Juan Carlos Amat

Arzt, Musiker, Gitarrist, Gitarrentheoretiker, Schriftsteller und Kommunalpolitiker; geboren um 1572 in Monistrol de Montserrat, gestorben am 10. Februar 1642 ebenda; katalanisch: Joan Carles i Amat.

Überblick

Juan Carlos Amat, katalanisch Joan Carles i Amat, war ein katalanischer Arzt, Musiker, Gitarrist, Gitarrentheoretiker, Schriftsteller und Kommunalpolitiker des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts. Er wurde um 1572 in Monistrol de Montserrat geboren und starb dort am 10. Februar 1642. Seine Bedeutung beruht vor allem auf dem Traktat Guitarra española y vandola, einer der frühesten und wirkungsgeschichtlich folgenreichsten Lehrschriften zur fünfchörigen spanischen beziehungsweise katalanischen Barockgitarre.

Amat gehört zu jener frühneuzeitlichen Gelehrtenkultur, in der Medizin, Musik, Gemeindeverwaltung, Morallehre und volkssprachliche Schriftlichkeit noch nicht streng getrennt waren. Er promovierte wohl um 1595 an der Universität Valencia in Medizin, wirkte als Arzt in Esparreguera, am Kloster Montserrat und in seiner Heimatgemeinde Monistrol, übernahm kommunale Ämter und verfasste medizinische, musikalische sowie aphoristische Schriften.

Musikhistorisch ist Amat wichtig, weil seine Guitarra española y vandola den Übergang zur populären fünfchörigen Gitarre dokumentiert. Das Werk lehrt Stimmen, Akkorde, Griffbilder, Rasgueado-Spiel und die praktische Einrichtung von Tönen. Es ist nicht als gelehrter Kontrapunkttraktat, sondern als handlungsorientierte Gebrauchsanweisung für ein Instrument geschrieben, das im 17. Jahrhundert in Spanien, Katalonien, Valencia und darüber hinaus große Verbreitung fand.

Kurzdaten

Name Juan Carlos Amat.
Katalanische Namensform Joan Carles i Amat.
Weitere Namensformen Joan Carles Amat, Juan Carles Amat, Carles Amat, Joan, Ioan Carles Amat, Amat, Juan Carlos.
Geboren Um 1572 in Monistrol de Montserrat, Katalonien.
Gestorben 10. Februar 1642 in Monistrol de Montserrat.
Beruf Arzt, Mediziner, Musiker, Gitarrist, Gitarrentheoretiker, Schriftsteller, Aphoristiker, Kommunalpolitiker und Bürgermeister von Monistrol de Montserrat.
Familie Sohn von Joan Amat, genannt Carles, einem wohlhabenden Kaufmann aus Monistrol, und Joana Amat; seit 1600 verheiratet mit Mònica Ubach Casanovas.
Ausbildung Medizinstudium an der Universität Valencia; Promotion wohl um 1595.
Ärztliche Stationen Esparreguera, Kloster Montserrat, Monistrol de Montserrat.
Kommunale Ämter Jurat, Prohom, Síndic, Oïdor de comptes, Credencer, Schreiber und Bürgermeister von Monistrol de Montserrat.
Hauptwerk Musik Guitarra española y vandola, en dos maneras de guitarra castellana y cathalana de cinco órdenes, wohl Barcelona 1596; frühere oder abweichend datierte Hinweise sind quellenkritisch zu behandeln.
Weitere Hauptwerke Fructus medicinae, Tractatus de peste, Tratado de las heridas de la cabeza, 400 aforismes catalans und Advertencias per temps esdevenidor acerca de la Font gran de la vila de Monistrol de Montserrat.
Musikalische Bedeutung Autor einer frühen Gitarrenschule für die fünfchörige Gitarre und für das Rasgueado-Spiel; Vermittler zwischen praktischer Volks- und Liebhabermusik, gedruckter Instrumentalschule und spanisch-katalanischer Gitarrenkultur.
Dateiname amat-juan-carlos.shtml

Quellenlage, Namensformen und Datierung

Die Quellenlage zu Juan Carlos Amat ist durch mehrere Überlieferungsschichten geprägt. Die spanische Namensform Juan Carlos Amat ist in der internationalen Gitarrenliteratur verbreitet; die katalanische Form Joan Carles i Amat entspricht dem regionalen und biographisch genaueren Gebrauch. Die ältere Drucküberlieferung kann ihn auch als Ioan Carles Amat oder unter umgestellten bibliographischen Formen wie Carles Amat, Joan führen.

