Giuseppe Amadori

Römischer Komponist und Organist; geboren um 1670, gestorben nach 1731; nicht zu verwechseln mit dem Sänger Giovanni Tedeschi, genannt Amadori.

Überblick

Giuseppe Amadori war ein römischer Komponist, Organist, Cembalist, Kirchenmusiker und Lehrer. Er wurde um 1670 geboren und ist nach 1731 noch nachweisbar. Seine Person ist quellenkundlich schmal überliefert, doch seine Werkspuren führen in zentrale Bereiche der römischen Musik um 1700: Kardinalspatronage, Oratorium, Kantate, Kirchenmusik, Collegio Nazareno, Chiesa Nuova, Orgelpraxis, Cembalo und internationale Ausbildungskontakte.

Besonders wichtig ist die Abgrenzung von Giovanni Tedeschi, einem Sänger, der ebenfalls „detto Amadori“ genannt wurde und um 1780 starb. Giuseppe Amadori gehört nicht in diese spätere Sängerbiographie, sondern in das römische Komponisten- und Organistenmilieu um 1700. Diese Unterscheidung ist für Kataloge, Werkzuweisungen und Indexeinträge wesentlich.

Amadoris erhaltenes beziehungsweise nachweisbares Werk umfasst das Oratorium Il martirio di San Adriano, geistliche Musik wie Pange lingua und Beatus vir, einzelne Arien, mehrere römische Kantaten für das Collegio Nazareno sowie kleinere Instrumentalstücke, die in Londoner Cembalo- und Toccatenanthologien weiterwirkten. Kulturgeschichtlich gehört er zu jenen römischen Musikern, deren Rang nicht über große Opernkarrieren, sondern über institutionelle Einbindung, Unterricht, geistliche Aufführungspraxis und handschriftliche Überlieferung sichtbar wird.

Kurzdaten

Name Giuseppe Amadori.
Weitere Namensformen Amadori, Giuseppe; Joseph Amadori; in einzelnen nichtitalienischen Kontexten auch über latinisierende oder übersetzte Katalogformen erschlossen.
Geboren Um 1670; einzelne Kurzquellen nennen 1670, 1671 oder vergleichbare Annäherungsdaten.
Gestorben Nach 1731; einzelne Kurzquellen nennen nach 1730, 1732 oder 1735, ohne dass diese Angaben einheitlich gesichert wären.
Herkunft Römischer Musiker beziehungsweise in Rom wirkender italienischer Komponist; genaue Geburts- und Sterbeorte bleiben quellenkritisch unsicher.
Beruf Komponist, Organist, Cembalist, Kirchenmusiker, Kantatenkomponist, Oratorienkomponist und Musiklehrer.
Wichtige Wirkungsorte Rom, Hof Kardinal Pietro Ottobonis, Chiesa Nuova, San Giacomo degli Incurabili, Collegio Nazareno, möglicherweise Accademia di Santa Cecilia beziehungsweise Accademia del Disegno, quellenkritisch zu prüfen.
Frühe Tätigkeit 1690 als Organist und Cembalist im Dienst von Kardinal Pietro Ottoboni genannt.
Wichtige Aufführung Il martirio di San Adriano, Oratorium, aufgeführt 1702 in der Chiesa Nuova in Rom.
Lehrtätigkeit 1728 bis 1731 als Lehrer in Rom greifbar; Jean-Noël Hamal studierte in dieser Zeit bei Giuseppe Amadori am Lütticher Kolleg in Rom.
Wichtige Gattungen Oratorium, Kantate, geistliche Musik, Psalmvertonung, Hymnus, Arie, Cembalo- beziehungsweise Orgelstück, Basso-continuo-Musik.
Nicht zu verwechseln mit Giovanni Tedeschi, genannt Amadori, Sänger des 18. Jahrhunderts, gestorben um 1780 beziehungsweise nach anderer Überlieferung 1786 in Neapel.
Dateiname amadori-giuseppe.shtml

Quellenlage, Datierung und Verwechslungsgefahr

Die Quellenlage zu Giuseppe Amadori ist fragmentarisch. Seine Biographie ist nicht durch eine geschlossene Lebensbeschreibung überliefert, sondern durch Amtsnotizen, Werkhandschriften, Aufführungsnachweise, Schülerbeziehungen, spätere Lexika und Katalogeinträge. Daher ist es sachlich geboten, zwischen sicheren, wahrscheinlichen und unsicheren Angaben zu unterscheiden.

