Georg Anschütz
Überblick
Georg Anschütz, auch Georg Ernst Anschütz, gehört zu jenen Wissenschaftlern des frühen 20. Jahrhunderts, bei denen Psychologie, Musikästhetik, Musikpsychologie, Wahrnehmungslehre und Kunsttheorie eng ineinandergreifen. Seine Bedeutung für ein Kulturlexikon liegt nicht in einer kompositorischen Produktion, sondern in der theoretischen Vermittlung zwischen Klang, Farbe, Bild, Gefühl und ästhetischer Erfahrung. Anschütz untersuchte, wie auditive Reize visuelle Vorstellungen, Farbempfindungen oder komplexe innere Bildprozesse hervorrufen können, und verband diese Fragestellung mit der damals noch jungen empirischen Psychologie.
Sein Name ist besonders mit der Farbe-Ton-Forschung verbunden. Diese Forschungsrichtung befasste sich mit Beziehungen zwischen Ton, Klang, Farbe, Form, Bewegung und innerer Anschauung. Sie steht an der Schnittstelle von Synästhesie, Akustik, Ästhetik, bildender Kunst, Pädagogik und Musik. Anschütz organisierte in Hamburg Kongresse, edierte Sammelbände und versuchte, subjektive Wahrnehmungsphänomene nicht nur als Kuriositäten, sondern als psychologisch und kunsttheoretisch auswertbare Phänomene zu behandeln.
Der Eintrag muss zugleich kritisch gelesen werden. Anschütz war in der Zeit des Nationalsozialismus akademisch und hochschulpolitisch belastet. Seine Tätigkeit als Hochschullehrer, seine Stellung an der Universität Hamburg und seine Rolle in nationalsozialistischen Organisationsstrukturen gehören daher notwendig zur fachgeschichtlichen Einordnung. Gerade bei einer kulturgeschichtlichen Betrachtung ist wichtig, seine Beiträge zur Musikpsychologie nicht von den institutionellen und politischen Bedingungen ihrer Entstehung zu trennen.
Kurzdaten
| Name | Georg Anschütz; vollständiger Name: Georg Ernst Anschütz. |
|---|---|
| Geburt | 15. November 1886 in Braunschweig. |
| Tod | 25. Dezember 1953 in Hamburg. |
| Beruf | Psychologe, Musikästhetiker, Hochschullehrer, Synästhesieforscher und Direktor des Psychologischen Instituts in Hamburg. |
| Fachgebiete | Psychologie, Musikpsychologie, Musikästhetik, Synästhesie, Farbe-Ton-Forschung und Wahrnehmungsästhetik. |
| Ausbildung | Studium der Psychologie, Philosophie und Pädagogik; Promotion 1908 bei Theodor Lipps mit einer Arbeit über Gestaltqualitäten. |
| Wirkungsorte | Braunschweig, München, Leipzig, Würzburg, Paris, Konstantinopel beziehungsweise Istanbul und Hamburg. |
| Wichtige Bezugspersonen | Theodor Lipps, Wilhelm Wundt, Alfred Binet, Oswald Külpe, Ernst Meumann, William Stern und Albert Wellek. |
| Normdaten | GND 116014067; VIAF 19772898. |
Leben und Ausbildung
Georg Anschütz wurde am 15. November 1886 in Braunschweig geboren. Seine schulische Bildung erhielt er in seiner Heimatstadt. Nach dem Abitur führte ihn sein Studium in mehrere wichtige Zentren der damaligen deutschen und europäischen Psychologie. In München studierte er bei Theodor Lipps, in Leipzig kam er mit der von Wilhelm Wundt geprägten Experimentalpsychologie in Berührung. Hinzu traten Forschungsaufenthalte, unter anderem bei Oswald Külpe und bei Alfred Binet in Paris.
