Hasan Ferid Alnar
Überblick
Hasan Ferid Alnar war ein türkischer Komponist, Dirigent und kanûn-Virtuose. Er gehört zu den Türkischen Fünf, also jener Komponistengruppe, die in der frühen Republik Türkei eine westlich orientierte Kunstmusik mit nationalem und regionalem Material aus türkischer Kunstmusik, Volksmusik, makam und usul zu verbinden suchte. Innerhalb dieser Gruppe nimmt Alnar eine besondere Stellung ein, weil er nicht primär aus der europäischen Klavier- und Konservatoriumstradition kam, sondern bereits als Jugendlicher in der osmanisch-türkischen Kunstmusik sozialisiert war und als Kanunspieler unter dem Namen Kanunî Ferid Bey bekannt wurde.
Alnar verbindet damit zwei musikalische Welten, die im republikanischen Modernisierungsprojekt häufig gegeneinander ausgespielt wurden: die einstimmige, modale, mündlich und schriftlich überlieferte türkische Kunstmusik einerseits und die europäische Kunstmusik mit Harmonie, Kontrapunkt, Orchester, Kammermusik und Konzertform andererseits. Sein Werk zeigt nicht bloß folkloristische Ausschmückung westlicher Formen, sondern ein tiefes Interesse daran, makam- und aksakbezogene Denkweisen in eine moderne, mehrstimmige, konzertante und orchestrale Sprache zu übertragen.
Sein bekanntestes Werk ist das Kanun Konçertosu, das Konzert für kanûn und Streichorchester. Es ist kulturgeschichtlich zentral, weil ein traditionelles türkisches Instrument nicht nur koloristisch im Orchester erscheint, sondern als echtes Soloinstrument einer Konzertform auftritt. Die Verbindung von Kanun, Streichorchester, makamnaher Melodik, westlicher Formlogik und solistischer Virtuosität macht das Werk zu einem Schlüsselstück der türkischen Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts.
Neben dem Kanun-Konzert schrieb Alnar Orchesterwerke, ein Violoncellokonzert, Kammermusik, Klavierstücke, Bühnen- und Filmmusik sowie Werke in traditionellen türkischen Formen wie peşrev und saz semâîsi. Als Dirigent leitete er unter anderem das Cumhurbaşkanlığı Senfoni Orkestrası und war künstlerisch mit der Ankara Devlet Operası verbunden. Als Lehrer am Ankara Devlet Konservatuvarı prägte er außerdem die Ausbildung einer jungen republikanischen Musikgeneration.
Kurzdaten
| Name | Hasan Ferid Alnar. |
|---|---|
| Weitere Namensformen | Hasan Ferit Alnar, Ferid Alnar, Ferit Alnar, Hasan F. Alnar, Kanunî Ferid Bey, Kanuni Ferit Bey. |
| Geburt | 11. März 1906 in Istanbul. |
| Tod | 27. Juli 1978 in Ankara; einzelne internationale Nachweise nennen abweichend den 30. Juli 1978. |
| Beruf | Komponist, Dirigent, kanûn-Virtuose, Musikpädagoge, Operndirigent, Orchesterleiter, Vertreter der Türkischen Fünf und Vermittler zwischen klassischer türkischer Musik und westlicher Kunstmusik. |
| Instrument | Kanûn; daneben praktische und kompositorische Arbeit mit Orchester, Streichern, Klavier, Violoncello, Kammerensemble und Gesang. |
| Ausbildung | Unterricht in kanûn, klassischer türkischer Musik, Harmonie und Musiktheorie bei Hüseyin Sadettin Arel; Kontrapunkt und Fuge bei Edgar Manas; ab 1927 Studium in Wien bei Joseph Marx und Oswald Kabasta. |
| Wirkungsorte | Istanbul, Wien, Ankara und zeitweise mitteleuropäische Konzertorte. |
| Institutionen | Istanbul Konservatuvarı, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Ankara Devlet Konservatuvarı, Cumhurbaşkanlığı Senfoni Orkestrası, Ankara Devlet Operası und Türk Beşleri. |
| Hauptgattungen | Instrumentalkonzert, Orchestersuite, Kammermusik, Klavierstück, Bühnenmusik, Filmmusik, Operette, Lied, peşrev, saz semâîsi und musikdramatische Gebrauchsmusik. |
| Hauptwerke | Kanun Konçertosu, Viyolonsel Konçertosu, Prelüd ve İki Dans, Türk Süiti, İstanbul Süiti, Trio Fantazi, Yaylı Dörtlü, Sekiz Piyano Parçası und die frühen saz-semâîsi- und peşrev-Kompositionen. |
| Kulturelle Bedeutung | Alnar gilt als derjenige unter den Türkischen Fünf, der am tiefsten aus der klassischen türkischen Kunstmusik heraus komponierte und makam, usul, kanûn-Klang und westliche Mehrstimmigkeit besonders eng miteinander verband. |
Name, Schreibweisen und editorische Einordnung
Die deutschsprachige Hauptform dieses Eintrags lautet Hasan Ferid Alnar. In türkischen und internationalen Quellen ist jedoch die Form Hasan Ferit Alnar mindestens ebenso verbreitet. Beide Formen sind deshalb in Metadaten, JSON-LD, Suchvarianten und Fließtext zu berücksichtigen. Die Kurzform Ferid Alnar beziehungsweise Ferit Alnar begegnet häufig in Konzertprogrammen, Tonträgern, Datenbanken und Werklisten.