Die Lebensdaten schwanken. Als Hauptansatz dieser Seite gilt die vom Lemma vorgegebene Form „um 1670, nach 1731“. Kurzquellen nennen auch 1670–1732, 1671–1735 oder „ca. 1670–nach 1730“. Diese Abweichungen sind nicht ungewöhnlich, weil sie meist aus sekundären Katalogtraditionen stammen. Für den Artikel ist entscheidend, dass Amadori um 1700 in Rom aktiv war und noch in den Jahren 1728 bis 1731 als Lehrer fassbar ist.

Besonders wichtig ist die Abgrenzung gegen den Sänger Giovanni Tedeschi, genannt Amadori. Dieser spätere Sänger gehört in einen anderen beruflichen, zeitlichen und gattungsgeschichtlichen Zusammenhang. Giuseppe Amadori ist römischer Komponist, Organist und Cembalist; Tedeschi-Amadori ist Sänger und Gesangspädagoge. Ein sauberer Kulturlexikon-Eintrag muss diese Verwechslung ausdrücklich vermeiden.

Biographie

Giuseppe Amadori ist seit 1690 im römischen Musikleben greifbar. In diesem Jahr stand er als Organist und Cembalist im Dienst von Kardinal Pietro Ottoboni. Diese Nachricht ist für seine Stellung sehr aufschlussreich. Ottoboni war einer der wichtigsten Musikmäzene Roms, Förderer von Oper, Oratorium, Kantate, Instrumentalmusik, Akademien und Palastaufführungen. Wer in seinem Umfeld als Organist und Cembalist tätig war, gehörte zu einem hochprofessionellen, künstlerisch ambitionierten Milieu.

Amadori erscheint außerdem als Organist von San Giacomo degli Incurabili in Rom. Diese Kirche und das zugehörige Hospitalumfeld stehen für jene römische Verbindung von Liturgie, Wohltätigkeit, Musik und öffentlicher Frömmigkeit, die im Barock eine wichtige Rolle spielte. Organisten hatten hier nicht nur eine liturgische Dienstfunktion, sondern waren in Festmusik, Prozessionen, Andachten und repräsentative Gottesdienste eingebunden.

1702 wurde Amadoris Oratorium Il martirio di San Adriano in der Chiesa Nuova aufgeführt. Die Chiesa Nuova, also Santa Maria in Vallicella, war ein zentraler Ort der römischen Oratorianer und ein bedeutender Schauplatz geistlicher Musik. Damit gehört Amadori in den römischen Oratorienbetrieb, der zwischen Andacht, Theater, Rhetorik und aristokratischer Patronage vermittelte.

In den Jahren um 1705 bis 1712 treten mehrere Kantaten Amadoris im Zusammenhang des Collegio Nazareno und der römischen Aufführungspraxis hervor. Diese Werke zeigen ihn nicht als isolierten Kirchenkomponisten, sondern als Komponisten szenisch, allegorisch und festlich angelegter Vokalmusik mit Instrumentalapparat. Sie dokumentieren die Nähe zu römischen Aufführungspraktiken, in denen Sänger, Instrumentalisten, Konzertino, Ripieno, Oboe, Trompeten, Violinen und Generalbass differenziert eingesetzt wurden.

1728 bis 1731 war Amadori als Lehrer in Rom tätig. Besonders wichtig ist Jean-Noël Hamal aus Lüttich, der in dieser Zeit bei ihm studierte. Diese Schülerbeziehung zeigt, dass Amadori nicht nur im lokalen römischen Milieu wirkte, sondern auch für auswärtige Musiker, die in Rom ihre Ausbildung vervollständigen wollten, eine Rolle spielte. Rom war damit nicht nur Produktionsort von Musik, sondern auch Ausbildungszentrum.

Pietro Ottoboni und die römische Patronage

Kardinal Pietro Ottoboni war für die Musikgeschichte Roms um 1700 eine Schlüsselfigur. Sein Palast an der Cancelleria, seine Theater- und Akademieinteressen, seine Dichtungen, seine Verbindungen zu Komponisten, Sängern, Instrumentalisten und Malern machten ihn zu einem der bedeutendsten Kulturmäzene der Zeit. In seinem Umfeld wirkten unter anderem Arcangelo Corelli, Alessandro Scarlatti, Bernardo Pasquini, Francesco Gasparini, Filippo Amadei und zahlreiche Sänger und Instrumentalisten.

