William Alwyn

Britischer Komponist, Flötist, Musikpädagoge, Dirigent, Filmmusikkomponist, Schriftsteller und Maler; geboren am 7. November 1905 in Northampton, gestorben am 11. September 1985 in Southwold.

Überblick

William Alwyn, geboren als William Alwyn Smith, war einer der vielseitigsten britischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Er schrieb Symphonien, Konzerte, Opern, Ballette, Kammermusik, Klaviermusik, Lieder, Chormusik, Rundfunk- und Fernsehmusik sowie eine große Zahl von Filmmusiken. Geboren wurde er am 7. November 1905 in Northampton; gestorben ist er am 11. September 1985 in Southwold in Suffolk.

Alwyns Werk nimmt eine besondere Stellung zwischen britischer Konzertmusik, professioneller Filmpraxis und literarisch-bildkünstlerischem Selbstverständnis ein. Er war kein Komponist, der sich auf ein einziges Medium beschränkte. Er war Flötist, Professor an der Royal Academy of Music, Mitgestalter berufspolitischer Institutionen, Komponist für den britischen Dokumentarfilm, Autor von Filmpartituren für international bekannte Spielfilme, Maler und Schriftsteller. Diese Breite prägt seine Musik: Sie ist oft erzählerisch, bildhaft, klar disponiert, handwerklich sicher und farbig instrumentiert.

Sein Konzertwerk umfasst fünf Symphonien, mehrere Concerti grossi, Konzerte für Flöte, Oboe, Violine, Harfe und Klavier, Orchesterouvertüren, Streichorchesterwerke, Kammermusik und Klavierzyklen. In der Filmmusik schrieb er ungefähr zweihundert Partituren, darunter etwa siebzig für abendfüllende Spielfilme. Zu den bekanntesten Filmen gehören Odd Man Out, The Fallen Idol, The Crimson Pirate, The Winslow Boy, The History of Mr Polly, Desert Victory, The Way Ahead, The True Glory, The Black Tent, Carve Her Name with Pride und A Night to Remember.

Kurzdaten

Name William Alwyn.
Geburtsname William Alwyn Smith.
Geboren 7. November 1905 in Northampton, England.
Gestorben 11. September 1985 in Southwold, Suffolk, England.
Beruf Komponist, Flötist, Musikpädagoge, Dirigent, Filmmusikkomponist, Schriftsteller, Dichter und Maler.
Ausbildung Ab 1920 Studium an der Royal Academy of Music in London; Studien in Flöte, Klavier und Komposition.
Lehrtätigkeit 1926 wurde Alwyn Professor für Komposition an der Royal Academy of Music; die Lehrtätigkeit dauerte fast drei Jahrzehnte.
Wichtige Lehrer John Blackwood McEwen in Komposition; Daniel Wood in Flöte.
Wichtige Wirkungsorte Northampton, London, Royal Academy of Music, britische Filmstudios, Blythburgh, Southwold und Cambridge als heutiger Archivort.
Hauptgattungen Symphonie, Konzert, Oper, Ballett, Filmmusik, Orchesterwerk, Kammermusik, Klaviermusik, Lied, Chormusik, Rundfunk- und Fernsehmusik.
Symphonien Fünf Symphonien, darunter Symphony No. 5 “Hydriotaphia”.
Opern Juan or The Libertine und Miss Julie; außerdem frühe Bühnenprojekte wie The Fairy Fiddler und die ballad opera Farewell, Companions.
Filmmusik Ungefähr zweihundert Filmkompositionen, darunter etwa siebzig Spielfilmpartituren und zahlreiche Dokumentarfilme.
Ehrung 1978 Commander of the Order of the British Empire für Verdienste um die Musik.
Nachlass William Alwyn Archive, Cambridge University Library, mit musikalischen und literarischen Manuskripten, Briefen, Tagebüchern, Fotos, Tonträgern und Materialien zu Doreen Carwithen.
Dateiname alwyn-william.shtml

Quellenlage, Namensform und Werkumfang

Die Hauptnamensform lautet William Alwyn. Geboren wurde er als William Alwyn Smith; der Familienname Smith wurde im künstlerischen Gebrauch abgelegt. Die Namensform William Alwyn CBE begegnet nach der Ehrung von 1978. Für das Kulturlexikon wird der international etablierte Künstlername als Lemma verwendet, während der Dateiname der Regel Familienname vor Vorname folgt: alwyn-william.shtml.

Die Quellenlage ist vergleichsweise gut, aber wegen des Umfangs des Œuvres komplex. Die William Alwyn Foundation nennt knapp dreihundert Kompositionen, darunter Konzertwerke, Opern, Ballette, Kammermusik, Lieder und Chormusik. Hinzu kommen ungefähr zweihundert Filmkompositionen. Faber Music führt einen umfangreichen aktuell vertretenen Werkbestand, während die British Music Collection und Naxos wichtige Übersichten bieten. Das William Alwyn Archive der Cambridge University Library ist der zentrale Primärquellenort.

Ein vollständiges Werkverzeichnis muss deshalb quellenkritisch unterscheiden zwischen Konzertwerken, Bühnenwerken, Filmmusik, erhaltenen Manuskripten, publizierten Fassungen, späteren Suiten aus Filmpartituren, Bearbeitungen durch Philip Lane und weiteren Herausgebern sowie verlorenen oder schwer zugänglichen Film- und Rundfunkmaterialien. Die folgende Seite gibt einen umfangreichen, nach Gattungen geordneten Werküberblick, der die wichtigsten publizierten, katalogisierten und kulturgeschichtlich einschlägigen Werke erfasst.

Biographie

William Alwyn wurde am 7. November 1905 in Northampton geboren. Sein Vater betrieb ein Lebensmittelgeschäft, das den Namen The Shakspere Stores trug; diese Namensgebung verweist bereits auf ein literarisch interessiertes Familienmilieu. Musik spielte in der Familie zunächst keine zentrale Rolle. Alwyns frühe Begeisterung für Klang, Notation und Komposition entwickelte sich weitgehend aus eigener Neigung. Ein zweites wichtiges Frühmoment war ein Piccolo, das er als Kind erhielt und auf dem er schnell Fortschritte machte.

1920 wurde Alwyn, erst fünfzehnjährig, an der Royal Academy of Music aufgenommen. Er studierte Flöte, Klavier und Komposition. Schon früh zeigte sich sein doppeltes Profil: Er war praktischer Instrumentalist und zugleich ein außerordentlich produktiver Komponist. Sein Kompositionslehrer John Blackwood McEwen wurde zu einer prägenden Figur; als Flötist wurde Alwyn so gut ausgebildet, dass er später auch als Instrumentalist professionell wirkte.