Der Beiname Kanunî Ferid Bey verweist auf Alnars frühe Bekanntheit als Kanunspieler. Er ist kein bloßer Spitzname, sondern ein kulturhistorischer Hinweis auf die musikalische Welt, aus der Alnar hervorging. Anders als viele westlich ausgebildete Komponisten seiner Generation kannte er die klassische türkische Kunstmusik nicht nur als Material, das man später kompositorisch verarbeitet, sondern als eigene Praxis, als Klanggedächtnis und als Instrumentaltradition.
Für die Dateibezeichnung wird die Form alnar-hasan-ferid.shtml verwendet. Die sichtbare Überschrift bleibt bei Hasan Ferid Alnar. In Such- und Registerzusammenhängen sollten auch Hasan Ferit Alnar, Ferid Alnar und Kanunî Ferid Bey aufgeführt werden, damit die unterschiedlichen Schreibweisen der Quellen zusammengeführt werden.
Ausbildung zwischen Istanbul und Wien
Alnar wurde am 11. März 1906 in Istanbul geboren. Seine frühe musikalische Ausbildung erfolgte im Umfeld der klassischen türkischen Musik. Er spielte bereits in jungen Jahren kanûn und wurde als Virtuose wahrgenommen. Entscheidend war der Unterricht bei Hüseyin Sadettin Arel, der selbst zu den wichtigsten Theoretikern und Reformfiguren der türkischen Musik gehörte. Bei Arel lernte Alnar nicht nur kanûn und traditionelles Repertoire, sondern auch die theoretischen Grundlagen von makam, usul und osmanisch-türkischer Kunstmusik.
Daneben erhielt Alnar Unterricht in westlicher Harmonielehre, Kontrapunkt und Fuge, unter anderem bei Edgar Manas. Diese doppelte Ausbildung war für sein späteres Werk grundlegend. Alnar musste nicht nachträglich „orientalisches“ Material in eine westliche Sprache einfügen, sondern konnte von Anfang an zwischen zwei Systemen denken: modaler Melodik, rhythmischer Zyklik und heterophon geprägter Ornamentik einerseits, Harmonie, Satztechnik und Formkonzeption andererseits.
1927 ging Alnar nach Wien und studierte an der dortigen Musikakademie Komposition bei Joseph Marx und Dirigieren bei Oswald Kabasta. Wien vermittelte ihm eine spätromantisch geprägte Kompositionsschule, orchestrale Klangkultur und professionelles Dirigierhandwerk. Dieser Aufenthalt war für Alnar ebenso wichtig wie für andere türkische Komponisten die europäischen Studienjahre: Er eignete sich das technische Vokabular an, mit dem die junge Republik eine moderne Kunstmusik institutionell aufbauen wollte.
Türkische Fünf und republikanische Musikpolitik
Alnar gehört zu den Türkischen Fünf, neben Cemal Reşit Rey, Ulvi Cemal Erkin, Ahmet Adnan Saygun und Necil Kâzım Akses. Diese Gruppe ist weniger eine ästhetisch einheitliche Schule als eine kulturpolitische Generation. Ihre Mitglieder wurden in den ersten Jahrzehnten der Republik Türkei als Träger einer neuen, professionellen, westlich geschulten, aber national grundierten Kunstmusik verstanden.
