Eusebius Ammerbach

Auch Eusebius Amerbach, Amerpach und Ammerpach; * um 1530 in Wittenberg; † 1595 in Augsburg. Orgelbauer, Organist, Praeceptor, Lehrer und Orgelsachverständiger, vermutlich Sohn des Wittenberger Humanisten Veit Ammerbach und eine der wichtigsten Augsburger Orgelbauerpersönlichkeiten der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Überblick

Eusebius Ammerbach war ein süddeutscher Orgelbauer, Organist, Praeceptor, Lehrer und Orgelsachverständiger des 16. Jahrhunderts. Er wurde um 1530 in Wittenberg geboren und starb 1595 in Augsburg. Seine Tätigkeit verbindet protestantische Bildungswelt, süddeutschen Orgelbau, Augsburger Stadtkultur, die Musikpflege der Fugger, den Kirchenraum von St. Anna, den Augsburger Dom, St. Ulrich und Afra, das Ulmer Münster und mehrere süddeutsch-österreichische Wirkungsorte.

Ammerbach tritt in den Quellen nicht als Komponist, sondern vor allem als praktischer Musiker, Lehrer, Orgelbauer und Gutachter hervor. Seine Bedeutung liegt in der handwerklich-technischen, institutionellen und klangkulturellen Entwicklung des süddeutschen Orgelbaus. Das Augsburger Stadtlexikon nennt ihn ausdrücklich als bedeutendsten Augsburger Orgelbauer in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Diese Einschätzung ist kulturgeschichtlich plausibel, weil Augsburg damals ein Ort außerordentlicher wirtschaftlicher, konfessioneller, künstlerischer und musikalischer Verdichtung war.

Seine wichtigsten belegten Arbeiten betreffen die Orgel des Augsburger Doms von 1577 bis 1579 und die Fugger-Orgel in St. Ulrich und Afra aus dem Umfeld der Jahre 1580/1581. Hinzu kommen die Begutachtung und Mitwirkung beim Orgelprojekt des Ulmer Münsters 1576, Arbeiten in Wemding, vermutlich in St. Blasien, Arbeiten für den Münchener Hof, spätere Nachweise in Linz, Waldhausen und Wien sowie die Rückkehr nach Augsburg mit einem Umbau der großen Fuggerorgel in St. Anna im Jahr 1594.

Der Rang Ammerbachs liegt nicht nur in einzelnen Instrumenten. Er steht für eine Übergangsphase, in der der Orgelbauer nicht bloß Handwerker war, sondern zugleich musikalisch gebildeter Spieler, Berater, Sachverständiger und Akteur in städtischen, kirchlichen und höfischen Netzwerken. Die Orgel war im 16. Jahrhundert kein neutraler technischer Gegenstand. Sie war liturgisches Instrument, Repräsentationsobjekt, Klangmaschine, Stiftung, Bildträger, Werkstattprodukt und Prestigezeichen. Ammerbach gehört zu den Persönlichkeiten, an denen diese Mehrfachrolle besonders deutlich wird.

Kurzdaten

Name Eusebius Ammerbach.
Weitere Namensformen Eusebius Amerbach, Eusebius Amerpach, Eusebius Ammerpach und Eusebius Ammerbachus.
Dateiname ammerbach-eusebius.shtml.
Geburt Um 1530 in Wittenberg.
Tod 1595 in Augsburg.
Beruf Orgelbauer, Organist, Praeceptor, Lehrer und Orgelsachverständiger.
Konfession Evangelisch-lutherisch.
Vater Vermutlich Veit Ammerbach, Wittenberger Humanist und Gelehrter; die genealogische Zuordnung wird in der Forschung vorsichtig formuliert.
Ausbildung Wohl ab 1543 in Ingolstadt; ab 1548 Studium in Ingolstadt nachweisbar.
Hauptwirkungsort Augsburg.
Weitere Wirkungsorte Ingolstadt, Ulm, Wemding, St. Blasien, München, Linz, Waldhausen und Wien.
Augsburger Bürgerrecht 1563.
Pädagogische Tätigkeit 1562 bis 1565 Praeceptor am Gymnasium bei St. Anna in Augsburg.
Organistentätigkeit Zeitweise Organist an St. Anna; bis 1584 auch Organist im Zusammenhang mit der Fugger-Kapelle von St. Ulrich und Afra.
Wichtige Orgelarbeiten Augsburger Dom 1577–1579; St. Ulrich und Afra beziehungsweise Fugger-Orgel 1580/1581; Begutachtung und Mitwirkung am Ulmer Münster 1576; vermutlich St. Blasien 1583; Umbau der großen Fuggerorgel in St. Anna 1594.
Besondere Bedeutung Ammerbach gilt als die erste deutlich hervortretende und bedeutendste Augsburger Orgelbauerpersönlichkeit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.
Forschungsproblem Ein vollständiges Werkverzeichnis ist nur als quellenkritisches Arbeitsverzeichnis möglich, weil nicht alle Arbeiten erhalten sind und einige Zuschreibungen nur vermutlich oder indirekt belegt sind.

