Elias Nikolaus Ammerbach
Überblick
Elias Nikolaus Ammerbach war ein deutscher Organist, Lehrer, Herausgeber und Bearbeiter der Renaissance. Er ist weniger als Komponist eigenständiger Werke denn als Redaktor, Intabulierer und Vermittler von Orgelmusik und Musik für Tasteninstrumente von herausragender Bedeutung. Seine Drucke Orgel oder Instrument Tabulatur von 1571, Ein new künstlich Tabulaturbuch von 1575 und die erweiterte Fassung Orgel oder Instrument Tabulaturbuch von 1583 gehören zu den wichtigsten Zeugnissen der gedruckten deutschen Tastenmusik des 16. Jahrhunderts.
Ammerbach wirkte seit 1561 an der Thomaskirche Leipzig, also an einem der zentralen kirchenmusikalischen Orte Mitteldeutschlands. Sein Name steht damit in einer langen Leipziger Organisten- und Kantorentradition, die später mit Samuel Scheidt, Johann Pachelbel und vor allem Johann Sebastian Bach in eine andere, spätere Epoche eintritt. Ammerbach gehört jedoch in eine frühere Schicht: in die Zeit der Reformation, der Druckkultur, der lutherischen Stadtmusik, der humanistischen Bildung und der beginnenden Standardisierung von Tabulatur- und Unterrichtsformen.
Sein entscheidender kulturgeschichtlicher Beitrag liegt in der Verbindung von Praxis und Druck. Ammerbach veröffentlichte keine theoretische Spekulation, sondern ein brauchbares, für Organisten und Lernende bestimmtes Repertoire- und Unterrichtsbuch. Die Drucke enthalten eine Einführung in die Tabulatur, Beispiele zur Anwendung, geistliche und weltliche Stücke, Motettenbearbeitungen, deutsche Tänze, Galliarden, Passamezzi und Intabulierungen von Vokalwerken bedeutender Komponisten. Damit zeigen sie, wie ein Organist der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mit vorhandener Musik umging: Er übertrug sie auf ein Tasteninstrument, ordnete sie didaktisch, machte sie spielbar und stellte sie in eine gedruckte Gebrauchstradition.
Ammerbachs Tabulaturbücher sind außerdem wichtig, weil sie die sogenannte Neue Deutsche Orgeltabulatur sichtbar machen. Diese Notationsweise verwendet Buchstaben für Tonhöhen und darübergesetzte rhythmische Zeichen. Sie war für Organisten und Tasteninstrumentalisten praktisch und blieb in unterschiedlichen Formen noch lange gebräuchlich. Ammerbachs Drucke stehen daher nicht nur am Anfang einer gedruckten Repertoiregeschichte, sondern auch am Anfang einer Notationsgeschichte, die das Verhältnis von Schrift, Unterricht, Orgelspiel und häuslichem Musizieren neu ordnet.
Kurzdaten
| Name | Elias Nikolaus Ammerbach. |
|---|---|
| Weitere Namensformen | Elias Nicolaus Ammerbach, Elias Nikolaus Ammorbach, Elias Nicolaus Ammorbach, Elias Nikolaus Amerbach, Elias Nicolaus Amerbach, Elias Nicolaus genannt Ammerbach, Elias Nicolaus sonst Ammerbach genannt, Nicolaus Ammerbach und Nikolaus Ammerbach. |
| Dateiname | ammerbach-elias-nikolaus.shtml. |
| Geburt | Um 1530 in Naumburg. |
| Tod | Begraben am 29. Januar 1597 in Leipzig; der Tod dürfte kurz zuvor, im Januar 1597, erfolgt sein. |
| Beruf | Organist, Thomasorganist, Lehrer, Herausgeber, Bearbeiter, Intabulierer und Vermittler deutscher Orgel- und Tastenmusik. |
| Konfessioneller Kontext | Lutherische Stadt- und Kirchenmusik im mitteldeutschen Raum nach der Reformation. |
| Ausbildung | Besuch beziehungsweise Studium an der Universität Leipzig 1548–1549; weitere musikalische Ausbildung ist nicht im Detail gesichert, aus dem Vorwort des Drucks von 1571 geht jedoch der Hinweis auf Studienreisen beziehungsweise Begegnungen mit auswärtigen Meistern hervor. |
| Hauptwirkungsort | Leipzig, besonders die Thomaskirche. |
| Amt | Organist an der Thomaskirche Leipzig von 1561 bis 1595 beziehungsweise über mehr als drei Jahrzehnte. |
| Bürgerrecht | Erwarb 1564 das Leipziger Bürgerrecht. |
| Hauptdrucke | Orgel oder Instrument Tabulatur, Leipzig 1571; Ein new künstlich Tabulaturbuch, Leipzig 1575; Orgel oder Instrument Tabulaturbuch, Nürnberg 1583. |
| Zentrale Bedeutung | Herausgeber der frühesten gedruckten deutschen Orgel- beziehungsweise Tastenmusik in Tabulaturform und wichtiger Vermittler der Neuen Deutschen Orgeltabulatur. |
| Repertoiretyp | Intabulierungen, Bearbeitungen, Motetten, geistliche und weltliche Lieder, deutsche Tänze, Galliarden, Passamezzi, Reprisen, Saltarelli und italienische Madrigalbearbeitungen. |
| Kompositionsstatus | Eigenkompositionen sind nicht sicher zu bestimmen; der musikhistorische Rang beruht vor allem auf Herausgabe, Bearbeitung, Intabulierung und didaktischer Ordnung vorhandener Musik. |
| Normdaten | GND 11911139X; BnF 148345273; in internationalen Katalogen meist unter Elias Nikolaus Ammerbach beziehungsweise Elias Nicolaus Ammerbach geführt. |
Namensformen und Quellenlage
Die heute gebräuchlichste Namensform lautet Elias Nikolaus Ammerbach. In älteren Drucken und Katalogen erscheinen auch Elias Nicolaus Ammerbach, Ammorbach und Amerbach. Der Druck von 1571 verwendet die Form Eliam Nicolaum, sonst Ammerbach genandt; der Druck von 1583 nennt ihn als Eliam Nicolaum Ammerbach, Burgern und Organisten inn Leipzig zu S. Thomas. Diese Namensform zeigt, dass „Ammerbach“ nicht nur Familienname, sondern in der frühneuzeitlichen Druck- und Amtsüberlieferung auch erläuternd an den Vornamen angefügt werden konnte.
