Christian Ameyden

Auch Christiaan van der Ameijden, Christianus Ameyden und Christianus Ameiden; * um 1534, nach neuerer Forschung eher zwischen 1530 und 1535, in Oirschot in Brabant; † 20. November 1605 in Rom. Sänger, Komponist, päpstlicher Kapellsänger der Cappella Sistina und zeitweise Mastro di cappella.

Überblick

Christian Ameyden, niederländisch meist Christiaan van der Ameijden, war ein aus Oirschot in Brabant stammender Sänger und Komponist, der seit 1563 in Rom an der päpstlichen Cappella Sistina wirkte. Er gehört zu den letzten Vertretern jener langen niederländisch-flämischen Musikertradition, die seit dem 15. Jahrhundert das musikalische Leben der päpstlichen Kapellen entscheidend geprägt hatte. Während ältere Meister wie Guillaume Dufay, Josquin Desprez und andere franko-flämische Komponisten Rom mit der Kunst der niederländischen Polyphonie verbunden hatten, steht Ameyden am Ende dieser Entwicklung.

Seine Biographie ist für die Musikgeschichte außergewöhnlich gut mit römischen Archivquellen verbunden, obwohl sein erhaltenes Werk sehr klein ist. Er wurde im September 1563 auf Empfehlung beziehungsweise mit Unterstützung Papst Pius’ IV. in die Cappella Sistina aufgenommen, 1565 im Zuge einer Reform kurzzeitig entlassen, dann aber wieder eingestellt. Über Jahrzehnte blieb er Mitglied der päpstlichen Kapelle, wurde cantor jubilatus, übernahm Funktionen innerhalb der Kapelle und erscheint 1593/1594 als Mastro di cappella. Damit stand er in unmittelbarer Nähe zu Giovanni Pierluigi da Palestrina, dessen Tod 1594 er als Mitglied der römischen Musikergemeinschaft miterlebte.

Von Ameyden sind nach heutigem Stand nur drei Werke sicher erhalten: das fünfstimmige Madrigal Quel dolce suon, das Magnificat primi toni und die Missa Fontes et omnia quae moventur in aquis. Diese geringe Zahl darf nicht zu einer Unterschätzung führen. Die erhaltenen Werke stehen in unmittelbarer Nachbarschaft zu Palestrina, Giovanni Maria Nanino, Arcangelo Crivelli, Luca Marenzio und anderen Vertretern der römischen Polyphonie. Sie zeigen Ameyden als Komponisten, der die franko-flämische Satzkunst in römischer Umgebung weiterführte und zugleich in den ruhigeren, textklaren Stil der nachtridentinischen Kirchenmusik hineinwuchs.

Kurzdaten

Name Christian Ameyden.
Weitere Namensformen Christiaan van der Ameijden, Christiaan van der Ameiden, Christianus Ameyden, Christianus Ameiden, Christiano Ameyden, Cristianus Ameijden und Christian Ameyden von Oirschot.
Dateiname ameyden-christian.shtml.
Geburt Um 1534 in Oirschot in Brabant; neuere Forschung setzt vorsichtig eher zwischen 1530 und 1535 an.
Tod 20. November 1605 in Rom.
Beruf Sänger, Komponist, päpstlicher Kapellsänger, Mastro di cappella der Cappella Sistina, Mitglied römischer Bruderschaften und Provisor von Santa Maria dell’Anima.
Herkunft Oirschot in Brabant, damals im weiteren Raum der alten Niederlande beziehungsweise des Herzogtums Brabant.
Wirkungsort Rom, besonders Cappella Sistina, Cappella Pontificia, Santa Maria dell’Anima, Campo Santo Teutonico und das Umfeld der päpstlichen Musik.
Aufnahme in die Cappella Sistina 1563, nach römischen Quellen auf päpstliche Unterstützung hin.
Kapellamt 1593 beziehungsweise 1593/1594 als Mastro di cappella der Cappella Sistina greifbar.
Bruderschaften Seit 1565 Mitglied der Bruderschaft des Campo Santo Teutonico; seit 1574 Mitglied von Santa Maria dell’Anima; später dort als Provisor beziehungsweise Comprovisor tätig.
Erhaltene Werke Quel dolce suon, fünfstimmiges Madrigal; Magnificat primi toni; Missa Fontes et omnia quae moventur in aquis.
Besondere Bedeutung Ameyden gilt als letzter bedeutender niederländisch-brabantischer Sänger und Komponist in der päpstlichen Cappella Sistina und als Schlussfigur einer langen römischen Tradition franko-flämischer Polyphonie.

