Charles Amirkhanian

Charles Benjamin Amirkhanian; * 19. Januar 1945 in Fresno, Kalifornien. Amerikanischer Komponist armenischer Herkunft, Schlagzeuger, Sound Poet, Performance-Künstler, Radioproduzent, Kurator, Festivalleiter, Mitbegründer von Other Minds und einer der wichtigsten Vermittler experimenteller Musik an der amerikanischen Westküste.

Überblick

Charles Benjamin Amirkhanian ist ein amerikanischer Komponist, Schlagzeuger, Sound Poet, Performance-Künstler, Radioproduzent und Kulturorganisator armenischer Herkunft. Er gehört zu den wichtigen Gestalten der amerikanischen experimentellen Musik seit den 1960er Jahren, wobei seine Bedeutung nicht nur in einzelnen Kompositionen liegt, sondern auch in der Verbindung von Komponieren, Aufführen, Produzieren, Senden, Archivieren und Kuratieren.

Amirkhanian wurde besonders durch Text-Sound-Kompositionen bekannt. In diesen Werken werden Sprachlaute, Wörter, Silben, Redefragmente und akustische Alltagszeichen rhythmisch, perkussiv und strukturell behandelt. Sprache erscheint nicht mehr zuerst als Träger semantischer Botschaft, sondern als Klangkörper, Rhythmusereignis, Wiederholungsmaschine und akustische Materie. Werke wie Seatbelt Seatbelt, Dutiful Ducks, Church Car, MUGIC, Muchrooms und Mahogany Ballpark zeigen, wie aus scheinbar banalen Wortpartikeln eine eigenständige Musik entstehen kann.

Ebenso wichtig ist Amirkhanians elektroakustisches Werk. Seit den 1980er Jahren arbeitete er intensiv mit Samplern, Synclavier- und Kurzweil-Technik, Umweltklängen, Stimmaufnahmen und Studioverfahren. Stücke wie Walking Tune, Metropolis San Francisco, Pas de voix, Im Frühling, Loudspeakers, Miatsoom und Pianola bewegen sich zwischen Hörspiel, Klangcollage, elektroakustischer Komposition, Radiostück, Porträt, Gedächtnisarbeit und akustischer Landschaft.

Als Radioproduzent und Kulturvermittler war Amirkhanian von 1969 bis 1992 Musikdirektor von KPFA in Berkeley. Er prägte dort eine experimentelle Radioöffentlichkeit, in der Minimal Music, Sound Poetry, Radiokunst, Interviews, Live-Experimente, Komponistenporträts und Umweltklangsendungen eine Plattform fanden. Seit 1992 ist sein Name eng mit Other Minds verbunden, einer San-Francisco-Organisation für neue und experimentelle Musik, die Festival, Archiv, Label, Rundfunkarbeit und internationale Vermittlung miteinander verbindet.

Kurzdaten

Name Charles Benjamin Amirkhanian.
Weitere Namensformen Charles Amirkhanian, Charles B. Amirkhanian und C. Amirkhanian.
Dateiname amirkhanian-charles.shtml.
Geburt 19. Januar 1945 in Fresno, Kalifornien.
Herkunft Amerikanischer Komponist armenischer Herkunft; kulturell geprägt durch Kalifornien, die San Francisco Bay Area, KPFA, Mills College, New-Music-Netzwerke und internationale Festivalarbeit.
Beruf Komponist, Schlagzeuger, Sound Poet, Performance-Künstler, Radioproduzent, Kurator, Festivalleiter, Archivgründer, Labelproduzent und Vermittler experimenteller Musik.
Ausbildung B.A. in English Literature an der California State University, Fresno, 1967; M.A. in Interdisciplinary Creative Arts am San Francisco State College, 1969; M.F.A. in Electronic Music and Sound Recording am Mills College, 1980.
Institutionen KPFA Berkeley, San Francisco State University, Exploratorium San Francisco, Composer-to-Composer Festival, Djerassi Resident Artists Program, Other Minds und KALW.
Ästhetische Felder Text-Sound-Komposition, Sound Poetry, elektroakustische Musik, Radiokunst, Hörspiel, Umweltklang, akustische Collage, Intermedia, Performance und experimentelle Musikvermittlung.
Zentrale frühe Werke Composition No. 1, Symphony I, Micah, the Prophet, Mooga Pook, Words, If In Is, Just, Seatbelt Seatbelt, MUGIC, Muchrooms, Mahogany Ballpark und Dutiful Ducks.
Zentrale spätere Werke Walking Tune, Metropolis San Francisco, Pas de voix, Politics as Usual, Im Frühling, Loudspeakers, Chu Lu Lu, Miatsoom und Pianola (Pas de mains).
Radiolaufbahn Musikdirektor von KPFA Berkeley von 1969 bis 1992; Produzent von Ode to Gravity, Interviewreihen, experimentellen Musiksendungen und Umweltklangprojekten.
Other Minds Mitbegründer von Other Minds 1992 zusammen mit Jim Newman; Executive & Artistic Director und zentrale Gestalt von Festival, Archiv, Label, Sendungen und Kompositionsförderung.
Auszeichnungen American Music Center Letter of Distinction 1984, ASCAP Deems Taylor Award 1989, Ella Holbrook Walker Fellowship 1999, American Music Center Letter of Distinction für Other Minds 2005, ASCAP/Chamber Music America Award for Adventurous Programming 2009 und Champion of New Music Award des American Composers Forum 2017.
Besondere Bedeutung Amirkhanian verbindet Komposition, Sound Poetry, elektroakustische Klangcollage, Radio, Archiv, Festivalarbeit und Vermittlung experimenteller Musik zu einem der markantesten Profile der amerikanischen Avantgarde seit den 1960er Jahren.

