Eyvind Alnæs

Auch Eyvind Alnaes und Eyvind Alnäs; * 29. April 1872 in Fredrikstad, † 24. Dezember 1932 in Oslo; norwegischer Komponist, Dirigent, Organist, Chordirigent, Pianist und Kirchenmusiker.

Überblick

Eyvind Alnæs war eine zentrale Gestalt der norwegischen Musik um 1900. Er wirkte als Komponist, Organist, Dirigent, Chordirigent, Pianist, Begleiter und Kirchenmusiker. In der norwegischen Musikgeschichte steht er besonders als Romanzenkomponist neben Edvard Grieg und Agathe Backer Grøndahl. Seine Lieder, in Norwegen meist als Romanzen bezeichnet, verbanden spätromantische Harmonik, norwegische Textnähe, gesangliche Melodie und eine anspruchsvolle Klavierbegleitung.

Alnæs war zugleich ein prägender Kirchenmusiker. Nach Organistenstellen in Drammen und Uranienborg wurde er 1916 Organist und Kantor an der Osloer Domkirche, damals Vår Frelsers kirke. Dort hatte er großen Einfluss auf das kirchliche Musikleben, auf Orgelpraxis, Gemeindegesang, Chormusik und kirchliche Festgestaltung. Sein Wirken zeigt, wie eng in Norwegen um 1900 Liedkunst, Kirchenmusik, bürgerliche Chorpraxis und nationales Musikleben miteinander verbunden waren.

Sein Werk umfasst Romanzen, Männerchöre, gemischte Chorsätze, Klavierstücke, Orgelpräludien, Kammermusik, zwei Sinfonien, symphonische Variationen, ein Klavierkonzert und Bearbeitungen. Die Opusliste reicht bis op. 45; daneben stehen Werke ohne Opuszahl, Manuskripte, Kantaten, Bearbeitungen und praktische kirchenmusikalische Arbeiten. Die bekanntesten Lieder sind Sidste reis, Vaarlængsler, Der du gjekk fyre, Februarmorgen ved Golfen und De hundrede violiner. Besonders Sidste reis wurde durch Sänger wie Feodor Schaljapin international bekannt.

Kulturgeschichtlich verkörpert Alnæs den norwegischen Spätromantiker, der nicht radikal modernisiert, sondern vorhandene Traditionen kunstvoll verdichtet: deutsche Ausbildung, norwegische Textkultur, Grieg-Nachfolge, bürgerliches Konzertleben, Männerchorbewegung, Kirchenmusikreform und nationale Institutionenbildung. Als Mitbegründer der Norsk Komponistforening und als zeitweiliger Vorsitzender des Verbandes gehört er außerdem zur organisatorischen Geschichte der norwegischen Komponistenkultur.

Kurzdaten

Name Eyvind Alnæs.
Weitere Namensformen Eyvind Alnaes, Eyvind Alnäs, E. Alnæs, Alnæs, Eyvind, Alnaes, Eyvind.
Geburt 29. April 1872 in Fredrikstad, Norwegen.
Tod 24. Dezember 1932 in Oslo.
Beruf Komponist, Dirigent, Organist, Chordirigent, Pianist, Kirchenmusiker, Domkantor, Romanzenkomponist und Mitbegründer des norwegischen Komponistenverbandes.
Ausbildung Musik- und Organistenschule in Kristiania; Klavier bei Westye Waaler, Orgel bei Peter Lindeman, Theorie und Komposition bei Iver Holter; weitere Studien in Leipzig bei Carl Reinecke und in Berlin bei Julius Ruthardt.
Wirkungsorte Fredrikstad, Kristiania beziehungsweise Oslo, Leipzig, Berlin, Drammen, Uranienborg und Osloer Domkirche.
Kirchenämter Organist an Bragernes kirke in Drammen, Uranienborg kirke in Kristiania beziehungsweise Oslo und Vår Frelsers kirke beziehungsweise Oslo domkirke.
Hauptgattungen Romanze, Lied, Männerchor, gemischter Chor, Orgelpräludium, Klavierstück, Kammermusik, Sinfonie, Klavierkonzert, symphonische Variation und Kantate.
Bekannte Werke Symphony No. 1 op. 7, Variations symphoniques op. 8, Piano Concerto in D major op. 27, 60 easy melodious Preludes for Organ op. 33, 10 Piano Pieces on Norwegian Folk Songs op. 39, Symphony No. 2 op. 43 sowie die Lieder Sidste reis, Vaarlængsler, Februarmorgen ved Golfen und De hundrede violiner.
Auszeichnungen Kongens fortjenstmedalje in Gold 1922; Ritter 1. Klasse des St.-Olav-Ordens 1932; Ehrenzeichen des norwegischen Sängerbundes.
Bedeutung Alnæs zählt zu den wichtigsten norwegischen Romanzenkomponisten um 1900 und war zugleich ein einflussreicher Organist, Chordirigent und Kirchenmusiker in Oslo.