Seine Dissertation über Gestaltqualitäten verweist bereits auf eine Grundfrage, die für seinen späteren kulturtheoretischen Rang entscheidend blieb: Wie entstehen Ganzheiten der Wahrnehmung, die mehr sind als eine bloße Summe einzelner Sinnesdaten? Diese Frage ist nicht nur psychologisch, sondern auch ästhetisch bedeutsam. Wer Musik hört, nimmt nicht nur einzelne Töne wahr, sondern Gestalten, Spannungen, Richtungen, Dichten, Farben, Bewegungen und Ausdrucksqualitäten. Anschütz bewegte sich deshalb früh in einem Denkraum, in dem Gestaltpsychologie, Ästhetik und Musiktheorie zusammenkommen.
Die frühen Jahre zeigen außerdem, dass Anschütz nicht auf ein enges Spezialfach festgelegt war. Seine Interessen umfassten philosophische Grundlegung, empirische Methoden, pädagogische Fragen, Psychotechnik, Sinnespsychologie und künstlerische Wahrnehmung. Diese Breite erklärt, warum seine späteren Arbeiten zur Farbe-Ton-Forschung so stark interdisziplinär angelegt waren. Anschütz verstand Farbe und Ton nicht als isolierte Sinnesreize, sondern als Bestandteile eines psychischen Gesamtzusammenhangs.
Hamburg, Universität und Psychologisches Institut
Von besonderer Bedeutung wurde für Anschütz der Wirkungsort Hamburg. Dort arbeitete er am psychologischen Laboratorium, zunächst im Umfeld des Experimentalpsychologen Ernst Meumann. Während des Ersten Weltkriegs wirkte Anschütz zeitweise als Professor für Pädagogik und experimentelle Psychologie in Konstantinopel. Nach dem Krieg kehrte er nach Hamburg zurück, habilitierte sich 1920 und wurde Privatdozent an der neu gegründeten Universität Hamburg.
Die Hamburger Situation ist kulturgeschichtlich aufschlussreich. Die Universität war jung, die Psychologie institutionalisierte sich noch, und die Grenzen zwischen Philosophie, Pädagogik, Sinnesphysiologie, Musikästhetik und Kunstwissenschaft waren durchlässiger als in späteren Fachordnungen. In diesem Milieu konnte Anschütz seine Farbe-Ton-Studien nicht nur als psychologische Spezialuntersuchung, sondern als kulturwissenschaftlich offene Forschungsinitiative entfalten. Die Kongresse zur Farbe-Ton-Forschung waren deshalb keine reinen Fachpsychologenversammlungen, sondern führten Musiker, Künstler, Pädagogen, Wahrnehmungsforscher und synästhetisch begabte Laien zusammen.
Für die Hamburger Universitätsgeschichte bleibt Anschütz allerdings ambivalent. Einerseits gehört er zur Frühgeschichte der dortigen Musikpsychologie und Wahrnehmungsästhetik. Andererseits ist seine akademische Karriere in den 1930er und 1940er Jahren untrennbar mit der nationalsozialistischen Hochschulpolitik verbunden. Eine sachgerechte Darstellung muss beide Aspekte berücksichtigen: die wissenschaftliche Initiative auf dem Gebiet der Synästhesie und die politische Belastung seiner institutionellen Rolle.
Farbe-Ton-Forschung und Synästhesie
Der wichtigste kulturgeschichtliche Beitrag von Georg Anschütz liegt in der von ihm organisierten und publizistisch begleiteten Farbe-Ton-Forschung. Gemeint ist damit eine Forschungsrichtung, die Beziehungen zwischen musikalischem Klang und visueller Erfahrung untersuchte. Im Zentrum standen Phänomene wie Farbenhören, musikalische Photismen, innere Bildformen, Ton-Farbe-Zuordnungen, Klanggestalten, abstrakte Bildrhythmen und die Frage, ob zwischen auditiver und visueller Wahrnehmung strukturelle Entsprechungen bestehen.
Anschütz interessierte sich dabei nicht nur für einfache Zuordnungen wie „Ton c entspricht einer bestimmten Farbe“. Vielmehr suchte er nach komplexeren Formen der Synästhesie, in denen Musik räumliche Gebilde, Linien, Farbfelder, Bewegungen oder dynamische Sichtformen hervorrufen kann. Damit berührte er eine Problematik, die im frühen 20. Jahrhundert auch die bildende Kunst, den abstrakten Film, die Lichtkunst, den Tanz und die Reformpädagogik beschäftigte. Die Frage lautete nicht allein, wie man Musik beschreiben kann, sondern wie Musik sichtbar, räumlich oder bildhaft erlebt wird.
