Gaetano Andreozzi
Überblick
Gaetano Andreozzi war ein italienischer Komponist, Opernkomponist, Oratorienkomponist, Kammermusikautor und Gesanglehrer. Er wurde am 22. Mai 1755 in Aversa geboren und starb am 21. oder 24. Dezember 1826 in Paris. Wegen seiner Verwandtschaft und seiner Ausbildung bei Niccolò Jommelli erhielt er den Beinamen Jommellino, also „kleiner Jommelli“. Dieser Beiname ordnet ihn unmittelbar in die Tradition der neapolitanischen Schule ein, verweist aber zugleich auf eine gewisse Abhängigkeit seines Nachruhms von einem berühmteren Namen.
Andreozzi gehörte zur Generation nach Jommelli, Niccolò Piccinni, Antonio Sacchini, Giovanni Paisiello und Domenico Cimarosa. Er wirkte in einer Opernwelt, in der das italienische Theater weiterhin europaweit dominierte, zugleich aber durch Reformtendenzen, neue Sängerprofile, veränderte Textbücher, politische Umbrüche und den beginnenden Wandel um 1800 unter Druck geriet. Seine Karriere führt von Neapel über Florenz, Venedig, Rom, Madrid, Palermo, Turin und Neapel bis nach Paris.
Sein Werk umfasst vor allem Opern. Die Zahl wird in modernen Nachschlagewerken häufig mit etwa fünfundvierzig Bühnenwerken angegeben. Dazu kommen Oratorien, geistliche dramatische Werke, Kantaten, Huldigungswerke und Kammermusik. Besonders wichtig sind L’equivoco, L’Arbace, I pazzi per disimpegno, L’Olimpiade, Bajazet, Catone in Utica, Agesilao, Arminio, Teodelinda, La morte di Cesare, Angelica e Medoro, Amleto, Ines de Castro, Giasone e Medea, Saulle, Arsinoe, La morte di Cleopatra, Pamela nubile, Armida e Rinaldo, Piramo e Tisbe, Sedesclavo, Il trionfo di Tomiri und Tutti i torti son dei mariti.
Andreozzi war kein revolutionärer Erneuerer von der historischen Sichtbarkeit eines Mozart, Cimarosa oder Paisiello. Seine Bedeutung liegt anders: Er zeigt, wie die italienische Opernproduktion des späten 18. Jahrhunderts funktionierte. Er schrieb für wechselnde Theater, Sänger und Städte; er verarbeitete Librettisten wie Metastasio, Sografi, Foppa, Boggio, Cammarano und Schmidt; er bewegte sich zwischen Opera seria, Opera buffa, dramma per musica, Fastenoratorium und instrumentaler Kammermusik. Gerade in dieser Mobilität verkörpert er den professionellen italienischen Theaterkomponisten am Ende des 18. Jahrhunderts.
Nach 1805 trat die Bühnenproduktion zurück. Andreozzi widmete sich zunehmend dem Gesangsunterricht, insbesondere in Neapel. 1825 ging er wegen verschlechterter finanzieller Verhältnisse nach Paris, wo ihn eine ehemalige Schülerin, Maria Carolina, Herzogin von Berry und Tochter König Franz’ I. von Neapel, unterstützte. Sein Tod in Paris markiert das Ende einer Laufbahn, die zwischen dem alten europäischen Opernsystem des Ancien Régime und der nachnapoleonischen Neuordnung des Musiklebens steht.
Kurzdaten
| Name | Gaetano Andreozzi; auch Gaetano Andreozzi detto Jommellino beziehungsweise Iommellino. |
|---|---|
| Beiname | Jommellino, Jommelino oder Iommellino, nach seinem Onkel mütterlicherseits und Lehrer Niccolò Jommelli. |
| Geburtsdatum | 22. Mai 1755. |
| Geburtsort | Aversa, damals Königreich Neapel. |
| Sterbedatum | 21. oder 24. Dezember 1826; in manchen Nachweisen erscheint nur der 21. Dezember, Treccani nennt ausdrücklich die Unsicherheit 21 oder 24 Dezember. |
| Sterbeort | Paris. |
| Beruf | Komponist, Opernkomponist, Oratorienkomponist, Kammermusikautor, Theaterkomponist, Maestro di cappella, Cembalomeister, Gesanglehrer und Vertreter der neapolitanischen Schule. |
| Eltern | Gennaro Andreozzi und Candida Capone. |
| Ausbildung | Conservatorio di Santa Maria di Loreto in Neapel; Unterricht bei Niccolò Jommelli, Pietrantonio Gallo und Fedele Fenaroli. |
| Ehefrau | Anna De Santi, Sopranistin, Schülerin Andreozzis und Sängerin in mehreren seiner Opern. |
| Wichtige Orte | Aversa, Neapel, Rom, Florenz, Venedig, Pisa, Livorno, Genua, Turin, Palermo, Madrid, Lissabon und Paris. |
| Hauptgattungen | Opera seria, Opera buffa, dramma per musica, dramma serio per musica, Oratorium, geistliches Bühnenwerk, Kantate, Festmusik, Streichquartett und Bläser-Streichquintett. |
| Hauptwerke | Catone in Utica, Agesilao, Teodelinda, La morte di Cesare, Angelica e Medoro, Amleto, Ines de Castro, Giasone e Medea, Saulle, Arsinoe, La morte di Cleopatra, Pamela nubile, Armida e Rinaldo, Piramo e Tisbe und Sedesclavo. |
| Kammermusik | Sechs Streichquartette op. 1, drei Quintette für Flöte und Streicher sowie drei Quintette für Oboe und Streicher. |
| Kulturgeschichtlicher Rang | Andreozzi ist ein repräsentativer spätnapolitanischer Opernkomponist der Jahrzehnte um 1780 bis 1815, dessen Werk die europäische Mobilität italienischer Oper, die Bedeutung der Sänger und die Mischlage von Opera seria, Opera buffa, Oratorium und Kammermusik sichtbar macht. |
Name, Beiname und Quellenlage
Der Name Gaetano Andreozzi ist in der modernen Forschung stabil, doch die ältere Überlieferung enthält mehrere Unsicherheiten. Eine betrifft den Beinamen. Er erscheint als Jommellino, Iommellino oder Jommelino. Gemeint ist stets der Hinweis auf Niccolò Jommelli, der Andreozzis Onkel mütterlicherseits und einer seiner wichtigsten Lehrer war. Der Beiname ist damit zugleich biographisch, schulgeschichtlich und reputationsbildend.
