Johannes Amon

Auch Johann Amon, Johann Andreas Amon und Johannes Andreas Amon; * getauft am 18. Oktober 1763 in Drosendorf bei Hollfeld, Fränkische Schweiz, östlich von Bamberg; † 29. März 1825 in Wallerstein. Deutscher Komponist, Musikverleger, Hornist, Violinist, Violist, Pianist, Dirigent, städtischer Musikdirektor in Heilbronn und Hofkapellmeister in Wallerstein.

Überblick

Johannes Amon war ein fränkischer Komponist, Musikverleger, Hornist, Violinist, Violist, Pianist, Dirigent, städtischer Musikdirektor und späterer Hofkapellmeister. Er wurde am 18. Oktober 1763 in Drosendorf bei Hollfeld getauft und starb am 29. März 1825 in Wallerstein. In vielen älteren und internationalen Katalogen erscheint er als Johann Andreas Amon; die neuere MGG-Überlieferung weist jedoch darauf hin, dass diese Namensform problematisch und wahrscheinlich sekundär ist.

Amon gehört zu jener musikgeschichtlichen Schicht, die zwischen höfischer Klassik, reisendem Virtuosentum, bürgerlicher Liebhabermusik, frühem Musikverlagswesen und regionaler Kapellmeisterpraxis vermittelt. Seine Laufbahn führt von der musikalischen Umgebung der fürstbischöflichen Residenz Bamberg über Giovanni Punto und Paris, über Konzertreisen, Straßburg, Heilbronn und schließlich an den Hof der Fürsten von Oettingen-Wallerstein. Damit verbindet er französisch-italienische Ausbildung, süddeutsche Bürgerkultur und die späte Geschichte der Wallersteiner Hofkapelle.

Als Komponist schrieb Amon in nahezu allen im bürgerlichen und höfischen Musikleben der Zeit gebräuchlichen Gattungen: Sinfonien, Konzerte, Kammermusik, Duos, Trios, Quartette, Quintette, Sextette, Klavier- und Gitarrenmusik, Lieder, Gesänge mit Gitarrenbegleitung, Kirchenmusik, Kantaten und Singspiele. Sein Werk war stark auf praktisches Musizieren ausgerichtet. Es diente Liebhabern, Schülern, Hausmusikern, kleineren Konzertgesellschaften, städtischen Musikvereinigungen und höfischen Ensembles.

Als Verleger ist Amon besonders wichtig. 1791 gründete er in Heilbronn einen Musikverlag, der eigene Werke, Werke aus seinem Bekanntenkreis und Nachdrucke beliebter Komponisten verbreitete. Die Verlagsproduktion wuchs auf etwa 300 Katalognummern an und wurde später an Schott in Mainz und Simrock in Bonn verkauft. Amon steht damit nicht nur in der Geschichte der Komposition, sondern auch in der Geschichte der musikalischen Ökonomie, des Notendrucks, der bürgerlichen Hausmusik und der Verbreitung klassischer Repertoires um 1800.

Kurzdaten

Name Johannes Amon.
Weitere Namensformen Johann Amon, Johann Andreas Amon, Johannes Andreas Amon, Johann Andreas Ammon, Joh. And. Amon, J. A. Amon, J. Amon und I. Amon.
Dateiname amon-johannes.shtml.
Geburt Getauft am 18. Oktober 1763 in Drosendorf bei Hollfeld, Fränkische Schweiz, östlich von Bamberg. Andere ältere Quellen nennen allgemein Bamberg oder den 24. August 1763 in Drosendorf am Eggerbach.
Tod 29. März 1825 in Wallerstein.
Beruf Komponist, Musikverleger, Hornist, Violinist, Violist, Pianist, Dirigent, Musikdirektor, Kapellmeister, Lehrer und Bearbeiter.
Ausbildung Gesangs- und Violinunterricht im Bamberger Umfeld; Hornunterricht bei Giovanni Punto, bürgerlich Jan Václav Stich; Kompositionsunterricht bei Antonio Sacchini in Paris.
Wichtige Lehrer Giovanni Punto, Antonio Sacchini, außerdem frühe Bamberger Lehrer wie die Hofsängerin Fracasini und der Violinist Bäuerle in älterer Überlieferung.
Wichtige Begegnungen Franz Anton Rosetti, Ignaz Pleyel, Franz Anton Hoffmeister, Johann Evangelist Brandl, Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Baptist Vanhal und weitere Musiker der Klassikzeit.
Wichtige Wirkungsorte Drosendorf, Bamberg, Paris, Straßburg, Heilbronn und Wallerstein.
Heilbronn Ab 1789 städtischer Musikdirektor; dort leitete Amon fast drei Jahrzehnte die bürgerlichen Liebhaberkonzerte und gründete 1791 einen Musikverlag.
Wallerstein 1817 zunächst zweiter Gesangsdirektor, dann Hofkapellmeister des Fürsten Ludwig Kraft Ernst von Oettingen-Wallerstein; Amt bis zum Tod 1825.
Verlag Musikverlag in Heilbronn, gegründet 1791, mit etwa 300 Katalognummern; der Bestand wurde um 1817/1818 an Schott in Mainz und Simrock in Bonn verkauft.
Instrumente Horn, Violine, Viola, Klavier, Gitarre und Gesang; als Lehrer auch auf mehreren Instrumenten tätig.
Zentrale Gattungen Sinfonie, Konzert, Kammermusik, Hornquartett, Flötenquartett, Streichquartett, Streichtrio, Klaviertrio, Sonate, Variationen, Lied, Singspiel, Messe, Kantate und kleinere Kirchenmusik.
Werkumfang Die ältere Überlieferung spricht von mehr als 80 gedruckten Werken; die Verlagsproduktion umfasste etwa 300 Katalognummern. Ein Teil des Œuvres ist nur bibliographisch, nicht in moderner Edition greifbar.
Besondere Bedeutung Amon verbindet Virtuosenlaufbahn, städtische Musikdirektion, bürgerliche Hausmusik, Musikverlagswesen und Wallersteiner Hofkapelltradition in einer für die Zeit um 1800 charakteristischen Weise.

Namensformen und Quellenlage

Die Hauptform dieser Seite lautet Johannes Amon. In älteren Lexika, internationalen Katalogen und modernen Notenportalen ist jedoch die Form Johann Andreas Amon außerordentlich verbreitet. Daneben erscheinen Johann Amon, Johannes Andreas Amon, Johann Andreas Ammon, Joh. And. Amon, J. A. Amon und J. Amon. Die MGG setzt ausdrücklich Johannes Amon an und bezeichnet die Form Johann Andreas als irrig. Für eine Kulturlexikon-Seite ist es daher sinnvoll, den Dateinamen amon-johannes.shtml zu wählen, die verbreitete Nebenform aber aus Such- und Identifikationsgründen vollständig aufzunehmen.

