Giovanni Battista Aloisi

Auch Alovisi, Aloysi, Alvigi, Alouisi, Aluisi und Ioannes Baptista Aloysius; * um 1600 in Bologna, † nach 1640, wahrscheinlich 20. März 1665 in Brünn/Brno; italienischer Komponist, Minorit, Organist, Kapellmeister und geistlicher Vokalkomponist.

Überblick

Giovanni Battista Aloisi war ein aus Bologna stammender italienischer Komponist, Minorit, Organist, Kapellmeister und Theologe. In den Quellen erscheint sein Name in mehreren Varianten: Aloisi, Alovisi, Aloysi, Alvigi, Alouisi, Aluisi und in lateinischer Form als Aloysius. Diese Namensstreuung ist für Musiker des frühen 17. Jahrhunderts typisch, besonders wenn sie in italienischen, lateinischen, deutschen, tschechischen und bibliothekarischen Kontexten überliefert sind.

Aloisi ist kulturgeschichtlich vor allem als Vermittler italienischer Frühbarockmusik nach Mitteleuropa wichtig. Er begann seine bekannte Laufbahn im norditalienischen Kirchen- und Ordensmilieu, wirkte als Organist an der Basilika des heiligen Antonius in Padua, war in Sacile als Leiter der Kirchenmusik tätig, ging 1628 nach Prag zum theologischen Studium und trat später in den Dienst des olmützer Bischofs und Kardinals Franz von Dietrichstein. Damit führte sein Weg von Bologna und Venetien in den mährisch-böhmischen Raum, wo italienische Musiker, Ordensleute, Maler, Baumeister und Druckwerke das höfische und kirchliche Kulturleben nachhaltig prägten.

Sein Werk besteht im gesicherten Kern aus sechs geistlichen Sammlungen, die zwischen 1628 und 1640 in Venedig bei Bartholomeo Magni beziehungsweise in der Gardano-Tradition gedruckt wurden. Dazu gehören Coelestis Parnasus, Celeste Palco, Harmonicum Coelum, Contextus Musicarum Proportionum, Corona Stellarum Duodecim und Vellus Aureum Sacrae Deiparae Virginis. Diese Drucke enthalten Motetten, geistliche Konzerte, Messen, marianische Antiphonen, Litaneien und Stücke für unterschiedliche Vokalbesetzungen mit Basso continuo.

Aloisis Bedeutung liegt nicht in einer heute breiten Repertoirepräsenz, sondern in seiner Funktion als Träger eines neuen geistlichen Stils. In seinen Werken begegnen seconda pratica, konzertierende Schreibweise, Textaffekt, mehrstimmige Tradition, lateinische Liturgie, marianische Frömmigkeit und repräsentative Hofkultur. Er gehört zu jener Gruppe italienischer Musiker, die im frühen 17. Jahrhundert neue barocke Ausdrucksmittel über Venedig, Ordensnetzwerke, Höfe und Kathedralen in die mitteleuropäische Kirchenmusik einführten.

Kurzdaten

Name Giovanni Battista Aloisi.
Weitere Namensformen Giovanni Battista Alovisi, Aloysi, Alvigi, Alouisi, Aluisi, Aloysius, Ioannes Baptista Aloysius, Ioanne Baptista Aloysio de Bononia.
Geburt Um 1600 in Bologna; ältere und neuere Quellen formulieren teils vorsichtig „um 1600“ beziehungsweise „letzte Jahre des 16. oder erste Jahre des 17. Jahrhunderts“.
Tod Nach 1640, wahrscheinlich 20. März 1665 in Brünn/Brno; einzelne fachliche Nachweise bleiben vorsichtiger und nennen nur „nach 1654“.
Beruf Komponist, Minorit, Organist, Kapellmeister, Theologe, geistlicher Vokalkomponist und Vermittler italienischer Frühbarockmusik nach Mitteleuropa.
Orden Minoriten beziehungsweise Franziskaner-Minoriten; in lateinischen Drucken als minorita conventualis bezeichnet.
Wirkungsorte Bologna, Padua, Sacile, Venedig, Prag, Wien, Mikulov/Nikolsburg, Brünn/Brno, Dolní Kounice, Pravlov, Perná und Dolní Věstonice.
Ämter Organist an der Basilika Sant’Antonio in Padua, Leiter der Kirchenmusik in Sacile, Kapellmeister und italienischer Sekretär im Dienst der Dietrichstein, zeitweise Guardian des Brünner Minoritenklosters und später Pfarrer auf südmährischen Herrschaften.
Hauptgattungen Geistliches Konzert, Motette, Messe, marianische Antiphon, Loreto-Litanei, psalmodische und liturgische Musik für Stimmen und Basso continuo.
Hauptwerke Coelestis Parnasus op. 1, Celeste Palco op. 2, Harmonicum Coelum op. 3, Contextus Musicarum Proportionum op. 4, Corona Stellarum Duodecim op. 5 und Vellus Aureum Sacrae Deiparae Virginis op. 6.
Musikgeschichtliche Bedeutung Aloisi verbreitete italienische frühbarocke geistliche Vokalmusik, konzertierenden Stil und Basso-continuo-Praxis in mährisch-böhmischen Hof- und Kirchenmilieus.