1926 wurde Alwyn Professor für Komposition an der Royal Academy of Music. Er war damit erst einundzwanzig Jahre alt. Diese frühe Berufung belegt seine außergewöhnliche Stellung im Londoner Musikleben der Zwischenkriegszeit. Fast drei Jahrzehnte blieb er der Akademie als Lehrer verbunden. Zu seinen Schülerinnen und Schülern gehörten Musikerinnen und Musiker, die später im britischen Musikleben eine Rolle spielten; besonders wichtig ist die spätere Komponistin Doreen Carwithen, die seine zweite Ehefrau wurde.

In den 1930er Jahren begann Alwyn für den Film zu komponieren. Er trat in die britische Dokumentarfilmbewegung ein und gehörte mit Benjamin Britten zu den Komponisten, die diesem Medium musikalische Professionalität und künstlerischen Anspruch gaben. 1941 schrieb er mit Penn of Pennsylvania seine erste abendfüllende Filmpartitur. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er zu einem der wichtigsten britischen Filmkomponisten.

Parallel zur Filmpraxis entwickelte sich das Konzertwerk weiter. In den 1950er Jahren entstanden die großen Symphonien und Konzerte, die Alwyns Rang als Konzertkomponist sicherten. Der Dirigent Sir John Barbirolli setzte sich für mehrere Werke ein und gab wichtige Erstaufführungen. Alwyns Laufbahn zeigt damit eine seltene Doppelbewegung: Er war im kommerziellen und dokumentarischen Filmgeschäft hochproduktiv und zugleich ein ernsthafter Symphoniker.

Die letzten fünfundzwanzig Jahre verbrachte Alwyn vor allem in Blythburgh und Southwold in Suffolk. In dieser ruhigeren Umgebung entstanden zentrale Spätwerke, darunter die Opern Juan or The Libertine und Miss Julie, die Sinfonietta for String Orchestra und die fünfte Symphonie Hydriotaphia. Neben Musik schrieb er Prosa, Lyrik und autobiographische Texte und malte. 1978 wurde er zum Commander of the Order of the British Empire ernannt. Er starb am 11. September 1985 in Southwold.

Northampton, frühe Jahre und Royal Academy of Music

Northampton bildet den Anfang von Alwyns Lebensgeschichte, nicht aber den Ort einer etablierten musikalischen Familientradition. Vielmehr entwickelte sich sein Musikinteresse als individuelles Talent. Die frühe Beschäftigung mit dem Piccolo und mit ersten Kompositionsversuchen verweist auf einen ungewöhnlich frühen Drang zur musikalischen Gestaltung. Bereits in der Kindheit legte er Manuskriptbücher an, in denen er Stücke, Opuszahlen und Titel ordnete.

Der Eintritt in die Royal Academy of Music im Jahr 1920 war der entscheidende institutionelle Schritt. Die Akademie verband solide Instrumentalausbildung, Kompositionsunterricht und professionelles Musikleben. Für Alwyn bedeutete sie Zugang zu Orchesterpraxis, Kompositionslehre, Londoner Netzwerken und einer britischen Musiktradition, die sich nach Edward Elgar, Ralph Vaughan Williams, Gustav Holst und Arnold Bax neu ausrichtete.

Die frühe Professur von 1926 zeigt, dass Alwyn nicht nur als begabter Student, sondern als institutionell brauchbarer Musiker galt. Er war technisch versiert, breit gebildet und konnte junge Komponisten unterrichten. Diese Verbindung von Handwerk, Bildung und Produktivität blieb für sein ganzes Leben charakteristisch.

Lehrer, Flötist und Institutionenbildner

Alwyn war ein aktiver Musiker des britischen Berufslebens. Er unterrichtete, spielte Flöte, komponierte, dirigierte und arbeitete in mehreren Organisationen. Die Gründung beziehungsweise Mitprägung der Composers’ Guild of Great Britain, seine Arbeit in der Performing Right Society, seine Verbindung zur Society for the Promotion of New Music und seine Tätigkeit im Umfeld der BBC zeigen, dass er Musik nicht nur als privates Schaffen verstand. Er wollte institutionelle Bedingungen schaffen, unter denen neue britische Musik aufgeführt, geschützt und wahrgenommen werden konnte.

Seine Erfahrung als Flötist prägte auch sein Komponieren. Werke wie das Concerto for Flute and Eight Wind Instruments, Divertimento for Solo Flute und die Fantasiesonate Naiades zeigen ein besonderes Verständnis für Atem, Linie, Holzbläserfarbe und kammermusikalische Transparenz. Auch in seinen Orchesterwerken ist die Behandlung der Holzbläser häufig sehr prägnant.

Als Lehrer an der Royal Academy of Music gehörte Alwyn zu einer Generation, die zwischen spätromantischer britischer Tradition, Modernismus, Filmindustrie und Nachkriegskultur vermittelte. Diese Rolle war kulturgeschichtlich wichtig, weil sie die alte Trennung zwischen akademischer Komposition, praktischer Berufsmusik und angewandter Medienmusik lockerte.

Symphoniker und Konzertkomponist

Alwyns fünf Symphonien bilden den Kern seines Konzertwerks. Sie entstanden in einer Zeit, in der die britische Symphonie nach Vaughan Williams, Bax, Walton, Rubbra, Rawsthorne und anderen neu definiert wurde. Alwyns Symphonik ist weder streng avantgardistisch noch bloß retrospektiv. Sie verbindet klare Architektur, melodische Prägung, dramatische Zuspitzung und orchestrale Farbigkeit.

Die erste Symphonie ist Sir John Barbirolli gewidmet; Barbirolli wurde zu einem wichtigen Förderer des Komponisten. Die zweite, dritte und vierte Symphonie zeigen unterschiedliche Zugriffe auf Form, Ausdruck und orchestrale Dramaturgie. Die fünfte Symphonie trägt den Titel Hydriotaphia und bezieht sich auf Thomas Brownes Schrift Urn Burial. Damit verbindet sich Alwyns symphonisches Denken mit seiner literarischen Bildung.

Zu den zentralen Konzertwerken gehören Lyra Angelica für Harfe und Streicher, die beiden Klavierkonzerte, das Violinkonzert, das Oboenkonzert, das Flötenkonzert, die Concerti grossi und die Sinfonietta for String Orchestra. Diese Werke zeigen Alwyn als Komponisten, der Soloinstrumente nicht nur virtuos, sondern poetisch und farblich einsetzt.

Filmmusik, Dokumentarfilm und britisches Kino

Alwyns Filmmusik ist kein Nebengebiet, sondern ein Zentrum seiner Wirkung. Er begann in der britischen Dokumentarfilmbewegung der 1930er Jahre. Dort lernte er, Musik funktional, prägnant, knapp und bildbezogen einzusetzen. Der Dokumentarfilm verlangte andere Lösungen als das Konzert: kurze Formen, schnelle Charakterisierung, klangliche Ökonomie, Montagebewusstsein und die Fähigkeit, Bild, Kommentar und Erzählstruktur zu stützen.