Die Hamburger Farbe-Ton-Kongresse waren deshalb kulturhistorisch bemerkenswert. Sie verbanden wissenschaftliche Vorträge mit Demonstrationen, Ausstellungen, Fallmaterial und künstlerischen Experimenten. Anschütz trug damit zu einer frühen Form intermedialer Kulturforschung bei. Begriffe wie Intermedialität, Visual Music oder multisensorische Ästhetik waren damals noch nicht in der heutigen Terminologie etabliert, doch die Sache selbst war bereits präsent: Musik wurde als Anlass von Bildern, Farben, Bewegungen und Raumvorstellungen verstanden.
Für die heutige Forschung ist Anschütz vor allem als historischer Knotenpunkt wichtig. Seine Publikationen dokumentieren Material, das für die Geschichte der Synästhesieforschung, der abstrakten Kunst, der Musikpädagogik und der Wahrnehmungspsychologie relevant bleibt. Zugleich zeigt sein Fall, wie sehr frühe Synästhesieforschung zwischen wissenschaftlicher Genauigkeit, spekulativer Kunstdeutung und zeitgebundener Weltanschauung schwanken konnte.
Musikästhetik und Musikpsychologie
Anschütz’ Abriss der Musikästhetik von 1930 gehört zu seinen wichtigsten musikbezogenen Veröffentlichungen. Das Werk steht in einer Tradition, die musikalische Form, Ausdruck, Gefühl, Klangwirkung und ästhetisches Urteil nicht nur philosophisch, sondern psychologisch erklären will. Für Anschütz ist Musik nicht bloß ein regelgeleitetes Tonsystem, sondern ein Erfahrungsfeld, in dem Wahrnehmung, Vorstellung, Empfindung, Bewegung und geistige Deutung ineinandergreifen.
Seine musikpsychologische Perspektive unterscheidet sich damit von einer rein historischen Musikwissenschaft. Während die historische Musikwissenschaft nach Quellen, Gattungen, Stilen, Komponisten und Aufführungstraditionen fragt, richtet sich Anschütz auf die psychische Wirkung und Struktur der musikalischen Erfahrung. Er steht damit in der Nähe jener Denkbewegungen, die Musik als Erlebnisform, als Wahrnehmungsgestalt und als Ausdrucksphänomen begreifen.
Besonders wichtig ist der Zusammenhang mit dem Begriff des Ausdrucks. Musik erscheint bei Anschütz nicht nur als akustischer Ablauf, sondern als Träger von Spannung, Stimmung, Richtung und innerer Gestalt. Solche Qualitäten sind schwer vollständig in Notenschrift oder harmonischer Analyse zu erfassen. Darin liegt die kulturgeschichtliche Relevanz seiner Arbeit: Sie fragt nach dem, was Musik im Hören, im inneren Bild, in der Empfindung und im ästhetischen Bewusstsein auslöst.
Aus heutiger Sicht bleiben Anschütz’ Arbeiten nicht deshalb bedeutsam, weil sie eine abschließende Theorie der Musikästhetik liefern. Ihre Bedeutung liegt vielmehr darin, dass sie ein frühes, materialreiches und interdisziplinäres Feld sichtbar machen. Zwischen absoluter Musik, Programmmusik, Farbhören, Ausdruckspsychologie und bildender Kunst entsteht ein Deutungsraum, der für die Kulturgeschichte der Moderne aufschlussreich ist.
Ausführlicher Kulturüberblick
Georg Anschütz steht an einem Schnittpunkt mehrerer kulturgeschichtlicher Entwicklungen. Erstens gehört er zur Geschichte der Verwissenschaftlichung des Hörens. Seit dem späten 19. Jahrhundert wurden Ton, Klang, Tonhöhe, Lautstärke, Timbre und musikalischer Ausdruck zunehmend mit Methoden der Experimentalpsychologie und Sinnesphysiologie untersucht. Die Musik wurde dadurch nicht nur Gegenstand von Kompositionslehre und Ästhetik, sondern auch von Wahrnehmungsforschung.
