Jean-Joseph-Marie Amiot
Überblick
Jean-Joseph-Marie Amiot war einer der bedeutenden französischen Jesuiten und Sinologen des 18. Jahrhunderts. Er gehört zu jener letzten Generation europäischer Missionare in China, die noch im Umfeld des Qing-Hofes arbeiteten, zugleich aber bereits in die Krise der europäischen Jesuitenmission, in die Aufhebung des Jesuitenordens und in die politischen Erschütterungen der Französischen Revolution gerieten. Sein Leben verbindet Toulon, Avignon, Macao, Beijing, den Hof des Qianlong-Kaisers, die französische Gelehrtenwelt und die frühen europäischen Forschungen über chinesische Musik.
Für die Musikgeschichte ist Amiot besonders wichtig durch das Mémoire sur la musique des Chinois, tant anciens que modernes, das 1779 mit Anmerkungen des Abbé Pierre-Joseph Roussier erschien. Diese Schrift gehört zu den frühesten umfangreichen europäischen Darstellungen chinesischer Musik auf der Grundlage chinesischer Quellen, Instrumente, Notationsformen und gelehrter Erklärungen. Amiot vermittelte damit nicht nur einzelne exotische Informationen, sondern einen systematischen Blick auf chinesische Tonlehre, Instrumentenkunde, Hofmusik, rituelle Musik, Musikgeschichte und Notation.
Sein Rang beschränkt sich jedoch nicht auf die Musik. Amiot arbeitete über chinesische Geschichte, Sprache, Philosophie, Militärtheorie, Astronomie, Chronologie, Literatur und Manjuristik. Er übersetzte beziehungsweise bearbeitete chinesische Texte, schrieb an europäischen Gelehrtenkorrespondenten, arbeitete für die mehrbändigen Mémoires concernant les Chinois und wurde zu einem der wichtigsten Informationskanäle zwischen der französischen Aufklärung und dem China der Qing-Zeit. Er steht damit an einer kulturgeschichtlichen Schwelle: Er ist Missionar und Gelehrter, Übersetzer und Interpret, Beobachter und Vermittler, Bewunderer chinesischer Kultur und zugleich europäischer Deuter dieser Kultur.
Kurzdaten
| Name | Jean-Joseph-Marie Amiot. |
|---|---|
| Weitere Namensformen | Jean-Joseph-Marie Amyot, Joseph-Marie Amiot, Joseph Amiot, Joseph Amyot, M. Amiot, Père Amiot, Qian Deming, 錢德明 und 钱德明. |
| Dateiname | amiot-jean-joseph-marie.shtml. |
| Geburt | 8. Februar 1718 in Toulon. |
| Tod | 8. oder 9. Oktober 1793 in Beijing; die Quellenüberlieferung schwankt zwischen beiden Daten. |
| Beruf | Jesuit, Missionar, Sinologe, Musikforscher, Übersetzer, Manjurist, Astronom, Historiker, Sprachforscher, Korrespondent und Kulturvermittler. |
| Orden | Gesellschaft Jesu; Eintritt 1737, Tätigkeit in China auch nach der Aufhebung des Jesuitenordens. |
| Wirkungsorte | Toulon, Avignon, Besançon, Arles, Aix-en-Provence, Nîmes, Dole, Macao, Guangzhou/Kanton und Beijing. |
| China-Aufenthalt | Ab 1751 in Beijing; dort blieb Amiot bis zu seinem Tod. |
| Chinesischer Name | Qian Deming, 錢德明 beziehungsweise 钱德明. |
| Hauptwerk zur Musik | Mémoire sur la musique des Chinois, tant anciens que modernes, Paris 1779, herausgegeben beziehungsweise kommentiert durch Pierre-Joseph Roussier. |
| Weitere Schwerpunkte | Chinesische Musik, chinesische Geschichte, Konfuzianismus, Manjuristik, chinesische Militärtheorie, Hofkultur, Sprachen, Chronologie, Astronomie und Mission. |
| Besondere Bedeutung | Amiot war einer der wichtigsten Vermittler chinesischer Kultur in die europäische Aufklärung und einer der frühesten europäischen Autoren, die chinesische Musik nicht nur als Kuriosität, sondern als gelehrtes System darstellten. |
| Normdaten | BnF 12112654w; in weiteren Katalogen und Personendatenbanken unter Amiot, Amyot, Joseph-Marie Amiot und Qian Deming geführt. |
Namensformen und Quellenlage
Die Hauptform Jean-Joseph-Marie Amiot folgt der in vielen biographischen und musikhistorischen Darstellungen gebräuchlichen französischen Namensform. Daneben begegnet Amyot, ferner Joseph-Marie Amiot, Joseph Amiot, M. Amiot und Père Amiot. In chinesischen Zusammenhängen ist sein Name Qian Deming, geschrieben 錢德明 in traditioneller und 钱德明 in vereinfachter Schrift. Für die Dateibezeichnung ist nach dem Kulturlexikon-Muster amiot-jean-joseph-marie.shtml anzusetzen.