Namensformen und Quellenlage

Die Hauptform dieser Seite lautet Eusebius Ammerbach. Daneben begegnet die Form Amerbach, die für die Augsburger und süddeutsche Überlieferung besonders wichtig ist. In älteren und latinisierten Zusammenhängen können außerdem Amerpach, Ammerpach und Ammerbachus erscheinen. Die Schreibungsvarianz ist für das 16. Jahrhundert nicht ungewöhnlich. Familiennamen waren in städtischen, akademischen, kirchlichen und handwerklichen Quellen nicht immer orthographisch stabil.

Die biographische Grundlinie ist gesichert, aber nicht in allen Einzelheiten vollständig dokumentiert. Ammerbach wurde um 1530 in Wittenberg geboren, war wohl ein Sohn des Humanisten Veit Ammerbach, kam vermutlich bereits in jungen Jahren nach Ingolstadt und ist dort ab 1548 als Student greifbar. 1562 übersiedelte er nach Augsburg, erwarb 1563 das Bürgerrecht und wirkte 1562 bis 1565 als Praeceptor am Gymnasium bei St. Anna. Seine Tätigkeit als Organist und Orgelbauer entwickelte sich in einem Umfeld, in dem Bildung, Kirchenmusik, Fugger-Patronage und handwerkliche Spezialkenntnis eng zusammenhingen.

Besonders sicher belegt sind die Augsburger Arbeiten: die Domorgel von 1577 bis 1579 und die Fugger-Orgel in St. Ulrich und Afra von 1580 beziehungsweise 1581. Gut bezeugt ist außerdem seine Rolle als Gutachter und Mitwirkender beim Orgelprojekt des Ulmer Münsters im Jahr 1576. Weitere Arbeiten in Wemding, vermutlich in St. Blasien, für den Münchener Hof und in österreichischen Kontexten sind für die Rekonstruktion seines Tätigkeitsradius wichtig, müssen aber im Einzelfall vorsichtiger formuliert werden.

Leben und Laufbahn

Eusebius Ammerbach wurde um 1530 in Wittenberg geboren. Wittenberg war in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts nicht irgendein Ort, sondern eines der Zentren der Reformation, der humanistischen Bildung und der lutherischen Universitätskultur. Die vermutete Verbindung zu Veit Ammerbach stellt ihn in ein gelehrtes Milieu, auch wenn seine spätere Haupttätigkeit nicht die Gelehrsamkeit, sondern der Orgelbau war.

Wohl ab 1543 hielt sich Ammerbach in Ingolstadt auf, wo er ab 1548 als Student greifbar ist. Ingolstadt war ein katholisch geprägter Universitäts- und Bildungsort. Diese biographische Bewegung von Wittenberg nach Ingolstadt und später nach Augsburg ist für die Zeit ungewöhnlich interessant, weil sie die konfessionell vielschichtige Landschaft Süddeutschlands berührt. Ammerbachs späterer Wirkungskreis lag in einer Stadt, die von konfessioneller Koexistenz, städtischem Reichtum und intensivem Musikleben geprägt war.

1562 übersiedelte Ammerbach nach Augsburg. Bereits 1563 erhielt er dort das Bürgerrecht. Von 1562 bis 1565 war er Praeceptor am Gymnasium bei St. Anna. Diese Tätigkeit zeigt, dass er zunächst nicht nur als Handwerker, sondern auch als Lehrer und gebildeter Musiker wirkte. Zeitweise war er außerdem Organist von St. Anna, einer zentralen evangelischen Kirche Augsburgs.