Eine zweite Unsicherheit betrifft ältere Lexikonangaben. Einzelne ältere Nachschlagewerke und zusammenfassende Darstellungen nennen abweichende Geburtsjahre wie 1775 oder falsche Geburtsorte. Die fachlich belastbarere Angabe lautet Aversa, 22. Mai 1755. Auch beim Sterbedatum bleibt eine kleine Unsicherheit: Paris ist sicher, doch der Tod wird als 21. oder 24. Dezember 1826 angegeben. Diese Seite übernimmt daher die vollständige, quellenkritisch offene Form 21. oder 24. Dezember 1826.
Eine dritte Schwierigkeit betrifft das Werkverzeichnis. Die Opernproduktion Andreozzis wurde durch Wiederaufnahmen, Umtitelungen, Neubearbeitungen, nicht immer eindeutige Librettoüberlieferung und ältere Zuschreibungsfehler unübersichtlich. Das gilt besonders für Werke, die in verschiedenen Städten unter veränderten Titeln oder mit bearbeiteten Schlussakten erschienen. Das Werkverzeichnis dieser Seite folgt deshalb einer vorsichtigen Ordnung: sicher belegte Opern und Oratorien werden genannt, zweifelhafte Titel werden ausdrücklich als zweifelhaft oder quellenkritisch unsicher markiert.
Leben
Gaetano Andreozzi wurde am 22. Mai 1755 in Aversa geboren. Seine Eltern waren Gennaro Andreozzi und Candida Capone. Durch die Mutter war er mit Niccolò Jommelli verbunden, einem der bedeutenden Opernkomponisten der neapolitanischen Schule. Diese Verwandtschaft wurde für seine musikalische Identität so prägend, dass sie im Beinamen Jommellino dauerhaft sichtbar blieb.
Seine Ausbildung erhielt Andreozzi am Conservatorio di Santa Maria di Loreto in Neapel. Dort studierte er Komposition, Kontrapunkt, Harmonielehre und Gesang. Als Lehrer werden Niccolò Jommelli, Pietrantonio Gallo und Fedele Fenaroli genannt. Die ältere Behauptung, er habe an der Pietà dei Turchini studiert, wird in der neueren Fachüberlieferung korrigiert. Damit gehört Andreozzi eindeutig in die Linie der neapolitanischen Konservatorien, deren Absolventen die europäische Opernbühne des 18. Jahrhunderts in hohem Maß prägten.
Sein erstes sicher fassbares Werk war nicht, wie ältere Angaben behaupten, eine frühe Oper, sondern das geistliche Werk Giefte, das am 28. Februar 1779 in Rom in der Chiesa Nuova aufgeführt wurde. In den folgenden Jahren wandte er sich der Oper zu. Bereits Anfang der 1780er Jahre schrieb er für Florenz, Livorno, Venedig, Pisa, Genua und andere italienische Theater. Er bewegte sich dabei zwischen komischen und ernsten Formen, wobei sich spätestens seit den späteren 1780er Jahren der Schwerpunkt zunehmend zur ernsten Oper verlagerte.
1781 erschienen L’equivoco in Florenz und L’Arbace in Livorno. 1782 folgten I pazzi per disimpegno in Venedig und L’Olimpiade in Pisa. 1783 brachte er unter anderem Bajazet, La vergine del sole, Medonte re d’Epiro und L’amore industrioso heraus. Diese rasche Folge zeigt, dass Andreozzi früh in den praktischen Produktionsrhythmus der italienischen Theater eintrat.
1785 und 1786 waren für seine Laufbahn besonders wichtig. Didone abbandonata, Partenope sul lido etrusco, Le tre fanatiche, Catone in Utica und Virginia zeigen die Spannweite von Opera seria, komischem Theater und Fest- beziehungsweise Gelegenheitswerk. Im Frühjahr 1786 heiratete Andreozzi in Florenz die junge Sopranistin Anna De Santi, die seine Schülerin war und später in mehreren seiner Werke sang. Die Ehe war daher auch eine künstlerische Verbindung zwischen Komponist, Sängerin und Theaterbetrieb.
1788 und 1789 festigte Andreozzi seinen Ruf als Komponist ernster Opern. Agesilao, Arminio, Teodelinda, Giovanna d’Arco, Artaserse, Sesostri und La morte di Cesare gehören in diese Phase. Besonders Teodelinda am Teatro Regio in Turin und La morte di Cesare am Teatro Argentina in Rom zeigen, dass er in bedeutenden Häusern präsent war.
1791 ging Andreozzi mit Anna De Santi nach Madrid. Am Teatro de los Caños del Peral wurden Angelica e Medoro und Didone abbandonata aufgeführt. Andreozzi war dort als maestro di clavicembalo der Operncompagnie tätig, während seine Frau als Sängerin hervortrat. Die Madrider Episode zeigt den europaweiten Aktionsradius italienischer Opernkomponisten und Sängerinnen, aber auch die Abhängigkeit solcher Karrieren von Theaterleitungen, Verträgen und lokalen Machtverhältnissen.