Name, Schreibweisen und editorische Einordnung

Die Hauptform des Namens lautet Eyvind Alnæs. Da der Buchstabe æ in internationalen Katalogen häufig ersetzt wird, erscheinen auch die Schreibungen Eyvind Alnaes und vereinzelt Eyvind Alnäs. Für die Dateibezeichnung wird die diakritikfreie Form alnaes-eyvind.shtml verwendet. Sichtbarer Linktext und Überschrift bleiben bei der norwegischen Form Eyvind Alnæs.

Der Artikel ist als Kulturlexikon-Seite angelegt, weil Alnæs nicht nur als Komponist einzelner Werke, sondern als kulturelle Vermittlungsfigur zu verstehen ist. Seine Tätigkeit berührt norwegische Musik, Kirchenmusik, Liedkunst, Chormusik, Orgelmusik, Musikverlag, Komponistenverband und bürgerliche Konzertpraxis. Gerade diese Überschneidung macht ihn für eine kulturgeschichtliche Darstellung ergiebig.

Ausbildung in Kristiania, Leipzig und Berlin

Alnæs zeigte früh außergewöhnliche musikalische Begabung. 1888 begann er seine Ausbildung an der Musik- und Organistenschule in Kristiania, dem späteren Oslo. Dort studierte er Klavier bei Westye Waaler, Orgel bei Peter Lindeman und die theoretischen Fächer bei Iver Holter. Holter erkannte Alnæs’ Talent früh und wurde für dessen Entwicklung als Komponist und Musiker besonders wichtig.

1892 konnte Alnæs mit Unterstützung eines Stipendiums seine Studien in Leipzig fortsetzen. Dort kam er in die Tradition der deutschen Konservatoriumsausbildung, die für viele skandinavische Musiker des 19. Jahrhunderts prägend war. Sein Lehrer Carl Reinecke stand für eine solide, konservativ-romantische Kompositionsästhetik, in der Formbewusstsein, kontrapunktische Schulung, Klavierkultur und melodische Klarheit wichtig blieben. Später studierte Alnæs in Berlin bei Julius Ruthardt.

Diese Ausbildung erklärt Alnæs’ Stil. Er ist norwegisch in der Textwahl, in der Nähe zu Grieg und in manchen volksliednahen Wendungen, aber seine kompositorische Grundlage bleibt stark deutsch geprägt. Seine Harmonik, seine Klaviersätze, die Formanlage seiner Sinfonien und die dichte Orchestrierung seiner größeren Werke lassen die Leipziger und Berliner Schulung erkennen.

Organist, Domkantor und Kirchenmusiker

Die Organistentätigkeit war Alnæs’ wichtigste berufliche Grundlage. Von 1895 bis 1907 wirkte er an der Bragernes kirke in Drammen, danach bis 1916 an der Uranienborg kirke in Kristiania beziehungsweise Oslo. 1916 wurde er Organist und Kantor an Vår Frelsers kirke, der späteren Osloer Domkirche. Diese Stellung behielt er bis zu seinem Tod 1932.

Als Organist wurde Alnæs besonders für sein Begleiten des Gemeindegesangs, seine stimmungsvollen Eingangsspiele und seine Improvisationen vor den Chorälen geschätzt. Damit gehörte er zu einer Kirchenmusikpraxis, in der der Organist nicht nur Notentext ausführte, sondern den liturgischen Raum klanglich ordnete. Orgelspiel, Gemeindegesang, Chorarbeit und Festgottesdienst bildeten eine Einheit.

Sein kirchenmusikalischer Einfluss reichte über die eigene Spielpraxis hinaus. Er setzte sich für bessere Orgeln in Osloer Kirchen ein, wirkte an kirchenmusikalischen Entwicklungen mit und war Mit-Herausgeber beziehungsweise Mitarbeiter kirchlicher Choral- und Gesangbuchzusammenhänge. Die 60 easy melodious Preludes for Organ op. 33 zeigen, dass er für den praktischen kirchlichen Gebrauch schrieb und dabei melodische Zugänglichkeit mit liturgischer Brauchbarkeit verband.

