Geōrgios Amargianakēs
Überblick
Geōrgios Amargianakēs, griechisch Γεώργιος Αμαργιανάκης, im neugriechischen Gebrauch häufig Giorgos Amargianakis beziehungsweise Γιώργος Αμαργιανάκης, war einer der prägenden griechischen Ethnomusikologen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er wurde am 23. April 1938 in Anatoli bei Ierapetra auf Kreta geboren und starb am 17. Juli 2003. Sein Forschungsfeld reichte von der byzantinischen Musik und ihrer Notation über die griechische Volksmusik bis zur musikalischen Überlieferung Kretas.
Amargianakēs verband philologische, theologische, musikwissenschaftliche und ethnographische Arbeitsweisen. Er studierte Theologie und Philologie an der Universität Athen, byzantinische Musik am Athener Konservatorium, Harmonielehre am Konservatorium Piräus und absolvierte ein musikwissenschaftliches Aufbaustudium an der Universität Kopenhagen, wo er 1977 mit einer Arbeit über sticherarische Gesänge in den Deuteros-Modi promovierte.
Seine Bedeutung liegt nicht nur in seinen Veröffentlichungen, sondern auch in seiner institutionellen Aufbauarbeit. An der Universität Kreta gründete und leitete er ein Laboratorium für musikwissenschaftliche und theaterwissenschaftliche Forschung; am Institute for Mediterranean Studies leitete er Forschungsprojekte zur griechischen traditionellen Musik; an der Universität Athen prägte er seit 1990 das neu gegründete Department of Music Studies. Sein Nachlass lebt im Giorgos-Amargianakis-Archiv der Universität Kreta fort, das Tonaufnahmen, Forschungsdokumente und audiovisuelle Materialien zur kretischen und griechischen Musiktradition bewahrt.
Kurzdaten
| Name | Geōrgios Amargianakēs. |
|---|---|
| Griechische Namensform | Γεώργιος Αμαργιανάκης; neugriechisch auch Γιώργος Αμαργιανάκης. |
| Weitere Transkriptionen | Georgios Amargianakis, Giorgos Amargianakis, George Amargianakis, Georgios Stylianou Amargianakis, Amaryiannakis, Amarjanakis, Amarghianakis. |
| Geboren | 23. April 1938 in Anatoli bei Ierapetra, Kreta; in Kurzangaben auch allgemein Ierapetra, Kreta. |
| Gestorben | 17. Juli 2003; einzelne Nachweise nennen Athen als Sterbeort, andere geben nur das Todesdatum an. |
| Beruf | Musikethnologe, Ethnomusikologe, Musikwissenschaftler, Professor, Forscher zur griechischen Volksmusik, Forscher zur byzantinischen Musik, Chordirigent, Primärquellensammler und Archivgründer. |
| Ausbildung | Theologie und Philologie an der Universität Athen, byzantinische Musik am Athener Konservatorium, Harmonielehre am Konservatorium Piräus, Musikwissenschaft an der Universität Kopenhagen. |
| Promotion | 1977 an der Universität Kopenhagen mit einer englischsprachigen Arbeit zu sticherarischen Gesängen in den Deuteros-Modi anhand der Handschrift Sinai 1230. |
| Akademische Stationen | Hellenic Folklore Research Centre der Akademie Athen, Universität Kreta, Institute for Mediterranean Studies / FORTH, Department of Music Studies der Universität Athen. |
| Forschungsfelder | Kretische Musik, griechische Volksmusik, byzantinische Musik, musikalische Paläographie, Sticherarion, Volksliedmorphologie, musikalische Feldforschung, musikalische Traditionen des Mittelmeerraums. |
| Institutionelle Leistungen | Aufbau eines musikologischen und theaterwissenschaftlichen Laboratoriums an der Universität Kreta, Leitung von Forschungsprogrammen zur griechischen traditionellen Musik, Mitprägung der Ethnomusikologie an der Universität Athen, Aufbau eines bedeutenden audiovisuellen Archivs. |
| Chorleitung | Gründer beziehungsweise Leiter der städtischen byzantinischen Chorvereinigung von Heraklion ab 1986. |
| Nachlass | Giorgos-Amargianakis-Archiv der Universität Kreta mit Tonbändern, Kassetten, DAT-Bändern, Feldforschungsmaterialien und Dokumenten zur kretischen Musiktradition. |
| Dateiname | amargianakis-georgios.shtml |
Quellenlage, Namensformen und Transkription
Bei Geōrgios Amargianakēs ist die Quellenlage für die wichtigsten Lebensstationen solide, zugleich aber durch unterschiedliche Transkriptionsformen geprägt. Die wissenschaftlichere Umschrift Amargianakēs, Geōrgios bildet den griechischen Namen Αμαργιανάκης, Γεώργιος mit Längenzeichen nach; die internationale Literatur verwendet meistens Giorgos Amargianakis oder George Amargianakis. In der Werkbibliographie wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sein Name in fremdsprachigen Publikationen auch als Amaryiannakis, Amarjanakis oder Amarghianakis erscheinen kann.
Der Geburtsort wird präzise als Anatoli bei Ierapetra auf Kreta angegeben. In Kürzeln und Lexikonnotizen erscheint häufig nur Ierapetra. Die Datierung des Todes auf den 17. Juli 2003 ist stabil; nicht alle Quellen nennen einen Sterbeort. Wo Athen genannt wird, sollte diese Angabe quellenkritisch als Einzelüberlieferung behandelt werden, solange eine allgemein autoritative biographische Hauptquelle den Ort nicht durchgehend bestätigt.
Das Werkverzeichnis stützt sich vor allem auf die chronologische Ergographie, die von Eirini Theodossopoulou im Gedenkband Συμβολή στη Μνήμη Γεωργίου Στ. Αμαργιανάκη erneut abgedruckt wurde. Diese Liste unterscheidet griechischsprachige und fremdsprachige Arbeiten, nennt Monographien, Aufsätze, Lexikonartikel, Programmheftbeiträge, Gedenkreden und Forschungsnotizen und ist für eine Kulturlexikon-Seite die wichtigste Grundlage.