Nach der Rückkehr nach Italien arbeitete Andreozzi weiterhin für verschiedene Theater. In den 1790er Jahren entstanden Amleto, Gli amanti in Tempe, Le nozze inaspettate, Ines de Castro, Giasone e Medea, La principessa filosofa, Arsinoe, Il trionfo d’Arsace, La morte di Cleopatra, Assuero ossia La regina Ester, Argea und Pamela nubile. Die Französische Revolution, die Koalitionskriege und die politischen Verwerfungen in Italien veränderten jedoch die Bedingungen des Theaterbetriebs.
Um 1800 verschob sich seine Tätigkeit erneut. Anna De Santi nahm eine Stellung in Dresden an und starb 1802 bei einem Unfall auf der Rückreise von Pillnitz beziehungsweise Dresden. Andreozzi heiratete später erneut und wandte sich nach 1805 zunehmend dem Gesangsunterricht zu. In Neapel erwarb er sich als Lehrer einen besonderen Ruf, vor allem in aristokratischen Kreisen. Zugleich versuchte er 1806, die Leitung des Teatro San Carlo als Impresario zu übernehmen; politische Ereignisse verhinderten jedoch eine dauerhafte Umsetzung dieses Plans.
1825 reiste Andreozzi nach Paris, offenbar wegen finanzieller Schwierigkeiten. Dort unterstützte ihn Maria Carolina, Herzogin von Berry, die Tochter König Franz’ I. von Neapel und eine frühere Schülerin. Andreozzi starb in Paris am 21. oder 24. Dezember 1826. Sein Lebensende steht in deutlichem Kontrast zu der früheren europaweiten Theateraktivität: Der einst gefragte Opernkomponist endete in relativer Bedürftigkeit, während sich die musikalische Mode bereits dem neuen Opernzeitalter Rossinis und der romantischen Bühne zugewandt hatte.
Kulturüberblick
Gaetano Andreozzi gehört in die letzte große Phase der italienischen Oper des 18. Jahrhunderts. Diese Opernkultur beruhte auf einem dichten Netz von Theatern, Impresari, Sängern, Librettisten, Komponisten, Kopisten, reisenden Ensembles und lokalen Patronen. Ein Komponist musste schnell arbeiten, vorhandene Texte neu vertonen, Arien für bestimmte Sänger einrichten, Werke für andere Städte anpassen und zwischen festlichen, komischen, ernsten und geistlichen Aufführungskontexten wechseln.
Die neapolitanische Schule war in diesem System besonders wichtig. Sie stellte nicht nur einzelne Komponisten hervor, sondern eine Ausbildungstradition. Die Konservatorien Neapels lieferten den europäischen Theatern Sänger, Kapellmeister, Opernkomponisten, Lehrer und Instrumentalisten. Andreozzi ist ein typisches Produkt dieser Kultur. Er besitzt solide kontrapunktische Ausbildung, melodische Beweglichkeit, theatralisches Handwerk und praktische Anpassungsfähigkeit.
Seine Laufbahn zeigt zugleich den Wandel der Opera seria. Die traditionelle metastasianische Form war noch präsent; L’Olimpiade, Artaserse, Catone in Utica, Didone abbandonata und Isacco figura del Redentore verweisen auf Pietro Metastasio als zentrale Autorität. Daneben treten neue dramatische Stoffe, dunklere tragische Sujets, politische Konflikte, antike Machtgeschichten, Shakespeare-Bearbeitungen und Stoffe wie Amleto, Ines de Castro, Giasone e Medea, Saulle und La morte di Cleopatra.
Andreozzis Karriere ist auch eine Geschichte der Sänger. Seine Frau Anna De Santi sang in mehreren seiner Werke und war für seine Madrider Episode zentral. Auch Namen wie Girolamo Crescentini, Domenico Mombelli, Giacomo David und andere berühmte Sänger des späten 18. Jahrhunderts erscheinen im Aufführungskontext seiner Opern. Die Oper war damals nicht allein Komponistenkunst, sondern ein Zusammenspiel von Partitur, Stimme, Virtuosität, Theaterort und Publikumserwartung.
Kulturgeschichtlich bemerkenswert ist ferner die Verbindung von Oper und Oratorium. In der Fastenzeit durften in manchen Städten keine regulären Opern gespielt werden; stattdessen entstanden geistliche dramatische Werke oder oratorienähnliche Aufführungen, die theatral, musikalisch und gesanglich den Opern nahe standen. Andreozzis Giefte, Isacco figura del Redentore, Saulle, Assuero ossia La regina Ester und La passione di Gesù Cristo gehören in diesen Zwischenraum von Frömmigkeit, Theater und Gesangskunst.
Neapolitanische Schule und Ausbildung
Andreozzis Ausbildung am Conservatorio di Santa Maria di Loreto stellt ihn in eine der produktivsten musikalischen Ausbildungslandschaften Europas. Die neapolitanischen Konservatorien vermittelten Kontrapunkt, Partimento, Generalbass, Gesang, Opernkomposition und praktische Theaterfähigkeit. Wer diese Schule durchlief, war in der Lage, Musik für konkrete Aufführungssituationen schnell und zuverlässig zu liefern.
Fedele Fenaroli war als Lehrer und Partimento-Meister ein zentraler Vertreter dieser Tradition. Pietrantonio Gallo vermittelte die ältere kontrapunktische Praxis. Niccolò Jommelli stand für die Verbindung von neapolitanischer Melodik, dramatischer Verdichtung und internationaler Opernerfahrung. Andreozzi erhielt also eine Ausbildung, die sowohl handwerklich als auch theatral geprägt war.
Der Beiname Jommellino kann daher doppelt gelesen werden. Einerseits adelt er Andreozzi durch die Verbindung mit Jommelli. Andererseits machte er ihn in der späteren Wahrnehmung leicht zu einer Nebenfigur des berühmteren Verwandten. Seine eigene historische Stellung wird genauer sichtbar, wenn man ihn nicht als „kleinen Jommelli“, sondern als eigenständigen Theaterpraktiker der Generation nach Jommelli betrachtet.