Chordirigent und norwegische Sängerbewegung

Alnæs war über Jahrzehnte als Chordirigent tätig. Besonders wichtig war seine Verbindung zur Oslo håndverkersangforening, die er mit Unterbrechungen etwa 25 Jahre leitete. Außerdem dirigierte er Holters korforening und übernahm 1931 die Leitung der Olavsguttene, des Osloer Domchors. Diese Chorarbeit verband professionelle musikalische Ansprüche mit der breiten bürgerlichen und nationalen Sängerbewegung Norwegens.

Seine Männerchöre wurden wegen frischer Melodik, Humor, Kraft und guter Singbarkeit beliebt. Titel wie Haust, Lurleik, O, Vaar und Giv agt, du Norges unge blod gehören in einen Kontext, in dem Männerchor nicht nur ästhetische, sondern auch soziale Funktion hatte. Er stiftete Gemeinschaft, nationale Zugehörigkeit, bürgerliches Selbstbewusstsein und festliche Öffentlichkeit.

Alnæs’ Chorarbeit darf daher nicht als Nebenbeschäftigung erscheinen. Sie ist Teil seines kulturellen Profils. Der Komponist schrieb nicht nur für den Konzertsaal, sondern für reale Chöre, kirchliche Anlässe, Sängerfeste, Vereinskultur und die musikalische Selbstorganisation einer Gesellschaft, die nach nationaler Unabhängigkeit und kultureller Eigenständigkeit suchte.

Romanzen, Liedkunst und Textdeutung

Alnæs ist vor allem als Komponist norwegischer Romanzen bekannt. Die Romanze meint im skandinavischen Kontext nicht einfach ein Liebeslied, sondern eine kunstliedartige Gattung für Singstimme und Klavier. Bei Alnæs steht sie zwischen deutschem Kunstlied, norwegischer Sprachmelodie, spätromantischem Ausdruck und bürgerlicher Salon- beziehungsweise Konzertpraxis.

Seine Liedproduktion umfasst ungefähr 85 Romanzen. Die Texte stammen unter anderem von Henrik Ibsen, Aasmund Olavsson Vinje, Ivar Aasen, Henrik Wergeland, Nils Collett Vogt, Per Sivle, Herman Wildenvey, Olaf Bull, Vilhelm Krag, Holger Drachmann, Robert Burns, Heinrich Heine, Gustav Fröding und weiteren skandinavischen Dichtern. Diese Textwahl zeigt Alnæs’ kulturelle Spannweite: norwegische Nationalsprache, dänische und schwedische Literatur, deutsche Romantik, englisch-schottische Lyrik und zeitgenössische skandinavische Dichtung.

Die Klavierbegleitung ist bei Alnæs oft anspruchsvoll. Sie trägt nicht nur Akkorde, sondern deutet Stimmung, Raum, seelische Bewegung und poetische Atmosphäre. Die Melodie deklamiert den Text, soll ihn aber zugleich über den bloßen Wortsinn hinaus interpretieren. In diesem Punkt steht Alnæs deutlich in der Nachfolge Griegs, ohne dessen knappe, oft volksliednahe Konzentration einfach zu wiederholen.

Besonders bekannt wurden Der du gjekk fyre, Sidste reis, Vaarlængsler, Februarmorgen ved Golfen und De hundrede violiner. Diese Lieder zeigen die Stärken Alnæs’: melodische Eingängigkeit, dramatische Steigerung, warme spätromantische Harmonik und ein sicheres Gespür für gesangliche Linie.

Klavier-, Kammer- und Orchesterwerke

Neben den Romanzen schrieb Alnæs zahlreiche Klavierstücke, darunter Charakterstücke, Etüden, Variationen und Bearbeitungen norwegischer Volkslieder. Die Klaviermusik bewegt sich zwischen häuslicher Spielpraxis, konzertanter Virtuosität und nationalromantischer Miniatur. Werke wie die 4 Piano Pieces op. 4, die Variations sur un thème original op. 5, die späteren Klavierstücke op. 20, op. 32, op. 39 und op. 44 zeigen den Pianisten Alnæs als Komponisten einer praktischen, aber nicht anspruchslosen Klavierkultur.

Die Kammermusik ist schmaler, aber bedeutsam. Die Suite for Violin and Piano op. 3 und die spätere Suite op. 37 stehen für die Verbindung von nordischer Melodik und deutscher Formtradition. Die Suite op. 36 für zwei Violinen und Klavier sowie ein Streichquartett in D-Dur ohne Opuszahl ergänzen das Bild eines Komponisten, der Kammermusik nicht in den Mittelpunkt stellte, sie aber kompetent behandelte.

