Giovanni Paolo Almeri

Auch Gio. Paolo Almeri, Gio: Paolo Almeri, Giov. Paolo Almeri und in älterer Drucküberlieferung möglicherweise Gio. Paolo Aluieri; * 17. August 1629 in Senigallia, Todesdaten unbekannt, in einzelnen Nachweisen nach 1689 beziehungsweise 6. Januar 1696; italienischer Komponist, Kapellmeister und geistlicher Musiker.

Überblick

Giovanni Paolo Almeri war ein italienischer Komponist und Kirchenmusiker des 17. Jahrhunderts. Er wurde am 17. August 1629 in Senigallia geboren und ist vor allem als Verfasser geistlicher Vokalmusik greifbar. Die Quellen nennen ihn als Kapellmeister an der Kathedrale von Senigallia; eine handschriftliche Notiz bezeichnet ihn außerdem als Kanoniker. Sein Todesdatum ist nicht sicher vereinheitlicht. Während einige Nachweise nur „nach 1689“ oder allgemein das 17. Jahrhundert angeben, nennt ein bibliothekarischer Nachweis den 6. Januar 1696 in Senigallia.

Almeris Bedeutung liegt nicht in einer breiten, kontinuierlich aufgeführten Werküberlieferung, sondern in einem schmalen, quellenkundlich aufschlussreichen Bestand. Besonders wichtig ist der venezianische Druck Motetti a voce sola, der 1655 bei Francesco Magni beziehungsweise in der Gardano-Tradition erschien. Dieser Druck zeigt Almeri als Vertreter der geistlichen Solo-Motette mit Basso continuo. Daneben werden im italienischen Handschriftenkatalog einzelne Motetten wie Exurge anima mea, Dispersi sunt fletus und Oh pulcherrima virgo mit seinem Namen verbunden.

Die Zuschreibungslage ist nicht immer sicher. Das Duett La povera mia fé, das in Pesaro überliefert ist, wird in RISM mit Giovanni Paolo Almeri verbunden, erscheint aber in anderen Quellen unter anderen Zuschreibungen oder ohne Komponistennamen. Deshalb muss Almeri als Beispiel für einen Komponisten behandelt werden, dessen Werkprofil nur durch sorgfältige Trennung von sicher gedruckten, handschriftlich zugeschriebenen und zweifelhaften Stücken rekonstruiert werden kann.

Kulturgeschichtlich führt Almeri in eine musikalische Welt, in der kleinere Kathedralzentren, päpstliche und diplomatische Netzwerke, venezianischer Musikdruck, geistliche Monodie und lokale Kapellmeisterei miteinander verbunden waren. Er steht nicht im Vordergrund der großen Namen wie Claudio Monteverdi, Francesco Cavalli, Alessandro Grandi oder Giovanni Antonio Rigatti; gerade deshalb ist sein Eintrag wichtig, weil er die Breite der italienischen geistlichen Musikproduktion des 17. Jahrhunderts sichtbar macht.

Kurzdaten

Name Giovanni Paolo Almeri.
Weitere Namensformen Gio. Paolo Almeri, Gio: Paolo Almeri, Giov. Paolo Almeri, Canonico Giov. Paolo Almeri, Almeri, Giovanni Paolo; in älterer Druckbeschreibung möglicherweise als Gio. Paolo Aluieri gelesen.
Geburt 17. August 1629 in Senigallia.
Tod Todesdaten unbekannt; in einzelnen Nachweisen nach 1689, in einem bibliothekarischen Nachweis 6. Januar 1696 in Senigallia.
Beruf Komponist, Kapellmeister, Kirchenmusiker, Kanoniker, geistlicher Vokalkomponist und Vertreter der italienischen Motetten- und Monodieüberlieferung des 17. Jahrhunderts.
Wirkungsort Senigallia, besonders die Kathedrale; daneben durch Druck und Widmung mit Venedig und dem Umfeld des päpstlichen Nuntius Boccapaduli verbunden.
Amt Maestro di cappella beziehungsweise Kapellmeister an der Kathedrale von Senigallia; in einer späteren Handschriftennotiz auch als Canonico bezeichnet.
Hauptgattung Geistliche Motette für eine Singstimme und Basso continuo; daneben handschriftlich überlieferte Motetten und eine zweifelhaft zugeschriebene weltliche Kantaten- beziehungsweise Duettkomposition.
Hauptwerk Motetti a voce sola, Venedig, Francesco Magni, 1655; in einzelnen Lexikonnachweisen auch mit 1654 verbunden.
Quellenproblem Schmaler Werkbestand, schwankende Namensformen, uneinheitliche Todesdatierung und unsichere Zuschreibungen einzelner Handschriften.
Bedeutung Almeri ist ein kleiner, aber quellenkundlich wichtiger Vertreter der italienischen geistlichen Solo-Motette und der kathedralenbezogenen Musikpraxis des Seicento.