Namensformen und Quellenlage

Die Namensüberlieferung ist mehrsprachig und quellenabhängig. Die niederländische Herkunftsform lautet Christiaan van der Ameijden. In Rom legte er die Präposition und den Artikel vielfach ab; dort erscheinen Formen wie Christianus Ameyden, Christianus Ameiden, Christiano Ameyden oder schlicht Ameiden. Für diese Kulturlexikon-Seite wird die eingedeutschte und musiklexikalisch gebräuchliche Form Christian Ameyden als Hauptlemma verwendet, während die niederländische Form Christiaan van der Ameijden konsequent mitgeführt wird.

Der Herkunftsort Oirschot ist besser gesichert als das genaue Geburtsjahr. Auf seinem römischen Grabmal wird Ameyden als aus Oirschot in Brabant stammend bezeichnet. Römische Quellen nennen ihn daneben auch Buscoducensis, Leodiensis oder Flander. Diese Bezeichnungen verweisen nicht notwendig auf abweichende Geburtsorte, sondern auf größere kirchliche, politische oder geographische Bezugsräume: ’s-Hertogenbosch als regionale Hauptstadt, Lüttich als alter Diözesanbezug und Flandern beziehungsweise die alten Niederlande als römische Sammelbezeichnung.

Die wichtigste moderne Forschung verdankt sich Michiel Verweij, der die römischen Archivquellen, die Anima-Überlieferung, die Cappella-Sistina-Diarien, die Familien- und Herkunftsfragen sowie die erhaltenen Kompositionen neu ausgewertet hat. Dadurch ist Ameyden heute nicht mehr nur ein Name in älteren Musiklexika, sondern eine klarer profilierte Person innerhalb der römischen Kirchenmusik- und Bruderschaftsgeschichte.

Leben und römische Laufbahn

Christian Ameyden wurde um 1534, nach neuerer Vorsicht eher zwischen 1530 und 1535, in Oirschot in Brabant geboren. Über seine Jugend, Ausbildung und den Weg nach Rom ist nur wenig Sicheres bekannt. Möglich ist eine musikalische Ausbildung in Oirschot, ’s-Hertogenbosch oder Antwerpen; gesichert ist dies jedoch nicht. Da Brabant im 16. Jahrhundert noch stark in das internationale Netzwerk franko-flämischer Sänger und Komponisten eingebunden war, ist eine frühe kirchliche oder kapellbezogene Ausbildung wahrscheinlich, aber nicht im Detail zu rekonstruieren.

Ameyden wird erstmals wirklich fassbar, als er 1563 in Rom in die päpstliche Cappella Sistina aufgenommen wurde. Die Aufnahme erfolgte offenbar auf päpstliche Initiative beziehungsweise mit Unterstützung Papst Pius’ IV. Die Kapelle reagierte zunächst zurückhaltend, weil die Aufnahme neuer Sänger durch päpstliches Motu proprio ohne vorherige Prüfung der stimmlichen Eignung problematisch war. Dennoch wurde Ameyden aufgenommen und zum Friedenskuss zugelassen. Diese Episode zeigt bereits die Spannung zwischen päpstlicher Autorität, korporativer Selbstverwaltung der Kapelle und musikalischer Qualitätskontrolle.

1565 wurde Ameyden im Rahmen einer Reform der Cappella Sistina mit mehreren anderen Sängern entlassen. Anders als die meisten Betroffenen wurde er aber kurz darauf wieder aufgenommen. Diese Wiederaufnahme ist für seine Stellung wichtig. Sie zeigt, dass er entweder durch päpstliche Gunst, kollegiale Unterstützung oder institutionelle Nützlichkeit eine besondere Position besaß. Danach blieb er bis zu seinem Tod an die päpstliche Kapelle gebunden.