Die Orchesterwerke sind größer angelegt, konnten sich aber nicht dauerhaft im Repertoire behaupten. Alnæs schrieb zwei Sinfonien, symphonische Variationen, einen symphonischen Marsch beziehungsweise Klavierduo-Marsch und ein Klavierkonzert in D-Dur op. 27. Das Klavierkonzert wurde 1913 komponiert und 1914 uraufgeführt. Die zweite Sinfonie op. 43 wurde 1924 uraufgeführt und gilt innerhalb der Orchesterwerke als besonders lyrisch und wirkungsvoll instrumentiert.

Stil, Klangsprache und kulturgeschichtliche Stellung

Alnæs’ Stil ist spätromantisch. Er bevorzugt kantable Melodie, farbige Harmonik, dichten Klaviersatz, klare Formmodelle und emotionale Steigerungen. In den Liedern ist die Textausdeutung zentral, in den Chorsätzen die Singbarkeit, in den Orgelstücken die liturgische Brauchbarkeit, in den Orchesterwerken die Verbindung von klassischer Form und romantischer Klangfülle.

Der Einfluss norwegischer Volksmusik ist bei Alnæs weniger direkt als bei Grieg. Volksliedhafte Züge treten besonders in den Vertonungen von Vinje und Aasen sowie in den Klavierstücken über norwegische Volkslieder hervor. Grundsätzlich bleibt Alnæs jedoch stärker in der internationalen, deutsch-skandinavischen Kunstmusiktradition verankert. Seine Nationalität liegt weniger im Zitat als in Sprache, Textwahl, Institutionen und Aufführungspraxis.

Kulturgeschichtlich steht Alnæs zwischen Nationalromantik und institutioneller Moderne. Er gehört noch zur Generation, die den norwegischen Liedton nach Grieg fortführt; zugleich beteiligt er sich an der Gründung professioneller Komponisteninstitutionen. Er ist kein avantgardistischer Neuerer, aber eine prägende Kraft des norwegischen Musiklebens, besonders im Bereich Romanze, Chormusik und Kirchenmusik.

Werkverzeichnis

Das folgende Werkverzeichnis ist als umfangreiche kulturlexikalische Arbeitsübersicht angelegt. Es folgt der Opusfolge bis op. 45, ergänzt Werke ohne Opuszahl, Bearbeitungen, kirchenmusikalische Gebrauchswerke und rezeptionsgeschichtlich wichtige Aufnahmen beziehungsweise Editionen. Einzelne Liedtitel und Untertitel können in älteren Drucken, russischen Ausgaben, Bibliothekskatalogen und modernen Datenbanken leicht abweichen.