Quellenlage, Namensformen und Datierung

Die Quellen zu Giovanni Paolo Almeri sind knapp und teilweise widersprüchlich. Die Hauptform Giovanni Paolo Almeri ist durch moderne Lexikon- und Bibliotheksnachweise gestützt. In älteren Drucken erscheinen verkürzte Formen wie Gio. Paolo oder Gio: Paolo. In einer bibliographischen Beschreibung des venezianischen Drucks wird der Name als Aluieri gelesen; dies dürfte eher eine Lesungs- oder Drucküberlieferungsfrage als ein stabiler anderer Familienname sein. Für die Kulturlexikon-Seite bleibt daher Giovanni Paolo Almeri die Hauptform, während abweichende Namensformen als Varianten mitgeführt werden.

Die Datierung ist ebenfalls vorsichtig zu behandeln. Die Geburt am 17. August 1629 in Senigallia ist in den einschlägigen Nachweisen gut greifbar. Das Todesdatum ist schwieriger. BnF und andere Kataloge setzen den Tod allgemein ins 17. Jahrhundert beziehungsweise nach 1689. Der Katalog des Museo internazionale e biblioteca della musica di Bologna nennt dagegen den 6. Januar 1696 in Senigallia. Da der Nutzer ausdrücklich „Todesdaten unbekannt“ vorgibt und weil die internationale Normdatenlage nicht einheitlich ist, wird im sichtbaren Lemma keine harte Todesdatierung angesetzt, sondern die abweichende Überlieferung erläutert.

Auch das Werkverzeichnis muss quellenkritisch aufgebaut sein. Sicherer Kern ist der gedruckte Bestand der Motetti a voce sola. Daneben stehen handschriftliche Motetten im italienischen Katalogsystem und ein Duett beziehungsweise eine Kantate, deren Zuschreibung im Clori-Archiv ausdrücklich als unsicher bezeichnet wird. Diese Trennung ist wesentlich, weil ein Kulturlexikon sonst aus Katalogzuschreibungen ein vermeintlich geschlossenes Œuvre erzeugen würde, das die Quellen nicht hergeben.

Senigallia, Kathedralmusik und geistlicher Berufskontext

Senigallia war im 17. Jahrhundert kein musikalisches Zentrum von der Größe Venedigs, Roms oder Bolognas, aber ein wichtiger lokaler Kirchen- und Stadtraum in den Marken. Die Kathedrale bot einem Kapellmeister einen festen institutionellen Rahmen: liturgische Dienste, Festtage, Prozessionen, Vespern, marianische Feiern, Heiligenfeste und gegebenenfalls repräsentative Musik für städtische und kirchliche Anlässe.

Almeris Tätigkeit als Kapellmeister an der Kathedrale von Senigallia erklärt die geistliche Ausrichtung seines Werkbestands. Die Motette für eine Singstimme und Continuo ist eine Form, die im 17. Jahrhundert besonders gut zu kleineren und mittleren Kirchenkapellen passte. Sie erlaubte eine affektvolle, textnahe und zugleich ökonomisch realisierbare Aufführung: eine ausgebildete Stimme, Orgel oder anderes Continuo-Instrument und gegebenenfalls wenige zusätzliche Musiker genügten.

Die spätere Bezeichnung als Kanoniker deutet auf einen geistlichen Stand oder zumindest auf eine feste kirchliche Einbindung. Almeri ist deshalb nicht nur als Komponist im modernen Sinn zu verstehen, sondern als kirchlicher Funktionsträger, der Musik für konkrete liturgische und devotional-praktische Bedürfnisse schrieb oder bereitstellte. Dies unterscheidet seine Produktionsweise von der eines Opernkomponisten oder eines reisenden Virtuosen.

Venedig, Musikdruck und das Umfeld Boccapaduli

Der Druck Motetti a voce sola erschien in Venedig bei Francesco Magni und steht in der Nachfolge der berühmten venezianischen Musikdrucktradition der Gardano-Werkstatt. Venedig war im 17. Jahrhundert eines der wichtigsten europäischen Zentren für Musikdruck. Auch Komponisten aus kleineren Städten konnten dort geistliche Musik publizieren und dadurch über ihren lokalen Wirkungskreis hinaus sichtbar werden.

