Alta
Überblick
Alta, auch Bläser-Alta, alta capella oder alta musica, bezeichnet in der modernen Musikwissenschaft eine laute Bläserkapelle des 15. Jahrhunderts. Der Begriff wurde von Heinrich Besseler 1949 eingeführt beziehungsweise terminologisch stabilisiert und auf jene Ensembles bezogen, die vor allem aus Schalmei, Pommer beziehungsweise Bombarde und Blechblasinstrumenten bestanden. Im engeren Sinn meint die Alta die Bläserkapelle des 15. Jahrhunderts; im weiteren Sinn kann der Begriff auch für vergleichbare laute Bläserbesetzungen des 14. und 16. Jahrhunderts verwendet werden.
Der Kern der Alta liegt in der Verbindung von lauten Doppelrohrblattinstrumenten mit metallenen Blasinstrumenten. Die Ensembleform steht damit zwischen höfischer Repräsentation, städtischer Funktionsmusik, Tanzmusik, Festkultur, Prozession, Turnier, Turmmusik und gelegentlicher kirchlicher Verwendung. Sie war kein Konzertensemble im modernen Sinn, sondern ein funktional eingesetzter Klangkörper, dessen kräftige, tragfähige Klangwirkung besonders für offene Räume, große Säle, höfische Höfe, Stadttore, Plätze, Emporen und zeremonielle Situationen geeignet war.
Kulturgeschichtlich ist die Alta deshalb bedeutsam, weil sie eine frühe professionelle Bläserpraxis sichtbar macht. Sie verbindet die mittelalterliche Unterscheidung zwischen lauter und leiser Musik mit der Entstehung städtischer und höfischer Musikerämter. In ihr begegnen Stadtpfeifer, Hofmusiker, Trompeter, Schalmeier, Posaunisten, Zinken- und Pommerbläser als Träger einer Klangkultur, die vor der modernen Orchesterbildung liegt und doch schon mehrstimmige, repräsentative und sozial hoch wirksame Musik hervorbringt.
Kurzdaten
| Lemma | Alta. |
|---|---|
| Weitere Bezeichnungen | Bläser-Alta, alta capella, Alta capella, alta musica, Alta musica, haute musique, instruments hauts. |
| Begriffstyp | Musikhistorischer Sachbegriff für eine laute Bläserkapelle des Spätmittelalters und der Renaissance. |
| Zeitlicher Schwerpunkt | Vor allem 15. Jahrhundert; im weiteren Sinn auch vergleichbare Ensembles des 14. und 16. Jahrhunderts. |
| Besetzungskern | Schalmei, Pommer beziehungsweise Bombarde und Blechblasinstrumente, besonders Zugtrompete, Posaune oder verwandte frühe Zug- und Trompeteninstrumente. |
| Klangcharakter | Laut, hell, tragfähig, obertonreich, für Außenräume, große Säle, Emporen, höfische und städtische Repräsentation geeignet. |
| Gegenbegriff | Bassa, basse musique, instruments bas, also leisere Instrumente wie Lauten, Harfen, Fidel, Blockflöten oder andere kammermusikalisch geeignete Besetzungen. |
| Wichtige Kontexte | Hofmusik, Stadtmusik, Tanzmusik, Turmmusik, Prozession, Turnier, Mummenschanz, Festmusik, Bankett, zeremonielle Musik und gelegentliche Kirchenmusik. |
| Forschungsgeschichte | Der moderne Terminus wurde durch Heinrich Besseler 1949 in die musikwissenschaftliche Diskussion eingeführt und später durch Forschungen zu Tinctoris, Stadtpfeifern, Zugtrompete, Posaune und Ensembleikonographie differenziert. |
| Dateiname | alta.shtml |
Begriff, Wortfeld und Terminologie
Das Wort alta gehört zu einem europäischen Begriffsfeld, in dem Höhe, Helligkeit, Lautstärke und öffentliche Klangwirkung zusammenfallen. Die italienische Wendung alta musica, das französische haute musique und der Ausdruck instruments hauts bezeichnen keine abstrakte Tonhöhe allein, sondern eine Klangqualität: gemeint sind Instrumente, die hell, durchdringend, laut und tragfähig sind. Ihnen stehen die instruments bas gegenüber, also leisere Instrumente für Innenräume, Kammern, kleinere Gesellschaften und intimere Aufführungsformen.