Die Geburt wird gewöhnlich um 1572 angesetzt. Die Angabe „ca. 1572“ ist sachgerecht, weil die Quellen keine modern exakt gesicherte Geburtsurkunde im üblichen Sinn voraussetzen lassen. Das Sterbedatum 10. Februar 1642 in Monistrol de Montserrat ist dagegen stabil überliefert. Der Geburts- und Sterbeort Monistrol de Montserrat ist für seine Biographie zentral, weil Amat nicht nur dort geboren wurde, sondern auch kommunal tätig war und die Stadtentwicklung mitprägte.

Besonders sorgfältig ist die Datierung der Guitarra española y vandola zu behandeln. In der Tradition erscheint gelegentlich ein Datum 1586; da Amat um 1572 geboren wurde, wäre ein solcher Druck in seinem vierzehnten Lebensjahr höchst unwahrscheinlich. Die Forschung behandelt deshalb 1586 meist als Druck- oder Lesefehler und setzt die Erstfassung eher auf 1596. Von dieser frühen Ausgabe ist kein Exemplar bekannt. Die ältesten greifbaren Nachdrucke liegen später, insbesondere in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

Biographie

Juan Carlos Amat wurde um 1572 in Monistrol de Montserrat geboren. Sein Vater Joan Amat, genannt Carles, war ein wohlhabender Kaufmann; aus dem Beinamen des Vaters erklärt sich die spätere Namensform Joan Carles i Amat. Amat wuchs in einem kulturellen Raum auf, der von katalanischer Sprache, Nähe zum Kloster Montserrat, städtischer Selbstverwaltung und dem Austausch zwischen lokaler Tradition und überregionaler Gelehrsamkeit geprägt war.

Amat studierte Medizin an der Universität Valencia und wurde dort wohl um 1595 promoviert. Valencia gehörte damals zu den wichtigen medizinischen Ausbildungsstätten der iberischen Halbinsel. Das Studium verband galenische Medizin, akademische Gelehrsamkeit, praktische Therapie, Pestliteratur, Wundkunde und lateinische Fachschriftlichkeit.

Um 1600 heiratete Amat Mònica Ubach Casanovas. Das Paar blieb nach den verfügbaren biographischen Angaben kinderlos. Amat arbeitete zunächst als Arzt in Esparreguera. Zwischen 1606 und 1608 wirkte er als Arzt des Klosters Montserrat, wo er Mönche und Pilger zu betreuen hatte. Später ließ er sich dauerhaft in Monistrol de Montserrat nieder.

In Monistrol wurde Amat nicht nur als Arzt, sondern auch als kommunaler Amtsträger wichtig. Er bekleidete verschiedene lokale Funktionen, darunter jurat, prohom, síndic, Rechnungsprüfer, Schreiber und schließlich Bürgermeister. Aus dieser Tätigkeit erklärt sich auch seine Schrift über die Font gran von Monistrol, die nicht musikalisch, sondern stadt- und wasserbaugeschichtlich relevant ist.

Sein musikalisches Hauptwerk dürfte in seiner frühen erwachsenen Lebensphase entstanden sein. Die Guitarra española y vandola zeigt einen Autor, der ein Instrument nicht nur theoretisch kennt, sondern praktisch beherrscht. Amat war kein höfischer Kapellmeister und kein Universitätsmusiker, sondern ein gebildeter Arzt und städtischer Bürger, der die Gitarre als lebendiges Gebrauchsinstrument ernst nahm.

Medizinische Ausbildung und ärztliche Tätigkeit

Amats medizinische Ausbildung gehört in die gelehrte Kultur des späten 16. Jahrhunderts. Die Medizin war weiterhin stark von Galen, universitärer Kommentarliteratur und lateinischer Fachsprache geprägt. Zugleich verlangten Pest, Wunden, Fieber und kommunale Gesundheitsfragen eine unmittelbare praktische Kompetenz. Amat schrieb daher nicht nur musikalische, sondern auch medizinische Werke.

Sein Fructus medicinae ex variis Galeni locis decerpti verweist bereits im Titel auf eine Auswahl aus galenischen Stellen. Die Schrift gehört in eine medizinische Tradition, die antike Autorität ordnet, zusammenfasst und für die ärztliche Praxis verfügbar macht. Auch seine Schriften zur Pest und zu Kopfverletzungen zeigen die Verbindung von gelehrter Medizin und akutem praktischem Bedarf.