Name, Schreibweisen und editorische Einordnung

Die Hauptform dieses Eintrags lautet Giovanni Battista Aloisi. Sie ist für deutschsprachige Kulturlexikon-Zwecke die beste Normalisierung, weil sie die MGG- und Grove-nahe Form aufnimmt und zugleich mit den wichtigsten Varianten vereinbar bleibt. In italienischen und lateinischen Druckkontexten begegnen Formen wie Aloysio de Bononia, Aloysi oder Aloysius; in tschechischen und mährischen Kontexten ist häufig Alouisi verbreitet.

Die Schreibweisen Alovisi, Aloysi, Alvigi und Alouisi sind nicht als verschiedene Personen zu behandeln, sondern als Varianten derselben Musikerpersönlichkeit. Für eine Website ist diese Zusammenführung besonders wichtig, weil Suchende je nach Quelle sehr unterschiedliche Formen finden können. Im Dateinamen wird die normalisierte, diakritikfreie Form aloisi-giovanni-battista.shtml verwendet.

Auch die Lebensdaten müssen editorisch vorsichtig formuliert werden. Der vom Lemma vorgegebene Tod „nach 1640“ ist als Mindestangabe korrekt, weil 1640 der Druck Vellus Aureum erschien. Neuere biographische Darstellungen setzen den Tod jedoch meist auf den 20. März 1665 in Brünn. Da einzelne fachliche Nachweise vorsichtiger bleiben und nur „nach 1654“ angeben, empfiehlt sich im Artikel die Form: „† nach 1640, wahrscheinlich 20. März 1665 in Brünn/Brno“.

Lebensweg zwischen Bologna, Padua, Sacile, Prag und Mähren

Giovanni Battista Aloisi wurde um 1600 in Bologna geboren. Über seine frühe Ausbildung ist wenig sicher bekannt, doch sprechen seine späteren Ämter und Drucke für eine solide musikalische und theologische Bildung. Er trat in den Minoritenorden ein, wurde Theologe und Musiker und bewegte sich damit in einem Milieu, in dem liturgische Praxis, gelehrte Bildung, Predigt, Musik und Ordensmobilität eng zusammengehörten.

In Padua wirkte Aloisi als Organist an der Basilika Sant’Antonio. Diese Station ist musikgeschichtlich bedeutsam, weil Padua und das Veneto im frühen 17. Jahrhundert ein dichtes Netz geistlicher Musikpraxis, Ordenshäuser, Druckorte und liturgischer Zentren bildeten. Anschließend erscheint Aloisi in Sacile, wo er als Leiter der Kirchenmusik an der Kathedrale beziehungsweise an der bedeutenden Kirche San Nicolò tätig war. Gerade in Sacile entstanden beziehungsweise erschienen seine ersten großen Drucke.

1628 verließ Aloisi Sacile und wandte sich nach Prag, um dort am Bonaventura-Kolleg der Minoriten seine theologischen Studien fortzusetzen. Prag war nicht nur ein Studienort, sondern auch ein kultureller Knotenpunkt zwischen Italien, Böhmen, Mähren und den habsburgischen Ländern. Der Weg nach Prag zeigt, wie sehr Aloisis Karriere von Ordensnetzwerken und transalpiner Mobilität geprägt war.