Über Jahrzehnte nahm Ameyden am täglichen musikalischen und liturgischen Leben der Cappella Sistina teil. Nach fünfundzwanzig Dienstjahren wurde er als cantor jubilatus von Teilen des täglichen Dienstes befreit, blieb aber weiterhin in der Kapelle präsent. 1593 beziehungsweise 1593/1594 erscheint er als Mastro di cappella. Das Amt wurde nach der Reform Sixtus’ V. aus den Reihen der Sänger besetzt und hatte eine praktische musikalische Funktion. Ameyden stand damit an einer Spitzenposition der päpstlichen Kapellorganisation.

Ein besonderer historischer Moment ist das Jahr 1594. Ameyden war damals in führender Funktion der Cappella Sistina greifbar, als Palestrina starb. Die Cappella Sistina nahm am Begräbnis des großen römischen Komponisten teil und sang das Responsorium Libera me, Domine. Ameyden stand damit an einer symbolischen Schwelle: Als letzter bedeutender Sänger und Komponist aus den alten Niederlanden in der päpstlichen Kapelle erlebte er den Tod jenes Komponisten, der die römische Polyphonie der Nachtridentinischen Zeit am stärksten prägte.

Ameyden starb am 20. November 1605 in seinem Haus in der Via Condotti in Rom, wenige Stunden nachdem er sein Testament gemacht hatte. Am folgenden Tag wurde er in der Kirche Santa Maria dell’Anima begraben. Die Cappella Sistina war bei seinem Begräbnis anwesend. Sein Grabmal erinnert ausdrücklich an seine Herkunft aus Oirschot in Brabant, an seine musikalische Fähigkeit, an seine Frömmigkeit und an seine Wohltätigkeit gegenüber der Anima.

Ausführlicher Kulturüberblick

Christian Ameyden steht an einer kulturgeschichtlichen Schnittstelle von niederländischer Polyphonie, römischer Kirchenmusik, päpstlicher Kapellkultur, Gegenreformation und frühneuzeitlicher Bruderschaftsorganisation. Seine Biographie führt von Brabant nach Rom und damit von einer der wichtigsten Herkunftsregionen europäischer Sänger zur wichtigsten kirchlichen Musikzentrale des katholischen Europa.

Seit dem 15. Jahrhundert hatten Musiker aus den alten Niederlanden in Italien eine herausragende Rolle gespielt. Dufay, Josquin, Arcadelt und zahlreiche andere Sänger und Komponisten wirkten an Höfen, Kathedralen und päpstlichen Kapellen. Diese Musiker brachten eine hochentwickelte kontrapunktische Kunst mit, die in Italien aufgenommen, weiterentwickelt und mit lokalen Stilen verbunden wurde. Ameyden gehört zu den letzten Gliedern dieser langen Kette. Bei ihm wird sichtbar, wie die ältere franko-flämische Tradition in den römischen Stil der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts übergeht.

Die Cappella Sistina war kein gewöhnlicher Chor. Sie war die päpstliche Privatkapelle, sang in den wichtigsten liturgischen Feiern des Papstes und besaß eine starke institutionelle Eigenständigkeit. Die Sänger waren nicht nur Ausführende, sondern Mitglieder einer korporativen Gemeinschaft mit eigenen Statuten, Wahlen, Ämtern, Pensionsregeln und internen Konflikten. Ameydens Laufbahn zeigt diese soziale Dimension der Musik besonders deutlich.

Zugleich gehört Ameyden in das römische Milieu der Nationalkirchen und Bruderschaften. Santa Maria dell’Anima war die Kirche der deutschen Nation in Rom, im weiteren Sinn also ein Zentrum für Menschen aus dem Heiligen Römischen Reich und den angrenzenden niederländisch-brabantischen Regionen. Der Campo Santo Teutonico war ein weiterer Ort solcher Verbindung. Ameydens Mitgliedschaft in beiden Kontexten zeigt, dass römische Musiker nicht nur über ihre Kapellen definiert waren, sondern auch über landsmannschaftliche, kirchliche und wohltätige Netzwerke.