Dass Amat als Arzt in Esparreguera, am Kloster Montserrat und in Monistrol tätig war, zeigt seine soziale Einbindung. Der Arzt war in dieser Zeit nicht nur Heiler einzelner Personen, sondern Teil kommunaler Ordnung. Er hatte mit Seuchen, Armenversorgung, Pilgerverkehr, Klosterleben und städtischer Verwaltung zu tun. Diese praktische Nähe zum Alltag erklärt auch den nüchternen, anwendbaren Charakter seiner nichtmedizinischen Schriften.

Monistrol de Montserrat, Montserrat und kommunales Wirken

Monistrol de Montserrat war für Amat Herkunftsort, Wirkungsort und Sterbeort. Die Nähe zum Kloster Montserrat gab dem Ort religiöses, wirtschaftliches und kulturelles Gewicht. Pilger, Geistliche, Händler, Handwerker, Ärzte und lokale Amtsträger kamen hier in Berührung. Amats Biographie ist daher nicht als abgeschiedene Provinzgeschichte zu verstehen, sondern als Teil einer vernetzten katalanischen Kulturzone.

Als Arzt des Klosters Montserrat hatte Amat Zugang zu einem bedeutenden religiösen Zentrum. Montserrat war ein Ort liturgischer Musik, Schriftkultur, Pilgerfrömmigkeit und überregionaler Kontakte. Zwar ist Amats Gitarrentraktat nicht unmittelbar als Klostermusik zu deuten; doch zeigt seine Biographie, wie eng Musik, Religion, Medizin und Bildung in diesem Raum nebeneinanderstanden.

Seine kommunalen Ämter zeigen Amat als Bürgergelehrten. Er war nicht nur Autor, sondern verwaltete, schrieb, prüfte Rechnungen, vertrat Interessen und übernahm Verantwortung für öffentliche Infrastruktur. Besonders die Schrift zur Font gran von Monistrol zeigt, dass er auch praktische Fragen des Gemeinwesens literarisch und dokumentarisch bearbeitete.

Guitarra española y vandola

Die Guitarra española y vandola ist Amats musikhistorisches Hauptwerk. Der Titel lautet in einer verbreiteten Form: Guitarra española y vandola, en dos maneras de guitarra castellana y cathalana de cinco órdenes, la qual enseña de templar y tañer rasgado todos los puntos naturales y b mollados, con estilo maravilloso. Der Traktat behandelt also nicht nur die spanische Gitarre, sondern auch die Vandola beziehungsweise Bandola und unterscheidet kastilische und katalanische Spiel- beziehungsweise Gitarrenweisen.

Das Werk ist eine praktische Lehrschrift. Es erklärt das Stimmen, das rasgueadoartige Anschlagen, Griff- und Akkordpositionen, natürliche und erniedrigte Punkte, die Einrichtung von Tonarten und das Singen zur Gitarre. Damit richtet es sich an Spieler, die ein direkt benutzbares System suchen. Der Traktat ist kurz, klar und anwendungsorientiert; gerade deshalb konnte er lange nachgedruckt werden.

Seine Bedeutung liegt darin, dass er eine neue soziale Realität der Gitarre dokumentiert. Die fünfchörige Gitarre wurde um 1600 zu einem populären Instrument, das zwischen höfischem Raum, städtischer Unterhaltung, privater Praxis, Tanz, Liedbegleitung und professioneller Ausführung stand. Amats Schrift gab dieser Praxis ein gedrucktes Regelwerk.

Fünfchörige Gitarre, Vandola und Rasgueado

Die fünfchörige Gitarre war ein zentrales Instrument der iberischen und später europäischen Barockmusik. Anders als die ältere Vihuela war sie stärker auf Akkordspiel, Tanzbegleitung, Liedbegleitung und rasch erfassbare Griffsysteme ausgerichtet. Amats Traktat steht genau an dieser Schwelle. Er ist ein Dokument der Verschiebung von polyphoner Saitenkunst zu einer akkordisch, rhythmisch und sozial breiter nutzbaren Gitarrenpraxis.

Der Begriff Vandola beziehungsweise Bandola verweist auf ein verwandtes Zupfinstrument, das in der Quellenlage nicht immer eindeutig von Gitarre, Laute, Mandora oder anderen Instrumentenfamilien zu trennen ist. Amat behandelt es im Zusammenhang mit Gitarrenarten und macht damit sichtbar, dass die Instrumentenbezeichnungen der Zeit flexibler waren als spätere systematische Organologien.