Opernkultur, Theaterorte und Sänger
Andreozzis Opern wurden in einer Vielzahl von Theatern aufgeführt. Dazu gehörten Florenz mit La Pergola und der Pallacorda, Venedig mit San Moisè, San Samuele und San Benedetto, Neapel mit San Carlo, Teatro del Fondo, Teatro Nuovo und Teatro dei Fiorentini, Rom mit Teatro Argentina und Teatro delle Dame, Turin mit Teatro Regio und Teatro Nazionale, außerdem Pisa, Livorno, Genua, Palermo, Padua, Vicenza, Triest, Parma, Lissabon und Madrid.
Diese Theaterlandschaft erklärt die große Zahl der Werke. Ein Komponist schrieb für Karneval, Herbstsaison, Himmelfahrtsmesse, Fastenzeit, für königliche Geburtstage, Hochzeiten, Benefizabende oder lokale Festanlässe. Werke konnten in einer Stadt entstehen und in einer anderen überarbeitet werden. Arien wurden ausgetauscht, Rollen auf Sänger zugeschnitten, Schlüsse verändert und Libretti neu gedruckt.
Andreozzi war in diesem System ein erfahrener Praktiker. Seine Opern zeigen eine starke Orientierung auf die Bedürfnisse der Bühne. Sie sind weniger als autonome Kunstwerke im späteren romantischen Sinn zu verstehen, sondern als Aufführungsprodukte, die aus Sängerprofil, Textbuch, Theaterraum, Saison und Publikum hervorgingen. Gerade darin liegt ihr kulturhistorischer Wert.
Madrid, Neapel und Paris
Die Madrider Episode von 1791 gehört zu den interessantesten Momenten seiner Biographie. Andreozzi wurde im Umfeld des Teatro de los Caños del Peral tätig und begleitete vermutlich seine Frau Anna De Santi, die dort sang. Die Aufführungen von Angelica e Medoro und Didone abbandonata zeigen, dass italienische Opernstoffe und italienische Sänger in Spanien weiterhin hohes Ansehen genossen. Gleichzeitig war diese internationale Karriere instabil. Konflikte mit der Theaterleitung führten zur Rückkehr nach Italien.
Neapel blieb für Andreozzi ein zentraler Bezugspunkt. Hier hatte er studiert, hier schrieb er für das Teatro San Carlo und andere Häuser, hier entwickelte er nach dem Rückgang seiner Opernkarriere seinen Ruf als Gesanglehrer. Der Versuch, 1806 als Impresario des San Carlo dauerhaft tätig zu werden, zeigt, dass er nicht nur Komponist, sondern auch Theaterunternehmer sein wollte.
Paris wurde sein letzter Aufenthaltsort. Der Weg nach Paris 1825 war kein Triumphzug, sondern eine späte Notlösung. Die Unterstützung durch Maria Carolina, Herzogin von Berry, belegt die fortdauernde Bedeutung aristokratischer Patronage, aber auch die fragile Stellung älterer Opernkomponisten in einer veränderten musikalischen Öffentlichkeit.
Stilistische Einordnung
Andreozzi wurde von Zeitgenossen und späteren Autoren als handwerklich sicherer, melodisch produktiver und theatral erfahrener Komponist beschrieben. Sein Stil ist stärker dem ernsten Genre zugewandt, obwohl er auch komische Opern schrieb. Die Entwicklung seiner Werkfolge zeigt, dass die Opera seria spätestens seit den späten 1780er Jahren sein Hauptgebiet wurde.
In seinen Opern findet man die typischen Bausteine des späten 18. Jahrhunderts: Rezitative, virtuose Arien, Ensembles, Chöre, dramatische Schlusssituationen und Rollen, die auf bestimmte Sänger zugeschnitten sind. Anders als bei radikalen Reformkomponisten steht bei ihm nicht die theoretische Erneuerung im Vordergrund, sondern die flexible Beherrschung des gängigen Theateridioms.
Seine Kammermusik ist für die Einordnung besonders interessant. Die sechs Streichquartette op. 1 und die Quintette für Flöte beziehungsweise Oboe und Streicher zeigen, dass Andreozzi nicht nur Bühnenkomponist war. In der älteren Bewertung wurde gerade seine Quartettbehandlung als ausgewogen und erfindungsreich beschrieben, mit Nähe zu einer klassisch geordneten Satztechnik. Dadurch gehört Andreozzi auch in den Zusammenhang der italienischen Kammermusikproduktion am Ende des 18. Jahrhunderts.
Werkverzeichnis
Das folgende Werkverzeichnis fasst die wichtigsten Opern, Oratorien, Kantaten, geistlichen dramatischen Werke und Kammermusikwerke Gaetano Andreozzis zusammen. Aufgrund der bei Andreozzi häufigen Umtitelungen, Wiederaufnahmen, Bearbeitungen und älteren Zuschreibungsprobleme werden zweifelhafte Titel ausdrücklich gekennzeichnet. Die Ordnung folgt nicht streng einer einzigen Quelle, sondern verbindet chronologische Werkfolge, Gattung und quellenkritische Hinweise.