Namensform, Herkunft und Quellenlage

Die vollständige Namensform lautet Charles Benjamin Amirkhanian. Im künstlerischen und bibliographischen Gebrauch erscheint meist Charles Amirkhanian. Die Initialform Charles B. Amirkhanian ist für Kataloge, Schallplattenverzeichnisse und akademische Nachweise relevant. Der Familienname verweist auf armenische Herkunft; im amerikanischen Kontext wird Amirkhanian zugleich als kalifornischer Komponist, Radioproduzent und Vermittler der New-Music-Szene der San Francisco Bay Area wahrgenommen.

Die Quellenlage ist für die Grunddaten gut. Baker’s beziehungsweise Encyclopedia.com bietet eine dichte werkbiographische Übersicht mit Ausbildung, frühen Perkussionsstücken, Text-Sound-Werken, elektroakustischen Arbeiten und institutionellen Stationen. Other Minds stellt aktuelle biographische Informationen, Aufgaben, Auszeichnungen, Archiv- und Festivalzusammenhänge bereit. Starkland, New World Records, Electrocd, Discogs, Lyrikline und eContact ergänzen Diskographie, Werkhinweise, Interviewmaterial und Kontextinformationen.

Ein vollständiges Werkverzeichnis ist bei Amirkhanian quellenkritisch schwierig, weil sein Schaffen gedruckte Kompositionen, Tonbandstücke, Radioarbeiten, Hörspiele, Interviews, Text-Sound-Performances, Live-Aktionen, Tonträgerproduktionen, kuratorische Projekte und Archivarbeit umfasst. Diese Seite unterscheidet deshalb zwischen Kompositionen, Text-Sound-Werken, elektroakustischen Stücken, Radioproduktionen, Tonträgern, Produktionsarbeit und kuratorisch-archivarischer Wirkung.

Leben und Laufbahn

Charles Amirkhanian wurde am 19. Januar 1945 in Fresno, Kalifornien, geboren. Fresno war für seine frühe musikalische Sozialisation wichtiger, als eine bloße biographische Notiz erkennen lässt. Dort begegnete er Schulmusik, Schlagzeug, amerikanischer Alltagsakustik, Radio, populären Signalen, Sprache und jenen heterogenen Klangumgebungen, die später in seiner Musik wiederkehren. Die Verbindung von Schlagzeug und Sprache ist für ihn früh charakteristisch: Wörter werden bei ihm oft wie perkussive Objekte behandelt.

Er studierte zunächst English Literature an der California State University in Fresno und schloss 1967 mit dem B.A. ab. Diese literarische Ausbildung ist für sein späteres Werk zentral. Amirkhanians Sound Poetry ist nicht einfach Musik mit Text, sondern eine kompositorische Arbeit an Sprache selbst. Das Studium der Literatur, die Begegnung mit Gertrude Stein, konkreter Poesie, experimenteller Lyrik und amerikanischer Sprachkunst bilden einen Hintergrund, vor dem seine Text-Sound-Kompositionen verständlich werden.

1967 zog Amirkhanian in die San Francisco Bay Area. Dort studierte er Interdisciplinary Creative Arts am San Francisco State College und erwarb 1969 den M.A. Die Bay Area war zu dieser Zeit ein Zentrum experimenteller Kunst, politischer Gegenöffentlichkeit, alternativer Medien, improvisierter Musik, Performance, elektronischer Studios und interdisziplinärer Experimente. Diese Umgebung prägte Amirkhanians künstlerische Identität stärker als eine traditionelle Komponistenlaufbahn.

Von 1969 bis 1992 war Amirkhanian Musikdirektor von KPFA in Berkeley, einem Sender des Pacifica-Netzwerks. Diese Stellung war keine administrative Randfunktion, sondern ein künstlerisches Labor. KPFA ermöglichte Sendungen, Interviews, Live-Produktionen, Tonbandexperimente und neue Formen von Radiokunst. Amirkhanian machte das Radio zu einem Kompositions- und Vermittlungsmedium. Er präsentierte Minimal Music, Sound Poetry, Fluxus-nahe Aktionen, amerikanische Experimentalkomponisten, Außenseiterfiguren, Interviews und Umweltklänge.

Parallel entwickelte er sein eigenes Werk. Frühe Stücke wie Composition No. 1 und Symphony I öffnen den Klangbegriff auf Geräusch, nichtmusikalische Objekte und performative Aktion. In den 1970er Jahren entstehen zentrale Text-Sound-Arbeiten. In den 1980er und 1990er Jahren wird die elektroakustische Collage mit Samplern, Umweltgeräuschen und Stimme immer wichtiger. Werke wie Walking Tune, Im Frühling, Loudspeakers, Miatsoom und Pianola zeigen einen Komponisten, der Erinnerung, Ort, Stimme und Geräusch als poetische Klangmaterialien behandelt.

1992 gründete Amirkhanian zusammen mit Jim Newman Other Minds. Diese Organisation wurde zu einer der wichtigsten amerikanischen Plattformen für zeitgenössische und experimentelle Musik. Sie veranstaltet Festivals, produziert Konzerte, betreibt ein Archiv, veröffentlicht Tonträger, pflegt Radioprogramme und unterstützt Komponistinnen und Komponisten. Amirkhanians Lebenswerk ist daher nicht nur als Katalog einzelner Stücke, sondern als kulturorganisatorische Infrastruktur zu verstehen.

Ausführlicher Kulturüberblick

Charles Amirkhanian gehört in die Geschichte der amerikanischen Avantgarde nach John Cage, Henry Cowell, Lou Harrison, Conlon Nancarrow, Harry Partch und den intermedialen Bewegungen der 1960er Jahre. Seine Besonderheit liegt darin, dass er nicht nur komponiert, sondern zugleich die Kanäle geschaffen oder genutzt hat, über die experimentelle Musik gehört, dokumentiert und weitergegeben werden konnte. Bei ihm sind Werk und Vermittlung eng miteinander verschränkt.