Musikgeschichtlich ist Ameyden deshalb mehr als ein Komponist von drei erhaltenen Werken. Er ist ein Beispiel dafür, wie ein Sänger der Renaissance zwischen Herkunft, Kapellamt, Bruderschaft, sozialem Aufstieg, religiöser Praxis, Komposition und Nachlassstiftung lebte. Die erhaltenen Werke sind knapp, aber sie stehen in einem reichen institutionellen Zusammenhang. Sie zeigen, wie Musik in Rom nicht als isoliertes Kunstwerk, sondern als Teil von Liturgie, Amt, Kollegialität, Erinnerung und Stiftung funktionierte.

Cappella Sistina und päpstliche Kapellpraxis

Die Cappella Sistina war im 16. Jahrhundert eine der prestigereichsten musikalischen Institutionen Europas. Ihre Sänger wirkten in den päpstlichen Gottesdiensten, Prozessionen, Begräbnissen, Festen und Kapellfeiern mit. Die Kapelle pflegte eine hochentwickelte Polyphonie, in der die Tradition der franko-flämischen Mehrstimmigkeit mit römischer Textklarheit und nachtridentinischer liturgischer Sensibilität verbunden wurde.

Ameydens Aufnahme 1563 zeigt, wie eng Musik und päpstliche Patronage verbunden waren. Die Kapelle wollte über die musikalische Eignung neuer Sänger selbst wachen, doch päpstliche Empfehlungen konnten den Eintritt beeinflussen. Die Reform von 1565, bei der Ameyden zunächst entlassen und dann wieder aufgenommen wurde, zeigt die Bemühung, die Kapelle organisatorisch und musikalisch zu ordnen. Dass Ameyden zurückkehrte, spricht für seine besondere Stellung.

Das Amt des Mastro di cappella, das Ameyden 1593 beziehungsweise 1593/1594 innehatte, war innerhalb der Cappella Sistina durch ein Rotations- und Wahlprinzip geprägt. Nach der Reform Sixtus’ V. besaß es eine stärker musikalische Funktion. Ameyden war also nicht nur langjähriger Sänger, sondern für kurze Zeit musikalischer Leiter beziehungsweise Sprecher einer der bedeutendsten Kapellinstitutionen der katholischen Welt.

Santa Maria dell’Anima und römische Bruderschaften

Die Verbindung zu Santa Maria dell’Anima ist für Ameydens Lebensbild zentral. 1574 wurde er Mitglied der dortigen Bruderschaft. Ab 1583 wurde er in den engeren Kreis der Confraternitas aufgenommen und wirkte später als Provisor beziehungsweise Comprovisor. Diese Ämter zeigen, dass er nicht nur musikalisch, sondern auch sozial und administrativ in der römischen Gemeinschaft der nordalpinen Nation verankert war.

Santa Maria dell’Anima war in Rom ein Ort der landsmannschaftlichen Identität, Frömmigkeit, Stiftung, Kranken- und Armenfürsorge sowie Begräbniskultur. Für Menschen aus dem Heiligen Römischen Reich und aus den alten Niederlanden war sie ein sozialer Schutzraum. Ameyden stiftete der Kirche Vermögen, ließ dort Messen und Jahrtage zu seinem Gedächtnis sichern und wurde in der Pietà-Kapelle begraben.

Bereits 1565 war Ameyden außerdem Mitglied der Bruderschaft des Campo Santo Teutonico geworden. Diese Mitgliedschaft hatte wahrscheinlich auch eine Begräbnis- und Absicherungsfunktion. Während der Campo Santo in seinem Leben offenbar weniger wichtig blieb, wurde die Anima zu einem Hauptort seiner römischen Identität. Sein Grabmal ist deshalb nicht nur ein individuelles Denkmal, sondern ein Zeugnis für die Stellung brabantischer und niederländischer Musiker in der römischen Nationengeschichte.