Während des Zweiten Weltkriegs und in den Nachkriegsjahren schrieb Alwyn Partituren für Dokumentar-, Propaganda-, Kriegs-, Abenteuer-, Literatur- und Psychodramen. Werke wie Desert Victory, The Way Ahead, The True Glory, Odd Man Out, The Fallen Idol, The Crimson Pirate, The History of Mr Polly, The Winslow Boy, The Black Tent, Carve Her Name with Pride und A Night to Remember zeigen die Spannweite zwischen offizieller Kriegsdokumentation, britischem Qualitätskino und populärem Abenteuerfilm.

1951 wurde Alwyn Fellow der British Film Academy. Diese Auszeichnung ist bedeutsam, weil sie die künstlerische Bedeutung von Filmmusik in einer Zeit anerkannte, in der sie im Konzertkanon häufig noch als angewandte Kunst zweiter Ordnung behandelt wurde. Alwyns Filmwerk zeigt, dass ein Komponist im 20. Jahrhundert zugleich Symphoniker und Medienkomponist sein konnte.

Oper, Musiktheater und Spätwerk

Alwyns Opern entstanden wesentlich im Spätwerk. Juan or The Libertine, zwischen 1965 und 1971 komponiert, ist eine vieraktige Oper auf ein eigenes Libretto. Sie setzt sich mit der Don-Juan-Tradition auseinander, aber nicht im Sinne eines bloßen Opernstoff-Recyclings. Alwyn interessierte sich für die moralische, psychologische und literarische Deutung der Figur.

Miss Julie, zwischen 1973 und 1976 komponiert, basiert auf August Strindbergs Drama. Die Oper ist in zwei Akten angelegt und gehört zu den wichtigsten späten Bühnenwerken Alwyns. Sie zeigt sein Interesse an konzentrierter Psychologie, sozialer Spannung und dramatisch zugespitzter Vokalsprache. Die Uraufführung erfolgte nicht unmittelbar in Großbritannien; die spätere britische Premiere wurde zu einem wichtigen Ereignis der Alwyn-Rezeption.

Daneben stehen frühere Bühnen- und musikdramatische Ansätze wie The Fairy Fiddler und die ballad opera Farewell, Companions. Diese Werke zeigen, dass Alwyns Interesse am Musiktheater nicht erst im Alter entstand, sondern schon früh vorhanden war. Das späte Opernschaffen bündelt jedoch seine literarischen, dramatischen und orchestralen Interessen besonders deutlich.

Kammermusik, Klaviermusik und Lied

Alwyns Kammermusik ist umfangreich und vielgestaltig. Besonders auffällig ist die frühe und mittlere Reihe von Streichquartetten, die bis zur Nummer 13 reicht. Hinzu kommen ein Streichtrio, ein Phantasy Trio, Werke für Viola und Klavier, Flöte, Harfe, Klarinette, Cello, Klaviertrio-Besetzungen und kleinere Ensembles. Diese Musik zeigt eine Seite Alwyns, die weniger spektakulär als die Film- und Orchestermusik ist, aber viel über sein handwerkliches Denken aussagt.

Die Klaviermusik reicht von frühen Miniaturen über Contes Barbares, Fantasy Waltzes, Sonata alla Toccata, Night Thoughts, Harvest Home, Cricketty Mill und zahlreiche kleinere Stücke bis zu didaktisch oder poetisch geprägten Werken. Alwyns Klavierstil ist oft bildhaft, rhythmisch klar und farblich gedacht, ohne die pianistische Oberfläche zum Selbstzweck zu machen.

Auch das Liedschaffen gehört zu seinem Profil. Er vertonte unter anderem Texte von William Blake, Gerard Manley Hopkins, William Butler Yeats, Louis MacNeice, Walter de la Mare und anderen Dichtern. Dass Alwyn selbst schrieb und dichtete, ist für diese Liedkunst wichtig. Sprache war für ihn nicht bloße Vorlage, sondern eine Schwesterkunst der Musik.

Doreen Carwithen, Nachlass und Alwyn Foundation

Doreen Carwithen war Schülerin Alwyns an der Royal Academy of Music, später seine Lebensgefährtin und zweite Ehefrau. Sie war selbst eine bedeutende Komponistin, besonders im Bereich Orchester- und Filmmusik. Ihre Rolle in Alwyns Nachleben ist zentral. Nach seinem Tod bemühte sie sich um die Bewahrung, Ordnung und Vermittlung seines Nachlasses und gründete beziehungsweise prägte die William Alwyn Foundation.

Der Nachlass gelangte in die Cambridge University Library. Dort befinden sich musikalische und literarische Manuskripte, Korrespondenzen, Tagebücher, Pressedokumente, Fotografien, Tonträger, Videos, DVDs und Materialien zu Alwyns Werk. Der Bestand enthält außerdem Manuskripte und Papiere von Olive Pull und Doreen Carwithen. Dadurch ist das Archiv nicht nur ein Alwyn-Archiv, sondern ein wichtiger Quellenort für britische Musik, Geschlechtergeschichte, Filmmusik und Nachkriegskultur.

Die William Alwyn Foundation setzte sich für Publikationen, Aufnahmen, Informationen und Wiederaufführungen ein. Gerade weil Alwyn nach seinem Tod zeitweise nicht in dem Maße im Konzertleben präsent blieb, wie es der Umfang und Rang seines Werkes nahelegen würden, ist diese Stiftungsarbeit für seine heutige Rezeption entscheidend.

Stil, Ästhetik und künstlerisches Selbstverständnis

Alwyns Stil lässt sich nicht auf eine einzige Schule reduzieren. Er steht zwischen britischer Spätromantik, neoklassischer Formklarheit, Filmdramaturgie, lyrischer Melodik, expressiver Harmonik und einer ausgeprägten Sensibilität für Farbe. Seine Musik vermeidet oft radikale Modernismen, ist aber keineswegs konservativ im Sinne bloßer Wiederholung. Sie arbeitet mit formaler Verdichtung, orchestraler Präzision und dramatischer Energie.

Die Nähe zu Literatur und Malerei ist für Alwyns Musik zentral. Er dachte häufig bildhaft und erzählerisch. Werke wie Hydriotaphia, The Moor of Venice, Mirages, Autumn Legend, Lyra Angelica und The Magic Island zeigen, wie stark Titel, literarische Bezüge und atmosphärische Vorstellungen sein Komponieren strukturieren konnten.

Gleichzeitig war Alwyn ein Handwerker. Die Filmpraxis zwang ihn zu Genauigkeit, Tempo, Timing und Pragmatik. Diese Tugenden kommen auch dem Konzertwerk zugute. Seine Musik ist selten amorph; sie besitzt klare Konturen, dramaturgische Zielpunkte und eine starke Fähigkeit, aus kurzen Motiven größere Bögen zu entwickeln.