Die Quellenlage ist für einen Organisten des 16. Jahrhunderts vergleichsweise gut, aber nicht lückenlos. Gesichert sind Naumburg als Herkunftsort, das Leipziger Universitätsstudium 1548–1549, die lange Tätigkeit an der Thomaskirche, das Leipziger Bürgerrecht und die drei Tabulaturdrucke. Biographische Einzelheiten, etwa genaue Ausbildungswege, Reisen, persönliche Lehrer oder der volle Umfang seiner Lehrtätigkeit, bleiben dagegen nur indirekt greifbar. Das Vorwort des Drucks von 1571 lässt erkennen, dass Ammerbach auswärtige musikalische Erfahrungen und Begegnungen mit bedeutenden Meistern für sich beanspruchte, doch sind diese Reisen nicht näher dokumentiert.
Die in Katalogen manchmal vorgenommene Bezeichnung als „Komponist“ ist vorsichtig zu behandeln. Ammerbachs Bedeutung liegt primär in der Bearbeitung und Intabulierung fremder Vokal- und Tanzmusik. Viele Stücke stehen in seinen Drucken unter Namen oder Vorlagen anderer Komponisten, darunter Orlando di Lasso, Ludwig Senfl, Heinrich Isaac, Josquin Desprez, Clemens non Papa und andere. Wenn einzelne Tanzsätze oder kurze Stücke unter Ammerbachs Namen laufen, muss im Einzelfall geprüft werden, ob es sich um Eigenkomposition, Bearbeitung, Intabulierung oder spätere Zuschreibung handelt.
Leben und Leipziger Tätigkeit
Elias Nikolaus Ammerbach wurde um 1530 in Naumburg geboren. Die Herkunft aus einer mitteldeutschen Stadt ist für seine spätere Laufbahn nicht zufällig. Naumburg, Leipzig, Wittenberg, Halle, Merseburg und andere Orte bildeten im 16. Jahrhundert einen dicht vernetzten Raum von Universität, Reformation, Buchdruck, Stadtschule, Kirchenmusik und humanistischer Gelehrsamkeit. Ammerbach trat in diesen Raum nicht als höfischer Virtuose, sondern als städtisch-kirchlicher Praktiker ein.
1548–1549 besuchte er die Universität Leipzig. Die Leipziger Universität war nach der Reformation weiterhin ein bedeutender Ort gelehrter und musikalischer Bildung. Für einen Organisten konnte das Universitätsmilieu ebenso wichtig sein wie die praktische Ausbildung: Latein, Theologie, Rhetorik, Unterrichtskultur und Druckwesen gehörten zur Umwelt, in der ein späteres Tabulaturbuch für „die Jugend und Anfahenden“ entstehen konnte.
1561 wurde Ammerbach Organist an der Thomaskirche Leipzig. Dieses Amt behielt er bis 1595 beziehungsweise über mehr als drei Jahrzehnte. Damit war er einer der frühen Träger jener Leipziger Kirchenmusiktradition, die später weltberühmt werden sollte. Die Thomaskirche war nicht nur ein Gottesdienstraum, sondern ein Klangort, an dem Orgelspiel, Gemeindegesang, Chor, liturgische Ordnung, Unterricht und städtische Repräsentation zusammenkamen.
1564 erwarb Ammerbach das Leipziger Bürgerrecht. Dieser Schritt zeigt seine soziale Verankerung in der Stadt. Der Organist war nicht allein musikalischer Dienstleister, sondern Mitglied einer bürgerlichen Ordnung. Er war verheiratet, in Familien- und Besitzverhältnisse eingebunden und als Lehrer beziehungsweise Musikpraktiker Teil des städtischen Ausbildungs- und Kirchenwesens.
