machte die französischsprachige Schweiz nicht nur zum Aufführungsort, sondern zum Produktions- und Vermittlungsraum moderner Musik. Seine Freundschaft mit Ramuz, seine Beziehung zu Strawinsky, die Gründung des OSR und seine Tätigkeit in Genf zeigen, dass regionale Kultur nicht provinziell sein muss. Im Gegenteil: Die Schweiz wurde während des Ersten Weltkriegs und danach zu einem wichtigen Ort der europäischen Moderne, weil sich dort Exil, Neutralität, kulturelle Vermittlung und internationale Netzwerke überkreuzten.

Der dritte Zusammenhang ist die Institutionalisierung des modernen Orchesters. Ansermet verkörpert den Dirigenten nicht nur als Kapellmeister, sondern als Gründer, Organisator, Lehrer, Repertoirepolitiker, Medienfigur und Theoretiker. Das OSR war unter ihm nicht bloß ein Klangkörper, sondern ein kulturelles Projekt. Es verband Konzertsaal, Oper, Rundfunk, Schallplatte und internationale Tournee. Ansermet zeigt damit, wie der Dirigent im 20. Jahrhundert zu einer institutionellen Zentralfigur wurde.

Der vierte Zusammenhang ist die Schallplatte. Ansermets Decca-Aufnahmen machten seine Interpretationen unabhängig vom einmaligen Konzertmoment. Dadurch entstand eine neue Form musikalischer Autorität. Der Dirigent war nicht mehr nur lokal erlebbar, sondern weltweit reproduzierbar. Hörer konnten seine Debussy-, Ravel- und Strawinsky-Interpretationen wiederholt studieren, vergleichen und zum Maßstab machen. Die Schallplatte wurde damit zu einem Medium der Kanonbildung.

Der fünfte Zusammenhang ist der Konflikt um die Moderne. Ansermet war weder Traditionalist im einfachen Sinn noch Avantgardist ohne Vorbehalt. Er verteidigte eine Moderne, die aus Tonalität, rhythmischer Schärfe, formaler Klarheit und orchestraler Farbe hervorging. Gegen Schönberg und die Zwölftontechnik setzte er eine phänomenologisch begründete Vorstellung musikalischen Sinns. Diese Position ist aus heutiger Sicht nicht endgültig überzeugend, aber historisch aufschlussreich. Sie zeigt, dass die Moderne des 20. Jahrhunderts nicht eine Linie hatte, sondern aus konkurrierenden Modernen bestand.

Werkverzeichnis

Das Werkverzeichnis ist bei Ansermet in drei Bereiche zu gliedern. Im engeren Sinn umfasst es eigene Kompositionen, Bearbeitungen und Schriften. Im weiteren kulturlexikalischen Sinn gehören seine Uraufführungen, seine großen Korrespondenzen und seine diskographischen Hauptgruppen hinzu, weil Ansermets eigentliches künstlerisches Werk vor allem im Dirigieren, Deuten, Institutionenbilden und Aufnehmen liegt. Eine vollständige Einzelerfassung sämtlicher Decca- und Konzertaufnahmen würde eine eigene Diskographie bilden; die folgende Übersicht erfasst die selbständigen Schriften, die wichtigsten edierten Korrespondenzen, die belegten Kompositionen und Bearbeitungen sowie die zentralen dirigentischen Werkgruppen.