| Giefte, 1779 | Componimento sacro beziehungsweise Oratorium; aufgeführt am 28. Februar 1779 in Rom, Chiesa Nuova. In der neueren Fachüberlieferung als erstes sicher fassbares Werk Andreozzis genannt. |
|---|---|
| L’equivoco, 1781 | Opera buffa; Florenz, Teatro La Pergola, 8. Juni 1781. Frühes Bühnenwerk aus der komischen Linie Andreozzis. |
| L’Arbace, 1781 | Oper beziehungsweise dramma per musica; Livorno, Teatro San Sebastiano, 12. September 1781. In der frühen Werkphase angesiedelt. |
| I pazzi per disimpegno, 1782 | Opera buffa; Venedig, Teatro San Moisè, Karneval 1782. Beispiel für Andreozzis komische Theaterproduktion. |
| L’Olimpiade, 1782 | Dramma per musica nach dem Libretto Pietro Metastasios; Pisa, Teatro Prini, Frühjahr 1782. Zeigt Andreozzis Anschluss an den metastasianischen Opernkanon. |
| Bajazet, 1783 | Opera seria beziehungsweise dramma per musica; Florenz, Teatro La Pergola, Karneval 1783. Antiker beziehungsweise orientalisch-höfischer Herrscherstoff im Seria-Repertoire. |
| La vergine del sole, 1783 | Dramma per musica; Genova, Teatro Sant’Agostino, Frühjahr 1783, mit späteren Nachweisen in Palermo und Livorno. Das Werk gehört zu Andreozzis exotisch-seriösem Repertoire. |
| Medonte re d’Epiro, 1783 | Opera buffa beziehungsweise dramma giocoso in der Werküberlieferung; Alessandria, Teatro Comunale, Herbst 1783. Der Titel zeigt die zeittypische Nähe von dynastischem Stoff und komischer beziehungsweise gemischter Bühnenform. |
| L’amore industrioso, 1783 | Opera buffa; Florenz, Teatro della Pallacorda, Herbst 1783. Frühwerk der komischen Linie. |
| Quello che può accadere, 1784 | Opera buffa; Venedig, Teatro San Samuele, Karneval 1784. Gehört zur venezianischen komischen Theaterproduktion Andreozzis. |
| Didone abbandonata, 1785 | Dramma per musica nach Pietro Metastasio; Pisa, Teatro Prini, 30. April 1785. Das Werk wurde später im Zusammenhang der Madrider Aufführung mit Anna De Santi wichtig. |
| Partenope sul lido etrusco, 1785 | Azione teatrale in einem Akt, Text von Cristoforo Boccella; Lucca, Castiglioncelli, 22. Mai 1785. Gelegenheits- und Festwerk mit allegorischem beziehungsweise höfischem Charakter. |
| Le tre fanatiche, 1785 | Opera buffa; Neapel, Teatro del Fondo, Karneval 1785. Komisches Werk für den neapolitanischen Theaterbetrieb. |
| Isacco figura del Redentore, 1785 | Oratorium in zwei Teilen nach Pietro Metastasio; Jesi, Herbst 1785. Geistliches Werk in der Tradition des italienischen Oratoriums. |
| Catone in Utica, 1786 | Opera seria nach Pietro Metastasio; Cremona, Teatro della Società, 1786. Eines der wichtigsten Werke Andreozzis und ein Beispiel für seine Arbeit am klassischen Seria-Stoff. |
| Medea, 1786 | In Werklisten als Oper beziehungsweise Vorform oder verwandter Medea-Stoff genannt. Die genaue Abgrenzung zu Giasone e Medea erfordert quellenkritische Vorsicht. |
| Virginia, 1786 | Dramma per musica in drei Akten; Genua, Teatro Sant’Agostino, 27. oder 30. Dezember 1786. Spätere Aufführungen sind unter anderem in Perugia, Florenz und Reggio Emilia nachweisbar. |
| La pace tra Amore e Imeneo, 1787 | Componimento drammatico, Text von Lorenzo Pignotti; Florenz, Teatro degli Intrepidi beziehungsweise Teatro della Pallacorda, 11. September 1787. Fest- und Huldigungswerk. |
| Agesilao, 1788 | Dramma per musica, Libretto von Francesco Ballani; Venedig, Teatro San Benedetto, Karneval 1788. Das Werk trug zur Festigung von Andreozzis Ruf als Seria-Komponist bei. |
| Arminio, 1788 | Dramma per musica; Venedig, Teatro San Benedetto, Himmelfahrtsmesse 1788. Historisch-politischer Stoff im seriösen Opernidiom. |
| Teodelinda, 1789 | Dramma per musica in drei Akten, Libretto von Giandomenico Boggio; Turin, Teatro Regio, 24. Januar 1789. Bedeutende Aufführung an einem wichtigen höfischen Theater. |
| Giovanna d’Arco oder La Pulcella d’Orléans, 1789 | Opernwerk; Vicenza, Teatro Eretenio, 27. Juni 1789. Historisch-heroischer Stoff um Jeanne d’Arc. |
| Artaserse, 1789 | Dramma per musica nach Pietro Metastasio; Livorno, Teatro Nuovo degli Armeni, Herbst 1789. Weiteres Beispiel für Andreozzis Arbeit am metastasianischen Kanon. |
| Sesostri, 1789 oder 1802 | Dramma per musica nach Pietro Pariati beziehungsweise in Neapel am Teatro San Carlo belegt. Die Datierung erscheint in Werklisten uneinheitlich und muss je nach Fassung geprüft werden. |
| La morte di Cesare, 1789 | Dramma per musica; Rom, Teatro Argentina, 27. Dezember 1789. Ältere Überlieferungen datierten das Werk irrtümlich früher; es gehört zu Andreozzis römischer Seria-Präsenz. |
| Angelica e Medoro, 1791 | Dramma per musica; Venedig, Teatro San Benedetto, 1. März 1791, später Madrid, Teatro de los Caños del Peral, 5. Mai 1791. Für Andreozzis Madrider Episode besonders wichtig. |
| Gustavo, re di Svezia, 1791 | Zweifelhafter beziehungsweise nicht sicher belegter Titel. In älteren Darstellungen wird ein Madrider Zusammenhang behauptet, doch die neuere Quellenlage ist unsicher. |