Ausführlicher Kulturüberblick

William Alwyn gehört in die britische Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts, genauer in jene Generation, die zwischen der spätromantisch-nationalen Erbschaft und der modernen Medienkultur stand. Er war jünger als Vaughan Williams, Holst, Bax und Ireland, aber älter als die Nachkriegsgeneration um Peter Maxwell Davies und Harrison Birtwistle. Sein Werk bewegt sich daher in einem Zwischenraum: Es bewahrt die expressive, melodische und orchestrale Tradition der britischen Musik, reagiert aber zugleich auf Film, Radio, Fernsehen, institutionelle Kulturpolitik und neue Formen musikalischer Öffentlichkeit.

Die britische Musik der Zwischenkriegszeit und der Nachkriegsjahrzehnte war nicht nur Konzertmusik. Sie war auch BBC-Musik, Filmmusik, Dokumentarfilm, Festspielmusik, Schulmusik, Verlagspraxis und berufsständische Organisation. Alwyn steht exemplarisch für diese Breite. Er komponierte für den Konzertsaal und für den Schneideraum, für Solisten und für Filmproduzenten, für Akademie und Öffentlichkeit.

Seine Filmmusik ist besonders kulturgeschichtlich bedeutsam. Die britische Dokumentarfilmbewegung der 1930er Jahre wollte Realität, Bildung, Gesellschaft und nationale Selbstbeschreibung filmisch erfassen. Musik musste hier nicht nur illustrieren, sondern die Haltung des Films mitprägen. Alwyn lernte in diesem Umfeld eine Sprache der Kürze, der Andeutung und der dramatischen Funktion. Später konnte er diese Fähigkeiten in Spielfilmen, Kriegsdokumentationen, Literaturverfilmungen und Abenteuerfilmen einsetzen.

Die Symphonien zeigen die andere Seite. In ihnen suchte Alwyn nach großen Formen jenseits des Films. Dass er gerade in den 1950er Jahren als Symphoniker hervortrat, ist wichtig: Nach dem Krieg brauchte die britische Musik neue Formen von Ernst, Erinnerung, Aufbau und nationaler Selbstvergewisserung. Alwyns Symphonien sind keine offiziellen Staatsmusiken, aber sie gehören zu einer Kultur, in der das Orchester weiterhin als Medium großer innerer und öffentlicher Erfahrung galt.

Die Opern des Spätwerks verbinden Musik, Literatur und Psychologie. Juan or The Libertine und Miss Julie zeigen Alwyns Interesse an dramatischen Figuren, moralischen Konflikten und verdichteter Szene. Dabei ist besonders Miss Julie wichtig, weil Alwyn Strindbergs naturalistisches Drama in ein Musiktheater übersetzt, das nicht nur Handlung, sondern soziale und psychische Spannung komponiert.

Alwyn war zudem ein Künstler im umfassenden Sinn. Er malte, schrieb Gedichte und Prosa, führte Tagebuch und reflektierte sein Schaffen. Diese Mehrfachbegabung ist nicht dekorativ, sondern Teil seines Musikverständnisses. Seine Werke sind oft von Bildern, literarischen Texten, Landschaften oder philosophischen Vorstellungen angeregt. Dadurch gehört er zu den britischen Komponisten, bei denen Musik, Literatur und bildende Kunst eng verflochten bleiben.

Wirkung, Wiederentdeckung und heutige Rezeption

Alwyn war zu Lebzeiten eine respektierte Figur des britischen Musiklebens, doch sein Nachruhm verlief nicht geradlinig. Filmmusikkomponisten wurden lange anders bewertet als reine Konzertkomponisten, und Alwyns Fähigkeit, zwischen Gattungen zu wechseln, konnte im späteren Kanondenken eher hinderlich als förderlich wirken. Dazu kam, dass Teile des Werkes schwer zugänglich waren oder erst spät ediert und aufgenommen wurden.

Die Wiederentdeckung wurde durch mehrere Faktoren getragen: durch die William Alwyn Foundation, durch Doreen Carwithens Nachlassarbeit, durch das Cambridge-Archiv, durch Aufnahmen bei Lyrita, Chandos und Naxos, durch Faber Music und durch das wachsende Interesse an britischer Filmmusik. Besonders die Einspielungen der Symphonien, Konzerte und Filmmusik-Suiten machten Alwyn für ein neues Publikum hörbar.

Heute wird Alwyn zunehmend als Komponist verstanden, dessen Bedeutung nicht trotz, sondern wegen seiner medialen Vielseitigkeit hoch ist. Er zeigt, wie britische Musik des 20. Jahrhunderts zwischen Konzertsaal, Kino, Radio, Akademie, Verlag, Archiv und persönlicher Kunstpraxis funktionierte. Gerade für Kulturgeschichte ist er deshalb ein Schlüsselname.

Werk- und Quellenverzeichnis

Das folgende Werkverzeichnis ist quellenkritisch gegliedert. Es enthält den Kernbestand der publizierten, katalogisierten und kulturgeschichtlich einschlägigen Werke. Da Alwyns Gesamtproduktion knapp dreihundert Konzert- und Bühnenwerke sowie ungefähr zweihundert Filmkompositionen umfasst, wird der Filmbereich als umfangreiche Werkgruppe mit den wichtigsten, nachweislich kanonisch gewordenen Titeln geführt. Für philologisch vollständige Detailarbeit ist der Abgleich mit Faber Music, William Alwyn Foundation, Cambridge University Library, British Music Collection, Chandos, Naxos und den Filmdatenbanken erforderlich.

Opern, Bühnenwerke und musikdramatische Werke

The Fairy Fiddler Frühes Opern- beziehungsweise Bühnenprojekt; erhalten beziehungsweise nachweisbar sind unter anderem Prelude to the Opera “The Fairy Fiddler” und Derrybeg Fair, beide 1925 für Solo-Violine und Orchester.
Farewell, Companions Ballad opera für Solisten, Chor und Orchester, 1954–1955; ein umfangreiches Bühnenwerk zwischen britischer Balladentradition, Chorszene und dramatischer Erzählung.
Juan or The Libertine Oper in vier Akten, 1965–1971, auf ein eigenes Libretto; Spätwerk zur Don-Juan-Tradition, bis heute szenisch nur eingeschränkt präsent und daher quellen- und aufführungsgeschichtlich besonders interessant.
Miss Julie Oper in zwei Akten, 1973–1976, nach August Strindbergs Drama; eines der wichtigsten Spätwerke Alwyns, psychologisch konzentriert und dramatisch verdichtet.
Miss Julie Suite Orchestersuite aus der Oper Miss Julie, Musik von 1976, spätere Suite-Fassung von 2000; eingerichtet für den Konzertgebrauch.

