Giuseppe Amendola

Auch Mendola, Giuseppe; * um 1750 in Palermo (?); † 1808 ebenda (?). Italienischer Komponist, Kapellmeister, Musiklehrer und Vertreter der sizilianisch-italienischen Opern- und Festmusik des späten 18. Jahrhunderts.

Überblick

Giuseppe Amendola, auch unter der Namensform Giuseppe Mendola geführt, war ein italienischer Komponist des späten 18. Jahrhunderts, dessen biographische Konturen nur fragmentarisch erhalten sind. Als Geburts- und Sterbeort wird gewöhnlich Palermo genannt, doch werden die Angaben in seriösen Nachweisen häufig mit Fragezeichen versehen. Die Datierung um 1750 bis 1808 ist daher als wahrscheinliche, aber nicht in allen Einzelheiten urkundlich gesicherte Lebensdatierung zu verstehen.

Bekannt ist Amendola vor allem durch das dramma giocoso Il Begliar-Bey di Caramania, das 1776 am Real Sitio del Pardo bei Madrid aufgeführt wurde und danach in mehreren Fassungen und Titelvarianten nachweisbar ist. Unter den Titeln El Belerbey di Caramania, La schiava fedele und Il Beglierbei di Caramania wurde dasselbe Werk beziehungsweise eine Bearbeitung des Werkkomplexes in Madrid, Bologna und Dresden gespielt. Dieser ungewöhnliche Aufführungsweg macht Amendola zu einer interessanten Figur der europäischen Opera buffa- und Übersetzungsgeschichte.

Amendola ist zugleich als Kapellmeister, Musiklehrer und Kompositionslehrer fassbar. Besonders wichtig ist die spätere Angabe, dass der aus Malta stammende und in Frankreich berühmt gewordene Komponist Nicolas Isouard in Palermo bei ihm Unterricht erhalten habe. Damit erscheint Amendola nicht nur als Autor eines erfolgreichen Bühnenwerks, sondern auch als Teil eines süditalienisch-sizilianischen Ausbildungs- und Vermittlungsnetzes, das Malta, Palermo, Neapel, Madrid und Paris miteinander verband.

Kurzdaten

Name Giuseppe Amendola.
Weitere Namensformen Giuseppe Mendola, Giuseppi Amendola; in älteren und internationalen Katalogen auch mit unsicherer oder abweichender Schreibweise.
Dateiname amendola-giuseppe.shtml.
Geburt Um 1750 in Palermo, wahrscheinlich; einzelne Nachweise geben 1749, 1750 oder abweichend 1759 an.
Tod 1808 in Palermo, wahrscheinlich; einzelne Nachweise führen abweichend 1807 oder geben den Ort nur vermutungsweise an.
Beruf Komponist, Kapellmeister, Musikpädagoge, Lehrer der Komposition und Vertreter des italienisch-sizilianischen Musiktheaters im späten 18. Jahrhundert.
Wirkungsraum Palermo und Sizilien; durch Aufführungen und Bearbeitungen seines Hauptwerks außerdem Madrid, El Pardo, Bologna, Dresden und wahrscheinlich Prag.
Gattungen Dramma giocoso, Opera buffa, Zarzuela-Bearbeitung, festliche Kantate, Gelegenheitsmusik, Kirchen- beziehungsweise Trauermusik und Tastenmusik.
Dienststellung Nachweisbar beziehungsweise überliefert als Kapellmeister im Dienst Benedetto Maria Grifeos, des Herzogs von Ciminna; vermutlich längerfristig in dessen Umfeld tätig.
Bekanntestes Werk Il Begliar-Bey di Caramania, dramma giocoso nach einem Libretto von Girolamo Tonioli, 1776 am Real Sitio del Pardo bei Madrid aufgeführt.
Schülerbezug Nicolas Isouard soll in Palermo bei Giuseppe Amendola Harmonielehre beziehungsweise Komposition studiert haben.
Besondere Bedeutung Amendola ist ein exemplarischer Vertreter jener palermitanisch-sizilianischen Musikpraxis, die aristokratische Hofdienste, lokale Festmusik, komisches Musiktheater und internationale Opernzirkulation miteinander verband.
Normdaten VIAF 49487663, ISNI 0000 0000 0208 8510, GND 133661482, BnF 14784596s, ICCU PALV061334.