Amadoris Dienst als Organist und Cembalist bei Ottoboni verweist auf eine praktische, zugleich hochrangige Rolle. Cembalisten und Organisten waren im römischen Musikleben nicht bloß Begleiter. Sie leiteten Aufführungen, realisierten Generalbass, stützten Rezitative, koordinierten Sänger und Instrumentalisten und waren in der Lage, flexibel auf liturgische oder dramatische Anforderungen zu reagieren.

Die Ottoboni-Verbindung hilft auch, Amadoris Kantaten und Oratorien zu verstehen. Römische Patronage war nicht nur Finanzierung, sondern ein ästhetisches System. Stoffwahl, allegorische Figuren, Heiligenfeste, Festkalender, Instrumentalbesetzung und Aufführungsort standen in Beziehung zu sozialer Repräsentation. Amadoris Musik gehört in diese dichte Verbindung von Frömmigkeit, Kunst, Gelehrsamkeit und höfischer Selbstdarstellung.

Chiesa Nuova, San Giacomo degli Incurabili und Kirchenmusik

Die Chiesa Nuova war einer der bedeutendsten römischen Orte geistlicher Musik. In der Tradition der Oratorianer verbanden sich Predigt, Andacht, Musik und religiöse Erbauung. Amadoris Il martirio di San Adriano, 1702 dort aufgeführt, gehört daher in eine besonders römische Form geistlich-dramatischer Musik. Das Oratorium konnte affektstark und szenisch wirken, ohne Oper im weltlichen Sinn zu sein.

San Giacomo degli Incurabili verweist auf die römische Kirchen- und Hospitalmusik. Amadoris Tätigkeit als Organist an diesem Ort bindet ihn an eine liturgische Praxis, die alltägliche Dienste und festliche Höhepunkte umfasste. Der Organist musste lateinische Liturgie, Hymnen, Psalmen, Improvisation, Generalbass und örtliche Klangverhältnisse beherrschen.

Die überlieferten geistlichen Werke Pange lingua und Beatus vir passen in diesen Zusammenhang. Pange lingua gehört zum eucharistischen Hymnusbereich; Beatus vir ist ein Psalmtext, der im Vesper- und Festkontext häufig vertont wurde. Beide Titel zeigen Amadori als Komponisten geistlicher Gebrauchsmusik, die liturgische Funktion und musikalische Ausarbeitung verbindet.

Collegio Nazareno und römische Kantatenpraxis

Das Collegio Nazareno war ein wichtiger Aufführungs- und Bildungsort im römischen Barock. Dort wurden Kantaten, geistliche Dramen, Akademien und festliche Aufführungen gepflegt. Die erhaltenen Quellen zu Amadori zeigen, dass seine Musik in solchen Kontexten differenziert instrumentiert und szenisch beziehungsweise allegorisch gedacht war.

Besonders aufschlussreich ist die Kantate E quali odo d’intorno von 1705. Die erhaltenen Instrumentalstimmen geben Einblick in die Verteilung von Concertino und Concerto grosso und nennen im Zusammenhang der Violinparteien Arcangelo Corelli und Matteo Fornari. Dadurch wird Amadoris Musik zu einer Quelle für die konkrete römische Aufführungspraxis: Sie zeigt nicht nur, was komponiert wurde, sondern wer möglicherweise mitwirkte und wie die Stimmen organisiert waren.

Weitere Kantaten wie Torna, deh torna omai, Care delizie, Hor che all’aure del giorno, O bel foco di quel Dio, O selve amiche und Eliso, amico Eliso zeigen ein Repertoire, in dem allegorische Figuren, Marienfeste, Tugendbegriffe, pastorale Bilder und instrumentale Farben zusammenkommen. Diese Werke gehören zu einer römischen Kultur, in der Kantate und geistliches Drama zwischen Unterricht, Fest, Andacht und höfischer Repräsentation standen.