Stil, römische Polyphonie und niederländische Tradition

Ameydens Stil kann nur anhand weniger erhaltener Werke beurteilt werden. Diese Werke zeigen jedoch eine klare Zugehörigkeit zur römischen Vokalpolyphonie der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Das Magnificat primi toni ist in einem vatikanischen Handschriftenzusammenhang mit Werken von Nanino, Crivelli, Morales, Victoria, Anerio, Marenzio und Palestrina überliefert. Dadurch erscheint Ameyden nicht als Randfigur, sondern als Mitglied derselben römischen Komponistenumgebung.

Das Magnificat dürfte um 1590/1591 entstanden sein und war wahrscheinlich für den Gebrauch in der Cappella Sistina bestimmt. Die Einbindung in einen Handschriftenkomplex aus der päpstlichen Kapellpraxis legt nahe, dass das Werk nicht nur ein privates Experiment, sondern Teil des institutionellen Repertoires war. Es gehört damit in die liturgische Praxis der Vesper beziehungsweise des kirchlichen Stundengebets.

Die Missa Fontes et omnia quae moventur in aquis steht in einem anderen vatikanischen Handschriftenzusammenhang neben Messen von Palestrina, Nanino und Animuccia. Auch dies ist stilgeschichtlich aussagekräftig. Ameydens Messe gehört in das Repertoire einer römischen Kirchenmusik, die polyphone Kunst, liturgische Angemessenheit und textliche Verständlichkeit miteinander verband.

Das Madrigal Quel dolce suon zeigt eine andere Seite. Es wurde in einem 1563 in Rom erschienenen Madrigalbuch im Zusammenhang mit Werken von Orlando di Lasso gedruckt und vertont einen Text von Pietro Bembo. Damit steht Ameyden nicht nur im Bereich der Kirchenmusik, sondern auch in der weltlichen italienischen Madrigalkultur. Das Madrigal ist zugleich ein Hinweis darauf, dass er bereits vor oder bei seinem Eintritt in die Cappella Sistina als Komponist wahrgenommen wurde.

Werkverzeichnis

Das Werkverzeichnis ist wegen der schmalen Überlieferung überschaubar. Nach heutigem Forschungsstand sind drei Kompositionen sicher erhalten. Weitere Musikstücke oder musikalische Bücher werden in Inventarzusammenhängen erwähnt, lassen sich aber nicht als erhaltene oder sicher identifizierbare Werke Christian Ameydens beschreiben. Für eine kulturlexikalische Darstellung ist deshalb zwischen sicher erhaltenen Werken, überlieferten Handschriftenkontexten, verlorenen beziehungsweise unbestimmten Musikalien und modernen Wiederaufführungen zu unterscheiden.

Sicher erhaltene Werke

  • Quel dolce suon, fünfstimmiges Madrigal auf einen Text von Pietro Bembo. Das Werk erschien 1563 in Rom in Il terzo libro delli madrigali a cinque voci d’Orlando di Lassus, gedruckt bei Antonio Barrè. Es zeigt Ameyden als Komponisten weltlicher italienischer Vokalmusik und verbindet ihn mit der römischen Madrigalpublizistik der 1560er Jahre.
  • Magnificat primi toni, mehrstimmiges Magnificat des ersten Tons. Das Werk ist in einer vatikanischen Handschrift mit Kompositionen von Mitgliedern der Cappella Sistina und römischen Komponisten wie Palestrina, Nanino, Crivelli, Morales, Victoria, Anerio und Marenzio überliefert. Es dürfte um 1590/1591 entstanden sein und wahrscheinlich zum Repertoire der Cappella Sistina gehört haben.
  • Missa Fontes et omnia quae moventur in aquis, Messe für fünf Stimmen, mit vierstimmigem Crucifixus und Benedictus sowie sechsstimmigem drittem Agnus Dei. Das Werk ist in einer vatikanischen Handschrift mit Messen von Palestrina, Nanino und Animuccia überliefert und gehört in den Kontext römischer Kirchenmusik der frühen 1590er Jahre.