In den 1630er Jahren trat Aloisi in den Dienst des olmützer Bischofs und Kardinals Franz von Dietrichstein. Er fungierte als Kapellmeister, italienischer Sekretär und Theologe. Nach dem Tod des Kardinals blieb er im weiteren Umfeld der Dietrichstein und wirkte im mährischen Raum. Später wandte er sich stärker der Pfarrseelsorge zu und war auf südmährischen Herrschaften tätig. Damit wandelte sich seine Biographie von der Laufbahn eines reisenden Musikers und Kapellmeisters zu der eines geistlichen Amtsträgers, dessen musikalisches Werk aber weiterhin in Drucken und Abschriften zirkulierte.

Dietrichsteinischer Hof, Mikulov und mährischer Frühbarock

Der Dienst bei Kardinal Franz von Dietrichstein und später im Umfeld der Familie Dietrichstein ist der Schlüssel zur mitteleuropäischen Bedeutung Aloisis. Der Hof in Mikulov beziehungsweise Nikolsburg war im frühen 17. Jahrhundert ein bedeutender kultureller Ort. Italienische Künstler, Architekten, Musiker, Ordensleute und Gelehrte wirkten dort an der Ausprägung einer katholisch geprägten, nachtridentinischen Hof- und Kirchenkunst mit.

Aloisi brachte in diesen Raum eine italienische musikalische Sprache ein, die in Venedig gedruckt, in Ordens- und Hofnetzwerken verbreitet und in Mähren liturgisch und repräsentativ genutzt werden konnte. Seine Musik war damit nicht nur private Frömmigkeit oder abstrakte Kunst, sondern Teil konfessioneller Kulturpolitik. Geistliche Konzerte, Motetten, Messen und Litaneien dienten der Feier, der Andacht, der Repräsentation und der Festigung katholischer Identität.

Besonders wichtig ist der Zusammenhang mit der Loreto-Frömmigkeit. Das Vellus Aureum Sacrae Deiparae Virginis von 1640 umfasst marianische Litaneien und ist dem Dietrichstein-Kontext verbunden. Der Titel und die Anlage verweisen auf eine katholische Marienfrömmigkeit, wie sie in der Gegenreformation und im Barock zentrale Bedeutung gewann. Aloisis Musik kann deshalb als Klangform jener mährisch-katholischen Repräsentationskultur verstanden werden, die in Architektur, Bildkunst, Liturgie und Musik gleichzeitig sichtbar wird.

Venezianischer Musikdruck und Opusfolge

Aloisis sechs Hauptdrucke erschienen in Venedig bei Bartholomeo Magni beziehungsweise in der Gardano-Tradition. Das ist mehr als eine bibliographische Nebensache. Venedig war im frühen 17. Jahrhundert einer der wichtigsten europäischen Orte des Musikdrucks. Ein Komponist, der dort geistliche Musik veröffentlichte, konnte ein Repertoire erzeugen, das nicht an den lokalen Aufführungsort gebunden blieb, sondern in Klöstern, Kathedralen, Hofkapellen und Bibliotheken weiterwanderte.

Die Drucke zeigen eine klare Opusfolge. Coelestis Parnasus op. 1, Celeste Palco op. 2 und Harmonicum Coelum op. 3 stehen in engem Zusammenhang mit der Sacile-Zeit und wurden 1628 in Venedig greifbar. Contextus Musicarum Proportionum op. 4 und Corona Stellarum Duodecim op. 5 erschienen 1637. Vellus Aureum Sacrae Deiparae Virginis op. 6 folgte 1640. Diese Reihenfolge macht Aloisis Weg vom norditalienischen Kirchenmusiker zum mitteleuropäisch wirkenden Kapellmeister auch in der Druckgeschichte sichtbar.

Die Überlieferung ist nicht vollständig bequem. Manche Drucke sind nur in wenigen Exemplaren erhalten, einzelne Stimmen fehlen, einige Stücke begegnen zusätzlich in Anthologien oder Handschriften, und moderne Erschließungen beruhen auf Bibliothekskatalogen, Mikrofilmen, RISM-Nachweisen, Dissertationen und praktischen Editionen. Ein vollständiges Werkverzeichnis muss daher zwischen gedruckten Sammlungen, darin enthaltenen Einzelstücken, Sammeldrucküberlieferung und modernen Auswahlaufnahmen unterscheiden.