In der modernen deutschen Forschung hat sich neben Alta besonders Bläser-Alta eingebürgert, weil der Begriff präzisiert, dass es um ein Bläserensemble geht. Die lateinisch-italienische Form alta capella ist ebenfalls gebräuchlich. Sie darf jedoch nicht anachronistisch als Name einer fest institutionalisierten Kapelle im modernen Sinn verstanden werden. Gemeint ist eher ein Ensembletyp, der an Höfen und in Städten in verwandten Funktionen und Besetzungen auftritt.
Der Musiktheoretiker Johannes Tinctoris beschreibt im späten 15. Jahrhundert eine Praxis, in der Schalmeien unterschiedlicher Lage mit einem metallenen Zug- beziehungsweise Trompeteninstrument zusammenwirken. Diese Beschreibung wurde für die spätere Forschung zentral, weil sie nicht nur eine Besetzung, sondern eine mehrstimmige Funktion beschreibt: hohe Stimmen werden durch kleinere Schalmeien, mittlere oder tiefere Stimmen durch größere Schalmeien beziehungsweise Bombarden und kontratenorale Partien durch ein Blechblasinstrument übernommen.
Ausführlicher Kulturüberblick
Die Alta gehört in die Kultur des europäischen Spätmittelalters und der frühen Renaissance. In dieser Zeit entwickelten sich Städte, Höfe und kirchliche Institutionen zu Trägern repräsentativer Klangordnungen. Musik war nicht nur Kunst, sondern Zeichen von Macht, Rang, Ordnung, Festlichkeit und öffentlicher Präsenz. Gerade laute Bläserensembles eigneten sich dafür besonders gut, weil ihr Klang über Plätze, Höfe, Straßen und große Räume hinweg wahrnehmbar blieb.
Im höfischen Bereich begleitete die Alta Tänze, Bankette, Empfänge, Turniere, Maskenspiele, Prozessionen und festliche Einzüge. Sie konnte Herrschaft hörbar machen, Gäste empfangen, Zeremonien markieren oder Tanzordnungen gliedern. Ihre Musik war dabei nicht notwendig schriftlich fixiert. Viele Stücke beruhten auf geläufigen Tanzmodellen, auf improvisatorischer Praxis, auf mehrstimmiger Bearbeitung bekannter Melodien oder auf mündlich weitergegebenen Spielweisen.
Im städtischen Bereich ist die Alta eng mit den Stadtpfeifern verbunden. Stadtpfeifer waren professionelle Musiker, die in städtischen Diensten standen und bei Ratszeremonien, Hochzeiten, Festen, Prozessionen, Wachdiensten, Turmmusik und anderen öffentlichen Anlässen spielten. Der Klang der lauten Bläser wurde dadurch zu einem Medium urbaner Ordnung. Er strukturierte Zeit, markierte Anwesenheit von Autorität und verband Musik mit öffentlicher Verwaltung, Sicherheit und Festkultur.
Die Alta steht zugleich in der Geschichte der Instrumentenentwicklung. Die Schalmei und ihre größeren Formen, besonders Pommer und Bombarde, bilden die Doppelrohrblattseite des Ensembles. Auf der Blechbläserseite stehen Trompete, Zugtrompete, frühe Posaune und verwandte Instrumente. Die Entwicklung eines zugfähigen Blechblasinstruments war besonders wichtig, weil ein solches Instrument nicht nur Fanfaren und Naturtöne hervorbringen konnte, sondern auch an mehrstimmiger, diatonisch beweglicher Musik teilnehmen konnte. Damit wurde die Alta zu einem entscheidenden Feld der frühen professionellen Bläserpolyphonie.
Die Unterscheidung von lauter und leiser Musik ist für das Verständnis der spätmittelalterlichen Musikkultur grundlegend. Leise Instrumente wie Laute, Harfe, Fidel, Psalterium, Blockflöte oder kleinere Flöten eigneten sich für höfische Kammern, kleinere Räume und feinere Binnenkommunikation. Die lauten Instrumente der Alta dagegen waren auf Außenwirkung, Signalcharakter und kollektive Sichtbarkeit ausgerichtet. Diese Unterscheidung ist keine einfache Wertung, sondern beschreibt soziale Räume der Musik.