Zweitens gehört Anschütz zur Geschichte der Moderne, in der die Künste nach Entsprechungen zwischen den Sinnen suchten. Die Beziehungen zwischen Musik und Malerei, Klang und Farbe, Rhythmus und Linie wurden um 1900 und in den folgenden Jahrzehnten intensiv diskutiert. Künstlerische Bewegungen wie Expressionismus, abstrakte Kunst, Bauhaus, Lichtkunst und abstrakter Film interessierten sich für Übersetzungen zwischen Klang, Farbe, Form und Bewegung. Anschütz’ Forschung gehört in diesen weiteren Zusammenhang.
Drittens berührt sein Werk die Kulturgeschichte der Synästhesie. Was im 19. Jahrhundert häufig als Sonderbegabung, Pathologie oder ästhetische Kuriosität beschrieben wurde, erschien bei Anschütz als systematisch sammelbares und vergleichbares Material. Die synästhetische Erfahrung wurde dadurch zu einem Gegenstand, der zugleich psychologisch, künstlerisch und pädagogisch gedeutet werden konnte. Gerade die Einbeziehung von Fallberichten, Zeichnungen, Farbtafeln und Kongressbeiträgen macht seine Farbe-Ton-Forschung zu einer wichtigen Quelle für die Geschichte multisensorischer Kultur.
Viertens ist Anschütz für die Geschichte der Musikpädagogik und Kunsterziehung relevant. Wenn musikalische Wahrnehmung nicht nur auditiv, sondern auch visuell, motorisch und räumlich aufgefasst wird, dann verändert dies auch die Frage, wie Musik vermittelt wird. Die Verbindung von Hören, Zeichnen, Bewegung, Farbe und innerer Vorstellung steht in der Nähe reformpädagogischer und künstlerischer Experimente der Zwischenkriegszeit.
Fünftens zeigt Anschütz’ Biographie die problematische Nähe einzelner Wissenschaftskarrieren zur politischen Geschichte der deutschen Universität. Seine wissenschaftlichen Arbeiten können nicht isoliert von der nationalsozialistischen Hochschulpolitik gelesen werden. Gerade weil seine Themen ästhetisch und scheinbar unpolitisch wirken, ist die institutionelle Einbettung wichtig. Kulturgeschichte umfasst hier nicht nur Ideen und Werke, sondern auch Machtstrukturen, Ausschlüsse, Karrieremechanismen und die Nachgeschichte belasteter Wissenschaft.
Zeitgeschichtliche Belastung und Nachkriegszeit
Die Darstellung Georg Anschütz’ muss seine Belastung in der Zeit des Nationalsozialismus ausdrücklich benennen. Er war nicht nur ein Wissenschaftler, der zufällig in diese Zeit fiel, sondern übernahm hochschulpolitische Funktionen und profitierte von der Umgestaltung der Universität. Die nationalsozialistische Wissenschaftspolitik griff massiv in Berufungen, Institutsleitungen, akademische Laufbahnen und die Ausschaltung missliebiger oder jüdischer Wissenschaftler ein. Anschütz’ Hamburger Position gehört in diesen Kontext.
Nach 1945 wurde Anschütz aus dem Hochschuldienst entlassen. In der Nachkriegszeit versuchte er, wissenschaftlich weiterzuarbeiten, unter anderem im Umfeld freier Forschungszusammenhänge. Sein spätes Werk Psychologie. Grundlagen, Ergebnisse und Probleme der Forschung zeigt, dass er weiterhin eine umfassende Gesamtdarstellung seines Faches anstrebte. Für die Rezeption blieb jedoch gerade die Spannung zwischen fachlicher Leistung und politischer Belastung bestimmend.
Für das Kulturlexikon ist daraus eine doppelte Konsequenz zu ziehen. Einerseits darf Anschütz nicht aus der Geschichte der Musikpsychologie und Synästhesieforschung gestrichen werden, weil seine Arbeiten und Kongresse wichtige Quellen darstellen. Andererseits darf seine Rolle nicht ästhetisierend neutralisiert werden. Seine wissenschaftliche Bedeutung ist nur dann angemessen dargestellt, wenn sie mit der institutionellen und politischen Geschichte seiner Karriere zusammengedacht wird.