Biographie
Geōrgios Amargianakēs wurde am 23. April 1938 in Anatoli bei Ierapetra im Osten Kretas geboren. Die Herkunft aus Kreta war für sein wissenschaftliches Profil entscheidend. Die Insel besitzt eine besonders ausgeprägte musikalische Eigenkultur mit Lyra, Laouto, Mandinaden, Rizitika, Tanzliedern, Hochzeitsmelodien und regionalen Stiltraditionen. Amargianakēs untersuchte diese Musik nicht als folkloristisches Dekor, sondern als historisch gewachsene, sozial eingebettete und musikalisch differenzierte Praxis.
Nach seiner schulischen Ausbildung studierte er in Athen Theologie und Philologie. Diese doppelte Grundlegung ist für sein späteres Werk wichtig: Die Theologie öffnete ihm den Zugang zur byzantinischen Kirchenmusik, zur liturgischen Sprache und zur orthodoxen Tradition; die Philologie vermittelte Textkritik, Handschriftenbewusstsein und sprachliche Präzision. Ergänzend studierte er byzantinische Musik am Athener Konservatorium und Harmonielehre am Konservatorium Piräus.
Mit einem Stipendium des griechischen IKY ging er nach Kopenhagen. Dort studierte er Musikwissenschaft und promovierte 1977 mit einer umfangreichen englischsprachigen Untersuchung zu Stichera in den Deuteros-Modi. Diese Arbeit zeigt seine frühe Spezialisierung auf byzantinische Neumenkunde, musikalische Paläographie, modale Analyse und das Verhältnis von Handschrift, Transkription und melodischer Struktur.
Nach der Rückkehr nach Griechenland arbeitete Amargianakēs am Hellenic Folklore Research Centre der Akademie Athen. Dort war er mit Sammlung, Ordnung und Erforschung von Volksmusik und Folklorematerial befasst. 1984 wurde er an die Universität Kreta berufen, wo er im Umfeld der Philosophischen Fakultät eine neue musikwissenschaftliche Infrastruktur mitaufbaute. 1990 wechselte er an das neu gegründete Department of Music Studies der Universität Athen, wo er bis zu seinem Tod als Professor der Ethnomusikologie wirkte und auch die Entwicklung des Fachs institutionell mitprägte.
Parallel zu seiner universitären Tätigkeit war er am Institute for Mediterranean Studies der Foundation for Research and Technology Hellas in Rethymno tätig. Dort leitete er Forschungsprogramme zur griechischen traditionellen Musik, insbesondere zu antiker, byzantinischer und traditioneller Musik sowie zur Violinenüberlieferung in der kretischen Volksmusik. 1986 gründete beziehungsweise leitete er die städtische byzantinische Chorvereinigung von Heraklion. Ab 1994 übernahm er außerdem eine leitende Rolle im Museum of Greek Folk Musical Instruments Phoebus Anoyanakis.
Amargianakēs starb am 17. Juli 2003 nach schwerer Krankheit. Sein wissenschaftliches Andenken wird durch den Gedenkband der Universität Athen, durch seine Schüler und Kolleginnen, durch seine publizierten Arbeiten und vor allem durch das Giorgos-Amargianakis-Archiv der Universität Kreta bewahrt.
Ausbildung zwischen Theologie, Philologie, byzantinischer Musik und Kopenhagen
Amargianakēs' Ausbildung war ungewöhnlich breit. Er gehörte nicht zu jener Gruppe von Ethnomusikologen, die nur aus der Feldforschung kamen, und auch nicht zu einer rein historischen Musikwissenschaft. Seine Ausbildung verband Textwissenschaft, Theologie, Kirchenmusik, Tonsatz, byzantinische Praxis und westliche akademische Musikwissenschaft. Dadurch konnte er sowohl Handschriften lesen als auch lebendige Musikpraxis untersuchen.
Die Kopenhagener Promotion war für sein Profil besonders wichtig. Mit seiner Analyse sticherarischer Gesänge des Monats September in den Modi Deuteros, Plagios Deuteros und Nenano anhand der Handschrift Sinai 1230 bewegte er sich im internationalen Feld der byzantinischen Musikpaläographie. Die Arbeit verlangt genaue Kenntnis der Notationszeichen, der modalen Theorie, der liturgischen Gattung Stichera Idiomela und der Übertragungsprobleme zwischen mittelalterlicher Neumenschrift und moderner Transkription.
Diese Grundlage blieb auch für seine spätere Volksmusikforschung wichtig. Amargianakēs betrachtete mündliche Traditionen nicht als theorielose Praxis. Er fragte nach Modus, Rhythmus, Melodiegestalt, Formelbildung, regionaler Variation und historischer Tiefenschichtung. Seine Arbeit steht daher an der Grenze zwischen historischer Musikwissenschaft, Byzantinistik, Ethnographie und Systematik.
Kreta, Ierapetra und die kretische Musiktradition
Kreta war nicht nur Amargianakēs' Herkunftsraum, sondern eines seiner zentralen Forschungsfelder. Die kretische Musik besitzt eine eigene Stellung im griechischen Musikraum. Sie verbindet alte lokale Formen, byzantinische Einflüsse, osmanische und kleinasiatische Berührungen, Tanzpraxis, regionale Spielstile, Sängertraditionen und improvisatorische Poesie. Für die Ethnomusikologie ist Kreta daher ein besonders ergiebiger Fall, weil Musik dort stark mit Identität, Ort, Familie, Fest, Tanz und sozialer Erinnerung verbunden ist.
Amargianakēs untersuchte die kretische Musik nicht isoliert, sondern im Zusammenhang griechischer und mediterraner Musikgeschichte. Schon seine frühe Arbeit von 1967 zu Hochzeitsmelodien der kretischen Volksmusik zeigt sein Interesse an ritualgebundener Musik. Spätere Beiträge behandelten byzantinische und traditionelle Musik Kretas, kretische Musik insgesamt, Kostas Mountakis und neuere Forschungsergebnisse zur kretischen musikalischen Tradition.
Besonders wichtig ist sein archivischer Zugriff. Die kretische Musik ist nicht nur in gedruckten Liedsammlungen überliefert, sondern in Aufführungen, Tonaufnahmen, Erinnerungen, lokalen Erzählungen, Instrumentalstilen und Sängerbiographien. Amargianakēs erkannte früh, dass Tonträger, Feldaufnahmen und audiovisuelle Dokumente zentrale Quellen der Musikgeschichte sind.