Symphonien und große Orchesterwerke

Symphony No. 1 Erste Symphonie, Sir John Barbirolli gewidmet; sie begründete Alwyns Rang als Symphoniker der Nachkriegszeit.
Symphony No. 2 Zweite Symphonie; Teil der von Barbirolli geförderten symphonischen Werkgruppe.
Symphony No. 3 Dritte Symphonie; Alwyn dokumentierte die Entstehungszeit in seinem Tagebuch Ariel to Miranda.
Symphony No. 4 Vierte Symphonie; gehört zu den symphonischen Hauptwerken der 1950er Jahre.
Symphony No. 5 “Hydriotaphia” Fünfte Symphonie, 1972–1973; inspiriert von Thomas Brownes Hydriotaphia, Urn Burial und eines der zentralen Spätwerke.
Five Preludes Orchesterwerk von 1927; frühe große Orchesterpartitur.
“Ad Infinitum” A Satire for Orchestra Orchesterstück von 1929; frühes Werk mit satirischem Charakter.
An English Overture “The Innumerable Dance” Orchesterouvertüre von 1933; ein frühes repräsentatives Orchesterwerk.
Serenade Orchesterwerk von 1932; lyrisch geprägte Partitur.
Aphrodite in Aulis Kleines Orchesterstück von 1932 nach George Moore; Beispiel für Alwyns literarisch inspirierte Orchesterphantasie.
Suite for Small Orchestra Werk von 1935 für kleines Orchester; zeigt Alwyns Sinn für kompakte, klare Orchesterformen.
Seven Irish Tunes Suite für kleines Orchester, 1936; Bearbeitung beziehungsweise Verarbeitung irischer melodischer Materialien.
Tragic Interlude Werk für kleines Orchester von 1936; dramatisch verdichtetes Orchesterstück.
Overture to a Masque Orchesterouvertüre von 1940; repräsentative Konzertouvertüre.
Green Girdle Orchesterwerk von 1941; im Zusammenhang von Landschaft, Film- und Dokumentarästhetik zu lesen.
Manchester Suite Orchestersuite von 1947; städtisch und repräsentativ geprägtes Konzertwerk.
The Moor of Venice: Dramatic Overture Dramatische Ouvertüre von 1956, spätere Bearbeitung 2001; literarischer Bezug zu Shakespeare und Othello-Tradition.
The Running Man Orchesterwerk von 1963; spätes, knappes und dramatisch konzentriertes Konzertstück.
Sinfonietta for String Orchestra Streichorchesterwerk von 1970; wichtiges Spätwerk mit klarer Form und konzentrierter Satztechnik.
Fanfare for a Joyful Occasion Werk für Blechbläser und Schlagwerk von 1958; feierlich-funktionale Konzertmusik.

Konzerte und Werke für Soloinstrument mit Orchester

Blackdown Werk für Solo-Violine und Orchester, 1926; frühe solistische Orchesterpartitur.
Concerto for Piano and Orchestra No. 1 Erstes Klavierkonzert, 1930–1931; früher Beitrag zum britischen Klavierkonzert des 20. Jahrhunderts.
Concerto for Violin and Orchestra Violinkonzert, 1937–1939; eines der großen Solokonzerte Alwyns.
Concerto for Oboe and Strings Oboenkonzert; lyrisch und kammerorchestral geprägtes Werk.
Concerto for Flute and Eight Wind Instruments Flötenkonzert beziehungsweise Konzertstück für Flöte und Bläserensemble; besonders wichtig wegen Alwyns eigener Flötistenidentität.
Lyra Angelica Konzert für Harfe und Streicher; eines der bekanntesten Konzertwerke Alwyns, lyrisch, transparent und farblich charakteristisch.
Concerto for Piano and Orchestra No. 2 Zweites Klavierkonzert, 1960; großformatiges Konzertwerk der reifen Periode.
Concerto Grosso No. 1 Erstes Concerto grosso; Teil von Alwyns Auseinandersetzung mit barocker Formtradition und moderner Orchesterfarbe.
Concerto Grosso No. 2 Zweites Concerto grosso; setzt die neobarocke Konzertform in eigenständiger britischer Klangsprache fort.
Concerto Grosso No. 3 Drittes Concerto grosso, 1964; als Tribut an Sir Henry Wood konzipiert und bei den Proms durch die BBC Symphony Orchestra unter Alwyns Leitung uraufgeführt.
Shake Hands with the Devil Werk beziehungsweise Konzertsuite mit Solo-Violine und Orchester, 1959; aus dem Filmmusikzusammenhang herausgelöst.

Chorwerke, vokal-orchestrale und größere Vokalwerke

The Marriage of Heaven and Hell – Part 1 Werk für SATB-Chor und Orchester, 1933–1938, nach William Blake; groß angelegte Auseinandersetzung mit englischer visionärer Literatur.
Overture in the Form of a Serenade Werk von 1946 für Sopransolo, SATB-Chor und Kammerorchester; verbindet vokale und instrumentale Serenadenform.
Svengali – “Libera Me” Stück für Solo-Sopran, SATB-Chor und Orchester, 1954; aus dem Filmmusikkontext gelöstes sakral wirkendes Vokalstück.
Take My Life – Aria Arie für Solo-Sopran und Orchester, 1947; aus dem Filmbereich beziehungsweise vokal-orchestralen Kontext herausgelöst.
Miranda – Mermaid’s Song Werk von 1947 für Sopran, Harfe und Streicher; lyrisch-atmosphärisches Vokalstück aus dem Filmzusammenhang.
Three Songs Lieder für Stimme und Klavier, 1940; Teil des kleineren Vokalwerks.
Songs of Innocence Werk für Stimme und Streichquartett; nach William Blake und damit Teil von Alwyns literarisch fundierter Liedkunst.
Duna Lied für Stimme, Flöte und Klavier, 1927; frühes Beispiel für die Verbindung von Gesang und charakteristischer Instrumentalfarbe.
I’ve been roaming Vokalduett mit Flöte und Klavier, 1930; kammermusikalisch-vokale Miniatur.
Cuckoo Lied für Stimme und Klavier, 1931; kurze vokale Miniatur.
Heaven-Haven Lied für Stimme und Klavier, 1931; Vertonung aus dem englischen geistlich-lyrischen Textbereich.
Lament of the Tall Tree Werk für Stimme, Violine und Klavier, 1931; dichterisch-kammermusikalische Besetzung.
Wood Magic Werk für Stimme, Violine und Klavier, 1931; naturlyrisch geprägte Kammerliedform.
Mirages Liederzyklus für Bariton und Klavier; wichtiges spätes beziehungsweise reifes Liedwerk.