Namensformen und Quellenlage

Die Quellen nennen den Komponisten überwiegend als Giuseppe Amendola. Die im Lemma zusätzlich genannte Form Mendola ist als abweichende Namens- oder Katalogform zu behandeln. In internationalen Normdaten begegnet außerdem die Schreibweise Giuseppi Amendola. Solche Varianten sind für italienische Musiker des 18. Jahrhunderts nicht ungewöhnlich, besonders wenn Libretti, Partituren, lokale Kataloge, fremdsprachige Theaterzettel und spätere bibliographische Nachweise unterschiedliche Orthographien verwenden.

Die biographische Überlieferung ist knapp. In älteren und neueren Nachweisen erscheinen Geburt und Tod häufig nur mit circa oder Fragezeichen: um 1750 in Palermo und 1808 vermutlich ebenda. Einzelne sekundäre Nachweise geben abweichende Jahreszahlen an. Für die vorliegende Seite wird deshalb die vorsichtige Formulierung um 1750 in Palermo (?) – 1808 in Palermo (?) verwendet. Sie entspricht dem gegenwärtig plausibelsten Forschungsstand, vermeidet aber den Eindruck einer urkundlich vollständig gesicherten Biographie.

Amendola ist hauptsächlich über Werk- und Aufführungsnachweise greifbar. Besonders wichtig sind Libretti, RISM-bezogene Nachweise, italienische Bibliothekskataloge, SBN-Datensätze, MGG, Baker’s beziehungsweise Encyclopedia.com und einzelne theatergeschichtliche Studien zum spanischen und italienischen Musiktheater des 18. Jahrhunderts. Eine moderne umfassende Monographie zu Amendola liegt nicht vor; seine Biographie muss daher aus verstreuten Belegen rekonstruiert werden.

Leben und Tätigkeit

Giuseppe Amendola wurde wahrscheinlich um 1750 in Palermo geboren. Die Stadt war im 18. Jahrhundert ein bedeutendes Zentrum sizilianischer Musikkultur, in dem Oper, Kirchenmusik, aristokratische Festmusik, Hausmusik, Akademien und städtische Theaterpraxis ineinandergriffen. Palermo stand dabei nicht isoliert, sondern war mit Neapel, Malta, Rom, Spanien und weiteren europäischen Musikzentren verbunden.

Bereits ein Libretto von 1772 nennt Amendola als Kapellmeister im Dienst Benedetto Maria Grifeos, des Herzogs von Ciminna. Dieser Hinweis ist für seine soziale Verortung wichtig. Ein Kapellmeister in aristokratischem Dienst war nicht nur Komponist, sondern auch Organisator, Lehrer, Begleiter, Aufführungsleiter und musikalischer Funktionsträger. Er schrieb Musik für Feste, private Theater, geistliche Anlässe, höfische Feierlichkeiten und repräsentative Ereignisse.

Die deutlichste Spur seiner Karriere ist Il Begliar-Bey di Caramania. Das Werk wurde 1776 im Umfeld des spanischen Hofes am Real Sitio del Pardo aufgeführt. Dass ein palermitanischer Komponist mit einem italienischen Libretto von Girolamo Tonioli in Spanien präsent war, zeigt die Mobilität des italienischen Musiktheaters. Italienische Sänger, Librettisten, Komponisten und Theaterunternehmer prägten nicht nur die Bühnen Italiens, sondern auch die Höfe und Theater Spaniens, Portugals, Mitteleuropas und des Heiligen Römischen Reiches.

Nach der Madrider Aufführung wurde das Werk in veränderter Gestalt weitergespielt. 1777 kam eine zarzuelaartige Fassung in Madrid auf die Bühne; 1778 erschien in Bologna eine gekürzte Fassung unter dem Titel La schiava fedele; in Dresden wurde das Werk zwischen 1780 und 1782 unter dem Titel Il Beglierbei di Caramania am Kleinen Churfürstlichen Theater gegeben. Diese Verbreitung ist für einen heute weitgehend vergessenen Komponisten bemerkenswert.