Über seine spätere Lebenszeit sind vor allem die Drucke von 1571, 1575 und 1583 aussagekräftig. Sie belegen, dass Ammerbach seine Erfahrung als Organist und Lehrer in eine publizierte Form übertrug. Er wollte nicht nur selbst spielen, sondern ein System, Repertoire und praktische Anleitung weitergeben. Der Tod wird durch die Beisetzung am 29. Januar 1597 in Leipzig fassbar. Damit endet eine Laufbahn, die in die Frühgeschichte des gedruckten deutschen Tastenrepertoires gehört.
Ausführlicher Kulturüberblick
Ammerbachs Bedeutung wird verständlich, wenn man ihn in die Kultur der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts einordnet. Diese Zeit ist durch mehrere Umbrüche geprägt: die Nachwirkungen der Reformation, die Stabilisierung lutherischer Gottesdienstordnungen, die Ausbreitung des Notendrucks, die wachsende Bedeutung städtischer Schulen, die Verbreitung häuslicher Musikpraxis und die zunehmende Spezialisierung von Orgel- und Tastenmusik. Ammerbach steht genau an diesem Schnittpunkt.
Der Organist des 16. Jahrhunderts war nicht nur Begleiter des Gemeindegesangs. Er musste singen, hören, intabulieren, begleiten, improvisieren, unterrichten und aus vorhandener Musik spielbares Material gewinnen. Die Orgel war zugleich Kircheninstrument und Modell für andere Tasteninstrumente. Wenn Ammerbach seine Drucke „Orgel oder Instrument“ nennt, meint er nicht ausschließlich die große Kirchenorgel, sondern auch verwandte Tasteninstrumente wie Positiv, Regal, Clavichord oder Virginal. Der Titel öffnet das Repertoire damit für Kirche, Schule, Haus und Unterricht.
Die Tabulaturdrucke zeigen eine Kultur der Aneignung. Vokalpolyphonie wird auf Tasteninstrumente übertragen, Tänze werden für spielende Hände eingerichtet, bekannte Melodien erscheinen in didaktisch geordneter Form. Ammerbach arbeitet nicht primär als schöpferischer Komponist im romantischen Sinn, sondern als Vermittler eines musikalischen Bestands. Gerade darin liegt seine historische Bedeutung. Er macht Musik verfügbar, spielbar, lernbar und druckbar.
Die Verbindung von geistlichem und weltlichem Repertoire ist ebenfalls charakteristisch. Motetten, lateinische geistliche Stücke, deutsche Lieder, Tänze, Galliarden, Passamezzi und italienische Madrigale stehen nebeneinander. Diese Mischung zeigt, wie durchlässig die musikalische Praxis der Zeit war. Ein Organist konnte aus sakraler Vokalpolyphonie lernen, im weltlichen Tanzrepertoire rhythmische und satztechnische Modelle finden und beides in eine Unterrichtspraxis überführen.
Ammerbach steht außerdem in der Geschichte der Leipziger Druck- und Musikstadt. Leipzig war Messe-, Universitäts- und Buchstadt. Ein Tabulaturbuch konnte dort nicht nur entstehen, sondern auch verbreitet werden. Der Druck von 1571 bei den Erben Jakob Berwalds und die erweiterte Ausgabe von 1583 bei Katharina Gerlach beziehungsweise im Nürnberger Druckmilieu zeigen, dass Ammerbachs Arbeit in ein überregionales Netz von Druckern, Käufern, Organisten und Lernenden eingebunden war.
Tabulatur, Notation und Unterrichtszweck
Ammerbachs Drucke sind für die Geschichte der Orgeltabulatur zentral. Die sogenannte Neue Deutsche Orgeltabulatur arbeitet mit Buchstaben für Tonhöhen und darübergesetzten rhythmischen Zeichen. Diese Notation unterscheidet sich von der mensuralen Vokalnotation und von der späteren modernen Notenschrift. Sie ist eng mit der praktischen Handhabung von Tasteninstrumenten verbunden.
Der pädagogische Anspruch wird bereits im Titel des Drucks von 1571 deutlich. Das Buch soll die notwendige Erklärung der Orgel- oder Instrumentaltabulatur samt Anwendung geben. Es richtet sich ausdrücklich an die Jugend und an Anfänger dieser Kunst. Ammerbach versteht den Druck also als Lernbuch, nicht nur als Sammlung fertiger Stücke. Der Spieler soll lernen, Zeichen zu lesen, Tasten zu finden, Sätze zu verstehen und musikalische Vorlagen für das Instrument einzurichten.
Diese Verbindung von Anleitung und Repertoire ist kulturgeschichtlich bedeutsam. Sie macht sichtbar, wie musikalisches Wissen in der Frühen Neuzeit übertragen wurde: nicht allein mündlich durch Lehrer und Schüler, sondern zunehmend durch gedruckte Bücher. Das Tabulaturbuch ersetzt den Lehrer nicht, aber es erweitert den Kreis der Lernenden. Es ermöglicht Wiederholung, Selbststudium, Vergleich und überregionale Verbreitung.