Lehrtätigkeit und Jean-Noël Hamal

Amadoris spätere Bedeutung liegt auch in seiner Lehrtätigkeit. Jean-Noël Hamal aus Lüttich studierte 1728 bis 1731 bei Giuseppe Amadori am Lütticher Kolleg in Rom. Hamal wurde später eine wichtige Gestalt der Lütticher Kirchenmusik. Diese Schülerbeziehung zeigt, dass Rom für auswärtige Musiker im frühen 18. Jahrhundert weiterhin ein Ausbildungszentrum war.

Für Amadori bedeutet dies, dass er nicht nur als Komponist einzelner Werke zu betrachten ist. Er vermittelte Stil, Generalbasspraxis, Kirchenmusik, römische Aufführungserfahrung und vermutlich auch kompositorische Verfahren an jüngere Musiker. Solche Lehrerfiguren bleiben in der Musikgeschichtsschreibung oft randständig, waren aber für die Verbreitung römischer Stilformen entscheidend.

Die Verbindung nach Lüttich zeigt außerdem, wie europäisch die römische Musik um 1700 war. Studenten aus den südlichen Niederlanden, Portugal, Deutschland und anderen Regionen kamen nach Rom, um dort Kirchenmusik, Komposition, Gesang oder Instrumentalpraxis zu studieren. Amadori steht an dieser Schnittstelle von lokaler römischer Praxis und internationalem Transfer.

Stil, Gattungen und Aufführungspraxis

Amadoris Stil ist aus den überlieferten Werkspuren nur teilweise zu rekonstruieren. Er gehört zur römischen Spätbarockkultur um 1700, in der geistliche Musik, Kantate, Oratorium und instrumentale Generalbasspraxis eng verbunden waren. Anders als die neapolitanische Oper des späteren 18. Jahrhunderts steht seine Musik noch stark in einem römischen Mischbereich von Andacht, Rhetorik, Allegorie und akademischer Aufführung.

Die Kantatenquellen zeigen eine differenzierte Instrumentalpraxis. Oboe, Trompeten, Violinen, Viola, Violoncello, Violone, Contrabbasso, Concertino, Ripieno und Generalbass treten je nach Anlass und Werk auf. Diese Besetzungen machen deutlich, dass Amadori nicht nur für kleine häusliche Kantaten schrieb, sondern auch für institutionelle und festliche Aufführungen mit ausgearbeiteter Klangdramaturgie.

Seine geistlichen Werke zeigen den liturgischen Bereich: Hymnus, Psalm, Arie, Kantate und Kirchenmusik. Die Cembalo- beziehungsweise Orgelstücke in Londoner Anthologien weisen darauf hin, dass Amadoris musikalisches Material auch außerhalb Roms in anderer Form zirkulierte. Der Übergang von vokaler Vorlage, instrumentalem Satz und didaktischer Anthologie war um 1700 fließend.

Ausführlicher Kulturüberblick

Giuseppe Amadori gehört in das römische Musikleben zwischen Hochbarock und Frühaufklärung. Rom war um 1700 keine Opernmetropole im venezianischen oder neapolitanischen Sinn, sondern ein komplexes Kulturzentrum, in dem Päpstlichkeit, Kardinalshöfe, Akademien, Kollegien, Kirchen, Hospitäler und private Paläste miteinander verflochten waren. Musik war überall präsent: in der Liturgie, im Oratorium, in Festkantaten, in akademischen Aufführungen, in Patronagehäusern und in der Ausbildung auswärtiger Musiker.

Die römische Musik dieser Zeit wurde wesentlich durch Mäzene geprägt. Kardinal Pietro Ottoboni ist dafür das prominenteste Beispiel. Er war nicht nur Geldgeber, sondern auch Librettist, Sammler, Organisator und kultureller Mittelpunkt. Komponisten wie Amadori arbeiteten innerhalb dieses Systems. Ihre Werke entstanden nicht isoliert, sondern für bestimmte Räume, Feste, Personen und institutionelle Erwartungen.

Das Oratorium war in Rom besonders wichtig, weil es geistliche Erbauung und dramatische Form miteinander verband. Il martirio di San Adriano steht in dieser Tradition. Der Märtyrerstoff erlaubt Affekte wie Standhaftigkeit, Leid, Glaubensmut und Triumph. Solche Werke konnten mit starker Rhetorik und musikalischer Intensität arbeiten, ohne in die weltliche Oper zu fallen.