Der Begriff Sound Poetry bezeichnet bei Amirkhanian eine Kunst zwischen Musik und Sprache. Sie steht in einer Linie mit Kurt Schwitters, Raoul Hausmann, Ernst Toch, Gertrude Stein, konkreter Poesie, Fluxus, Tape Music und amerikanischer experimenteller Radiokultur. Anders als im traditionellen Kunstlied dient der Text nicht der Vertonung. Er wird selbst Material: Akzent, Phonem, Silbe, Wortbruch, Wiederholung, Stottern, Zählformel, Slogan, Namenspartikel und rhythmische Zelle.

Diese Ästhetik hat eine kulturgeschichtliche Dimension. Die amerikanische Medienwelt des 20. Jahrhunderts ist voller Stimmen: Radioansagen, Werbung, Nachrichten, Verkehrsmeldungen, politische Rede, Sportjubel, Lautsprecher, Telefon, Tonband, Interview, Alltagsgespräch und Archivaufnahme. Amirkhanian macht diese Stimmen nicht einfach zum Dokument, sondern verwandelt sie in Musik. Seine Werke zeigen, dass die Moderne nicht nur durch neue Töne, sondern durch neue Sprech- und Hörformen geprägt ist.

Die elektroakustischen Stücke erweitern diesen Ansatz. Umweltklänge, Maschinen, Naturgeräusche, Sprache, Instrumente und digitale Bearbeitung werden zu akustischen Landschaften. Dabei entsteht oft eine Spannung zwischen erkennbarer Quelle und abstrakter Klangform. Ein Geräusch kann als konkreter Gegenstand verstanden werden und zugleich als musikalische Farbe, rhythmische Figur oder Erinnerungsspur. Diese Doppeldeutigkeit ist für Amirkhanians spätere Musik zentral.

Als Radioproduzent und Kurator hat Amirkhanian eine zweite, ebenso wichtige Kulturleistung erbracht. Er machte Komponisten hörbar, die sonst schwer zugänglich gewesen wären. Interviews mit John Cage, Morton Feldman, Lou Harrison, Conlon Nancarrow, Pauline Oliveros, Robert Ashley, Laurie Anderson und vielen anderen gehören zum dokumentarischen Gedächtnis der New Music. Other Minds setzt diese Arbeit fort, indem es Audioarchive, Festivals, Labels und Sendungen verbindet. Amirkhanian ist daher Komponist und Gedächtnisarbeiter zugleich.

Text-Sound-Komposition und Sound Poetry

Amirkhanians Text-Sound-Kompositionen behandeln Sprache als rhythmische und klangliche Substanz. In Werken wie Seatbelt Seatbelt, Dutiful Ducks, Church Car, MUGIC, Muchrooms und Mahogany Ballpark werden Wörter aus ihrem gewöhnlichen semantischen Zusammenhang gelöst. Sie werden wiederholt, geschichtet, beschleunigt, verschoben, artikulatorisch überzeichnet und in perkussive Muster gebracht. Die Stimme wird damit zum Schlaginstrument, zum Lautsprecherkörper und zum poetischen Apparat.

Der Einfluss von Ernst Toch, Gertrude Stein, Steve Reich und Clark Coolidge ist in Amirkhanians Umfeld häufig genannt worden. Toch steht für die Idee gesprochener Fugen und rhythmischer Sprechmusik; Stein für Wiederholung, Variation und semantische Verschiebung; Reich für Phasenprozesse und repetitive Struktur; Coolidge für die amerikanische Sprachmaterialität der experimentellen Poesie. Amirkhanian transformiert diese Einflüsse in eine eigene Form, die lakonisch, humorvoll, präzise und körperlich wirkt.

Der Witz dieser Stücke ist nicht nebensächlich. Viele Titel klingen wie Verdrehungen, Fehlhörungen, Kinderreime, Zufallswörter oder absurde Markennamen. Gerade darin liegt ihre Schärfe. Die moderne Sprachwelt ist voller formelhafter, automatisierter und akustisch auffälliger Wörter. Amirkhanian isoliert diese Wörter und zeigt, dass sie bereits Musik enthalten, bevor sie „vertont“ werden.

Elektroakustik, Umweltklang und Hörspiel

Seit den 1980er Jahren verschiebt sich Amirkhanians Werk stärker in Richtung elektroakustischer Collage, Hörspiel und akustischer Landschaft. Sampler, Synclavier, Kurzweil-Synthesizer, Mehrspurtechnik und digitale Bearbeitung ermöglichen ihm, erkennbare Umweltklänge mit instrumentalen, vokalen und synthetischen Klangquellen zu verbinden. Er spricht in diesem Zusammenhang von einer Spannung zwischen „repräsentationalen“ und „abstrakten“ Klängen: Manche Geräusche verweisen deutlich auf ihre Quelle, andere werden als musikalische Substanz hörbar.

Walking Tune ist ein Schlüsselwerk dieser Richtung. Es ist als „Room-Music“ und Hommage an Percy Grainger angelegt. Graingers Interesse an freier Musik, Landschaft, Bewegung und mechanischen beziehungsweise technischen Klangmöglichkeiten wird mit Amirkhanians eigener Studioästhetik verbunden. Außenaufnahmen, imaginierte Räume, digital verarbeitete Quellen und ein melancholisch-helles Klangbild werden zu einer elektroakustischen Erinnerungskomposition.

Loudspeakers ist ein vokales Porträt Morton Feldmans. Die Stimme Feldmans wird nicht einfach dokumentarisch wiedergegeben, sondern in Phoneme, Phrasen, Akzente, Überlagerungen und zeitliche Schichten zerlegt. Dadurch entsteht ein Porträt, das nicht über Feldman spricht, sondern aus Feldmans Stimme selbst gebaut ist. Das Stück gehört zu den prägnanten Beispielen für Amirkhanians Verfahren, Archivmaterial in Musik zu verwandeln.