Die Neue Deutsche Orgeltabulatur ist außerdem ein Beispiel dafür, dass Notation immer eine praktische Technologie ist. Die Buchstabenzeichen bilden nicht nur abstrakte Töne ab, sondern verweisen auf Tasten, Lagen, Griffmöglichkeiten und musikalische Abläufe. Für den Organisten war eine solche Schrift ein Werkzeug, das unmittelbar in Spielbewegung übersetzt werden konnte. Ammerbachs Leistung besteht darin, diese Schriftform in einem gedruckten, systematisch nutzbaren Zusammenhang präsentiert zu haben.
Thomaskirche, Leipzig und lutherische Musikkultur
Die Thomaskirche Leipzig war im 16. Jahrhundert ein zentraler Ort lutherischer Musikpraxis. Auch wenn der spätere Ruhm der Thomaskirche stark von Johann Sebastian Bach geprägt ist, war die Institution bereits lange vorher ein wichtiger Raum für Gottesdienst, Schule, Chor und Orgel. Ammerbachs Amt als Thomasorganist machte ihn zu einem musikalischen Funktionsträger einer städtischen Kirche von erheblichem Rang.
Die lutherische Musikkultur schätzte den Gemeindegesang, die deutsche geistliche Liedtradition, die lateinische Schul- und Motettenpraxis sowie die Verwendung der Orgel im Gottesdienst. Der Organist musste daher verschiedene Repertoires beherrschen. Er stand zwischen liturgischer Ordnung, städtischer Erwartung, schulischer Ausbildung und musikalischer Kunst. Diese Mehrfachrolle erklärt, weshalb Ammerbachs Drucke zugleich geistliches, weltliches, didaktisches und virtuoses Material enthalten.
Leipzig war zugleich eine Stadt des Drucks und der Messe. Musikdrucke konnten hier produziert, gehandelt und überregional verbreitet werden. Ammerbachs Tabulaturbücher gehören in diese Mediengeschichte. Sie zeigen, dass die Orgelkunst nicht nur lokal gebunden war, sondern durch Drucke, Notationssysteme und Bearbeitungen über Ortsgrenzen hinaus zirkulieren konnte.
Bearbeitungspraxis, Intavolierung und Repertoire
Der Begriff Intavolierung bezeichnet die Übertragung vokaler oder instrumentaler Musik in eine Tabulatur für Tasten- oder Lauteninstrumente. Bei Ammerbach ist diese Praxis der Schlüssel zum Verständnis seines Werks. Er übernimmt vorhandene Motetten, Lieder, Tänze und Madrigale, richtet sie für Orgel beziehungsweise Tasteninstrument ein und macht sie in einer Notationsform zugänglich, die von praktischen Musikern gelesen werden konnte.
Besonders stark vertreten ist die internationale Vokalpolyphonie der Mitte des 16. Jahrhunderts. Werke oder Vorlagen von Orlando di Lasso, Ludwig Senfl, Heinrich Isaac, Josquin Desprez, Clemens non Papa und anderen zeigen, dass Ammerbachs Repertoire nicht provinziell war. Es vermittelte europäische Mehrstimmigkeit in eine mitteldeutsche Organistenpraxis. Die Orgel wird dadurch zum Ort, an dem internationale Vokalpolyphonie in instrumentale Handbewegung übersetzt wird.
Die weltlichen Tänze und Passamezzi sind ebenso wichtig. Sie zeigen die Verbindung von Tastenmusik und gesellschaftlicher Tanzkultur. Passamezzo antico, Passamezzo moderno, Galliarde, Reprise und Saltarello sind nicht bloße Zugaben, sondern Zeugnisse einer europäischen Harmonie- und Variationstradition. Solche Modelle wurden im 16. Jahrhundert in vielen Ländern verwendet und bildeten Grundlagen für improvisatorisches und komponiertes Musizieren.
Die Erweiterung von 1583 enthält eine größere Zahl welscher beziehungsweise italienischer und französischer Stücke. Damit spiegelt Ammerbach eine veränderte Repertoirelage. Italienische Madrigale und internationale Moden dringen stärker in die deutsche Tastenpraxis ein. Der Organist der Thomaskirche ist damit auch ein Vermittler modischer und überregionaler Musiksprachen.
Werk- und Druckverzeichnis
Ein Werkverzeichnis Ammerbachs muss zwischen eigenständiger Komposition, Bearbeitung, Intabulierung, Herausgabe und Druck unterscheiden. Ammerbach ist vor allem durch drei gedruckte Tabulaturbücher fassbar. Einzelne Stücke, die heute unter seinem Namen erscheinen, sind in der Regel aus diesen Drucken herausgelöst; sie sollten daher nicht vorschnell als unabhängige Kompositionen verstanden werden.