Die Musikpolitik der Republik suchte nach einem Verhältnis zwischen Modernisierung und Herkunft. Westliche Mehrstimmigkeit, Orchester, Oper, Konservatorium, Ballett und sinfonische Form wurden gefördert; zugleich sollte die neue Musik nicht bloß europäische Modelle kopieren. Volksmusik, alte türkische Kunstmusik, regionale Rhythmen, makam-Strukturen und nationale Themen sollten in eine moderne Kunstsprache überführt werden. Alnar ist für diese Spannung besonders aufschlussreich, weil er stärker als die anderen Mitglieder der Gruppe aus der klassischen türkischen Kunstmusik hervorging.
Während bei manchen Komponisten der Türkischen Fünf Volksliedmaterial, pentatonische oder modale Wendungen und rhythmische Besonderheiten stärker aus Sammlungen oder nationaler Programmatik stammen, ist bei Alnar die praktische Kenntnis des makam- und kanûnbezogenen Denkens zentral. Deshalb wirkt seine Synthese oft weniger äußerlich. Besonders im Kanun-Konzert, in den frühen saz-semâîsi- und peşrev-Kompositionen, in den Klavierstücken und in den Orchesterwerken wird deutlich, dass er die Binnenlogik türkischer Musik ernst nimmt.
Kanûn, makam und westliche Konzertform
Das kanûn ist für Alnar mehr als ein biographisches Instrument. Es ist ein Symbol der musikalischen Vermittlung. In der klassischen türkischen Musik gehört das Kanun zu den zentralen Zitherinstrumenten; sein Klang ist hell, obertonreich, beweglich und eng mit mikrotonalen Anpassungen, Ornamentik und makambezogener Melodik verbunden. Dieses Instrument in die westliche Konzertform zu bringen, bedeutete eine ästhetische und technische Herausforderung.
Das Kanun Konçertosu ist deshalb ein Schlüsselwerk. Es stellt das Kanun nicht als exotische Klangfarbe neben das Orchester, sondern als konzertierendes Soloinstrument vor ein Streichorchester. Die Solostimme bleibt dem Idiom des Instruments verbunden: Ornamentik, modale Wendungen, gleitende Linien, taksimartige Momente und virtuose Passagen sind nicht bloß dekorativ. Gleichzeitig wird das Werk durch westliche Formgliederung, Satztechnik, Begleitmodell und großräumige Dramaturgie getragen.
Alnar zeigt in diesem Werk, dass ein traditionelles Instrument in einem modernen Konzert nicht seine Herkunft verlieren muss. Vielmehr wird das Kanun zum Vermittler zwischen den Systemen. Es ist weiterhin türkisch codiert, erhält aber zugleich die Rolle eines Konzertsolisten. Kulturgeschichtlich ist dies einer der markantesten Beiträge der türkischen Republikmusik zur internationalen Konzertliteratur.
Dirigent, Opernleiter und Pädagoge
Alnar war nicht nur Komponist, sondern auch ein bedeutender Dirigent. Nach seiner Rückkehr aus Wien wirkte er zunächst in Istanbul und Ankara, unterrichtete am Konservatorium und übernahm Aufgaben im jungen republikanischen Musikleben. Besonders wichtig war seine Arbeit am Ankara Devlet Konservatuvarı, wo er Musikgeschichte, Klavier, Komposition, später auch Harmonie, Formenlehre und Orchestration unterrichtete.
Als Dirigent war Alnar mit dem Cumhurbaşkanlığı Senfoni Orkestrası verbunden. Außerdem leitete er in den 1950er Jahren die Ankaraer Oper beziehungsweise war künstlerisch und musikalisch mit dem Aufbau des Opernbetriebs in Ankara verbunden. Diese Tätigkeiten zeigen, dass Alnar nicht nur Werke schrieb, sondern aktiv am institutionellen Aufbau von Orchester, Oper, Konservatorium und moderner Aufführungskultur beteiligt war.