Universität Kreta, Laboratorium und Feldforschung
An der Universität Kreta wirkte Amargianakēs in einer Phase, in der musikwissenschaftliche und ethnomusikologische Forschung in Griechenland institutionell neu aufgebaut wurde. Er gründete und leitete ein Laboratorium für musikwissenschaftliche und theaterwissenschaftliche Forschung. Dieses Labor wurde mit moderner Aufnahmetechnik ausgestattet und begann, traditionelle Musiker Kretas systematisch aufzunehmen.
Dieser Schritt war wissenschaftsgeschichtlich wichtig. Er bedeutete, dass eine griechische Universität sich nicht nur mit schriftlichen Quellen, sondern mit lebendiger musikalischer Überlieferung, Feldforschung und Tonarchivierung befasste. Die Aufnahme traditioneller Musikerinnen und Musiker wurde dadurch zu einer akademischen Aufgabe.
Die kretische Feldforschung war bei Amargianakēs nicht romantische Folklorepflege, sondern methodische Dokumentation. Region, Instrument, Repertoire, Interpret, soziale Situation und Aufführungskontext mussten zusammen gedacht werden. Dadurch wurde ein Materialbestand geschaffen, der heute für Forschung, Lehre und Kulturvermittlung von erheblichem Wert ist.
Universität Athen und Institutionalisierung der Ethnomusikologie
1990 wechselte Amargianakēs an das neu gegründete Department of Music Studies der Universität Athen. Dort lehrte er Ethnomusikologie bis zu seinem Tod und wirkte als eine der zentralen Gründungsfiguren des Fachs in Griechenland. In den frühen Jahren eines solchen Fachbereichs geht es nicht nur um einzelne Lehrveranstaltungen, sondern um Curricula, Forschungsfelder, Bibliotheken, Archive, methodische Orientierung und akademische Selbstdefinition.
Amargianakēs verband die Erforschung griechischer Traditionen mit einem internationalen Verständnis von Ethnomusikologie. Seine Arbeiten zu byzantinischer Musik, Volksmusik, antiker Musik, indischer Raga, griechischem Rhythmus, kretischer Musik und mediterranen Zusammenhängen zeigen, dass er die griechische Musik nicht national engführte, sondern in größeren historischen und vergleichenden Perspektiven dachte.
Seine Bedeutung für die Universität Athen zeigt sich auch im Gedenkband zu seinem Andenken. Dort wird seine Rolle als Mitbegründer, erster Präsident und prägende Persönlichkeit des Fachbereichs hervorgehoben. Der Band versammelt Beiträge aus verschiedenen musikwissenschaftlichen Bereichen und zeigt damit die Breite des akademischen Feldes, das Amargianakēs mit aufbauen half.
Institute for Mediterranean Studies und Forschungsprogramme
Amargianakēs war seit den 1980er Jahren mit dem Institute for Mediterranean Studies der Foundation for Research and Technology Hellas verbunden. Diese Einrichtung bot ihm einen Rahmen für langfristige Forschungsprogramme zur griechischen traditionellen Musik. Besonders wichtig waren die Programme zu antiker, byzantinischer und traditioneller Musik sowie das Projekt Thalētas zur Violinenüberlieferung in der kretischen Volksmusik.
Das Institute for Mediterranean Studies ist für Amargianakēs' Werk deshalb zentral, weil es den Mittelmeerraum als Forschungsraum ernst nimmt. Griechische Musik wird dort nicht nur als nationale Tradition, sondern als Teil mediterraner Austauschzonen, Mobilitäten, historischen Tiefenschichten und regionaler Besonderheiten verstanden. Dieses Denken entspricht Amargianakēs' Forschungsprofil.
Die dort entstandenen Materialien bilden einen wesentlichen Teil des späteren Amargianakis-Archivs. Sie verbinden Tonaufnahmen, Projektunterlagen, Dokumentationsmaterialien, audiovisuelle Bestände und wissenschaftliche Erschließung.
Das Giorgos-Amargianakis-Archiv
Das Giorgos-Amargianakis-Archiv der Universität Kreta ist eine der wichtigsten Hinterlassenschaften des Forschers. Es bewahrt Tonaufnahmen traditioneller kretischer Musik, Aufnahmen bedeutender Vertreter der griechischen Musik, Dokumente universitärer Außenaktivitäten, Konferenzmitschnitte, Workshops, Vorträge und weiteres audiovisuelles Material. Der Bestand umfasst Kassetten, Magnetbänder und DAT-Bänder mit vielen Stunden Tonmaterial.
Das Archiv ist mehr als ein Nachlass. Es ist ein Forschungsinstrument. Für die kretische Musikgeschichte sind solche Tonarchive besonders wichtig, weil sie nicht nur Melodien konservieren, sondern auch Spielweisen, Stimmen, Dialekte, Artikulationen, Begleitmuster, soziale Situationen, regionale Varianten und Aufführungsästhetik dokumentieren. Gedruckte Noten können diesen Reichtum nur teilweise erfassen.
Die digitale Erschließung mit Archivportal, Zeitleiste, interaktiver Karte und thematischen Einführungen macht den Bestand auch für ein breiteres Publikum nutzbar. Damit wird Amargianakēs' Arbeit in eine moderne Form der Kulturvermittlung überführt. Das Archiv ist zugleich wissenschaftliche Ressource, Erinnerungsort und digitale Brücke zur musikalischen Tradition Kretas.
Byzantinische Musik, Neumenkunde und Sticherarion-Forschung
Amargianakēs' byzantinische Forschungen zeigen seine historische und philologische Seite. Die Dissertation von 1977 untersucht Stichera Idiomela in Deuteros, Plagios Deuteros und Nenano anhand der Sinai-Handschrift 1230 aus dem Jahr 1365. Das Thema ist hochspezialisiert und berührt zentrale Fragen der byzantinischen Musikforschung: Wie lassen sich mittelalterliche Notationen lesen? Wie verhalten sich modale Kategorien zur melodischen Praxis? Wie weit kann moderne Transkription historische Klanggestalt rekonstruieren?
Weitere englischsprachige Arbeiten behandeln die chromatischen Modi, die Orthographie einzelner Zeichen wie Oligon, Petastē, Oxeia und Kouphisma sowie die Interpretation des alten Sticherarions. Diese Titel zeigen, dass Amargianakēs international anschlussfähig arbeitete. Er schrieb nicht nur für griechische Fachzeitschriften, sondern für byzantinistische und musikwissenschaftliche Kontexte in Kopenhagen, Wien, Athen und anderen Zentren.