Kammermusik und Ensemblewerke

Seven Irish Tunes Fassung für Streichquartett, 1923; frühe kammermusikalische Bearbeitung irischer Melodien.
Two Preludes Werk für Viola und Klavier, 1922; frühe Kammermusik.
Two Pieces Werk für Viola und Klavier, 1923; frühe Charakterstücke.
Three Irish Folk Tunes Werk für Flöte, Cello und Klavier aus den 1920er Jahren; kammermusikalische Volksliedbearbeitung.
Phantasy Trio Streichtrio; Teil der britischen Phantasy-Tradition des frühen 20. Jahrhunderts.
Two Country Pieces Werk für zwei Flöten und Klavier, 1931; kammermusikalische Miniaturen mit ländlichem Charakter.
French Suite Werk für Kammerensemble von vier Spielern, 1937; stilisierende Suite mit französischem Bezug.
Short Suite – Sonatina No. 1 Werk für Viola und Klavier, 1941; später auch als Sonatina-Kontext wichtig.
Short Suite II – Sonatina No. 2 Werk für Viola und Klavier; Fortsetzung der kurzen Viola-Klavier-Form.
Three Negro Spirituals Fassung für Cello und Klavier, 1935; außerdem in einer Fassung für Viola und Klavier überliefert.
Two Irish Folk Songs Werk für Celloquartett; Bearbeitung beziehungsweise kammermusikalische Verarbeitung irischer Liedmelodik.
String Trio Kammermusikwerk für Streichtrio; Teil des kleineren Ensemblebestands.
Sonata for Clarinet and Piano Klarinettensonate; wichtiges Holzbläser-Kammerwerk.
Naiades Fantasy Sonata für Flöte und Harfe; ein charakteristisches Werk für Alwyns Flöten- und Klangfarbeninteresse.
Divertimento for Solo Flute Werk für Soloflöte; besonderes Beispiel für Alwyns Kenntnis des Instruments.
Two Folk Tunes Werk für Viola und Harfe; Besetzung und Datierung in Katalogen als unsicher beziehungsweise nicht vollständig präzisiert.

Streichquartette und Streichkammermusik

String Quartet No. 6 in E Minor Streichquartett von 1927; frühes Quartett der nummerierten Reihe.
String Quartet No. 7 in A Minor Streichquartett von 1929; großformatiges Kammermusikwerk.
String Quartet No. 8 in D Minor Streichquartett von 1931; Teil der dichten frühen Quartettproduktion.
String Quartet No. 9 in C Major Streichquartett von 1931; kontrastiert mit dem d-Moll-Quartett desselben Jahres.
String Quartet No. 10 Streichquartett von 1932; Teil der frühen Reifephase.
String Quartet No. 11 in B Minor Streichquartett von 1933; umfangreiches Kammerwerk.
Fantasia – String Quartet No. 12 Streichquartett von 1935; als Fantasia bezeichnet und damit an eine britische Formtradition anschließend.
String Quartet No. 13 Streichquartett von 1936; später Punkt der frühen Quartettserie.
Three Winter Poems Streichquartett von 1948; kammermusikalisches Werk mit poetischem Titel.

Klaviermusik

Peter in the Park Klavierstück von 1926; frühe Miniatur.
Fancy Free Klavierstück von 1926; kurzer Charaktertitel.
Two Irish Pieces Klavierstücke von 1926; frühe Bearbeitungs- beziehungsweise Charakterstücke.
From Ireland Klavierwerk von 1928–1931; zeigt Alwyns wiederkehrendes Interesse an irischen Melodien und Landschaftstiteln.
Midsummer Night Klavierstück, 1928–1936; poetische Miniatur mit sommerlich-nächtlicher Atmosphäre.
Contes Barbares Klavierzyklus von 1930–1933; eines der umfangreicheren Klavierwerke Alwyns.
Seven Negro Spirituals Klavierwerk von 1933; Bearbeitung beziehungsweise stilisierte Verarbeitung geistlicher afroamerikanischer Melodik.
The Weather Vane Klavierstück von 1931; charakteristische Miniatur.
Spring Morning Klavierstück von 1931; lyrischer Titel aus dem Naturbereich.
Funeral Rites for the Death of an Artist Klavierstück von 1931; dunkle, programmatisch aufgeladene Miniatur.
Caravans Klavierstück von 1931; bildhaft-exotischer Charaktertitel.
Green Hills Klavierstück von 1935; Landschaftsminiatur.
Wooden Walls – Suite of Sea Pieces for Piano Klaviersuite von 1935; maritime Charakterstücke.
Cricketty Mill Klavierstück von 1935; später durch die William Alwyn Foundation in Veröffentlichungsprogramme aufgenommen.
By the Farm-yard Gate Klavierstück von 1934; ländliche Miniatur.
Scenes from Old London Klavierzyklus von 1936; historisierend-städtische Bildfolge.
Haze O’Noon Klavierstück von 1938; auch als Haze of Noon geführt.
Harvest Home Klavierstück von 1938; ländlich-festlicher Charakter.
Night Thoughts Klavierstück, 1939–1940; reflektierende, nächtliche Miniatur.
Piece for Piano Klavierstück von 1940; kurzer Einzeltitel.
Nocturne Klavierstück von 1942; lyrisch-nächtliche Form.
Prelude and Fugue formed on an Indian Scale Klavierwerk von 1946; Verbindung kontrapunktischer Form und modaler beziehungsweise skalischer Besonderheit.
Waltz from The Cure for Love Klavierfassung beziehungsweise Einzelstück aus dem Filmmusikzusammenhang von 1950.
Twelve Diversions for the Five Fingers Klavierwerk von 1963; didaktisch und charakterstückhaft zugleich.
Sonata alla Toccata Klaviersonate beziehungsweise großformatiges Klavierwerk; gehört zu den markanten Soloklavierwerken Alwyns.
Fantasy Waltzes Klavierzyklus; eines der bekannten späten beziehungsweise reiferen Klavierwerke.
On Milton Hill Klavierstück; in Faber-Katalogen als Werk für Solo-Klavier geführt.
Prelude for Piano Kurzes Klavierstück; in modernen Werklisten geführt.
The Wind and the Rain Klavierstück; poetischer Titel aus dem literarisch-naturhaften Bereich.
Two Intermezzi Werk für zwei Klaviere; kammermusikalische Erweiterung des Klavierrepertoires.