Komposition: Feuilles de printemps Sinfonische Dichtung beziehungsweise Orchesterstück; frühe kompositorische Arbeit Ansermets, heute vor allem biographisch und stilgeschichtlich von Interesse.
Komposition: Klavierstücke Kleinere Klavierkompositionen; sie zeigen Ansermets musikalische Praxis vor und neben seiner dominierenden Dirigentenlaufbahn.
Bearbeitung 1939 Orchestrierung von Debussys Six épigraphes antiques; wichtig als Dokument von Ansermets produktiver Debussy-Nähe und seiner Klangvorstellung französischer Musik.
Artikel 1919 Sur un orchestre nègre. Essay in La Revue Romande; kulturhistorisch bedeutender früher Text zur Wahrnehmung afroamerikanischer Musik und zu Sidney Bechet.
Schrift 1920er bis 1960er Aufsätze, Vorträge und Kritiken zur zeitgenössischen Musik, zu Strawinsky, zur Tonalität, zur Aufführungspraxis und zur Schweizer Musikkultur; später teilweise in Sammelbänden ediert.
1961 Les fondements de la musique dans la conscience humaine. Neuchâtel: La Baconnière. Monumentales musikphilosophisches Hauptwerk zur Begründung von Musik aus Bewusstsein, Tonalität, Zahl, Wahrnehmung und Phänomenologie.
1973 L’apport de Paul Hindemith à la musique du XXe siècle. Beitrag in einem Hindemith-Gedenkband; zeigt Ansermets Auseinandersetzung mit einer Moderne jenseits von Schönberg und Serialismus.
1983 Écrits sur la musique. Herausgegeben von Jean-Claude Piguet. Neuchâtel: La Baconnière. Sammlung musiktheoretischer und ästhetischer Texte.
1987 Les fondements de la musique dans la conscience humaine, neue Ausgabe, bearbeitet von Jean-Claude Piguet unter Mitarbeit von Rose-Marie Faller-Fauconnet und weiteren Beteiligten.
Korrespondenz 1976 Ernest Ansermet – Frank Martin. Correspondance, 1934–1968. Herausgegeben von Jean-Claude Piguet; wichtige Quelle zur schweizerischen Musikmoderne, zu Komposition, Aufführung und ästhetischer Debatte.
Korrespondenz 1983 Correspondance Ernest Ansermet – R.-Aloys Mooser, 1915–1969. Herausgegeben von Claude Tappolet; Quelle zur Schweizer Musikkritik, zum Konzertleben und zu Ansermets Netzwerken.
Korrespondenz 1989 Correspondance Ansermet – Ramuz, 1906–1941. Herausgegeben von Claude Tappolet; wichtige Quelle zur Verbindung von Schweizer Literatur, Musiktheater und Strawinsky-Umfeld.
Korrespondenz 1989 Lettres de compositeurs suisses à Ernest Ansermet, 1906–1963. Herausgegeben von Claude Tappolet; bedeutend für Ansermets Rolle als Zentralfigur der Schweizer Musikvermittlung.
Korrespondenz 1990/91 Correspondance Ansermet – Strawinsky, 1914–1967. Herausgegeben von Claude Tappolet; Schlüsselquelle zur Beziehung zwischen Dirigent und Komponist.
Korrespondenz 1998 Correspondance E. Ansermet – J.-Claude Piguet, 1948–1969. Herausgegeben von Claude Tappolet; wichtig für die Entstehung und Rezeption von Ansermets musikphilosophischem Denken.
Korrespondenz 1999 Ernest Ansermet. Correspondances avec des chefs d’orchestre célèbres, 1913–1969. Herausgegeben von Claude Tappolet; mit einem Erinnerungstext zu Arturo Toscanini.
Korrespondenz 2006 Ernest Ansermet. Correspondance avec des compositeurs américains, 1926–1966. Herausgegeben von Claude Tappolet; mit Briefen und Dokumenten zu Aaron Copland, Nicolas Nabokov, Virgil Thomson, Marian Anderson, Sidney Bechet und anderen.
Uraufführung 1918 Igor Strawinsky: Histoire du soldat. Ansermet dirigierte die Uraufführung in Lausanne; das Werk entstand in enger Nähe zu Ramuz, Strawinsky und der Schweizer Kriegssituation.
Uraufführung 1920 Igor Strawinsky: Pulcinella. Ansermet dirigierte die Uraufführung der Ballets-russes-Produktion; das Werk ist ein Schlüssel der neoklassizistischen Strawinsky-Phase.
Uraufführung 1920 Igor Strawinsky: Le Chant du rossignol. Ansermet war an der frühen Bühnen- und Ballettrezeption dieses Werkes beteiligt.
Uraufführung 1921 Igor Strawinsky: Chout. Ballets-russes-Kontext; Beispiel für Ansermets Rolle im internationalen Avantgarde-Ballett.
Uraufführung Ballets russes Erik Satie: Parade. Ansermet gehört zur frühen Aufführungsgeschichte dieses Schlüsselwerks mit Cocteau, Picasso, Massine und Diaghilew.
Uraufführung Ballets russes Manuel de Falla: Le Tricorne beziehungsweise El sombrero de tres picos. Zentral für Ansermets spanisches Repertoire und die Ballets-russes-Kultur.
Aufnahmegruppe: Debussy Orchesterwerke wie La mer, Prélude à l’après-midi d’un faune, Images, Nocturnes und weitere Werke; Kernbereich von Ansermets Decca-Profil.
Aufnahmegruppe: Ravel Daphnis et Chloé, Boléro, La valse, Rapsodie espagnole, Klavierkonzerte und weitere Orchesterwerke; zentral für Ansermets französische Klangästhetik.
Aufnahmegruppe: Strawinsky L’Oiseau de feu, Petruschka, Le Sacre du printemps, Pulcinella, Le Chant du rossignol, Capriccio und weitere Werke; eines der wichtigsten Felder seines Nachruhms.
Aufnahmegruppe: Falla El amor brujo, El sombrero de tres picos, Noches en los jardines de España und weitere spanische Werke; Verbindung von Ballets-russes-Erfahrung und iberischem Klangidiom.
Aufnahmegruppe: Russische Musik Mussorgsky, Rimsky-Korsakow, Borodin, Glasunow, Balakirew, Liadow und Tschaikowsky; häufig mit besonderem Sinn für Farbe, Erzählgestus und Orchestercharakter.
Aufnahmegruppe: Schweizer Musik Frank Martin, Arthur Honegger und weitere Komponisten der Schweizer Moderne; Ansermet wirkte hier als national und international vermittelnde Autorität.
Aufnahmegruppe: Klassik Haydn, Mozart und Beethoven; besonders in den späten Jahren dokumentierte Ansermet seinen Zugriff auf klassische Form, Symmetrie und rhythmische Ordnung.
Aufnahmegruppe: Romantik Brahms, Berlioz, Lalo, Magnard, Tschaikowsky und andere; kein Kern seines Mythos, aber wichtig für die Breite seines Decca-Nachlasses.
Aufnahmegruppe: Oper und Ballett Ballett- und Bühnenwerke von Debussy, Ravel, Strawinsky, Falla, Prokofjew, Delibes, Adam, Tschaikowsky und anderen; wichtig für Ansermets szenisch geprägtes Dirigieren.