Seine byzantinische Forschung ist nicht von seiner Volksmusikforschung zu trennen. Beide Bereiche betreffen modale Ordnungen, mündlich-schriftliche Überlieferung, Variantenbildung, religiöse und soziale Funktion von Musik und die Frage, wie ältere musikalische Systeme in lebendiger Praxis fortwirken oder transformiert werden.
Griechische Volksmusik, Morphologie und Feldforschung
Amargianakēs arbeitete wiederholt zur Morphologie des griechischen Volkslieds. Er untersuchte Hochzeitsmelodien, Klage- und Passionslieder, regionale Besonderheiten der Kykladen und Dodekanes, Musik aus Makri und Livisi in Kleinasien, kretische Musik, satirische Volkslieder, siebentaktige Rhythmen und allgemeine Fragen der griechischen traditionellen Musik. Diese Themen zeigen eine breite Aufmerksamkeit für regionale, funktionale und strukturelle Differenz.
Wichtig ist dabei sein Interesse an Form und Funktion. Volksmusik erscheint bei ihm nicht nur als Sammlung „schöner Lieder“, sondern als musikalisches System: Melodie, Rhythmus, Text, Anlass, sozialer Ort, Region, Dialekt und Aufführungspraxis gehören zusammen. Gerade die Verbindung von analytischer Morphologie und Feldforschung macht sein Werk für die Ethnomusikologie wichtig.
Seine Forschung zur kretischen Musik war zugleich dokumentarisch und interpretierend. Er sammelte Material, analysierte es, stellte historische Bezüge her und verknüpfte es mit größeren Fragen der griechischen und mediterranen Musikgeschichte. Dadurch wurde kretische Musik als ernstzunehmender Gegenstand universitärer Forschung sichtbar.
Ausführlicher Kulturüberblick
Geōrgios Amargianakēs steht in einer Phase, in der die griechische Musikwissenschaft ihre institutionellen Konturen neu ausbildete. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein waren viele Bereiche der griechischen Musikforschung zwischen Folklorekunde, Byzantinistik, Philologie, praktischer Kirchenmusik, Musikpädagogik und nationaler Kulturpflege verteilt. Die Ethnomusikologie als universitäres Fach musste sich erst etablieren. Amargianakēs war einer derjenigen, die diesen Übergang mitgestalteten.
Sein Werk zeigt, dass griechische Musikgeschichte nicht eindimensional erzählt werden kann. Sie umfasst antike Theorie, byzantinische Liturgie, orthodoxe Kirchenmusik, regionale Volksmusik, städtische und ländliche Traditionen, kleinasiatische Erinnerungen, mediterrane Austauschprozesse und moderne kulturelle Institutionen. Amargianakēs bewegte sich zwischen diesen Bereichen und suchte gerade nicht die künstliche Trennung von „hoher“ und „volkstümlicher“ Musik.
Kreta ist in diesem Zusammenhang ein exemplarischer Kulturraum. Die Insel besitzt eine ausgeprägte musikalische Identität, die in Liedern, Instrumenten, Tänzen, Festen, Familiengeschichten und lokalen Künstlerbiographien lebt. Zugleich ist Kreta historisch ein Ort von venezianischen, osmanischen, byzantinischen, griechischen und kleinasiatischen Berührungen. Wer kretische Musik erforscht, erforscht daher immer auch Geschichte, Migration, Herrschaft, Erinnerung und regionale Selbstdeutung.
Amargianakēs' Archivarbeit ist kulturgeschichtlich besonders wichtig, weil sie den Klang als Quelle ernst nimmt. Musikgeschichtsschreibung hat lange vor allem mit Noten, Traktaten, Komponistennamen und gedruckten Quellen gearbeitet. Die musikalische Tradition Kretas und Griechenlands verlangt jedoch zusätzlich Aufnahmegerät, Interview, lokale Kenntnis, Wiederholungsbeobachtung und genaue Dokumentation der Aufführungssituation. Das Tonband wird hier zu einer Quelle von ähnlichem Rang wie die Handschrift.
Seine Beschäftigung mit byzantinischer Musik verbindet die griechische Gegenwart mit einer langen liturgischen und schriftlichen Tradition. Die byzantinische Notation, die Modi und die sticherarischen Gesänge zeigen, dass Musik in der orthodoxen Welt nicht nur mündlich, sondern auch durch komplexe Zeichen- und Lehrsysteme überliefert wurde. Amargianakēs konnte diese Schrifttradition lesen und zugleich die lebendige Praxis der Volksmusik verstehen.
Die vergleichende Dimension seines Werks ist ebenfalls wichtig. Aufsätze zum Verhältnis von antikem griechischem musikalischem Nomos, byzantinischem Echos und indischer Raga zeigen eine Offenheit gegenüber außereuropäischen und transkulturellen Vergleichsfragen. Dabei geht es nicht um einfache Gleichsetzung, sondern um die Frage, wie Kulturen Modi, Ethos, Melodiegestalt und musikalische Ordnung denken.
Institutionell wirkte Amargianakēs an entscheidenden Orten: an der Akademie Athen, an der Universität Kreta, am Institute for Mediterranean Studies und an der Universität Athen. Diese Stationen markieren den Weg von der Sammlung und Folkloreforschung über die regionale universitäre Institution bis zur nationalen universitären Etablierung des Fachs. Seine Biographie ist damit zugleich eine Geschichte der griechischen Ethnomusikologie.
Sein Tod 2003 wurde in der griechischen Musikwissenschaft als Verlust einer prägenden Lehrerfigur wahrgenommen. Der Gedenkband der Universität Athen und das Archiv der Universität Kreta zeigen, dass sein Werk nicht nur in gedruckten Aufsätzen, sondern in Schülergenerationen, institutionellen Strukturen und Materialbeständen weiterwirkt. Für ein Kulturlexikon ist er daher nicht nur als Autor einzelner Studien, sondern als Vermittler zwischen Forschung, Lehre, Archiv und musikalischer Tradition zu behandeln.