Die Kantaten für das Collegio Nazareno zeigen einen zweiten Bereich. Hier begegnet eine Art pädagogisch-festliche Allegorienkunst. Figuren wie Grazia, Mondo, Innocenza, Cherubino, Sapienza, Amore, Diana, Apollo oder Eliso sind nicht psychologische Charaktere im modernen Sinn, sondern Träger von Ideen, Tugenden, Affekten und Festbedeutungen. Musik machte diese abstrakten Begriffe hörbar und emotional erfahrbar.

Amadoris Nähe zu Corelli-Kontexten ist besonders aufschlussreich. Wenn in den Stimmen einer Amadori-Kantate Namen wie Arcangelo und Matteo auftauchen, wird die römische Aufführungspraxis greifbar. Corelli war nicht nur Komponist von Sonaten und Concerti grossi, sondern auch praktischer Leiter und Violinist in römischen Aufführungen. Amadoris Kantaten stehen damit im Umfeld jener Klangkultur, die das Concerto grosso und die römische Streichertradition international berühmt machte.

Die Überlieferung in Diest, Sondershausen, Mailand, der Santini-Sammlung und mitteleuropäischen Beständen zeigt, wie mobil römische Musik war. Handschriften wanderten über Kirchen, Kollegien, Sammler, Schüler und Kapellen. Ein Werk musste nicht gedruckt sein, um weit zu wirken. Gerade Amadoris Musik ist ein gutes Beispiel dafür, dass handschriftliche Zirkulation im 18. Jahrhundert weiterhin eine zentrale Rolle spielte.

Schließlich zeigt die Lehrbeziehung zu Jean-Noël Hamal die europäische Attraktivität Roms. Musiker aus Lüttich, Portugal, dem Habsburgerraum und anderen Regionen suchten in Rom musikalische Ausbildung. Sie brachten römische Stilelemente in ihre Heimat zurück. Amadori erscheint daher nicht nur als lokaler Organist, sondern als Vermittler einer römischen Musiksprache, die über Italien hinaus ausstrahlte.

Wirkung, Überlieferung und Forschungsstand

Amadoris heutiger Rang ist kein Kanonrang im Sinn eines häufig aufgeführten Komponisten. Seine Wirkung liegt vielmehr in Quellen, Aufführungsspuren und Ausbildungskontexten. Er ist wichtig für die Rekonstruktion der römischen Musik um 1700, für das Verhältnis von Oratorium und Kantate, für die Rolle von Cembalisten und Organisten im Kardinalsmilieu und für die internationale Ausbildungspraxis.

Die Forschung zu Amadori profitiert besonders von archivalischen Arbeiten zu römischen Aufführungen. Die Quellen aus dem Collegio Nazareno geben selten genaue Einblicke in Besetzung, Stimmverteilung, Concertino, Ripieno, Instrumentalnamen und Aufführungsorganisation. Dadurch werden Amadoris Werke zu Dokumenten praktischer Musikgeschichte.

Seine Werke sind teilweise schwer zugänglich. Manche liegen nur handschriftlich, fragmentarisch oder in verstreuten Sammlungen vor. Ein modernes vollständiges Werkverzeichnis müsste die Santini-Sammlung, RISM, Diest, Sondershausen, Mailand, römische Archive, Prager und mitteleuropäische Bestände sowie Londoner Anthologien systematisch zusammenführen. Der vorliegende Kulturlexikon-Eintrag bietet daher eine quellennahe, aber ausdrücklich weiter prüfbare Arbeitsgrundlage.

Werk- und Quellenverzeichnis

Das folgende Werkverzeichnis ist quellenkritisch aufgebaut. Es unterscheidet sicher nachweisbare Werke, archivalisch greifbare Kantaten, geistliche Einzelwerke, Arien, Instrumentalstücke und Quellenbestände. Da Amadoris Werk überwiegend handschriftlich, verstreut und zum Teil nur über Sekundärkataloge greifbar ist, ist die Liste als vollständige kulturlexikalische Arbeitsübersicht zu verstehen, nicht als abschließender wissenschaftlicher RISM-Katalog.

Oratorium

Il martirio di San Adriano Oratorium, aufgeführt 1702 in der Chiesa Nuova in Rom. Der Text wird M. Strinati zugeschrieben. Das Werk ist Amadoris wichtigster nachweisbarer Beitrag zur römischen Oratorienpraxis und verbindet Märtyrerstoff, geistliche Rhetorik und barocke Affektdramaturgie.