Das Rasgueado ist für Amats Werk besonders wichtig. Es bezeichnet das akkordische Anschlagen der Saiten, im Unterschied zu stärker einzelstimmig oder kontrapunktisch ausgearbeiteten Techniken. Diese Spielweise machte die Gitarre zu einem wirkungsvollen Begleit- und Tanzinstrument. Amats Schrift ist deshalb auch ein Dokument früher Akkordlehre und praxisnaher Harmonisierung.

Aphorismen, Schulgebrauch und katalanische Schriftkultur

Neben der Musik wurde Amat besonders durch seine 400 aforismes catalans bekannt. Diese Sammlung katalanischer Aphorismen beziehungsweise Sentenzen wurde vielfach nachgedruckt und diente lange als Lektüre- und Schulbuch. Sie gehört in eine populäre didaktische Schriftkultur, in der kurze Merksätze moralische, praktische und sprachliche Bildung verbinden.

Die Aphorismen zeigen Amat als Autor, der nicht nur Fachgelehrte ansprach. Er schrieb für Gebrauchskontexte: für Musiker, für Kranke und Ärzte, für Schüler, Leser und Bürger. Seine volkssprachliche Orientierung ist kulturgeschichtlich wichtig, weil sie zeigt, wie Wissen im 17. Jahrhundert zwischen Latein, Spanisch und Katalanisch zirkulierte.

Gerade diese Mehrsprachigkeit ist charakteristisch. Die medizinischen Werke verwenden Latein und Spanisch; der Gitarrentraktat gehört in die spanisch-katalanische Instrumentaltradition; die Aphorismen stehen in katalanischer Sprache. Amat war damit ein Autor der Grenzräume: zwischen gelehrter Medizin und Volkssprache, zwischen lokaler Kultur und Druckmarkt, zwischen Musikpraxis und schriftlicher Ordnung.

Ausführlicher Kulturüberblick

Juan Carlos Amat gehört in eine Epoche, in der sich die musikalische Praxis der Iberischen Halbinsel grundlegend veränderte. Die Renaissance hatte die Vihuela als höfisch und bürgerlich geschätztes Zupfinstrument hervorgebracht. Um 1600 trat die fünfchörige Gitarre stärker in den Vordergrund. Sie war handlicher, sozial beweglicher, rhythmisch wirkungsvoll und für Lied- und Tanzbegleitung besonders geeignet. Amats Traktat gehört zu den frühesten Zeugnissen dieser Verschiebung.

Die Gitarre war um 1600 mehr als ein Instrument. Sie war ein kulturelles Zeichen. Sie konnte volkstümlich, höfisch, städtisch, tänzerisch, gesellig, erotisch, satirisch oder fromm erscheinen. Ihre Vieldeutigkeit machte sie attraktiv und zugleich verdächtig. In gelehrten Musikkreisen galt das rasgueadoartige Akkordspiel manchmal als geringer als kontrapunktische Kunst. Amats Schrift zeigt jedoch, dass diese Praxis eine eigene Ordnung hatte.

Der Traktat Guitarra española y vandola ist deshalb nicht nur eine technische Anleitung. Er ist ein Dokument der Demokratisierung musikalischer Praxis. Er reduziert Musik nicht auf gelehrte Satzkunst, sondern fragt, wie ein Spieler ein Instrument stimmen, greifen, anschlagen und zu Gesang verwenden kann. Diese Praxisnähe erklärt die lange Wirkung des Buches.

Amat schreibt aus dem katalanisch-spanischen Grenzraum. Die im Titel genannte kastilische und katalanische Gitarre deutet auf regionale Spielweisen und Benennungen. Zugleich wurde das Werk im spanischsprachigen Druckmarkt verbreitet und später in Valencia, Girona, Lleida und anderen Orten nachgedruckt. Die Gitarrenkultur war also nicht auf einen Hof oder eine Stadt beschränkt, sondern bewegte sich durch regionale und überregionale Netzwerke.

Der medizinische Amat und der musikalische Amat gehören zusammen. Beide schreiben für den Gebrauch. Der Arzt ordnet Wissen, damit es in Krankheit, Pest, Wunde und Heilung angewendet werden kann. Der Gitarrist ordnet Griffe, Stimmungen und Punkte, damit Musik praktisch gespielt werden kann. Der Aphorist ordnet Lebensweisheit, damit sie gelernt und erinnert werden kann. Diese Gebrauchsausrichtung ist der rote Faden seines Werkes.

Das Kloster Montserrat und Monistrol de Montserrat bilden einen besonderen kulturellen Hintergrund. Montserrat war ein Zentrum von Religion, Pilgerwesen, liturgischer Musik und Schriftkultur. Monistrol war ein lokaler Gemeinderaum mit wirtschaftlichen und kommunalen Aufgaben. Amat steht zwischen diesen Welten: gelehrt genug für lateinische Medizin, praktisch genug für kommunale Verwaltung, musikalisch genug für ein Gitarrenlehrbuch und volkssprachlich genug für Aphorismen.