Auch der Geburtsort und das genaue Geburtsdatum sind quellenkritisch zu behandeln. Der hier zugrunde gelegte neuere Ansatz nennt die Taufe am 18. Oktober 1763 in Drosendorf bei Hollfeld in der Fränkischen Schweiz, östlich von Bamberg. Ältere Quellen nennen allgemein Bamberg; andere moderne Kurzbiographien nennen Drosendorf am Eggerbach bei Eggolsheim und den 24. August 1763 als Geburtsdatum. Da der Nutzer ausdrücklich das Taufdatum 18. Oktober 1763 und Drosendorf bei Hollfeld nennt, wird diese Form als Hauptangabe verwendet. Im Quellenabschnitt werden die Varianten transparent gemacht.

Die Quellenlage ist durch mehrere Überlieferungsschichten geprägt. Die Allgemeine Deutsche Biographie steht noch nahe an älteren Nekrolog- und Lexikontraditionen. Moderne musikbibliographische Kataloge wie IMSLP, BMLO, Archivportal-D und die GND führen Amon meist unter der verbreiteten Namensform Johann Andreas Amon. Die MGG differenziert stärker und stellt die bisherige Biographie als noch unzureichend erforscht dar. Gerade diese Spannung ist wichtig: Amon ist kein völlig unbekannter Komponist, aber viele Details seines Lebens und seines Werkverzeichnisses sind erst durch neuere Regional-, Verlags- und Wallerstein-Forschung präzisiert worden.

Leben und Laufbahn

Johannes Amon wurde am 18. Oktober 1763 in Drosendorf bei Hollfeld getauft. Seine musikalische Frühprägung lag im weiteren Bamberger Umfeld. Ältere biographische Überlieferung nennt Gesangsunterricht bei der Hofsängerin Fracasini und Violinunterricht bei Bäuerle. Schon diese frühen Nachrichten zeigen, dass Amon zunächst nicht allein als Hornist zu verstehen ist. Er begann als Sänger und Streicher, wandte sich dann aber dem Horn zu, das für seine internationale Virtuosenlaufbahn entscheidend wurde.

Sein wichtigster Lehrer war Giovanni Punto, bürgerlich Jan Václav Stich, einer der berühmtesten Hornvirtuosen des 18. Jahrhunderts. Amon bezeichnete sich auf Titelblättern seiner Werke häufig als Schüler Puntos. 1781 reiste er mit Punto nach Paris. Dort begegnete er dem Wallersteiner Komponisten Franz Anton Rosetti und erhielt nach der Überlieferung Kompositionsunterricht bei Antonio Sacchini. Damit kam er früh in ein internationales Musikmilieu, in dem Virtuosität, Opernkomposition, Konzertwesen, Verlagskontakte und aristokratische Patronage eng zusammenhingen.

1783 verließ Amon Paris und unternahm mit Punto weitere Konzertreisen. In Straßburg begegnete er 1784 Ignaz Pleyel. Die Reisen führten ihn durch Frankreich, Deutschland und Österreich. Dabei trat er nicht nur als Hornist auf, sondern dirigierte oder organisierte auch Konzertzusammenhänge. Diese Erfahrung prägte seine spätere Tätigkeit als Musikdirektor und Kapellmeister. Er lernte nicht nur Instrumentalspiel, sondern auch die praktische Ökonomie des Konzertbetriebs.

1789 wurde Amon städtischer Musikdirektor in Heilbronn. Dieses Amt behielt er fast drei Jahrzehnte. Er leitete dort die Liebhaberkonzerte und wurde zu einer zentralen Figur der städtischen Musikkultur. Aus gesundheitlichen Gründen gab er das Hornspiel weitgehend auf und konzentrierte sich stärker auf Violine, Viola, Klavier, Gitarre, Unterricht, Komposition und organisatorische Aufgaben. Heilbronn wurde zur entscheidenden Mitte seiner Laufbahn.

1791 gründete Amon in Heilbronn einen Musikverlag, vermutlich auf Anregung Franz Anton Hoffmeisters. Der Verlag publizierte eigene Werke, Werke aus Amons Umfeld und Nachdrucke beliebter Komponisten der Wiener Klassik. Dabei war Amon nicht nur Komponist, sondern zugleich musikalischer Unternehmer. Er erkannte den Bedarf an spielbarer Kammermusik, Liedern, Klavierstücken, Arrangements und populären Auszügen aus erfolgreichen Bühnenwerken.

1817 wechselte Amon nach Wallerstein. Am 6. Mai 1817 wurde er als zweiter Gesangsdirektor am Hof angestellt, am 25. August 1817 erhielt er den Titel Kapellmeister. Fürst Ludwig Kraft Ernst von Oettingen-Wallerstein versuchte damals, die nach früherem Glanz geschwächte Hofmusik neu zu ordnen. Amon brachte Erfahrung, Repertoirekenntnis, praktische Musikerziehung und organisatorische Verlässlichkeit mit. Er blieb bis zu seinem Tod am 29. März 1825 in Wallerstein.

Ausführlicher Kulturüberblick

Johannes Amon ist ein typischer und zugleich besonders aufschlussreicher Musiker der Umbruchszeit um 1800. Er gehört nicht zu den kanonischen Hauptfiguren der Wiener Klassik, aber gerade deshalb macht seine Laufbahn sichtbar, wie Musik zwischen Hof, Stadt, Verlag, Konzertreise, Hausmusik, Unterricht und regionaler Kapellpraxis funktionierte. Sein Publikum waren nicht primär die großen Metropolen, sondern bürgerliche Liebhaber, kleine Konzertgesellschaften, Schüler, reisende Virtuosen, höfische Kammerensembles und lokale Musikvereinigungen.

Die Zeit um 1800 war durch eine starke Ausweitung des Musikmarkts geprägt. Notendrucke wurden erschwinglicher, bürgerliche Haushalte kauften Kammermusik und Klavierauszüge, musikalische Liebhaber spielten Duos, Trios, Quartette und Variationen, und Verleger verbreiteten sowohl Originalwerke als auch Bearbeitungen erfolgreicher Opern- und Konzertstücke. Amon steht mitten in diesem Prozess. Sein eigener Verlag ist daher nicht Nebensache, sondern ein Schlüssel zum Verständnis seiner Kompositionen.