Hauptdrucke
- Orgel oder Instrument Tabulatur, Leipzig: Erben Jakob Berwalds, 1571. Voller Titel: Orgel oder Instrument Tabulatur. Ein nützlichs Büchlein, in welchem notwendige Erklerung der Orgel oder Instrument Tabulatur, sampt der Application, auch fröhliche deutsche Stücklein und Moteten, etliche mit Coloraturn abgefaßt, desgleichen schöne deutsche Tänze, Galliarden und welsche Passometzen zu befinden. Der Druck ist ein grundlegendes Unterrichts- und Repertoirebuch für Orgel beziehungsweise Tasteninstrumente und enthält ungefähr 94 Stücke.
- Ein new künstlich Tabulaturbuch, Leipzig, 1575. Voller Titel in zeitgenössischer Schreibweise: Ein New Künstlich Tabulaturbuch, darin sehr gute Moteten und liebliche Deutsche Tenores jetziger Zeit vornehmer Componisten auff die Orgel und Instrument abgesetzt, beydes den Organisten und der Jugend dienstlich. Der Druck enthält vierzig für Tasteninstrumente intabulierte Vokalstücke und richtet sich ausdrücklich an Organisten und Lernende.
- Orgel oder Instrument Tabulaturbuch, Nürnberg: Gerlach, 1583. Erweiterte und revidierte Fassung des Drucks von 1571, mit ungefähr 144 Stücken. Die Ausgabe erweitert das Repertoire um deutsche, lateinische, welsche und französische Stücke, Passamezzi, Galliarden, Reprisen und Tänze und führt die didaktische Tabulaturerklärung fort.
Aus dem Druck von 1571 und seiner erweiterten Fassung überlieferte Tanz- und Instrumentalstücke
- Passamezzo antico, in modernen Ausgaben und Bearbeitungen häufig als selbständiges Stück unter Ammerbachs Namen verbreitet; im Kontext des Tabulaturbuchs als Tanz- beziehungsweise Harmoniemodell zu verstehen.
- Passametzo Itali beziehungsweise Passamezzo Itali, ein italienisch geprägtes Passamezzo-Modell aus dem Tabulaturkontext.
- Passamezzo and Saltarello nuovo, in modernen Editionen und Katalogen als zusammengehöriger Tanzsatz geführt.
- Reprisa beziehungsweise Reprise, als Folgesatz zu Passamezzo-Modellen in der Tanz- und Tabulaturpraxis des 16. Jahrhunderts.
- Saltarello, in modernen Ausgaben oft mit Passamezzo-Sätzen gekoppelt.
- Galliarden, mehrere Tänze beziehungsweise Tanzmodelle in den Drucken von 1571 und 1583.
- Deutsche Tänze, in den Drucken als nützliches und für Lernende geeignetes Repertoire überliefert.
Geistliche und vokalpolyphone Intabulierungen
- In principio erat verbum, nach Orlando di Lasso, in Ein new künstlich Tabulaturbuch überliefert.
- Angelus ad pastores ait, nach Orlando di Lasso, als intabulierte Motette im Druck von 1575.
- Oculi omnium in te sperant domine, nach Orlando di Lasso, im Kontext der Motettenintabulierungen.
- Constitemini domino, nach Orlando di Lasso, als Beispiel für die Übertragung lateinischer Vokalpolyphonie auf ein Tasteninstrument.
- Weitere Motetten und geistliche Sätze nach vornehmen Komponisten der Zeit, im Druck von 1575 und in den Tabulaturbüchern von 1571/1583 überliefert.
Deutsche Lieder und weltliche Intabulierungen
- Ach edler Hort, in modernen Katalogen aus Ammerbachs Tabulaturüberlieferung herausgelöst.
- Allmechtiger gütiger Gott, geistliches deutsches Stück beziehungsweise Liedbearbeitung im Ammerbach-Kontext.
- Herzliebstes Bild, deutsche Liedintabulierung.
- Ich weiß mir ein festes gebautes Haus, deutsche Liedbearbeitung.
- Die mich erfrewet ist lobens werth, weltliches deutsches Lied beziehungsweise intabulierte Vorlage.
- Tröstlicher Lieb stets ich mich üb, Liedintabulierung aus dem Repertoirezusammenhang der Ammerbach-Drucke.
Italienische und internationale Vorlagen
- Anchor che col partier, italienischsprachige beziehungsweise welsche Vorlage in der Tabulaturüberlieferung.
- Chi passa per questa strada, italienische beziehungsweise welsche Lied- oder Madrigalvorlage in intabulierter Form.
- Weitere italienische Madrigal- und Liedbearbeitungen, besonders in der erweiterten Ausgabe von 1583.
- Französische und welsche Stücke, die im Titel des Drucks von 1583 ausdrücklich als Teil des erweiterten Repertoires genannt werden.
Moderne Editionen, Transkriptionen und Ausgaben
- Cecil Warren Becker: A transcription of Elias Nikolaus Ammerbach’s Orgel oder Instrument Tabulaturbuch, Eastman School of Music, Rochester 1963; wissenschaftliche Transkription der Ausgabe von 1583 in moderne Notation.
- Charles Jacobs: Orgel oder Instrument Tabulaturbuch 1571/1583, Oxford University Press, 1980er Jahre; moderne Edition der Ammerbach-Tabulaturen.