Stil, Gattungen und musikalische Sprache

Aloisis Musik steht am Übergang von der Renaissance-Polyphonie zum frühbarocken geistlichen Konzert. Die ältere kontrapunktische Tradition bleibt erkennbar, doch tritt zunehmend eine neue Textorientierung hervor. Einzelne Stimmen werden affektvoller geführt, die Besetzungen differenzieren sich, und der Basso continuo stabilisiert das harmonische Fundament. Damit gehört Aloisi in die Welt der monteverdischen und nachmonteverdischen seconda pratica, ohne einfach ein Opernkomponist oder weltlicher Madrigalist zu sein.

Die Besetzungen reichen von kleinen geistlichen Konzerten für zwei oder drei Stimmen bis zu vier-, fünf-, sechs-, sieben- und achtstimmigen liturgischen Formen. Solche Flexibilität war praktisch wichtig. Ein Werk konnte je nach Kapellgröße, Anlass, verfügbaren Sängern und liturgischem Ort unterschiedlich eingesetzt werden. Gerade im mährischen Hof- und Kirchenkontext war ein Repertoire wertvoll, das sowohl repräsentative Mehrstimmigkeit als auch kleinere Andachts- und Festformen ermöglichte.

Inhaltlich dominieren lateinische geistliche Texte. Marienfrömmigkeit, Heiligenverehrung, Bußaffekt, eucharistische Andacht, Festliturgie und Lobpreis prägen die Sammlungen. Titel wie Salve Regina, Stabat Virgo Maria, O Domine Iesu Christe, O felix dies und die Litaneien aus Vellus Aureum zeigen, dass Aloisi stark im katholischen Frömmigkeitsrepertoire seiner Zeit verwurzelt war.

Klanglich ist seine Musik als frühbarockes Vermittlungsphänomen zu verstehen. Sie ist italienisch in ihrer Textaffektik, ihrer Continuo-Praxis und ihrem venezianischen Druckmilieu; sie wird mährisch-böhmisch in ihrer Rezeption, Widmung, Aufführung und späteren Archivgeschichte. Gerade diese doppelte Verortung macht Aloisi für eine Kulturlexikon-Seite ergiebig.

Werkverzeichnis

Das folgende Werkverzeichnis ist quellenkritisch angelegt. Es führt die sechs gesicherten Drucksammlungen, nachweisbare Einzelstücke aus diesen Sammlungen, Sammeldruck- und Handschriftenüberlieferung sowie moderne Aufnahmen und Editionen. Bei einzelnen Titeln können lateinische Orthographie, Schreibweise und Zählung je nach Druck, Katalog und moderner Edition schwanken.

Gedruckte Sammlungen

  • Coelestis Parnasus in quo novem Musae tum duae, tum tres, tum quatuor simul concertantes concinunt Deo laudes, Virgini encomia sanctisque preces, op. 1. Venedig: Magni, zweite nachweisbare beziehungsweise spätere Ausgabe 1628; das Datum der ersten Ausgabe ist unsicher. Sammlung geistlicher Konzerte und Motetten für zwei, drei und vier Stimmen mit Basso continuo.
  • Celeste Palco, op. 2. Venedig: Magni, 1628. Sammlung geistlicher Solomotetten und kleinerer geistlicher Stücke, darunter nach moderner Aufnahmeliste Stücke für Tenor solo beziehungsweise Sopran solo mit Continuo.
  • Harmonicum Coelum sub quo missae harmonicis arte haud simili compactae numeris quatuor vocibus musicis exprimuntur notis, op. 3. Venedig: Magni, 1628. Sammlung vierstimmiger Messen beziehungsweise messbezogener Musik, im Titel mit Aloisi als aus Bologna stammendem Minoriten, Theologiebakkalaureus und Leiter der Musik in Sacile verbunden.
  • Contextus Musicarum Proportionum quo concertuum varietate binis, ternis, quaternis, quinis et senis vocibus, op. 4. Venedig: Magni, 1637. Sammlung geistlicher Konzerte und Motetten für zwei bis sechs Stimmen mit Basso continuo, verbunden mit der späteren mitteleuropäischen Wirkung Aloisis.
  • Corona Stellarum Duodecim antiphonis Beatae Virginis, op. 5. Venedig: Gardano/Magni, 1637. Sammlung marianischer Antiphonen beziehungsweise geistlicher Stücke für zwei, drei und vier Stimmen.
  • Vellus Aureum Sacrae Deiparae Virginis litaniis 4, 5, 6, 7 et 8 vocibus decantandis exornatum ac insignitum, op. 6. Venedig: Magni, 1640. Sammlung marianischer Litaneien für vier bis acht Stimmen, dem Dietrichstein-Kontext und besonders der mährischen Loreto-Frömmigkeit verbunden.