| Il finto cieco, 1791 | Opera buffa; Neapel, Teatro Nuovo, 1791. Komisches Werk aus der neapolitanischen Phase. |
| Amleto, 1792 | Dramma per musica, Libretto von Giuseppe Maria Foppa nach Ducis beziehungsweise Shakespeare-Tradition; Padua, Teatro Nuovo, Fiera del Santo 1792. Eines der kulturgeschichtlich interessantesten Werke Andreozzis, weil es den Hamlet-Stoff in die italienische Oper überträgt. |
| Gli amanti in Tempe, 1792 | Opernwerk; Florenz, Teatro della Pallacorda, 4. August 1792. Pastoral-liebesdramatischer Titel im späten 18. Jahrhundert. |
| Le nozze inaspettate, 1793 | Opera buffa; Neapel, Teatro dei Fiorentini, 1793. Komisches Werk für den neapolitanischen Theaterbetrieb. |
| Ines de Castro, 1793 | Opernwerk; Florenz, Teatro La Pergola, 8. September 1793. Tragischer Stoff aus der portugiesischen Geschichte, in der italienischen Oper des späten 18. Jahrhunderts beliebt. |
| Sofronia ed Olindo, 1793 | Drama beziehungsweise Opernwerk nach Torquato Tassos Gerusalemme liberata; im San-Carlo-Kontext genannt. Zeigt Andreozzis Anschluss an episch-ritterliche Stoffe. |
| Giasone e Medea, 1793 | Dramma per musica in zwei Akten, Libretto Antonio Simone Sografis beziehungsweise in einzelnen Librettoangaben Giovanni Palazzi; Neapel, Teatro San Carlo, 4. November 1793. Spätere Aufführung in Florenz 1800. Zentrales Werk der tragisch-mythologischen Linie Andreozzis. |
| Saulle, 1794 | Oratorium beziehungsweise opera sacra per musica; Neapel, Teatro del Fondo, 1794. Spätere Aufführungen unter anderem in Lissabon, Livorno, Ferrara, Verona und Florenz belegen seine Wirkung. |
| La principessa filosofa ossia Il contraveleno, 1794 | Opera buffa; Venedig, Teatro San Benedetto, Herbst 1794. Spätes Beispiel der komischen Produktion. |
| Arsinoe, 1795 | Dramma per musica, Text von Michele Rispoli; Neapel, Teatro San Carlo, 13. August 1795. Seria-Werk für einen königlichen beziehungsweise höfischen Festkontext. |
| Il trionfo d’Arsace, 1795 | Dramma per musica; Rom, Teatro Argentina, 26. Dezember 1795. Werk aus der römischen Theaterproduktion. |
| Amelia ed Ottiero, 1797 | Dramma per musica; Triest, Teatro Regio, Herbst 1797. Werk der norditalienisch-adriatischen Theaterlandschaft. |
| La morte di Cleopatra, 1797 | Dramma per musica; Palermo, Teatro Santa Cecilia, 1797. In einzelnen Werklisten als zweifelhaft markiert, jedoch in der älteren Treccani-Liste genannt. |
| Assuero ossia La regina Ester, 1798 | Oratorium beziehungsweise geistliches dramatisches Werk; Palermo, Chiesa di Santa Cecilia oder Theaterkontext der Fastenzeit 1798. Biblischer Stoff um Esther und Ahasver. |
| Argea, 1799 | Dramma per musica, Libretto von Giandomenico Boggio; Turin, Teatro Nazionale, Karneval 1799. Seria-Werk mit höfisch-heroischer Anlage. |
| La vergine del sole, Wiederaufnahmen 1797–1799 | Das Werk wurde nach früheren Fassungen in Palermo und Livorno erneut aufgeführt. Die Überlieferung zeigt Andreozzis Praxis der Wiederverwendung und lokalen Anpassung. |
| Pamela nubile, 1800 | Opera buffa; Parma, Teatro Ducale, Karneval 1800. Stoff aus dem Pamela-Komplex nach Richardson und Goldoni-Tradition. |
| Il ritorno de’ numi, 1801 oder 1802 | Kantate beziehungsweise Festwerk; Neapel, Teatro del Fondo. Gelegenheitswerk mit allegorisch-höfischem Charakter. |
| Armida e Rinaldo, 1802 | Dramma per musica nach Torquato Tassos Gerusalemme liberata; Neapel, Teatro San Carlo, 2. September 1802. Beispiel für Andreozzis späten Anschluss an den Tasso-Opernstoff. |
| Il trionfo d’Alessandro, 1803 | Opera seria beziehungsweise dramma serio, Text von Andrea Passaro; Neapel, vermutlich Teatro San Carlo, 1803. Stoff um Alexander den Großen. |
| Piramo e Tisbe, 1803 | Dramma per musica in zwei Akten, Libretto von Giovanni Schmidt; Neapel, Teatro San Carlo, 30. Mai 1803. Mythologischer Liebestod-Stoff nach Ovid-Tradition. |
| Il trionfo di Claudia, 1803 | Dramma serio per musica; Florenz, Teatro La Pergola, 8. September 1803. Späte Seria-Produktion. |
| La morte di Saulle, 1804 | Oratorio sacro per musica, zusammen mit Domenico Mombelli; Libretto von Giuseppe Caravita; Lissabon, Teatro São Carlos, Fastenzeit 1804, später Livorno 1805. Nicht mit dem früheren Saulle schlicht gleichzusetzen. |
| Sedesclavo, 1805 | Dramma per musica in zwei Akten, Libretto von Michelangelo Prunetti; Rom, Teatro delle Dame, 3. Februar 1805. Späte römische Oper Andreozzis. |
| Il trionfo di Tomiri, 1807 | Dramma per musica in zwei Akten, Libretto von Filippo Cammarano; Neapel, Teatro San Carlo, Fastenzeit 1807. Spätes bedeutendes Werk für die neapolitanische Bühne. |
| Il trionfo d’Israele ossia La disfatta di Seon, 1812 | Dramma per musica in zwei Akten, Messina, Teatro della Munizione, Fastenzeit 1812. Zuschreibung beziehungsweise Einordnung gilt als zu prüfen. |
| Tutti i torti son dei mariti, 1814 | Burletta in einem Akt; Florenz, Teatro di via del Cocomero, 7. Juni 1814. Sehr spätes komisches Bühnenwerk. |