Handschriften- und Druckkontexte

  • Rom, Antonio Barrè, 1563: Druckkontext des Madrigals Quel dolce suon in einer Sammlung mit Werken Orlando di Lassos beziehungsweise im Lassus-Rezeptionsumfeld. Der Druck zeigt Ameydens Einbindung in die römische Madrigalwelt.
  • Vatikanische Bibliothek, Cappella-Sistina-Handschrift mit fünf Magnificat-Vertonungen, darunter Ameydens Magnificat primi toni. Die Handschrift wurde im Umfeld der päpstlichen Kapelle geschrieben und enthält Werke römischer Kapellkomponisten.
  • Vatikanische Bibliothek, Cappella-Sistina-Handschrift mit Messen von Palestrina, Nanino, Animuccia und Ameyden. Die Überlieferung stellt die Missa Fontes et omnia quae moventur in aquis in unmittelbare Nähe zum Kernrepertoire römischer Kirchenpolyphonie.

Verlorene oder nicht identifizierte musikalische Besitzstücke

  • In Inventarzusammenhängen nach Ameydens Tod wird ein Buch mit Musik erwähnt, dessen Inhalt heute nicht näher bestimmt werden kann. Es darf nicht ohne weitere Belege als eigenes Werkverzeichnisstück behandelt werden.
  • Weitere Kompositionen sind denkbar, aber nicht gesichert. Da Ameyden über Jahrzehnte Sänger und zeitweise Mastro di cappella war, könnte er mehr komponiert haben als erhalten ist. Quellenbelege erlauben jedoch gegenwärtig nur die drei sicher erhaltenen Werke.

Moderne Transkriptionen, Aufführungen und Tonträger

  • Transkriptionen der erhaltenen Werke im Zusammenhang der Wiederaufführung zum 400. Todestag 2005 und des römischen Konzerts 2006 in Santa Maria dell’Anima.
  • Einspielung aller bis dahin bekannten Werke durch Cantus Modalis unter Leitung von Rebecca Stewart, veröffentlicht im Umfeld der Ameyden-Gedenkveranstaltungen.
  • Moderne Forschung und Editionen durch Michiel Verweij, Jaap van Benthem, Jan van den Boom und Jacobijn Kiel im Zusammenhang der Wiedererschließung der vatikanischen Handschriften und der Aufführungspraxis.

Chronologische Übersicht

1563 Quel dolce suon, fünfstimmiges Madrigal auf einen Text von Pietro Bembo, gedruckt in Rom bei Antonio Barrè in einem Madrigalbuch mit Werken Orlando di Lassos.
um 1590/1591 Magnificat primi toni, wahrscheinlich im Rahmen der Cappella Sistina entstanden und in einem vatikanischen Handschriftenkontext mit römischen Kapellkomponisten überliefert.
frühe 1590er Jahre Missa Fontes et omnia quae moventur in aquis, Messe in vatikanischer Handschrift mit Werken von Palestrina, Nanino und Animuccia.
2005 Gedenkkonzert zum 400. Todestag in der Sint-Petruskerk in Oirschot mit Wiederaufnahme der Musik Ameydens.
2006 Aufführung aller bis dahin bekannten Werke in Santa Maria dell’Anima in Rom und Präsentation einer CD-Einspielung.

Rezeption und Wiederentdeckung

Ameyden blieb lange eine Randfigur der Musikgeschichtsschreibung. Zwar wurde er in älteren belgischen und niederländischen Darstellungen genannt, doch enthielten viele Lexikonartikel Fehler oder übernahmen ungesicherte Angaben. Erst die archivalische Neubearbeitung durch Michiel Verweij rückte ihn wieder genauer in den Blick. Dadurch wurde deutlich, dass Ameyden nicht bloß ein zufällig erhaltener Name, sondern eine wichtige Figur der späten niederländischen Präsenz in Rom war.

Seine moderne Wiederentdeckung ist eng mit zwei Erinnerungsorten verbunden: Oirschot und Santa Maria dell’Anima. In Oirschot wurde er als lokaler Musiker von europäischem Rang wieder wahrgenommen; in Rom wurde seine Bindung an Anima und Cappella Sistina neu hervorgehoben. Die Gedenkveranstaltungen zum 400. Todestag und die Aufführung aller bekannten Werke machten sein kleines Œuvre erstmals wieder geschlossen hörbar.