Sein Dirigentenprofil war international anschlussfähig. Er dirigierte nicht nur türkisches Repertoire, sondern auch europäische Opern- und Orchesterwerke. Die Greek National Opera verzeichnet ihn etwa als Dirigenten einer Madama Butterfly-Produktion in der Saison 1948/49. Solche Hinweise zeigen, dass Alnar nicht auf nationale Repräsentationsmusik beschränkt war, sondern als ausgebildeter, europäisch geschulter Kapellmeister auftrat.
Stil, Klangsprache und ästhetische Stellung
Alnars Stil ist geprägt durch die Verbindung von makamnaher Melodik, aksaknaher Rhythmik, übersichtlicher Orchestration und westlichen Formen. Im Unterschied zu manchen großformatig sinfonischen nationalen Schulen bevorzugt Alnar häufig eine klare, sparsame, strukturell gut durchschaubare Klangsprache. Seine Musik ist nicht primär monumental, sondern oft linear, melodisch, modalfarbig und rhythmisch pointiert.
Der makam wird bei Alnar nicht einfach als Tonleiter verwendet. Er ist ein melodisches Denkmodell mit typischen Bewegungsrichtungen, Ruhepunkten, Spannungsverläufen und Ornamenten. Wenn Alnar dieses Material in westliche Mehrstimmigkeit überträgt, entsteht eine spezifische Spannung: Die horizontale Logik der makam-Melodie trifft auf vertikale Harmonik und orchestrale Schichtung. Gerade diese Spannung macht seine Musik charakteristisch.
Auch der aksak ist für Alnar wichtig. Unregelmäßige, asymmetrische Takt- und Akzentmodelle geben seiner Musik eine Beweglichkeit, die sich von gleichmäßig westlich-periodischer Metrik unterscheidet. In Tänzen, Klavierstücken und Orchesterwerken wird daraus eine rhythmische Signatur, die türkische und westliche Hörerwartungen zugleich anspricht.
Kulturgeschichtlich steht Alnar zwischen Bewahrung und Reform. Er löst sich nicht von der klassischen türkischen Musik, sondern trägt sie in eine andere Formwelt. Dadurch verkörpert er eine produktive Spannung der Republikzeit: Die neue Kunstmusik sollte modern, international und institutionell westlich sein, aber zugleich aus einer eigenen musikalischen Erinnerung schöpfen. Alnar gehört zu den überzeugendsten Komponisten dieser Vermittlung.
Werkverzeichnis
Das folgende Werkverzeichnis ist als kulturlexikalisch umfassende Arbeitsübersicht angelegt. Die Datierungen und Titel folgen den greifbaren Lexikon-, Portal-, Noten- und Tonträgernachweisen; einzelne Titel erscheinen in türkischer, deutscher, französischer oder englischer Übersetzung, weshalb Varianten mitgeführt werden. Bei Alnar ist außerdem zwischen westlich notierten Kompositionen, traditionellen türkischen Formen, Bühnen- und Filmmusik sowie Bearbeitungen zu unterscheiden.
Bühnenwerke, Operette und Schauspielmusik
- Kelebek Zabit, einstimmige Operette, 1922. Frühes Bühnenwerk aus der Zeit vor der Wiener Ausbildung, noch stark im Umfeld der türkischen Musik- und Theaterpraxis stehend.
- Faust, Schauspielmusik zu Goethes Faust, 1944. Bühnenmusik und Beispiel für Alnars Arbeit an literarisch-dramatischem Stoff im Theaterzusammenhang.
Orchesterwerke und konzertante Werke
- Romantik Uvertür beziehungsweise Romantische Ouvertüre, 1932. Orchesterwerk der frühen Ankara-Zeit nach dem Wiener Studium.
- Prelüd ve İki Dans beziehungsweise Prelude and Two Dances, 1935. Orchesterwerk mit taksimartiger Einleitung und tänzerischen, türkisch geprägten Sätzen.
- Türk Süiti beziehungsweise Türkische Suite, für großes Orchester, 1930 beziehungsweise in einzelnen Werklisten 1936 geführt. Orchesterwerk mit nationaler und tänzerischer Prägung.
- İstanbul Süiti, Orchestersuite, 1937–1938. Werk mit städtisch-kulturellem Bezug zu Istanbul und türkischem Kolorit.
- Viyolonsel Konçertosu beziehungsweise Concerto for Cello and Orchestra, 1942/1943. Konzert für Violoncello und Orchester beziehungsweise Kammerorchester; eines der wichtigsten großformatigen Instrumentalkonzerte Alnars.