Nachweisbare Einzelstücke aus Coelestis Parnasus op. 1

  • Sonata sesta a 2 violini. Instrumentales beziehungsweise instrumental geführtes Stück aus dem Umfeld der Sammlung; in moderner Einspielung als eröffnendes Stück aus Coelestis Parnasus nachgewiesen.
  • Salve Christi Sancta parens, für zwei Stimmen. Geistliches Marienstück aus dem Bestand der Sammlung.
  • La Bonella Canzon, zu vier Stimmen beziehungsweise Instrumentalstimmen. Beispiel für Aloisis Nähe zur Canzona-Tradition.
  • In puritate cordis mei, für zwei Stimmen. Geistliches Konzert mit lateinischem Text.
  • O Gloriola Domina, für zwei Stimmen. Marianisch geprägtes geistliches Stück.
  • Prime Letanie, zu vier Stimmen. Früher litaneiartiger Satz im Umfeld der Sammlung.
  • Peccavi super numerum. In der Forschung als Stück aus Coelestis Parnasus genannt und in anderer Überlieferung auch unter fremdem Namen beziehungsweise in problematischer Zuschreibung greifbar; deshalb quellenkritisch zu führen.
  • Transfige amabilis Iesu. In wissenschaftlichen Inhaltsanalysen der Sammlung als Stück aus op. 1 behandelt.

Nachweisbare Einzelstücke aus Celeste Palco op. 2

  • Stabat Virgo Maria, für Tenor solo und Continuo. Geistliches Solostück mit marianischem Text.
  • Sacramento Caelesti, für Sopran solo und Continuo. Eucharistisch geprägtes Solostück.
  • Salve Regina, für Tenor solo und Continuo. Vertonung der bekannten marianischen Antiphon.
  • Exultavit cor meum, für Sopran solo und Continuo. Geistliches Solostück mit affektvoller Textdeutung.
  • Peccavi Domine. Im Druckzusammenhang von Celeste Palco erwähnt und mit Aloisis eigener Aufführung in Sacile verbunden; als Einzeltitel quellenkritisch bedeutsam.

Nachweisbare Einzelstücke aus Harmonicum Coelum op. 3

  • Missa da concerto a 4. In moderner Aufnahmeliste als Sätze 11 bis 14 aus Harmonicum Coelum zusammengefasst; vierstimmige Messe beziehungsweise messzyklischer Ausschnitt im konzertierenden Stil.
  • Weitere vierstimmige Messsätze aus Harmonicum Coelum. Die vollständige interne Satzliste ist anhand des Drucks beziehungsweise moderner Editionen zu ergänzen; die Sammlung ist als gesicherter Druckbestand zu führen.

Nachweisbare Einzelstücke aus Contextus Musicarum Proportionum op. 4

  • O Domine Iesu Christe, für zwei Stimmen. Geistliches Konzert aus der Sammlung von 1637.
  • O felix dies, für vier Stimmen. Festlich angelegtes geistliches Stück.
  • Exurgat Deus, für fünf Stimmen. Mehrstimmiges geistliches Konzert mit biblisch-liturgischem Textbezug.
  • Obsecro Domine, für sechs Stimmen. Geistliches Stück für größere Vokalbesetzung.
  • Benignissime Iesu. In wissenschaftlichen Nachweisen als Stück aus Contextus Musicarum Proportionum erwähnt und in anderer Überlieferung mit Zuschreibungsfragen verbunden.

Nachweisbare Einzelstücke aus Corona Stellarum Duodecim op. 5

  • Zwölf marianische Antiphonen beziehungsweise Stücke zu Ehren der Gottesmutter. Die Sammlung ist im Titel als Corona Stellarum Duodecim angelegt und enthält Antiphonen der Beata Virgo Maria für zwei, drei und vier Stimmen.
  • Einzelne Stimmen der Sammlung sind nur fragmentarisch beziehungsweise in verstreuten Exemplaren greifbar; daher ist bei praktischer Edition die genaue Quellenlage zu prüfen.