Kantaten im römischen Collegio-Nazareno- und Akademiekontext

E quali odo d’intorno Kantate von 1705, archivalisch im römischen Collegio-Nazareno-Kontext überliefert. Die erhaltenen Instrumentalstimmen sind besonders wichtig, weil sie Hinweise auf Concertino, Concerto grosso und die Namen Arcangelo Corelli und Matteo Fornari enthalten.
Torna, deh torna omai Kantate zu zwei Stimmen unter der allegorischen Bezeichnung Gratia e Mondo, Rom, Collegio Nazareno, 1706. Besetzung mit Violinen, Viola, Oboe, Trombone, Violone und Basso continuo; überliefert in Partitur und Stimmen.
Care delizie Kantate zu zwei Stimmen unter der allegorischen Bezeichnung L’Innocenza e Cherubino, Rom, Collegio Nazareno, 18. September 1707. Besetzung mit Violinen, Trompeten, Contrabbasso und Basso continuo.
Hor che all’aure del giorno Kantate zu zwei Stimmen mit den Figuren Angelo und Grazia, wahrscheinlich für die Geburt beziehungsweise Nativität der Beata Vergine. Besetzung mit Violinen, Oboe, Contrabbasso und Basso continuo; im Collegio-Nazareno-Kontext überliefert.
O bel foco di quel Dio Kantate unter der allegorischen Bezeichnung Sapienza e Amore, Rom, Collegio Nazareno, 1709. Besetzung mit Violinen, Oboe und Basso continuo; die Quellen sind wichtig für Fragen der Oboenbeteiligung und der Abweichung zwischen Partitur und Stimmen.
O selve amiche Kantate unter der Bezeichnung Diana e Apollo, Rom, Collegio Nazareno, September 1710, für die Natività della Beata Vergine. Besetzung mit Violinen, Oboen und Basso continuo.
Eliso, amico Eliso Kantate zu zwei Stimmen, Rom, Collegio Nazareno, September 1712, für die Natività della Beata Vergine. Besetzung mit Violinen, Violoncello, Oboe, Contrabbasso und Basso continuo.

Geistliche Werke und Kirchenmusik

Beatus vir Psalmvertonung, in moderner Aufnahmeüberlieferung dokumentiert. Das Werk gehört in den Vesper- und Festkontext und zeigt Amadori als Komponisten groß oder mittler besetzter geistlicher Musik.
Pange lingua Autographe Komposition für Sopran und Basso continuo, nach älteren Nachweisen in der St. Sulpitiuskerk in Diest. Der Text gehört zum eucharistischen Hymnusbereich.
Weitere Kirchenmusik In der Santini-Sammlung sind eine Kantate und weitere Kirchenmusik Amadoris nachgewiesen beziehungsweise in Kurzquellen genannt. Eine genaue Identifikation der einzelnen Stücke erfordert RISM- und Bestandsprüfung.
Romanische und mitteleuropäische Überlieferung Amadori ist in mitteleuropäischen kirchenmusikalischen Sammlungen, etwa im Umfeld Prager beziehungsweise habsburgischer Bestände, mit römischer geistlicher Musik verbunden. Solche Quellen zeigen die Wanderung römischer Kompositionen nach Norden.

Arien und kleinere Vokalwerke

E pur io Arie beziehungsweise vokales Einzelstück, in moderner Notenüberlieferung als Werk Giuseppe Amadoris geführt. Die konkrete historische Quelle muss für eine kritische Ausgabe gesondert geprüft werden.
Arie mit Instrumentalbegleitung in Diest Nach Eitner beziehungsweise nach abgeleiteten Katalognachweisen befindet sich eine Arie mit Instrumentalbegleitung in der St. Sulpitiuskerk in Diest.
Zwei Arien für Sopran und Basso continuo Handschriftliche Arien für Sopran und Basso continuo werden in Kurzquellen in der Schlosskirche Sondershausen und im Conservatorio Giuseppe Verdi in Mailand nachgewiesen.
Weitere Kantaten und Vokalstücke Mehrere Vokalwerke sind nur über verstreute Handschriften, ältere Kataloge oder moderne Forschungslisten greifbar. Sie sollten bei einer wissenschaftlichen Werkseite über RISM, Santini und lokale Bibliothekskataloge einzeln geprüft werden.