Miatsoom ist durch Amirkhanians Reise nach Armenien und Bergkarabach in den 1990er Jahren geprägt. Das Werk verbindet persönliche Herkunft, politische Geschichte, Klangdokument, Radiostück und elektroakustische Komposition. Es zeigt, dass Amirkhanians Umweltklänge nicht neutral sind. Sie können geographisch, biographisch, historisch und emotional aufgeladen sein.

Radio, KPFA und experimentelle Öffentlichkeit

Amirkhanians Arbeit bei KPFA gehört zu den wichtigsten Kapiteln amerikanischer Radiokunst und New-Music-Vermittlung. KPFA war als Pacifica-Sender offen für politische, künstlerische und kulturelle Experimente. In diesem Umfeld konnte Amirkhanian Radio nicht nur als Verbreitungsmedium, sondern als künstlerisches Instrument nutzen. Sendungen wurden zu Klangräumen, Interviews zu Archiven, Live-Ereignisse zu Radioperformances und Umweltaufnahmen zu musikalischem Material.

Besonders wichtig war Ode to Gravity, eine Sendung für Avantgarde, experimentelle Musik, elektronische Musik, Sound Poetry, Interviews und Grenzformen. Das Programm machte Hörerinnen und Hörer mit Musik vertraut, die außerhalb des normalen Konzert- und Rundfunkbetriebs kaum präsent war. Es verband Information, Dokumentation und ästhetisches Risiko.

Mit Richard Friedman entwickelte Amirkhanian das World Ear Project, das seit 1970 kontinuierliche Umweltklangaufnahmen ins Radio brachte. Damit wurde das Radio selbst zum Ort akustischer Wahrnehmung. Hören bedeutete nicht mehr nur Musikempfang, sondern Aufmerksamkeit für die Welt als Klangereignis. Diese Idee verbindet Amirkhanian mit Soundscape-Komposition, akustischer Ökologie und späteren Formen von Field Recording.

Other Minds, Archiv und kuratorische Arbeit

Other Minds wurde 1992 von Charles Amirkhanian und Jim Newman gegründet und entwickelte sich zu einer zentralen Plattform für zeitgenössische und experimentelle Musik in San Francisco. Die Organisation verbindet Festival, Archiv, Tonträgerlabel, Rundfunk, Kompositionsaufträge, öffentliche Gespräche, Konzertreihen und internationale Netzwerke. Amirkhanian wirkt dort als Executive & Artistic Director und prägt die ästhetische Ausrichtung wesentlich.

Das Other Minds Festival ist nicht einfach eine Konzertreihe. Es ist ein kuratorisches Modell, das Komponistinnen und Komponisten verschiedener Generationen, Länder und Ästhetiken in Austausch bringt. Die Festivalidee knüpft an frühere Erfahrungen beim Composer-to-Composer Festival in Telluride an. Entscheidend ist nicht nur die Aufführung, sondern auch Gespräch, Begegnung, Dokumentation und langfristige Archivierung.

Das Other Minds Archive ist kulturgeschichtlich besonders wichtig. Aus KPFA-Bändern, Interviews, Konzertmitschnitten, Fotografien, Dokumenten und Festivalmaterial entstand eine frei zugängliche Quelle zur experimentellen Musik. Amirkhanians kuratorische Arbeit wird dadurch zu Archivarbeit: Sie rettet nicht nur Musik, sondern Stimmen, Gespräche, Produktionsweisen und historische Kontexte.

Performance, Projektion und Intermedia

Amirkhanian war nicht nur Studio- und Radiokünstler, sondern auch Performer. Zwischen 1975 und 1986 präsentierte er theatrale Realisierungen seiner Sound Poetry mit Projektionen von Carol Law. Diese Aufführungen fanden unter anderem im Stedelijk Museum in Amsterdam, im Walker Art Center in Minneapolis, im San Francisco Museum of Modern Art, bei New Langton Arts und in Australien statt. Sprache, Stimme, Körper, Projektion, Licht und Raum wurden dabei zu einem intermedialen Ereignis.

Die Zusammenarbeit mit Carol Law verweist auf die visuelle Dimension von Amirkhanians Werk. Text-Sound-Komposition ist bei ihm nicht nur akustisch, sondern oft auch performativ und räumlich gedacht. Die Stimme steht vor Publikum, Bilder werden projiziert, Wörter werden sichtbar oder imaginierbar, und der Raum wird zum Resonanzfeld. Dadurch nähert sich seine Kunst der Performance Art, bleibt aber präzise komponiert.

Diese Intermedialität ist charakteristisch für die amerikanische Avantgarde der 1960er und 1970er Jahre. Grenzen zwischen Musik, Poesie, Theater, Lichtkunst, Radio und Bildender Kunst werden bewusst durchlässig. Amirkhanian steht in diesem Feld nicht als Theoretiker der Entgrenzung, sondern als praktischer Arbeiter an Klang, Stimme, Medium und Aufführungssituation.

Werk-, Diskographie- und Produktionsverzeichnis

Das folgende Verzeichnis ist als quellenkritisches Arbeitsverzeichnis angelegt. Es umfasst öffentlich belegte Kompositionen, Text-Sound-Werke, elektroakustische Stücke, Radioproduktionen, Tonträger und kuratorische Produktionen. Bei einem Künstler wie Amirkhanian, dessen Werk zwischen Partitur, Tonband, Live-Performance, Radio, Archiv und Produktion liegt, ist ein „komplettes Werkverzeichnis“ nur in Verbindung mit Archiven, Labels und Sendungsverzeichnissen vollständig zu sichern.