Die Quellenlage ist reich, aber im Detail nicht immer einheitlich. Der Todestag wird teils als 8. Oktober, teils als 9. Oktober 1793 angegeben; einzelne ältere kirchliche Nachschlagewerke formulieren ausdrücklich „8 oder 9. Oktober“. Für diese Seite wird im tabellarischen Kernfeld die schwankende Überlieferung offen genannt, während in strukturierten Daten der 9. Oktober 1793 als technisch eindeutiger Wert gesetzt wird. Auch bei Ordinations- und Missionsdaten begegnen Abweichungen zwischen einzelnen Nachschlagewerken; deshalb werden die sichereren größeren Linien stärker betont als jedes einzelne Verwaltungsdatum.
Die wichtigsten Quellengruppen sind biographische Nachschlagewerke, BnF- und Gallica-Digitalisate, die Mémoires concernant les Chinois, Handschriften zu chinesischer Musik, spätere Editionen, Forschung zur jesuitischen China-Mission, Studien zur europäischen Rezeption chinesischer Musik und moderne Kataloge zu Amiots Schriften. Eine moderne Darstellung muss daher zwischen Amiot als historischem Missionar, Amiot als Verfasser beziehungsweise Übersetzer und Amiot als Gegenstand europäischer China-Rezeption unterscheiden.
Leben und Stationen
Jean-Joseph-Marie Amiot wurde am 8. Februar 1718 in Toulon geboren. Toulon war ein wichtiger französischer Hafen- und Marineort; dieser südfranzösische Ausgangspunkt ist für Amiots spätere Weltbewegung nicht nebensächlich. Er wuchs in einem katholischen, städtischen und bildungsnahen Milieu auf. 1737 trat er in die Gesellschaft Jesu ein. Die Jesuiten verbanden geistliche Ausbildung, Rhetorik, Sprachen, Wissenschaft, Mission und pädagogische Arbeit in besonderer Weise. Gerade diese Verbindung wurde für Amiots späteres Wirken entscheidend.
Vor seiner Ausreise nach China war Amiot in der französischen jesuitischen Bildungslandschaft tätig. Er lehrte an Kollegien und erhielt eine Ausbildung, die Philosophie, Theologie, Rhetorik, Sprachfähigkeit und wissenschaftliche Neugier miteinander verband. Seine spätere Sinologie ist ohne diese jesuitische Schulung nicht zu verstehen. Amiot war kein moderner Universitäts-Sinologe, sondern ein gelehrter Missionar, dessen Forschung aus Übersetzung, Korrespondenz, Beobachtung, Hofkontakt und missionarischer Anpassung hervorging.
Nach der Entsendung nach China erreichte Amiot Macao und gelangte 1751 nach Beijing. Dort blieb er bis zu seinem Tod. In Beijing trat er in die lange Tradition der Jesuiten am Kaiserhof ein, die mit Figuren wie Matteo Ricci, Johann Adam Schall von Bell, Ferdinand Verbiest, Joachim Bouvet und Teodorico Pedrini verbunden war. Die Jesuiten wurden am Qing-Hof nicht nur als Missionare, sondern auch als Astronomen, Kartographen, Künstler, Musiker, Übersetzer und technische Experten wahrgenommen.
Amiot lernte Chinesisch und Manjurisch, nahm den chinesischen Namen Qian Deming an und arbeitete sich in chinesische Gelehrtenkultur ein. Er stand in Verbindung mit europäischen Korrespondenten, darunter französischen Staats- und Gelehrtenkreisen. Besonders wichtig wurde die Korrespondenz mit Henri Bertin, der als französischer Minister und Förderer der China-Informationen die Verbreitung jesuitischer Materialien in Europa unterstützte. Amiot wurde dadurch zu einem Vermittler, dessen Berichte, Übersetzungen und Materialien nicht nur missionarischen Zwecken dienten, sondern in die europäische Aufklärungskultur eingingen.
Die Aufhebung des Jesuitenordens im Jahr 1773 traf Amiot in einer besonderen Lage. Er blieb in Beijing, lebte weiter im Umfeld der ehemaligen Jesuitenmission und setzte seine Arbeiten fort. Der chinesische Kaiserhof und die europäische Politik entwickelten sich zunehmend auseinander; gleichzeitig geriet Frankreich in die Krise, die in die Revolution mündete. Die Nachricht von der Hinrichtung Ludwigs XVI. erreichte Amiot kurz vor seinem Tod. Er starb am 8. oder 9. Oktober 1793 in Beijing.
Ausführlicher Kulturüberblick
Amiot steht in einer der komplexesten Austauschgeschichten des 18. Jahrhunderts. Die jesuitische China-Mission war seit dem 16. Jahrhundert ein außergewöhnliches Experiment kultureller Übersetzung. Die Missionare mussten nicht nur predigen, sondern lernen, übersetzen, verhandeln, astronomisch rechnen, Kalender korrigieren, Instrumente erklären, Bilder malen, Sprachen studieren und sich in höfische Etikette einfügen. Amiot war ein später Vertreter dieser Tradition, aber gerade deshalb besonders interessant: Er lebte in einer Zeit, in der die frühneuzeitliche Jesuitenmission ihren Höhepunkt bereits überschritten hatte, ihre wissenschaftlichen und kulturellen Materialien in Europa aber besonders stark rezipiert wurden.