- Hans-Thomas Müller-Schmidt: moderne Transkriptionen der Tabulatur von 1583 in moderne Schlüssel, digital verbreitet.
- Einzelausgaben von Passamezzo antico, Passamezzo Itali, Passamezzo and Saltarello nuovo und verwandten Tanzsätzen für Orgel, Cembalo, Blockflöten-, Gitarren- oder andere Ensembles.
Chronologische Übersicht
| um 1530 | Geburt in Naumburg. |
|---|---|
| 1548–1549 | Besuch beziehungsweise Studium an der Universität Leipzig. |
| 1561 | Beginn der Tätigkeit als Organist an der Thomaskirche Leipzig. |
| 1564 | Erwerb des Leipziger Bürgerrechts. |
| 1571 | Druck von Orgel oder Instrument Tabulatur in Leipzig; grundlegendes Unterrichts- und Repertoirebuch für Orgel beziehungsweise Tasteninstrument. |
| 1575 | Druck von Ein new künstlich Tabulaturbuch mit vierzig für Tasteninstrumente intabulierten Vokalstücken. |
| 1583 | Erweiterte und revidierte Fassung als Orgel oder Instrument Tabulaturbuch, gedruckt in Nürnberg bei Gerlach. |
| 1595 | Ende beziehungsweise späteste gesicherte Grenze der Tätigkeit als Thomasorganist. |
| 1597 | Beisetzung am 29. Januar in Leipzig. |
| 1963 | Cecil Warren Becker erstellt eine moderne Transkription der Ammerbach-Tabulatur von 1583. |
| 1980er Jahre | Moderne Edition der Tabulaturdrucke durch Charles Jacobs bei Oxford University Press. |
| 21. Jahrhundert | Digitalisierung und Online-Zugänglichkeit der historischen Drucke durch Bibliotheken, IMSLP, Digitale Sammlungen und weitere Portale. |
Rezeption und Nachwirkung
Ammerbachs Nachwirkung beruht auf seiner Stellung am Beginn der gedruckten deutschen Orgel- und Tastenmusik. Seine Tabulaturbücher sind für heutige Forschung und Aufführungspraxis deshalb wichtig, weil sie eine Brücke zwischen Vokalpolyphonie, Tanzmusik, Unterricht und instrumentaler Spielpraxis bilden. Sie zeigen, was Organisten lernen, spielen und bearbeiten sollten.
Die Neue Deutsche Orgeltabulatur wurde nach Ammerbach weiterverwendet und blieb in unterschiedlichen Formen noch lange Teil der deutschen Tastenmusiküberlieferung. Für die Notationsgeschichte ist Ammerbach daher ein Bezugspunkt, weil seine Drucke den praktischen Gebrauch dieser Schriftform früh und systematisch dokumentieren. Die Tabulatur steht am Anfang einer Linie, die bis zu norddeutschen und mitteldeutschen Orgelhandschriften späterer Jahrhunderte reicht.
In der modernen Aufführungspraxis erscheinen vor allem die Tanzsätze und Passamezzi aus seinen Drucken. Cembalistinnen, Organisten, Ensembles für Alte Musik und Bearbeiter nutzen diese Stücke, weil sie prägnant, historisch aufschlussreich und gut aufführbar sind. Dabei muss stets bedacht werden, dass viele dieser Stücke weniger individuelle Kompositionen Ammerbachs als bearbeitete, intabulierte und überlieferte Repertoireformen sind.
In der Forschung wird Ammerbach häufig mit anderen frühen Tastenmusikquellen verglichen, etwa mit dem Buxheimer Orgelbuch, dem Codex Amerbach, den deutschen Orgeltabulaturen des 15. und 16. Jahrhunderts und späteren mitteldeutschen Quellen. Sein besonderer Rang liegt im Druckcharakter. Während viele ältere Quellen handschriftlich überliefert sind, macht Ammerbach die Tabulatur öffentlich, reproduzierbar und didaktisch verfügbar.
Forschung, Quellen und editorische Hinweise
Für die Forschung zu Ammerbach sind vier Quellengruppen besonders wichtig: die historischen Drucke von 1571, 1575 und 1583, die normdaten- und lexikonbezogenen biographischen Nachweise, moderne Transkriptionen in heutige Notation und aufführungspraktische Einzelausgaben. Die Drucke selbst sind unverzichtbar, weil sie Titel, Vorreden, Tabulaturerklärungen, Repertoireordnung und Notationsweise unmittelbar zeigen.
Editorisch ist größte Vorsicht bei Werktiteln und Autorschaft geboten. Viele Stücke, die heute unter Ammerbachs Namen katalogisiert werden, sind Auszüge aus seinen Sammlungen. Der Name Ammerbach kann dabei Herausgeber, Bearbeiter, Intabulierer oder Überlieferungsträger bedeuten. Eine moderne Kulturlexikon-Seite sollte deshalb nicht unbesehen von „Kompositionen“ sprechen, sondern den Status als Bearbeitung und Intabulierung deutlich machen.