Werkverzeichnis
Das folgende Werkverzeichnis erfasst die online nachweisbaren selbständigen Schriften, herausgegebenen Sammelbände und besonders einschlägigen musikpsychologischen beziehungsweise ästhetischen Aufsätze. Bei Zeitschriftenbeiträgen und Sonderdrucken können bibliographische Details je nach Katalog und Nachlassnachweis variieren.
| 1908 | Über Gestaltqualitäten. Inaugural-Dissertation, München. Grundlegende frühe Arbeit im Umfeld von Theodor Lipps und der Gestaltproblematik. |
|---|---|
| 1910 | Die neuen Gedanken über das Schulkind. Deutsche Bearbeitung nach Alfred Binet; pädagogisch-psychologischer Zusammenhang. |
| 1911 | Über die Methoden der Psychologie. Frühe methodologische Schrift zur Psychologie. |
| 1912 | Spekulative, exakte und angewandte Psychologie. Eine Untersuchung über die Prinzipien der psychologischen Erkenntnis. Systematische Schrift zur Grundlegung psychologischer Forschung. |
| 1912 | V. Kongress für experimentelle Psychologie. Sonderdruck aus der Pädagogischen Warte. |
| 1913 | Theodor Lipps’ neuere Urteilslehre. Eine Darstellung. Auseinandersetzung mit der Urteilstheorie seines Münchner Lehrers. |
| 1913 | Einige Bemerkungen zu meiner Kritik von O. Külpes Ausführungen „Psychologie und Medizin“ und „Über die Bedeutung der modernen Denkpsychologie“. Sonderdruck aus der Zeitschrift für Psychologie. |
| 1915 | Theodor Lipps. Sonderdruck aus dem Archiv für die gesamte Psychologie. |
| 1926 | Untersuchungen über komplexe musikalische Synopsie. Beitrag zur Analyse musikalisch ausgelöster visueller Vorstellungen. |
| 1926 | Untersuchung zur Analyse musikalischer Photismen. Arbeit zur Verbindung von Klangwahrnehmung und visueller Erscheinung. |
| 1927 | Kurze Einführung in die Farbe-Ton-Forschung. Leipzig. Programmartige Einführung in Anschütz’ Forschungsfeld. |
| 1927 | Farbe-Ton-Forschungen, Band I. Herausgegeben von Georg Anschütz, Leipzig: Akademische Verlagsgesellschaft. Sammelband zur frühen Kongress- und Forschungsarbeit. |
| 1929 | Das Farbe-Ton-Problem im psychischen Gesamtbereich. Sonderphänomene komplexer optischer Synästhesien („Sichtgebilde“). Halle: Carl Marhold. Zentrale Monographie zur komplexen Synästhesie. |
| 1930 | Abriss der Musikästhetik. Leipzig: Breitkopf & Härtel. Anschütz’ wichtigste musikästhetische Gesamtdarstellung. |
| 1930 | Zur Frage der „echten und unechten audition colorée“. Sonderdruck aus der Zeitschrift für Psychologie, Band 116. |
| 1930 | Die Farbe als seelischer Ausdruck. Beitrag im Umfeld der Farbe-Ton- und Ausdrucksforschung. |
| 1931 | Farbe-Ton-Forschungen, Band III: Bericht über den II. Kongress für Farbe-Ton-Forschung, Hamburg, 1.–5. Oktober 1930. Hamburg: Psychologisch-ästhetische Forschungsgesellschaft. |
| 1934 | Die neue Musik und unsere Jugend. Beitrag in der Pädagogischen Warte. |
| 1936 | Farbe-Ton-Forschungen, Band II. Herausgegeben von Georg Anschütz. Später erschienener Band der Sammelreihe. |
| 1936 | Über den psychologischen Ausdruck der Musik im Zeitalter der Romantik. Sonderdruck aus dem Archiv für die gesamte Psychologie. |
| 1938 | Das Verhältnis der Musik zu den bildenden Künsten im Lichte stilistischer Betrachtung. Beitrag zur Beziehung von Musik, Stil und bildender Kunst. |
| 1942 | Über das Auftreten und den Sinn subjektiver Tonempfindungen. Sonderdruck aus der Zeitschrift für Psychologie, Band 152. |
| 1952 | Die Synästhesien und das Farbe-Ton-Problem. Sonderdruck aus Neue Wissenschaft. |
| 1953 | Psychologie. Grundlagen, Ergebnisse und Probleme der Forschung. Späte Gesamtdarstellung psychologischer Grundfragen. |
Sekundärliteratur
- Guhl, Anton F.: Anschütz, Georg. In: Franklin Kopitzsch und Dirk Brietzke (Hrsg.): Hamburgische Biografie. Personenlexikon, Band 6. Göttingen: Wallstein, 2012.