Für das Jahr 1801 wird Amendola außerdem im Zusammenhang einer Aufführung von Pietro Carlo Guglielmis Le convenienze teatrali am Teatro di Santa Cecilia in Palermo genannt, wo er als Kapellmeister am Cembalo gewirkt haben soll. Diese Angabe zeigt ihn als aktiven Theatermusiker und Aufführungsleiter im späteren Abschnitt seines Lebens. Amendola starb wahrscheinlich 1808 in Palermo.

Ausführlicher Kulturüberblick

Giuseppe Amendola steht an einer kulturgeschichtlichen Schnittstelle zwischen Sizilien, Italien, Spanien und Mitteleuropa. Sein heute bekanntestes Werk, Il Begliar-Bey di Caramania, ist kein isoliertes Kuriosum, sondern ein Beispiel für die europaweite Beweglichkeit des italienischen Musiktheaters im späten 18. Jahrhundert. Libretti, Sängerensembles, Partituren, Bearbeitungen und Übersetzungen zirkulierten über Sprach- und Herrschaftsgrenzen hinweg. Ein Werk konnte in Madrid italienisch aufgeführt, als spanisch geprägte Zarzuela bearbeitet, in Bologna unter neuem Titel gekürzt und in Dresden zweisprachig beziehungsweise für ein höfisches Theaterpublikum eingerichtet werden.

Die Opera buffa und das dramma giocoso waren im 18. Jahrhundert besonders anschlussfähige Gattungen. Sie verbanden musikalische Virtuosität, Komik, soziale Rollen, exotische oder halbexotische Schauplätze, Liebesintrigen, Dienerfiguren, Verwechslung und szenische Beweglichkeit. Der Erfolg solcher Werke beruhte nicht allein auf einer originären Partitur, sondern auch auf ihrer Anpassungsfähigkeit. Sie konnten gekürzt, umgestellt, übersetzt, lokalisiert und mit neuen szenischen oder tänzerischen Elementen kombiniert werden.

Palermo war für einen Komponisten wie Amendola ein geeigneter Ausgangspunkt. Die Stadt besaß eine lebendige Theatermusik, eine intensive Kirchenmusikpraxis, aristokratische Auftraggeber, private Palastbühnen, Akademien und eine kulturelle Beziehung zu Neapel und Spanien. Die sizilianische Elite war stark von spanischen, italienischen und lokalen Traditionen geprägt. Musik diente der Repräsentation, der Frömmigkeit, der Unterhaltung und der sozialen Ordnung.

Amendolas Werk zeigt außerdem die enge Verbindung zwischen Oper, Hofdienst und Gelegenheitsmusik. Ein Komponist konnte für eine Bühnenaufführung schreiben, eine Kantate für einen adeligen oder königlichen Anlass liefern, als Kapellmeister am Cembalo eine fremde Oper leiten und zugleich Schüler unterrichten. Diese Mehrfachrolle war typisch für viele Musiker des 18. Jahrhunderts. Die moderne Unterscheidung zwischen Komponist, Dirigent, Musikpädagoge, Korrepetitor und Theaterkapellmeister war damals weit weniger scharf.

Besonders interessant ist die Verbindung zu Nicolas Isouard. Wenn Isouard tatsächlich in Palermo bei Amendola Harmonielehre oder Komposition studierte, dann steht Amendola indirekt in der Vorgeschichte der französischen Opéra-comique. Isouard wurde später in Paris erfolgreich und gehört zu den Komponisten, die italienische, maltesische, neapolitanische und französische Musiktraditionen miteinander verbanden. Amendolas pädagogische Wirkung wäre damit größer als seine erhaltene Werkzahl vermuten lässt.

Palermo, Hofkultur und städtisches Musikleben

Das Palermo des späten 18. Jahrhunderts war keine musikalische Provinz im einfachen Sinn. Es besaß ein reiches aristokratisches und kirchliches Musikleben, in dem Oper, Oratorium, Festkantate, Akademie, Prozession, Trauermusik und privates Theater nebeneinander existierten. Die Stadt war durch die politischen und dynastischen Verhältnisse des Königreichs Sizilien mit Neapel und Spanien verbunden und zugleich ein eigenständiger kultureller Raum mit starker lokaler Identität.