Wirkung, Nachlass und Forschungsstand
Amargianakēs' Wirkung lässt sich auf mehreren Ebenen beschreiben. Erstens prägte er die akademische Ethnomusikologie in Griechenland. Als Professor an der Universität Athen und als Mitgestalter des Department of Music Studies beeinflusste er Curricula, Forschungsfragen und eine Generation von Studierenden. Zweitens wirkte er als Forscher zur griechischen Volksmusik und zur kretischen Tradition. Drittens hinterließ er ein audiovisuelles Archiv, dessen Quellenwert noch lange nicht erschöpft ist.
Seine Arbeiten zur byzantinischen Musik bleiben für Spezialfragen der Neumenkunde und Sticherarion-Forschung relevant. Besonders seine Dissertation, seine Aufsätze zu chromatischen Modi und zur Orthographie byzantinischer Zeichen sowie seine Studie zur Interpretation des alten Sticherarions zeigen eine internationale Fachperspektive.
Der Forschungsstand ist durch die verstreute Überlieferung seiner Publikationen nicht immer leicht zugänglich. Einige Texte erschienen in griechischen Jahrbüchern, Konferenzbänden, Programmheften, Gedenkbänden oder lokalgeschichtlichen Publikationen. Umso wichtiger ist die chronologische Werkbibliographie, die seine Publikationen bündelt und die verschiedenen Namensschreibungen für fremdsprachige Arbeiten dokumentiert.
Werk- und Quellenverzeichnis
Das folgende Werkverzeichnis folgt der chronologischen Ergographie von Eirini Theodossopoulou und trennt, wie diese Vorlage, griechischsprachige und fremdsprachige Arbeiten. Die Titel werden in griechischer beziehungsweise originalsprachlicher Form wiedergegeben; erläuternde deutsche Beschreibungen ordnen Thema und Bedeutung ein. Bei den fremdsprachigen Veröffentlichungen ist zu beachten, dass der Name Amargianakēs in internationalen Drucken auch als Amargianakis, Amaryiannakis, Amarjanakis oder Amarghianakis erscheinen kann.
Griechischsprachige Arbeiten
| 1967: Συμβολή εις την μελέτην της δημώδους κρητικής μουσικής (Μελωδίαι του γάμου) | Heraklion, 1967. Frühe Studie zu Hochzeitsmelodien der kretischen Volksmusik; grundlegender Einstieg in Amargianakēs' lebenslanges Interesse an kretischer musikalischer Praxis. |
|---|---|
| 1969: Λαϊκόν στιχούργημα του θρήνου της Θεοτόκου εις την σταύρωσιν του Χριστού | In: Επετηρίς του Κέντρου Ερεύνης της Ελληνικής Λαογραφίας, Bd. 20–21, Athen 1969, S. 185–222. Studie zu einem volkstümlichen Klagelied der Gottesmutter bei der Kreuzigung Christi. |
| 1970: Συμβολή εις την μελέτην της δημώδους ελληνικής μουσικής εκ Μάκρης και Λιβισίου Μ. Ασίας | In: Μικρασιατικά Χρονικά, Bd. 14, 1970, S. 257–272. Beitrag zur Erforschung griechischer Volksmusik aus Makri und Livisi in Kleinasien. |
| 1973: Λαϊκός θρήνος εις τα Πάθη του Χριστού | In: Αμάλθεια 4, Agios Nikolaos/Kreta 1973, S. 155–161. Untersuchung eines volkstümlichen Passionsklagelieds. |
| 1977: Η ρίμα του Μανέττα | In: Επετηρίς του Κέντρου Ερεύνης Ελληνικής Λαογραφίας, Bd. 24, 1975/1976, Akademie Athen, Athen 1977, S. 40–59. Studie zu einer Rima beziehungsweise erzählenden Liedform. |
| 1982: Μια ιδιοτυπία σε τραγούδια των Κυκλάδων και Δωδεκανήσων | In: Επετηρίς της Ελληνικής Λαογραφίας, Bd. 25, 1977/1980, Athen 1982, S. 104–121. Beitrag zu einer Besonderheit in Liedern der Kykladen und des Dodekanes. |
| 1985: Ο αρχαιοελληνικός μουσικός νόμος, ο βυζαντινός ήχος και η ινδική ράγκα | In: Μουσικολογία, Heft 2, Athen 1985, S. 72–82. Vergleichender Aufsatz zu antikem musikalischem Nomos, byzantinischem Echos und indischer Raga. |
| 1988/1989: Samuel Baud-Bovy (1906–1986) | Nekrolog in: Κρητικά Χρονικά, Bd. 28–29, 1988/1989, S. 395–398. Würdigung des bedeutenden Forschers zur griechischen Volksmusik. |
| 1988: Κρητική βυζαντινή και παραδοσιακή μουσική | In: Κρήτη. Ιστορία και πολιτισμός, Bd. 2, Heraklion 1988, S. 319–332. Überblick zur kretischen byzantinischen und traditionellen Musik. |
| 1989: Η μουσική της Θυσίας τον Αβραάμ. Αριάδνη | In: Επιστημονική Επετηρίδα της Φιλοσοφικής Σχολής του Πανεπιστημίου Κρήτης, Bd. 5, 1989, S. 289–296. Studie zur Musik im Umfeld des kretischen Dramas Θυσία του Αβραάμ. |
| 1994: Για μια μορφολογία τον ελληνικού δημοτικού τραγουδιού | Athen 1994, 27 + 45 Seiten. Lehr- und Forschungsnotizen zu einer Morphologie des griechischen Volkslieds. |
| 1994: Η βυζαντινή εκκλησιαστική μουσική και τα ιδιαίτερα χαρακτηριστικά της | Programmheftbeitrag zum Zyklus griechischer Musik des Megaron Mousikis Athen 1994/1995, Athen 1994, S. 73–78. Überblick zur byzantinischen Kirchenmusik und ihren besonderen Merkmalen. |
| 1995: Το ήθος στη μουσική | In: ΜΟΥΣΑ, Heft 2, 1995, S. 10–21. Aufsatz zum Ethos-Begriff in der Musik. |
| 1995: Η συμβολή των νησιών του Αιγαίου στην καλλιέργεια της μουσικής κατά την αρχαιότητα | In: Tagungsband Άξονες και προϋποθέσεις για μια διεπιστημονική έρευνα, Athen 1995, S. 133–142. Beitrag zur Bedeutung der ägäischen Inseln für musikalische Kultur in der Antike. |