Seine Musik ist vielfach praktisch gedacht. Sie richtet sich an Spieler, die gute, verständliche, elegante und wirkungsvolle Musik suchten, ohne immer die technische und motivische Komplexität eines Haydn oder Beethoven bewältigen zu wollen. Zeitgenössische Urteile beschreiben Amon sinngemäß als Komponisten für Liebhaber, dessen Werke Vergnügen, angenehme Unterhaltung und nützliche Spielpraxis boten. Diese Einschätzung ist nicht abwertend zu verstehen. Sie bezeichnet eine zentrale Funktion der Musik um 1800: Musik sollte im Alltag spielbar, sozial verwendbar und bildend sein.

Gleichzeitig war Amon mehr als ein bloßer Gebrauchskomponist. Seine Ausbildung bei Punto und Sacchini, seine Reisen, seine Kenntnis französischer, italienischer und deutscher Musik, seine Kontakte zu Pleyel, Hoffmeister und Rosetti sowie seine Erfahrung mit Horn, Viola, Violine, Klavier und Gitarre führten zu einem vielseitigen Werk. Besonders in der Kammermusik für Bläser und Streicher sowie in den Werken mit Horn und Flöte bleibt sein Profil erkennbar.

Kulturgeschichtlich steht Amon zwischen Spätklassik und früher Romantik. Seine Werke tragen vielfach noch die klare Periodik und Formverständlichkeit der Klassik, während sein Verlags- und Hausmusikumfeld bereits auf die bürgerliche Musikkultur des 19. Jahrhunderts vorausweist. Er gehört damit zu den Vermittlern, ohne die die musikalische Breitenkultur zwischen Mozart, Pleyel, Hoffmeister, frühen Beethoven-Rezeptionen und regionalen Kapelltraditionen nicht zu verstehen ist.

Heilbronn, bürgerliche Musikkultur und Verlag

Heilbronn war für Amon der wichtigste Wirkungsort seiner mittleren Lebensphase. Als städtischer Musikdirektor leitete er die Liebhaberkonzerte, organisierte Aufführungen, unterrichtete und prägte das lokale Musikleben. Das Amt war weniger glänzend als eine große Hofkapellmeisterstelle, aber in kulturgeschichtlicher Hinsicht besonders interessant. Es zeigt den Aufstieg der bürgerlichen Musikpflege: Konzertieren, Dilettieren, Notenkaufen, gemeinsames Musizieren und musikalische Bildung wurden zu wichtigen Bestandteilen städtischer Kultur.

1791 gründete Amon in Heilbronn einen Musikverlag. Vermutlich spielte Franz Anton Hoffmeister dabei eine anregende Rolle, denn Hoffmeister war selbst Komponist und Verleger und kannte die ökonomischen Möglichkeiten des expandierenden Notenmarkts. Amons Verlag veröffentlichte eigene Werke, Werke von Bekannten wie Johann Evangelist Brandl, aber auch Nachdrucke beliebter Komponisten. Besonders wichtig waren Auszüge und Bearbeitungen der Wiener Klassiker, darunter frühe Drucke oder Nachdrucke von Mozart-Nummern.

Der Verlag wuchs auf etwa 300 Katalognummern an. Damit war er kein unbedeutendes Nebengeschäft. Amon betrieb eine regionale Musikverlagsökonomie, die zwischen Autor, Drucker, Händler, Liebhaberpublikum und überregionalem Repertoire vermittelte. Nach seinem Wechsel nach Wallerstein verkaufte er den Verlagsbestand an Schott in Mainz und Simrock in Bonn. Diese Übergabe zeigt, wie regionale Verlage in größere Verlagsnetze integriert wurden.

Heilbronn machte Amon auch zum Komponisten für die Praxis. Wer Liebhaberkonzerte leitete und einen Verlag betrieb, wusste, welche Besetzungen gefragt waren: Klavier mit Violine, Flöte oder Violoncello, Streichquartett, Flötenquartett, Hornquartett, Lieder mit Begleitung, leichte Tänze, Variationen über bekannte Themen, Klavierstücke, kleine geistliche Werke und brauchbare Kammermusik. Amons Œuvre ist ohne diese Nachfrage kaum zu erklären.

Wallerstein, Hofkapelle und Spätwerk

Wallerstein war für Amon der letzte große Wirkungsort. Die Hofkapelle der Fürsten von Oettingen-Wallerstein hatte im späten 18. Jahrhundert unter Fürst Kraft Ernst einen hervorragenden Ruf besessen. Sie wurde gelegentlich als „Schwäbisches Mannheim“ bezeichnet, weil sie durch exzellente Bläser, Streicher und eine ambitionierte Hofmusik hervorstach. Als Amon 1817 dorthin kam, war dieser Glanz bereits geschwächt, doch die Erinnerung an die große Wallersteiner Zeit blieb wirksam.

Fürst Ludwig Kraft Ernst wollte die Kapelle neu beleben. Amon war dafür geeignet, weil er zugleich praktischer Musiker, Dirigent, Pädagoge, Komponist und erfahrener Musikorganisator war. Er erhielt zunächst eine Stelle als zweiter Gesangsdirektor, bald darauf den Kapellmeistertitel. Die Aufgabe war anspruchsvoll: Es ging um Repertoire, Personal, Ausbildung, Gottesdienst, Hofkonzert und musikalische Repräsentation.

Die strukturellen Bedingungen waren jedoch ungünstig. Das Personal der Kapelle alterte, die finanziellen Mittel waren begrenzt, und die politischen sowie sozialen Voraussetzungen höfischer Musik hatten sich seit der Jahrhundertwende verändert. 1821 wurden die sonntäglichen Hofkonzerte eingestellt. Damit steht Amons Wallersteiner Wirken zugleich für das Ende einer Epoche: Die alte Hofkapelle überlebte nicht mehr als glanzvolle Institution des 18. Jahrhunderts, sondern wurde in eine reduzierte, teilweise kirchlich und lokal gebundene Musikpraxis überführt.

In seinen letzten Jahren komponierte Amon weiterhin. Die Überlieferung berichtet, dass er gegen Ende seines Lebens an einer Messe und einem Requiem arbeitete. Sein Tod am 29. März 1825 in Wallerstein schloss eine Laufbahn, die von der Virtuosenreise der 1780er Jahre über den bürgerlichen Musikmarkt der 1790er und 1800er Jahre bis zum späten höfischen Kapellmeisteramt der 1820er Jahre führte.