| Il trionfo di Alessandro Magno il Macedone, 1815–1816 | Dramma serio in zwei Akten, Text von Andrea Passaro; Rom, Teatro Argentina, 17. Januar 1815, später Neapel, Teatro San Carlo, Karneval 1816. Gehört zu den letzten Opernwerken Andreozzis. |
| Sei quartetti per due violini, viola e violoncello op. 1, 1786 | Kammermusikdruck, Florenz 1786. Die Streichquartette sind für die instrumentale Seite Andreozzis wichtig und wurden in der älteren Literatur wegen ihrer ausgewogenen Satztechnik hervorgehoben. |
| Tre quintetti per flauto e quartetto d’archi, 1793 | Drei Quintette für Flöte, zwei Violinen, Viola und Violoncello; Venedig 1793. Beispiel für Andreozzis Kammermusikproduktion mit Blasinstrument. |
| Tre quintetti per oboe e quartetto d’archi | Drei Quintette für Oboe, zwei Violinen, Viola und Violoncello; handschriftlich überliefert, unter anderem im Zusammenhang der venezianischen Correr-Bibliothek genannt. |
| Duette, Arien und Einlagen | Einzelne Arien, Duette und Einlagen zirkulierten unabhängig von den vollständigen Opern. Besonders die zeitgenössisch bekannte Arie No! quest’anima non speri wird in älterer Überlieferung hervorgehoben. |
Rezeption und Bedeutung
Andreozzi war zu Lebzeiten ein erfolgreicher Theaterkomponist. Seine Werke wurden in zahlreichen italienischen Städten und auch außerhalb Italiens aufgeführt. Er gehörte zu jener großen Gruppe von Opernkomponisten, die den Spielplan des späten 18. Jahrhunderts trugen, ohne später dauerhaft im Kanon zu bleiben. Gerade diese „mittlere“ Berühmtheit macht ihn für die Kulturgeschichte wichtig, denn sie zeigt, wie Oper jenseits der wenigen großen Namen tatsächlich funktionierte.
Die spätere Rezeption fiel zwiespältig aus. Einerseits wurde Andreozzi in älteren Lexika und Nachschlagewerken häufig nur kurz erwähnt, oft mit fehlerhaften Daten. Andererseits bewahrten Treccani, Grove, Baker’s, IMSLP, Corago, ItalianOpera und verschiedene Libretto- und Bibliothekskataloge eine erstaunlich breite Werküberlieferung. Die Forschung kann dadurch heute genauer sehen, welche Bühnenorte, Stoffe und Sänger mit ihm verbunden waren.
Von besonderem Interesse ist Andreozzis Stellung zwischen Paisiello und Cimarosa einerseits und Rossini andererseits. Er gehört nicht mehr zur heroischen Frühphase der neapolitanischen Schule, aber auch noch nicht zur romantischen Oper des 19. Jahrhunderts. Er steht in der Übergangszeit, in der das alte System der reisenden italienischen Opernkomponisten noch funktionierte, aber bereits von neuen politischen, institutionellen und ästhetischen Bedingungen erfasst wurde.
Für die heutige Kulturlexikon-Arbeit ist Andreozzi vor allem als Knotenfigur relevant. An ihm berühren sich Aversa, Neapel, Santa Maria di Loreto, Jommelli, Fenaroli, San Carlo, italienische Librettistik, Madrid, Sängerinnenkarrieren, Oratorium, Kammermusik und Pariser Exil. Seine Biographie erlaubt einen konzentrierten Blick auf die europäische Opernpraxis um 1800.
Sekundärliteratur
- Bonvicini, Renzo: Andreozzi, Gaetano, detto Jommellino, in: Dizionario Biografico degli Italiani, Bd. 3, Rom 1961. Grundlegender biographischer Fachartikel mit Werkübersicht und Quellenkritik zu älteren Fehlern.
- Capri, Antonio: Il Settecento musicale in Europa, Mailand 1936. Enthält eine ältere Bewertung von Andreozzis Kammermusik, besonders der Streichquartette.
- Cotarelo y Mori, Emilio: Orígenes y establecimiento de la ópera en España hasta 1800, Madrid 1917. Wichtig für die Madrider Episode Andreozzis und das Teatro de los Caños del Peral.
- Della Corte, Andrea: Paisiello, Turin 1922. Enthält Hinweise auf Andreozzi im Umfeld Paisiellos und der neapolitanischen Opernkultur.
- Di Giacomo, Salvatore: I quattro Conservatori di Napoli, Palermo 1924. Ältere Quelle zur neapolitanischen Konservatorienlandschaft und zur Schultradition.
- Eitner, Robert: Biographisch-bibliographisches Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten. Älteres quellenkundliches Hilfsmittel zu Andreozzi und seiner Werküberlieferung.
- Florimo, Francesco: La scuola musicale di Napoli e i suoi conservatorii, Neapel 1882–1888. Wichtig, aber quellenkritisch zu verwenden, da spätere Forschung einzelne Angaben zu Andreozzi korrigiert.
- Hamilton, Mary Neal: Music in Eighteenth Century Spain, Urbana 1937. Kontextquelle zum spanischen Opernbetrieb des 18. Jahrhunderts.
- McClymonds, Marita P.: Andreozzi, Gaetano, in: Grove Music Online. Moderner Fachartikel mit biographischem und werkgeschichtlichem Überblick.
- Mooser, Robert Aloys: Opéras, intermezzos, ballets, cantates, oratorios joués en Russie durant le XVIIIe siècle, Genf 1945. Wichtig für die quellenkritische Prüfung russischer Aufführungsbehauptungen.
- Piovano, Francesco: Notizie storico-bibliografiche sulle opere di P. C. Guglielmi, in: Rivista musicale italiana, XVI, 1909. Enthält ältere Angaben, die für Andreozzi nur mit Vorsicht zu verwenden sind.
- Prota Giurleo, Ulisse: “Jomellino” e Signora, in: Nostro Tempo, 1955. Spezialbeitrag zu Andreozzi und Anna De Santi.