Für die Geschichte der Gitarre ist Amats Werk deshalb grundlegend. Es steht am Anfang einer langen europäischen Gitarrentradition, die im 17. Jahrhundert durch Autoren wie Gaspar Sanz, Giovanni Paolo Foscarini, Francesco Corbetta und später Santiago de Murcia weitergeführt wurde. Amat gehört noch zur frühen Phase: Sein Traktat ist knapp, methodisch, elementar und stark auf das Akkordspiel bezogen. Gerade dadurch zeigt er die Gitarre im Moment ihrer breiten sozialen Durchsetzung.

Für die Kulturgeschichte Kataloniens ist Amat ebenfalls wichtig. Er zeigt, dass lokale Gelehrte nicht nur in einem Fach wirkten. Ein Arzt konnte zugleich Musiker, Autor, Aphoristiker und Bürgermeister sein. Solche Mehrfachrollen waren in der Frühen Neuzeit nicht Ausnahme, sondern Ausdruck einer umfassenden Bürgergelehrsamkeit. Amats Lebenswerk ist deshalb ein kleines, aber dichtes Fenster in die kulturelle Praxis Kataloniens um 1600.

Wirkung, Nachdrucke und Forschungsstand

Die Wirkung der Guitarra española y vandola zeigt sich vor allem in den Nachdrucken. Obwohl die mutmaßliche Erstfassung von 1596 nicht erhalten ist, belegen spätere Ausgaben die fortdauernde Nachfrage. Erhaltene beziehungsweise nachgewiesene Drucke aus Lleida, Girona, Valencia und weiteren Druckorten zeigen, dass der Traktat bis ins 18. Jahrhundert hinein nützlich blieb.

Die Forschung zur Gitarre hat Amat deshalb immer wieder als Ausgangspunkt behandelt. Emilio Pujol, Wolf Moser, Harvey Turnbull, Monica Hall und andere Autorinnen und Autoren haben die Bedeutung des Traktats für die frühe fünfchörige Gitarre, für Rasgueado-Technik und für die Frage nach kastilischer, katalanischer und valencianischer Gitarrenpraxis untersucht.

Die medizinischen und aphoristischen Werke wurden in der Musikgeschichtsschreibung lange weniger beachtet. Für eine Kulturlexikon-Seite sind sie jedoch unverzichtbar, weil sie Amat als frühneuzeitlichen Mehrfachautor zeigen. Sein Gitarrenbuch ist keine isolierte Kuriosität, sondern Teil eines größeren schriftstellerischen Profils, das Medizin, Musik, kommunale Praxis und moralische Volksbildung umfasst.

Werk- und Quellenverzeichnis

Das folgende Werkverzeichnis erfasst musikalische, medizinische, aphoristische und kommunalhistorische Schriften Juan Carlos Amats. Bei einzelnen Titeln ist zwischen mutmaßlicher Erstfassung, erhaltenem Druck, späterem Nachdruck und bibliographischer Nachweisung zu unterscheiden. Besonders bei der Guitarra española y vandola ist die frühe Druckgeschichte quellenkritisch unsicher, weil die mutmaßliche erste Ausgabe nicht erhalten ist.