Stil, Gattungen und Zielpublikum

Amons Musik ist stilistisch der Klassik und der frühen nachklassischen Gebrauchsmusik zuzurechnen. Sie vermeidet in vielen Fällen die motivische Verdichtung und dramatische Entwicklungslogik, die bei Haydn, Mozart oder Beethoven den Kanon prägen. Dafür bietet sie klare Formen, sangliche Themen, durchschaubare Periodik, instrumentale Zweckmäßigkeit und spielerische Eleganz. Das ist keine Schwäche, sondern entspricht dem Zielpublikum.

Besonders stark ist Amon in Kammermusikbesetzungen. Seine Erfahrung als Hornist, Violinist, Violist, Pianist und Gitarrist erlaubte ihm, instrumentale Möglichkeiten praktisch einzuschätzen. Hornquartette, Flötenquartette, Oboenquartette, Streichtrios, Streichquartette, Klaviertrios, Duos und Sonaten bilden den Kern seines heute greifbaren Werks. In ihnen verbindet sich Virtuosität mit häuslicher Spielbarkeit.

Die Gitarren- und Liedwerke zeigen eine weitere Seite. Um 1800 war die Gitarre ein wichtiges Begleitinstrument des bürgerlichen Salons. Lieder mit Gitarrenbegleitung waren beliebt, weil sie poetischen Vortrag, häusliches Musizieren und intime Klanglichkeit verbanden. Amon bediente diese Nachfrage mit mehreren Liedsammlungen und Bearbeitungen.

Seine geistlichen Werke, darunter Messen, Kantaten und kleinere Kirchenstücke, gehören stärker in den Funktionsbereich von Kirche und Kapelle. Sie sind heute weniger präsent, waren aber für Amons Selbstverständnis als umfassend tätiger Musikdirektor und Kapellmeister wichtig. Die ältere Überlieferung nennt außerdem zwei Operetten beziehungsweise Singspiele, die sein Interesse an Bühne, Unterhaltung und geselliger Musik dokumentieren.

Werk- und Druckverzeichnis

Das folgende Werkverzeichnis ist als quellenkritisches Arbeitsverzeichnis angelegt. Da Amons gedrucktes und ungedrucktes Œuvre sehr umfangreich ist, viele Drucke unter der Nebenform Johann Andreas Amon laufen und ein vollständiges modernes thematisches Werkverzeichnis nicht allgemein zugänglich vorliegt, werden hier die sicher greifbaren Werkgruppen, verbreiteten Opusnummern, bibliographisch nachweisbaren Kompositionstypen und besonders wichtigen Einzelwerke zusammengeführt. Die ältere Überlieferung spricht von mehr als 80 gedruckten Werken; IMSLP und moderne Notenportale erschließen vor allem Kammermusik, Konzerte, Sonaten, Lieder und Bearbeitungen.

Konzertante Werke und Orchesterwerke

  • Concerto für Viola und Orchester Nr. 1 A-Dur op. 10. Das Soloinstrument ist in besonderer Stimmung beziehungsweise Scordatura-Tradition überliefert; das Werk ist heute eines der auffälligeren Stücke Amons für Viola und Orchester.
  • Concerto für Viola und Orchester Nr. 2 E-Dur. Konzertantes Werk für Viola, das Amons Nähe zum Streichinstrument und zur virtuosen Konzertform zeigt.
  • Sinfonie für Orchester op. 30. Orchesterwerk aus dem Bereich der klassischen Sinfonik und bürgerlich-höfischen Konzertpraxis.
  • Concerto für Klavier und Orchester op. 34, 1805. Konzert für Klavier und Orchester, das Amons Tätigkeit als Pianist und Komponist für bürgerliche Konzertzusammenhänge spiegelt.
  • Concerto für Flöte und Orchester op. 44, 1807. Konzertantes Werk für Flöte, ein Instrument, das in Amons Kammermusik ebenfalls stark vertreten ist.
  • Sechs Variationen für Violine und Orchester op. 50. Variationswerk für solistische Violine mit Orchesterbegleitung.
  • Sinfonie op. 60, für zwei Violinen, zwei Violen, Flöte, zwei Oboen, zwei Fagotte, zwei Hörner, zwei Trompeten, Pauken, Violoncello und Kontrabass. Groß besetztes Orchesterwerk mit klassischem Bläser- und Streicherfundament.
  • Weitere Sinfonien und Orchesterstücke, die in älterer Lexikographie summarisch genannt werden, sind im Einzelnen nur bibliographisch oder handschriftlich weiter zu erschließen.

Hornwerke und Bläserkammermusik

  • Drei Quartette für Horn und Streicher op. 20. Kammermusik für Horn und Streichtrio, besonders wichtig für Amons eigenes Instrumentalprofil als Punto-Schüler.
  • Drei Quartette für Horn und Streicher op. 109. Spätere Hornquartette, die die Verbindung von Hornvirtuosität und klassischer Kammermusik fortführen.
  • Quintett für Horn und Flöte, Violine, Viola und Violoncello op. 110, F-Dur. Heute durch moderne Horn- und Kammermusikeditionen besonders präsent.
  • Quintett für Horn, Flöte, Violine, Viola und Violoncello op. 118, e-Moll. Späteres Kammermusikwerk, in modernen Aufnahmen und Editionen greifbar.
  • Zwei Sextette für zwei obligate Hörner, Violine, Viola, Violoncello und Posaune. Besetzungsgeschichtlich bemerkenswerte Bläser-Streicher-Kammermusik.
  • Serenade für zwei Hörner in D, Flauto traverso, Violino und Harfe, 1786. Frühere Serenadenform mit Bläser- und Harfenfarbe.
  • Weitere Horn- und Bläserwerke in Amon-Drucken und späteren Ausgaben, teils unter der Katalogform Johann Andreas Amon erschlossen.

Flötenkammermusik

  • Drei Flötenquartette. Kammermusik für Flöte und Streicher beziehungsweise gemischte Besetzung, in modernen Werklisten greifbar.
  • Drei Flötenquartette op. 42. Gedruckte Quartettgruppe, die Amons Stellung im Flötenrepertoire der Klassikzeit zeigt.
  • Flötenquartett op. 84. Einzelwerk beziehungsweise spätere Quartettfassung in der modernen IMSLP-Überlieferung.
  • Variationen für Flöte mit Begleitung. Mehrere Variationswerke oder Druckfassungen für Flöte und Begleitung sind bibliographisch belegt.
  • Variationen für die Flöte mit Begleitung. Titelvariante eines weiteren Flötenvariationswerks.
  • Quintett op. 110, mit Flöte und Horn. Überschneidet Horn- und Flötenrepertoire und ist für gemischte Kammerbesetzung besonders wichtig.
  • Quintett op. 118, mit Flöte und Horn. Späteres Ensemblewerk, das in moderner Aufnahmeüberlieferung erneut greifbar geworden ist.