Für Europa war China im 18. Jahrhundert kein einheitliches Bild. Es war zugleich bewundertes Reich der Ordnung, Gegenbild zur europäischen Zivilisation, Objekt missionarischer Hoffnung, Projektionsfläche der Aufklärung, Quelle von Porzellan, Lack, Gartenmotiven und Chinoiserien sowie Gegenstand ernsthafter gelehrter Forschung. Amiots Schriften wirkten in dieses gespannte Feld hinein. Er lieferte Informationen, die die europäische China-Rezeption zugleich vertieften und formten.
Musik nimmt in dieser Vermittlung eine besondere Stellung ein. Europäische Autoren hatten chinesische Musik oft als fremd, unverständlich oder exotisch wahrgenommen. Amiot versuchte dagegen, sie aus ihren eigenen theoretischen, historischen und rituellen Voraussetzungen zu erklären. Er sammelte Angaben zu Instrumenten, Tonsystemen, alten Quellen, höfischer Musik, Notation und Aufführungspraxis. Dadurch wurde chinesische Musik für europäische Leser nicht nur zum Kuriosum, sondern zu einem gelehrten System mit eigener Geschichte.
Die Schwierigkeit dieser Vermittlung liegt auf der Hand. Amiot musste chinesische Begriffe in französische Sprache übersetzen, chinesische Tonsysteme in europäische Kategorien bringen, Instrumente erklären, Notationsformen beschreiben und zugleich den Erwartungen europäischer Leser entsprechen. Dabei entstanden unvermeidlich Missverständnisse. Dennoch ist seine Leistung erheblich: Er machte chinesische Musik zu einem Gegenstand europäischer Musikgelehrsamkeit.
Auch seine Arbeiten zur Manjuristik und Militärtheorie zeigen denselben Vermittlungstyp. Die Qing-Dynastie war nicht nur chinesisch, sondern auch mandschurisch geprägt. Wer den Hof wirklich verstehen wollte, musste sich daher auch mit der mandschurischen Sprache und Verwaltungskultur beschäftigen. Amiot tat dies und trug zur frühen europäischen Kenntnis des Manjurischen bei. Seine Sunzi-Übertragung machte außerdem einen klassischen chinesischen Text militärischer Strategie in Europa bekannt.
Amiot und die chinesische Musik
Der musikhistorisch wichtigste Text Amiots ist das Mémoire sur la musique des Chinois, tant anciens que modernes. Es erschien 1779 in Paris, mit Noten, Beobachtungen und einer gelehrten Rahmung durch Pierre-Joseph Roussier. Das Werk gehört in den Kontext der mehrbändigen Mémoires concernant les Chinois, die europäische Leser über Geschichte, Wissenschaft, Künste, Sitten und Gebräuche Chinas informieren sollten. Für die europäische Musikgeschichte war dieser Text eine der ersten großen Begegnungen mit chinesischer Musiktheorie aus schriftlichen Quellen.
Amiot interessierte sich nicht nur für einzelne Melodien. Er fragte nach Ursprung, Ordnung, Instrumenten, Tonsystem, Notation, ritueller Bedeutung und historischer Autorität der Musik. Dabei berührte er Fragen, die auch die europäische Musiktheorie des 18. Jahrhunderts beschäftigten: Ursprung der Musik, Verhältnis von Natur und System, Tonordnung, Mathematik, Moral, Wirkung der Musik auf Gesellschaft und Staat. Chinesische Musik wurde dadurch in einen europäischen Diskurs über Ursprung und Gesetzmäßigkeit der Musik hineingezogen.
Besonders bedeutsam ist der Zusammenhang zwischen Amiot, chinesischen Instrumenten und europäischer Organologie. Amiot sandte beziehungsweise beschrieb Instrumente und Materialien, darunter die Mundorgel Sheng. Die Sheng wurde in Europa später in Diskussionen über freie Zungen und neue Instrumententechniken wichtig. Auch wenn direkte Entwicklungslinien vorsichtig zu formulieren sind, gehört Amiot zu den Vermittlern, die chinesische Instrumentenkunde in Europa überhaupt sichtbar machten.
Von großem Interesse sind auch die sogenannten Divertissements chinois und die Musique sacrée. Sie zeigen, dass Amiot nicht nur theoretisch über Musik schrieb, sondern auch klingendes Material, Notationen und geistliche Musik in chinesischem Kontext übermittelte. Damit berührt er die Frage, wie katholische Mission, chinesische Sprache und musikalische Praxis zusammengeführt werden konnten. Die Musik der Pekinger Jesuiten war nicht bloß europäisch in China oder chinesisch für Europa, sondern ein hybrider Raum der Übersetzung.
Amiots musikhistorischer Rang ist daher doppelt. Einerseits war er einer der wichtigsten europäischen Informanten über chinesische Musik im 18. Jahrhundert. Andererseits zeigt sein Werk die Grenzen und Bedingungen früher Musikethnographie. Er beobachtete und übersetzte, aber immer aus einem jesuitisch-europäischen Deutungsrahmen heraus. Genau darin liegt sein historischer Wert: Seine Texte sind zugleich Quelle über chinesische Musik und Quelle über europäische Wahrnehmung chinesischer Musik.