Frühe Perkussions-, Objekt- und Intermedia-Kompositionen

  • Composition No. 1, 1965, Solo für verstärkte Orchester-Ratsche; frühes Stück, das einen vernachlässigten Klangkörper ins Zentrum stellt und den musikalischen Wert des Geräuschs betont.
  • Symphony I, 1965, für zwölf Spieler und zahlreiche nichtmusikalische Objekte; frühes Beispiel für Amirkhanians Öffnung des Instrumentariums auf Alltagsgegenstände und Geräuschereignisse.
  • Micah, the Prophet, 1965, Kantate für vier intonierende Männer, zwei Akkordeons, zwei Trommler und zwei Maler; intermediales Werk an der Grenze von Musik, Aktion und Bild.
  • Mooga Pook, 1967, tetraphallische Aktion für Tänzer, auf graphischem Papier realistisch notiert; wichtig für Amirkhanians Verhältnis von Notation, Performance und visueller Struktur.
  • Octet for Ratchets, 1998, für acht verstärkte Ratschen; spätere Fortführung der frühen Beschäftigung mit einem ungewöhnlichen, geräuschhaften Instrument.

Text-Sound-Kompositionen und Sound-Poetry-Werke

  • Words, 1969, frühe Text-Sound-Komposition, in der sprachliches Material rhythmisch und klanglich organisiert wird.
  • Oratora konkurso rezulto: Auturo de la Jaro, 1970, quadrophonisches Tonbandwerk in Esperanto mit der Stimme von Lou Harrison; verbindet Kunstsprache, Stimme, Mehrkanaltechnik und kompositorischen Humor.
  • If In Is, 1971, Text-Sound-Arbeit mit reduzierten sprachlichen Einheiten und rhythmischer Artikulation.
  • Just, 1972, Text-Sound-Stück und Bestandteil späterer Sammlungen amerikanischer Text-Sound-Kompositionen.
  • Heavy Aspirations, 1973, mit der Stimme von Nicolas Slonimsky; ein Beispiel für Amirkhanians Porträt- und Stimmarbeit im Bereich der Sound Poetry.
  • Seatbelt Seatbelt, 1973, eine der bekanntesten Text-Sound-Kompositionen Amirkhanians; exemplarisch für Sprache als perkussiv wiederholtes Alltagsmaterial.
  • MUGIC, 1973, Text-Sound-Komposition, später auf Lexical Music dokumentiert.
  • Muchrooms, 1974, Text-Sound-Arbeit mit wortspielerischer Verschiebung und rhythmisch-perkussiver Artikulation.
  • Mahogany Ballpark, 1976, Text-Sound-Komposition mit charakteristischer sprachlicher Absurdität und rhythmischer Präzision.
  • Dutiful Ducks, 1977, eines der klassischen Stücke der amerikanischen Text-Sound-Komposition und ein Hauptwerk von Amirkhanians Sprachmusik.
  • Dreams Freud Dreamed, 1979, Text-Sound-Arbeit mit psychoanalytischem Titelbezug und sprachlicher Traumlogik.
  • Church Car, 1980, Text-Sound-Komposition und später als Klassiker des Genres wahrgenommen.
  • Hypothetical Moments in the Intellectual Life of Southern California, 1981, Sprach- und Kulturstück mit ironischem Blick auf intellektuelle Milieus.
  • Andas, 1982, Text-Sound-Werk aus der Übergangsphase zwischen früher Sprachmusik und späterer elektroakustischer Erweiterung.
  • Dog of Stravinsky, 1982, Text-Sound-Komposition mit anspielungsreichem Titel und musikgeschichtlicher Pointe.
  • Dumbek Bookache, 1986, Text-Sound-Werk mit perkusivem und sprachspielerischem Titel.
  • Ka Himeni Hehena (The Raving Mad Hymn), 1997, für vier sprechende Stimmen und Tonband; spätere Verbindung von Vokalensemble und Sound-Poetry-Technik.
  • Marathon, 1997, spätere Text-Sound-Arbeit mit erweitertem Zeit- und Aktionsbezug.

Elektroakustische Werke, Hörspiele und Klanglandschaften

  • Gold and Spirit, 1984, Radiostück im Zusammenhang der Olympic Arts Festival Commission; arbeitet mit Sportgeräuschen, Jubel, Sprachmaterial, elektronischer Verarbeitung und ironischem Kulturkommentar.
  • The Real Perpetuum Mobile, 1984, Werk aus Anlass des 90. Geburtstags von Nicolas Slonimsky; verbindet Porträt, Bewegungsidee und kompositorischen Witz.
  • Metropolis San Francisco, 1985–1986, Hörspiel beziehungsweise elektroakustisches Stadtstück für WDR Köln; wichtiges Werk der urbanen Klangcollage.
  • Walking Tune, 1986–1987, A Room-Music for Percy Grainger; elektroakustische Hommage an Percy Grainger mit Außenaufnahmen, digitalen Bearbeitungen und erinnerungshafter Klanglandschaft.
  • Pas de voix, 1987, Porträt von Samuel Beckett; gehört zu den Stimm- und Porträtarbeiten Amirkhanians.
  • Politics as Usual, 1988, Klangcollage mit Gongklängen, Tierstimmen, Alltagsgeräuschen und elektronischer Verarbeitung.
  • Im Frühling, 1989–1990, „reverse tone poem“, in dem Naturklänge eine spätmoderne Orchesterwelt imitieren; aufgeführt im Umfeld des WDR und des Acustica-Festivals.
  • Bajanoom, 1990, armenisch für „Trennung“; verbindet politische und persönliche Resonanz mit Sample- und Klangcollagetechnik.
  • Vers Les Anges, 1990, Tribut an Nicolas Slonimsky; anspielungsreiches Stück mit biographischen, sprachlichen und musikalischen Bezügen.
  • Loudspeakers, 1990, vokales Porträt von Morton Feldman aus Interviewmaterial; zentrales Beispiel für Archivstimme als kompositorisches Material.
  • Chu Lu Lu, 1992, kurzes, collageartiges Stück mit interkulturellen Klangfragmenten und medialem Sendungscharakter.
  • Son of Metropolitan San Francisco, 1997, Fortführung städtisch-elektroakustischer Klangarbeit.
  • Miatsoom, 1994–1997, Hörspiel und Klangdokument aus Armenien und Bergkarabach; verbindet Herkunft, Reise, Klangarchiv, Stimme und politische Landschaft.
  • Dzarin Bess Ga Khorim, 1994–1997, im Umfeld von Miatsoom und armenischer Klangdokumentation überliefert.
  • Pianola (Pas de mains), 1997–2000, zehnteiliges Tonbandwerk für WDR Köln, entstanden im Zusammenhang einer Bellagio-Residency; arbeitet mit Player-Piano-Rollen, Kurzweil-Synthesizer und elektroakustischer Studioarbeit.
  • Mqsical Lou, Beitrag zu Messiah Remix, Cantaloupe; Beispiel für Amirkhanians Umgang mit historischer Vorlage, Klangwitz und Remix-Kontext.
  • Ripping the Lamp, für Violine und Tonband, aufgenommen mit Kate Stenberg; Werk an der Grenze von Instrumentalspiel und Tape-Struktur.