Oboen- und gemischte Bläserkammermusik

  • Drei Oboenquartette op. 92. Werke für Oboe und Streicher beziehungsweise gemischte Kammerbesetzung.
  • Weitere Werke mit Oboe und klassischer Bläserbesetzung, die in den älteren summarischen Werkangaben unter Quintetten und Kammermusikwerken mitzudenken sind.

Streicherkammermusik

  • Sechs Duos für Violine und Viola op. 2. Frühe Duowerke für zwei Streicher, in IMSLP als Sammelwerk ausgewiesen.
  • Drei Streichtrios op. 8. Kammermusik für drei Streicher, eine für den bürgerlichen und höfischen Kammergebrauch besonders geeignete Gattung.
  • Drei Streichquartette op. 15. Quartettgruppe in klassischer Besetzung, die Amons Anschluss an die zentrale Kammermusikgattung der Klassik zeigt.
  • Drei Streichquartette op. 113. Spätere Streichquartettgruppe, vermutlich aus der reifen beziehungsweise späten Schaffensphase.
  • Quintett op. 19 Nr. 3 G-Dur, für Flöte, Violine, zwei Violen und Violoncello, in moderner Flötenrepertoire-Überlieferung genannt.
  • Weitere Duos, Trios, Quartette und Quintette für Streicher beziehungsweise Streicher mit Bläsern, in älteren Lexika summarisch als umfangreiches Kammermusikschaffen bezeichnet.

Klavierkammermusik, Sonaten und Trios

  • Drei Sonaten für Klavier und Violine op. 11. Sonatengruppe für Klavier und Violine.
  • Zwei Sonaten für Klavier und Flöte op. 11. Titelvariante beziehungsweise andere Überlieferungsgruppe unter derselben Opusnähe; in IMSLP als Werkseite greifbar.
  • Drei Trios für Klavier, Flöte und Violoncello op. 48. Klaviertrios mit Flöte und Violoncello, in der Flöten- und Kammermusiktradition weiter präsent.
  • Sonata op. 48/1, für Flöte, Violoncello und Klavier. Moderne Ausgaben behandeln dieses Werk als spielbares Trio der klassischen Kammermusik.
  • Sonate périodique op. 55. Klavier- beziehungsweise Kammermusikwerk mit periodischer beziehungsweise veröffentlichungsgeschichtlicher Bezeichnung.
  • Sonata concertante F-Dur op. 88, für Fagott oder Violoncello und Klavier. Heute durch moderne Kammermusikausgaben greifbar.
  • Serenade für Klavier, Viola und Gitarre op. 83, nach Leonhard von Call arrangiert. Bearbeitung beziehungsweise Arrangement, das Amons Nähe zur Gitarre und zum Salonrepertoire zeigt.
  • Drei Sonaten für Klavier und Violine nach Fränzls op. 9. Arrangementwerk nach einem Werk von Ignaz Fränzl.
  • Weitere Sonaten und Klavierstücke, die ältere Lexika zusammenfassend nennen und die teilweise in Druck- und Verlagskatalogen zu erschließen sind.

Gitarre, Klavier und häusliche Musik

  • Drei Duos für Gitarre und Klavier op. 69. Kammermusik für die im bürgerlichen Salon besonders wichtige Verbindung von Gitarre und Klavier.
  • Vier Walzer, zwei Ecossaisen und ein Marsch für Gitarre und Klavier, ohne Opuszahl. Tanz- und Gesellschaftsmusik für häusliche Besetzung.
  • Weitere Gitarrenstücke, Liedbegleitungen und Arrangements, die Amons Stellung im Gitarrenrepertoire um 1800 erklären.
  • Klavierstücke, Variationen und Sonaten, in der älteren Überlieferung als Teil seines umfangreichen gedruckten Œuvres genannt.

Lieder, Gesänge und Vokalmusik

  • Sechs Lieder op. 38. Liedsammlung, in IMSLP als Sammelwerk nachgewiesen.
  • Wahrsagenlied. Lied mit Gitarrenbezug, in modernen Gitarrenrepertoire-Kontexten genannt.
  • Mehrere Sammlungen von Liedern mit Gitarrenbegleitung. Diese Werke waren in Deutschland besonders beliebt und gehören zur bürgerlichen Hausmusik um 1800.
  • Arien und kleinere Gesangsstücke, in der älteren Werküberlieferung summarisch genannt.
  • Kantaten, in älteren Lexika als Teil des Vokalwerks erwähnt; Einzelüberlieferung muss quellenkritisch aus Spezialkatalogen erschlossen werden.

Kirchenmusik

  • Das Gebet des Herrn op. 56. Geistliches Werk beziehungsweise Vokalkomposition, in IMSLP als Einzelwerk nachgewiesen.
  • Zwei Messen, in der älteren biographischen Überlieferung genannt.
  • Verschiedene kleinere Kirchenstücke, in älteren Lexika summarisch überliefert.
  • Requiem beziehungsweise unvollendet gebliebenes oder am Lebensende entstandenes Totenwerk, das nach älteren Nachrichten im Zusammenhang mit Amons Tod und Begräbnis eine Rolle spielte.
  • Weitere kirchliche Gebrauchswerke für den Wallersteiner und städtischen Kontext, teils ungedruckt oder nur handschriftlich überliefert.

Singspiele, Operetten und Bühnenwerke

  • Der Sultan Wampou, Singspiel beziehungsweise Operette, 1791 aufgeführt und in älteren Überlieferungen als erfolgreich bezeichnet.
  • Das Milchmädchen, Oper beziehungsweise Singspiel in vier Akten, in älteren Quellen- und Katalogüberlieferungen genannt.
  • Eine zweite Operette beziehungsweise weiteres Singspiel, in älteren Lexika summarisch erwähnt; die genaue Werkidentifikation ist aus Spezialkatalogen zu klären.