Musikalische Schriften

Guitarra española y vandola Guitarra española y vandola, en dos maneras de guitarra castellana y cathalana de cinco órdenes, la qual enseña de templar y tañer rasgado todos los puntos naturales y b mollados, con estilo maravilloso. Mutmaßliche Erstfassung Barcelona 1596; kein Exemplar dieser frühen Ausgabe erhalten. Der Titel gilt als eine der frühesten bekannten Lehrschriften für die fünfchörige spanische beziehungsweise katalanische Gitarre.
Frühe Nachdrucke der Guitarra española y vandola Nachweise nennen unter anderem einen Druck in Lleida 1626 beziehungsweise 1627. Die genaue Datierung und Überlieferung einzelner früher Ausgaben ist in der Forschung zu prüfen, da nicht alle Drucke erhalten oder eindeutig bibliographisch greifbar sind.
Guitarra española y vandola, Girona 1745 Nachdruck in Girona bei Gabriel Bro, 1745. Die Ausgabe zeigt die anhaltende Wirkung des Traktats im 18. Jahrhundert und die Fortsetzung der katalanischen Überlieferungslinie.
Guitarra española y vandola, Valencia 1750 Valencianische Ausgabe bei der Imprenta de Laborda, um 1750. Die Ausgabe wird von der Biblioteca Virtual Miguel de Cervantes als Gitarrenmethode des 18. Jahrhunderts nachgewiesen.
Guitarra española y vandola, Valencia 1758 Ausgabe bei Agustín Laborda, Valencia 1758, mit der im Titel genannten kastilischen und valencianischen beziehungsweise katalanischen Gitarrenweise. Dieser Druck gehört zur späteren populären Gebrauchstradition des Traktats.
Guitarra española y vandola, Joseph Bro 1763 Google-Books-Nachweis einer Ausgabe bei Joseph Bro, 1763, nach einem Exemplar der British Library. Der Druck belegt die lange Dauer der Amat-Überlieferung im 18. Jahrhundert.
Guitarra española y vandola, spätere Laborda-Ausgaben Ausgaben bei der Witwe von Agustín Laborda beziehungsweise in der Laborda-Tradition, unter anderem mit Datierungen um 1780 und 1819. Diese späten Drucke zeigen, dass Amats Lehrsystem bis weit nach der Barockzeit tradiert wurde.

Medizinische Schriften

Tratado de las heridas de la cabeza Tratado de las heridas de la cabeza, Valencia, nach bibliographischer Angabe um 1588. Die frühe Datierung ist quellenkritisch zu betrachten, weil sie sehr nahe an Amats Jugendzeit liegt; als Titel ist die Schrift jedoch in der Werküberlieferung genannt.
Tractatus de peste Tractatus de peste, Barcelona, ohne gesicherte Jahresangabe in der Kurzüberlieferung. Die Schrift gehört zur frühneuzeitlichen Pestliteratur und verweist auf Amats medizinische Praxis in einer Zeit wiederkehrender Seuchengefahr.
Fructus medicinae Fructus medicinae ex variis Galeni locis decerpti. Lyon: Sumptibus Ludovici Prost, Heredis Rouille, 1623. Lateinische medizinische Schrift, die galenische Stellen auswertet und ordnet.
Ad sex libros Galeni De differentiis et causis morborum et symptomatum commentarii Barcelona: Sebastianus und Jacobus Mathevat, 1627; mit Joan Francesc Rossell und weiteren Beteiligten. Kommentarwerk zu Galens Lehre von Unterschieden und Ursachen der Krankheiten und Symptome.
Fructus medicinae, spätere Ausgabe Zaragoza 1650 Die Biblioteca Virtual Miguel de Cervantes weist eine Ausgabe von Fructus medicinae ex variis Galeni locis decerpti aus Zaragoza 1650 nach. Diese spätere Ausgabe belegt die weitere Verbreitung des medizinischen Werkes nach Amats Tod.
Fructus medicinae, Genfer Ausgabe 1656 In biographischen Kurzquellen wird eine Genfer Ausgabe von 1656 genannt. Sie zeigt die internationale Reichweite von Amats medizinischen Schriften im 17. Jahrhundert.

Katalanische Aphorismen und didaktische Schriften

400 aforismes catalans 400 aforismes catalans / del doctor Ioan Carles Amat dirigits al lector. Erste Druckangabe Barcelona 1636; von dieser frühen Ausgabe ist nach bibliographischer Überlieferung kein Exemplar erhalten. Erhaltene beziehungsweise nachgewiesene Ausgabe Barcelona: Gabriel Nogués, 1647.
Quatre-cents aforismes catalans, spätere Nachdrucke Die Sammlung wurde bis ins 19. Jahrhundert wiederholt gedruckt und in Katalonien als Lesestoff und Schulbuch verwendet. Sie verbindet moralische Sentenz, volkssprachliche Didaktik und praktische Lebensweisheit.

Kommunalhistorische und praktische Schriften

Advertencias per temps esdevenidor acerca de la Font gran de la vila de Monistrol de Montserrat Manuskript, Monistrol de Montserrat, 1628. Schrift zur Font gran von Monistrol und damit ein Dokument von Amats kommunaler Verantwortung, praktischer Stadtverwaltung und lokalhistorischer Schriftlichkeit.