In kirchlichen Zusammenhängen konnte die Alta ebenfalls auftreten, besonders bei Prozessionen, feierlichen Anlässen, hohen Festen oder in Verbindung mit repräsentativer Mehrchörigkeit und vokal-instrumentaler Praxis. Dennoch ist ihr primärer kulturgeschichtlicher Ort nicht die stille Andacht, sondern die öffentlich sichtbare und hörbare Festordnung. Die Alta steht daher an der Grenze zwischen Kunstmusik, Gebrauchsmusik, Zeremoniell, Stadtklang und höfischer Repräsentation.
Besetzung, Klang und Instrumente
Die typische Alta beruht auf einer gestuften Bläserbesetzung. Eine oder mehrere Schalmeien übernehmen obere Stimmen. Größere Doppelrohrblattinstrumente, die als Pommer, Bombarde oder Tenorschalmei bezeichnet werden können, tragen mittlere und tiefere Lagen. Ein Blechblasinstrument, häufig als Zugtrompete, Posaune oder sackbutähnliches Instrument beschrieben, übernimmt kontratenorale, stützende oder farblich kontrastierende Aufgaben. Die konkrete Besetzung war nicht überall gleich, sondern hing von Ort, Zeit, Personal, Instrumentenbestand und Aufführungsanlass ab.
Die Schalmei war wegen ihres durchdringenden Doppelrohrblattklangs das zentrale Oberstimmeninstrument der Alta. Ihr Klang war kräftig, obertonreich und im Freien gut tragfähig. Größere Schalmeien und Pommern erweiterten diese Klangwelt nach unten. Sie ermöglichten mehrstimmige Sätze, in denen nicht nur eine Melodie über einem Bordun erklang, sondern mehrere Stimmen funktional verteilt werden konnten.
Die Blechblasinstrumente sind quellenkritisch besonders anspruchsvoll. In der Forschung wurde intensiv diskutiert, ob das im 15. Jahrhundert verwendete Zug- beziehungsweise Trompeteninstrument als Zugtrompete, frühe Posaune oder anders geartetes Instrument zu verstehen ist. Für den kulturlexikalischen Überblick genügt die Feststellung, dass die Alta ein metallisches Blasinstrument benötigte, das mehr konnte als reine Signalfanfaren. Es sollte in der Lage sein, eine mehrstimmige Satzfunktion zu übernehmen und sich mit den Schalmeien zu einer tragfähigen Gesamtsonorität zu verbinden.
Neben diesem Kern konnten weitere Instrumente hinzutreten. Trommeln, Becken, Sackpfeifen, Hörner und Businen sind in verwandten lauten Kontexten belegt oder ikonographisch naheliegend. Dennoch sollte der Begriff Alta nicht zu weit entgrenzt werden. Sein präziser musikhistorischer Wert liegt gerade darin, die professionelle Kombination von Doppelrohrblattinstrumenten und Blechbläsern als charakteristische laute Bläserkapelle zu fassen.
Funktionen und Aufführungsorte
Die Alta war eine Musik des öffentlichen Auftretens. Sie konnte von Emporen, Galerien, Türmen, Stadtmauern, Rathäusern, Hofhöfen, Kirchplätzen oder Festorten aus erklingen. Ihre Aufstellung war nicht nebensächlich, denn der Klang musste Räume füllen, Bewegungen begleiten und soziale Aufmerksamkeit lenken. In vielen Fällen war die Alta auch sichtbar: Musiker auf einer Galerie, bei einem Einzug oder bei einem Turnier waren Teil der szenischen Ordnung.
Im Tanz war die Alta von besonderer Bedeutung. Lautstarke Bläser konnten Schritte, Figuren und Raumbewegungen tragen. Sie eigneten sich für höfische Tänze, für städtische Festtänze und für repräsentative Bewegungsformen, bei denen Musik, Körper, Rangordnung und Publikum zusammenwirkten. Die Alta war damit nicht bloß Begleitung, sondern ein rhythmisch und sozial organisierendes Medium.