Beijing, Qianlong-Hof und jesuitische Vermittlung
Amiots Beijing war die Hauptstadt des Qing-Reiches unter dem Qianlong-Kaiser. Der Hof war ein hochkomplexer Raum aus chinesischen, mandschurischen, mongolischen, tibetischen und europäischen Elementen. Die Jesuiten hatten dort keine gewöhnliche Missionsfreiheit, sondern lebten in einer Sonderstellung. Sie konnten als technische und wissenschaftliche Experten gebraucht werden, waren aber zugleich religiös und politisch kontrolliert.
Amiot bewegte sich in diesem Raum als Gelehrter und Missionar. Er musste höfische Etikette, Sprachen, Wissensformen und politische Grenzen beachten. Seine Briefe und Schriften sind daher nicht einfach neutrale Reiseberichte. Sie sind Produkte einer Situation, in der Wissen durch Zugang, Erlaubnis, Übersetzung, Patronage und Diplomatie geformt wurde.
Der Qianlong-Hof war stark an Sammlung, Klassifikation und kultureller Repräsentation interessiert. Große Enzyklopädien, Bibliotheken, historische Projekte, Kunstsammlungen, höfische Rituale und sprachpolitische Unternehmungen prägten diese Zeit. Amiots Arbeit über Musik, Manjuristik und Geschichte passt in diesen Kontext, auch wenn sie an europäische Adressaten gerichtet war. Er konnte chinesische und mandschurische Materialien nutzen, weil er in einem Hofmilieu lebte, in dem Gelehrsamkeit und staatliche Ordnung eng zusammengehörten.
Sprache, Manjuristik und Übersetzung
Amiot war nicht nur Sinologe, sondern auch ein wichtiger früher Vermittler der mandschurischen Sprache. Das Dictionnaire tartare-mantchou-françois, das nach seinem Material beziehungsweise nach einem mandschurisch-chinesischen Wörterbuch entstand und 1789 veröffentlicht wurde, gehört zu den wichtigen frühen europäischen Hilfsmitteln zur Kenntnis des Manjurischen. Der Titel verwendet die ältere Bezeichnung „tartare-mantchou“, die heute historisch einzuordnen ist.
Manjuristik war für das Verständnis des Qing-Reiches entscheidend. Die Qing-Dynastie war mandschurischer Herkunft, und die mandschurische Sprache spielte im Hof, in Verwaltung, Militär und Identitätsgeschichte eine zentrale Rolle. Europäische Sinologie, die nur Chinesisch betrachtete, konnte das Qing-Reich daher nicht vollständig verstehen. Amiots Beschäftigung mit dem Manjurischen zeigt seine Nähe zu den realen Macht- und Sprachstrukturen des Hofes.
Übersetzung war für Amiot kein rein sprachlicher Vorgang. Sie bedeutete kulturelle Umformung. Chinesische und mandschurische Begriffe mussten in französische Kategorien gebracht werden, ohne ihre Eigenart vollständig zu verlieren. Gerade bei Musik, Militärtheorie und Konfuzianismus war diese Aufgabe schwierig. Amiots Texte sind deshalb zugleich Übersetzungen und Interpretationen.
Sunzi, Militärtheorie und europäische China-Rezeption
Ein weiteres wichtiges Feld ist Amiots Beschäftigung mit chinesischer Militärtheorie. Seine französische Vermittlung von L’Art militaire des Chinois machte Texte aus dem Umfeld von Sunzi beziehungsweise Die Kunst des Krieges in Europa bekannt. Damit berührte Amiot nicht nur China-Kunde, sondern auch europäische Debatten über Strategie, Staatskunst, Ordnung, Disziplin und die Vergleichbarkeit politisch-militärischer Kulturen.
Die europäische Wirkung solcher Texte war ambivalent. Einerseits konnten sie ernsthafte Kenntnisse über chinesische Klassiker vermitteln. Andererseits wurden sie in europäische Kategorien von Staatsvernunft, Exotik, Moral und Strategie übersetzt. Amiots Leistung besteht darin, ein Material zugänglich gemacht zu haben, das später eine lange Rezeptionsgeschichte entwickeln sollte.
Für den Kulturlexikon-Zusammenhang ist wichtig, dass Amiot nicht als bloßer Musikautor isoliert wird. Seine Musikschriften, seine Sunzi-Übertragung, seine Manjuristik und seine Arbeiten zu Konfuzius gehören zu einem gemeinsamen Projekt: China sollte in Europa nicht nur über Waren, Bilder oder Reiseanekdoten, sondern über Texte, Systeme und gelehrte Ordnung verstehbar werden.
Werk- und Schriftenverzeichnis
Das Werkverzeichnis Jean-Joseph-Marie Amiots ist als Schriften-, Übersetzungs-, Musik- und Quellenverzeichnis angelegt. Es umfasst gedruckte Werke, Handschriften, Beiträge zu Sammelwerken, Übersetzungen und Materialien, die in der europäischen China-Rezeption des 18. Jahrhunderts eine Rolle spielten. Die Zuordnungen sind quellenkritisch zu lesen, weil manche Texte aus Briefen, Manuskripten, Missionarsberichten, redaktioneller Bearbeitung und Pariser Herausgabe hervorgingen.