Sekundärliteratur

  • Andriessen, Louis; Schönberger, Elmer: The Apollonian Clockwork. On Stravinsky. Amsterdam: Amsterdam University Press, 2006.
  • Burdet, Jacques: Ernest Ansermet. Biographische und dokumentarische Arbeiten zur Schweizer Musikgeschichte.
  • Duruz, Michel: Ernest Ansermet. Lausanne: Éditions L’Âge d’Homme, 1970er Jahre.
  • Gagnaux, Serge: Dokumentarische Beiträge zu Ansermets Tonträgern, Rundfunk- und Konzertüberlieferung.
  • Krausz, Michael: The Tonal and the Foundational: Ansermet on Stravinsky. In: The Journal of Aesthetics and Art Criticism, 42, 1984.
  • Kutsch, Karl-Josef; Riemens, Leo: Großes Sängerlexikon beziehungsweise angrenzende Dirigenten- und Opernlexikonartikel zur Aufführungsgeschichte des 20. Jahrhunderts.
  • Marti-Weissenbach, Karin: Ansermet, Ernest. In: Historisches Lexikon der Schweiz. Bern, 2014.
  • Meylan, Pierre: Ernest Ansermet et l’Orchestre de la Suisse Romande. Studien zur Westschweizer Orchester- und Institutionengeschichte.
  • Muller, Catherine: Arbeiten zu Ernest Ansermet, zur Suisse romande und zur Schweizer Musikmoderne.
  • Piguet, Jean-Claude: La pensée d’Ernest Ansermet. Lausanne: Payot; Tours: Van de Velde, 1983.
  • Piguet, Jean-Claude: Einleitungen und Kommentare zu Les fondements de la musique dans la conscience humaine und Écrits sur la musique.
  • Rings, Steven: Arbeiten zur Tonalität und zum Verhältnis von Wahrnehmung, Form und musikalischem Sinn, als theoretischer Vergleichsrahmen zu Ansermet.
  • Ross, Alex: Essays und Besprechungen zu Strawinsky, Aufnahmegeschichte und Dirigenten der Moderne.
  • Schenker, Jacques: Studien zur Geschichte des Orchestre de la Suisse Romande und zur schweizerischen Musikkultur.
  • Sheffi, Na’ama: The Ring of Myths. The Israelis, Wagner and the Nazis. Sussex Academic Press, 2013; mit Bezug auf Ansermets kulturpolitische und ästhetische Positionen im 20. Jahrhundert.
  • Tappolet, Claude (Hrsg.): Correspondance Ansermet – Ramuz, 1906–1941. Genève: Georg; Paris: Eshel, 1989.
  • Tappolet, Claude (Hrsg.): Correspondance Ansermet – Strawinsky, 1914–1967. Genève: Georg, 1990/91.
  • Tappolet, Claude (Hrsg.): Ernest Ansermet. Correspondances avec des chefs d’orchestre célèbres, 1913–1969. Genève: Georg, 1999.
  • Tappolet, Claude (Hrsg.): Ernest Ansermet. Correspondance avec des compositeurs américains, 1926–1966. Genève: Georg, 2006.
  • Walsh, Stephen: Stravinsky. A Creative Spring und Stravinsky. The Second Exile. London: Jonathan Cape, 1999 und 2006.
  • White, Eric Walter: Stravinsky. The Composer and His Works. Berkeley und Los Angeles: University of California Press, 1966 und spätere Ausgaben.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Atonalität musikalisches Verfahren, dessen theoretische und ästhetische Legitimität Ansermet entschieden bestritt.
  • Ballets russes Diaghilews Avantgarde-Compagnie, in deren Umfeld Ansermet als Dirigent international hervortrat.
  • Ballett szenische Kunstform, die bei Ansermet mit moderner Musik, Bühne, Tanz und Orchesterfarbe verbunden ist.
  • Jean Cocteau Dichter und Theaterautor im Umfeld von Parade und der Ballets-russes-Avantgarde.