Bei Zeremonien konnte die Alta Fanfaren, mehrstimmige Bläsersätze und festliche Einwürfe liefern. Sie markierte Beginn und Ende, Auftritt und Abgang, Rang und Übergang. Das macht sie für die Kulturgeschichte der höfischen und städtischen Repräsentation wichtig. Musik fungiert hier als öffentliches Zeichen, nicht nur als ästhetischer Gegenstand.
Auch die Turmmusik gehört in diesen Funktionszusammenhang. Von Türmen aus gespielte Bläsermusik konnte Wachen, Stunden, Gefahr, Festzeiten oder städtische Ordnung anzeigen. Zwar ist nicht jede Turmmusik automatisch Alta, doch die Nähe zwischen lauter Bläserpraxis, Stadtpfeifern und öffentlicher Signalfunktion ist deutlich. Die Alta steht damit auch am Beginn jener Entwicklung, aus der später städtische Bläserkorps, Ratsmusik, Stadtmusikantenwesen und kommunale Musikpflege hervorgingen.
Repertoire, Werkgruppen und Überlieferung
Ein geschlossenes Werkverzeichnis der Alta kann es nicht geben, weil die Alta kein einzelner Komponist und kein festes Ensemble mit eindeutigem Katalog ist. Sinnvoll ist deshalb ein Repertoire- und Quellenverzeichnis. Die erhaltene oder erschließbare Musik verteilt sich auf Tanzsätze, mehrstimmige Instrumentalbearbeitungen, vokal abgeleitete Sätze, zeremonielle Stücke, improvisierte Formen und ikonographisch oder archivalisch nachweisbare Aufführungssituationen.
Viele für Alta geeignete Stücke sind nicht ausdrücklich mit „Alta“ überschrieben. Die Forschung muss daher aus Besetzung, Tonumfang, Stimmfunktion, Quellenkontext, ikonographischen Zeugnissen und archivalischen Hinweisen erschließen, ob ein Stück für ein lautes Bläserensemble geeignet war. Das gilt besonders für das 15. Jahrhundert, in dem instrumentale Musik oft nicht mit der späteren Präzision von Besetzungsangaben überliefert ist.
Zu den wichtigsten Repertoirefeldern gehören Tänze und höfische Gebrauchssätze. Daneben stehen polyphone Bearbeitungen, in denen ein bekanntes Lied, eine Chanson oder ein cantus-firmusartiger Stoff instrumental realisiert werden konnte. Die Alta konnte einfache funktionale Musik spielen, aber auch komplexe mehrstimmige Sätze bewältigen. Gerade diese Spannweite zwischen Gebrauch und Kunst macht sie kulturgeschichtlich interessant.
Ikonographie und Quellenprobleme
Die Alta ist nicht nur durch Texte und Rechnungen, sondern auch durch Bilder überliefert. Miniaturen, Tafelbilder, Wandmalereien, Festdarstellungen und Buchillustrationen zeigen Bläsergruppen mit Schalmeien, Bombarden, Trompeten oder posaunenartigen Instrumenten. Solche Bilder sind wichtige Quellen, aber sie müssen vorsichtig gelesen werden. Nicht jedes gemalte Instrument ist organologisch eindeutig, und nicht jede Szene bildet eine reale Aufführung exakt ab.
Gleichzeitig sind ikonographische Quellen für das 15. Jahrhundert besonders wertvoll, weil sie Aufstellung, Körperhaltung, Instrumentengröße und soziale Situation zeigen können. Sie machen deutlich, dass laute Bläserensembles bei Banketten, Prozessionen, Tanzszenen, höfischen Festen und städtischen Ereignissen präsent waren. Die Forschung verbindet deshalb Bildquellen mit archivalischen Zahlungen, literarischen Beschreibungen und musiktheoretischen Texten.