Musiktheorie, Musikgeschichte und musikalische Quellen
- De la musique moderne des Chinois, Handschrift um 1754 beziehungsweise Mitte des 18. Jahrhunderts, in der Amiot chinesische Musikpraxis und Musiktheorie für europäische Adressaten beschreibt. Die Handschrift ist als früher Entwurf beziehungsweise Vorarbeit zur späteren umfassenderen Darstellung chinesischer Musik wichtig.
- Mémoire sur la musique des Chinois, tant anciens que modernes, Paris 1779, mit Anmerkungen, Beobachtungen und Inhaltsübersicht von Pierre-Joseph Roussier; Teil beziehungsweise Sonderdruck aus dem Kontext der Mémoires concernant les Chinois. Hauptwerk Amiots zur chinesischen Musik.
- Divertissements chinois, musikalische Hefte beziehungsweise Sammlungen chinesischer Musik, die Amiot nach Europa sandte. Sie sind für die Überlieferung klingender chinesischer Materialien und für spätere Rekonstruktionen von besonderer Bedeutung.
- Musique sacrée, Sammlung geistlicher beziehungsweise katholischer Gebete und Gesänge in chinesischem Kontext; wichtig für die Frage nach chinesischsprachiger Missionsmusik und musikalischer Inkulturation.
- Materialien zu chinesischen Instrumenten, darunter Hinweise auf die Sheng und andere Instrumente, die für die europäische Organologie und die Wahrnehmung chinesischer Klangkultur wichtig wurden.
Sinologische, historische und kulturkundliche Schriften
- Éloge de la ville de Moukden, französische Übersetzung beziehungsweise Bearbeitung eines chinesischen Textes zum kaiserlichen Mukden/Shenyang-Kontext, veröffentlicht im Umfeld der europäischen China-Rezeption.
- Beiträge zu den Mémoires concernant l’histoire, les sciences, les arts, les mœurs, les usages, etc. des Chinois, mehrbändiges Sammelwerk der Missionare von Beijing, Paris 1776–1789. Amiot gehörte zu den wichtigsten Beiträgern dieser Reihe.
- Vie de Confucius, Darstellung beziehungsweise Übersetzung im Zusammenhang der Mémoires concernant les Chinois, wichtig für die europäische Konfuzius-Rezeption des 18. Jahrhunderts.
- Schriften zur chinesischen Geschichte, Chronologie, Literatur, Wissenschaft, Hofkultur und zu chinesischen Gebräuchen, teils als Einzelbeiträge, teils innerhalb der Mémoires concernant les Chinois.
Militärtheorie
- Art militaire des Chinois, veröffentlicht 1772, mit Übersetzung beziehungsweise Vermittlung chinesischer militärischer Texte, besonders des Sunzi-Traditionskreises; eine der frühesten europäischen Vermittlungen chinesischer strategischer Literatur.
- Weitere Notizen und Materialien zu chinesischem Militärwesen, Hofordnung, Disziplin, Waffen, Zeichen, Trommeln, Signalen und staatlicher Organisation, soweit sie in den einschlägigen Sammlungen und Briefen greifbar sind.
Manjuristik und Sprachwissenschaft
- Dictionnaire tartare-mantchou-françois, Paris 1789, auf Grundlage eines mandschurisch-chinesischen Wörterbuchs und durch Louis-Mathieu Langlès redaktionell bearbeitet beziehungsweise veröffentlicht. Das Werk gehört zu den frühen europäischen Instrumenten der Manjuristik.
- Grammaire de la langue tatare-mantchoue, grammatische Arbeit zur mandschurischen Sprache, in der Überlieferung als unveröffentlicht beziehungsweise handschriftlich bezeugt.
- Sprachliche und lexikalische Materialien zu Chinesisch und Manjurisch, die in Briefen, Manuskripten und späteren Forschungskontexten greifbar sind.
Korrespondenz, Beobachtungen und wissenschaftliche Materialien
- Briefe an Henri Bertin und andere europäische Korrespondenten, die Fragen zu chinesischer Geschichte, Sprache, Musik, Religion, Technik, Verwaltung und Hofkultur behandelten.
- Astronomische, meteorologische und naturkundliche Beobachtungen aus Beijing, die in europäischen Wissenschaftskreisen ausgewertet wurden.
- Materialien zu chinesischen Instrumenten, Bildern, Büchern, Texten und Objekten, die in europäische Sammlungen, Bibliotheken und Kabinette gelangten.
- Berichte über die Lage der Mission in Beijing nach der Aufhebung des Jesuitenordens und während der späten Qing-Zeit.