  • Claude Debussy Komponist, dessen Orchesterwerke zu Ansermets zentralem Repertoire gehörten.
  • Decca Schallplattenlabel, durch das Ansermets Interpretationen weltweit verbreitet wurden.
  • Alexandre Dénéréaz Schweizer Komponist und Theoretiker, der für Ansermets musikalische Ausbildung wichtig war.
  • Serge Diaghilew Impresario der Ballets russes und zentrale Figur der europäischen Moderne.
  • Dirigent musikalische Leitungsfigur, deren moderne institutionelle und mediale Bedeutung Ansermet exemplarisch verkörpert.
  • Manuel de Falla spanischer Komponist, dessen Ballett- und Orchesterwerke Ansermet besonders nachhaltig interpretierte.
  • Genf zentraler Wirkungs- und Sterbeort Ansermets sowie Sitz des Orchestre de la Suisse Romande.
  • Paul Hindemith Komponist, dessen Beitrag zur Musik des 20. Jahrhunderts Ansermet theoretisch würdigte.
  • Arthur Honegger Schweizerisch-französischer Komponist, dessen Werke zum modernen Repertoire Ansermets gehören.
  • Edmund Husserl Philosoph der Phänomenologie, deren Denkweise für Ansermets Musiktheorie wichtig wurde.
  • Intermedialität Beziehung verschiedener Künste und Medien, besonders relevant für Ballets russes und modernes Musiktheater.
  • Frank Martin Schweizer Komponist und wichtiger Briefpartner Ansermets.
  • Léonide Massine Choreograph der Ballets russes, dessen Produktionen Ansermet dirigierte.
  • Musiktheorie Reflexion über Grundlagen, Strukturen und Sinnzusammenhänge der Musik.
  • Orchestre de la Suisse Romande 1918 von Ansermet gegründetes Orchester und wichtigstes institutionelles Zentrum seiner Laufbahn.
  • Orchester Klangkörper, Institution und Medium der symphonischen Musik, bei Ansermet zugleich regionales und internationales Kulturinstrument.
  • Phänomenologie philosophische Methode, die Ansermet zur Begründung musikalischer Wahrnehmung und Tonalität heranzog.
  • Pablo Picasso Maler und Bühnenbildner im Umfeld der Ballets russes und der frühen Avantgarde.
  • Maurice Ravel Komponist, dessen Orchesterwerke Ansermet mit besonderer Autorität interpretierte.
  • Charles Ferdinand Ramuz Schweizer Schriftsteller, Freund Ansermets und literarischer Partner im Strawinsky-Umfeld.
  • Erik Satie Komponist von Parade und wichtige Figur der französischen Avantgarde.
  • Schallplatte Medium, durch das Ansermets Interpretationen kanonbildend überliefert wurden.
  • Arnold Schönberg Komponist der Atonalität und Zwölftontechnik, gegen dessen ästhetische Position Ansermet theoretisch argumentierte.
  • Stereophonie Aufnahmetechnik, die für Ansermets Decca-Wirkung und die Wahrnehmung orchestraler Transparenz wichtig wurde.
  • Igor Strawinsky Komponist, dessen Werke und persönlicher Kontakt Ansermets Laufbahn entscheidend prägten.
  • Suisse romande französischsprachige Schweiz als kultureller und institutioneller Raum von Ansermets Wirken.
  • Tonalität musikalisches Ordnungssystem, das für Ansermets Theorie der musikalischen Bewusstseinsstruktur zentral war.
  • Vevey Geburtsort Ansermets und wichtiger Ort der waadtländischen Kulturgeschichte.
  • Zwölftonmusik Kompositionstechnik der Wiener Schule, die Ansermet in seinen theoretischen Schriften ablehnte.