Werke mit Opuszahl

  • 4 Songs op. 1, Christiania: Warmuth, 1892. Enthält Borte nach Henrik Ibsen, Langs ei Aa nach Aasmund Olavsson Vinje, Sig, husker du nach Holger Drachmann und Gyngevise nach Vilhelm Krag.
  • 5 Poems by Vilhelm Krag op. 2. Enthält Moderen synger, Minde, Jeg laa ved sjøen, Liden Kirsten und Udover.
  • Suite for Violin and Piano op. 3. Kammermusikwerk für Violine und Klavier, wichtig für Alnæs’ frühe Instrumentalproduktion.
  • 4 Piano Pieces op. 4. Enthält Vaterländische Hymne, Volksweise, Albumblatt und Humoreske.
  • Variations sur un thème original op. 5, für Klavier. Frühes Variationswerk und Beispiel für Alnæs’ pianistische Grundlage.
  • 5 Songs op. 6, nach L. G. Silbergleit sowie nach Robert Burns und Heinrich Heine. Enthält Winterklage, An eine Nachtigall, Ein Jüngling liebt ein Mädchen, Was will die einsame Träne und Der erste Psalm.
  • Symphony No. 1 in C minor op. 7. Erste Sinfonie; Manuskriptüberlieferung und spätere moderne Erschließung.
  • Variations symphoniques sur un thème original op. 8. Symphonische Variationen, eines der größeren gedruckten beziehungsweise aufführungsrelevanten Orchesterwerke.
  • 3 Piano Pieces op. 9. Enthält Impromptu, Studie und Novelette.
  • 3 Piano Pieces op. 10, Hansen, 1902. Enthält Skizze, Idylle und Melodie.
  • 3 Poems by Ernst von der Recke op. 11. Enthält Det volder saa den vintertid, Der dryssede korn fra modent straa und Fra himlen falder der stjerneskud.
  • 4 Songs op. 12, nach Aasmund Olavsson Vinje und Ivar Aasen. Enthält D’er tungt, Blomen min, Den dag kjem aldri, at eg deg gløymer und Ute i verdi.
  • 4 Piano Pieces op. 13. Klavierzyklus aus der frühen bis mittleren Schaffenszeit.
  • 4 Songs op. 14, nach Nils Collett Vogt und Theodor Caspari. Liedheft mit skandinavischer Textgrundlage; einzelne Titel werden in Werklisten unvollständig beziehungsweise variierend überliefert.
  • Sol och andre Sånger op. 15, nach Per Sivle und anderen Texten. Enthält unter anderem Sol und Jul.
  • Marche symphonique op. 16, für zwei Klaviere zu vier Händen. Konzertantes Klavierduo-Werk mit symphonischem Anspruch.
  • 3 Songs op. 17. Enthält Der du gjekk fyre nach Vinje, Sidste reis nach Henrik Wergeland und Vaarlængsler nach Nils Collett Vogt. Dieses Heft gehört zu Alnæs’ bekanntesten Liedveröffentlichungen.
  • 4 Men’s Choir Songs op. 18, nach Per Sivle. Männerchorsätze für die norwegische Sängerbewegung.
  • Songs for a Low Voice op. 19. Liedheft für tiefe Stimme, wichtig für Alnæs’ Repertoire jenseits hoher Salonstimmen.
  • Piano Pieces op. 20. Klavierstücke der mittleren Werkphase.
  • New Choir Songs for Men’s Choir op. 21. Männerchorheft mit Bezug zur norwegischen Vereins- und Chorpraxis.
  • 6 Songs op. 22, nach Anders Hovden und Aasmund Olavsson Vinje. Enthält Tungalda, Den diktar aldri djupt, Atter gløyma, Du naar maalet, So skal gjenta hava det und ein weiteres in Werklisten unvollständig ausgewiesenes Lied.
  • 3 Songs beziehungsweise Poems by Nils Collett Vogt op. 23. Enthält nach Werklisten unter anderem Alt var dig, En Vaggvislat und En Var.
  • 3 Swedish Poems op. 24. Liedheft mit schwedischer Textgrundlage.
  • 3 Norwegian Folk Songs op. 25, für Männerchor. Bearbeitungen beziehungsweise Chorsätze nach norwegischer Volksliedtradition.
  • 3 Songs op. 26, nach Viggo Henrik Fog Stuckenberg. Enthält Lykken mellem to mennesker, Nu brister i alle de Kløfter und En Morgen var din Grav.
  • Piano Concerto in D major op. 27, komponiert 1913 und später gedruckt. Dreisätziges spätromantisches Konzert für Klavier und Orchester, eines der wichtigsten großen Instrumentalwerke Alnæs’.
  • 4 Songs op. 28, nach Nils Collett Vogt und Herman Wildenvey. Enthält Til en ung mand, Pinselilje, Februarmorgen ved Golfen und Selma.
  • 3 Poems by Nils Collett Vogt op. 29, veröffentlicht 1920. Enthält Sne, Ruten und Kjolen.
  • 4 Poems by Herman Wildenvey op. 30, Hansen, 1920. Enthält Højtid, Ved syrintid, Tidlig Sommer Morgen und Eventyr till Ellen.
  • 3 Poems by Olaf Bull op. 31. Enthält Promenade, Lille ven und Digter.
  • 3 Morceaux pour piano op. 32, Hansen, 1921. Enthält Etude, Jeu d’Enfants und Caprice.
  • 60 easy melodious Preludes for Organ op. 33, norwegisch 60 lette melodiøse Præludier for orgel. Praktisches Orgelwerk für kirchliche Verwendung.
  • 4 Poems op. 34. Liedheft mit vier poetischen Vertonungen.
  • 4 Songs op. 35, nach Gustav Fröding und Nils-Magnus Folcke, 1922. Spätes Liedheft mit schwedischem Textbezug.
  • Suite for 2 Violins and Piano op. 36. Kammermusikwerk für zwei Violinen und Klavier.
  • Suite for Violin and Piano op. 37. Spätere Suite für Violine und Klavier.
  • 4 Värmlandska låtar op. 38, nach Texten von Gustav Fröding, Hansen, 1922. Enthält unter anderem Jäntblig und Skogsran.
  • 10 Piano Pieces on Norwegian Folk Songs op. 39, Hansen, 1923. Enthält Herr Gudmund, Valdrisvisen, Aasmund Fregdegjaevar, Dae va eingang ein Kunge, Naar jenta bare er konfirmera, Aa Ola, Ola min eigen Onge, Saeterreisen, Lensmannen hadd ei graskjemra merr, Jeg lagde mig saa sildig und Ho Guro.
  • 3 Norwegian Folk Songs op. 40, für Männerchor. Chorbearbeitungen nach norwegischen Volksliedern.
  • 4 Songs op. 41, nach Oscar Stjerne und Nils-Magnus Folcke. Spätes Liedheft mit skandinavischer Textauswahl.
  • 4 Songs op. 42. Enthält unter anderem De hundrede violiner und Aa liva; einzelne weitere Titel erscheinen in Werklisten unvollständig oder mit Übersetzungsvarianten.
  • Symphony No. 2 in D major op. 43. Zweite Sinfonie, 1924 uraufgeführt, in vier Sätzen überliefert und rezeptionsgeschichtlich das erfolgreichere der beiden symphonischen Werke.
  • 2 Études mélodiques op. 44, für Klavier. Spätes Klavierwerk mit pädagogisch-konzertantem Charakter.
  • 3 Songs op. 45. Spätes Liedheft; einzelne Titel sind in Werklisten nur unvollständig oder in Übersetzungsform ausgewiesen.