Nachweisbare Einzelstücke aus Vellus Aureum op. 6

  • Zehn marianische Litaneien beziehungsweise Loreto-Litaneien für vier, fünf, sechs, sieben und acht Stimmen. Die Sammlung von 1640 ist Alosis wichtigster Beitrag zur litaneiartigen Mehrstimmigkeit und zur mährischen Marienfrömmigkeit.
  • Vellus Aureum Sacrae Deiparae Virginis als Gesamtzyklus. Der Titel lässt sich sinngemäß als goldenes Vlies oder goldenes Gewand der heiligen Gottesmutter verstehen und verbindet marianische Symbolik mit repräsentativer Widmungskultur.

Sammeldrucke, Anthologien und Handschriften

  • Einzelne Kompositionen Aloisis erscheinen in Sammeldrucken der Jahre 1641, 1643, 1644 und 1646. Diese Nachweise sind für die Verbreitung seines Repertoires über den ursprünglichen Druckort hinaus bedeutsam.
  • Handschriftliche Abschriften einzelner Stücke aus den Drucken sind in mehreren Bibliotheks- und Archivkontexten greifbar. Sie belegen, dass Aloisis Musik nicht nur als Druckbestand existierte, sondern praktisch weiterkopiert und verwendet wurde.
  • Partituren beziehungsweise spätere Abschriften einzelner Sammlungen werden in Bologna, Breslau/Wrocław, Oxford, Durham und mährischen Bibliothekskontexten nachgewiesen. Diese Quellenlage macht eine moderne kritische Edition anspruchsvoll.

Moderne Wiederaufführung und Aufnahmen

  • Giovanni Battista Alouisi: Coelestis Parnasus, Vellus Aureum, Caeleste Palco, Harmonicum Caelum, Contextus Musicarum. Societas Incognitorum, Leitung Eduard Tomaštík. Moderne Ersteinspielung ausgewählter Werke auf historischen Instrumenten.
  • Die Aufnahme enthält Auszüge aus Coelestis Parnasus, Caeleste Palco, Harmonicum Caelum und Contextus Musicarum und macht Aloisis Klangwelt für heutige Hörer wieder zugänglich.
  • Die moderne Rezeption verwendet gelegentlich die zugespitzte Bezeichnung „mährischer Monteverdi“. Sie ist als Vermittlungsformel nützlich, sollte aber nicht wörtlich als stilgeschichtliche Gleichsetzung verstanden werden.

Rezeption und editorische Hinweise

Aloisi war lange Zeit eine Randfigur der Musikgeschichtsschreibung. Seine Drucke waren bekannt, aber schwer zugänglich; die wenigen erhaltenen Exemplare, verstreuten Stimmen und lateinischen Titel erschwerten eine breitere Rezeption. Erst neuere Forschungen zur Musik am Dietrichstein-Hof, zur mährischen Frühbarockkultur und zur italienischen Musikmigration haben seine Bedeutung deutlicher herausgearbeitet.

Die moderne Wiederentdeckung durch musikwissenschaftliche Arbeiten und historisch informierte Aufführungen zeigt, dass Aloisi nicht nur ein lokaler Kuriositätsfall ist. Seine Musik dokumentiert, wie rasch italienische geistliche Konzertformen nach Mitteleuropa gelangten und dort in höfischen, kirchlichen und ordensbezogenen Kontexten produktiv wurden. Er gehört damit zu den wichtigen Vermittlern einer transalpinen Musikgeschichte.

Editorisch sind vier Punkte zu beachten. Erstens müssen die Namensvarianten konsequent zusammengeführt werden. Zweitens ist das Todesdatum nicht schematisch aus älteren Kurzangaben zu übernehmen, sondern als „nach 1640, wahrscheinlich 1665“ zu formulieren. Drittens ist die Werkangabe nach den sechs Drucksammlungen zu strukturieren, weil die Einzeltitel nicht überall vollständig und einheitlich greifbar sind. Viertens sollte die Bezeichnung „mährischer Monteverdi“ nur erklärend verwendet werden, da sie eine moderne Rezeptionsmetapher ist und keine historische Selbstbezeichnung Aloisis.