In den 1570er Jahren tritt Ammerbach stärker als Orgelbauer und Sachverständiger hervor. 1576 war er an der Begutachtung der Pläne und an der Mitwirkung beim Bau der Orgel des Ulmer Münsters beteiligt. Von 1577 bis 1579 baute er die Orgel im Augsburger Dom. 1580 beziehungsweise 1581 entstand die Fugger-Orgel in St. Ulrich und Afra, die mit Jakob Fugger, Abt Jakob Köplin und der Michaelis- beziehungsweise Fuggerkapelle verbunden war. Diese Orgel war nicht nur ein Instrument, sondern Teil eines repräsentativen Stiftungs- und Grabkapellenzusammenhangs.

Bis 1584 war Ammerbach im Zusammenhang mit St. Ulrich und Afra auch als Organist angestellt. Weitere Arbeiten werden in Wemding, vermutlich in St. Blasien und für den Münchener Hof greifbar. Danach hielt er sich mit seiner Familie wohl nahezu ein Jahrzehnt im österreichischen Raum auf. Nachweise führen nach Linz, Waldhausen und Wien. 1594 kehrte er nach Augsburg zurück und nahm einen Umbau der großen Fuggerorgel in St. Anna vor. 1595 starb er in Augsburg.

Ausführlicher Kulturüberblick

Eusebius Ammerbach gehört in eine Zeit, in der sich der süddeutsche Orgelbau zwischen spätmittelalterlicher Werkstatttradition, Renaissance-Repräsentation, konfessioneller Neuordnung und wachsender musikalischer Spezialisierung bewegte. Die Orgel war im 16. Jahrhundert ein technisch anspruchsvolles, finanziell kostspieliges und symbolisch hoch aufgeladenes Instrument. Sie verlangte Holz-, Metall-, Wind-, Mechanik-, Architektur-, Akustik- und Musikkenntnisse. Ein Orgelbauer musste daher weit mehr sein als ein Handwerker im engen Sinn.

Augsburg war für eine solche Laufbahn ein besonders geeigneter Ort. Die Stadt war ein Zentrum des Handels, des Kunsthandwerks, der Buch- und Bildkultur, des Humanismus, der Reformation und der Patrizierherrschaft. Die Fugger prägten nicht nur Wirtschaft und Politik, sondern auch Kirchenräume, Kapellen, Stiftungen und Musik. Ihre Orgelstiftungen waren Teil einer repräsentativen Frömmigkeits- und Erinnerungskultur. Ammerbachs Arbeit an der Fugger-Orgel von St. Ulrich und Afra steht genau in diesem Zusammenhang.

Die Orgel in einer Kirche war nicht allein liturgisches Werkzeug. Sie strukturierte Klang, Raum und Prestige. Ein großes Instrument konnte die Macht eines Stifters, die Bedeutung eines Kirchenraums und die Kunstfertigkeit einer Stadt sichtbar und hörbar machen. Prospekt, Flügelmalerei, Wappen, Standort, Gehäuse und Klang gehörten zusammen. In St. Ulrich und Afra verband sich die Orgel mit der Fuggerkapelle, einer Grablege und einem familiären Memorialraum.

Ammerbachs Tätigkeit als Orgelsachverständiger zeigt, dass er in seiner Zeit nicht nur als Ausführender, sondern auch als Urteilender gefragt war. Wer Orgelpläne begutachtete, musste Disposition, Windversorgung, Traktur, Gehäuse, Standort, Raumakustik und musikalische Brauchbarkeit einschätzen können. Seine Mitwirkung beim Ulmer Münster-Orgelprojekt macht ihn zu einem über Augsburg hinaus anerkannten Fachmann.

Die konfessionelle Lage ist für Ammerbachs Wirkung besonders interessant. Er wird als evangelisch-lutherisch geführt, arbeitete aber in einer Stadt und in Räumen, die konfessionell komplex waren. Augsburg war seit dem Religionsfrieden von 1555 ein Schlüsselort des konfessionellen Ausgleichs und der Spannung. Orgelbau überschritt dabei häufig konfessionelle Grenzen: Ein guter Orgelbauer wurde von evangelischen, katholischen, städtischen, klösterlichen, patrizischen und höfischen Auftraggebern gesucht.