Werke ohne Opuszahl

  • Romance in E major, für Klavier solo, veröffentlicht bei Hansen 1906. Kurzes Charakterstück für Klavier.
  • Kantate, Manuskript, in norwegischen Bibliotheksbeständen nachgewiesen. Genaue Werkgestalt und Anlass sind quellenkritisch zu prüfen.
  • Kantate ved hundreårsfestlighetene for den første norske utvandring til Amerika. Kantate zum hundertjährigen Gedenken der ersten norwegischen Auswanderung nach Amerika; möglicherweise mit dem allgemeinen Kantatenmanuskript verbunden.
  • String Quartet in D major, Streichquartett in D-Dur. In Teilen beziehungsweise Stimmen überliefertes Kammermusikwerk ohne Opuszahl.
  • Anne Knutsdatter, norwegisches Volkslied, Bearbeitung beziehungsweise Chor- oder Liedfassung. In späteren Musikdruck- und Gebrauchszusammenhängen nachgewiesen.
  • Jeg og du, stygge Mari, norwegisches Volkslied, Bearbeitung. In russischen beziehungsweise internationalen Nachweisen mit Übersetzungsvarianten greifbar.

Bearbeitungen, Herausgaben und praktische Arbeiten

  • Bearbeitung von Ole Bulls Sæterjentens Søndag beziehungsweise The Herdgirl’s Sunday. Alnæs erscheint in modernen Notenverzeichnissen als Bearbeiter.
  • Bearbeitung von Johan Halvorsens Mosaique. In digitalen Notenkatalogen als Bearbeitung durch Alnæs nachgewiesen.
  • Bearbeitung von Johan Svendsens Romance op. 26. Alnæs erscheint als Bearbeiter in modernen Notenquellen.
  • Bearbeitung von Jean Sibelius’ Scaramouche op. 71. In digitalen Notenkatalogen als Bearbeitung ausgewiesen.
  • Bearbeitung von Johan Svendsens Zorahayda op. 11. Katalogisch als Bearbeitung durch Alnæs greifbar.
  • Herausgabe beziehungsweise Bearbeitung von Robert Schumanns Faschingsschwank aus Wien op. 26. In digitalen Notenverzeichnissen als editorische Arbeit ausgewiesen.
  • Mitarbeit an kirchlichen Choral- und Gesangbuchzusammenhängen, besonders im Umfeld der norwegischen Kirchenmusik und der Koralbok for den norske kirke. Diese Tätigkeit ist für Alnæs’ kirchenmusikalische Wirkung wichtig, auch wenn sie nicht als Einzelopus geführt wird.