Filmmusik, Filmmusik-Suiten und Medienmusik

Penn of Pennsylvania Erste abendfüllende Filmpartitur, 1941; wichtiger Beginn von Alwyns Spielfilmkarriere.
They Flew Alone Filmmusik von 1941; später als Orchestersuite beziehungsweise Auszug geführt.
Desert Victory Kriegsdokumentarische Filmmusik von 1943; der Prologue wurde später konzertant greifbar.
The Way Ahead Filmmusik von 1944; der Marsch aus dem Film ist als Konzertauszug verbreitet.
On Approval Filmmusik von 1944; später als Orchestersuite verfügbar.
The True Glory Filmmusik von 1945; der Marsch wurde als Konzertauszug geführt.
The Rake’s Progress Filmmusik von 1945; der Calypso wurde als Orchesterauszug publiziert beziehungsweise aufgeführt.
Odd Man Out Filmmusik von 1946; eine der berühmtesten und künstlerisch wichtigsten Filmpartituren Alwyns.
Take My Life Filmmusik von 1947; die Arie für Solo-Sopran und Orchester wurde als eigenständiger Auszug geführt.
Miranda Filmmusik von 1947; Mermaid’s Song für Sopran, Harfe und Streicher ist als Auszug bekannt.
The Fallen Idol Filmmusik von 1948; eine der zentralen Partituren zu Carol-Reed-Filmen und Bestandteil der modernen Filmmusik-Rezeption Alwyns.
The Winslow Boy Filmmusik von 1948; später als Orchestersuite beziehungsweise Auszug greifbar.
The History of Mr Polly Filmmusik von 1949; bekannte Literaturverfilmung mit umfangreicher Alwyn-Partitur.
The Rocking Horse Winner Filmmusik von 1949; Paul’s Last Ride ist als dramatischer Auszug bekannt.
The Cure for Love Filmmusik von 1949; der Walzer wurde sowohl orchestral als auch für Klavier geführt.
State Secret Filmmusik von 1950; als Suite beziehungsweise Orchesterfassung im modernen Katalog greifbar.
The Magic Box Filmmusik von 1951; filmhistorisch bedeutsam wegen des Themas früher Kinematographie.
The Crimson Pirate Filmmusik von 1952; die Ouvertüre wurde zu einem bekannten Konzertauszug.
The Card Filmmusik von 1952; als Suite im modernen Werkbestand geführt.
Saturday Island Filmmusik von 1952; das Prelude wurde als Auszug greifbar.
The Master of Ballantrae Filmmusik von 1953; später als Suite beziehungsweise Konzertauszug arrangiert.
Svengali Filmmusik von 1954; Libera Me für Solo-Sopran, Chor und Orchester ist als Auszug bekannt.
The Million Pound Note Filmmusik von 1954; der Walzerthemen-Auszug ist in Katalogen nachgewiesen.
The Ship that Died of Shame Filmmusik von 1955; Main Titles als kurzer Orchester-Auszug.
Geordie Filmmusik von 1955; später als Orchesterwerk beziehungsweise Suite greifbar.
The Black Tent Filmmusik von 1956; Suite im modernen Katalog.
Fortune Is a Woman Filmmusik von 1957; das Prelude wurde als Orchesterstück publiziert beziehungsweise eingespielt.
A Night to Remember Filmmusik von 1958; Main Titles als kurzer Orchester-Auszug und Teil der bekanntesten späten Filmkompositionen.
Carve Her Name with Pride Filmmusik von 1958; Portrait of Violette ist als Orchesterstück bekannt.
Shake Hands with the Devil Filmmusik von 1959; Solo-Violine und Orchesterfassung als Konzertauszug.
Swiss Family Robinson Filmmusik von 1960; später als Orchesterstück beziehungsweise Suite nachgewiesen.
In Search of the Castaways Filmmusik von 1962; Ship’s Waltz and Rhumba im modernen Katalog geführt.
Great Day Suite Orchestersuite aus dem Filmbereich; in Faber-Katalogen als Suite nachgewiesen.
Prelude and Waltz from Madeleine Orchesterstück aus dem Filmzusammenhang; späterer Konzertauszug.
I See a Dark Stranger Suite Filmmusik-Suite; im modernen Katalog als Orchesterwerk geführt.
A Malta Fantasy Orchesterfantasie aus Themen zu Malta Story; Beispiel für spätere Suitenbildung aus Filmstoffen.
Our Country Suite Orchestersuite aus einem Film- beziehungsweise Dokumentarzusammenhang.
The Seekers Suite Orchestersuite aus dem Filmbereich.

Ballett, kleinere Orchester- und Gelegenheitswerke

Cinderella Ballett beziehungsweise Bühnenmusik; in modernen Werklisten als eigenes Werk geführt.
Elizabethan Dances Orchesterwerk beziehungsweise Suite mit historisierendem Tanzbezug.
Festival March Festmarsch beziehungsweise Gelegenheitswerk.
Autumn Legend Orchester- beziehungsweise Konzertwerk mit poetischem Titel; Teil des beliebten Alwyn-Repertoires.
Rhapsody Konzertstück beziehungsweise Orchesterwerk; in der British Music Collection nachgewiesen.
Scottish Dances Orchesterwerk beziehungsweise Tanzsuite mit schottischem Bezug.
The Magic Island Orchesterwerk beziehungsweise Suite mit stark bildhaftem Titel.
The Sea Is Angry Orchester- beziehungsweise Medienmusikstück mit dramatisch-maritimem Charakter.
Bicycle Ride Kleines Werk beziehungsweise Filmmusik-Auszug; im modernen Werkbestand geführt.
Hunting Scene Kleineres Orchesterstück beziehungsweise Filmauszug.
Invocations Konzertwerk beziehungsweise vokal-instrumentaler Kontext; in der British Music Collection nachgewiesen.
Leave Taking, A Kleineres Werk beziehungsweise Lied- oder Kammermusikzusammenhang; in der British Music Collection geführt.
Movements Werk im modernen Katalogbestand; genaue Gattung je nach Ausgabe zu prüfen.
Slum Song Vokal- oder Medienmusikstück; in der British Music Collection nachgewiesen.
The Sun Is Setting Lied- oder vokales Werk; in der British Music Collection geführt.
The Trees Are Heavy with Snow Vokales oder kammermusikalisches Werk mit poetischem Naturtitel.

Schriften, Tagebücher, Prosa und bildkünstlerisches Werk

Winged Chariot Autobiographischer Essay beziehungsweise Erinnerungsprosa; wichtige Quelle zu Alwyns Selbstverständnis.
Early Closing Autobiographischer Text über Kindheit und frühe Jahre; im Cambridge-Archiv als Typoskript beziehungsweise Manuskriptmaterial überliefert.
Ariel to Miranda Tagebuch beziehungsweise Kompositionsjournal zur Arbeit an der dritten Symphonie; dokumentiert Alwyns Tagesroutine, Film- und Konzertarbeit.
Gedichte und Prosa Literarische Arbeiten, die Alwyns Selbstverständnis als umfassender Künstler belegen.
Malerei und Zeichnungen Bildkünstlerisches Werk; wichtig für Alwyns visuelle Imagination und seine künstlerische Mehrfachbegabung.