Chronologische Übersicht wichtiger Werke und Stationen
| 1718 | Geburt am 8. Februar in Toulon. |
|---|---|
| 1737 | Eintritt in die Gesellschaft Jesu. |
| 1740er Jahre | Lehre und Ausbildung in Frankreich, unter anderem in jesuitischen Kollegien. |
| 1749/1750 | Ausreise in Richtung China und Ankunft im südchinesischen Missionsraum beziehungsweise in Macao. |
| 1751 | Ankunft in Beijing und Beginn der lebenslangen Tätigkeit in China. |
| um 1754 | De la musique moderne des Chinois, frühe handschriftliche Arbeit über chinesische Musik. |
| 1770 | Éloge de la ville de Moukden, französische Vermittlung eines chinesischen kaiserlichen Textes beziehungsweise eines China-bezogenen Lobtextes. |
| 1772 | Art militaire des Chinois, wichtige europäische Vermittlung chinesischer Militärtheorie. |
| 1776–1789 | Mémoires concernant les Chinois, mehrbändige Sammlung, zu der Amiot wesentliche Beiträge lieferte. |
| 1776 | Übersendung wichtiger Materialien zur chinesischen Musik, darunter musikalische Hefte, Notationen und Instrumenteninformationen. |
| 1779 | Mémoire sur la musique des Chinois, tant anciens que modernes, Amiots Hauptschrift zur chinesischen Musik, in Paris veröffentlicht. |
| 1789 | Dictionnaire tartare-mantchou-françois, Veröffentlichung eines grundlegenden frühen mandschurisch-französischen Wörterbuchs auf Amiots Materialgrundlage. |
| 1793 | Tod am 8. oder 9. Oktober in Beijing. |
Rezeption und Nachwirkung
Amiots Nachwirkung ist besonders stark in der europäischen China-Rezeption des 18. und 19. Jahrhunderts. Seine Texte lieferten Informationen, die in Frankreich und Europa von Gelehrten, Musiktheoretikern, Orientalisten, Historikern, Missionarsgesellschaften und Sammlern genutzt wurden. Er trug dazu bei, dass China nicht nur als fernes Reich der Kuriositäten, sondern als Kultur mit eigener Texttradition, Musiktheorie, Sprache und Wissenschaft wahrgenommen wurde.
In der Musikgeschichte blieb das Mémoire sur la musique des Chinois lange eine zentrale Quelle für europäische Vorstellungen von chinesischer Musik. Es wirkte in Debatten über Ursprung der Musik, Tonsysteme, Instrumente, Notation und Vergleichbarkeit musikalischer Kulturen. Moderne Forschung liest Amiot heute vorsichtiger: nicht als vollständig objektiven Berichterstatter, sondern als jesuitischen Übersetzer, der chinesisches Material in die Kategorien der europäischen Gelehrsamkeit des 18. Jahrhunderts überführte.
Die moderne Wiederbeschäftigung mit Amiot hat mehrere Richtungen. Musikwissenschaftler untersuchen seine Quellen, seine Notationen, seine Fehler, seine Instrumentenbeschreibungen und seine Rolle für die frühe Musikethnographie. Sinologen und Missionshistoriker betrachten ihn als Vertreter der späten französischen Jesuitenmission in Beijing. Wissenschaftshistoriker interessieren sich für seine Rolle in den Netzwerken zwischen Hof, Mission, Ministerien, Bibliotheken und europäischen Akademien.
Auch in der Aufführungspraxis wurde Amiot wieder wichtig. Die überlieferten chinesischen und missionsmusikalischen Hefte wurden im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert transkribiert, eingespielt und neu interpretiert. Damit wurde aus einem scheinbar antiquarischen Quellenbestand wieder klingende Musik. Amiot erscheint dadurch nicht nur als Autor, sondern als Vermittler von Repertoire.
Forschung, Quellen und editorische Hinweise
Die Forschung zu Amiot muss mehrere Ebenen auseinanderhalten. Erstens gibt es Amiots eigene Beobachtungen und Handschriften. Zweitens gibt es Pariser Bearbeitungen, Herausgaben und Kommentare, etwa durch Pierre-Joseph Roussier oder Louis-Mathieu Langlès. Drittens gibt es die Rezeption durch europäische Gelehrte, die Amiots Texte in eigene Theorien einordneten. Viertens gibt es moderne Forschung, die nach chinesischen Originalquellen, Übersetzungsproblemen und kolonialen beziehungsweise missionarischen Wahrnehmungsrahmen fragt.
Besonders bei der Musik ist Vorsicht geboten. Amiots Darstellungen chinesischer Musik beruhen auf realen Quellen und Beobachtungen, sind aber nicht frei von Missverständnissen. Chinesische Begriffe für Ton, Modus, Instrument, Notation und Ritual lassen sich nicht deckungsgleich in europäische Begriffe des 18. Jahrhunderts übersetzen. Eine moderne Seite sollte Amiots Leistung anerkennen, ohne seine Darstellung für unmittelbare chinesische Selbstbeschreibung zu halten.
Bei Werkangaben ist außerdem zwischen gedruckten Büchern, Manuskripten, Briefen, späteren Editionen und zugeschriebenen Materialien zu unterscheiden. Amiot war häufig nicht Autor im modernen Sinne eines abgeschlossenen Einzelwerks, sondern Lieferant, Übersetzer, Kommentator und Korrespondent. Viele seiner Texte gelangten durch die redaktionelle Arbeit in Paris in den Druck. Genau diese Vermittlungskette macht seine Bedeutung aus.
Sekundärliteratur
- Camus, Yves: Jesuits’ Journeys in Chinese Studies. Ricci Institute, Macau; Überblick zur Geschichte jesuitischer Chinaforschung und zu Amiots Stellung innerhalb dieser Tradition.
- Davin, Emmanuel: Un éminent sinologue toulonnais du XVIIIe siècle, le R. P. Joseph-Marie Amiot. In: Bulletin de l’Association Guillaume Budé, 1961; ältere grundlegende Studie zu Leben und Werk Amiots.