Augsburg, Fugger, Kirchenmusik und Orgelbau

In Augsburg trat Ammerbach in ein außergewöhnlich dichtes Musikleben ein. Kirchen, Klöster, Patrizierkapellen, Gymnasien, Stadtpfeifer, Organisten, Instrumentenbauer und Mäzene bildeten ein Netzwerk, das musikalische Arbeit ermöglichte. Die Fugger spielten darin eine herausgehobene Rolle. Ihre Kapellen und Stiftungen waren nicht nur religiöse Orte, sondern auch künstlerische und musikalische Räume.

Die Fugger-Orgel in St. Ulrich und Afra ist ein Beispiel dafür. Jakob Fugger schloss mit Abt Jakob Köplin und Ammerbach Verträge, die die Errichtung eines Instruments im Zusammenhang mit der Michaelis- oder Fuggerkapelle ermöglichten. Die Orgel kostete 2500 Gulden, eine erhebliche Summe, und wurde später von den Fugger-Söhnen an einen anderen Ort versetzt beziehungsweise in die Geschichte der Westempore eingebunden. Schon diese Vorgänge zeigen, dass ein Instrument nicht statisch war: Es konnte umgebaut, versetzt, erweitert und in neue architektonische Zusammenhänge integriert werden.

Die Domorgel von 1577 bis 1579 führt Ammerbach in einen anderen kirchlichen Kontext. Der Augsburger Dom war ein hochrangiger katholischer Raum. Dass Ammerbach als lutherisch geführter Orgelbauer dort tätig werden konnte, zeigt die praktische Wertschätzung handwerklicher und musikalischer Kompetenz. Zugleich verweist es auf die konfessionelle Komplexität des Augsburger Musiklebens.

St. Anna wiederum war ein evangelischer Hauptort. Ammerbachs Tätigkeit als Praeceptor, zeitweiliger Organist und späterer Umbauer der großen Fuggerorgel in St. Anna verbindet ihn mit dem protestantischen Bildungs- und Kirchenmilieu der Stadt. Er steht damit zwischen mehreren Augsburger Klangräumen: Dom, St. Anna, St. Ulrich und Afra, Fuggerkapelle und städtischer Unterrichtskultur.

Orgelbau, Gutachten und Werkstattpraxis

Der Orgelbau des 16. Jahrhunderts war ein komplexes Zusammenspiel von Handwerk, Kunst, Technik und Musik. Ein Orgelbauer wie Ammerbach musste Pfeifenmensuren, Windladen, Bälge, Trakturen, Register, Gehäuse, Prospektgestaltung, Raumwirkung und spielpraktische Anforderungen beherrschen. Die erhaltenen Quellen nennen ihn nicht zufällig auch als Organisten. Wer selbst spielte, konnte die Brauchbarkeit eines Instruments anders beurteilen als ein reiner Werkstattmeister.

Seine Gutachterrolle beim Ulmer Münster weist auf einen besonderen Rang. Das Ulmer Münster war einer der bedeutendsten Kirchenräume Süddeutschlands. Ein Orgelprojekt dort war nicht nur technisch, sondern auch repräsentativ anspruchsvoll. Die Begutachtung von Plänen und die Mitwirkung beim Bau zeigen, dass Ammerbachs Fachurteil über Augsburg hinaus Gewicht hatte.

Für die Werkstattpraxis ist außerdem wichtig, dass Orgeln in dieser Zeit selten unverändert blieben. Sie wurden repariert, gestimmt, gereinigt, versetzt, erweitert, umdisponiert und mit neuen Gehäusen versehen. Die Fugger-Orgel von St. Ulrich und Afra wurde nach ihrer Errichtung in der Michaeliskapelle später auf die Westempore übertragen und erweitert. Solche Veränderungsprozesse erschweren die Rekonstruktion des ursprünglichen Ammerbach-Instruments, sind aber typisch für die Orgelgeschichte.

Die Quellen nennen auch Arbeiten in Wemding, vermutlich St. Blasien und für den Münchener Hof sowie Nachweise in Linz, Waldhausen und Wien. Dieses Netz zeigt, dass Ammerbach nicht nur lokaler Augsburger Orgelmacher war. Er gehört zu einer mobilen Fachwelt, in der Orgelbauer Auftraggebern, Baustellen, Gutachten und Werkstattmöglichkeiten nachgingen. Seine Familie begleitete ihn offenbar zeitweise, was auf längere Aufenthalte außerhalb Augsburgs schließen lässt.