Die Titelbeschreibung nennt Almeri als Maestro di Camera des hochgestellten Monsignore Boccapaduli, der als päpstlicher Nuntius in Venedig wirkte. Diese Angabe ist für Almeris Netzwerk bedeutsam. Sie zeigt, dass er nicht ausschließlich in Senigallia verankert war, sondern mit einem diplomatisch-kirchlichen Umfeld verbunden war. Der päpstliche Nuntius unterhielt eine repräsentative Haus- und Kapellpraxis, in der geistliche Solomotetten und lateinische Vokalmusik gut vorstellbar sind.

Die Widmung an Ferdinand Karl, Erzherzog von Österreich, verweist auf die höfisch-katholische Dimension des Drucks. Ein solcher Druck war nicht nur eine Sammlung brauchbarer Kirchenmusik, sondern zugleich ein Medium sozialer Bindung, Patronage und symbolischer Sichtbarkeit. Almeri platzierte sich damit innerhalb einer katholisch-aristokratischen und venezianisch-druckkulturellen Öffentlichkeit.

Motette, Monodie und Basso continuo

Die Motette des 17. Jahrhunderts war keine einheitliche Form. Neben mehrchörigen und polyphonen Werken entwickelte sich die geistliche Solo-Motette mit Basso continuo, die Elemente der Monodie, der konzertierenden Kirchenmusik und der rhetorischen Textausdeutung verband. In diesem Feld ist Almeris Motetti a voce sola zu verorten.

Der Titel a voce sola zeigt eine Konzentration auf die einzelne Stimme. Diese Stimme steht nicht mehr nur als Teil eines polyphonen Satzgefüges, sondern als Trägerin des Textes, der Affekte und der musikalischen Bewegung im Vordergrund. Der Basso continuo bildet harmonisches Fundament, rhetorische Stütze und liturgisch-praktische Begleitung. Gerade in kleineren Kapellen war diese Besetzung besonders praktikabel.

Die lateinischen Texte der Motetten verweisen auf ein geistliches Repertoire, das zwischen Liturgie, Andacht und konzertierender Aufführungspraxis stand. Solche Stücke konnten in verschiedenen Kirchenkontexten verwendet werden, sofern Text, Festzeit und Besetzung passten. Almeri gehört damit zu einer breiten Gruppe italienischer Seicento-Komponisten, die geistliche Solomusik für ein zunehmend affekt- und wortorientiertes Klangideal schrieben.

Handschriftliche Überlieferung und unsichere Zuschreibungen

Neben dem gedruckten Bestand begegnen Almeri zugeschriebene Handschriften. Der italienische Nationalkatalog musikalischer Handschriften führt unter seinem Namen unter anderem Exurge anima mea mit Dispersi sunt fletus sowie Oh pulcherrima virgo. Diese Stücke sind als Motetten für Singstimme und Basso continuo nachgewiesen und passen gattungsgeschichtlich gut zu Almeris gedrucktem Profil.

Besondere Vorsicht erfordert La povera mia fé. Das Clori-Archiv beschreibt das Stück als Duett für Sopran, Bass und Continuo, datiert die Kopie in den Zeitraum 1654 bis 1689 und weist darauf hin, dass RISM Giovanni Paolo Almeri nennt. Gleichzeitig meldet Clori andere Quellenlagen: eine Zuschreibung an Alessandro Stradella, eine Einordnung unter dubia und anonyme Überlieferung in Neapel. Der Bestand ist deshalb nicht als sicherer Werkbeleg, sondern als zweifelhafte Zuschreibung zu führen.

Diese Unsicherheit ist typisch für die italienische Kantaten- und Kammermusiküberlieferung des 17. Jahrhunderts. Abschriften wanderten zwischen Sammlungen, Kopisten notierten Namen nachträglich, einzelne Texte wurden mehrfach vertont, und spätere Kataloge mussten mit fragmentarischen oder widersprüchlichen Angaben arbeiten. Almeris Werkverzeichnis muss diese Überlieferungsrealität sichtbar machen, statt sie zu glätten.