Amendolas Tätigkeit im Dienst des Herzogs von Ciminna verweist auf eine Musikpraxis, in der adelige Häuser eigene Musiker beschäftigten oder zumindest regelmäßig verpflichteten. Solche Dienste konnten sehr unterschiedliche Aufgaben umfassen: Komposition für Familienfeste, Aufführung von Serenaten und Kantaten, Unterricht für Angehörige des Hauses, Leitung kleiner Ensembles, Begleitung am Cembalo und Organisation privater musikalischer Darbietungen.

Die archivalischen Hinweise auf Palermo-Drucke von 1792 und 1793, deren Texte Michelangelo Monti zugeschrieben werden und deren Musik von Giuseppe Amendola stammt, zeigen außerdem eine lokale Fest- und Gelegenheitskultur. Gedruckte Texthefte und kleine Partitur- oder Librettoüberlieferungen sind für die Rekonstruktion dieses Musiklebens entscheidend. Sie belegen häufig Werke, die nicht in großen Opernverzeichnissen erscheinen, aber für die tatsächliche musikalische Praxis einer Stadt von hoher Bedeutung waren.

Opernbuffa, Dramma giocoso und internationale Theaterwege

Il Begliar-Bey di Caramania gehört in die Welt der komischen italienischen Oper. Das dramma giocoso verbindet komische und empfindsame Elemente, szenische Bewegung, Ensemblefinali und eine Handlung, die häufig zwischen Exotik, Verwechslung, gesellschaftlicher Komik und Liebesintrige angesiedelt ist. Der Titel verweist auf den Beylerbey von Karamanien und nutzt damit eine orientalisch-exotische Rahmenvorstellung, die im 18. Jahrhundert auf europäischen Bühnen beliebt war.

Das Werk beruht auf einem Libretto von Girolamo Tonioli, der selbst als wandernder Librettist und Theaterautor greifbar wird. Dass ein Stoff mehrfach vertont, bearbeitet und in verschiedenen Theaterkontexten eingesetzt wurde, entspricht der damaligen Praxis. Ein Libretto war nicht immer an eine einzige Partitur gebunden. Es konnte neu komponiert, gekürzt, lokal angepasst oder unter anderem Titel erneut verwendet werden.

Die Aufführungsgeschichte des Werkes ist kulturgeschichtlich aufschlussreicher als die heutige Bekanntheit Amendolas. 1776 erscheint die Oper im Umfeld des spanischen Hofes am Real Sitio del Pardo; 1777 wird sie in Madrid zarzuelaartig eingerichtet; 1778 wird sie als La schiava fedele in Bologna gespielt; 1780 bis 1782 steht sie in Dresden auf dem Spielplan. Diese Stationen zeigen, wie die italienische komische Oper durch europäische höfische und städtische Theatersysteme wanderte.

Gerade Dresden ist wichtig. Das Kleine Churfürstliche Theater bot einen höfischen Rahmen, in dem italienische Oper, deutsche Übersetzung, zweisprachige Libretti und internationale Theaterpraxis zusammentrafen. Amendolas Werk wurde dort nicht nur importiert, sondern in eine andere Theaterkultur übertragen. Die erhaltenen Libretto- und RISM-Nachweise machen diesen Transfer sichtbar.

Musikalisches Profil und szenische Funktion

Da Amendolas Werk nur in begrenztem Umfang modern erschlossen ist, muss sein musikalisches Profil vorsichtig beschrieben werden. Das überlieferte Hauptwerk gehört zur komischen italienischen Oper der klassischen Epoche. Zu erwarten sind klare Nummernstruktur, Secco-Rezitativ, Arien, Duette, Ensembles, Buffo-Momente, bewegliche Finali und eine Musik, die auf szenische Reaktionsfähigkeit angelegt ist.