- Kanun Konçertosu beziehungsweise Concerto for Kanun and String Orchestra, 1944–1951, später überarbeitet, in manchen Nachweisen mit 1951 und Revision 1958 verbunden. Hauptwerk Alnars und Schlüsselstück für die Verbindung von kanûn-Tradition, makam, Konzertform und Streichorchester.
- Suit beziehungsweise Suite für Klavier und Orchester, in Tonträger- und Werkzusammenhängen nachgewiesen. Die genaue Werkgestalt ist quellenkritisch von der Türk Süiti und anderen Suiten zu unterscheiden.
- Senfoni, in TRT- und Werkverzeichnissen als sinfonisches Werk beziehungsweise Orchesterwerk genannt. Die genaue Quellen- und Aufführungslage ist gesondert zu prüfen.
- Orchesterbearbeitungen türkischer Volkslieder. In TRT- und Werklisten als Teil von Alnars Repertoire genannt; einzelne Titel sind nach den jeweiligen Notenquellen zu erfassen.
Kammermusik
- Trio Fantazi beziehungsweise Fantasie für Trio, 1929. Kammermusikwerk, in Tonträgern häufig als Trio für Violine, Violoncello und Klavier beziehungsweise als türkisch geprägtes Klaviertrio erschlossen.
- Suite für Violine und Klavier, 1930. Kammermusikwerk mit solistischer Violine und Klavier.
- Yaylı Dörtlü beziehungsweise Quartet for Strings, 1930 beziehungsweise 1933. Streichquartett; in einzelnen Quellen unterschiedlich datiert, daher mit Datierungsvariante zu führen.
- Yalova Türküsü, 1932. Kammermusikalisches beziehungsweise vokal-instrumentales Stück, in Werklisten mit Bühnen- und Kammermusik zusammengeführt.
- Sarı Zeybek, 1932. Werk beziehungsweise Bearbeitung mit Bezug auf den Zeybek-Tanz; in Kammermusik- und Gebrauchsmusikzusammenhängen überliefert.
- Oda Müziği-Werke, in TRT- und Repertoirelisten zusammenfassend genannt. Einzelne Besetzungen sind anhand der jeweiligen Notenquellen zu präzisieren.
Klavierwerke
- Piyano İçin Beş Oyun Havası beziehungsweise Five Dance Pieces for Piano, 1932. Klavierstücke mit türkisch-tänzerischem Material.
- Sekiz Piyano Parçası beziehungsweise Eight Piano Pieces, 1935. Eines der analytisch besonders beachteten Klavierwerke Alnars; die einzelnen Stücke arbeiten mit unterschiedlichen modalen beziehungsweise makamnahen Linien.
- Uyuşuk Dans beziehungsweise Danse languissante, als Einzeltitel aus dem Klavier- beziehungsweise Tanzstückzusammenhang bekannt.
- Şu Yamaçta beziehungsweise Sur la pente, als Einzeltitel der Klavierstücke greifbar.
- Deniz Kıyısında Gün Doğrusu beziehungsweise ähnlich überlieferte Übersetzungsform, als Einzeltitel aus dem Klavierstückbestand zu prüfen.
- Weitere kurze Klavierstücke und Bearbeitungen, die in Tonträger- und Notenarchiven unter den Klavierwerken Alnars geführt werden.
Vokalwerke und Lieder
- Üç Şarkı beziehungsweise Drei Lieder für Sopran und Orchester, 1948. Vokalwerk für Sopran und Orchester; in Werklisten als Gesang mit Orchester geführt.
- Lieder und Gesangsstücke ohne gesicherte vollständige Titelliste. Da Alnars vokales Schaffen in den zugänglichen Werklisten weniger geschlossen erscheint als die Instrumentalwerke, sollten Einzeltitel nur nach Noten- oder Archivnachweis ergänzt werden.
Filmmusik
- İstanbul Sokaklarında beziehungsweise Straßen von Istanbul, Filmmusik, 1931. Frühe türkische Filmmusik und wichtiger Beleg für Alnars Arbeit im neuen Medium Kino.
- Vatan ve Namık Kemal beziehungsweise Namık Kemal, Filmmusik, 1949 beziehungsweise in Filmdatenbanken 1951. Werk zum national-literarischen Stoff um Namık Kemal.