Stil, Besetzung und kulturgeschichtliches Profil

Almeris greifbarer Stil gehört in die Welt der italienischen geistlichen Solomotette. Er dürfte mit einer textnahen, affektorientierten Melodik, klarer Continuo-Führung, rezitativischen und ariosen Abschnitten sowie rhetorischer Ausdeutung lateinischer Texte gearbeitet haben. Da nur wenige Werke unmittelbar zugänglich sind, ist eine detaillierte Stilbeschreibung vorsichtig zu formulieren; die Gattung und die Druckumgebung sprechen aber deutlich für eine Nähe zur venezianisch-römischen Solomotettenpraxis.

Die Besetzung für eine Stimme und Continuo ist kulturgeschichtlich entscheidend. Sie zeigt die Veränderung der geistlichen Musik im 17. Jahrhundert: Der große polyphone Chorsatz blieb wichtig, aber neben ihn trat eine flexible, kleinere, expressivere Form. Diese Form konnte in Hofkapellen, Nuntiaturen, kleineren Kathedralen, Klöstern und privaten Andachtsräumen eingesetzt werden. Almeri ist ein Beispiel dafür, wie weit diese Praxis verbreitet war.

Als Kapellmeister von Senigallia steht Almeri außerdem für die musikalische Kultur kleinerer italienischer Zentren. Die Musikgeschichte des Seicento wird oft von Venedig, Rom, Bologna, Neapel oder Florenz her erzählt. Almeri zeigt dagegen, dass die neue geistliche Vokalsprache auch über regionale Kathedralen, lokale Kapellmeister, reisende Drucke und kirchliche Netzwerke weitergegeben wurde.

Werkverzeichnis

Das Werkverzeichnis unterscheidet den sicher gedruckten Kernbestand, handschriftliche Motettennachweise, unsichere Zuschreibungen und nur bibliographisch beziehungsweise indirekt greifbare Quellen. Da Almeris Œuvre schmal und teilweise nur katalogisch zugänglich ist, wird bewusst keine künstliche Vollständigkeit behauptet, die über die erhaltenen Nachweise hinausginge.

Gedruckte Werke

  • Motetti a voce sola. Venedig: Francesco Magni, 1655; in einzelnen Lexikon- und Katalogangaben auch mit 1654 verbunden. Der Druck trägt die Namensform Gio. Paolo Almeri beziehungsweise in älterer Beschreibung Gio. Paolo Aluieri, nennt ihn als Maestro di Camera des päpstlichen Nuntius Boccapaduli in Venedig und ist Ferdinand Karl, Erzherzog von Österreich, gewidmet. Der ältere Bohn-Katalog beschreibt den Druck als Sammlung von 17 lateinischen Gesängen beziehungsweise Motetten für eine Singstimme und Continuo.
  • Partitura motetti a voce sola. Diese Formulierung erscheint in modernen lexikalischen Nachweisen als Werkangabe zu Almeri. Sie ist wahrscheinlich mit dem venezianischen Motettendruck beziehungsweise dessen Partiturüberlieferung zu verbinden und sollte nicht ohne Quellenprüfung als zweiter selbständiger Druck neben den Motetti a voce sola gezählt werden.

In der Motettensammlung genannte beziehungsweise katalogisch fassbare Stücke

  • Venite currite omnes. In der älteren bibliographischen Beschreibung als erstes Stück der Motetti a voce sola genannt. Lateinische Solo-Motette mit Continuo.
  • Omnes populi. In der älteren bibliographischen Beschreibung als siebzehntes Stück der Motetti a voce sola genannt. Lateinische Solo-Motette mit Continuo.
  • Weitere fünfzehn lateinische Motetten aus dem Druck Motetti a voce sola. Die vollständige Einzeltitelliste ist anhand des Originaldrucks beziehungsweise der erhaltenen Exemplare zu ergänzen; im Kulturlexikon wird der Bestand als Sammlung von 17 Stücken geführt.

Handschriftlich beziehungsweise katalogisch nachgewiesene Motetten

  • Exurge anima mea; Dispersi sunt fletus. Im italienischen Nationalkatalog musikalischer Handschriften unter Giovanni Paolo Almeri als Motette für Singstimme und Basso continuo nachgewiesen. Der Quellenort wird im URFM-Kontext mit Pesaro, Biblioteca del Conservatorio Statale di Musica „G. Rossini“, verbunden.
  • Oh pulcherrima virgo. Im italienischen Nationalkatalog musikalischer Handschriften unter Giovanni Paolo Almeri als Motette für Sopran und Basso continuo nachgewiesen. Der marianische Titel passt gut zur geistlichen Solomotettenpraxis des 17. Jahrhunderts.