Werk- und Arbeitsverzeichnis

Das folgende Verzeichnis ist als quellenkritisches Werk- und Arbeitsverzeichnis eines Orgelbauers zu verstehen. Anders als bei einem Komponisten meint „Werk“ hier nicht eine Partitur, sondern ein gebautes, begutachtetes, umgebautes, repariertes oder zugeschriebenes Instrument beziehungsweise eine nachweisbare Fachleistung. Da viele Orgeln des 16. Jahrhunderts später umgebaut, versetzt oder verloren wurden, ist zwischen gesicherten, wahrscheinlich belegten und nur vorsichtig zu nennenden Arbeiten zu unterscheiden.

Gesicherte und gut belegte Arbeiten

  • Begutachtung und Mitwirkung beim Bau der Orgel des Ulmer Münsters, Ulm, 1576. Ammerbach begutachtete Pläne und wirkte beim Bau beziehungsweise bei der fachlichen Beurteilung des Orgelprojekts mit. Diese Tätigkeit ist ein wichtiger Beleg für seinen überregionalen Rang als Orgelsachverständiger.
  • Domorgel Augsburg, Augsburger Dom, 1577–1579. Die Domorgel gehört zu den wichtigsten Augsburger Arbeiten Ammerbachs. In der Orgelbaugeschichte der Stadt markiert sie den Eintritt einer einheimisch beziehungsweise in Augsburg ansässig gewordenen Orgelbauerpersönlichkeit von hohem Rang.
  • Fugger-Orgel in St. Ulrich und Afra, Augsburg, 1580 beziehungsweise 1581. Das Instrument entstand im Zusammenhang mit Jakob Fugger, Abt Jakob Köplin und der Michaelis- beziehungsweise Fuggerkapelle im nördlichen Seitenschiff. Die Orgel kostete 2500 Gulden und wurde später versetzt und erweitert. Sie war nicht nur ein Instrument, sondern Teil einer Memorial-, Stiftungs- und Repräsentationskultur.
  • Organistentätigkeit bei St. Ulrich und Afra, bis 1584. Ammerbach war im Zusammenhang der Fugger-Kapelle beziehungsweise des Instruments auch als Organist tätig. Diese Verbindung von Bau und Spielpraxis ist für seine Rolle besonders aufschlussreich.
  • Umbau der großen Fuggerorgel in St. Anna, Augsburg, 1594. Nach der Rückkehr nach Augsburg nahm Ammerbach einen Umbau der großen Fuggerorgel in St. Anna vor. Diese Arbeit verbindet seine späte Lebensphase mit einem der wichtigsten evangelischen Kirchenräume Augsburgs.

Wahrscheinliche, zugeschriebene oder vorsichtig zu formulierende Arbeiten

  • Arbeiten in Wemding, Datum nicht sicher zu bestimmen. Die Quellen nennen Arbeiten in Wemding, ohne dass Umfang, Auftraggeber und Erhaltungszustand hier eindeutig festgelegt werden können.
  • Orgelarbeit in St. Blasien, vermutlich 1583. Ammerbach wird in mehreren Zusammenhängen mit einer Orgel in St. Blasien verbunden. Die Zuschreibung ist für die südwestdeutsche Orgelgeschichte wichtig, sollte aber mit dem Zusatz „vermutlich“ beziehungsweise quellenkritisch behandelt werden, soweit nicht die archivalische Einzeldokumentation vorliegt.
  • Arbeiten für den Münchener Hof, 1585. Der Münchener Hof verweist auf einen höfischen Wirkungskreis, der Ammerbachs Tätigkeit über den städtisch-kirchlichen Augsburger Rahmen hinaus erweitert.
  • Nachweise in Linz, um 1587 bis 1590. Diese Aufenthalte gehören zu der Phase, in der Ammerbach sich mit seiner Familie im österreichischen Raum aufhielt.
  • Nachweis in Waldhausen, 1592. Der Ort gehört zu den österreichischen beziehungsweise oberösterreichischen Stationen seiner späteren Tätigkeit.
  • Nachweis in Wien, 1594. Der Wiener Nachweis markiert die letzte Phase vor beziehungsweise im Zusammenhang mit seiner Rückkehr nach Augsburg.