- Hermans, Michel: Studien zu Joseph-Marie Amiot, seiner China-Mission, seiner Korrespondenz und seiner Rolle innerhalb der späten Jesuitenmission.
- Hu, Zhuqing: Arbeiten zu chinesischer Musik, Rameau, Rousseau, Amiot und den akustischen Wissensordnungen des 18. Jahrhunderts.
- Irvine, Thomas: Arbeiten zur chinesischen Musik in der europäischen Aufklärung und zur Wirkung Amiots auf europäische Musiktheorie und Kulturvergleichung.
- Jiang, Qingfan: In Search of the Oriental Origin: Rameau, Rousseau and Chinese Music in Eighteenth-Century France. In: Eighteenth-Century Music; einschlägig für Amiot und die französische Musiktheorie des 18. Jahrhunderts.
- Lindorff, Joyce: Arbeiten zu Jesuiten, chinesischer Musik, Cembalo, Hofmusik und transkultureller Aufführungspraxis im 17. und 18. Jahrhundert.
- Picard, François: Editionen und Studien zu Amiots chinesischen Musikmanuskripten, zur Musique sacrée und zu musikalischer Vermittlung zwischen Beijing und Europa.
- Rochemonteix, Camille de: Joseph Amiot et les derniers survivants de la mission française de Pékin. Paris 1915; klassische, quellenreiche Darstellung zur letzten Generation der französischen Jesuitenmission in Beijing.
- Schaab-Hanke, Dorothee; Fang, Jing: Studien zur Zirkulation chinesischer Musikkenntnisse und zu den Kosten beziehungsweise Bedingungen solcher Wissensübertragung im 18. Jahrhundert.
- Statman, Alexander: Studien zur Wissenschaft, Sprache und Übersetzung in den jesuitischen China-Netzwerken des 18. Jahrhunderts.
Ausgewählte Onlinequellen
- Biographical Dictionary of Chinese Christianity: Jean Joseph Marie Amiot Englischsprachiger biographischer Artikel zu Geburt, Eintritt in den Jesuitenorden, Ankunft in Beijing, Qianlong-Bezug, Chinaforschung und Korrespondenz.
- Britannica: Jean-Joseph-Marie Amiot Knapper, aktueller Nachschlagewerksartikel mit Lebensdaten, Amyot-Namensform und Einordnung als Jesuit, dessen Schriften ostasiatisches Denken und Leben in Europa zugänglich machten.
- British Museum: Joseph Marie Amiot Personendatensatz mit Namen Qian Deming, Lebensdaten, französischer Herkunft und Berufsangaben als Jesuit, Missionar, Astronom und Historiker.
- BnF Catalogue général: Amiot, Joseph (1718–1793) Normdaten- und Personenseite der Bibliothèque nationale de France mit Namensvarianten, Jesuiten-, Übersetzer-, Sinologen-, Astronomen- und Missionsangaben.
- Cambridge Core: In Search of the Oriental Origin Forschungsartikel zu Rameau, Rousseau, chinesischer Musik und Amiots Rolle in der französischen Musiktheorie des 18. Jahrhunderts.
- Catholic Encyclopedia: Joseph Maria Amiot Älterer kirchlicher Artikel mit Geburtsdatum, Tod am 8. oder 9. Oktober 1793, Eintritt in die Gesellschaft Jesu und China-Missionsbezug.
- Gallica: De la musique moderne des Chinois Digitalisat der BnF-Handschrift De la musique moderne des Chinois von Père Joseph-Marie Amiot.
- Gallica: Mémoire sur la musique des Chinois Digitalisat des 1779 erschienenen Mémoire sur la musique des Chinois, tant anciens que modernes, mit Anmerkungen von Pierre-Joseph Roussier.
- HathiTrust: Dictionnaire tartare-mantchou françois Bibliographischer Nachweis des mandschurisch-französischen Wörterbuchs auf Grundlage eines mandschurisch-chinesischen Wörterbuchs, verbunden mit Amiot und Langlès.
- IMSLP: De la musique Moderne des Chinois Werkseite zur handschriftlichen Amiot-Schrift über moderne chinesische Musik, mit Datierung um 1754 und Einordnung als Musikgeschichte, Organologie und Musiktheorie.
- IMSLP: Mémoire sur la musique des Chinois Werkseite zum 1779 erstmals veröffentlichten Mémoire sur la musique des Chinois mit bibliographischer Grundinformation.
- Internet Archive: Dictionnaire Tartare-Mantchou François, Band 1 Digitalisat des 1789 bei Didot erschienenen ersten Bandes des Dictionnaire tartare-mantchou françois.
- Internet Archive: Mémoire sur la musique des Chinois Alternatives Digitalisat von Amiots Musikschrift über die chinesische Musik, veröffentlicht im 18. Jahrhundert und heute gemeinfrei zugänglich.
- Persée: Un éminent sinologue toulonnais du XVIIIe siècle Digital zugängliche ältere Studie von Emmanuel Davin zu Amiot als bedeutendem Sinologen aus Toulon.
- HAL-SHS: De la Musique moderne des Chinois, édition François Picard Edition und Annotation von François Picard zu Amiots BnF-Handschrift De la musique moderne des Chinois.