Ein besonderes Problem betrifft die frühe Zugtrompete beziehungsweise frühe Posaune. Die Frage, ob ein dargestelltes Instrument eine Naturtrompete, eine Zugtrompete oder eine frühe Posaune ist, wurde intensiv diskutiert. Für die Alta ist diese Frage zentral, weil sie die Fähigkeit des Blechblasinstruments betrifft, nicht nur Signale, sondern bewegliche kontrapunktische Stimmen auszuführen. Die heutige Forschung geht differenziert vor und kombiniert ikonographische, archivalische, theoretische und musikalische Indizien.
Nachwirkung und historisierende Aufführungspraxis
Die Alta hat in der heutigen historischen Aufführungspraxis eine neue Sichtbarkeit gewonnen. Ensembles, die sich auf Musik des Mittelalters und der Renaissance spezialisieren, rekonstruieren laute Bläserbesetzungen mit Schalmei, Pommer, Zugtrompete, Posaune, Dulzian, Zink und Schlagwerk. Dabei geht es nicht um bloße museale Nachahmung, sondern um die Wiedergewinnung einer Klangwelt, die in der modernen Konzertkultur lange unterrepräsentiert war.
Moderne Alta-Ensembles zeigen, wie stark mittelalterliche und frühneuzeitliche Musik von Raum, Lautstärke und sozialer Funktion abhängen. Eine Schalmei klingt in einem kleinen Salon anders als auf einem Platz oder von einer Empore. Die Rekonstruktion der Alta macht deshalb deutlich, dass historische Musik nicht allein aus Notentexten besteht, sondern aus Instrumenten, Körpern, Räumen, Lautstärken, Gesten und gesellschaftlichen Situationen.
Für die Kulturgeschichte ist die Alta ein Schlüsselbegriff, weil er die Verbindung von Musik, Öffentlichkeit und Institution sichtbar macht. Sie führt von höfischer Tanzmusik zur Stadtpfeiferordnung, von der Schalmei zur Oboe, von der Zugtrompete zur Posaune, von improvisierter Gebrauchsmusik zu notierter Mehrstimmigkeit und von der spätmittelalterlichen Festkultur zur frühneuzeitlichen kommunalen Bläsertradition.
Werk- und Quellenverzeichnis
Da die Alta kein Personenlemma ist, gibt es kein Werkverzeichnis im Sinn eines Komponistenkatalogs. Das folgende Verzeichnis fasst stattdessen die wichtigsten Werkgruppen, Quellenarten und Repertoirefelder zusammen, die für die Alta beziehungsweise alta capella einschlägig sind.
Repertoire- und Werkgruppen
| Tanzsätze | Höfische und städtische Tanzmusik des 15. und frühen 16. Jahrhunderts; besonders geeignet für laute Bläser, wenn Rhythmus, Klangprojektion und öffentliche Bewegung im Vordergrund stehen. |
|---|---|
| Basses danses und verwandte Tanzformen | Repertoirebereich, in dem höfische Tanzpraxis, Bläsermusik und mehrstimmige Ausführung zusammentreffen können. |
| Chanson- und Liedbearbeitungen | Mehrstimmige Sätze, deren Melodiematerial vokal überliefert sein kann, aber instrumental durch laute Bläser realisiert wurde oder realisierbar war. |
| Fanfaren und zeremonielle Einwürfe | Kürzere, signalhafte oder repräsentative Stücke für festliche Anlässe, Einzüge, Turniere, Bankette und höfische Auftritte. |
| Mehrstimmige Bläsersätze | Instrumentalpolyphone Sätze, in denen Schalmeien und Blechblasinstrumente unterschiedliche Stimmfunktionen übernehmen. |
| Prozessionsmusik | Musik für bewegte öffentliche oder kirchliche Situationen, in denen tragfähige Bläserklänge funktional notwendig waren. |
| Turmmusik und Stadtmusik | Öffentliche Bläserpraxis der Stadtpfeifer, die mit Signalfunktion, Ratszeremoniell, Festordnung und Zeitmarkierung verbunden ist. |
| Kirchliche Festmusik | Gelegentliche Verwendung lauter Bläser in kirchlichen Hochfesten, Prozessionen oder repräsentativen Aufführungssituationen. |
Quellenarten