Werkgruppen nach Gattungen

  • Romanzen und Lieder: ungefähr 85 Lieder für Singstimme und Klavier; verteilt über fast die gesamte Schaffenszeit; zentrale Textautoren sind Vinje, Aasen, Wergeland, Vogt, Wildenvey, Bull, Ibsen, Krag, Drachmann, Burns, Heine, Sivle und Fröding.
  • Männerchöre: mehrere Hefte und Einzelstücke für Männerchor, darunter op. 18, op. 21, op. 25 und op. 40; bedeutend für norwegische Vereins- und Sängerfestkultur.
  • Gemischte Chöre und Kirchenmusik: Motetten, Chorsätze, Orgelbegleitungen und praktische kirchliche Musik; besonders wichtig ist die Weihnachtsmotette für gemischten Chor und Orgel, die in norwegischen Chorkontexten lange gepflegt wurde.
  • Orgelmusik: besonders op. 33 mit 60 leichten melodischen Präludien; daneben improvisatorische und liturgische Praxis, die nicht vollständig als gedrucktes Werk überliefert ist.
  • Klaviermusik: Charakterstücke, Variationen, Etüden, Volksliedbearbeitungen und kleinere Konzertstücke, darunter op. 4, op. 5, op. 9, op. 10, op. 13, op. 20, op. 32, op. 39 und op. 44.
  • Kammermusik: Suiten für Violine und Klavier, Suite für zwei Violinen und Klavier, Streichquartett in D-Dur ohne Opuszahl.
  • Orchesterwerke: zwei Sinfonien, symphonische Variationen, Klavierkonzert, größere Kantaten und einzelne orchestrale beziehungsweise festliche Werke.

Rezeptionsgeschichtlich wichtige Aufnahmen und moderne Wiedererschließung

  • Piano Concerto in D major op. 27 wurde in moderner Zeit wieder eingespielt und dadurch außerhalb Norwegens stärker wahrgenommen.
  • Symphony No. 1 op. 7 und Symphony No. 2 op. 43 wurden im frühen 21. Jahrhundert durch Aufnahmen und Digitalisate neu zugänglich.
  • Alnæs’ Lieder wurden von bedeutenden Sängerinnen und Sängern gesungen und aufgenommen, darunter Kirsten Flagstad und Feodor Schaljapin.
  • Digitale Notenangebote bei IMSLP, Musopen, Wise Music Classical und der norwegischen Nationalbibliothek erleichtern die Wiederaufführung einzelner Werke.

Rezeption und editorische Hinweise

Zu Lebzeiten war Alnæs vor allem durch seine Romanzen und seine Tätigkeit als Organist und Chordirigent bekannt. Neue Lieder wurden vom Publikum und von Kritikern aufmerksam aufgenommen. Seine Romanzen gehörten zu einem Repertoire, das Sängerinnen und Sänger im Konzertsaal, im bürgerlichen Musikleben und im Rundfunk lange pflegten. Besonders Sidste reis gewann durch große Interpreten eine internationale Ausstrahlung.

Die großen Orchesterwerke hatten eine wechselvollere Rezeption. Die erste Sinfonie und die symphonischen Variationen wurden zunächst positiv aufgenommen, aber die dichte Orchestrierung und der konservativ-spätromantische Stil verhinderten eine dauerhafte Repertoirebildung. Das Klavierkonzert und die zweite Sinfonie gelten heute als die lohnendsten größeren Werke. Moderne Einspielungen haben gezeigt, dass Alnæs’ Orchesterwerke nicht nur historische Kuriositäten sind, sondern die nordische Spätromantik um 1900 sinnvoll ergänzen.

Editorisch ist bei Alnæs auf die Schreibweise des Namens, die Unterscheidung von Liedheften und Einzelliedern sowie die abweichenden Druck- und Manuskriptlagen zu achten. Die Form Alnaes ist in internationalen Katalogen verbreitet, sollte aber auf deutschsprachigen Seiten nur als Such- und Variantenform dienen. Die norwegische Hauptform bleibt Alnæs. Bei der Werkangabe empfiehlt sich die Opusfolge als Grundordnung, weil sie den publizierten Bestand klarer strukturiert als eine rein alphabetische Titelliste.