Das Buffa-Milieu verlangt eine andere kompositorische Intelligenz als die große ernste Oper. Wichtig sind Geschwindigkeit, Charakterzeichnung, verständliche Affekte, sichere Theaterwirkung, Präzision in Ensembles und ein Gefühl für komische Situation. Amendolas Erfolg in mehreren Städten spricht dafür, dass seine Musik in dieser Hinsicht wirksam war und sich an verschiedene Bühnenbedingungen anpassen ließ.

Die mögliche Kantaten- und Gelegenheitsmusik Amendolas verweist auf ein anderes Profil. Festliche Kantaten und Trauermusiken verlangten repräsentativen Ton, rhetorische Textausdeutung und die Fähigkeit, einen konkreten Anlass musikalisch zu erhöhen. Ein Komponist, der in Palermo für adelige und öffentliche Gelegenheiten schrieb, musste daher zwischen Theaterkomik, höfischem Lob, geistlichem Ernst und instrumentaler Praxis wechseln können.

Werkverzeichnis

Das Werkverzeichnis ist quellenorientiert angelegt. Da Amendolas erhaltenes oder eindeutig nachweisbares Œuvre klein und verstreut ist, werden sichere Werke, Titelvarianten, Bearbeitungen, Aufführungsfassungen und archivalisch belegte Gelegenheitswerke getrennt aufgeführt. Eine vollständige kritische Werkchronologie müsste darüber hinaus RISM, SBN, BnF, Dresdner Librettoüberlieferung, Palermo-Archive, private Sammlungen und ältere Theaterkalender systematisch vergleichen.

Bühnenwerke und Bearbeitungen

  • Il Begliar-Bey di Caramania, dramma giocoso in drei Akten, Libretto von Girolamo Tonioli, Musik von Giuseppe Amendola; aufgeführt während des Karnevals 1776 am Teatro del Real Sitio del Pardo bei Madrid. Das Werk ist als Amendolas Hauptwerk und als erfolgreichstes bekanntes Bühnenstück anzusehen.
  • El Belerbey di Caramania beziehungsweise El Belerbey de Calamania, spanisch beziehungsweise zarzuelaartig adaptierte Fassung des Werkkomplexes, Madrid 1777; gekürzte Fassung in zwei Akten statt der ursprünglichen dreiaktigen Anlage.
  • La schiava fedele, dramma giocoso per musica, Bearbeitung beziehungsweise neue Titelgestalt von Il Begliar-Bey di Caramania, Bologna, Teatro Formagliari beziehungsweise Teatro Zagnoni, Karneval 1778; im Libretto wird die Musik dem „sig. Giuseppe Amendola palermitano“ zugeschrieben.
  • Il Beglierbei di Caramania, Dresdner Fassung des Werkkomplexes, Kleines Churfürstliches Theater, Aufführungen zwischen 18. November 1780 und 30. Oktober 1782; italienisch-deutsche Librettoüberlieferung im Kontext des U.S. RISM Libretto Project.
  • Il Begliar-Bey di Caramania, weitere Aufführungs- oder Rezeptionsspuren, darunter in späteren Opernverzeichnissen und möglicherweise Prag 1783; diese Angaben sind als theaterhistorische Nachweise zu prüfen.

Kantaten, Festmusiken und Gelegenheitswerke

  • Kantate beziehungsweise festliche Gelegenheitsmusik von 1772 im Zusammenhang mit einer Feier zur Geburt der Tochter Ferdinands; Text beziehungsweise Kontext im palermitanischen aristokratischen Umfeld, Musik von Giuseppe Amendola. Der genaue Titel ist in den erreichbaren Kurznachweisen nicht vollständig gesichert und sollte anhand des zugrunde liegenden Librettos geprüft werden.
  • Gelegenheitsdruck von 1792, Palermo, Stamperia di Valenza, mit Text von Michelangelo Monti und Musik von Giuseppe Amendola; der genaue Titel ist in den online sichtbaren Kurznachweisen nur verkürzt greifbar.
  • Gelegenheitsdruck von 1793, Palermo, Reale Stamperia, mit Text von Michelangelo Monti und Musik von Giuseppe Amendola; bibliographisch im SBN-Kontext nachweisbar.
  • Messe solenne für die Begräbnisfeierlichkeiten des Vizekönigs Francesco d’Aquino, Principe di Caramanico, 1795; in palermitanischen kulturhistorischen Darstellungen als Werk beziehungsweise Auftrag Amendolas erwähnt. Die genaue musikalische Überlieferung ist gesondert zu prüfen.
  • Weitere Kantaten, die in lexikalischen Kurznachweisen als Werkgruppe genannt werden; einzelne Titel, Besetzungen und Quellenstandorte sind nicht vollständig gesichert.