- Grüttner, Michael: Biographisches Lexikon zur nationalsozialistischen Wissenschaftspolitik. Heidelberg: Synchron, 2004.
- Haverkamp, Michael: Die „Farbe-Ton-Forschung“ in Hamburg 1925–1936. In: DAGA 2011. Beitrag zur Geschichte der Hamburger Farbe-Ton-Forschung.
- Jewanski, Jörg: Farbe-Ton-Forschungen (Georg Anschütz, Leipzig 1927, Hamburg 1931 und 1936). In: Hartmut Grimm, Melanie Wald-Fuhrmann und Felix Wörner (Hrsg.): Lexikon Schriften über Musik. Band 2: Musikästhetik in Europa und Nordamerika. Kassel: Bärenreiter, 2022.
- Klee, Ernst: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945? Frankfurt am Main: S. Fischer, 2003.
- Müllensiefen, Daniel: Anschütz, (Ernst) Georg. In: MGG Online, veröffentlicht November 2016; Erstdruck in Die Musik in Geschichte und Gegenwart, zweite Ausgabe, Personenteil 1, Kassel u. a. 1999.
- Wellek, Albert: In memoriam Georg Anschütz. In: Die Musikforschung, 7. Jahrgang, 1954.
- Wolfradt, Uwe; Billmann-Mahecha, Elfriede; Stock, Armin (Hrsg.): Deutschsprachige Psychologinnen und Psychologen 1933–1945. Wiesbaden: Springer VS, 2015.
Ausgewählte Onlinequellen
- Adolf-Würth-Zentrum für Geschichte der Psychologie: Finding Aid for Georg Ernst Anschütz Umfangreiches Findbuch zum Nachlass mit Kurzbiographie, Laufbahndaten, Nachlassstruktur und Hinweisen auf Schriften, Korrespondenzen und Forschungszusammenhänge.
- Archivportal-D: Georg Anschütz Normdatenbasierter Personeneintrag mit biographischen Eckdaten und weiterführenden Verknüpfungen.
- Bayerisches Musiker-Lexikon Online: Riemann 12/1959, Georg Anschütz Musiklexikalischer Kurzartikel mit Angaben zu Lebensdaten, Ausbildung, Hamburger Tätigkeit, Farbe-Ton-Kongressen und musikbezogenen Veröffentlichungen.
- Deutsche Biographie: Anschütz, Georg Normdaten- und Lexikonportal mit Lebensdaten, Berufsfunktionen, Namensvarianten und vernetzten Angeboten.
- Deutsche Digitale Bibliothek: Georg Anschütz Kultur- und bibliotheksnaher Personeneintrag mit Geburts- und Sterbedaten, Werkhinweisen und externen Normdatenlinks.
- Deutsches Farbenzentrum: Georg Anschütz und seine Grundlagenwerke zur Synästhesieforschung Einordnung der Anschütz’schen Farbe-Ton-Forschungen aus der Perspektive der Farb- und Synästhesieforschung.
- DFG GEPRIS Historisch: Anschütz, Georg Historischer DFG-Personeneintrag mit Lebensdaten, Wirkungsort Hamburg und Anträgen zur Farbe-Ton-Forschung.
- Kalliope-Verbund: Anschütz, Georg (1886–1953) Archivischer Normdateneintrag mit GND, Verweisungsformen und Nachweisen zu Handschriften und Nachlassbezügen.