- Halıcı Kız beziehungsweise Die Teppichverkäuferin, Filmmusik, 1953. Filmmusik zu einem frühen farbfilmgeschichtlich bedeutsamen türkischen Werk.
Traditionelle türkische Formen, peşrev, saz semâîsi und einstimmige Werke
- On Saz Semâîsi beziehungsweise 10 Saz Semaisi, 1926. Frühwerkzyklus in traditioneller instrumentaler Form, noch aus der Zeit von Kanunî Ferid Bey.
- Sözsüz Romans, 1926. Einstimmiges beziehungsweise traditionell orientiertes Stück; der Titel bedeutet sinngemäß „Romanze ohne Worte“.
- Bayâti-Arabân Peşrev, 1927. Traditionelles instrumentales Werk in der Form des peşrev und im makam Bayâti-Arabân.
- Bayâti-Arabân Saz Semâîsi, 1927. Traditionelles instrumentales Werk in der Form des saz semâîsi.
- Segâh Peşrev, 1927. Traditionelles instrumentales Werk im makam Segâh.
- Bûselik Saz Semâîsi, in türkischen Repertoiredatenbanken nachgewiesen. Traditionelles instrumentales Werk im makam Bûselik.
- Weitere kanûn- und sazbezogene Frühwerke, soweit sie in Notenarchiven, TRT-Beständen oder traditionellen Repertoireverzeichnissen nachweisbar sind.
Bearbeitungen, praktische Arbeiten und nicht vollständig geklärte Werkbereiche
- Bearbeitungen türkischer Volkslieder für Orchester. In TRT-Nachweisen und biographischen Kurzartikeln als Teil seines Werks genannt; Einzeltitel sind nach Notenarchiv und Aufführungsmaterial zu ergänzen.
- Dirigier- und Opernpraxis ohne eigene Komposition. Alnars Aufführungstätigkeit, etwa im Opern- und Sinfonieorchesterbereich, ist nicht mit Werkkomposition zu verwechseln, gehört aber zur Rezeption und Institutionengeschichte.
- Verschollene, unvollständig edierte oder nur auf Tonträgern greifbare Werke. Da Alnars Werk in verstreuten türkischen Archiven, Verlagsmaterialien und Tonträgern überliefert ist, bleibt eine endgültige kritische Gesamtliste eine Aufgabe der Fachforschung.
Rezeption und editorische Hinweise
Alnars Rezeption konzentriert sich bis heute besonders auf das Kanun Konçertosu. Dieses Werk wird regelmäßig als ein einzigartiger Beitrag zum Konzertrepertoire genannt, weil es ein traditionelles türkisches Instrument in eine westlich geprägte Konzertform integriert, ohne es seiner idiomatischen Eigenart zu berauben. Zugleich zeigt diese Konzentration ein Problem: Andere Werke, darunter das Violoncellokonzert, die Klavierstücke, die Kammermusik und die Orchesterwerke, werden deutlich seltener aufgeführt und analysiert.
In der türkischen Musikgeschichtsschreibung gilt Alnar als Sonderfall innerhalb der Türkischen Fünf. Er war der am stärksten in der klassischen türkischen Kunstmusik verwurzelte Komponist der Gruppe und verwendete makam- und aksakbezogene Elemente besonders intensiv. Dadurch eignet sich sein Werk hervorragend, um die republikanische Musikmodernisierung nicht nur als Verwestlichung, sondern als konfliktreiche Übersetzung vorhandener musikalischer Systeme zu verstehen.
Editorisch sind drei Punkte wichtig. Erstens ist die Namensform Hasan Ferid neben Hasan Ferit zu führen. Zweitens muss die Todesdatierung quellenkritisch behandelt werden, da 27. Juli und 30. Juli 1978 in unterschiedlichen Nachweisen begegnen. Drittens sollten traditionelle Frühwerke nicht als bloße Nebensachen abgetrennt werden. Gerade sie erklären, warum Alnars spätere Synthese von Kanun, makam, Konzertform und Orchester klanglich glaubwürdig wirkt.
Sekundärliteratur
- Altınköprü, Halil: Cumhuriyet Döneminde Türk Müziğinde Çağdaşlaşma Çalışmaları ve Hasan Ferid Alnar. Unveröffentlichte Masterarbeit, Ege Üniversitesi, 2004.