Sekundärliteratur

  • Blazey, David Anthony: The Litany in Seventeenth-Century Italy. Durham, 1990. Grundlegend für den litanei- und marienmusikalischen Kontext, in dem Aloisis Vellus Aureum steht.
  • Eitner, Robert: „Aloisi (Alovisius, Allovisio, Aloysius), Giovanni Battista“. In: Biographisch-bibliographisches Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten. Leipzig, 1900–1904.
  • Metz, Fabio: „Aloisi Giovanni Battista“. In: Dizionario Biografico dei Friulani. Fachartikel mit besonderem Gewicht auf Sacile, den venezianischen Drucken und der friulanisch-venezianischen Quellenlage.
  • Metz, Fabio: „La cappella musicale del duomo di Sacile (secc. XV–XVIII). Note d’archivio“. In: Atti dell’Accademia San Marco di Pordenone, 1999. Wichtig für Aloisis Tätigkeit in Sacile.
  • Morche, Gunther: „Aloisi, Alovisi, Aloysi, Alvigi, Giovanni Battista“. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Personenteil, 2. Ausgabe. Bärenreiter, 1999.
  • Roche, Jerome: „Aloisi, Giovanni Battista“. In: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, 2. Ausgabe. London und New York, 2001.
  • Sehnal, Jiří: „Italští hudebníci na Jižní Moravě v první polovině 17. století“. In: Jižní Morava, 2005. Wichtig für die italienischen Musiker in Südmähren und das Dietrichstein-Umfeld.
  • Tomaštík, Eduard: Giovanni Battista Alouisi – život a dílo. Dissertation, Masaryk-Universität Brünn, 2012. Umfangreiche moderne Spezialstudie zu Leben, Quellen und Werk.
  • Tomaštík, Eduard: „Giovanni Battista Alouisi – významný tvůrce italské raně barokní hudby ve službách Dietrichsteinů“. In: RegioM, 2013. Überblick zur Rolle Aloisis im Dienst der Dietrichstein.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Bartholomeo Magni Venezianischer Musikdrucker, bei dem Aloisis geistliche Sammlungen erschienen.
  • Basso continuo Harmonische Grundlage der frühbarocken geistlichen Konzertmusik Aloisis.
  • Bologna Geburtsstadt Aloisis und wichtiger norditalienischer Bildungs- und Musikraum.
  • Brünn / Brno Wahrscheinlicher Sterbeort Aloisis und Zentrum mährischer Ordens- und Kirchenmusik.
  • Franz von Dietrichstein Olmützer Kardinal und Dienstherr Aloisis im mährischen Hof- und Kirchenmilieu.
  • Frühbarock Stilgeschichtlicher Rahmen von Aloisis geistlichen Konzerten und Motetten.
  • Gardano Venezianische Druckertradition, in deren Umfeld ein Teil von Aloisis Musik erschien.
  • Geistliches Konzert Zentrale Gattung der frühbarocken Kirchenmusik und Hauptfeld von Aloisis Drucksammlungen.
  • Litanei Gebets- und Musikform, die in Aloisis Vellus Aureum eine zentrale Rolle spielt.
  • Loreto-Litanei Marianische Litaneiform, wichtig für die Frömmigkeitswelt von Vellus Aureum.
  • Marienantiphon Gattung und Textbereich, der in Aloisis Corona Stellarum Duodecim greifbar wird.
  • Mikulov / Nikolsburg Dietrichsteinischer Hofort und mährisches Zentrum der katholischen Frühbarockkultur.
  • Minoriten Ordensgemeinschaft, der Aloisi angehörte und deren Netzwerke seine Laufbahn prägten.
  • Claudio Monteverdi Zentralfigur der seconda pratica und Vergleichshorizont für Aloisis frühbarocke Textaffektik.
  • Motette Geistliche Vokalgattung, in der Aloisis Werk besonders reich überliefert ist.
  • Musikdruck Mediengeschichtlicher Rahmen, durch den Aloisis Musik über Italien hinaus verbreitet wurde.
  • Padua Früher Wirkungsort Aloisis als Organist an der Basilika Sant’Antonio.
  • Prag Studienort Aloisis und wichtiger Knotenpunkt zwischen italienischer und mitteleuropäischer Musik.
  • Sacile Norditalienischer Wirkungsort Aloisis und Kontext seiner frühen Drucksammlungen.
  • Seconda pratica Frühbarockes Prinzip textbezogener musikalischer Ausdruckssteigerung, das Aloisis geistliche Musik prägt.
  • Venedig Druckort von Aloisis sechs geistlichen Sammlungen.
  • Venezianischer Musikdruck Druck- und Verlagskultur, durch die Aloisis Werke in Europa zirkulieren konnten.