Problematische oder nur indirekt greifbare Werküberlieferung

Datierung 1586 der Guitarra española y vandola Einzelne Hinweise nennen 1586 als Druckdatum. Da Amat um 1572 geboren wurde, wird diese Angabe meist als Druckfehler oder Fehlüberlieferung gedeutet. Für die Kulturlexikon-Seite wird 1596 als plausiblere frühe Datierung verwendet.
Verlorene frühe Gitarrenausgaben Die vermutete Erstfassung der Guitarra española y vandola ist nicht erhalten. Die frühe Werkgestalt muss daher aus späteren Nachdrucken, bibliographischen Hinweisen und der Gitarrenforschung rekonstruiert werden.
Eigenständige Kompositionen Amat ist vor allem als Gitarrentheoretiker und praktischer Musikschriftsteller bekannt. Ein gesichertes Korpus eigenständiger Kompositionen im modernen Sinn ist nicht nachweisbar; sein musikalisches Werk liegt in der Lehrschrift, ihrer Griff- und Spielsystematik und den damit verbundenen praktischen Musikbeispielen.

Quellen- und Nachweiskomplexe

Galeria de Metges Catalans Biographische Hauptquelle zu Amats Herkunft, medizinischer Ausbildung, ärztlicher Tätigkeit, kommunalen Ämtern und gedruckten beziehungsweise handschriftlichen Werken.
Biblioteca Virtual Miguel de Cervantes Digitaler bibliographischer Zugang zu Guitarra española y vandola und Fructus medicinae, teilweise über externe Bestände wie BIVALDI und Universitätsbibliotheken.
Vihuela Database Fachlicher Nachweis zu Amat als Person und zur Guitarra española y vandola, besonders wichtig für Gitarren- und Vihuelaforschung.
IMSLP Nachweis der Guitarra española y vandola als gemeinfreie musiktheoretische Quelle; urheberrechtliche Hinweise je nach Land beachten.
Google Books und Bibliotheksdigitalisate Nachweise späterer Ausgaben, besonders aus Girona, Valencia und der British Library. Diese Digitalisate sind für die Druckgeschichte des 18. Jahrhunderts wichtig.