Lehr-, Organisten- und Sachverständigentätigkeit

  • Praeceptor am Gymnasium bei St. Anna, Augsburg, 1562–1565. Diese Tätigkeit zeigt Ammerbach als gebildeten Lehrer im Umfeld einer evangelischen Bildungsinstitution.
  • Zeitweilige Organistentätigkeit an St. Anna, Augsburg. Diese Tätigkeit verbindet ihn mit der evangelischen Kirchenmusik Augsburgs.
  • Organist im Zusammenhang der Fugger-Kapelle von St. Ulrich und Afra, bis 1584. Diese Anstellung verbindet Instrumentenbau, liturgische Praxis und Fugger-Patronage.
  • Orgelsachverständiger, besonders im Zusammenhang des Ulmer Münsters und weiterer überregionaler Arbeiten. Diese Rolle ist für seinen Rang mindestens ebenso wichtig wie einzelne Orgelbauten.

Chronologische Übersicht

um 1530 Geburt in Wittenberg.
wohl ab 1543 Aufenthalt in Ingolstadt.
1548 Studium in Ingolstadt nachweisbar.
1562 Übersiedlung nach Augsburg.
1562–1565 Praeceptor am Gymnasium bei St. Anna in Augsburg.
1563 Erwerb des Augsburger Bürgerrechts.
1576 Begutachtung der Pläne und Mitwirkung beim Orgelbauprojekt des Ulmer Münsters.
1577–1579 Bau der Domorgel im Augsburger Dom.
1580/1581 Bau der Fugger-Orgel in St. Ulrich und Afra im Zusammenhang mit Jakob Fugger, Abt Jakob Köplin und der Michaelis- beziehungsweise Fuggerkapelle.
bis 1584 Anstellung als Organist im Zusammenhang mit St. Ulrich und Afra beziehungsweise der Fugger-Kapelle.
1583 Vermutliche Arbeit in St. Blasien.
1585 Arbeiten beziehungsweise Beziehungen zum Münchener Hof.
1587–1590 Nachweise im österreichischen Raum, besonders Linz.
1592 Nachweis in Waldhausen.
1594 Nachweis in Wien und Rückkehr nach Augsburg; Umbau der großen Fuggerorgel in St. Anna.
1595 Tod in Augsburg.

Rezeption und Nachwirkung

Ammerbachs Nachwirkung ist anders zu beschreiben als die eines Komponisten, dessen Werke in Partituren und Aufführungen fortleben. Seine Instrumente sind überwiegend nicht in ursprünglicher Gestalt erhalten, wurden später umgebaut, versetzt oder ersetzt. Dennoch ist sein Rang in der Augsburger und süddeutschen Orgelgeschichte deutlich. Er steht am Übergang von einer Zeit, in der Augsburg vor allem von auswärtigen Orgelbauern abhängig war, zu einer Epoche, in der die Stadt eigene bedeutende Orgelbauerpersönlichkeiten hervorbrachte.

Die Fugger-Orgel von St. Ulrich und Afra besitzt eine besonders starke Erinnerungskraft. Sie verbindet Orgelbau, Stiftung, Grabkapelle, Fugger-Geschichte, Benediktinerkloster, Architektur, Malerei und spätere Umbauten. Selbst wenn das ursprüngliche Instrument nicht unverändert erhalten blieb, blieb der Name Ammerbach mit dieser Orgelgeschichte verbunden.

Die Forschung hebt außerdem seine Nähe zu Kaspar Sturm hervor. Die Studie Raimund Walter Sterls über die Orgelbauer Eusebius Amerbach und Kaspar Sturm macht deutlich, dass Ammerbach nicht isoliert betrachtet werden sollte. Er gehörte zu einem süddeutschen Fachmilieu, in dem Orgelbauer, Organisten, Gutachter und Auftraggeber miteinander verflochten waren.

Für Augsburg ist Ammerbach ein früher Bezugspunkt einer Linie, die im 17. Jahrhundert mit Marx Günzer, den Bidermann, später Christoph Leo, Johann Christoph Leo, Johann Betz, Johann Andreas Stein und weiteren Orgelbauern fortgeführt wurde. Er steht damit am Anfang einer lokal fassbaren Orgelbaugeschichte, die weit über das einzelne Instrument hinausreicht.