- Aydın, Yılmaz: Die Werke der „Türkischen Fünf“ im Lichte der musikalischen Wechselbeziehungen zwischen der Türkei und Europa. Frankfurt am Main u. a.: Peter Lang, 2002.
- Aydın, Yılmaz: Türk Beşleri. Ankara: Müzik Ansiklopedisi Yayınları, 2011.
- Erdoğan, Evren: „Müzik Eğitiminde Türk Devrimi: Hasan Ferit Alnar’ın Türk Beşlerindeki Yeri ve Sekiz Piyano Parçası“. In: Siirt Eğitim Dergisi 2/1, 2022, S. 57–78.
- Greve, Martin: Makamsız. Individualization of Traditional Music on the Eve of Kemalist Turkey. Berlin: Klaus Schwarz Verlag, 2015. Wichtig zum größeren Kontext von makam, Modernisierung und Individualisierung türkischer Musik.
- İlyasoğlu, Evin: Minyatürden Destana Bir Yolculuk. Cumhuriyet’in Sesleri. Istanbul: Yapı Kredi Kültür Sanat Yayıncılık, 1998.
- Köymen, Elif Gül Mine: Conservative Progressivism: Hasan Ferid Alnar and Turkish Music Reform. Masterarbeit, University of Texas at Austin, 2016.
- Okyay, Erdoğan, Hg.: Hasan Ferid Alnar’a Armağan. Ankara: Sevda Cenap And Vakfı Yayınları, 1999.
- Özalp, Mehmet Nazmi: Türk Mûsikîsi Tarihi. Ankara: Milli Eğitim Bakanlığı Yayınları.
- Say, Ahmet: Müzik Ansiklopedisi. Ankara: Sanem Matbaası, 1985.
- Say, Ahmet: Müzik Tarihi. Ankara: Müzik Ansiklopedisi Yayınları, 2003.
- Saygun, Ahmet Adnan: Atatürk ve Musiki. Ankara: Sevda Cenap And Müzik Vakfı Yayınları, 1981.
- Su, Süreyya: „Türkiye’de Batılılaşma Sürecinin Bir Tezahürü Olarak Müzikte Kimlik Sorunu“. In: Toplum Bilim, 2001.
- Tekelioğlu, Orhan: Studien zur türkischen Musikreform, zum Verhältnis von Staat, Modernisierung und Musik sowie zum republikanischen Kulturprojekt.
Ausgewählte Onlinequellen
- Atatürk Ansiklopedisi: Hasan Ferit Alnar Türkischer biographischer Artikel zu Alnar als Musiker, Komponist, Dirigent, kanûn-Virtuose und Musikpädagoge der Republikzeit.
- DergiPark: Hasan Ferit Alnar’ın Türk Beşlerindeki Yeri ve Sekiz Piyano Parçası Wissenschaftlicher Artikel zu Alnars Stellung innerhalb der Türkischen Fünf und zur modalen Struktur der Sekiz Piyano Parçası.
- Discogs: Hasan Ferit Alnar Diskographische Übersicht mit Tonträgern, Einspielungen, Konzertwerken, Kammermusik und Filmmusikbezügen.
- Encyclopedia.com: Alnar, Hasan Ferid Englischsprachiger Kurzartikel mit Lebensdaten, Ausbildung bei Arel, Manas, Marx und Kabasta sowie Ankaraer Ämtern.
- Greek National Opera Virtual Museum: Alnar Hasan Ferid Biographische Seite mit Ausbildung, Ankaraer Tätigkeit, Werkliste und Nachweis einer Madama Butterfly-Produktion unter Alnars Leitung.
- IMDb: Hasan Ferit Alnar Filmdatenbankeintrag mit Nachweisen zu Alnars Filmmusiken, darunter İstanbul Sokaklarında, Vatan ve Namık Kemal und Halıcı Kız.
- Karnaval: Hasan Ferit Alnar Kurzbiographische Seite mit Hinweis auf zentrale Werke wie Türk Süiti, Sekiz Parça, Violoncellokonzert und Kanun-Konzert.
- MGG Online: Alnar, Hasan Ferid Fachlexikalischer Artikel mit der Namensform Hasan Ferid Alnar, Lebensdaten und Einordnung als Komponist, Dirigent und kanûn-Virtuose.