- HAL-SHS: François Picard, Music, 17th and 18th centuries Forschungsbeitrag zu westlicher Musik in China und chinesischer Musik in europäischen Quellen, mit Amiot als wichtigem Vermittler von Instrumenten und Noten.
- World Scientific: The Jesuit Jean-Joseph-Marie Amiot and Chinese Music Forschungsbeitrag zu Amiots Mémoire sur la musique des Chinois, Wissenschaftsbegriff und Verhältnis zur französischen Aufklärung.
Weiterführende Einträge
- Aufklärung Geistiger Kontext, in dem Amiots China-Berichte, Musikschriften und Übersetzungen in Europa gelesen wurden.
- Beijing Hauptwirkungs- und Sterbeort Amiots sowie Zentrum der späten jesuitischen China-Mission am Qing-Hof.
- Henri Bertin Französischer Minister und Korrespondent, der Amiots China-Materialien in europäische Gelehrtennetzwerke einband.
- China-Rezeption Europäische Wahrnehmung und Deutung Chinas, in der Amiots Texte zu Musik, Sprache, Geschichte und Militärtheorie eine wichtige Rolle spielten.
- Chinesische Musik Musikkulturelles Hauptfeld von Amiots Mémoire sur la musique des Chinois.
- Chinoiserie Europäischer China-Stil des 18. Jahrhunderts, der von gelehrten China-Berichten wie denen Amiots zu unterscheiden, aber kulturgeschichtlich mit ihnen verbunden ist.
- Konfuzius Chinesischer Philosoph, dessen Leben und Lehre Amiot europäischen Lesern im Rahmen der China-Mission vermittelte.
- Ethnomusikologie Späteres Forschungsfeld, für dessen Vorgeschichte Amiots systematische Darstellung chinesischer Musik wichtig ist.
- Gallica Digitale Bibliothek der Bibliothèque nationale de France, in der Amiots Musikschriften und Handschriften zugänglich sind.
- Gesellschaft Jesu Jesuitenorden, dem Amiot angehörte und dessen China-Mission seinen Lebensweg bestimmte.
- Jesuit Ordens- und Bildungsrolle, die bei Amiot Mission, Wissenschaft, Übersetzung und kulturelle Vermittlung verband.
- Jesuitenmission in China Missionarisches und wissenschaftliches Netzwerk, in dem Amiot in Beijing wirkte.
- Manjuristik Sprach- und Kulturforschung zum Manjurischen, zu der Amiot mit Wörterbuch- und Grammatikmaterialien beitrug.
- Mémoires concernant les Chinois Mehrbändiges Sammelwerk der Missionare von Beijing, in dem Amiot zahlreiche Beiträge veröffentlichte.
- Missionsmusik Musik im Kontext christlicher Mission, bei Amiot besonders in chinesischsprachiger geistlicher Musik greifbar.
- Musikethnographie Frühe beschreibende Erfassung fremder Musikkulturen, für die Amiots chinesische Musikstudien ein wichtiger Vorläufer sind.
- Musiktheorie Feld, in dem Amiot chinesische Tonsysteme, Notation, Instrumente und historische Lehren für Europa darstellte.
- Organologie Instrumentenkunde, die durch Amiots Beschreibungen und Übersendung chinesischer Instrumente bereichert wurde.
- Teodorico Pedrini Italienischer Lazarist beziehungsweise Missionar und Musiker in Beijing, wichtiger Vergleichspunkt für westliche Musik am Qing-Hof.
- Qian Deming Chinesischer Name Jean-Joseph-Marie Amiots, unter dem seine Tätigkeit in Beijing ebenfalls greifbar ist.
- Qianlong-Kaiser Qing-Herrscher, unter dessen Regierung Amiot in Beijing lebte und arbeitete.
- Qing-Dynastie Mandschurisch geprägte chinesische Dynastie, deren Hofkultur den Kontext von Amiots Arbeit bildete.
- Jean-Philippe Rameau Französischer Musiktheoretiker und Komponist, dessen Zeitgenossenschaft für die europäische Debatte über chinesische Musik wichtig ist.
- Matteo Ricci Früher Jesuit in China und Ausgangsfigur der kulturellen Anpassungsstrategie, in deren später Tradition Amiot steht.
- Pierre-Joseph Roussier Französischer Musiktheoretiker, der Amiots Mémoire sur la musique des Chinois mit Anmerkungen und Beobachtungen herausgab.
- Sheng Chinesische Mundorgel, die in der europäischen Instrumentenkunde des 18. Jahrhunderts auch durch Amiots Vermittlung Aufmerksamkeit erhielt.
- Sinologie Wissenschaft von Sprache, Geschichte und Kultur Chinas, zu deren früher europäischer Form Amiot wesentlich beitrug.
- Sunzi Chinesischer Klassiker der Militärtheorie, dessen europäische Vermittlung im 18. Jahrhundert mit Amiot verbunden ist.
- Toulon Geburtsstadt Jean-Joseph-Marie Amiots und südfranzösischer Ausgangspunkt seiner Biographie.
- Übersetzung Kulturelle Praxis, durch die Amiot chinesische und mandschurische Texte, Begriffe und Musiken europäischen Lesern zugänglich machte.