Archive, Quellenorte und moderne Erschließung

William Alwyn Archive, Cambridge University Library Zentraler Nachlass mit musikalischen und literarischen Manuskripten, Korrespondenzen, Tagebüchern, Pressedokumenten, Fotos, Tonträgern, Videos und DVDs; zugleich wichtiger Bestand zu Olive Pull und Doreen Carwithen.
William Alwyn Foundation Stiftung zur Pflege, Verbreitung und Publikation von Alwyns Werk; wichtig für biographische Informationen, Werklisten, Publikationen und Aufnahmen.
Faber Music Aktueller Verlag beziehungsweise Rechte- und Werkvertreter mit umfangreicher Werkdatenbank und Aufführungsmaterialien.
British Music Collection Digitale Komponisten- und Werkdatenbank mit biographischem Kurzprofil und Werkübersicht.
Chandos Label mit umfangreichen Einspielungen von Alwyns Film- und Konzertmusik, darunter mehrere Filmmusik-Bände.
Naxos Digitale Diskographie und Werkübersicht mit Schwerpunkt auf Orchester- und Filmmusik.
Lyrita Historisch besonders wichtig für Einspielungen britischer Musik und Alwyns Konzertwerke, teils mit dem Komponisten selbst als Dirigent.

Sekundärliteratur

  • Alwyn, William: Winged Chariot. Southwold: Southwold Press, 1983; spätere Ausgabe der William Alwyn Foundation. Autobiographischer Schlüsseltext zum Selbstverständnis des Komponisten.
  • Alwyn, William: Ariel to Miranda. Tagebuch zur Arbeit an der dritten Symphonie, zugleich Quelle zu Alltagsrhythmus, Filmarbeit und Konzertkomposition.
  • Cooke, Mervyn: Studien zur britischen Filmmusik. Wichtiger Kontext für Alwyns Stellung zwischen Dokumentarfilmbewegung, Spielfilm und Konzertmusik.
  • Huntley, Ian: Beiträge zur britischen Filmmusik und zu Alwyns Medienkompositionen. Für die filmhistorische Bewertung von Alwyns Partituren relevant.
  • Jones, Margaret: Aufsätze zum William Alwyn Archive. Wichtige Einführung in Inhalt, Struktur und kulturgeschichtliche Bedeutung des Cambridge-Nachlasses.
  • Knowles, Andrew Palmer: William Alwyn: A Research and Information Guide. Grundlegendes Forschungsinstrument mit Werk-, Quellen-, Diskographie- und Literaturhinweisen.
  • Knowles, Andrew Palmer: William-Alwyn-Werklisten und Diskographien der William Alwyn Foundation. Für aktuelle Werk- und Aufnahmeübersichten besonders wichtig.
  • Layton, Robert: Beiträge zu britischer Musik des 20. Jahrhunderts. Kontextualisiert Alwyn im Umfeld britischer Symphonik und Nachkriegsmusik.
  • McVeagh, Diana: Studien zu britischer Musik, Lied und Orchestertradition. Hilfreich für die Einordnung Alwyns in die britische Konzertmusik des 20. Jahrhunderts.
  • Palmer, Christopher: Texte zu britischer Filmmusik und Konzertmusik. Für das Verständnis der Verbindung von Kino, Orchester und britischer Tonsprache relevant.
  • Rees, Brian: Schriften und Artikel über William Alwyn und britische Musik des 20. Jahrhunderts. Nützlich für biographische und ästhetische Einordnung.
  • Wright, David C. F.: Beiträge zu britischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Kontextliteratur zu Alwyns symphonischem und kammermusikalischem Werk.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • William Alwyn Archive Cambridge Zentraler Nachlassbestand zu Alwyn, Doreen Carwithen und Olive Pull in der Cambridge University Library.
  • John Barbirolli Dirigent und wichtiger Förderer von Alwyns Symphonien.
  • Blythburgh Suffolker Wohn- und Arbeitsort Alwyns im Spätwerk.
  • Britische Filmmusik Kulturgeschichtlicher Rahmen von Alwyns rund zweihundert Filmkompositionen.
  • Britische Musik des 20. Jahrhunderts Übergreifender Kontext von Alwyns Konzert-, Film- und Bühnenmusik.
  • Doreen Carwithen Komponistin, Schülerin, spätere Ehefrau Alwyns und zentrale Bewahrerin seines Nachlasses.
  • Chandos Label, das Alwyns Film- und Konzertmusik in wichtigen modernen Einspielungen zugänglich machte.
  • Composers’ Guild of Great Britain Berufsorganisation, an deren Gründung und Leitung Alwyn maßgeblich beteiligt war.
  • Concerto grosso Historische Konzertform, die Alwyn in drei modernen Concerti grossi aufgriff.
  • Dokumentarfilm Filmgattung, in der Alwyn seine Medienkomposition begann und wesentlich professionalisierte.
  • Filmmusik Zentraler Werkbereich Alwyns zwischen Dokumentarfilm, Kriegsfilm, Literaturverfilmung und Abenteuerfilm.
  • Juan or The Libertine Vieraktige Oper Alwyns auf eigenes Libretto und wichtiges Spätwerk.
  • Lyra Angelica Harfenkonzert Alwyns und eines seiner bekanntesten lyrischen Konzertwerke.
  • Miss Julie Zweiaktige Oper Alwyns nach August Strindberg, entstanden 1973–1976.
  • Muir Mathieson Britischer Film-Musikorganisator und wichtiger Kontext für Alwyns Arbeit im Studio- und Filmsystem.
  • Northampton Geburtsstadt William Alwyns.
  • Odd Man Out Zentrale Filmpartitur Alwyns zu Carol Reeds Film von 1946.
  • Olive Pull Pianistin, Sängerin, Komponistin und erste Ehefrau Alwyns, deren Manuskripte im Alwyn-Archiv überliefert sind.
  • Royal Academy of Music Ausbildungs- und Lehrinstitution Alwyns in London.
  • Sinfonietta Kleinere symphonische Form, die Alwyn 1970 für Streichorchester gestaltete.
  • Southwold Sterbeort Alwyns und Ort seines späten kulturellen Umfelds in Suffolk.
  • August Strindberg Dramatiker, dessen Fräulein Julie die Vorlage für Alwyns Oper Miss Julie lieferte.
  • Symphonie Großform, in der Alwyn mit fünf Werken einen zentralen Beitrag zur britischen Nachkriegssymphonik leistete.
  • The Crimson Pirate Bekannte Abenteuerfilm-Partitur Alwyns von 1952.
  • The Fallen Idol Wichtige Filmmusik Alwyns zu Carol Reeds Film von 1948.
  • The Winslow Boy Filmmusik Alwyns zu einer bekannten britischen Literaturverfilmung von 1948.
  • Winged Chariot Autobiographischer Text Alwyns und wichtige Quelle zu seinem künstlerischen Selbstverständnis.