Soloalben und zentrale Tonträger

  • Miatsoom, Other Minds Records; dokumentiert Amirkhanians armenisch geprägte elektroakustische Klangarbeit.
  • Lexical Music, ursprünglich 1977, später Other Minds Records; zentrale Sammlung früher Text-Sound-Kompositionen, darunter MUGIC, Seatbelt Seatbelt, Dutiful Ducks, Muchrooms und Mahogany Ballpark.
  • Mental Radio: Nine Text-Sound Compositions, New World / CRI; wichtige Veröffentlichung von Text-Sound-Werken.
  • Walking Tune, Starkland; enthält Walking Tune und weitere elektroakustische Stücke wie Chu Lu Lu, Gold and Spirit, Bajanoom und Vers Les Anges.
  • Loudspeakers, New World Records; enthält Pianola, Im Frühling und Loudspeakers und dokumentiert Amirkhanians spätere elektroakustische Porträt- und Klanglandschaftsarbeit.

Produktionen, Anthologien und Herausgaben

  • Produktion der vollständigen Werke für Player Piano von Conlon Nancarrow; wichtige editorische Leistung für die amerikanische experimentelle Musik.
  • Produktion beziehungsweise Mitwirkung an der ersten größeren Zusammenstellung amerikanischer Text-Sound-Kompositionen.
  • Produktion einer frühen Zusammenstellung elektronischer Musik amerikanischer Komponistinnen.
  • Produktion einer Veröffentlichung mit George Antheil, der seine eigene Klaviermusik spielt.
  • Erste Aufnahmen beziehungsweise Veröffentlichungen unveröffentlichter Musik von Marc Blitzstein.
  • Kuratorische und editorische Arbeit für Other Minds Records, darunter Veröffentlichungen amerikanischer und internationaler experimenteller Musik.

Radio, Sendungen und Archivarbeit

  • Ode to Gravity, KPFA-Sendereihe für Avantgarde, neue Musik, Sound Poetry, elektronische Musik, Interviews und experimentelle Radioproduktion.
  • World Ear Project, mit Richard Friedman, seit 1970; kontinuierliche Sendung von Umweltklangaufnahmen und frühe Form akustischer Weltwahrnehmung im Radio.
  • Speaking of Music, Exploratorium San Francisco, 1983–1991 beziehungsweise 1983–1992; Gesprächsreihe mit Komponistinnen, Komponisten und experimentellen Künstlern.
  • Composer-to-Composer Festival, Telluride, 1988–1991, mit John Lifton; Modell für spätere Begegnungs- und Festivalformate von Other Minds.
  • Music from Other Minds, seit 2005 auf KALW, als fortlaufende Sendung zu zeitgenössischer und experimenteller Musik.
  • Other Minds Archives, aus KPFA-Material, Interviews, Konzertmitschnitten, Fotos, Dokumenten und Festivalarchiven; zentrale Online-Quelle für experimentelle Musik.

Chronologische Übersicht

1945 Geburt am 19. Januar in Fresno, Kalifornien.
1965 Composition No. 1, Symphony I und Micah, the Prophet; frühe Perkussions-, Objekt- und Intermedia-Arbeiten.
1967 B.A. in English Literature an der California State University, Fresno; Mooga Pook in San Francisco.
1969 M.A. in Interdisciplinary Creative Arts am San Francisco State College; Beginn der Tätigkeit als Musikdirektor bei KPFA Berkeley.
1970 Oratora konkurso rezulto: Auturo de la Jaro; Beginn des World Ear Project mit Richard Friedman.
1971–1977 Entstehung zentraler Text-Sound-Kompositionen wie If In Is, Just, Seatbelt Seatbelt, MUGIC, Muchrooms, Mahogany Ballpark und Dutiful Ducks.
1975–1986 Theatrale Realisierungen von Sound Poetry mit Projektionen von Carol Law in internationalen Kunst- und Performancekontexten.
1977–1980 Lehrtätigkeit am San Francisco State University Department of Interdisciplinary Creative Arts.
1980 M.F.A. in Electronic Music and Sound Recording am Mills College.
1983–1991 Moderation und Programmgestaltung der Reihe Speaking of Music am Exploratorium in San Francisco.
1984 Gold and Spirit; American Music Center Letter of Distinction.
1985–1986 Metropolis San Francisco für WDR Köln.
1986–1987 Walking Tune, Hommage an Percy Grainger.
1988–1991 Co-Direktion des Composer-to-Composer Festival in Telluride mit John Lifton.
1989 ASCAP Deems Taylor Award für Radioproduktions- und Vermittlungsarbeit.
1989–1990 Im Frühling, elektroakustisches Stück mit Naturklängen und digitaler Bearbeitung.
1990 Loudspeakers, Porträt Morton Feldmans; Bajanoom und Vers Les Anges.
1992 Gründung von Other Minds zusammen mit Jim Newman.
1993–1997 Executive Director des Djerassi Resident Artists Program.
1994–1997 Miatsoom, armenisch geprägtes Hörspiel und Klangdokument.
1997 Ka Himeni Hehena und Marathon; spätere Sound-Poetry-Arbeiten.
1997–2000 Pianola (Pas de mains), zehnteiliges Tonbandwerk für WDR Köln.
1999 Ella Holbrook Walker Fellowship und Bellagio-Residency am Rockefeller Foundation Study and Conference Center.
2005 Beginn der wöchentlichen Sendung Music from Other Minds auf KALW und American Music Center Letter of Distinction für Other Minds.
2009 ASCAP/Chamber Music America Award for Adventurous Programming of Contemporary Music für Other Minds.
2017 Champion of New Music Award des American Composers Forum.
2019/2020 Loudspeakers beziehungsweise neue Veröffentlichungen und Aufführungen im Umfeld des 75. Geburtstags.