Forschung, Quellen und editorische Hinweise

Die Forschung zu Eusebius Ammerbach muss mit einer schwierigen Quellenlage umgehen. Ein Orgelbauer hinterlässt meist keine geschlossene Werkgruppe wie ein Komponist. Viele Informationen stammen aus Bürgerbüchern, Schul- und Kirchenakten, Rechnungen, Verträgen, Orgelbauakten, späteren Orgelbeschreibungen, lokalen Lexika und musikhistorischen Spezialstudien. Hinzu kommt, dass Orgeln durch Umbauten ihre ursprüngliche Gestalt verändern. Werkzuschreibung und Erhaltungszustand müssen deshalb getrennt behandelt werden.

Besonders wichtig sind die Augsburger Quellen. Das Stadtlexikon Augsburg bietet eine knappe, aber dichte Zusammenfassung der biographischen Daten und der wichtigsten Arbeiten. Der dortige Artikel „Orgelbauer“ ordnet Ammerbach in die längere Augsburger Orgelbaugeschichte ein. Für St. Ulrich und Afra sind die kirchlichen Orgelgeschichten und Hinweise zur Fugger-Orgel zentral. Für den überregionalen Kontext sind musikwissenschaftliche Arbeiten zum süddeutschen Orgelbau, zu Kaspar Sturm, zur Orgel des Ulmer Münsters und zur Augsburger Fugger-Musik heranzuziehen.

Editorisch sollte Ammerbach nicht mit Elias Nikolaus Ammerbach verwechselt werden. Elias Nikolaus Ammerbach war Organist der Thomaskirche Leipzig und Herausgeber von Tabulaturbüchern; Eusebius Ammerbach war Orgelbauer, Organist, Lehrer und Orgelsachverständiger in Augsburg. Die Namensähnlichkeit und die Nähe der Zeit können leicht zu Verwechslungen führen. Deshalb ist der Dateiname ammerbach-eusebius.shtml eindeutig zu setzen.

Für das Werkverzeichnis sollte konsequent zwischen gesicherten Arbeiten, wahrscheinlichen Arbeiten, Reparaturen, Umbauten, Gutachten und bloßen Aufenthaltsnachweisen unterschieden werden. Angaben wie St. Blasien, München, Linz, Waldhausen und Wien sind für die Reichweite seiner Tätigkeit wichtig, aber nicht in allen Fällen so eindeutig zu behandeln wie Augsburg Dom oder St. Ulrich und Afra.