Auch die Schreibweise der Titel sollte behutsam normalisiert werden. Sichtbar bleiben sollten die historischen Formen Orgel oder Instrument Tabulatur, Ein new künstlich Tabulaturbuch und Orgel oder Instrument Tabulaturbuch. Für interne Links und moderne Suchbarkeit sind daneben normalisierte Slugs wie orgel-oder-instrument-tabulatur.shtml sinnvoll. Im Fließtext können historische Schreibungen behutsam modernisiert werden, solange sie nicht den Charakter des Drucks verfälschen.
Für die Einordnung in die Leipziger Musikgeschichte sollte Ammerbach nicht lediglich als Vorläufer Bachs erscheinen. Zwar macht der spätere Bach-Ruhm die Thomaskirche retrospektiv berühmt, doch Ammerbach gehört in eine andere Klangwelt: Reformationszeit, Tabulatur, Vokalintabulierung, Tanzsatz, Motettenbearbeitung und frühe Druckkultur. Seine Eigenständigkeit liegt genau in dieser vorbachischen Leipziger Orgelpraxis.
Sekundärliteratur
- Apel, Willi: The Notation of Polyphonic Music 900–1600. Cambridge, Massachusetts 1942 und spätere Auflagen; grundlegend für die Einordnung alter und neuer deutscher Orgeltabulaturen.
- Becker, Cecil Warren: A transcription of Elias Nikolaus Ammerbach’s Orgel oder Instrument Tabulaturbuch. Eastman School of Music, Rochester 1963; moderne wissenschaftliche Transkription der Ausgabe von 1583.
- Eitner, Robert: Biographisch-bibliographisches Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten. Leipzig 1900–1904; ältere, quellenbezogene Musikerlexikographie mit Ammerbach-Nachweisen.
- Jacobs, Charles, Hrsg.: Orgel oder Instrument Tabulaturbuch 1571/1583. Oxford University Press, London/New York 1980er Jahre; wichtige moderne Edition der Ammerbach-Drucke.
- Kennedy, Michael; Bourne, Joyce, Hrsg.: The Oxford Dictionary of Music; für knappe internationale Lexikoneinordnungen zu Ammerbach und frühem Orgelrepertoire.
- Petzoldt, Martin: Die Thomasorganisten zu Leipzig. In: Christian Wolff, Hrsg.: Die Orgeln der Thomaskirche zu Leipzig. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2012, S. 95–137; wichtig für die Leipziger Amts- und Orgelgeschichte.
- Reese, Gustave: Music in the Renaissance. New York 1954; klassischer Überblick zum Repertoire- und Stilumfeld der Renaissance, in das Ammerbachs Intabulierungen gehören.
- Young, Clyde William: Artikel Ammerbach, Elias Nikolaus. In: The New Grove Dictionary of Music and Musicians beziehungsweise Grove Music Online; grundlegende musikwissenschaftliche Kurzdarstellung.
- Deutsche Biographie: Ammerbach, Elias Nikolaus; normdaten- und biographiegestützte Kurzbiographie mit genealogischen Angaben, Leipziger Amtsdaten und Werkhinweisen.
- Bibliothèque nationale de France: Normdateneintrag Ammerbach, Elias Nikolaus; wichtig für internationale Namensformen und bibliographische Identifikation.
Ausgewählte Onlinequellen
- Bach digital: Orgel- oder Instrument Tabulatur Werkdatensatz zum Leipziger Druck von 1571 mit Gattung, Besetzung, Entstehungsort und Titelangabe.
- BnF Catalogue général: Ammerbach, Elias Nikolaus Normdatenseite der Bibliothèque nationale de France mit Lebensdaten, Leipziger Organistenamt, Bearbeitertätigkeit und Namensvarianten.
- Deutsche Biographie: Ammerbach, Elias Nikolaus Biographischer Artikel mit Geburts- und Begräbnisangaben, Leipziger Tätigkeit, familiären Angaben und Werkhinweisen.
- Deutsche Digitale Bibliothek: Elias Nikolaus Ammerbach Normdaten- und Objektübersicht mit Werken, externen Links und Angaben als Musiker, Herausgeber, Komponist und Organist.
- Digitale Sammlungen: Orgel oder Instrument Tabulatur Digitalisat beziehungsweise Katalogansicht des historischen Tabulaturdrucks mit bibliographischen Angaben.
- Encyclopedia.com: Ammerbach, Elias Nicolaus Englischsprachiger Nachschlagewerksartikel mit Lebensdaten, Universitätsbesuch, Thomasorganistenamt, Tabulaturdruck von 1571, Ausgabe von 1583 und Druck von 1575.
- IMSLP: Category Ammerbach, Elias Nikolaus Komponisten- und Werkübersicht mit einzeln erschlossenen Stücken, Sammlungen und externen Links.
- IMSLP: Ein new künstlich Tabulaturbuch Werkseite zum Druck von 1575 mit Angabe von vierzig für Tasteninstrumente intabulierten Vokalstücken.
- IMSLP: Orgel oder Instrument Tabulatur Werkseite zu den Ausgaben von 1571 und 1583 mit Digitalisaten, Inhaltsangaben, RISM-Hinweisen und modernen Transkriptionen.