Rezeption und Auszeichnungen

Amirkhanian wird in der Rezeption häufig als führender amerikanischer Vertreter der Text-Sound-Komposition beschrieben. Diese Einordnung trifft einen wesentlichen Teil seines Werks, greift aber zu kurz, wenn sie Radio, Kuratieren, Archiv, Festivalarbeit und elektroakustische Landschaftsstücke ausblendet. Seine Wirkung liegt gerade darin, dass er künstlerische Produktion und Vermittlungsinfrastruktur zusammengeführt hat.

Für seine Arbeit bei KPFA erhielt er 1984 den Letter of Distinction des American Music Center und 1989 den ASCAP Deems Taylor Award. Diese Auszeichnungen würdigen weniger ein einzelnes Werk als die langfristige Radiopraxis. Amirkhanian machte das Radio zu einem Ort, an dem experimentelle Musik nicht erklärt, entschärft oder marginalisiert, sondern als lebendige Gegenwart hörbar wurde.

Seine späteren Auszeichnungen im Zusammenhang mit Other Minds zeigen eine zweite Rezeptionsphase. Other Minds wurde für abenteuerliches Programmieren, Kompositionsförderung, Archivarbeit und New-Music-Vermittlung anerkannt. Der Champion of New Music Award des American Composers Forum 2017 macht deutlich, dass Amirkhanians Rolle als Kulturorganisator selbst als künstlerisch und musikgeschichtlich bedeutsam verstanden wird.

In der musikwissenschaftlichen Bewertung ist besonders das Verhältnis von Klang und Sprache wichtig. Stücke wie Dutiful Ducks, Church Car und Seatbelt Seatbelt gelten als Klassiker des Genres, weil sie zeigen, wie Sprache ohne traditionelle Melodie und Harmonie dennoch musikalisch zwingend organisiert werden kann. Spätere Arbeiten wie Loudspeakers und Pianola erweitern diese Frage: Nicht nur Wörter, sondern auch Archivstimmen, Medienreste und mechanische Klangquellen können zu Musik werden.

Forschung, Quellen und editorische Hinweise

Die Forschung zu Amirkhanian muss mit verschiedenen Materialtypen arbeiten. Gedruckte Werklisten, Tonträger, Radiomitschnitte, Interviews, Other-Minds-Archive, KPFA-Bänder, Festivalprogramme, Liner Notes, elektronische Dateien, Aufführungsdokumentationen und persönliche Netzwerke sind gleichermaßen relevant. Ein rein partiturorientierter Zugriff würde wesentliche Teile seines Werks verfehlen.

Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen komponierten Werken und produzierten beziehungsweise kuratierten Werken. Amirkhanian ist Komponist von Text-Sound- und elektroakustischen Stücken; zugleich ist er Produzent von Aufnahmen anderer Komponisten, Interviewer, Festivalleiter und Archivgründer. Diese Rollen dürfen nicht vermischt werden, sind aber kulturgeschichtlich eng verbunden. Seine eigenen Werke entstanden in derselben Medienwelt, die er als Produzent erschloss.

Für die Onlinepräsentation empfiehlt sich eine breite interne Verlinkung: Text-Sound-Komposition, Sound Poetry, Radiokunst, elektroakustische Musik, KPFA, Other Minds, John Cage, Morton Feldman, Lou Harrison, Conlon Nancarrow, Percy Grainger, Gertrude Stein, Steve Reich, Fluxus und Soundscape sollten als Begriffe beziehungsweise Personen vernetzt werden. Amirkhanian ist ein Knotenpunkt, nicht nur ein isoliertes Lemma.