| 1996: Η συμβολή του Μουσικού Λαογραφικού Αρχείου στη μελέτη της ελληνικής δημοτικής μουσικής | In: Κέντρο Μικρασιατικών Σπουδών. 65 χρόνια επιστημονικής προσφοράς, αποτίμηση και προοπτική, Athen 1996, S. 72–79. Beitrag zur Rolle des musikalisch-folkloristischen Archivs für die Erforschung griechischer Volksmusik. |
| 1996: Μίκης Θεοδωράκης | In: ΜΟΥΣΑ, Heft 3, 1996, S. 22–28. Rede anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde an Mikis Theodorakis durch das Department of Music Studies der Universität Athen. |
| 1997: Σπυρίδων Περιστέρης | In: ΜΟΥΣΑ, Heft 4, 1997, S. 24–30; außerdem in der Zeitschrift Εκκλησία und als Sonderdruck unter dem Titel Αμφοίν την τιμήν. Rede anlässlich der Ehrendoktorwürde für Spyridon Peristeris. |
| 1999: Εισαγωγή στην ελληνική δημοτική μουσική | Athen 1999, 114 Seiten. Einführung beziehungsweise Lehrmaterial zur griechischen Volksmusik. |
| 1999: Ο επίτριτος ρυθμός (επτάσημος) | In: Tagungsband Διεθνής Συνάντηση Μουσικής, Μουσική και Αρχαία Ελλάδα, Athen 1999, S. 147–162. Studie zum siebentaktigen beziehungsweise epitritischen Rhythmus. |
| 1999: Δημοτική μουσική | In: Εκπαιδευτική Ελληνική Εγκυκλοπαίδεια, Bd. 28: Θέατρο, Κινηματογράφος, Μουσική-Χορός, Athen 1999, S. 100–104. Lexikonartikel zur Volksmusik. |
| 1999: Κλασική Ινδική Μουσική | Im Lemma Ασιατική Μουσική, in: Εκπαιδευτική Ελληνική Εγκυκλοπαίδεια, Bd. 28, Athen 1999, S. 46–47. Kurzbeitrag zur klassischen indischen Musik. |
| 2000: Η μουσική στην Κρήτη | In: Κρητικό Ημερολόγιο Γιώργου και Ηρούς Σγουράκη, Athen 2000, S. 91–98. Überblick zur Musik auf Kreta. |
| 2000: Η μουσική των σατιρικών τραγουδιών | In: Stefanos Imellos, Τα σατιρικά δημοτικά τραγούδια, Athen 2000, S. 323–394. Umfangreicher Beitrag zur Musik satirischer Volkslieder. |
| 1998–2001: Εντυπώσεις από μια μουσικο-λαογραφική αποστολή στην Κάρπαθο το 1970 | In: Κάρπαθος και λαογραφία, Tagungsband des 1. Karpathischen Folklore-Kongresses, Athen 1998–2001, S. 63–69. Erinnerungen und Beobachtungen aus einer musikfolkloristischen Karpathos-Expedition von 1970. |
| 2001: Κώστας Μουντάκης | In: Κρητικό Ημερολόγιο Γιώργου και Ηρούς Σγουράκη, Jahrgang 2, Athen 2001, S. 77–82. Beitrag über den kretischen Musiker Kostas Mountakis. |
| 2001: Η κρητική παραδοσιακή μουσική (Συμπεράσματα από μια πρόσφατη έρευνα) | In: Tagungsband Μουσική και χορός της Κρήτης, Lousakies 2001, S. 27–46. Zusammenfassung neuerer Forschung zur kretischen traditionellen Musik. |
Fremdsprachige Arbeiten
| 1977: An Analysis of Stichera in the Deuteros Modes | The Stichera Idiomela for the Month of September in the Modes Deuteros, Plagal Deuteros, and Nenano Transcribed from the Manuscript Sinai 1230 (A.D. 1365), Universität Kopenhagen, Cahiers de l’Institut du Moyen-Age Grec et Latin, Teil I–II, 263 Seiten, Kopenhagen 1977. Dissertation zur byzantinischen sticherarischen Überlieferung. |
|---|---|
| 1982: The Chromatic Modes | In: Tagungsakten des 16. Internationalen Byzantinistenkongresses, Jahrbuch der österreichischen Byzantinistik 32/7, Wien 1982, S. 7–17. Aufsatz zu chromatischen Modi in der byzantinischen Musik. |
| 1983: Some Remarks on the Orthography of the Signs Oligon, Petastè, Oxeia and Kouphisma | In: Cahiers de l’Institut du Moyen-Age Grec et Latin 44, Kopenhagen 1983, S. 7–15. Spezialstudie zur Schreibung byzantinischer Notationszeichen. |
| 1985: Harmonie Affinities | In: India and Greece. Connections and Parallels, Marg Publications, Bombay 1985, S. 119–124. Vergleichender Beitrag zu musikalischen Verwandtschafts- und Affinitätsfragen zwischen Griechenland und Indien. |
| 1988: Bemerkungen über die kretische Volksmusik | In: Orbis Musicarum 3: Griechische Musik und Europa, Aachen 1988, S. 81–90. Deutschsprachiger Beitrag zur kretischen Volksmusik. |
| 1993: La pittura e la musica byzantina nel culto | In: Oriente Cristiano 33, Heft 3–4, Juli–Dezember 1993, S. 149–155. Italienischsprachiger Beitrag zu Malerei und byzantinischer Musik im Kult. |
| 1997: The Interpretation of the Old Sticherarion | In: Byzantine Chant, Tradition and Reform, Tagungsband einer Begegnung am Dänischen Institut in Athen 1993, Athen 1997, S. 23–53. Grundlegender Beitrag zur Interpretation des alten Sticherarions. |
Forschungsprogramme und institutionelle Projekte
| Αρχαία - βυζαντινή - παραδοσιακή μουσική | Forschungsprogramm am Institute for Mediterranean Studies / FORTH, wissenschaftlich von Amargianakēs verantwortet. Es verband antike, byzantinische und traditionelle Musik als historisch zusammenhängende Forschungsfelder. |
|---|---|
| Θαλήτας: Η βιολιστική παράδοση στην κρητική δημοτική μουσική | Forschungsprogramm zur Violinenüberlieferung in der kretischen Volksmusik, 1998–2003. Der Titel verweist auf Thaletas und verbindet antike Erinnerung mit kretischer Instrumentaltradition. |
| Laboratorium für Musikologie und Theaterwissenschaft der Universität Kreta | Von Amargianakēs gegründet beziehungsweise geleitet. Das Labor zeichnete traditionelle Musiker Kretas systematisch auf und schuf damit einen universitären Forschungsrahmen für lebendige Musiktradition. |