Die Rezeption zeigt zugleich ein grundlegendes Problem der Renaissance-Musikgeschichte. Viele Musiker waren zu Lebzeiten hoch angesehen, blieben aber später nur durch wenige Handschriften, Drucke, Grabinschriften und Archivnotizen greifbar. Ameyden ist ein solcher Fall. Seine Bedeutung liegt nicht in einer großen Werkmenge, sondern in der Dichte seines institutionellen, sozialen und stilgeschichtlichen Profils.

Forschung, Quellen und editorische Hinweise

Die wichtigste Forschungsgrundlage bilden die Diarien und Handschriften der Cappella Sistina, die Archive von Santa Maria dell’Anima, die Quellen des Campo Santo Teutonico, die vatikanischen Musikmanuskripte und die römischen Drucke des 16. Jahrhunderts. Diese Quellen müssen zusammen gelesen werden, weil Ameyden zugleich Sänger, Komponist, Kapellmitglied, Bruderschaftsmitglied, Provisor, Testamentserrichter und Stifter war.

Ein zentrales editorisches Problem besteht darin, die drei erhaltenen Werke nicht isoliert von ihrem Überlieferungskontext zu behandeln. Quel dolce suon gehört in die Madrigal- und Druckkultur Roms um 1563; das Magnificat primi toni gehört in eine Cappella-Sistina-Handschrift mit römischen Kapellkomponisten; die Missa Fontes et omnia quae moventur in aquis steht in einer Messehandschrift neben Palestrina, Nanino und Animuccia. Erst diese Nachbarschaften machen den stilgeschichtlichen Rang der Werke sichtbar.

Auch die Namensformen sind editorisch wichtig. Wer nur nach Ameyden sucht, kann Quellen unter Ameiden, van der Ameijden, Christianus Ameyden oder Christiano Ameyden übersehen. Für Kataloge, digitale Suchsysteme und interne Verlinkung empfiehlt sich deshalb eine breite Namensführung mit eindeutigem Hauptlemma.