- Slonimsky, Nicolas, Kuhn, Laura, und McIntire, Dennis: Baker’s Biographical Dictionary of Musicians. Kompakter englischsprachiger Nachschlageartikel zu Andreozzi.
Ausgewählte Onlinequellen
- Corago: Giasone e Medea Operndatenbankeintrag zu Andreozzis Giasone e Medea mit Angaben zu Gattung, Librettist, Erstaufführung am Teatro San Carlo und späterer Florentiner Aufführung.
- Corago: Teodelinda Operndatenbankeintrag zu Teodelinda mit Angaben zu Giandomenico Boggio als Librettist und zur Erstaufführung in Turin am Teatro Regio.
- Corago: Virginia Operndatenbankeintrag zu Virginia mit Angaben zur Erstaufführung in Genua und zu späteren Aufführungen beziehungsweise Librettoausgaben.
- Encyclopedia.com: Andreozzi, Gaetano Kurzartikel aus Baker’s Biographical Dictionary of Musicians mit Lebensdaten, Ausbildung und Hinweis auf etwa fünfundvierzig Opern.
- IMSLP: Gaetano Andreozzi Werk- und Notenseite mit Normdaten, Lebensdaten und frei zugänglichen Digitalisaten beziehungsweise Werkseiten zu Saulle, L’ombra di Samuele und den Streichquartetten op. 1.
- ItalianOpera: Gaetano Andreozzi Libretto- und Operndatenbankseite mit zahlreichen Nachweisen zu gedruckten Libretti, Aufführungsorten, Besetzungen und Werkfassungen Andreozzis.
- Musicalics: Gaetano Andreozzi Komponistendatenbank mit Lebensdaten und gegliederter Werkübersicht nach Oper, Opera buffa, Oratorium und Kammermusik.
- Treccani Enciclopedia Italiana: Andreozzi, Gaetano, detto Iommellino Kompakter älterer Lexikonartikel zu Andreozzi mit Hinweis auf Jommelli, internationale Opernkarriere und Tod in Paris.
- Treccani Dizionario Biografico: Andreozzi, Gaetano, detto Jommellino Grundlegender biographischer Fachartikel von Renzo Bonvicini mit Ausbildung, Ehe, Theaterstationen, Madrider Episode, Gesangslehrertätigkeit, Todesdatumfrage, Werkübersicht und Bibliographie.
- Wikidata: Gaetano Andreozzi Normdatenorientierter Eintrag mit Namensvarianten, Lebensdaten und internationalen Identifikatoren.
Weiterführende Einträge
- Agesilao Opernstoff und Andreozzi-Werk von 1788, wichtig für seinen Ruf als Komponist ernster Opern.
- Anna De Santi Sopranistin, Schülerin und Ehefrau Gaetano Andreozzis, beteiligt an mehreren seiner Opernaufführungen.
- Aversa Geburtsort Gaetano Andreozzis und wichtiger Ort im kulturellen Umfeld des Königreichs Neapel.
- Catone in Utica Metastasianischer Opernstoff, den Andreozzi 1786 vertonte.
- Domenico Cimarosa Zeitgenosse Andreozzis und bedeutender Vertreter der neapolitanischen Opernkultur.
- Conservatorio di Santa Maria di Loreto Neapolitanisches Konservatorium, an dem Andreozzi ausgebildet wurde.
- Dramma per musica Operngattung, in der viele Werke Andreozzis entstanden.
- Fedele Fenaroli Neapolitanischer Lehrer und Partimento-Meister, einer der Ausbilder Andreozzis.
- Pietrantonio Gallo Lehrer Andreozzis am Conservatorio di Santa Maria di Loreto.
- Giasone e Medea Tragisch-mythologisches Werk Andreozzis, 1793 am Teatro San Carlo in Neapel uraufgeführt.
- Niccolò Jommelli Onkel mütterlicherseits und Lehrer Andreozzis, Namensgeber des Beinamens Jommellino.
- Kammermusik Gattungsbereich, in dem Andreozzi mit Streichquartetten und Bläser-Streichquintetten hervortrat.
- La morte di Cesare Römisches Bühnenwerk Andreozzis von 1789 am Teatro Argentina.
- Madrid Wichtiger Auslandsort Andreozzis, wo 1791 Angelica e Medoro und Didone abbandonata aufgeführt wurden.
- Pietro Metastasio Zentraler Librettist des 18. Jahrhunderts, dessen Texte Andreozzi mehrfach vertonte.
- Neapel Ausbildungs- und Wirkungszentrum Andreozzis und Hauptort der neapolitanischen Schule.
- Neapolitanische Schule Musikalische Ausbildungs- und Operntradition, in der Andreozzi steht.
- Opera buffa Komische Operngattung, in der Andreozzi mehrere frühe Werke schrieb.
- Opera seria Ernste italienische Operngattung, die spätestens seit den späten 1780er Jahren Andreozzis Hauptfeld wurde.
- Oratorium Geistliche dramatische Gattung, zu der Andreozzis Giefte, Isacco, Saulle und Assuero gehören.
- Giovanni Paisiello Zeitgenosse Andreozzis und eine der prägenden Figuren der neapolitanischen Oper des späten 18. Jahrhunderts.
- Paris Sterbeort Andreozzis und letzter Aufenthaltsort seiner durch finanzielle Schwierigkeiten geprägten Spätzeit.
- Saulle Geistliches Bühnenwerk Andreozzis, das in mehreren Städten wiederaufgeführt wurde.
- Teatro Argentina Römisches Theater, an dem Andreozzis La morte di Cesare aufgeführt wurde.
- Teatro San Carlo Zentrales neapolitanisches Opernhaus, für das Andreozzi mehrere Werke schrieb.
- Teodelinda Andreozzi-Oper von 1789 für das Teatro Regio in Turin.
- Venedig Wichtiger Aufführungsort mehrerer Andreozzi-Opern und zentraler Raum des italienischen Librettodrucks.