- University of Rochester: A transcription of Elias Nikolaus Ammerbach’s Orgel oder Instrument Tabulaturbuch Dissertation beziehungsweise Transkriptionsprojekt von Cecil Warren Becker zur Ausgabe von 1583 in moderner Notation.
Weiterführende Einträge
- Alte Musik Aufführungs- und Forschungsfeld, in dem Ammerbachs Tabulaturdrucke heute besonders relevant sind.
- Johann Sebastian Bach Späterer Thomasorganist und Thomaskantor, dessen Leipziger Ruhm die ältere Thomaskirchen-Tradition, zu der Ammerbach gehört, retrospektiv überstrahlt.
- Buxheimer Orgelbuch Wichtige ältere Quelle der deutschen Tastenmusik und Vergleichspunkt für Ammerbachs gedruckte Tabulaturtradition.
- Cembalo Tasteninstrument, auf dem Ammerbachs „Orgel oder Instrument“-Repertoire neben der Orgel aufführbar ist.
- Clemens non Papa Renaissancekomponist, dessen Vokalpolyphonie zum Repertoirehorizont der Ammerbach-Intabulierungen gehört.
- Codex Amerbach Basler Tabulaturquelle aus dem Umfeld Bonifacius Amerbachs und wichtiger Vergleichspunkt zur deutschen Tastenmusik des 16. Jahrhunderts.
- Deutsche Orgeltabulatur Notationsform für Tastenmusik, deren neue Ausprägung durch Ammerbachs Drucke von 1571 und 1583 besonders sichtbar wird.
- Galliarde Renaissance-Tanzform, die in Ammerbachs Tabulaturbüchern neben Passamezzi und deutschen Tänzen begegnet.
- Heinrich Isaac Renaissancekomponist, dessen Vokalwerke in der Intabulierungskultur des 16. Jahrhunderts eine wichtige Rolle spielten.
- Intavolierung Übertragung vokaler oder instrumentaler Musik in Tabulatur, das zentrale Verfahren von Ammerbachs Drucken.
- Josquin Desprez Komponist der frankoflämischen Polyphonie, dessen Werke im Umkreis der Ammerbach-Repertoirebildung wichtig sind.
- Orlando di Lasso Einer der wichtigsten Komponisten des 16. Jahrhunderts und in Ammerbachs Motettenintabulierungen besonders stark vertreten.
- Leipzig Universitäts-, Messe-, Buch- und Musikstadt, in der Ammerbach als Thomasorganist und Herausgeber wirkte.
- Lutherische Kirchenmusik Konfessioneller und institutioneller Kontext von Ammerbachs Orgel-, Unterrichts- und Tabulaturpraxis.
- Motette Mehrstimmige Vokalgattung, deren Sätze Ammerbach für Orgel beziehungsweise Tasteninstrumente intabulierte.
- Naumburg Geburtsstadt Elias Nikolaus Ammerbachs und mitteldeutscher Kulturort der Reformationszeit.
- Neue Deutsche Orgeltabulatur Buchstaben- und Rhythmuszeichennotation für Tasteninstrumente, die Ammerbachs Drucke mustergültig dokumentieren.
- Notendruck Medientechnik, durch die Ammerbachs Unterrichts- und Repertoirebücher über Leipzig hinaus verbreitet werden konnten.
- Orgel Zentrales Instrument von Ammerbachs Amt und Repertoire, zugleich Modell für weitere Tasteninstrumente.
- Orgelmusik Musik für Orgel, deren gedruckte deutsche Frühgeschichte durch Ammerbachs Tabulaturen entscheidend geprägt wurde.
- Orgeltabulatur Spezielle Notationsform für Orgel und Tasteninstrumente, deren didaktische Erklärung in Ammerbachs Druck von 1571 enthalten ist.
- Passamezzo Renaissance-Tanz- und Harmoniemodell, das in Ammerbachs Tabulaturdrucken und modernen Einzelausgaben häufig begegnet.
- Renaissance Epoche der Vokalpolyphonie, Tanzmusik, Humanismus- und Druckkultur, in der Ammerbachs Werk steht.
- Saltarello Tanzform, die in Verbindung mit Passamezzo-Modellen in der Tabulatur- und Bearbeitungspraxis des 16. Jahrhunderts erscheint.
- Ludwig Senfl Komponist der deutschen Renaissance, dessen Lied- und Vokaltradition in Ammerbachs Repertoirehorizont gehört.
- Tasteninstrument Überbegriff für Orgel, Positiv, Virginal, Cembalo und verwandte Instrumente, für die Ammerbachs Drucke nutzbar waren.
- Thomaskirche Leipzig Kirche, an der Ammerbach seit 1561 als Organist wirkte und die später durch Johann Sebastian Bach weltberühmt wurde.
- Thomasorganist Amt des Organisten an der Leipziger Thomaskirche, das Ammerbach über mehr als drei Jahrzehnte innehatte.
- Universität Leipzig Bildungsinstitution, die Ammerbach 1548–1549 besuchte und die für sein städtisch-humanistisches Umfeld wichtig war.