Sekundärliteratur

  • Burbure, Léon de: Ameijden, Christiaan van der. In: Biographie nationale de Belgique, Band 1, Brüssel 1866, Sp. 261.
  • Gatz, Erwin: Studien zu Santa Maria dell’Anima und den römischen Nationalkirchen; wichtig für den kirchlich-institutionellen Kontext Ameydens.
  • Llorens, José Maria: Capellae Sixtinae Codices musicis notis instructi sive manu scripti sive praelo excussi. Studi e testi 202, Città del Vaticano 1960.
  • Muskens, Theo: Christiaan van der Ameijden en de muzikale band tussen Brabant en Rome; lokal- und erinnerungsgeschichtlich einschlägige Arbeiten aus dem Oirschot-Kontext.
  • Sherr, Richard: Studien zur Cappella Sistina, zu päpstlichen Sängern, römischer Kapellpraxis und zur franko-flämischen Musikerpräsenz in Rom.
  • Vander Straeten, Edmond: La musique aux Pays-Bas avant le XIXe siècle. Documents inédits et annotés. Band 6, Brüssel 1867–1888, S. 441–461.
  • Verweij, Michiel: The Last Netherlandish Papal Singer and Composer in Rome. A Biography of Christiaan van der Ameijden of Oirschot († 1605). In: Tijdschrift van de Koninklijke Vereniging voor Nederlandse Muziekgeschiedenis 52, 2002, S. 132–158.
  • Verweij, Michiel: Een Brabantse componist in Rome. Christiaan van der Ameijden uit Oirschot. In: Brabants Heem 55, 2003, S. 1–11.
  • Verweij, Michiel: Een Oirschottenaar in Rome. Biografie van Christiaan van der Ameijden († 1605), pauselijk zanger en componist. ’s-Hertogenbosch 2005.
  • Verweij, Michiel: Christiaan van der Ameijden († 1605), päpstlicher Sänger und Komponist, Provisor von S. Maria dell’Anima. In: Schriftenreihe Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom, Band 121, 2010.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Santa Maria dell’Anima Römische Nationalkirche und Bruderschaftszentrum, in dem Ameyden Mitglied, Provisor, Stifter und Begrabener war.
  • Giovanni Animuccia Römischer Kirchenkomponist, dessen Messüberlieferung im gleichen Umfeld wie Ameydens Messe steht.
  • Brabant Herkunftsraum Ameydens und wichtiger Teil der alten Niederlande, aus denen zahlreiche Sänger und Komponisten nach Italien gelangten.
  • Campo Santo Teutonico Römische Bruderschaft und Begräbnisinstitution, der Ameyden seit 1565 angehörte.
  • Cappella Giulia Kapelle von St. Peter in Rom, an der Palestrina als Mastro di cappella wirkte und die mit der Cappella Sistina in Beziehung stand.
  • Cappella Sistina Päpstliche Kapelle, in der Ameyden seit 1563 als Sänger und 1593/1594 als Mastro di cappella wirkte.
  • Gegenreformation Kirchlicher und kultureller Reformkontext, in dem römische Kirchenmusik nach dem Trienter Konzil neu bewertet wurde.
  • Arcangelo Crivelli Römischer Sänger und Komponist der Cappella Sistina, dessen Werküberlieferung mit Ameydens römischem Umfeld verbunden ist.
  • Guillaume Dufay Früher franko-flämischer Meister in Italien, dessen römische Präsenz den langen historischen Hintergrund von Ameydens Laufbahn bildet.
  • Franko-flämische Musik Mehrstimmige Musiktradition der alten Niederlande, deren späte römische Präsenz bei Ameyden ausläuft.
  • Josquin Desprez Zentraler Komponist der franko-flämischen Polyphonie, der wie Ameyden mit der römischen päpstlichen Kapelltradition verbunden war.
  • Orlando di Lasso Komponist, in dessen römischem Madrigal-Druckumfeld Ameydens Quel dolce suon 1563 erschien.
  • Madrigal Weltliche italienische Vokalgattung, in der Ameyden mit Quel dolce suon vertreten ist.
  • Magnificat Liturgischer Lobgesang, den Ameyden im Magnificat primi toni mehrstimmig vertonte.
  • Luca Marenzio Römischer Komponist, dessen Werke im Handschriftenumfeld von Ameydens Magnificat erscheinen.
  • Messe Zentrale liturgische Gattung, in der Ameyden mit der Missa Fontes et omnia quae moventur in aquis vertreten ist.
  • Giovanni Maria Nanino Römischer Komponist der Cappella-Sistina-Umgebung, dessen Werke mit Ameydens Handschriftenüberlieferung verbunden sind.
  • Niederländische Polyphonie Mehrstimmige Kunst der alten Niederlande, deren spätes römisches Fortleben Ameydens Laufbahn exemplarisch zeigt.
  • Oirschot Brabantischer Herkunftsort Ameydens, der auf seinem römischen Grabmal ausdrücklich genannt wird.
  • Giovanni Pierluigi da Palestrina Römischer Komponist, Zeitgenosse Ameydens und zentrale Vergleichsfigur für die römische Kirchenpolyphonie.
  • Polyphonie Mehrstimmige Satzkunst, die Ameydens erhaltene Werke und die Cappella-Sistina-Tradition prägt.
  • Rom Hauptwirkungs- und Sterbeort Ameydens sowie Zentrum päpstlicher Musik, Nationalkirchen und römischer Polyphonie.
  • Sänger Berufsrolle, durch die Ameyden in der Cappella Sistina zunächst und dauerhaft greifbar wird.
  • Vatikanische Bibliothek Aufbewahrungsort zentraler Handschriften, in denen Ameydens Messe und Magnificat überliefert sind.
  • Vokalpolyphonie Mehrstimmige Vokalkunst, die Ameydens Madrigal, Messe und Magnificat als gemeinsames stilistisches Feld verbindet.