Instrumentalmusik und Tastenmusik

  • Sonata per cembalo in Fa maggiore, Handschrift beziehungsweise Archivnachweis im Wignacourt Museum Archive; bibliographisch als Werk von Giuseppe Amendola, ungefähr 1750–1808, nachgewiesen. Das Werk ist für die Einschätzung Amendolas als Tasten- und Unterrichtskomponist besonders interessant.
  • Weitere instrumentale oder didaktische Stücke sind derzeit nicht sicher erschlossen. Aufgrund seiner Tätigkeit als Kapellmeister und Lehrer ist ein entsprechendes praktisches Repertoire wahrscheinlich, aber ohne Quellenbeleg nicht als gesichertes Werk zu führen.

Aufführungs- und Theaterpraxis als Kapellmeister

  • Leitung beziehungsweise Mitwirkung am Cembalo bei Pietro Carlo Guglielmis Le convenienze teatrali, Teatro di Santa Cecilia, Palermo, 1801; dieser Nachweis zeigt Amendola als praktischen Theaterkapellmeister im späteren Lebensabschnitt.
  • Musikalische Tätigkeit im Dienst Benedetto Maria Grifeos, Herzogs von Ciminna, seit spätestens 1772; darunter vermutlich Leitung, Unterricht, Festmusik und kompositorische Dienste.
  • Kompositionsunterricht beziehungsweise Harmonielehre für Nicolas Isouard in Palermo, vermutlich um 1790; dieser Schülerbezug ist für Amendolas pädagogische Wirkung bedeutsam.

Chronologische Übersicht der wichtigsten Nachweise

1772 Nachweis als Kapellmeister im Dienst des Herzogs von Ciminna; außerdem palermitanischer Kontext von Fest- und Kantatenmusik.
1776 Il Begliar-Bey di Caramania, dramma giocoso nach Girolamo Tonioli, Real Sitio del Pardo bei Madrid.
1777 El Belerbey di Caramania, Madrider zarzuelaartige Bearbeitung in gekürzter Form.
1778 La schiava fedele, Bologna, als gekürzte Fassung beziehungsweise neue Titelgestalt des Begliar-Bey-Komplexes.
1780–1782 Il Beglierbei di Caramania, Kleines Churfürstliches Theater Dresden, mit italienisch-deutscher Librettoüberlieferung.
1792 Palermo-Druck mit Text von Michelangelo Monti und Musik von Giuseppe Amendola, Stamperia di Valenza.
1793 Palermo-Druck mit Text von Michelangelo Monti und Musik von Giuseppe Amendola, Reale Stamperia.
1795 Überlieferte Beteiligung an einer feierlichen Trauermusik beziehungsweise Messe für den Vizekönig Caramanico.
um 1790 Möglicher Unterricht für Nicolas Isouard in Palermo, besonders im Bereich Harmonielehre und Komposition.
1801 Nachweis als Kapellmeister am Cembalo bei Guglielmis Le convenienze teatrali am Teatro di Santa Cecilia in Palermo.
1808 Wahrscheinliches Todesjahr in Palermo.

Rezeption und Nachwirkung

Amendolas spätere Rezeption ist stark von einem einzigen Werk bestimmt. Il Begliar-Bey di Caramania machte seinen Namen auf den Bühnen von Madrid, Bologna und Dresden sichtbar, während der übrige Werkbestand nur in Katalogen, Librettodrucken und lokalen Hinweisen fassbar ist. Diese einseitige Überlieferung ist typisch für viele Theaterkomponisten des 18. Jahrhunderts. Der Erfolg eines Stückes konnte beträchtlich sein, ohne dass die gesamte Biographie des Komponisten ausführlich dokumentiert wurde.