| Musiktheoretische Texte | Besonders wichtig sind Texte des 15. Jahrhunderts, die Instrumente, Stimmfunktionen und Ensemblepraxis beschreiben, darunter die einschlägigen Hinweise bei Johannes Tinctoris. |
|---|---|
| Städtische Rechnungen | Zahlungs- und Anstellungsnachweise für Stadtpfeifer, Schalmeier, Trompeter und andere Bläser, aus denen sich Besetzungen und Funktionszusammenhänge erschließen lassen. |
| Höfische Rechnungen | Nachweise über Musiker, Instrumente, Reisen, Feste und Zahlungen an Bläsergruppen in fürstlichen und burgundisch geprägten Hofmilieus. |
| Ikonographie | Bildquellen mit Darstellungen von Schalmeien, Bombarden, Trompeten, Zugtrompeten, Posaunen und Ensembleaufstellungen. |
| Handschriftliche Musikquellen | Mehrstimmige Sätze, Tanzsammlungen und vokal-instrumental nutzbare Quellen, die für Alta-Besetzungen eingerichtet oder erschlossen werden können. |
| Instrumentenkundliche Quellen | Erhaltene Instrumente, Rekonstruktionen, Traktate und organologische Untersuchungen zu Schalmei, Pommer, Zugtrompete und Posaune. |
| Moderne Rekonstruktionen | Aufführungsmaterialien und Einspielungen historischer Ensembles, die auf quellenkritischer Rekonstruktion der Alta-Praxis beruhen. |
Begriffsgeschichtliche Stationen
| Spätmittelalterliche Praxis | Laute Bläsergruppen treten in Höfen und Städten auf, ohne dass immer ein einheitlicher moderner Terminus verwendet wird. |
|---|---|
| Johannes Tinctoris | Spätmittelalterlicher Musiktheoretiker, dessen Beschreibung der Zusammenarbeit von Schalmeien und Blechblasinstrumenten für die Forschung besonders wichtig ist. |
| Heinrich Besseler | Musikwissenschaftler, der den Begriff Alta beziehungsweise Bläser-Alta 1949 als modernen Terminus für die Bläserkapelle des 15. Jahrhunderts einführte. |
| Forschung zur Zugtrompete | Diskussion um die Rolle von Zugtrompete, früher Posaune und sackbutähnlichen Instrumenten in der Alta des 15. Jahrhunderts. |
| Historische Aufführungspraxis | Seit dem 20. Jahrhundert erneutes praktisches Interesse an der Klangwelt der Alta durch rekonstruierte Instrumente und spezialisierte Ensembles. |
Sekundärliteratur
- Besseler, Heinrich: Bourdon und Fauxbourdon. Studien zum Ursprung der niederländischen Musik. Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1950. Grundlegende Studie, in deren Umfeld Besseler die Bezeichnung Alta beziehungsweise Bläser-Alta für die laute Bläserkapelle des 15. Jahrhunderts terminologisch prägte.
- Dickey, Bruce, und Stewart Carter, Hrsg.: The Trombone in the Renaissance. A History in Pictures and Documents. Hillsdale: Pendragon Press, 2012. Quellen- und Bildmaterial zur frühen Posaune und zu ihrer Rolle in Bläserensembles der Renaissance.
- Downey, Peter: „The Renaissance Slide Trumpet: Fact or Fiction?“, in: Early Music 12, 1984. Kritischer Beitrag zur Frage der frühen Zugtrompete und damit zu einem zentralen Instrument der Alta-Forschung.
- Duffin, Ross W.: „The Trompette des Menestrels in the 15th-Century Alta Capella“, in: Early Music 17, 1989, S. 397–402. Spezialstudie zur Rolle der Minstrel-Trompete in der alta capella des 15. Jahrhunderts.
- Heartz, Daniel: „Hoftanz and Basse Dance“, in: Journal of the American Musicological Society 19, 1966. Wichtige Studie zum höfischen Tanz und zu Repertoirezusammenhängen, die auch für Alta-Praxis relevant sind.
- Klaus, Sabine Katharina: Trumpets and Other High Brass. Vermillion: National Music Museum, 2012–2013. Organologische Darstellung hoher Blechblasinstrumente mit Bedeutung für Zugtrompete, Posaune und Alta-Besetzung.