Sekundärliteratur

  • Amades, Joan: Arbeiten zur katalanischen Volkskultur, Sprichwort- und Liedüberlieferung. Hilfreich für die Einordnung der 400 aforismes catalans in katalanische Didaktik- und Volksliteratur.
  • Hall, Monica: Joan Carles Amat, Baroque Guitar Research. Fachliche Untersuchung zur Guitarra española, zu Datierung, Inhalt, Instrumentenbezeichnung und barocker Gitarrenpraxis.
  • Jeffery, Brian: Beiträge zur frühen spanischen Gitarren- und Vihuelaliteratur. Wichtiger Forschungskontext zur Einordnung von Amats Traktat in die Geschichte der spanischen Gitarre.
  • Meléndez, Rubén: Amat’s Guitarra Española and its Influence on Music Theory. Studie zur theoretischen Wirkung des Gitarrentraktats.
  • Miró-Borràs, O.: „El Dr. Joan Carles Amat“, in: Butlletí del Centre Excursionista de la Comarca de Bages 87/5, 1925, S. 53–57. Frühe biographische Würdigung des Arztes, Musikers und Monistroler Autors.
  • Moser, Wolf: „Der Traktat Guitarra Española und sein Verfasser Joan Carlos Amat“, in: Gitarre & Laute 3, 1981, H. 3, S. 22–28 und 46–48; H. 5, S. 44–45; sowie 4, 1982, H. 6, S. 317–318. Deutschsprachige Spezialstudie zu Autor, Traktat, Übersetzung und Gitarrentechnik.
  • Pizarro, Carme: „Vida i obra de Joan Carles Amat: metge, músic, escriptor i polític monistrolenc (c. 1572–1642)“, in: Dovella 117, 2015, S. 38–43. Neuere katalanische biographische Darstellung zu Leben und Werk.
  • Pizarro, Carme, u. a.: L’empremta del monistrolenc Joan Carles Amat. Monistrol de Montserrat: Ajuntament, 2014. Lokalhistorische und kulturgeschichtliche Würdigung des Monistroler Arztes, Musikers und Autors.
  • Prat, Domingo: Diccionario biográfico-bibliográfico-histórico-crítico de guitarras. Buenos Aires: Romero y Fernández, 1934; Nachdruck Columbus, Ohio: Éditions Orphée, 1986. Klassisches Nachschlagewerk zur Gitarren- und Gitarristenliteratur, mit Bedeutung für Amats gitarrengeschichtliche Einordnung.
  • Pujol, Emilio: „Significación de Joan Carlos Amat (1572–1642) en la historia de la guitarra“, in: Anuario Musical 5, 1950, S. 125–145. Grundlegende Studie zur Bedeutung Amats für die Geschichte der Gitarre.
  • Ragossnig, Konrad: Handbuch der Gitarre und Laute. Mainz: Schott, 1978. Überblickswerk zur Geschichte der Gitarre und verwandter Zupfinstrumente.
  • Simón Díaz, José: Bibliografía de la literatura hispánica, Bd. 5. Madrid: CSIC, 1973. Bibliographischer Kontext zu Amats literarischer und gedruckter Überlieferung.
  • Simón Palmer, María del Carmen: Bibliografía de Cataluña. Notas para su realización, Bd. 1. Madrid: CSIC, 1980. Bibliographische Ressource zur katalanischen Druck- und Literaturüberlieferung.
  • Turnbull, Harvey: The Guitar from the Renaissance to the Present Day. Westport: Bold Strummer, 1992. Internationales Standardwerk zur Gitarrengeschichte mit Kontext zu Amats früher Gitarrenschule.
  • Tyler, James, und Sparks, Paul: The Guitar and Its Music from the Renaissance to the Classical Era. Oxford: Oxford University Press, 2002. Grundlegende Darstellung zur Entwicklung der fünfchörigen Gitarre und ihrer Repertoire- und Traktatgeschichte.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Aphorismus Kurze Sentenzform, die Amat in den 400 aforismes catalans für moralische und schulische Zwecke nutzt.
  • Arzt Berufliche Hauptrolle Amats neben seiner musikalischen und schriftstellerischen Tätigkeit.
  • Bandola Zupfinstrument beziehungsweise Instrumentenbezeichnung im Umfeld der Vandola, die im Titel von Amats Gitarrentraktat erscheint.
  • Barockgitarre Fünfchöriges Instrument, dessen frühe Spielpraxis Amats Traktat dokumentiert.
  • Francesco Corbetta Späterer bedeutender Gitarrist und Komponist der Barockgitarre, wichtig für die europäische Weiterentwicklung der Gitarrenliteratur.
  • Fructus medicinae Medizinische Schrift Amats aus galenischer Tradition.
  • Galen Antiker Arzt, dessen Schriften für Amats medizinisches Denken grundlegend waren.
  • Gaspar Sanz Spanischer Gitarrist und Autor einer späteren, einflussreichen Gitarrenschule des 17. Jahrhunderts.
  • Gitarre Zupfinstrument, dessen spanisch-katalanische Frühgeschichte durch Amats Traktat wesentlich dokumentiert wird.
  • Gitarrenschule Lehrschriftgattung, zu deren frühesten Beispielen Amats Guitarra española y vandola gehört.
  • Gitarrentheorie Praxisnahes Theoriefeld zu Stimmung, Griffsystem, Akkorden und Spieltechniken der Gitarre.
  • Guitarra española y vandola Amats musikalisches Hauptwerk und eine der frühesten bekannten Lehrschriften zur fünfchörigen Gitarre.
  • Katalanische Literatur Sprach- und Kulturraum der 400 aforismes catalans.
  • Katalanische Musik Regionaler Musikraum, in dem Amats Gitarrentraktat und die katalanische Gitarrenweise zu verorten sind.
  • Kloster Montserrat Religiöses und kulturelles Zentrum, an dem Amat zeitweise als Arzt wirkte.
  • Monistrol de Montserrat Geburts-, Wirkungs- und Sterbeort Amats sowie zentraler Raum seiner kommunalen Tätigkeit.
  • Pestliteratur Medizinische Gebrauchsliteratur, zu der Amats Tractatus de peste gehört.
  • Rasgueado Akkordische Anschlagtechnik der Gitarre, die in Amats Lehrschrift besonders wichtig ist.
  • Santiago de Murcia Späterer spanischer Gitarrenkomponist, der die Tradition der Barockgitarre im 18. Jahrhundert fortsetzt.
  • Spanische Musik Übergreifender Kulturraum für Amats Gitarrentraktat und die Entwicklung der fünfchörigen Gitarre.
  • Universität Valencia Medizinischer Ausbildungsort Amats und wichtiger frühneuzeitlicher Studienort.
  • Vandola Im Titel der Guitarra española y vandola genanntes Zupfinstrument beziehungsweise Instrumententyp.
  • Vihuela Älteres iberisches Zupfinstrument, vor dessen Hintergrund die fünfchörige Gitarre um 1600 aufstieg.
  • Valencia Studienort Amats und späterer Druckort mehrerer Ausgaben seiner Gitarrenschule.
  • Zupfinstrument Instrumentenkategorie, zu der Gitarre, Vandola, Vihuela, Laute und verwandte Instrumente gehören.