Sekundärliteratur

  • Benestad, Finn, und Dag Schjelderup-Ebbe: Studien zur norwegischen Musikgeschichte und zur Nach-Grieg-Generation. Als Kontext für Alnæs’ Stellung zwischen Grieg-Nachfolge und nationalem Musikleben einschlägig.
  • Grinde, Nils: Norsk musikkhistorie. Oslo: Universitetsforlaget. Überblickswerk zur norwegischen Musikgeschichte mit Kontext zu Romanze, Kirchenmusik, Chorwesen und nationalromantischer Tradition.
  • Grinde, Kirsti: „Eyvind Alnæs“. In: Norsk biografisk leksikon. Biographischer Fachartikel mit Lebenslauf, Werkprofil und Rezeptionshinweisen.
  • Herresthal, Harald: Studien zur norwegischen Kirchen- und Musikgeschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts; wichtig für den kirchenmusikalischen Kontext von Organisten, Kantoren und Choralbucharbeit.
  • Norsk Komponistforening: historische Materialien zur Gründung und Entwicklung des norwegischen Komponistenverbandes, in dem Alnæs als Mitbegründer und Vorsitzender eine Rolle spielte.
  • Norsk Musikforlag, Edition Wilhelm Hansen und Wise Music Classical: ältere und moderne Verlagskataloge zu Alnæs’ Liedern, Klavierwerken und Orchesterwerken.
  • Store norske leksikon: „Eyvind Alnæs“. Aktueller Lexikonartikel mit stilistischer und kulturgeschichtlicher Einordnung.
  • Vollsnes, Arvid O., Hg.: Norges musikkhistorie. Oslo: Aschehoug. Mehrbändiges Standardwerk zur norwegischen Musikgeschichte, einschlägig für Alnæs’ Zeitumfeld.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Agathe Backer Grøndahl Norwegische Komponistin und Pianistin, neben Grieg und Alnæs wichtig für die norwegische Romanze um 1900.
  • Aasmund Olavsson Vinje Norwegischer Dichter, dessen Texte Alnæs mehrfach vertonte.
  • Bragernes kirke Kirche in Drammen, an der Alnæs von 1895 bis 1907 als Organist wirkte.
  • Carl Reinecke Leipziger Komponist und Lehrer, bei dem Alnæs seine Kompositionsstudien fortsetzte.
  • Chormusik Zentrale Gattung in Alnæs’ Tätigkeit als Komponist und Dirigent.
  • Drammen Norwegische Stadt und früher wichtiger Wirkungsort Alnæs’ als Organist.
  • Edvard Grieg Norwegischer Komponist und wichtigster Vergleichspunkt für die norwegische Lied- und Romanzenkultur.
  • Fredrikstad Geburtsstadt Eyvind Alnæs’.
  • Edition Wilhelm Hansen Skandinavischer Musikverlag, bei dem wichtige Werke Alnæs’ erschienen.
  • Henrik Wergeland Norwegischer Dichter, dessen Text Sidste reis Alnæs zu einer seiner bekanntesten Romanzen vertonte.
  • Iver Holter Norwegischer Komponist, Theorielehrer Alnæs’ und zentrale Figur des norwegischen Musiklebens.
  • Kirchenmusik Berufliches Hauptfeld Alnæs’ als Organist, Kantor und Chordirigent.
  • Kongens fortjenstmedalje Norwegische Auszeichnung, die Alnæs 1922 in Gold erhielt.
  • Leipziger Konservatorium Ausbildungsort vieler skandinavischer Musiker des 19. Jahrhunderts, auch für Alnæs’ Studien bei Reinecke wichtig.
  • Männerchor Chorgattung, für die Alnæs zahlreiche beliebte Sätze schrieb.
  • Nils Collett Vogt Norwegischer Dichter, dessen Texte Alnæs in mehreren Liedern vertonte.
  • Norsk Komponistforening Norwegischer Komponistenverband, den Alnæs mitbegründete und dessen Vorsitzender er zeitweise war.
  • Norwegische Kirchenmusik Kontext für Alnæs’ Organistenamt, Choralbucharbeit und Domkantorentätigkeit.
  • Norwegische Musik Nationaler Rahmen von Alnæs’ Liedern, Chorsätzen, Orgelmusik und Orchesterwerken.
  • Norwegische Romanze Kunstliedgattung, in der Alnæs eine seiner wichtigsten Leistungen erbrachte.
  • Orgelmusik Gattung und Praxisfeld, das Alnæs als Kirchenorganist besonders prägte.
  • Oslo Hauptwirkungs- und Sterbeort Alnæs’.
  • Oslo domkirke Domkirche, an der Alnæs von 1916 bis 1932 als Organist und Kantor wirkte.
  • Per Sivle Norwegischer Dichter, dessen Texte Alnæs für Lieder und Männerchöre verwendete.
  • Romanze Skandinavische Kunstliedgattung, zentral für Alnæs’ kompositorische Bedeutung.
  • Sankt-Olav-Orden Norwegischer Orden, dessen Ritterkreuz 1. Klasse Alnæs 1932 erhielt.
  • Spätromantik Stilgeschichtlicher Rahmen von Alnæs’ Liedern, Klavierwerken und Orchesterkompositionen.
  • Uranienborg kirke Osloer Kirche, an der Alnæs von 1907 bis 1916 als Organist wirkte.
  • Vaarlængsler Bekannte Romanze Alnæs’ aus op. 17 und Beispiel seiner lyrischen Liedkunst.