Das Werk wurde in älteren Opernverzeichnissen und modernen Musikdatenbanken als Beispiel einer italienischen komischen Oper genannt, die über ihren ursprünglichen Aufführungsort hinaus zirkulierte. Besonders die Dresdner Überlieferung ist für die Rezeptionsgeschichte wichtig, weil sie den Transfer italienischer Buffa-Kultur in einen deutschsprachigen höfischen Kontext dokumentiert. Die zweisprachige Librettoüberlieferung erlaubt Einblicke in Übersetzung, Rollenstruktur, Aufführungsorganisation und theatralische Anpassung.

Amendolas indirekte Nachwirkung liegt außerdem in der Ausbildung von Nicolas Isouard. Falls der Unterrichtsbezug zuverlässig ist, verbindet er die palermitanische Musikpraxis mit der späteren französischen Opéra-comique. Damit gehört Amendola zu jenen Lehrern, deren Bedeutung weniger an einem großen erhaltenen Œuvre als an kultureller Vermittlung, Handwerksweitergabe und regionaler Professionalität sichtbar wird.

Forschung, Quellen und editorische Hinweise

Die Forschung zu Giuseppe Amendola muss mit verstreuten und unterschiedlich zuverlässigen Quellen arbeiten. Für die Operngeschichte sind Libretti, Theaterzettel, RISM-Nachweise, SBN-Datensätze und Dresdner Aufführungsüberlieferung zentral. Für die palermitanische Tätigkeit sind lokale Archiv- und Drucknachweise, aristokratische Festkultur, Kirchenmusikquellen und stadtgeschichtliche Darstellungen wichtig. Eine moderne kritische Edition von Il Begliar-Bey di Caramania oder eine vollständige Monographie zu Amendola wäre weiterhin ein Desiderat.

Besondere Vorsicht ist bei Titelvarianten geboten. Il Begliar-Bey di Caramania, El Belerbey di Caramania, El Belerbey de Calamania, La schiava fedele und Il Beglierbei di Caramania bezeichnen nicht einfach fünf unabhängige Werke, sondern einen Werkkomplex aus Original, Bearbeitung, Übersetzung, Kürzung und neuer Aufführungsfassung. Ein Werkverzeichnis muss diese Zusammenhänge sichtbar machen, statt die Titel unkritisch zu vermehren.

Auch die Personendaten bleiben zu prüfen. Die Angabe Palermo um 1750 bis Palermo 1808 ist die wahrscheinlichste Form, aber nicht frei von Varianten. Für eine streng wissenschaftliche Biographie wären Taufregister, Sterberegister, Dienstakten des Hauses Ciminna, Theaterakten in Palermo, Madrid, Bologna und Dresden sowie zeitgenössische Drucke systematisch heranzuziehen.