- Myers, Herbert W.: „Slide Trumpet Madness: Fact or Fiction?“, in: Early Music 17, 1989, S. 383–389. Einflussreicher Beitrag zur Diskussion um die Existenz und Funktion früher Zugtrompeten.
- Polk, Keith: German Instrumental Music of the Late Middle Ages. Players, Patrons and Performance Practice. Cambridge: Cambridge University Press, 1992. Grundlegende Studie zur instrumentalen Praxis, zu Bläsern, Stadtpfeifern und höfisch-städtischen Aufführungskontexten.
- Polk, Keith: „The Trombone, the Slide Trumpet and the Ensemble Tradition of the Early Renaissance“, in: Early Music 17, 1989, S. 389–397. Zentrale Untersuchung zur Rolle von Posaune und Zugtrompete in frühen Renaissance-Ensembles.
- Polk, Keith: „Trumpets, Shawms, and the Early Slide Instruments, ca. 1350–1470“, in: Historic Brass Society Journal 30, 2018. Neuere Darstellung zur Entwicklung von Trompeten, Schalmeien und frühen Zugmechanismen im Ensemblezusammenhang.
- Salmen, Walter: Der fahrende Musiker im europäischen Mittelalter. Kassel: Bärenreiter, 1960. Kulturgeschichtlicher Hintergrund zu Spielleuten, fahrenden Musikern und professioneller Musikerpraxis.
- Salmen, Walter: Tanz und Tanzen vom Mittelalter bis zur Renaissance. Hildesheim: Olms, 1999. Darstellung der Tanzkultur, in der laute Bläserensembles eine wichtige Funktion hatten.
- Tinctoris, Johannes: musiktheoretische Schriften des späten 15. Jahrhunderts. Primärer Bezugspunkt für die zeitgenössische Beschreibung von Schalmei-, Bombarden- und Blechbläserpraxis.
- Tröster, Patrick: Das Alta-Ensemble. Studien zur Ikonographie, Aufführungspraxis und Instrumentenkunde spätmittelalterlicher Bläserensembles. Spezialstudie zur Bildüberlieferung und Besetzungsgeschichte der Alta.
Ausgewählte Onlinequellen
- Alta Musica: Ensemble Praxisbezogene Ensemble-Seite mit historischer Erläuterung zur alta capella als lauter Musik des Mittelalters und der Renaissance.
- Alta musica – Wikipedia Kurzer Überblick zu Begriff, Besetzung, Gegensatz von lauten und leisen Instrumenten sowie zu Heinrich Besseler.
- Alta cappella – Wikipedia Englischsprachiger Überblick zur alta cappella als lauter Bläsergruppe mit Schalmeien und Zugtrompeten beziehungsweise Sackbuts.
- Britannica: Shawm Allgemeine organologische Einführung zur Schalmei als wichtigem Doppelrohrblattinstrument der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bläsermusik.
- Les haulz et les bas: Alta Capella Einführende Darstellung zur alta capella als lauter Ensemblepraxis von Fanfaren über Tanzmusik bis zu komplexer Polyphonie.
- MGG Online: Alta Fachlexikalischer Artikel zur Bläser-Alta, alta capella und Begriffseinführung durch Heinrich Besseler.
- Polk, Keith: Trumpets, Shawms, and the Early Slide Instruments, ca. 1350–1470 Fachaufsatz zur Entwicklung von Schalmei-, Trompeten- und frühen Zugbläserensembles zwischen 1350 und 1470.
- Ross W. Duffin: The Trompette des Menestrels in the 15th-Century Alta Capella JSTOR-Nachweis eines grundlegenden Aufsatzes zur Minstrel-Trompete in der Alta des 15. Jahrhunderts.
- Journal of Seventeenth-Century Music: Kurtzman / Koldau Fachbeitrag mit zusammenfassenden Hinweisen zur Entwicklung von Schalmeien, Bombarden und Zugtrompeten im Ensemblezusammenhang.
- Wind Music and Scholarship: IGEB and WASBE Präsentationsdokument mit knapper Einordnung von Alta capella, Stadtpfeifern, Turmmusik und Alta musica in die Geschichte der Blasmusik.