Tänze, Variationen und kleinere Instrumentalwerke

  • Sechs Walzer op. 61. Tanzsammlung, in IMSLP nachgewiesen.
  • Thema mit Variationen op. 35. Variationswerk, in der modernen Werkübersicht greifbar.
  • Larghetto et deux thêmes variés. Variations- beziehungsweise Charakterstück.
  • Weitere Variationen, Tänze, Märsche, Ecossaisen, Sonatinen und kleinere Instrumentalstücke, die dem bürgerlichen Hausmusikmarkt entsprechen.

Besonders greifbare moderne Werkseiten und Ausgaben

  • Flute Quartet op. 84, moderne digitale Werkseite.
  • Piano Concerto op. 34, moderne digitale Werkseite.
  • Viola Concerto op. 10, moderne digitale Werkseite.
  • Six Waltzes op. 61, moderne digitale Werkseite.
  • Three Duos for Guitar and Piano op. 69, moderne digitale Werkseite.
  • Three Flute Quartets op. 42, moderne digitale Werkseite.
  • Three Oboe Quartets op. 92, moderne digitale Werkseite.
  • Three Quartets for Horn and Strings op. 20, moderne digitale Werkseite.
  • Three Quartets for Horn and Strings op. 109, moderne digitale Werkseite.
  • Three String Quartets op. 15, moderne digitale Werkseite.
  • Three String Quartets op. 113, moderne digitale Werkseite.
  • Three String Trios op. 8, moderne digitale Werkseite.
  • Three Trios for Piano, Flute and Cello op. 48, moderne digitale Werkseite.

Chronologische Übersicht

1763 Johannes Amon wird am 18. Oktober in Drosendorf bei Hollfeld getauft; ältere Quellen nennen allgemein Bamberg oder Drosendorf am Eggerbach.
1770er Jahre Frühe musikalische Ausbildung im Bamberger Umfeld; Gesang, Violine und später Horn.
1781 Reise mit Giovanni Punto nach Paris; Begegnung mit Franz Anton Rosetti und Kompositionsunterricht bei Antonio Sacchini.
1783 Ende des Parisaufenthalts; Beginn weiterer Konzertreisen mit Punto.
1784 Begegnung mit Ignaz Pleyel in Straßburg.
1786 Serenade für zwei Hörner, Flauto traverso, Violine und Harfe.
1789 Amon wird städtischer Musikdirektor in Heilbronn und gibt das Hornspiel aus gesundheitlichen Gründen weitgehend auf.
1791 Gründung eines Musikverlags in Heilbronn, vermutlich auf Anregung Franz Anton Hoffmeisters; Aufführung beziehungsweise Entstehung des Singspiels Der Sultan Wampou.
1790er Jahre Ausbau des Verlags, Druck eigener Werke und Veröffentlichung beziehungsweise Nachdruck beliebter Werke aus dem Umfeld der Wiener Klassik.
1805 Concerto für Klavier und Orchester op. 34.
1807 Concerto für Flöte und Orchester op. 44.
1817 Wechsel nach Wallerstein; am 6. Mai Anstellung als zweiter Gesangsdirektor, am 25. August Ernennung zum Hofkapellmeister.
1817/1818 Verkauf des Heilbronner Verlagsbestands an Schott in Mainz und Simrock in Bonn.
1821 Ende der sonntäglichen Hofkonzerte in Wallerstein; die Hofmusik gerät weiter in institutionelle Schwäche.
1825 Amon stirbt am 29. März in Wallerstein; die Allgemeine Musikalische Zeitung veröffentlicht im selben Jahr einen Nekrolog.

Verlagsverzeichnis und verlegerische Bedeutung

Amons Verlag entstand 1791 in Heilbronn und gehört zu den charakteristischen regionalen Musikverlagen der Zeit um 1800. Er veröffentlichte eigene Kompositionen, Werke befreundeter oder nahe stehender Komponisten sowie Nachdrucke erfolgreicher Werke aus der Wiener und süddeutschen Musikproduktion. Die Verlagsproduktion umfasste nach der neueren Überlieferung etwa 300 Katalognummern.

Besonders wichtig ist der Verlag für die Verbreitung bürgerlicher Hausmusik. Die Nachfrage betraf vor allem Sonaten, Sonatinen, Variationen, Tänze, Lieder, Kammermusik, leichte Klavierstücke und Arrangements bekannter Opernnummern. Solche Drucke waren nicht bloß kommerzielle Waren. Sie prägten den musikalischen Alltag von Haushalten, Schulen, Liebhaberkonzerten und kleineren Städten.

Zu den im Amon-Verlag verbreiteten beziehungsweise nachgewiesenen Komponisten und Werkgruppen gehörten eigene Werke Amons, Kompositionen aus dem Heilbronner und Wallersteiner Umfeld, Werke von Johann Evangelist Brandl sowie Nachdrucke und Bearbeitungen beliebter Wiener Klassiker. Besonders bekannt sind frühe Drucke oder Nachdrucke von Mozart-Bezügen, darunter Gesangspartien aus Le nozze di Figaro und Drucke von Deutschen Tänzen. Die genaue Rekonstruktion des Verlagskatalogs ist ein Spezialgebiet der Musikdruck- und Verlagsgeschichte.

Mit dem Verkauf des Verlagsbestands an Schott in Mainz und Simrock in Bonn ging Amons regionale Produktion in größere Verlagszusammenhänge über. Dieser Vorgang ist kulturgeschichtlich aufschlussreich: Der Musikmarkt des frühen 19. Jahrhunderts bewegte sich von vielen kleineren, lokal aktiven Verlagen hin zu stärker überregional agierenden Häusern. Amon steht genau an dieser Schwelle.

Rezeption und Nachwirkung

Amons Nachwirkung ist ambivalent. Zu Lebzeiten war er als praktischer Musiker, Lehrer, Komponist, Musikdirektor und Verleger angesehen. Seine Werke wurden gespielt, gedruckt und gekauft. Später trat er hinter die kanonischen Komponisten der Wiener Klassik zurück. Das liegt nicht nur an ästhetischer Bewertung, sondern auch an der Funktion seiner Musik. Vieles war für konkrete Spielpraxis, Liebhaber und lokale Musikpflege geschrieben, nicht für den späteren Werkkanon.

Dennoch ist Amon für die Musikgeschichte um 1800 wichtig. Er zeigt, wie der klassische Stil in die Breite wirkte. Nicht nur Haydn, Mozart und Beethoven prägten die Zeit, sondern auch Komponisten wie Amon, Pleyel, Hoffmeister, Brandl, Rosetti, Vanhal und zahlreiche regionale Kapellmeister. Ihre Musik wurde gekauft, gespielt, unterrichtet und weitergegeben. Ohne diese Schicht ist die musikalische Alltagskultur der Klassikzeit nicht zu verstehen.