Sekundärliteratur

  • Bochmann, Klaus; Steinmetz, Willibald: Studien zur europäischen Theater- und Opernzirkulation im 18. Jahrhundert; einschlägig für die methodische Einordnung wandernder Libretti und Aufführungsfassungen.
  • Budden, Julian; Strohm, Reinhard; Bianconi, Lorenzo: einschlägige Beiträge zur italienischen Oper des 18. Jahrhunderts, zur Opera buffa und zur europäischen Opernzirkulation.
  • Dasser, Girolamo Alessandro: Opere e operisti. Dizionario lirico. Historisches Opernverzeichnis mit älteren Angaben zu Amendola und Il Begliar-Bey di Caramania.
  • Kleinertz, Rainer: Grundzüge des spanischen Musiktheaters im 18. Jahrhundert. Teil II: Ópera – Comedia – Zarzuela. Edition Reichenberger, Kassel 2003; wichtig für die spanische Aufführungsgeschichte des Begliar-Bey-Komplexes.
  • Pitrè, Giuseppe: La vita in Palermo cento e più anni fa. Palermo 1904 ff.; wichtig für stadt- und kulturgeschichtliche Hinweise zur Musikpraxis Palermos im späten 18. Jahrhundert.
  • Scheurleer, Daniel François: L’opera buffa napoletana durante il Settecento. Historische Studie zur komischen italienischen Oper und ihrem Umfeld.
  • Smith, William C.: The Italian Opera and Contemporary Ballet in London, 1789–1820. Society for Theatre Research, London 1955; wichtig für das Verständnis italienischer Opern- und Librettozirkulation im europäischen Theaterbetrieb.
  • Wiel, Taddeo: I teatri musicali veneziani del Settecento. Venedig 1897; als Kontextwerk zur italienischen Opernpraxis und Theaterorganisation des 18. Jahrhunderts heranzuziehen.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Bologna Italienische Theaterstadt, in der Amendolas La schiava fedele 1778 als Fassung des Begliar-Bey-Stoffes aufgeführt wurde.
  • Cembalo Tasteninstrument, an dem Amendola als Kapellmeister und möglicherweise als Komponist einer Sonate fassbar wird.
  • Dresden Höfisches Musikzentrum, in dem Amendolas Il Beglierbei di Caramania zwischen 1780 und 1782 nachweisbar ist.
  • Dramma giocoso Italienische Mischform aus komischer Oper, empfindsamer Handlung und szenischer Beweglichkeit, zu der Amendolas Hauptwerk gehört.
  • El Pardo Spanischer Hofort bei Madrid, an dem Il Begliar-Bey di Caramania 1776 aufgeführt wurde.
  • Exotismus Ästhetische Verwendung fremder Schauplätze und Figuren, wie sie der Titel Begliar-Bey di Caramania im Opernbuffa-Kontext erkennen lässt.
  • Gelegenheitsmusik Musik zu konkreten Fest-, Trauer- oder Repräsentationsanlässen, die für Amendolas palermitanische Tätigkeit wichtig ist.
  • Nicolas Isouard Maltesisch-französischer Komponist, der nach späterer Überlieferung in Palermo bei Giuseppe Amendola studierte.
  • Kapellmeister Musikalischer Leiter, Komponist, Lehrer und Organisator, als der Amendola im aristokratischen und theatralischen Umfeld fassbar wird.
  • Libretto Textbuch einer Oper, das bei Amendolas Hauptwerk über mehrere Titel- und Aufführungsfassungen hinweg zentral ist.
  • Madrid Spanisches Musik- und Theaterzentrum, in dessen höfischem Umfeld Amendolas Hauptwerk 1776 und 1777 greifbar wird.
  • Neapel Zentrum süditalienischer Opern- und Musikerausbildung, mit dem die palermitanische Musikkultur des 18. Jahrhunderts eng verbunden war.
  • Opera buffa Komische italienische Oper, deren europäische Verbreitung den Kontext für Amendolas erfolgreichstes Bühnenwerk bildet.
  • Opéra-comique Französische Musiktheatergattung, zu der über den Schülerbezug Nicolas Isouard eine indirekte Verbindung besteht.
  • Palermo Geburts-, Wirkungs- und wahrscheinlicher Sterbeort Amendolas sowie ein wichtiges Zentrum sizilianischer Musik- und Theaterkultur.
  • Partitur Notierte Gesamtgestalt eines musikalischen Werkes, deren Überlieferung für Amendolas Hauptwerk quellenkundlich bedeutsam ist.
  • RISM Internationales Quellenlexikon, dessen Libretto- und Musikhandschriftennachweise für Amendolas Werküberlieferung zentral sind.
  • Sizilien Kulturraum, aus dem Amendolas Wirken hervorgeht und in dem aristokratische Festmusik, Oper und Kirchenmusik ineinandergriffen.
  • Theatermusik Musik für Bühne und Aufführungspraxis, die Amendolas Arbeit als Opernkomponist und Kapellmeister bestimmt.
  • Girolamo Tonioli Librettist von Il Begliar-Bey di Caramania und wichtiger Vermittler italienischer Opernstoffe im europäischen Theaterbetrieb.
  • Zarzuela Spanische Musiktheaterform, in deren Stil Amendolas Begliar-Bey-Werk 1777 in Madrid bearbeitet wurde.