Zweifelhafte oder unsicher zugeschriebene Werke

  • La povera mia fé. Duett für Sopran, Bass und Continuo; Handschrift in Pesaro, Biblioteca del Conservatorio Statale di Musica „G. Rossini“, Ms.b.16. Die Quelle trägt beziehungsweise erhielt die Zuschreibung Almeri; RISM nennt Giovanni Paolo Almeri. Das Clori-Archiv weist jedoch ausdrücklich auf konkurrierende Zuschreibungen an Alessandro Stradella, eine anonyme Quelle in Neapel und die Schwierigkeit einer sicheren Autorbestimmung hin. Das Stück ist daher als unsichere Zuschreibung zu führen, nicht als gesichertes Werk.
  • Ah son ben io perché. Arienabschnitt innerhalb von La povera mia fé; nur im Zusammenhang des unsicher zugeschriebenen Duetts zu führen.
  • Mia fida servitù. Rezitativabschnitt innerhalb von La povera mia fé; nur im Zusammenhang des unsicher zugeschriebenen Duetts zu führen.
  • Dunque che spero più. Schlussarie innerhalb von La povera mia fé; nur im Zusammenhang des unsicher zugeschriebenen Duetts zu führen.

Nicht gesichert oder nicht nachzuweisen

  • Weitere geistliche Drucke. Nach der hier ausgewerteten Quellenlage ist kein weiterer sicherer Druck Almeris neben den Motetti a voce sola anzusetzen.
  • Opern und dramatische Bühnenwerke. Für Almeri sind keine gesicherten Opern oder dramatischen Bühnenwerke nachgewiesen.
  • Instrumentalwerke. Es liegen keine gesicherten selbständigen Instrumentalwerke vor.
  • Mehrstimmige Messen, Psalmen oder Vesperzyklen. Solche Werke sind bei einem Kathedralmusiker denkbar, aber nicht als gesicherter Almeri-Bestand zu führen, solange kein Quellenbeleg vorliegt.

Rezeption und editorische Hinweise

Giovanni Paolo Almeri gehört zu den Komponisten, deren heutige Sichtbarkeit nahezu vollständig von Katalogen, Drucknachweisen und Spezialarchiven abhängt. Er ist kein kanonischer Name der italienischen Barockmusik, aber ein wichtiger Zeuge für die Verbreitung der geistlichen Solomotette in der Mitte des 17. Jahrhunderts. Seine Werke zeigen, dass die neue Continuo- und Monodieästhetik nicht nur in den großen Zentren, sondern auch in kleineren kirchlichen Musikmilieus wirksam war.

Die moderne Rezeption ist bislang vor allem bibliographisch. BnF, DEUMM, MGG, RISM, Clori und italienische Handschriftenkataloge halten den Namen präsent. Aufführungs- oder Tonträgerrezeption ist dagegen nur eingeschränkt nachweisbar. Für das Kulturlexikon ist deshalb die Quellenbeschreibung wichtiger als eine wertende Werkästhetik.

Editorisch empfiehlt sich eine klare dreifache Trennung: Erstens der venezianische Druck Motetti a voce sola als sicherer Kern, zweitens die handschriftlichen Motettennachweise als plausibel, aber quellenabhängig zu behandelnder Bestand, drittens La povera mia fé als ausdrücklich unsichere Zuschreibung. Ebenso sollte das Todesdatum nicht absolut gesetzt werden. Die Form „Todesdaten unbekannt; nach 1689, nach anderer Angabe 1696“ wahrt die Quellenlage besser als eine eindeutige, aber nicht allgemein etablierte Datierung.