- MGG Online: Anschütz, Georg Fachlexikalischer Artikel zur musikgeschichtlichen und musikpsychologischen Einordnung; teilweise nur mit institutionellem Zugang vollständig nutzbar.
- Michael Haverkamp: Die „Farbe-Ton-Forschung“ in Hamburg 1925–1936 Wissenschaftlicher Kurzbeitrag zur Hamburger Farbe-Ton-Forschung, zu den Kongressen und zu Anschütz’ Rolle in der frühen Synästhesieforschung.
Weiterführende Einträge
- Absolute Musik Begriff für Musik ohne ausdrücklich außermusikalisches Programm; wichtig als Gegenpol zu synästhetischen und bildbezogenen Musikdeutungen.
- Akustik Lehre vom Schall und seinen physikalischen Bedingungen; Grundlage für psychologische und ästhetische Klangforschung.
- Ästhetik Philosophische und kulturwissenschaftliche Reflexion über Wahrnehmung, Schönheit, Kunst und ästhetisches Urteil.
- Bauhaus Kunstschule der Moderne, in deren Umfeld Fragen nach Farbe, Form, Bewegung und multisensorischer Gestaltung eine zentrale Rolle spielten.
- Alfred Binet Französischer Psychologe, dessen pädagogisch-psychologische Arbeiten für Anschütz’ frühe Entwicklung wichtig waren.
- Farbe-Ton-Forschung Interdisziplinäres Forschungsfeld zu Beziehungen zwischen Klang, Farbe, Form, Bild und synästhetischer Wahrnehmung.
- Farbenhören Form der Synästhesie, bei der Töne, Klänge oder musikalische Zusammenhänge mit Farbeindrücken verbunden sind.
- Gestaltpsychologie Psychologische Richtung, die Wahrnehmung als Bildung strukturierter Ganzheiten beschreibt.
- Hamburg Wichtiger Wirkungsort Anschütz’ und Schauplatz der Farbe-Ton-Kongresse.
- Intermedialität Begriff für Beziehungen und Übergänge zwischen verschiedenen Medien und Künsten, etwa zwischen Musik und Bild.
- Theodor Lipps Psychologe und Philosoph; akademischer Lehrer Anschütz’ und wichtig für Fragen der Einfühlung, Ästhetik und Gestaltqualität.
- Ernst Meumann Experimentalpsychologe und Pädagoge, in dessen Hamburger Umfeld Anschütz wirkte.
- Musikästhetik Theorie musikalischer Schönheit, Wirkung, Form und Erfahrung; zentrales Arbeitsfeld Anschütz’.
- Musikpädagogik Feld der musikalischen Bildung und Vermittlung, das durch Farbe-Ton- und Wahrnehmungsfragen neue Impulse erhielt.
- Musikpsychologie Untersuchung musikalischer Wahrnehmung, Wirkung, Vorstellung und Erfahrung.
- Musikwissenschaft Wissenschaft von Musik, ihrer Geschichte, Theorie, Analyse, Praxis und kulturellen Bedeutung.
- Oskar Rainer Musikpädagoge und Vertreter musikalischer Graphik, wichtig für die Verbindung von Klang, Zeichnung und Unterricht.
- Psychologie Wissenschaft vom Erleben und Verhalten; bei Anschütz eng mit Ästhetik und Musik verbunden.
- William Stern Psychologe und Hamburger Institutsleiter, dessen Schicksal für die Universitätsgeschichte der NS-Zeit von Bedeutung ist.
- Synästhesie Verknüpfung verschiedener Sinnesmodalitäten, etwa von Hören und Sehen.
- Universität Hamburg Institutioneller Rahmen von Anschütz’ Hamburger Tätigkeit und seiner späteren Hochschulkarriere.
- Visual Music Künstlerisches und theoretisches Feld, das Musik, Farbe, Bewegung und Bild miteinander verbindet.
- Albert Wellek Musikpsychologe, der mit Fragen des absoluten Gehörs, der Synästhesie und der Musikpsychologie verbunden ist.
- Wilhelm Wundt Begründer der experimentellen Psychologie; wichtiger Bezugspunkt für Anschütz’ psychologische Ausbildung.