Weiterführende Einträge
- Bankettmusik Musik bei höfischen und städtischen Mahlzeiten, bei denen laute Bläser von Galerien oder Emporen aus auftreten konnten.
- Basse musique Gegenbegriff zur lauten Alta; bezeichnet leisere Instrumente und kammermusikalische Aufführungssituationen.
- Heinrich Besseler Musikwissenschaftler, der den Begriff Alta beziehungsweise Bläser-Alta in der modernen Forschung prägte.
- Blechblasinstrument Instrumentengruppe, die in der Alta durch Trompete, Zugtrompete, Posaune oder verwandte frühe Instrumente vertreten ist.
- Bombarde Größeres Doppelrohrblattinstrument, das im Alta-Zusammenhang mittlere oder tiefere Stimmen tragen konnte.
- Busine Mittelalterliche Langtrompete beziehungsweise Signalform, die in lauten Bläserkontexten begegnet.
- Doppelrohrblattinstrument Instrumentenfamilie, zu der Schalmei, Pommer und Bombarde gehören.
- Fanfare Signalhafte Bläsermusik, die mit Zeremoniell, Hof, Stadt und repräsentativer Klangwirkung verbunden ist.
- Festmusik Musik für öffentliche und höfische Feiern, bei denen die Alta eine zentrale Funktion übernehmen konnte.
- Historische Aufführungspraxis Moderne Rekonstruktion historischer Spielweisen, Instrumente, Klangräume und Besetzungen.
- Hofmusik Musik an Fürstenhöfen, in deren repräsentativer Festkultur laute Bläserensembles eine wichtige Rolle spielten.
- Instrumente hoch und niedrig Historische Unterscheidung zwischen lauten und leisen Instrumenten, die für Alta und Bassa grundlegend ist.
- Instrumentalmusik Musik ohne Gesangsstimme, deren spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Entwicklung durch die Alta wesentlich mitgeprägt wurde.
- Ikonographie Bildquellenforschung, die für die Rekonstruktion von Alta-Besetzung, Haltung und Aufführungsort unverzichtbar ist.
- Spielleute Professionelle oder fahrende Musiker, deren Praxis teilweise mit lauten Bläsertraditionen verbunden ist.
- Mummenschanz Masken- und Festspielkultur, in der laute Bläsermusik repräsentative und bewegungsbegleitende Aufgaben übernehmen konnte.
- Pommer Tiefere Form der Schalmei beziehungsweise Bombarde, die in der Alta wichtige Mittel- und Unterstimmen tragen konnte.
- Posaune Zugfähiges Blechblasinstrument, das in der Renaissance eng mit Stadtpfeifern und lauten Bläserensembles verbunden ist.
- Prozessionsmusik Musik für bewegte öffentliche und kirchliche Abläufe, bei denen tragfähige Bläserklänge besonders geeignet waren.
- Renaissance-Musik Musikgeschichtlicher Zusammenhang, in dem die Alta ihre wichtigste Blüte und spätere Umformung erfährt.
- Schalmei Durchdringendes Doppelrohrblattinstrument und zentrales Oberstimmeninstrument der Alta.
- Stadtmusik Kommunale Musikpflege, die Stadtpfeifer, Turmmusik, Ratszeremoniell und öffentliche Festmusik umfasst.
- Stadtpfeifer Städtisch angestellte Berufsmusiker, deren Bläserpraxis eng mit der Alta-Tradition verbunden ist.
- Tanzmusik Zentrales Funktionsfeld der Alta bei höfischen und städtischen Festen.
- Johannes Tinctoris Musiktheoretiker des 15. Jahrhunderts, dessen Beschreibung der Bläserpraxis für die Alta-Forschung wichtig ist.
- Trompete Blechblasinstrument, dessen Entwicklung von der Naturtrompete zur zugfähigen Form für die Alta wichtig ist.
- Turmmusik Öffentliche Bläsermusik von Türmen, die in der Stadtmusik des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit eine wichtige Funktion hatte.
- Zugtrompete Frühes zugfähiges Blechblasinstrument, dessen Rolle in der Alta des 15. Jahrhunderts intensiv erforscht wurde.