Sekundärliteratur

  • Bohn, Emil: Bibliographie der Musik-Druckwerke bis 1700, welche in der Stadtbibliothek, der Bibliothek des akademischen Instituts für Kirchenmusik und der Königlichen und Universitäts-Bibliothek zu Breslau aufbewahrt werden. Berlin 1883. Enthält eine bibliographische Beschreibung des Drucks Motetti a voce sola.
  • Clori. Archivio della Cantata Italiana: Datensatz zu La povera mia fé. Wichtig für die Beschreibung der Handschrift, der Besetzung, der Zuschreibungslage und der konkurrierenden Autorschaften.
  • DEUMM Online: „Almeri, Giovanni Paolo“. Kurzlexikalischer Artikel mit Geburtsort, Geburtsdatum und Werkhinweis auf Motetti a voce sola.
  • Gianturco, Carolyn, und Eleanor McCrickard: Alessandro Stradella. A Thematic Catalogue of His Compositions. Stuyvesant, NY: Pendragon Press, 1991. Wichtig, weil La povera mia fé in der Stradella-Überlieferung als dubium begegnet.
  • Garbelotto, Antonio: Arbeiten beziehungsweise Kataloghinweise zur Handschriftenüberlieferung in Pesaro, im Clori-Datensatz zu La povera mia fé genannt.
  • Jeż, Tomasz: Arbeiten zur Bibliotheca Rehdigeriana und zur Verbreitung italienischer geistlicher Drucke nördlich der Alpen; als Kontext für die Zirkulation venezianischer Motettendrucke des 17. Jahrhunderts relevant.
  • MGG Online: „Almeri, Giovanni Paolo“. Fachlexikalischer Artikel beziehungsweise Nachweis mit Werkangaben und bibliographischen Verweisen.
  • RISM A/I und RISM A/II: Internationale Quellen- und Drucknachweise zu Almeris gedruckter und handschriftlicher Musik.
  • URFM / Ufficio Ricerca Fondi Musicali: Nationaler Katalog musikalischer Handschriften bis 1900 mit Nachweisen zu Almeri zugeschriebenen Motetten.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Alessandro Grandi Komponist geistlicher Solomotetten und wichtiger Vergleichspunkt für Almeris Gattungskontext.
  • Alessandro Stradella Italienischer Komponist, mit dem La povera mia fé in konkurrierender Zuschreibung verbunden ist.
  • Basso continuo Harmonisches Fundament der geistlichen Solo-Motette und zentral für Almeris überlieferten Werkbestand.
  • Boccapaduli Kirchlich-diplomatisches Umfeld, in dem Almeri im Titel seines Motettendrucks als Maestro di Camera erscheint.
  • Cantata italiana Quellen- und Gattungskontext für die unsicher zugeschriebene Kammerkomposition La povera mia fé.
  • Francesco Cavalli Venezianischer Komponist des Seicento und wichtiger Kontext für italienische Vokal- und Bühnenmusik.
  • Continuo Kurzform für Basso continuo, die für Almeris Solomotetten und handschriftliche Vokalstücke grundlegend ist.
  • Francesco Magni Venezianischer Musikdrucker beziehungsweise Verleger, bei dem Almeris Motetti a voce sola erschienen.
  • Gardano Venezianische Musikdruckertradition, in deren Umfeld Almeris Motettendruck steht.
  • Geistliche Monodie Gattungs- und Stilbereich, in dem Almeris Solomotetten zu verorten sind.
  • Italienische Barockmusik Übergeordneter kulturgeschichtlicher Rahmen von Almeris geistlicher Musik.
  • Kapellmeister Amtliche Funktion, die Almeri an der Kathedrale von Senigallia zugeschrieben wird.
  • Kirchenmusik Hauptbereich von Almeris kompositorischer Tätigkeit.
  • Maestro di cappella Italienische Amtsbezeichnung für den Leiter einer Kirchen- oder Hofkapelle.
  • Monodie Einzelstimmige, textorientierte Vokalpraxis mit Continuo, deren geistliche Ausprägung Almeri vertritt.
  • Claudio Monteverdi Zentrale Gestalt des italienischen Frühbarock und Vergleichshorizont für die Entwicklung der Monodie.
  • Motette Geistliche Vokalgattung, in der Almeri seinen sichersten Werkbestand hinterließ.
  • Musikdruck Mediengeschichtlicher Rahmen, durch den Almeris Musik über Senigallia hinaus verbreitet wurde.
  • RISM Internationales Quellenverzeichnis, das Almeri zugeschriebene Drucke und Handschriften nachweist.
  • Giovanni Antonio Rigatti Italienischer Komponist geistlicher Solomotetten und wichtiger Kontext für Almeris Repertoire.
  • Senigallia Geburts- und Wirkungsort Almeris sowie Sitz der Kathedrale, an der er als Kapellmeister nachweisbar ist.
  • Seicento Italienischer Begriff für das 17. Jahrhundert und stilgeschichtlicher Rahmen von Almeris Musik.
  • Solo-Motette Spezifische Motettenform für eine Singstimme und Continuo, die Almeris Hauptwerk bestimmt.
  • Stradella-Katalog Thematischer Katalog, in dessen Dubia-Bereich die Zuschreibungsfrage um La povera mia fé berührt wird.
  • Venedig Zentrum des Musikdrucks, in dem Almeris Motetten publiziert wurden.
  • Venezianischer Musikdruck Druck- und Verlagskultur, durch die Almeris geistliche Musik überliefert wurde.