| Städtische byzantinische Chorvereinigung Heraklion | 1986 von Amargianakēs gegründet beziehungsweise geleitet. Die Chorarbeit verband praktische byzantinische Kirchenmusik mit musikologischer Expertise. |
| Museum of Greek Folk Musical Instruments Phoebus Anoyanakis | Amargianakēs war ab 1994 in leitender Funktion mit dem Museum verbunden. Der Zusammenhang ist wichtig, weil Instrumentenkunde, Volksmusikarchiv und öffentliche Kulturvermittlung hier zusammentreffen. |
Archivnachlass und audiovisuelle Bestände
| Giorgos-Amargianakis-Archiv | Digitales und physisches Archiv der Universität Kreta mit Ton- und Dokumentationsmaterialien zur kretischen und griechischen Musik. Es bewahrt Feldforschungsaufnahmen, Musikdokumente, Konferenzmaterialien und audiovisuelle Bestände. |
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| Kassettenbestand | 79 Kassetten mit ungefähr 92 Stunden Gesamtspieldauer. Dieser Teil des Archivs dokumentiert traditionelle kretische Musik und verwandte Forschungsaufnahmen. |
| Magnetbandbestand | 325 Tonbandspulen mit ungefähr 300 Stunden Gesamtspieldauer. Dieser Bestand ist für historische Feldforschungs- und Archivarbeit besonders bedeutend. |
| DAT-Bestand | 88 DAT-Bänder mit ungefähr 75 Stunden Gesamtspieldauer. Diese jüngere digitale Tonträgergeneration ergänzt die analogen Tonbestände. |
| Digitale Zeitleiste | Teil des Archivportals; stellt musikalische Meilensteine der kretischen Musikgeschichte dar. |
| Interaktive Karte | Teil des Archivportals; erschließt musikalische Regionen Kretas und ihre Bedeutung für die Entwicklung der Inseltradition. |
| Thematische Einführungen | Das Archivportal bietet Einführungen zu kretischer Musikgeschichte, byzantinischer Musik, Rizitika, Instrumenten und regionalen Musikertraditionen. |
Sekundärliteratur
- Θεοδοσοπούλου, Ειρήνη: „Γεώργιος Στυλιανού Αμαργιανάκης (1938–2003): εργογραφία (κατά χρονολογική σειρά)“, in: Μουσικολογία 18, 2003, S. 19–22; wiederabgedruckt in: Συμβολή στη Μνήμη Γεωργίου Στ. Αμαργιανάκη, Athen 2013. Zentrale chronologische Werkbibliographie und Grundlage für das Werkverzeichnis.
- Κάβουρας, Παύλος, Hrsg.: Συμβολή στη Μνήμη Γεωργίου Στ. Αμαργιανάκη. Μελέτες και κείμενα συναδέλφων και μαθητών του. Athen: Universität Athen, Department of Music Studies, 2013. Gedenkband mit Beiträgen aus verschiedenen musikwissenschaftlichen Bereichen und mit wiederabgedruckter Werkbibliographie.
- Ακαδημία Αθηνών, Κέντρον Ερεύνης της Ελληνικής Λαογραφίας: „Νεκρολογίες: Γεώργιος Στ. Αμαργιανάκης (1938–2003)“. Nachruf aus dem Umfeld der griechischen Folkloreforschung.
- Μουσικολογία, Heft 18, 2003. Gedenk- und Werkzusammenhang zum Tod des Professors der Ethnomusikologie und griechischen Musikforschung.
- Kavouras, Pavlos: Arbeiten zur griechischen Ethnomusikologie, mediterranen Musik und kulturellen Anthropologie. Wichtiger Forschungskontext für Amargianakēs' Wirkung im Department of Music Studies der Universität Athen.
- Liavas, Lambros: Arbeiten zur griechischen Volksmusik, Ethnomusikologie und Musiktradition. Kontextliteratur zur Entwicklung der griechischen Ethnomusikologie nach Amargianakēs.
- Baud-Bovy, Samuel: Studien zur griechischen Volksmusik. Wichtiger Vorgänger und Bezugspunkt, dem Amargianakēs auch einen Nachruf widmete.
- Anoyanakis, Phoebus: Arbeiten zu griechischen Volksmusikinstrumenten. Zentraler Kontext für Instrumentenkunde, Museumsgeschichte und Volksmusikforschung in Griechenland.
- Papadatos, Ioannis: Arbeiten zur kretischen Musik, Pareá und zeitgenössischen Aufführungspraxis. Neuere Forschung zur kretischen Musik, in deren Hintergrund Amargianakēs' Archiv und Feldforschung stehen.
- Hnaraki, Maria: Arbeiten zur kretischen Musik, Rizitika, Mandinaden und kulturellen Identität. Neuere englischsprachige Forschung zur kretischen Musiktradition.
- Hagleitner, Martin: Studien zu Modalität und Diversität in kretischer Musik. Aktuelle Forschung zu modalen und stilistischen Fragen, die an Amargianakēs' kretische Forschung anschließt.
- Romanou, Katy: Studien zur neugriechischen Musikgeschichte und Musikforschung. Breiter musikhistorischer Kontext zur griechischen Musikwissenschaft des 20. Jahrhunderts.
Ausgewählte Onlinequellen
- Amargianakis Archive: The Giorgos Amargianakis Archive Englischsprachige Startseite des Archivs der Universität Kreta mit Beschreibung von Tonbeständen, digitalem Archiv, Zeitleiste und interaktiver Karte.
- Amargianakis Archive: Giorgos Amargianakis Biographische Archivseite zu Geburt, Studium, Promotion in Kopenhagen, Universität Kreta, Institute for Mediterranean Studies, Universität Athen und Tod.
- Amargianakis Archive: Rizitika songs Thematische Einführung zu Rizitika als kretischer Liedgattung, relevant für Amargianakēs' Forschungs- und Archivkontext.
- Hellenic Musicological Society: Publications Publikationsseite mit Hinweis auf den Gedenkband zu George St. Amargianakis und weitere musikwissenschaftliche Veröffentlichungen.