- ProjeSM: Hasan Ferit Alnar Besteleri Türkische Repertoireseite mit traditionellen Werken wie Bayâtî-Arabân Peşrev, Bûselik Saz Semâîsi und Segâh Peşrev.
- TRT Nota Arşivi: Hasan Ferit Alnar TRT-Notenarchiv mit Kurzbiographie, Werkhinweisen und Betonung des Kanun-Konzerts als einzigartigem Werk der türkischen und internationalen Musikliteratur.
- Turkish Music Portal: Hasan Ferid Alnar Deutschsprachige Portalseite mit Lebenslauf, Werkübersicht und kulturhistorischer Einordnung.
- Turkish Music Portal: Hasan Ferid Alnar Türkischsprachige Fassung mit biographischen und werkbezogenen Angaben.
Weiterführende Einträge
- Necil Kâzım Akses Mitglied der Türkischen Fünf und wichtiger Vergleichspunkt für die türkische Sinfonik und Moderne.
- Aksak Asymmetrisches Rhythmusprinzip, das für Alnars türkisch geprägte Tanz- und Konzertmusik wesentlich ist.
- Ankara Zentraler Wirkungsort Alnars als Lehrer, Dirigent und Opernleiter der Republikzeit.
- Ankara Devlet Konservatuvarı Konservatorium, an dem Alnar unterrichtete und am Aufbau moderner türkischer Musikausbildung beteiligt war.
- Ankara Devlet Operası Operninstitution, mit der Alnar als Generalmusikdirektor und Dirigent verbunden war.
- Hüseyin Sadettin Arel Theoretiker und Lehrer Alnars, wichtig für dessen Ausbildung in klassischer türkischer Musik.
- Cumhurbaşkanlığı Senfoni Orkestrası Türkisches Präsidentielles Sinfonieorchester, das Alnar als Dirigent prägte.
- Edgar Manas Istanbuler Komponist und Lehrer, bei dem Alnar Kontrapunkt und Fuge studierte.
- Ulvi Cemal Erkin Mitglied der Türkischen Fünf und wichtiger Vergleichspunkt für die Verwendung türkischer Rhythmen und Tänze.
- Istanbul Geburtsstadt Alnars und Ausgangspunkt seiner kanûn- und makambezogenen Ausbildung.
- Joseph Marx Wiener Kompositionslehrer Alnars und Vertreter einer spätromantischen Kompositionsästhetik.
- Kanun Zitherinstrument der türkischen und nahöstlichen Kunstmusik, für Alnars Biographie und Kanun-Konzert zentral.
- Kanun-Konzert Konzertgattung, die Alnar mit seinem Kanun Konçertosu in die moderne türkische Kunstmusik einführte.
- Makam Modales System der türkischen Kunstmusik und Grundelement von Alnars musikalischer Sprache.
- Oswald Kabasta Dirigierlehrer Alnars in Wien.
- Peşrev Instrumentale Form der klassischen türkischen Musik, in der Alnar frühe Werke schrieb.
- Cemal Reşit Rey Mitglied der Türkischen Fünf und zentrale Figur des republikanischen türkischen Musiklebens.
- Ahmet Adnan Saygun Mitglied der Türkischen Fünf und international besonders bekannter Vertreter türkischer Kunstmusik des 20. Jahrhunderts.
- Saz Semâîsi Instrumentale Form der klassischen türkischen Musik, die in Alnars Frühwerk eine wichtige Rolle spielt.
- Türk Beşleri Türkische Bezeichnung für die Komponistengruppe der Türkischen Fünf.
- Türkische Fünf Komponistengruppe der frühen Republik Türkei, zu der Alnar gehörte.
- Türkische Kunstmusik Traditionelle Musikpraxis, aus der Alnars frühe Ausbildung und viele seiner kompositorischen Verfahren hervorgehen.
- Türkische Musik der Republikzeit Kulturpolitischer und institutioneller Rahmen von Alnars Werk und Wirken.
- Usul Rhythmisches Zyklensystem der türkischen Kunstmusik, wichtig für die metrische Logik von Alnars Musik.
- Wien Studienort Alnars und wichtiger Ort seiner europäischen Kompositions- und Dirigierausbildung.