Sekundärliteratur

  • Fischer, Hermann; Wohnhaas, Theodor: Historische Orgeln in Schwaben. München 1982; grundlegend für die Einordnung schwäbischer und Augsburger Orgelbaugeschichte.
  • Fischer, Hermann; Wohnhaas, Theodor: Lexikon süddeutscher Orgelbauer. Wilhelmshaven 1994; wichtiges Nachschlagewerk für Ammerbachs Werk- und Personenkontext.
  • Grünsteudel, Günther; Mančal, Josef: Ammerbach. In: Stadtlexikon Augsburg, Artikel zu Eusebius Ammerbach; knappe, quellenorientierte Zusammenfassung von Leben, Beruf und Arbeiten.
  • Krautwurst, Franz; Zorn, Wolfgang: Bibliographie des Schrifttums zur Musikgeschichte der Stadt Augsburg. Augsburg 1989; bibliographische Grundlage für Augsburger Musikgeschichte.
  • Krautwurst, Franz: Die Fugger und die Musik. In: Die Fugger und die Musik. Augsburg 1993, S. 41–48; wichtig für die Einordnung von Fugger-Patronage, Musikpflege und Orgelstiftung.
  • Layer, Adolf: Orgeln, Orgelbauer und Organisten im Bistum Augsburg vor der Reformation. In: Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte 2, 1968, S. 11–22; älterer Kontextbeitrag zur Vorgeschichte des Augsburger Orgelbaus.
  • Sterl, Raimund Walter: Die Orgelbauer Eusebius Amerbach und Kaspar Sturm. In: Die Musikforschung 22, 1969, S. 42–46; zentrale Spezialstudie zu Ammerbach und seinem Orgelbauerumfeld.
  • Wohnhaas, Theodor: Orgelbauer. In: Stadtlexikon Augsburg; Überblick zur Augsburger Orgelbaugeschichte mit besonderem Hinweis auf Eusebius Ammerbach als erste hervortretende Persönlichkeit des 16. Jahrhunderts.
  • MGG, Personenteil: Artikel Ammerbach, Eusebius. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, zweite Ausgabe, Personenteil 1, Kassel/Stuttgart 1999, S. 610 f.; fachlexikalische Einordnung.
  • Materialien der Digital Organology beziehungsweise musiXplora zu Eusebius Ammerbach; wichtig für maschinenlesbare Personen-, Orts-, Berufs- und Netzwerkdaten.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Augsburg Hauptwirkungs- und Sterbeort Eusebius Ammerbachs sowie bedeutendes Zentrum von Orgelbau, Fugger-Patronage, Kirchenmusik und Stadtkultur.
  • Augsburger Dom Kirchenraum, für den Ammerbach 1577 bis 1579 eine bedeutende Orgel baute.
  • Augsburger Orgelbau Lokale Orgelbautradition, in der Ammerbach als erste deutlich hervortretende Persönlichkeit des 16. Jahrhunderts gilt.
  • Fugger Augsburger Patrizier- und Kaufmannsfamilie, deren Stiftungs- und Memorialkultur mit Ammerbachs Orgel in St. Ulrich und Afra verbunden ist.
  • Fugger-Orgel Orgeltyp beziehungsweise konkreter Stiftungszusammenhang der Fugger, besonders in St. Ulrich und Afra sowie St. Anna Augsburg relevant.
  • Ingolstadt Studien- und Ausbildungsort Ammerbachs sowie wichtiger süddeutscher Universitätsort des 16. Jahrhunderts.
  • Kaspar Sturm Orgelbauer, der in der Forschung häufig zusammen mit Eusebius Ammerbach behandelt wird.
  • Linz Österreichischer Wirkungsort, an dem Ammerbach um 1587 bis 1590 nachweisbar ist.
  • Münchener Hof Höfischer Kontext, für den Ammerbach 1585 Arbeiten beziehungsweise Beziehungen zugeschrieben werden.
  • Orgel Zentrales Instrument von Ammerbachs handwerklicher und musikalischer Tätigkeit.
  • Orgelbauer Berufsfeld zwischen Handwerk, Akustik, Architektur, Musikpraxis und liturgischer Funktion, dem Ammerbach angehörte.
  • Orgelsachverständiger Funktion, in der Ammerbach etwa beim Ulmer Münster-Orgelprojekt als Gutachter und fachlicher Mitwirkender hervortrat.
  • Orgelbau der Renaissance Epoche des Orgelbaus, in der Ammerbachs süddeutsche Arbeiten zwischen spätmittelalterlicher Tradition und frühneuzeitlicher Repräsentation stehen.
  • Praeceptor Lehrer- und Bildungsfunktion, die Ammerbach am Gymnasium bei St. Anna in Augsburg ausübte.
  • Reformation Konfessioneller Hintergrund von Ammerbachs Wittenberger Herkunft, lutherischer Konfession und Augsburger Wirkungswelt.
  • St. Anna Augsburg Evangelischer Augsburger Kirchen- und Bildungsort, an dem Ammerbach als Praeceptor, zeitweise Organist und später als Umbauer einer Fuggerorgel greifbar wird.
  • St. Blasien Vermutlicher Wirkungsort Ammerbachs im Zusammenhang einer Orgelarbeit um 1583.
  • St. Ulrich und Afra Augsburg Basilika und früheres Benediktinerkloster, für dessen Fugger-Kapelle Ammerbach 1580/1581 eine bedeutende Orgel baute.
  • Süddeutscher Orgelbau Überregionaler Orgelbauzusammenhang, in dem Ammerbach als Augsburger Meister des 16. Jahrhunderts zu verorten ist.
  • Ulmer Münster Großer Kirchenraum, dessen Orgelprojekt Ammerbach 1576 begutachtete und fachlich mitbetreute.
  • Veit Ammerbach Wittenberger Humanist, der vermutlich der Vater Eusebius Ammerbachs war.
  • Waldhausen Österreichischer Nachweisort Ammerbachs im Jahr 1592.
  • Wemding Süddeutscher Ort, an dem Arbeiten Ammerbachs genannt werden.
  • Wien Später Nachweisort Ammerbachs im Jahr 1594, kurz vor der Rückkehr nach Augsburg.
  • Wittenberg Geburtsort Ammerbachs und bedeutendes Zentrum von Reformation, Universität und humanistischer Gelehrsamkeit.