Instrumentalstücke, Cembalo- und Orgelüberlieferung

Beiträge zu The Ladys Entertainment Instrumentale Stücke Amadoris erscheinen im Kontext englischer Cembaloanthologien, darunter The Ladys Entertainment or Banquet of Musick. Diese Quellen zeigen, dass Amadoris Musik oder sein Name auch außerhalb Italiens zirkulierte.
A Second Collection of Toccats, Vollentarys and Fugues Instrumentalsätze Amadoris werden in Zusammenhang mit Londoner Anthologien von Toccaten, Voluntaries und Fugen genannt. Die genaue Stückidentifikation ist quellenkritisch über die Drucke selbst und moderne Bibliographien zu sichern.
Toccaten und Voluntaries Die Gattungsangaben weisen auf Tastenmusik beziehungsweise für Cembalo oder Orgel eingerichtete Stücke. Sie passen zu Amadoris Profil als Organist und Cembalist.

Lehrtätigkeit und Schülerbeziehungen

Jean-Noël Hamal Der Lütticher Komponist Jean-Noël Hamal studierte 1728 bis 1731 bei Giuseppe Amadori am Lütticher Kolleg in Rom. Diese Schülerbeziehung ist ein wichtiger Nachweis für Amadoris spätere Lehrtätigkeit.
Römische Ausbildung auswärtiger Musiker Amadoris Tätigkeit als Lehrer gehört in ein Netzwerk ausländischer Musiker, die in Rom Komposition, Kirchenmusik, Cembalo, Orgel und Aufführungspraxis studierten.

Wichtige Quellenorte und Sammlungen

Archivio generale delle Scuole pie, Rom Wichtiger Quellenort für Collegio-Nazareno-Kantaten Amadoris, darunter E quali odo d’intorno, Torna, deh torna omai, Care delizie, O bel foco di quel Dio und weitere Werke.
St. Sulpitiuskerk, Diest Nach älteren Nachweisen Aufbewahrungsort eines autographen Pange lingua für Sopran und Continuo sowie einer Arie mit Instrumentalbegleitung.
Schlosskirche Sondershausen Nach Kurzquellen Aufbewahrungsort einer handschriftlichen Arie für Sopran und Basso continuo.
Conservatorio Giuseppe Verdi, Mailand Nach Kurzquellen Aufbewahrungsort einer weiteren handschriftlichen Arie für Sopran und Basso continuo.
Santini-Sammlung Wichtiger Bestand für geistliche Musik Amadoris und römische Kirchenmusiküberlieferung.
RISM Zentrale Recherchestelle für handschriftliche und gedruckte Quellen, Einzeltitel, Bestandsorte und Siglen zu Amadoris Werküberlieferung.