- Hellenic Musicological Society: Συμβολή στη Μνήμη Γεωργίου Στ. Αμαργιανάκη PDF des Gedenkbands von 2013 mit chronologischer Werkbibliographie und Beiträgen von Kolleginnen, Kollegen und Schülern.
- Institute for Mediterranean Studies: Amargianakis Archive Seite zum Archiv als Sammlung der Ergebnisse großer Forschungsprojekte unter der Verantwortung von Georgios Amargianakis.
- Institute for Mediterranean Studies: Greek Traditional Music Projektseite zu griechischer traditioneller Musik mit Giorgos Amargianakis als wissenschaftlichem Verantwortlichen.
- Institute for Mediterranean Studies: Laboratory of Image, Sound and Movement Institutsseite mit Hinweis auf den prominenten Platz des Amargianakis-Archivs in den Sammlungen des Labors.
- Music Library of Greece: Γεώργιος Αμαργιανάκης Katalog- und bibliographischer Einstieg zu Amargianakēs und der musikologischen Überlieferung.
- Music Library of Greece DSpace: Γεώργιος Στυλιανού Αμαργιανάκης – εργογραφία DSpace-Nachweis der chronologischen Ergographie aus der Zeitschrift Μουσικολογία, Heft 18, 2003.
- Pemptousia: Γιώργος Αμαργιανάκης Griechische biographische Seite mit Angaben zu Studium, Universität Kreta, Universität Athen, Institute for Mediterranean Studies, Museum und byzantinischem Chor.
- Pergamos / Universität Athen: Γεώργιος Στυλιανού Αμαργιανάκης – εργογραφία Universitätsbibliographischer Nachweis der chronologischen Werkbibliographie, wiederabgedruckt aus Μουσικολογία.
- SearchCulture.gr: Νεκρολογίες – Γεώργιος Στ. Αμαργιανάκης Aggregierter Nachweis eines Nachrufs der Akademie Athen beziehungsweise des Hellenic Folklore Research Centre.
- Somanybooks.gr: Αμαργιανάκης Γεώργιος Στ. Kurzbiographischer griechischer Buchhandels- und Personennachweis zu Amargianakēs als promoviertem Ethnomusikologen und Professor.
Weiterführende Einträge
- Amargianakis-Archiv Audiovisuelles Archiv der Universität Kreta mit Tonaufnahmen, Forschungsdokumenten und Materialien zur kretischen Musik.
- Anatoli bei Ierapetra Geburtsort Amargianakēs' und Ausgangspunkt seiner kretischen Herkunftsperspektive.
- Athener Konservatorium Ausbildungsinstitution, an der Amargianakēs byzantinische Musik studierte.
- Byzantinische Musik Zentrales Forschungsfeld Amargianakēs' von der Neumenkunde bis zur liturgischen Praxis.
- Deuteros Byzantinischer Modus, der in Amargianakēs' Dissertation und Sticherarion-Forschung eine zentrale Rolle spielt.
- Ethnomusikologie Fach, dessen Institutionalisierung in Griechenland Amargianakēs wesentlich mitprägte.
- Musikalische Feldforschung Methode, die Amargianakēs für die Erfassung kretischer und griechischer Musiktraditionen nutzte.
- Griechische Volksmusik Übergreifendes Forschungsfeld von Amargianakēs' Studien zu Liedern, Rhythmen, Regionen und Morphologien.
- Hellenic Folklore Research Centre Forschungszentrum der Akademie Athen, an dem Amargianakēs im Bereich Volksmusik und Folklore arbeitete.
- Ierapetra Region auf Kreta, mit der Amargianakēs' Herkunft und frühe musikalische Prägung verbunden sind.
- Institute for Mediterranean Studies Forschungsinstitut in Rethymno, an dem Amargianakēs Programme zur griechischen traditionellen Musik leitete.
- Kostas Mountakis Kretischer Musiker, über den Amargianakēs einen eigenen Beitrag veröffentlichte.
- Kreta Zentraler Herkunfts- und Forschungsraum Amargianakēs' mit eigenständiger musikalischer Tradition.
- Kretische Lyra Leitinstrument kretischer Musik, wichtig für den instrumentalen Kontext der von Amargianakēs dokumentierten Traditionen.
- Kretische Musik Hauptfeld seiner ethnomusikologischen Feldforschung und Archivarbeit.
- Laouto Zentrales Begleitinstrument der kretischen Musikpraxis.
- Mandinada Improvisatorisch geprägte kretische Vers- und Liedform, wichtig für die musikalische Identität der Insel.
- Mikis Theodorakis Griechischer Komponist, über den Amargianakēs 1996 eine akademische Ehrungsrede veröffentlichte.
- Musikarchiv Quellenform, die bei Amargianakēs durch Tonbänder, Kassetten, DAT-Aufnahmen und digitale Erschließung zentral wird.
- Musikethnologie Deutschsprachige Bezeichnung für das Fachfeld, in dem Amargianakēs als Forscher und Professor wirkte.
- Neumenkunde Spezialgebiet zur byzantinischen Notation, das seine Dissertation und mehrere Aufsätze prägt.
- Orthodoxe Kirchenmusik Liturgisch-musikalischer Kontext von Amargianakēs' byzantinischer Forschung und Chorarbeit.
- Pemptousia Griechisches Kultur- und Theologieportal mit biographischem Beitrag zu Amargianakēs.
- Konservatorium Piräus Ausbildungsort, an dem Amargianakēs Harmonielehre studierte.
- Rizitiko Kretische Liedgattung, die im Kontext des Amargianakis-Archivs und der kretischen Musikforschung wichtig ist.
- Samuel Baud-Bovy Forscher zur griechischen Volksmusik, dem Amargianakēs einen Nachruf widmete.
- Sticherarion Byzantinisches liturgisches Gesangbuch und zentrales Objekt von Amargianakēs' Dissertation und späterer Forschung.
- Universität Athen Institution, an der Amargianakēs als Professor der Ethnomusikologie wirkte.
- Universität Kopenhagen Ort seines musikwissenschaftlichen Aufbaustudiums und seiner Promotion von 1977.
- Universität Kreta Institution, an der Amargianakēs ein Laboratorium aufbaute und traditionelle kretische Musiker dokumentierte.
- Volksliedmorphologie Analytisches Feld, zu dem Amargianakēs Lehr- und Forschungsnotizen zur griechischen Volksmusik veröffentlichte.