In der modernen Wiederaufführungspraxis sind vor allem Kammermusikwerke mit Bläsern, Hornquartette, Flötenquartette, Quintette, Viola- und Flötenkonzerte sowie einzelne Klavier- und Gitarrenwerke greifbar. Moderne Editionen, besonders aus dem Bereich der Bläser- und Flötenliteratur, haben Amon wieder sichtbarer gemacht. Seine Werke eignen sich für historische Aufführungspraxis, Musikschulen, Kammermusikensembles und Forschungen zur regionalen Musikgeschichte.

Besonders interessant ist Amon heute für drei Forschungsbereiche: die Geschichte des Horns und der Punto-Schule, die Geschichte der bürgerlichen Musikverlage in Süddeutschland und die späte Geschichte der Wallersteiner Hofkapelle. In allen drei Feldern ist er kein Nebennamen, sondern ein wichtiger Verbindungspunkt.

Forschung, Quellen und editorische Hinweise

Die Forschung zu Johannes Amon muss zunächst die Namensfrage klären. Da sehr viele Kataloge und Ausgaben unter Johann Andreas Amon laufen, darf diese Form nicht unterdrückt werden. Für die lexikalische Hauptform ist jedoch Johannes Amon vorzuziehen, wenn man der neueren MGG folgt. Auf einer Website ist daher eine klare Suchstrategie nötig: sichtbarer Titel Johannes Amon, Meta- und JSON-LD-Nebenformen mit Johann Andreas Amon, Johannes Andreas Amon, Johann Amon und Johann Andreas Ammon.

Auch die Geburtsangabe sollte differenziert werden. Der Nutzeransatz mit Taufdatum 18. Oktober 1763 in Drosendorf bei Hollfeld ist gegenüber älteren pauschalen Angaben „Bamberg“ präziser. Gleichzeitig begegnet in anderen Quellen der 24. August 1763 in Drosendorf am Eggerbach bei Eggolsheim. Eine seriöse Seite nennt daher die Hauptform und weist auf die älteren beziehungsweise abweichenden Angaben hin, ohne sie gleichrangig in den Titel zu stellen.

Das Werkverzeichnis kann nur dann sauber sein, wenn es nicht vorgibt, ein modernes vollständiges thematisches Verzeichnis zu ersetzen. Amon hat mehr als 80 gedruckte Werke hinterlassen, dazu ungedruckte und nur bibliographisch fassbare Stücke. Für eine Kulturlexikon-Seite ist die Kombination aus Werkgruppen, bekannten Opuszahlen, IMSLP-Werkseiten, älteren Lexikonangaben und Verlagsgeschichte angemessen. Ein Spezialverzeichnis müsste zusätzlich RISM, BSB, DNB, Wallersteiner Bestände, Schott- und Simrock-Nachfolgeüberlieferung sowie frühe Druckkataloge auswerten.

Inhaltlich sollte Amon nicht nur als „kleiner Komponist“ der Klassik behandelt werden. Seine Bedeutung liegt in der Kombination von mehreren Rollen: reisender Hornist, Schüler Puntos, Schüler Sacchinis, städtischer Musikdirektor, Lehrer, Kammermusikkomponist, Musikverleger und Wallersteiner Kapellmeister. Gerade diese Mehrfachrolle macht ihn kulturgeschichtlich aussagekräftig.

Sekundärliteratur

  • Arrey von Dommer: Amon, Johann. In: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 1, Leipzig 1875, S. 407. Älterer biographischer Grundartikel mit Hinweis auf Ausbildung, Heilbronn, Wallerstein, Instrumente und Werkgruppen.
  • MGG Online: Amon, Johannes. Fachlexikalischer Artikel mit korrigierter Namensform, Taufdatum, Drosendorf bei Hollfeld, Paris, Punto, Sacchini, Heilbronn, Verlag und Wallerstein.
  • Günther Grünsteudel: Studien und Beiträge zur Wallersteiner Hofkapelle, besonders zur Musikgeschichte Wallersteins, zu Hofmusikern und zur Kapellorganisation des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts.
  • Günther Grünsteudel: Wallerstein – das „Schwäbische Mannheim“. Text- und Bilddokumente beziehungsweise Beiträge zur Geschichte der Wallersteiner Hofkapelle. Wichtig für Amons späte Kapellmeisterzeit.
  • Gertraut Haberkamp: Thematischer Katalog der Musikhandschriften der Fürstlich Oettingen-Wallerstein’schen Bibliothek Schloss Harburg. München 1976. Grundlegend für Wallersteiner Handschriften- und Hofkapellenbestände.
  • Franz Lesure: Cotages d’éditeurs antérieurs à c. 1850. Wichtig für die Einordnung früher Musikverlage und Plattennummern, einschließlich Amon in Heilbronn.
  • RISM-Daten und digitale Bibliothekskataloge zu Johann beziehungsweise Johannes Amon. Unverzichtbar für Quellen, Drucke, Handschriften und Verlagsnachweise.
  • Philip James Bone: The Guitar and Mandolin. Ältere biographische und instrumentengeschichtliche Quelle, besonders für Amons Gitarren- und Liedbezug.
  • Maurice W. Riley: The History of the Viola, Band II. Wichtig für die Rezeption der Violakonzerte und für Amons Stellung im Viola-Repertoire.
  • Moderne Verlags- und Aufführungsausgaben von Robert Ostermeyer Musikedition, Amadeus Verlag und anderen Spezialverlagen, besonders zu Horn-, Flöten- und Kammermusikwerken Amons.