Sekundärliteratur

  • Adams, John: Charles Amirkhanian. In: The New Grove Dictionary of American Music. Macmillan, New York 1986.
  • Alburger, Mark: Interview mit Charles Amirkhanian. In: 20th Century Music, Mai 1997.
  • Amirkhanian, Charles: Pâte de Pas de Voix. In: Perspectives of New Music, Vol. 26, Nr. 2, Sommer 1988, S. 32–43.
  • Amirkhanian, Charles: Radical Aesthetics & Sound Sensitivity Information. In: KPFA Folio, Juli 1973.
  • Baker, Alan: An Interview with Charles Amirkhanian. American Mavericks, 2002.
  • Gann, Kyle: American Music in the Twentieth Century. Wadsworth/Thomson Learning, Belmont 1997; mit Einordnung Amirkhanians im Kontext amerikanischer experimenteller Musik.
  • Gann, Kyle: Liner Notes zu Loudspeakers. New World Records; wichtige stilistische Einordnung der späteren elektroakustischen Werke.
  • Kalvos & Damian: Interview with Charles Amirkhanian. Voice Crystals; More Talkin’. In: eContact! 10.2, Canadian Electroacoustic Community.
  • Slonimsky, Nicolas; Kuhn, Laura; McIntire, Dennis: Baker’s Biographical Dictionary of Musicians, Artikel Amirkhanian, Charles (Benjamin).
  • Starkland: Liner Notes und Werkkommentar zu Walking Tune, mit Stellungnahmen zu Walking Tune, Chu Lu Lu, Gold and Spirit, Bajanoom und Vers Les Anges.
  • Other Minds: Biographische, archivarische und programmatische Materialien zu Charles Amirkhanian, Other Minds Festival, Other Minds Records und Other Minds Archives.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • American Music Center Institution, die Amirkhanians Radiotätigkeit und später Other Minds auszeichnete.
  • Armenische Diaspora Herkunftskontext, der bei Amirkhanian besonders in Miatsoom biographisch und klanglich relevant wird.
  • Robert Ashley Amerikanischer Komponist und Radiokunst-naher Künstler, dessen Werkumfeld mit Amirkhanians Vermittlungsarbeit verbunden ist.
  • John Cage Zentrale Gestalt der amerikanischen Avantgarde, deren Erbe Amirkhanian als Kurator, Radioproduzent und Other-Minds-Leiter weitervermittelte.
  • Collage Künstlerisches Prinzip, das Amirkhanians Sprach-, Umwelt- und Archivklangkompositionen strukturell prägt.
  • Conlon Nancarrow Komponist für Player Piano, dessen Werk Amirkhanian durch Produktionen und Other-Minds-Kontexte mitvermittelte.
  • Elektroakustische Musik Musikalisches Feld von Tonband, Studio, Sampling, Umweltklang und Lautsprecherraum, in dem Amirkhanian zentrale Arbeiten schuf.
  • Morton Feldman Komponist, dessen Stimme Amirkhanian in Loudspeakers zu einem elektroakustischen Porträt verarbeitete.
  • Field Recording Aufnahmepraxis von Umweltklängen, die in Amirkhanians Radioprojekten und elektroakustischen Werken eine wichtige Rolle spielt.
  • Fluxus Intermediale Kunstbewegung, deren Sprach-, Aktions- und Medienverständnis zum Umfeld von Amirkhanians Performance- und Radiokunst gehört.
  • Gertrude Stein Experimentelle Autorin, deren Sprachwiederholungen und semantische Verschiebungen für Amirkhanians Text-Sound-Denken wichtig sind.
  • Percy Grainger Komponist und Klangutopist, dem Amirkhanian mit Walking Tune eine elektroakustische Hommage widmete.
  • Hörspiel Akustische Kunstform zwischen Erzählung, Klang, Stimme, Radio und Studio, die Amirkhanians spätere Arbeiten wesentlich berührt.
  • Kalifornische Avantgarde Kulturraum der amerikanischen Westküste, in dem Amirkhanians Arbeit mit KPFA, Mills College, Other Minds und experimenteller Musik verankert ist.
  • KPFA Berkeley-Radiosender, dessen Musikdirektor Amirkhanian von 1969 bis 1992 war.
  • Carol Law Bildende Künstlerin und Projektionserfinderin, mit der Amirkhanian theatrale Sound-Poetry-Realisationen entwickelte.
  • Lou Harrison Amerikanischer Komponist, dessen Stimme und Werk in Amirkhanians Produktionen, Interviews und Text-Sound-Kontexten erscheinen.
  • Minimal Music Musikrichtung, deren frühe Radiopräsenz Amirkhanian bei KPFA wesentlich förderte.
  • Mills College Ausbildungsort Amirkhanians im Bereich Electronic Music and Sound Recording und wichtiger Ort amerikanischer experimenteller Musik.
  • Conlon Nancarrow Siehe auch unter der alternativen Namensform; seine Player-Piano-Musik wurde durch Amirkhanians Produktionsarbeit stark vermittelt.
  • New Music Übergreifendes Feld zeitgenössischer, experimenteller und nichtkanonischer Musik, das Amirkhanians Schaffen und Kuratieren bestimmt.
  • Other Minds Von Amirkhanian mitgegründete Organisation für experimentelle Musik, Festivalarbeit, Archiv, Label und Rundfunk.
  • Other Minds Archives Onlinearchiv mit Interviews, Mitschnitten und Dokumenten zur experimentellen Musik, hervorgegangen aus KPFA- und Other-Minds-Materialien.
  • Performance-Kunst Intermediales Feld, in dem Amirkhanians Sound Poetry mit Stimme, Projektion, Körper und Raum zusammenwirkt.
  • Radiokunst Kunstform, in der Amirkhanian als KPFA-Produzent, Klangcollagist und Interviewarchivar eine zentrale Rolle spielte.
  • Sampling Technik der Aufnahme, Speicherung und Transformation von Klangmaterial, die Amirkhanians spätere elektroakustische Werke prägt.
  • San Francisco Bay Area Kultureller Hauptwirkungsraum Amirkhanians, besonders durch KPFA, Exploratorium, Mills College, Djerassi und Other Minds.
  • Schlagzeug Instrumentales und konzeptuelles Ausgangsfeld von Amirkhanians früher Arbeit an Rhythmus, Objektklang und Sprachpercussion.
  • Sound Poetry Klangpoesie, in der Sprache als Laut-, Rhythmus- und Stimmmaterial behandelt wird.
  • Soundscape Akustische Landschaft und Umweltklangfeld, das in Amirkhanians Radioprojekten und elektroakustischen Werken stark präsent ist.
  • Steve Reich Komponist, dessen repetitive und phasenartige Verfahren zum Bezugsfeld von Amirkhanians Text-Sound-Arbeit gehören.
  • Text-Sound-Komposition Kompositionsform, deren amerikanische Ausprägung Amirkhanian entscheidend mitgeprägt hat.