Sekundärliteratur

  • Franchi, Saverio: Studien zur römischen Musik- und Theatergeschichte des 17. und frühen 18. Jahrhunderts. Wichtig für Datierung, römische Aufführungsorte, Patronage und Oratorienpraxis im Umfeld Amadoris.
  • Giron-Panel, Caroline: Arbeiten zur Musik in römischen Hospitälern und Kirchen. Hilfreich für die Einordnung von San Giacomo degli Incurabili und Amadoris organistischer Tätigkeit.
  • Lindgren, Lowell: Studien zu römischer Oper, Kantate, Collegio Nazareno und Ottoboni-Umfeld. Wichtig für die Aufführungs- und Quellenkontexte, in denen Amadoris Kantaten überliefert sind.
  • Mangsen, Sandra: Songs without Words: Keyboard Arrangements of Vocal Music in England, 1560–1760. Woodbridge: Boydell & Brewer, 2016. Kontext zu englischen Cembalo- und Anthologiedrucken, in denen auch Amadori als Name im Tastenmusikrepertoire begegnet.
  • Morelli, Arnaldo: Arbeiten zu römischer Kantate, Oratorium und Kirchenmusik um 1700. Kontextliteratur zur Verbindung von Patronage, Collegio, Oratorium und musikalischer Aufführungspraxis.
  • Murata, Margaret: Studien zur römischen Kantate und zum Musikleben im 17. und frühen 18. Jahrhundert. Grundlegend für das kulturelle Umfeld von Amadoris Kantaten und geistlichen Vokalwerken.
  • Scarlatti-, Corelli- und Ottoboni-Forschung zu römischer Patronage. Nötig zur Einordnung von Amadoris Tätigkeit im Umkreis von Corelli, Fornari, Ottoboni und den römischen Akademien.
  • Slonimsky, Nicolas; Kuhn, Laura; McIntire, Dennis: Baker’s Biographical Dictionary of Musicians. Für Hamal, die Lütticher Linie und den Hinweis auf Amadoris Lehrtätigkeit in Rom relevant.
  • Stockigt, Janice B., und weitere Forschung zur römischen und mitteleuropäischen Überlieferung italienischer Kirchenmusik. Wichtig für die Wanderung römischer Musik in habsburgische und böhmische Bestände.
  • RISM und lokale Bestandskataloge zu Diest, Sondershausen, Mailand, Santini und Rom. Unverzichtbar für eine endgültige quellenkritische Werkprüfung.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Accademia di Santa Cecilia Römische Musikvereinigung und möglicher institutioneller Kontext einzelner Amadori-Nachweise.
  • Accademia del Disegno in Rom In einzelnen Kurzquellen für Amadoris Tätigkeit 1707 und 1709 genannter Akademiekontext.
  • Beatus vir Psalmtext und geistliche Gattung, in der auch Amadori mit einer modernen Aufnahme greifbar ist.
  • Basso continuo Satz- und Aufführungspraxis, die Amadoris Kirchenmusik, Kantaten, Arien und Tastenmusik prägt.
  • Cembalist Berufsrolle Amadoris im Dienst Kardinal Ottobonis und im römischen Generalbassmilieu.
  • Chiesa Nuova Römischer Aufführungsort von Amadoris Oratorium Il martirio di San Adriano.
  • Collegio Nazareno Römischer Aufführungs- und Bildungskontext mehrerer Amadori-Kantaten.
  • Arcangelo Corelli Römischer Violinist und Komponist, dessen Name in Aufführungsspuren zu Amadoris Kantate E quali odo d’intorno begegnet.
  • Matteo Fornari Violinist im Corelli-Kreis, in Amadori-Quellen im Zusammenhang römischer Aufführungspraxis genannt.
  • Generalbass Harmonische Grundlage der römischen Kantaten-, Oratorien- und Kirchenmusik Amadoris.
  • Jean-Noël Hamal Lütticher Komponist, der 1728 bis 1731 bei Giuseppe Amadori in Rom studierte.
  • Il martirio di San Adriano Oratorium Giuseppe Amadoris, 1702 in der Chiesa Nuova in Rom aufgeführt.
  • Kantate Zentrale Gattung von Amadoris römischen Collegio-Nazareno-Werken.
  • Kirchenmusik Übergreifender Bereich von Amadoris geistlichen Kompositionen und organistischer Tätigkeit.
  • Pietro Ottoboni Kardinal, Librettist und Musikmäzen, in dessen Dienst Amadori 1690 als Organist und Cembalist stand.
  • Oratorium Geistlich-dramatische Gattung, in der Amadoris Il martirio di San Adriano steht.
  • Orgel Instrument und liturgische Praxis, die für Amadoris Berufsprofil wesentlich sind.
  • Pange lingua Eucharistischer Hymnus und Titel eines autograph überlieferten Stücks Amadoris für Sopran und Continuo.
  • RISM Internationales Quellenverzeichnis zur Erschließung von Amadori-Handschriften und Werkincipits.
  • Rom Zentraler Wirkungsort Amadoris und wichtigstes Musikzentrum seines Werkumfelds.
  • Römische Kantate Gattungs- und Aufführungskontext von Amadoris allegorischen und festbezogenen Collegio-Nazareno-Werken.
  • San Giacomo degli Incurabili Römischer Kirchen- und Hospitalort, an dem Amadori als Organist genannt wird.
  • Santini-Sammlung Wichtige Sammlung geistlicher Musik, in der Amadori-Werke beziehungsweise Amadori-Zuschreibungen nachgewiesen sind.
  • Giovanni Tedeschi, genannt Amadori Sänger des 18. Jahrhunderts, ausdrücklich nicht mit dem Komponisten Giuseppe Amadori zu verwechseln.
  • The Ladys Entertainment Englische Cembaloanthologie, in deren Umfeld instrumentale Amadori-Bezüge erscheinen.