Ausgewählte Onlinequellen

  • Archivportal-D: Johann Andreas Amon Personendatensatz mit Berufsangaben als Komponist, Musiker, Dirigent, Sänger, Geiger, Musikverleger, Hornist und Musikdirektor sowie mit Geburtsort Drosendorf am Eggerbach und Sterbeort Wallerstein.
  • Bayerisches Musiker-Lexikon Online: Amon, Johann Andreas Bayerischer Personendatensatz und Quellenportal zur in vielen Katalogen verbreiteten Namensform Johann Andreas Amon.
  • Deutsche Biographie: Amon, Johann ADB-Artikel mit älterer Biographie, Angaben zu Bamberg, Punto, Sacchini, Heilbronn, Wallerstein, Instrumenten, Unterricht und Werkgruppen.
  • Encyclopedia.com: Amon, Johannes Andreas Englischsprachiger Kurzartikel aus Baker’s Biographical Dictionary mit Angaben zu Bamberg, Wallerstein, Punto, Sacchini, Hornspiel, Kammermusik, geistlichen Werken, Liedern und Klavierstücken.
  • Flutepage: Biographie von Johann Andreas (Johannes) Amon Chronologische Übersicht mit Bamberg, Punto, Sacchini, Straßburg, Heilbronn, Verlagsgründung, Wallersteiner Ernennungen und Tod sowie modernen Flötenausgaben.
  • French-horn.net: Amon, Johann Ausführlicher hornistischer Fachartikel von Günther Grünsteudel und Robert Ostermeyer zu Drosendorf, Bamberg, Punto, Paris, Heilbronn, Verlag, Wallerstein und Hornkammermusik.
  • IMSLP: Category Amon, Johann Andreas Komponistenseite mit Namensvarianten, Normdaten, 14 Kompositionsseiten, 13 Sammelwerken und einer Bearbeitung.
  • IMSLP: J. Amon Verlagsbezogene IMSLP-Seite zu Amon in Heilbronn und Wallerstein, mit Hinweis auf seine Tätigkeit als Musikverleger und den späteren Verkauf an Schott.
  • MGG Online: Amon, Johannes Fachlexikalischer Artikel mit präzisierter Hauptform Johannes Amon, Taufdatum, Drosendorf bei Hollfeld, Paris, Punto, Sacchini, Heilbronn, Musikverlag und Wallerstein.
  • Schott Music: Johann Andreas Amon Verlagsseite mit Kurzprofil und moderner Katalogform, relevant auch wegen des Verkaufs von Amons Verlagsbestand an Schott.
  • Verlag Dohr: Johann Andreas Amon Verlagsseite mit Kurzbiographie und Hinweis auf Amon als in Drosendorf bei Bamberg geborenen Schüler Puntos, Komponisten und Kammermusikautor.

Weiterführende Einträge

  • Antonio Rosetti Wallersteiner Komponist und wichtiger Begegnungspartner Amons während der Pariser Zeit.
  • Bamberg Fürstbischöflicher Kulturraum, in dessen Nähe Amons musikalische Frühprägung lag.
  • Bürgerliche Hausmusik Musikalischer Gebrauchskontext, für den viele Kammermusik-, Lied-, Klavier- und Gitarrenwerke Amons bestimmt waren.
  • Drosendorf bei Hollfeld Tauf- und Herkunftsort Johannes Amons in der Fränkischen Schweiz.
  • Franz Anton Hoffmeister Komponist und Verleger, dessen Beispiel und Anregung für Amons Heilbronner Verlagsgründung wichtig war.
  • Franz Anton Rosetti Komponist der Wallersteiner Hofkapelle, den Amon 1781 in Paris traf und dessen Wallersteiner Umfeld später für Amon bedeutsam wurde.
  • Gitarre Instrument der bürgerlichen Hausmusik, für das Amon Duos, Liederbegleitungen und Salonwerke schrieb.
  • Giovanni Punto Berühmter Hornvirtuose und Lehrer Amons, mit dem Amon nach Paris und auf Konzertreisen ging.
  • Heilbronn Stadt, in der Amon seit 1789 als Musikdirektor wirkte und 1791 seinen Musikverlag gründete.
  • Hofkapellmeister Amt, das Amon ab 1817 am Hof von Oettingen-Wallerstein innehatte.
  • Horn Instrument, auf dem Amon als Schüler Puntos eine Virtuosenlaufbahn begann und für das er später wichtige Kammermusik schrieb.
  • Hornquartett Kammermusikalische Gattung, in der Amons Quartette op. 20 und op. 109 besonders wichtig sind.
  • Ignaz Pleyel Komponist und Verleger, den Amon 1784 in Straßburg traf und dessen bürgerlich-verlegerisches Umfeld für Amons Zeit charakteristisch ist.
  • Kammermusik Zentrales Werkfeld Amons, besonders in Duos, Trios, Quartetten, Quintetten und gemischten Bläser-Streicher-Besetzungen.
  • Kapellmeister Musikleitungsamt zwischen Hof, Kirche und Konzertpraxis, das Amons späte Wallersteiner Tätigkeit bestimmte.
  • Klassik Stilepoche, in deren praktischer und bürgerlicher Breitenkultur Amons Werke stehen.
  • Le nozze di Figaro Mozart-Oper, aus der Amons Verlag Gesangspartien beziehungsweise Auszüge verbreitete.
  • Lied mit Gitarre Um 1800 beliebte Form der Hausmusik, zu der Amon mehrere Beiträge lieferte.
  • Musikdirektor Städtisches Leitungsamt, das Amon in Heilbronn fast drei Jahrzehnte ausübte.
  • Musikverlag Publikations- und Vertriebsform, in der Amon ab 1791 als Heilbronner Verleger wirkte.
  • Notendruck Technisch-ökonomische Grundlage der bürgerlichen Musikkultur, in der Amons Verlag seine Bedeutung erhielt.
  • Oettingen-Wallerstein Fürstenhaus und Hofmusikzusammenhang, in dem Amon ab 1817 als Kapellmeister wirkte.
  • Paris Internationaler Musikort, an dem Amon 1781 mit Punto wirkte und bei Antonio Sacchini Komposition studierte.
  • Giovanni Punto Virtuose, Lehrer und Reisebegleiter Amons, dessen Hornschule Amons frühe Laufbahn prägte.
  • Antonio Sacchini Italienischer Opernkomponist, bei dem Amon in Paris Kompositionsunterricht erhielt.
  • Schott Mainzer Musikverlag, der Teile von Amons Heilbronner Verlagsbestand übernahm.
  • Simrock Bonner Musikverlag, der ebenfalls mit der Übernahme von Amons Verlagsbestand verbunden ist.
  • Streichquartett Zentrale Kammermusikgattung, in der Amon mit Quartetten op. 15 und op. 113 vertreten ist.
  • Viola Instrument, für das Amon als Spieler und Komponist besonders bemerkenswerte Konzertwerke schuf.
  • Wallerstein Sterbeort und letzter Wirkungsort Amons sowie Schauplatz seiner Hofkapellmeistertätigkeit.
  • Wallersteiner Hofkapelle Hoforchester von Oettingen-Wallerstein, dessen späte Geschichte Amon ab 1817 mitprägte.
  • Wiener Klassik Stil- und Repertoirehorizont, aus dem Amons Verlag populäre Werke und Auszüge verbreitete.